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34 Artikel der Kategorie "Thema: Kriminalität"

Mittwoch, 22. August 2007

Das Ungeheuer von Loch Mügeln...

...findet man hier. Und wer immer es war, der diesen trotz des ernsten Themas so unterhaltsamen wie treffenden Artikel abgelehnt hat, sollte von seinem Brötchengeber schnellstens auf einen anderen Posten versetzt werden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet.

Neulich, bei der Menschenjagd...

Die Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln hat die Debatte um die ausländerfeindliche Gewalt in Deutschland neu entfacht. [...] Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse [...] warnte auch vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort: Je schlechter der Ruf Deutschlands ist, umso weniger werden die Leute, die wir brauchen können für unseren Wohlstand und Fortschritt, kommen.

Wolfgang Thierse mag ja ein Dampfplauderer sein, aber hier hat er nicht nur recht, er bringt auch ein Argument, das selbst einem Kategorien wie Zivilisation, Menschlichkeit und Mitgefühl ansonsten nicht mehr zugänglichen Hartz-IV-Nazi eigentlich einleuchten müßte. Thierse hat es angesichts der Adressaten vielleicht etwas umständlich ausgedrückt, aber man kann es für unsere etwas schlichter strukturierten Prolet-Arier auch in einfache Worte fassen: "Du nix benehmen, Du nix Arbeit. Braun zwar scheiße, aber nicht auf Haut, sondern in Schädel."

Es ist nämlich nicht nur nicht sonderlich nett, seine Mitmenschen ohne deren Einverständnis krankenhausreif zu schlagen, es ist auch ziemlich dumm, in die Hand zu beißen, die einen füttern könnte. Denn es sind nicht zuletzt gerade diese Inder, die der deutschen Wirtschaft fehlen und die dann wiederum jene Arbeitsplätze schaffen könnten, von denen auch unsere rechten Kameraden profitieren würden, wenn sie ihre Energie nur mal in Dinge wie das Programmieren von Webseiten stecken würden statt ins Nähen von Reichskriegsflaggen.

Der Streit begann am Sonntagmorgen kurz vor 01.00 Uhr im Festzelt auf der Tanzfläche mit Schubsereien, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Inder hätten das Zelt schließlich verlassen und seien draußen von den Deutschen attackiert worden. Gegenüber liege eine Pizzeria, die von einem Inder betrieben werde. Dorthin seien die Angegriffenen gerannt, und der Wirt habe sie durch einen Nebeneingang hereingelassen.

„Eine Gruppe von zirka 50 deutschen Veranstaltungsteilnehmern und zahlreiche Schaulustige folgten den Flüchtenden“, berichtete die Polizei weiter. Einige hätten die Eingangs- und Hintertür eingetreten und das Auto des Pizzeria-Besitzers stark beschädigt. Die Polizei schritt nach eigenen Angaben mit 70 Einsatzkräften ein und drängte die Angreifer ab.

Diese Schilderung des Tathergangs wirft dabei ein bezeichnendes Licht auf die Unfähigkeit unseres Staates, ganz generell mit Gewaltkriminalität fertigzuwerden. Da stehen 70 bewaffnete Polizisten einem brutalen Lynchmob gegenüber, und dann drängen sie die Täter allen Ernstes einfach ab, statt, wie das in einem funktionierenden Rechtsstaat eigentlich eine Selbstverständlichkeit wäre, zu versuchen, möglichst vieler von ihnen habhaft zu werden. Noch besser kann man eine offizielle Einladung zum nächsten Pogrom kaum verfassen.

Zwei Polizisten seien ambulant behandelt worden. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt, erklärte die Polizeidirektion. „Ein ausländerfeindlicher Hintergrund kann derzeit weder ausgeschlossen noch bestätigt werden.“ Die Polizeidirektion Westsachsen berichtete jedoch von Zeugenaussagen, nach denen die Verfolger „Ausländer raus“ und „Hier regiert der nationale Widerstand“ gerufen hätten.

Und? Mal ganz davon abgesehen, daß die Äußerung "Ausländer raus!" nur mit sehr viel Phantasie als nicht ausländerfeindlich zu interpretieren ist, wäre die Sache ja wohl keinen Deut besser, wenn die Inder nur aus ganz allgemeinem Menschenhaß, der Lust daran, Schwächere zu quälen, oder einfach weil die Täter gemeingefährliche Soziopathen waren, mißhandelt worden wären. Es ist ja wohl unabhängig davon die Aufgabe des Staates sicherzustellen, daß dieses Gesindel die Lust verliert, so was noch mal zu machen, oder?

