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51 Artikel der Kategorie "Thema: Globalisierung"

Montag, 24. September 2007

Und wieder naht die Weihnachtszeit...

...und mit Ihr eine brilliante Idee, um kapitalistischen Egoismus und praktizierte Nächstenliebe auf elegante Weise miteinander zu verbinden:

Das sogenannte 100-Dollar-Laptop kann man jetzt auch in den Industriestaaten kaufen. Allerdings nur, wenn man sich auf einen originellen Deal einlässt: Wer eines der innovativen und robusten Notebooks in Entwicklungsländer schicken lässt, bekommt selbst ein Gerät - zum Preis von fast 300 Euro.

Also Santa, sag dem guten Rudolph, daß er dieses Jahr besonders vorsichtig lostraben soll. Nicht das eines kaputtgeht. Vor allem nicht meins!

Donnerstag, 13. September 2007

Blue Card Blues

Wende in der europäischen Einwanderungspolitik: Die EU will 20 Millionen Arbeitskräfte aus Asien und Afrika holen - mit einer neuen Blue Card. Nur so könne man den Wettbewerb mit den USA gewinnen. Vor allem Deutschland soll mehr Migranten aufnehmen.

20 Millionen? Und mehr Migranten für Deutschland? Na, da dürfte der Blick in den rechtskonservativen Teil der Blogosphäre die nächsten Tage ja sehr unterhaltsam werden. Bei jenen Kameraden, die fürchten, daß das volle Boot des Abendlands jetzt schon am untergehen ist, dürfte dann wohl großes Zähneknirschen angesagt sein. Und auf der Speisekarte steht heute vermutlich Teppich.

Montag, 27. August 2007

Ein Tiroler im Cyberspace

Oha! Da schlägt unser Anton inzwischen sogar schon außerhalb von NBFS Wellen. Zwar noch kein Tsunami, eher plätschert es so leise vor sich hin, aber immerhin! Und so wie es aussieht, hat er sich mit seiner unnachahmlichen Art, auf seine Mitmenschen herabzusehen, auch bei Leuten, die er selber wohl eher als Verbündete verortet hätte, nicht nur Freunde gemacht. An sich könnte man es dabei mit einem süffisanten Grinsen bewenden lassen, aber weil im Rahmen der sich daraus entwickelnden - im übrigen durchaus unterhaltsamen! - Debatte Mitdiskutant Che eine ganze Reihe von interessante Punkten auch zu meiner Wenigkeit angesprochen hat, muß ich jetzt doch mal zum einen oder anderen seiner Kommentare ebenfalls einen solchen abgeben:

3. Mit der Borussenfront hatte ich ja eine klasse Begegnung. Als die unsereins verprügeln wollte, holte jemand die geeignete Verstärkung: Eine Hells-Angel-like Bikergang. Da wurden sie ganz zahm, die Nazis. Schön war es auch, die Kahlköpfe rennen zu sehen, wenn die Kurden kamen.

Es ist beruhigend zu wissen, daß es auch andere Leute gibt, die in gewissen Situationen, wo gerade kein Wachtmeister zur Hand ist, die Segnungen der Selbstjustiz zu würdigen wissen. ;-)

4. Die Kommentatorenriege beim Paul zeichnet sich im Übrigen durch eine bizarre Vorstellung von dem, was links ist aus, mal wieder.

Da dieses so interessante wie wichtige Thema mich auch immer wieder beschäftigt, was genau ist eigentlich links? Und ist rechts dann das Gegenteil? Dazu höre ich immer gerne Meinungen, die Frage geht also an alle!

6. Wobei sich schon die Frage stellt, was von einem “liberalen” Blog zu halten ist,

Daß es liberal ist, heißt ja nicht automatisch, daß es NUR liberal ist. Es ist nur ÜBERWIEGEND liberal, sprich überall da, wo Individuen friedlich miteinander auskommen bzw. nicht unverschuldet in Not geraten, also vor allem in Wirtschaft und Gesellschaft. Hinsichtlich des Umgangs mit den bösen Jungs, aber auch was die Unterstützung von Witwen und Waisen betrifft, ist es das hingegen sicher nicht. Hoffe ich zumindest. Denn weder will ich erstere frei rumlaufen noch die beiden letzteren verhungern sehen.

das daherkommt wie eine Regimentswebseite.

