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77 Artikel der Kategorie "Thema: Diktatoren"

Sonntag, 23. September 2007

Geschichtsstunde für SPIEGEL-Redakteure

Nur langsam dämmerte den Amerikanern, dass dieser Krieg mehr war als Vergeltung für den 11. September, sondern "in Wahrheit zur Verteidigung einer noblen Idee geführt wurde", wie es der Soldat Dwayne Luce aus Mobile erst angesichts der Massengräber erkannte.

Und jetzt stellen wir uns nur so zum Spaß vor, daß derartige Kriegspropaganda nicht aus der Feder eines neokonservativen Rüstungslobbyisten stammt, dessen Heuschreckenfonds kürzlich ein irakisches Ölfeld erworben hat, sondern von Marc Pitzke. Absurde Vorstellung, nicht?

Donnerstag, 20. September 2007

Neues vom GröFdNO

Close Assad aide reiterates that Syria will respond to Israeli attack at a time and place of its choosing

Minister of Expatriates, Butheina Shabaan, who is generally regarded as President Bashar Assad’s personal mouthpiece, made this statement Tuesday, Sept 18.

Na, da nehmen die Praktikantinnen des syrischen Präsidenten das Mundstück aber ganz schön voll.

[...] According to DEBKAfile’s military sources, Damascus holds at least four proactive options for a response:

1. A sudden pinpoint attack on the Golan and attempt to seize hold of a small enclave or Israeli military position for several hours.

Das wäre zugegeben ziemlich kühn. Aber gerade wegen der im Falle israelischer Gegenwehr daraus unweigerlich resultierenden Niederlage werden sie es dann doch lieber lassen. Denn auch wenn Assad jr. sich bisher nicht gerade als alter Fuchs erwiesen hat, wird er kaum Wert darauf legen, sich vor den Augen potentieller Putschisten und seiner bedauernswerten Untertanen mehr demütigen zu lassen als unbedingt nötig.

2. A multiple casualty terrorist attack on the Golan, toward which Syrian intelligence and armed forces have been training for several months.

Ein Terroranschlag? So richtig mit Sprengstoff? Von Syrien aus organisiert? Nein, wie phantasievoll! Das wird die Israelis sicher verblüffen. So was gab's ja noch nie.

3. Indirect action against an Israeli target – either through an incursion by one of the Lebanese-based Palestinian groups under Syria’s thumb for a massive shooting operation, or through attacks on Israeli or Jewish targets outside the Middle East by external Hizballah or Palestinian cells.

Heißt das, daß die Hisbollah und die diversen Pali-Terrorgrüppchen auf Terroranschläge verzichten würden, wenn die Israelis Syrien nicht bombardiert hätten? Na, wenn's nur von derartig kleinen Mißverständnissen abhängt, dann kann der Frieden im Nahen Osten eigentlich nicht mehr allzu weit sein.

4. A Syrian strike against a strategic target inside Israel, similar to the Israeli attack which American sources report targeted an “agricultural” nuclear site in northern Syria in the first week of September. Our military sources do not believe Syria has the necessary capability for such action.

Tja, das ist eben der Unterschied zwischen einem peinlichen Großmaul und einem altehrwürdigen Revolutionär. Ein Ghaddafi hätte das in seiner Sturm- und Drang-Zeit  einfach trotzdem versucht, ganz unabhängig davon, ob's schief geht. Aber der war ja anders als dieses syrische Diktatorensöhnchen auch noch von echtem Schrot und Korn...

Mittwoch, 19. September 2007

Solidarität unter Europäern

Moskau/Paris/Brüssel/Berlin - Die EU-Kommission setzte sich heute deutlich von der Aufforderung des französischen Außenministers ab, sich im Atomstreit mit Iran auf einen Krieg vorzubereiten.

Man kann jemanden auch absichtlich mißverstehen. Kouchner hat nur darauf hingewiesen - und zwar zu recht! -, daß wenn man bei den Sanktionen nicht langsam in die Schuhe kommt, am Ende genau der Krieg droht, den man vermeiden wollte. Wenn man sich also auf irgendwas vorbereiten muß, dann auf Sanktionen. Was war daran jetzt so kompliziert?

"Die Kommission unterstützt voll und ganz die Bemühungen von Javier Solana um eine Verhandlungslösung", sagte eine Sprecherin in Brüssel. Der EU-Außenbeauftragte Solana bemüht sich seit mehr als drei Jahren um eine Einigung mit Teheran. Die Sprecherin sagte, sie könne die Äußerung Kouchners nicht direkt kommentieren.