Wobei es unfair wäre, der Polizei hier die Hauptschuld zuzuweisen, denn auch wenn man sich zu Recht fragt, wieso sich vergleichsweise harmlose langhaarige Ökopaxe bei Bedarf problemlos einkesseln und einzeln abfrühstücken lassen, die Festnahme eines Haufens alkoholisierter Schlagetots die Muckitruppe der Polizei hingegen vor unlösbare Probleme stellt, so sind die Justiz und auch der Gesetzgeber an der Misere vorsichtig ausgedrückt nicht unbeteiligt, wie die zuständige Justizministerin in einem Interview denn auch versehentlich offen zugibt:

Strafen wurden oft zur Bewährung ausgesetzt oder es wurden nur Geldstrafen verhängt. Paragraf 47 des Strafgesetzbuches schreibt vor, dass Freiheitsstrafen von einem halben Jahr nur in Ausnahmefällen verhängt werden dürfen und stattdessen soll eher auf Geldstrafen ausgewichen werden. Paragraf 56 erlaubt es, Haftstrafen bis zu zwei Jahren zur Bewährung auszusetzen. Diese Ausnahmen wollen wir für die Verurteilung von Tätern rechtsextremistischer Taten einschränken, um die Strafen verschärfen zu können.

Liest man so was, dann wird durch die Erwähnung von §47 im Zusammenhang mit vorsätzlicher Körperverletzung erstens klar, daß Gewaltverbrechen von seiten des Gesetzgebers irgendwie immer noch nicht so ganz ernst genommen werden, und die Erwähnung von §56 legt den Verdacht nahe, daß diejenigen, die ihn täglich anwenden, den tieferen Sinn einer Bewährung offenbar noch nicht zur Gänze erfaßt haben, sonst wäre es kaum möglich, daß ein Wiederholungstäter mehr als eine Bewährungsstrafe am Stück kriegen kann.

Statt also mal wieder demonstrative Betroffenheit an den Tag zu legen und zu hoffen, daß jetzt nicht auch noch die letzten Inder einsehen, daß Deutschland nicht nur bezüglich der wirtschaftlichen Chancen, sondern auch in Fragen der persönlichen Sicherheit keine ernstzunehmende Alternative zu den angelsächsischen Ländern ist, wäre es ein angemessener Zeitpunkt, Gewaltverbrechen nicht länger als Kavaliersdelikt zu behandeln und Wiederholungstäter so lange aus dem Verkehr zu ziehen, bis sie gelernt haben sich zusammenzureißen.

Sonst war Rostock vielleicht das erste, aber Mügeln nicht das letzte Mal.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Mit 4:3 in den Tod

Selbstmordanschläge auf feiernde Fußball-Fans haben in Bagdad mindestens 50 Menschen das Leben gekostet. Es gab nach Angaben des Innenministeriums mehr als 100 Verletzte, als im westlichen Stadtteil Mansur und im Osten der irakischen Hauptstadt zwei Bomben explodierten.

Das muß man sich mal vorstellen: Da schaffen es die Iraker sensationell Südkorea zu schlagen (bei der Gelegenheit Glückwunsch, Irak!) und mit den daraus resultierenden Freudenkundgebungen endlich mal gute Nachrichten zu produzieren, die es sogar ausnahmsweise mal in die Mainstreammedien schaffen (wenn auch nicht gleich auf die Titelseite, aber immerhin), und dann werden die jubelnden Fans einfach von einer brutalen Mörderbande in die Luft gesprengt.

Es wäre nett, wenn wenigstens jene Menschen, die sich hierzulande während der WM friedlich und ungestört auf den Straßen und vor Großbildwänden versammelt haben, davon Abstand nehmen könnten, die Täter weiter als Widerstandskämpfer zu verherrlichen oder die vorher gemeinsam feiernden Toten auch noch als Opfer eines Bürgerkriegs zu verhöhnen.

Samstag, 21. Juli 2007

Chrr, de Amis!