Wieso das denn? Was soll das überhaupt für ein Regiment sein? Weder ist der Hintergrund oliv noch die Schrift gelb. Und selbst für ein Sanitätsregiment ist das rot noch viel zu blau. Etwa wegen dem schnuckeligen kleinen Panzer oben links? Der ist da nicht, weil ich die Welt erobern will, sondern weil auf dem Panzer was draufsteht, was in seinem Sarkasmus als Symbol für Zeit und Anlaß der Gründung dieses Blogs unübertroffen ist. Womit ich nichts gegen die Welteroberung als solche und den anschließenden Ausbruch des ewigen Friedens gesagt haben will, aber wäre das das Auswahlkriterium gewesen, hätte ich gewiß keinen Panzer gewählt - schon gar keinen Abrams ;-) -, sondern etwas für meine Zwecke angemesseneres, also beispielsweise einen Apache-Kampfhubschrauber oder am besten gleich einen ausgewachsenen Flugzeugträger der Nimitz-Klasse. Wenn, dann richtig!

Der Paul selber ist im Großen und Ganzen ganz fair und höflich,

Das hört man gerne. Ich geb mir diesbezüglich trotz meinem Hanges zum Sarkasmus zumindest Mühe, auch wenn das leider nicht von allen Leuten angemessen goutiert wird.

zeigte aber auch schon merkwürdige Anwandlungen.

Also normal ist das nicht, das will ich gerne konstatieren. ;-)

So verglich er Jolly Rogers, einen undogmatischen Gefühlslinken und badischen Sanguiniker, schon mal mit Berija und mich mit Dscherschinski.

Wer wird denn ob ein bißchen Polemik so nachtragend sein. ;-) Ich sage damit ja nicht, daß ich Euch beide für blutrünstige Massenmörder halte (dann würde ich gar nicht mit Euch reden), aber wenn jemand statt eines harmlosen Panzers das Portait eines grausamen Massenmörders als Logo benutzt, der Spaß daran hatte, seine Opfer höchstpersönlich zu erschießen, oder wenn jemand sich wünscht, daß trotz der Methoden, mit denen sie so was üblicherweise zu tun pflegen, 50.000 Russen bzw. Chinesen mit durchgeladener AK im Libanon für Ruhe und Ordnung sorgen, dann muß man ob einer solch kontroversen Auswahl seiner Idole auch mal ein bißchen Kritik aushalten können. Und ich weiß wovon ich rede, weil ich mir schon für die Unterstützung weit sympathischerer Zeitgenossen wie beispielsweise meines Lieblingspräsidenten noch ganz andere Sachen anhören muß.

8. Einige Freunde von mir bezeichnen die Hardcore-Neocons gerne als “neoconnazis”.

Einige Deiner Freunde sind ja auch der Ansicht, daß die Beleidigung "Nazi" schnell mal einen Streitwert von 200.000 Euronen hat, und zwar nicht für den Beleidigenden, sondern für unbeteiligte Dritte. Und das lustige ist, daß das mitunter dieselben Deiner Freunde sind, die, wie Du schon erwähntest, andere Leute gerne als "neoconazis" bezeichnen. Was mich daran erinnert, daß ich bei besagten Freunden noch mal nachschauen muß, ob der Lancaster-Bomber immer noch da ist. Denn auch als bekennender HardCore-NeoCon wie ich findet man es nicht sonderlich lustig, "Nazi" genannt zu werden, und zwar nicht nur, weil ich die 200.000 Euro gut gebrauchen könnte. Auf jeden Fall aber ist "Nazi" nicht gerade besser als Berija oder Dserschinski. Dann lieber Trotzki. ;-)

P.S.: Noch ein kleiner Nachtrag für Momorulez, der Kommentar Nr. 7 verfaßte:

Ich lese da auch nur sehr selten, aber für mich war das immer eher sowas wie Neocon-Speersptze in Sachen Außenpolitk

Endlich wird die Bedeutung von NBFS für die deutsche Bloggerszene mal richtig gewürdigt!