Gerade wenn man eine Verhandlungslösung will, sollte man alles dafür tun, damit die eigene Position halbwegs glaubwürdig rüberkommt. Also sollte man die nichtmilitärischen Folterwerkzeuge erst mal deutlich sichtbar auf den Tisch legen. Allein schon, um Solana einen Gefallen zu tun. Nicht daß am Ende in seinem Zeugnis steht "er hat sich stets bemüht".

"Natürlich fordern wir Iran auf, seinen Verpflichtungen gemäß den einschlägigen Uno-Resolutionen nachzukommen", fügte sie hinzu.

Daß die EU-Appeaser das extra erwähnen müssen, sagt schon alles.

Auch Russland hält nichts von Kouchners Vorstoß. Das Land widersetzte sich bisher als Vetomacht im Weltsicherheitsrat stets härteren Sanktionen gegen Iran.

Ok, wenn die Russen sie partout unterminieren müssen, klappt's natürlich nicht mit der Verhandlungslösung.

Und Außenminister Sergej Lawrow äußerte sich während des Besuchs Kouchners in Moskau "besorgt". "Russland ist über die vielen Berichte über militärische Sanktionen gegen Iran besorgt. Kaum vorzustellen, welche Folgen das für die Region hätte", sagte Lawrow nach seinem Gespräch mit Kouchner.

Was immer das für Folgen sein mögen, aber sie werden ein harmloser Spaß sein verglichen mit den Folgen, wenn Armagaddonjetzad! und sein Jungfrauenfanclub 72 e.V. anfangen mit Atombomben um sich zu werfen.

Ähnlich wie Außenminister Lawrow äußerte sich der stellvertretende Außenminister Russlands, Alexander Losjukow. Er sagte der Tageszeitung "Wremja Novostej": "Bombardierungen gegen Iran würden mit katastrophalen Folgen enden."

Na, dann sollte das erst recht Motivation sein, bei den Sanktionen doch lieber im Team der zivilisierten Welt mitzuspielen statt bei den bösen Jungs.

[...] Offizielle Stellen in Iran versuchen, die Äußerungen Kouchners nicht allzu hoch zu hängen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, "wir nehmen diese Drohungen nicht ernst". Zuvor hatten bereits die staatlichen iranischen Medien Paris scharf kritisiert.

Wenn sie nur von Frankreich kämen, könnte man ihn ja noch verstehen, aber die Amis und Israelis sollte er lieber etwas ernster nehmen. Obwohl, vielleicht ist es besser so... ;-)

Der Elysée-Palast habe es übernommen, die Politik des Weißen Hauses für Europa zu übersetzen, hieß es in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. Die französische Regierung habe einen Ton angenommen, "der noch härter, aufhetzender und unlogischer" sei als der in Washington.

Na, das ist aber mal eine schöne Wiedergutmachung nach all den Defaitismus-Schmähungen, die Frankreich unter der weisen Führung des Jacques Chirac ertragen mußte. Das adelt Kouchner ja geradezu.

In Berlin herrscht bezüglich des deutsch-französischen Verhältnisses in der Koalition und bei der Opposition inzwischen Alarmstimmung. "Da muss sich noch einiges einpendeln", lautet der vorsichtige Kommentar in den Regierungsfraktionen zum Aktivismus des neuen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Drastischer sagt es der FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer: "Die Beziehungen haben sich dramatisch verschlechtert. Das ist schon mehr als nur eine Serie von Anfangsfehlern." Er drückt damit das allgemeine Unwohlsein aus.

Ganz genau! Merkel, Münte & Co. hatten jetzt nun wirklich lange genug Zeit, dazuzulernen. Und angesichts der atemberaubenden Geschwindigkeit, mit der die Franzosen es schaffen, frühere Fehler zu korrigieren, ist das Versagen der Deutschen nur um so beschämender.

[...] Nach der internationalen Kritik an Kouchners scharfen Tönen ist man in Frankreich dabei, sich in Schadensbegrenzung zu üben. Premierminister François Fillon sagte, es müsse alles getan werden, um einen Krieg zu vermeiden. Frankreich wolle die Suche nach einer friedlichen Lösung anführen. Ex-Premierminister Dominique de Villepin warf Kouchner jedoch vor, ein falsches Signal an die USA zu senden. "Die US-Regierung muss nicht von uns zum Krieg ermutigt werden", sagte Villepin.