Wie aus meiner Fanpost, aber auch der WMD-Kommentarsektion hervorgeht, sorgt derzeit ein Bericht des Nachrichtenmagazins des Möchtegernnachrichtenmagazins der Illustrierten FOCUS für eine gewisse Unruhe in Teilen der - sagen wir - amerikakritischen Öffentlichkeit. Wobei Unruhe vielleicht das falsche Wort ist. Angemessener wäre wohl eher etwas wie "freudige Erregung" oder "erwartungsvolles mit den Füßen scharren". Denn es geht um nichts weniger als die Untaten der amerikanischen Kriegsmaschinerie - ein Thema, das spätestens seit den 40er-Jahren in Deutschland immer wieder ganze Sportpaläste Hofgärten die Volksmassen zu begeistern vermag.

Dabei würde man dem FOCUS angesichts seines doch eher zu vernachlässigenden Auslandsteils zuviel Ehre antun, wenn man ihn für die Aufregung verantwortlich machen würde und nicht jene US-Zeitschrift, über deren Berichterstattung er in Ermangelung eigener Ideen zum Mitschwimmen auf der Antiirakkriegswelle Bericht erstattet, nämlich "The Nation". Diese hat kürzlich US-Soldaten interviewt, was den FOCUS-Redakteur, dem das Ergebnis in die Hände gefallen ist, dazu veranlasste, unter der einprägsamen Schlagzeile "Irak-Krieg: US-Soldaten töten wahllos Zivilisten" einen Artikel mit den folgenden vielsagenden Zeilen zu eröffnen:

Schießwütige US-Soldaten gehören im Irak offenbar zum Alltag. Doch sie werden fast nie bestraft und offenbaren ihre Gräueltaten selten, wie jetzt einem US-Magazin.

Wer bei diesen Worten jetzt an seinen Großvater denkt, von dem er so was als Kind auch schon mal gehört hat, sollte jetzt aber nicht den naheliegenden Fehler machen und aus dem Namen der Zeitschrift darauf schließen, daß es sich hier um irgendein stramm patriotisches Propagandablatt von durch die bittere Wahrheit geläuterten amerikanischen Konservativen handelt. "The Nation" gilt als den Demokraten (das ist die Partei, die derzeit im Kongreß alles tut, um den Kameraden der interviewten US-Soldaten den finanziellen Stecker rauszuziehen) nahestehend und bezeichnet sich selbst als "Flaggschiff der Linken", welche gemeinhin nicht dafür bekannt ist, Argumente FÜR den Irakkrieg zusammenzusuchen.

Da verwundert es denn auch nicht, dass "The Nation" es in monatelanger Vorbereitung tatsächlich geschafft hat, aus nur wenigen hunderttausend Irakkriegsveteranen immerhin 50 aufzutreiben, die von amerikanischen Kriegsverbrechen oder wenigstens fragwürdigen Methoden der Kriegführung zu berichten wissen, und deren Grundhaltung man bei "The Nation" offen mit den Worten "many of whom have come to oppose the occupation" beschreibt. Das hindert den FOCUS jedoch nicht daran, die daraus gezogenen Schlüsse zu verallgemeinern, obwohl selbst der proamerikanischer Umtriebe unverdächtige SPIEGEL inzwischen einräumen muß, daß die Amerikaner mit den Irakern offenbar doch besser umgehen als diese selbst.

Das heißt wohlgemerkt natürlich nicht, daß amerikanische Soldaten als einzige auf der Welt niemals Kriegsverbrechen begehen. Im Gegenteil, es wäre angesichts der Zahl der bereits im Irak eingesetzten Truppen ein in der Kriegsgeschichte wohl einmaliges Wunder, wenn es über die interviewten 50 Soldaten hinaus keine weiteren derartigen Zwischenfälle gegeben hätte. Wenn man nur den Bevölkerungsdurchschnitt der Gewaltkriminellen auf die Armee hochrechnet, sollte da bereits genügend Potential vorhanden sein, um "The Nation" und dem FOCUS noch Material für weitere spannende Geschichten zu liefern. Wer glaubt, in einem Antiterrorkrieg gäbe es weniger Brutalität als im Bahnhofsviertel der nächsten Großstadt, ist jedenfalls ein Träumer.