… und da gehört dann ja Freund/Freind-Denke sozusagen in’s Zentrum des Politischen als solchem.

Je nachdem, wer Freund bzw. Feind ist, stehe ich da in manchen Fällen nur sehr ungern unentschieden in der Mitte. Das muß aber zugegeben jeder für sich selbst entscheiden.

Kann ihm da aber unrecht tun, bin da wirklich zu selten unterwegs.

Keine Sorge, ich fühle mich geehrt. Schau also ruhig öfter rein, konstruktiv-kritische Stimmen sind hier jederzeit willkommen.

Freitag, 24. August 2007

+++ Aktuelles zur Spielemesse!!! +++

Mügelnstein 3D

In dieser Mischung aus Action-Adventure und 3D-Shooter stehen Ihnen in der Grundeinstellung die vier Charaktere Sascha, Maik, Bomber und Adi mit jeweils unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten zur Verfügung. Nachdem Ihr Charakter an einem der zahlreichen "Stände" seinen Aggressionslevel aufgetankt hat, jagen Sie "Eindringlinge" dorthin, wo sie hingehören, nämlich zur Hölle. Nachtanken nicht vergessen!

Über einen Leserhinweis (Dank an lowlevel!) bin ich auf die gestern stattfindende Games Convention in Leipzig gestoßen, wo neben anderen interessanten Spielen wie den "Ossims" nicht nur der obengenannte Ego(ismus)-Shooter vorgestellt wurde, sondern auch der langerwartete Strategiehammer "Uncivilized":

In dieser Echtzeit-Abrißsimulation gründen Sie vor 4000 Jahren in den Wäldern Sachsens eine Siedlung und versuchen das Steinzeitniveau ihrer primitiven Krieger so lange wie möglich gegen die zahlreichen Gefahren der Moderne aufrechtzuerhalten. Hierzu sind alle Mittel recht:

  • Bauen Sie keine florierende Wirtschaft auf, sondern kämpfen Sie lieber gegen alle Völker, die diesbezüglich erfolgreicher sind als Sie
  • Vernichten Sie dabei dutzende verschiedener, liebevoll animierter Gebäudetypen vom Ausländerwohnheim über ein Jugendzentrum bis zur Pizzeria
  • Vertreiben Sie Wissenschaftler, Ingenieure und sonstige Spezialisten, die ihren Wohlstand erhöhen könnten, und entziehen sie so den Steuereintreibern jegliche Arbeitsgrundlage
  • Schützen Sie ihre Kultur vor der Unterwanderung durch Diplomaten mit Migrationshintergrund, die Ihre Städte durch giftiges FastFood, merkwürdige Kopfbedeckungen und fremdsprachige Musik zu zersetzen versuchen
  • Erklären Sie Kulturleistungen wie den Sieg im diesjährigen Kirmeswettsaufen oder das fehlerfreie Absingen des Horst-Wessel-Liedes zu den wahren Weltwundern
  • Erforschen Sie auf der Suche nach Volksfesten und sonstigen lohnenswerten Veranstaltungen die umliegenden Dörfer und zetteln Sie dort zünftige Pogrome an
  • Wählen Sie aus zahllosen Truppentypen mit jeweils spezifischen Agressions-, Tapferkeits-, Intelligenz- und Moralwerten, wie beispielsweise dem hirnlosen Hooligan (A:10, T:6, I:0, M:0), dem reizbaren Alkoholiker (A:8, T:10, I:3, M:2), dem globalisierungsfeindlichen Arbeitslosen (A:3, T:1, I:2, M:3), dem ahnungslosen Biedermann (A:0, T:0, I:3, M:1), dem beschwichtigenden Bürgermeister (A:0, T:2, I:4, M:3), dem brutalen Skinhead (A:10, T:1, I:1, M:-1) oder auch dem skrupellosen Führer (A:10, T:0, I:10, M:-99)
  • Erobern Sie mit diesen die heimische Scholle von den feindlichen Störenfrieden zurück und vertreiben Sie dazu alle Einheiten anderer (Haut)farben

Wenn die Häuser Ihrer Gegner heller brennen als deren Lichterketten, bevor aufgrund der nationalen Abschottung der Lebensstandard Ihrer Bürger unter ihr geistiges Niveau gefallen ist, haben Sie gewonnen und dürfen Ihren Namen im "Walhalla der Infamie" verewigen. Ein Spiel für echte Führerpersönlichkeiten!