Na der muß ganz ruhig sein! Diktatorenversteher wie er sind es ja gerade, die die USA mit ihrer Soft-Power-Stümperei erst in jene Kriege treiben, die sie ihnen dann hinterher vorwerfen. Ohne Kasper wie ihn würden die Saddams dieser Welt kaum darauf bauen, davonkommen zu können. Da hat Kouchner noch ein hartes Stück Arbeit vor sich, um den Schaden wiedergutzumachen, den Villepin in seiner Amtszeit angerichtet hat. Drücken wir ihm die Daumen.

Montag, 10. September 2007

Das Prinzip SPIEGEL - unter revisionistischer Flagge?

Das Prinzip Saddam - unter amerikanischer Flagge

Wie? Die Amis vergasen jetzt die Kurden? Oder massakrieren die Schiiten? Schneiden Irakern, die George W. Bush verhöhnen, wenigstens die Zungen raus? Weit gefehlt! Der SPIEGEL hat nämlich herausgefunden, was den Ba'ath-Faschismus wirklich ausgemacht hat:

"Das Prinzip Saddam - verteile Wohltaten und herrsche unter den Stämmen"

Da sollte sich Eva Herman nach ihrem Rauswurf beim NDR vielleicht gleich mal bei der Hamburger Konkurrenz bewerben. Denn dort weiß man derartige Anliegen offenbar sehr gut in griffige Formeln zu gießen, so daß wir nächsten Montag vermutlich auf der Titelseite lesen:

"Das Prinzip Adolf - verteile Mutterkreuze und herrsche unter den Parteien"

Mittwoch, 29. August 2007

America don't worry! Israel is behind you

Glaubt man dem SPIEGEL, dann gibt das neue Buch von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt diesem zeitlosen 80er-Jahre-Klassiker eine ganz neue Bedeutung, und zwar nicht nur, weil das abgebildete Flugzeug tatsächlich aus amerikanischen Rüstungslieferungen stammt.

Keiner der Newcomer aber verfiel auf so kühne Thesen über Amerikas Außenpolitik in Vergangenheit und Gegenwart wie ausgerechnet jener Oldie, der nach zwei Amtszeiten nun nichts mehr werden kann: George W. Bush. An dem Tag, an dem bei einem Hubschrauberabsturz im Irak 14 GIs starben - einer der höchsten Tagesverluste im ganzen leidigen Krieg -, beschwor er die Erinnerung an einen anderen Hubschrauber: den, der 1975 vom Dach der US-Botschaft in Saigon die letzten Verbündeten aus einem verlorenen Krieg ausflog.

Daran ist höchstens kühn, daß die Wahrheit nicht immer und derzeit ganz besonders wenig populär ist und daß der, der sie ausspricht, sich damit keinen Gefallen tut. Umso beeindruckender ist es, wenn ein Politiker sich dann trotzdem traut.

Auch damals, so Bushs Lesart der Geschichte, hätte es geheißen, ohne Amerikas Präsenz am Kriegsschauplatz nähme das Töten ein Ende. In Wahrheit sei der Abzug der Auftakt für ein unvorstellbar großes Massaker gewesen: in Kambodscha, im vom Norden eroberten Südvietnam und unter jenen Hunderttausenden Flüchtlingen, die ihr Heil in seeuntüchtigen Booten suchten. "Der Preis für Amerikas Abzug", so Bush als Warnung, diesen Fehler nun nicht im Irak zu wiederholen, "wurde von Millionen unschuldiger Bürger bezahlt."

Es ist schon ein bißchen gruselig, daß es bald 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus immer noch Leute zu geben scheint, die das anders sehen.

Nach qualvollen Jahren der Aufarbeitung des Vietnam-Kriegs sind sich eigentlich die meisten Amerikaner darüber einig, dass ihre Soldaten damals in Südostasien nichts zu suchen hatten.

Womit sie sich irren. Sie haben nur das falsche gesucht, nämlich die Stabilität der Unterdrückung statt des Fortschritts durch Freiheit. Damals gab es keine NeoCons, sondern nur kurzsichtige Realpolitiker. Wäre das Ziel damals schon nicht die Rettung einer Diktatur, sondern die Errichtung einer Demokratie gewesen, wäre die Sache sicherlich auch etwas anders ausgegangen. Und wir wären heute im Weltbefreiungskrieg schon wesentlich weiter.

Quer über das gesamte ideologische Spektrum gilt eine Rechtfertigung für das Indochina-Desaster als politischer Selbstmord.

Leute, glaubt mehr Unsinn! Millionen Ideologen können nicht irren.