Denn den sauberen Krieg gibt es nicht. Kriegsverbrechen lassen sich nie völlig verhindern, in keinem Krieg und von keiner Armee. Das ist aber auch gar nicht die Frage. Entscheidend ist viel mehr, ob man derartige Verbrechen selber organisiert, fördert, duldet, ablehnt oder bekämpft. Tut ein Land letzteres und handelt es sich, was dann sehr wahrscheinlich ist, um einen demokratischen Rechtsstaat, so stehen ihm dabei allerdings auch nur dessen Mittel zur Verfügung. Das heißt, er kann die Täter zwar bestrafen, dies setzt aber voraus, daß man diesen die Tat dann auch nachweisen kann, sonst hat man vor Gericht nun mal schlechte Karten. Und wenn dann die Zeugen die Aussage verweigern oder sich nur gegenüber der Presse statt vor Gericht äußern, dürfen sie sich nicht darüber beklagen, daß die Täter am Ende ungestraft davonkommen

Hier steht man nun mal vor dem selben Problem wie bei der Kriminalitätsbekämpfung ganz allgemein, wo man zum Verdruß der rechtschaffenen Bürger immer wieder mutmaßliche Täter aus Mangel an Beweisen laufen lassen muß, ohne daß das jetzt irgendjemand dem Gericht vorwerfen oder gar fordern würde, die Beschuldigten dann halt einfach auf Verdacht auf die Teufelsinsel zu schicken. Wer aber ernsthaft in Kauf nehmen will, lieber Unschuldige zu bestrafen als Schuldige laufen zu lassen, soll das offen sagen, und nicht so tun, als ob eine derartige Willkürjustiz mit unserem derzeitigen westlichen Rechtsverständnis kompatibel wäre.

Und kommt es erst mal zu einer Gerichtsverhandlung, kann man gerade der amerikanischen Justiz nicht vorwerfen, dass sie, wenn sie denn einen Kriegsverbrecher endlich an den Eiern bzw. Eierstöcken hat, sonderlich zimperlich wäre. Da beantragt die Staatsanwaltschaft für das, was hier in Deutschland als "Körperverletzung" verharmlost wird, schon mal zweistellige Haftstrafen (wohlgemerkt Jahre, nicht Monate), und einem brutalem Mörder droht sogar die Todesstrafe, was selbst unter Irakkriegsgegnern zu erstaunlichen Solidarisierungen führen kann. Gleichzeitig drehen die Feinde des Westens von ihren schwarzen Schafen Heldenvideos, benennen Straßen nach ihnen, und am Ende zieren deren Gesichter gar Poster und T-Shirts auf der ganzen Welt.

Hinzu kommt, daß diejenigen, die jetzt publikumswirksam Krokodilstränen ob getöteter irakischer Frauen und Kinder vergießen, all die Jahre zuvor geschwiegen haben, als derartige Verbrechen nicht die beklagenswerte Ausnahme, sondern die völkerrechtskonforme Regel waren, und daß gerade diese Klientel auffällig oft den Sturz eben jenes Diktators, der für besagte Verbrechen verantwortlich war, vehement ablehnt. Artikel wie dieses "Meisterstück" von FOCUS bzw. "The Nation" sind also nicht nur eine böswillige Verzerrung der Wirklichkeit, sondern erfüllen zusätzlich noch den Tatbestand widerwärtiger Heuchelei in einem besonders schweren Fall.

Vollends absurd wird das ganze aber, wenn das Vorhandensein von Mißständen und die unzureichenden Erfolge im Kampf gegen selbige als Vorwand genommen werden, um gegen totalitäre Bedrohungen geführte Kriege als solche zu diskreditieren. Denn auch wenn man der Ansicht ist, daß die USA den Kampf gegen Verbrecher in den eigenen Reihen noch nicht ausreichend führen, sollte man bei aller im Einzelfall berechtigter Kritik nie vergessen, daß ohne das Eingreifen Amerikas die Welt gerade diesbezüglich immer noch um einiges schlechter aussähe. Da dürfen sich die Amerikahasser dann auch nicht wundern, wenn der Schuß bisweilen nach hinten los geht.

Donnerstag, 05. Juli 2007

Mal 'ne (Um)frage...

Was ich schon immer mal wissen wollte:

Mittwoch, 13. Juni 2007

Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube

Justizministerin Angela Kolb forderte erneut, extremistisch motivierte Straftaten stärker unter Strafe zu stellen. "Der Staat muss extremistischer Gewalt mit aller Härte Paroli bieten", sagte die SPD-Politikerin. "Wer Menschen verprügelt, nur weil sie beispielsweise anders aussehen, soll nicht auf eine Bewährungsstrafe spekulieren können", fügte sie hinzu.