(Systemvoraussetzungen: R-OS/TOC92 als Umgebung für das gesunde Volksempfinden, Intelligenz-inkompatibler Prozessor mit max. 1945KHz, 88GByte freier Speicherplatz für Vorurteile und Ressentiments, wahlweise Sütterlin- oder Runentastatur, Schäferhund statt Maus, Bildschirmauflösung ab 2,8 Promille egal, wegen extrem laut gebrüllter Hetzparolen Kopfhörer empfohlen, keine Schnittstellen zum Datenaustausch mit Fremdsystemen, unterstützt daher keinerlei internationale Standards gleich welcher Art)

Donnerstag, 16. August 2007

Das Herz schlägt rechts

Ich frage mich immer, wieso die meisten derjenigen, die sich hierzulande für links halten, mir irgendwie eher ziemlich reaktionär vorkommen. Jost Kaiser hat eine interessante Antwort darauf gefunden, die umso plausibler erscheint, je länger man darüber nachdenkt:

In Wahrheit ist "links" zu sein, nicht parteipolitisch definiert, sondern beschreibt die immer noch vorhandene antiwestliche Unterströmung in unserer Gesellschaft.

So traurig es ist, aber das trifft es wohl leider auf den Punkt. Was nicht heißen soll, daß es auf der Rechten besser wäre. Da erwartet man es ja nicht anders. Aber für die Linke und ihre einstmals fortschrittlichen Ideale ist es schon ein ganz schönes Armutszeugnis.

Dienstag, 31. Juli 2007

Opiumhöhle im Sommerloch

Der Generalsekretär der FDP möchte anscheind die afghanischen Bauern ermuntern, noch mehr Opiumpflanzen anzubauen. Er schlug vor, dass staatliche Stellen – auch mit Geldern aus Deutschland – die gesamte Ernte aufkaufen sollten.

Was gehd'n hier? Wird jetzt der schwarze Afghane durch den gelb-blauen ersetzt? Staatliche Stützungskäufe und anschließende Vernichtung der erworbenen Güter entsprechen jedenfalls nicht wirklich der reinen liberalen Lehre. Und den Butterberg nur gegen einen Opiumberg auszutauschen klingt auch nicht nach sonderlich zukunftsträchtiger Wirtschaftspolitik.

Für den Kampf gegen Beschaffungskriminalität und organisiertes Verbrechen wäre die Drogenfreigabe in den Konsumentenländern immer noch weitaus sinnvoller, von der größeren Kompatibilität mit den eigenen ordnungspolitischen Wirtschaftsgrundsätzen und dem liberalen Menschenbild eines selbstverantwortlichen Individuums mal ganz abgesehen.

Wer den Afghanen was wirklich gutes tun will, sollte das Geld lieber in ihre Ausbildung stecken. Wenn man aber schon unbedingt aus übergeordneten sicherheitspolitischen Erwägungen heraus die dortige Landwirtschaft fördern muß, dann sollte man vielleicht besser Obst und Gemüse subventionieren. Hilft den Bauern genauso und ist um einiges gesünder.

Donnerstag, 12. Juli 2007

Was bin ich?

Na, wenn das jetzt alle machen...

You Are 76% Capitalist, 24% Socialist
In general, you support a free economy and business interests.
You tend to think people should fend for themselves, even when times get tough.
However, do think the government should help those who are truly in need.

Montag, 11. Juni 2007

Warum Afrika dank Entwicklungshilfe im Elend verharrt

Interessant ist die Frage, wie Afrika geholfen werden kann. Und da scheint es so zu sein, als habe niemand bisher einen passenden Weg gefunden. Botswana vielleicht, ein Land, das nur etwas mehr Einwohner zählt als die Hansestadt Hamburg. Oder Mauritius, eine Insel für Luxustourismus. Aber das zählt nicht. Wenn man beginnt, diese Ausnahmen zu lobenswerten und hoffnungsvollen Prototypen zu stilisieren, macht man sich selbst und die ja wirklich leidenden Afrikaner restlos lächerlich.