Bushs Rechnung, mit dem Hinweis auf Vietnam den Abzug aus dem Irak aufzuhalten, kann deshalb nur dann aufgehen, wenn er seine Landsleute auch noch von der Wahrheit eines Satzes überzeugen kann, den er ebenfalls den jubelnden Veteranen vortrug. Die US-Truppen, sagte Bush, seien noch immer "die größte Macht zur Befreiung des Menschen, welche die Welt jemals gekannt hat".

Und damit hat er zweifellos recht, der gute George. Es steht aber jedem, der es wagt, Bush in dieser Bewertung zu widersprechen, selbstverständlich frei, der Welt mitzuteilen, welche Macht unterm Strich denn angeblich mehr Menschen befreit bzw. ihre Freiheit geschützt hat als die USA und ihre Streitkräfte, und Bush's Aussage so zu falsifizieren.

Da war es wieder, das Argument, die Streitkräfte seien Missionare der Demokratie. Die große neokonservative Idee feierte unverhoffte Wiederauferstehung, wonach es keine Sicherheit für die USA ohne Frieden im Nahen Osten geben könne und keine Stabilität ohne Demokratien in der Region und der Weg nach Jerusalem deshalb über Bagdad führen müsse.

Diese große Idee ist zweifellos einer der größten Schritte in der geistigen Entwicklung der Menschheit, vergleichbar nur mit der amerikanischen Revolution von 1776 oder der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Und es ist ein Armutszeugnis für besagte Menschheit, daß sie zu dieser eigentlich ziemlich logischen Erkenntnis so lange gebraucht hat. Es ist allerdings ein noch größeres Armutszeugnis für jene, die ihr, nachdem selbst diese Menschheit es endlich geschafft hat, immer noch zu widersprechen wagen.

Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses war diese Dominotheorie zur Regierungsdoktrin erhoben worden. Vor dem Kapitol gelobte Bush feierlich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2005: "Es ist die Politik der Vereinigten Staaten, demokratische Bewegungen und Institutionen in jedem Land und in jeder Kultur zu suchen und ihre Entwicklung zu fördern mit dem Endziel, die Tyrannei in der Welt zu beenden."

Was immer er ansonsten verbockt haben mag, aber alleine damit hat er einen Platz unter den größten Denkern der Geschichte verdient.

Doch als Bush sein "In Tyrannos" ablegte, stand das Projekt schon vor dem Scheitern. Amerikas Soldaten waren im Irak nicht als Befreier umjubelt worden, sie verstrickten sich immer heftiger in den Kampf gegen einen hartnäckigen Aufstand.

Mal ganz unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage, erschreckt es doch ein wenig, daß es offenbar Leute gibt, die sich nicht fragen, wer denn alles so an diesem "Aufstand" beteiligt ist. Die Frauen etwa? Die Kinder? Die Iraker die in Freiheit leben wollen? Oder in Wohlstand? Und in Frieden? Oder sind es nicht doch eher die Anhänger totalitärer Ideologien vom Stalinismus über den Faschismus bis hin zum Islamismus? Ist die Tatsache, daß letztere ihren Aufstand für das Recht führen, erstere in Ruhe unterdrücken zu können, tatsächlich etwas, was dagegen spricht, sie zu bekämpfen? Oder nicht doch viel mehr ein Grund für ein nur umso engagierteres Vorgehen in diesem Kampf?

[...] Unter anderem versuchen zwei Autoren nachzuweisen, dass es einer kleinen Gruppe überwiegend jüdischer Intellektueller und Mitglieder der Regierung gelungen sei, Amerika in diesen Krieg hineinzutreiben, weil ihnen das Schicksal Israels - mindestens - ebenso sehr am Herzen liege wie das ihres Vaterlands.

Aber nicht daß jetzt jemand "Antisemitismus" ruft, nur weil hier hervorgehoben wird, daß es sich überwiegend um jüdische Intellektuelle handelt.

[...] Ihre Kernthese lautet: Der Israel-Lobby sei es gelungen, "die Außenpolitik so weit von dem abzubringen, was die Rücksicht auf das nationale Interesse eigentlich diktieren würde, und gleichzeitig viele Amerikaner davon zu überzeugen, dass das amerikanische und das Interesse des anderen Landes - in diesem Fall Israel - im Wesentlichen identisch ist".

Die Identität der Interessen aber bestreiten die beiden Autoren, und damit ist ihr Buch ein Politikum.

Deswegen ist ihr Buch vor allem mal totaler Bullshit. Denn wer die gemeinsamen Interessen der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie USA mit der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie Israel nicht erkennen kann, und statt dessen mehr Gemeinsamkeiten mit den diesen Terror durchführenden Diktaturen der arabisch-islamischen Welt erkennt, hat offenbar gehörig einen an der Waffel.