Ja, was'n plötzlich los bei den Genossen? Erst einsame links-alternative Blogger, und jetzt sogar schon komplette SPD-Minister - was geht? Auf einmal sind Gewaltverbrechen auch für Menschen, die an das Gute im Menschen glauben, keine Kavaliersdelikte mehr.

Bin jedenfalls mal gespannt, ob die gute Frau, nachdem die erste Aufregung vorbei ist und sich keiner mehr für die Opfer interessiert, noch an ihre Worte erinnert werden will, wenn mal wieder ein Scharfmacher der Union Schluß mit der weichen Welle fordert.

Warten wir also einfach mal ab, wann es wieder heißt "der mehrfach wegen Körperverletzung vorbestrafte". Einfach dann aus der Zeitung ausschneiden und an Frau Kolb schicken. Die macht das dann schon, ganz bestimmt. Demnächst in diesem Theater.

Montag, 11. Juni 2007

Revolutionary mugged by reality

Tja, lieber Staat, was hast Du falsch gemacht? Wenn schon systemkritische Genossen wie unser Che nach härterem Durchgreifen rufen, muß ja wohl irgendwas gehörig schiefgelaufen sein. Wobei ich, auch wenn ich mit ihm sonst eher selten einer Meinung bin, angesichts von Meldungen wie dieser oder dieser seinen Ärger bis zu einem gewissen Punkt durchaus nachvollziehen kann.

Denn wenn brutale Verbrechen wie diese nicht verhindert werden bzw. keine gravierenden Konsequenzen für die Täter nach sich ziehen, dann darf man sich hinterher nicht wundern, wenn angesichts des Versagens der Staatsgewalt inzwischen selbst auf der Linken in einer nostalgischen Verklärung der glorreichen Straßenkampfvergangenheit über die Vorteile der Selbstjustiz räsoniert wird.

Bei allem Verständnis für einen harten Kurs gegenüber den linken Steinewerfern von Rostock, aber selbiger muß bei rechten wie auch allen anderen Gewalttaten genauso zur Anwendung kommen. Daß die von Che vermißten Antifa-Patrouillen durch Polizeistreifen und mehr Überwachungsstaat ersetzt werden müßten, buchen wir dabei belustigt mal unter Ironie der Geschichte ab.

Dienstag, 05. Juni 2007

In Rostock unter falscher Flagge

Wie konnte es sein, dass die Veranstalter der Demonstration sich nicht des schwarzen Blocks entledigen konnten? Wenn es die Veranstalter geschafft haben, sich von Gewalttätern im Nazi-Outfit zu distanzieren, wieso haben es die Veranstalter dann nicht geschafft, sich von Gewalttätern des “Schwarzen Blocks” ähnlich entschieden zu distanzieren?

Och, dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Weil es die gar nicht gab. Denn wenn man dem vom Parteibuch sogar per Newsfeed verlinkten Politblog Glauben schenken mag, dann beherrscht wohl doch nicht nur die CIA "false flag operations", sondern auch die deutsche Polizei. Wobei sich diese Interpretation natürlich noch ändern kann, wenn man beim Politblog diese Meldung in die Hände kriegt:

Unterstützung aus den Reihen der Polizei für die Globalisierungsgegner: Kurz vor Beginn der großen Anti-G-8-Demonstration in Rostock kritisiert die Polizeigewerkschaft das von den USA vorgegebene Sicherheitskonzept. Die Amerikaner würden sich massiv in die Planungen der Deutschen einmischen, die Beamten könnten nicht frei handeln.

Davon mal ganz abgesehen demonstriert der Politblog-Artikel ganz hervorragend, wie sich die Zeiten geändert haben. Galten früher R4 und Ente noch als adäquate Fortbewegungsmittel und der Bully als maximal zulässiger Luxus, während bereits der Audi 100 ein unerreichbarer Spießertraum war, so sind auch die Steinewerfer und ihre Sympathisanten offensichtlich anspruchsvoller geworden.