Im Gegenteil, diesen passenden Weg gibt es! Gerade Botswana und Mauritius haben nämlich eine interessante Gemeinsamkeit:

Neben Mauritius war Botswana das einzige afrikanische Land, das seit seiner Unabhängigkeit ununterbrochen demokratisch geblieben war.

Und diese Gemeinsamkeit ist offenbar nicht die einzige:

Es ist nicht ganz zufällig, dass Botswana und Mauritius, die als Vorbilder der Demokratie in Afrika gelten, gleichzeitig auch wirtschaftlich Erfolge aufzuweisen haben.

Daran ist nicht nur nichts lächerlich, es zeigt auch ganz nebenbei noch, wie richtig die Strategie der globalen Demokratisierung nicht nur für die Bekämpfung des Terrors, sondern auch für die der Armut ist. Und wie falsch diejenigen liegen, die sie als nebensächlich oder gar für "nichtwestliche" Kulturen ungeeignet ansehen.

Freitag, 08. Juni 2007

Stell Dir vor, man spielt Krieg, und jeder geht hin

Heiligendamm - Am Sicherheitszaun um den Tagungsort wurden Demonstranten am Nachmittag um etwa 50 Meter von der Polizei zurückgedrängt. An der belagerten Kontrollstelle an der Galopprennbahn hatte die Polizei alle Protestler zunächst aufgefordert, sich zurückziehen.

[...] Die Organisatoren der Blockaden werteten ihre Aktionen als "großen Erfolg". "Wir haben zwei Zufahrtsstraßen zum G-8-Gipfel erfolgreich eingenommen. Damit sind wir sehr zufrieden", sagte Christoph Kleine von der Gruppe Block G-8.

Nach seinen Angaben haben etwa 5000 bis 6000 Personen aus dem Camp Reddelich eine Zufahrtsstraße zwischen Bad Doberan und Heiligendamm blockiert. Rund 3000 weitere seien aus dem Camp Rostock in das zwei Kilometer entfernte Börgerende gezogen und hätten dort ebenfalls eine Straße blockiert.

[...] Den Demonstranten war ein Überraschungscoup gelungen, um die Polizeisperren zu umgehen. Wie auf Kommando stürmten Tausende G-8-Gipfelgegner auf den Sicherheitszaun zu, der den Tagungsort Heiligendamm vor den Demonstranten schützen sollte. Bei Reddelich drangen Tausende bis unmittelbar an den Zaun vor. Einige Demonstranten blockierten die Gleise der sogenannten Molli-Bahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm, die Journalisten zum Gipfel transportieren sollte.

Zur gleichen Zeit ging die Polizei wenige Kilometer entfernt mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Anti-G-8- Demonstranten vor. Sie hatten östlich von Heiligendamm versucht, eine Zufahrtsstraße zu erreichen.

[...] Die seit mehreren Tagen trainierte Aktion zur Umgehung der Polizeisperren verlief nach dem sogenannten Fünf-Finger-System. Die G-8-Gegner teilten sich also in fünf Gruppen auf, die sich getrennt auf den Weg machten - zunächst auf der Bundesstraße 105 nach Bad Doberan, aber auch durch Wälder und Rapsfelder, um die Polizei zu umgehen.

Kurz nach Aufbruch vom Camp hatten sie rund 50 Polizisten gegenübergestanden, die die Straße abriegelten. Daraufhin rannten die Demonstranten in einen angrenzenden Wald. Auf der anderen Seite des Forstes hinderten sie Polizeiautos kurzzeitig an der Verfolgung, indem sie große Äste auf die Straße warfen.

Also ich kann mir nicht helfen, aber wenn man so liest, wie da belagert, vorgedrungen, gestürmt, zurückgezogen und um jeden Meter gekämpft wird, wie Straßen eingenommen bzw. abgeriegelt, Gleise blockiert oder Sperren umgangen werden, und das bei Bedarf auf Kommando mit vorher trainierten Aktionen und in systematisch aufgeteilten Gruppen, dann bekommt man schon irgendwie den Eindruck, den Deutschen fehlt mal wieder ein richtiger Krieg. Zumindest scheinen da einige Leute nicht drüber wegzukommen, daß sie zu alt für die katholischen Pfadfinder sind.

Aber immerhin wissen wir jetzt, wie man sich im alternativ-pazifistisch angehauchten Milieu politisch korrekt die Zeit vertreibt: Statt sich moralisch fragwürdig mit Gotcha!-Farbkugeln einzusauen oder bei Counterstrike wenigstens zur virtuellen Kalaschnikow zu greifen, tut es hier die traditionelle Schnitzeljagd kombiniert mit Elementen von Räuber & Gendarm. Denn auch ein friedlicher Demonstrant will sich ja nur wegen dem Verzicht auf Wurfgeschosse nicht gleich um jede Action bringen. Aber seid brav um 7 wieder zu Hause, sonst geht's ohne Abendbrot ins Bett.

Dienstag, 05. Juni 2007

In Rostock unter falscher Flagge

Wie konnte es sein, dass die Veranstalter der Demonstration sich nicht des schwarzen Blocks entledigen konnten? Wenn es die Veranstalter geschafft haben, sich von Gewalttätern im Nazi-Outfit zu distanzieren, wieso haben es die Veranstalter dann nicht geschafft, sich von Gewalttätern des “Schwarzen Blocks” ähnlich entschieden zu distanzieren?

Och, dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Weil es die gar nicht gab. Denn wenn man dem vom Parteibuch sogar per Newsfeed verlinkten Politblog Glauben schenken mag, dann beherrscht wohl doch nicht nur die CIA "false flag operations", sondern auch die deutsche Polizei. Wobei sich diese Interpretation natürlich noch ändern kann, wenn man beim Politblog diese Meldung in die Hände kriegt:

Unterstützung aus den Reihen der Polizei für die Globalisierungsgegner: Kurz vor Beginn der großen Anti-G-8-Demonstration in Rostock kritisiert die Polizeigewerkschaft das von den USA vorgegebene Sicherheitskonzept. Die Amerikaner würden sich massiv in die Planungen der Deutschen einmischen, die Beamten könnten nicht frei handeln.

Davon mal ganz abgesehen demonstriert der Politblog-Artikel ganz hervorragend, wie sich die Zeiten geändert haben. Galten früher R4 und Ente noch als adäquate Fortbewegungsmittel und der Bully als maximal zulässiger Luxus, während bereits der Audi 100 ein unerreichbarer Spießertraum war, so sind auch die Steinewerfer und ihre Sympathisanten offensichtlich anspruchsvoller geworden.

Denn heute gilt schon ein Ford Focus, den man mit seinen 3 bis maximal 8 Jahren selbst bei RTL-Actionserien nicht als Kandidaten für den unvermeidlichen Crash im finalen Feuerball in die engere Wahl ziehen würde, bei den Kämpfern für eine bessere Welt als "älteres Auto", das geradezu danach schreit, abgefackelt zu werden, sofern es die Bullen nicht sogar extra zu diesem Zweck hingestellt haben:

Das Auto stand in der Nähe des Stadthafens, auf einem Gelände, das für die Abschlusskundgebung geräumt sein sollte. Das ist üblich, nämlich durch ein langfristiges Halteverbot in dem entsprechenden Zeitraum dafür zu sorgen, dass sich 100Tausend Menschen nicht zwischen parkenden Autos drängeln müssen. Wer nicht rechtzeitig sein Auto wegfährt, wird abgeschleppt. Dieses ältere Auto hatte man vergessen, oder ist es Requisite?

Vorbei die Zeiten, als sich ein Linksradikaler, der wenigstens ein bißchen Wert auf seinen Ruf legte, nur an einer S-Klasse oder einem vergleichbaren Bonzenfahrzeug verging. Doch heute sind wie auch in den Pariser Vorstädten Angriffe auf die Mobilität der Mitproletarier nicht nur erlaubt, sondern sogar zunehmend die Regel. Tja, die Klassensolidarität ist auch nicht mehr das, was sie einmal war...

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