Denn heute gilt schon ein Ford Focus, den man mit seinen 3 bis maximal 8 Jahren selbst bei RTL-Actionserien nicht als Kandidaten für den unvermeidlichen Crash im finalen Feuerball in die engere Wahl ziehen würde, bei den Kämpfern für eine bessere Welt als "älteres Auto", das geradezu danach schreit, abgefackelt zu werden, sofern es die Bullen nicht sogar extra zu diesem Zweck hingestellt haben:

Das Auto stand in der Nähe des Stadthafens, auf einem Gelände, das für die Abschlusskundgebung geräumt sein sollte. Das ist üblich, nämlich durch ein langfristiges Halteverbot in dem entsprechenden Zeitraum dafür zu sorgen, dass sich 100Tausend Menschen nicht zwischen parkenden Autos drängeln müssen. Wer nicht rechtzeitig sein Auto wegfährt, wird abgeschleppt. Dieses ältere Auto hatte man vergessen, oder ist es Requisite?

Vorbei die Zeiten, als sich ein Linksradikaler, der wenigstens ein bißchen Wert auf seinen Ruf legte, nur an einer S-Klasse oder einem vergleichbaren Bonzenfahrzeug verging. Doch heute sind wie auch in den Pariser Vorstädten Angriffe auf die Mobilität der Mitproletarier nicht nur erlaubt, sondern sogar zunehmend die Regel. Tja, die Klassensolidarität ist auch nicht mehr das, was sie einmal war...

Montag, 04. Juni 2007

Biedermänner und Brandstifter: Wie politische Naivität den Gewalttätern hilft

Hey, hab ich je was gegen den SPIEGEL gesagt? Echt? Ich? Kann ich mir gar nicht vorstellen. ;-) Aber gut, tut mir leid. Zumindest für heute, denn Reinhard Mohrs Kommentar zur etwas arg bunt geratenen Ausgestaltung der G8-Feierlichkeiten gehört zweifellos zum besten, was bisher zum Thema Demonstrationsbutterfahrten gesagt wurde:

Die Autonomen, die als einzige, gut organisierte Gruppe genau wissen, was sie wollen, werden als militanter Flügel der weltweiten Protestbewegung akzeptiert, egal, welchen politischen Unsinn sie von sich geben. Dann marschieren sie zunächst brav mit, neuerdings - womöglich klimabedingt - mit uniformen Sonnenbrillen, und gegen Ende oder kurz nach Abschluss der Demonstration beginnt dann zuverlässig die Randale. Einen Tag später wird aufgeräumt, man distanziert sich eilig von den Gewalttätern und beklagt zugleich, dass die Medien nur die Bilder vom Straßenkampf zeigen statt der phantasievollen Transparente mit der Aufschrift "Eine andere Welt ist möglich".

[...] Das Problem der Gewalt einer verbohrt fanatischen Minderheit lässt sich aber nicht durch eine noch so glaubwürdige Distanzierung lösen. Denn der "schwarze Block", der mit voller Absicht ganze Straßenzüge von Rostock verwüstet und regelrecht Jagd auf einzelne Polizeibeamte gemacht hat, war nicht nur ausdrücklich und offiziell Teil der Demonstration, er war und ist auch Teil des insgesamt hoch emotionalisierten Diskurses, der seit Monaten die Anti-G-8-Aktionen vorbereitet.

[...] Vielleicht bietet das gestrige Desaster in Rostock doch noch die Gelegenheit, ein paar klare Gedanken zu fassen. Und zu entscheiden, was man will und was nicht. Vor allem aber: Mit wem nicht.

Unbedingt den kompletten Text lesen! Selten sprach der SPIEGEL wahrere Worte. Das sollte man ausnutzen. So häufig ist's ja nicht, und wer weiß, wann's wiederkommt.

Mittwoch, 23. Mai 2007

Neonazi-Opfer Martin: "Ich bin nur noch Kopf"

Seit elf Jahren sitzt das Neonazi-Opfer Noël Martin im Rollstuhl. Sein Leben ist eine Qual. Es sei nicht mehr lebenswert, sagt er im stern-Gespräch. Kurz vor seinem geplanten Suizid in der Schweiz spricht er auch über seinen letzten Wunsch und wie er sich seinen Tod vorstellt.

Alle die meinen, rechtsradikale Gewalt in diesem Land nach dem Motto "Sind hald Buben!" als Dummejungenstreiche unterprivilegierter und perspektivloser Jugendlicher verharmlosen zu müssen, sollten sich diesen Artikel mal durchlesen. Ist zwar aus dem STERN, aber trotzdem lesenswert.

Ach ja, die Täter sind selbstverständlich schon seit langem wieder frei. Und sie werden es auch noch sein, wenn Noel Martin längst tot ist.

Und jetzt die Werbung...

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