Das heißt natürlich nicht, daß diese Interessen im Einzelfall nicht auch mal voneinander abweichen können (z.B. wenn es um fragwürdige amerikanische Rüstungslieferungen an Israel feindlich gesonnene Terrorregime wie Saudi-Arabien geht oder dem israelischen Verkauf US-finanzierter HighTech-Rüstung an potentielle Gegner Amerikas wie China), aber in der Regel ist gut für Amerika was gut ist für Israel (und umgekehrt!). Diese beiden Staaten sollen froh sein, im jeweils anderen den besten Verbündeten zu haben, den man sich wünschen kann.

[...] Dass etwa der Irak-Krieg auch etwas damit zu tun hat, dass sich in Washington zeitweilig die Hoffnung durchgesetzt hatte, den Kernkonflikt des Nahen Ostens durch den Versuch zu umgehen, in den Staaten der Region eine demokratische Modernisierung voranzutreiben, wird niemand mehr bestreiten.

Wär ja auch schlimm! Ist schließlich ein sehr vernünftiger Ansatz. Wenn ich's nicht besser wüßte, würde ich sagen, sie haben ihn geklaut. Und zwar von mir.

Auch nicht die These der beiden Politologen, wonach Amerikas Kriegsbefürworter den Sturz Saddams als Verbesserung der strategischen Position Israels und Amerikas ansahen und darauf hofften, dass beide Vorteile aus der regionalen Modernisierung ziehen würden.

Das erklärt endlich auch schlüssig, warum die USA den Europäern jahrzehntelang durch die NATO gegen die sowjetische Bedrohung geholfen haben. Es waren gar nicht wie oft fälschlicherweise vermutet gemeinsame Werte und Sicherheitsinteressen, sondern die in die Schaltstellen amerikanischer Macht eingeschleusten europäischen Intellektuellen, die durch ihre Kaperung der US-Außenpolitik die Vereinigten Staaten in einen den eigenen Interessen zuwiderlaufenden sinnlosen Konflikt mit ihren wahren Freunden Stalin, Chruschtschow und Breschnew gedrängt haben.

Dass Saddam keine wirkliche Bedrohung für Amerika darstellte, wohl aber für Israel, ist eine Tatsache, die selbst Mitglieder der Bush-Regierung zugegeben haben, wenn auch nur sehr selten in aller Öffentlichkeit.

In der Bush-Regierung, vor allem im State Department, tummelt sich so einiges, das kaum als Gute-Ideen-Reaktor taugt. Daß der Sturz Saddam Husseins, dessen bloße Existenz in der arabischen Welt als Verhöhnung Amerikas wahrgenommen wurde, und so schon aus ganz niederen realpolitischen Gründen wie der Wiederherstellung amerikanischer Abschreckungsfähigkeit gegenüber Schurkenstaaten hätte durchgeführt werden müssen, wird von den Autoren im übrigen geflissentlich ignoriert. Für die Realpolitik zu trommeln heißt offenbar nicht, sie auch verstanden zu haben.

[...] Dass sich Washington entschieden hat, die Gegner Irans aufzurüsten, darunter auch so zweifelhafte Diktaturen wie Saudi-Arabien, ist ein - häufig kontraproduktives - Mittel aus dem Arsenal traditioneller Außenpolitik, auf jeden Fall aber eine Todsünde wider den Geist neokonservativer Demokratielehre.

Diese Kritik ist zweifellos berechtigt. Man fragt sich nur, wieso jene, die die neokonservative Demokratisierungsstrategie so vehement ablehnen, bei der Bekanntgabe dieses bedauerlichen Kurswechsels die nötige Begeisterung für die Rückkehr Bushs auf den rechten Weg irgendwie haben vermissen lassen. Da scheinen die Anhänger der Realpolitik ihren eigenen Ideen ja nicht sonderlich weit zu trauen. Sonst hätte im SPIEGEL etwas stehen können wie "Na endlich, Dubya! Jetzt bist Du einer von uns!"

Ob deswegen Israel mehr oder weniger die gesamte Außenpolitik der USA in "strategische Haftung" genommen hat, wie die Autoren behaupten, ist allerdings eine ganz andere Frage. Die Isolation der Vereinigten Staaten in der muslimischen Welt ist für die Autoren auch eine Folge der bedingungslosen Unterstützung Israels.

Klar, wenn die Amerikaner den muslimischen Fanatikern helfen würden, Haifa heim ins Reich zu holen, gäbe das dort sicherlich Pluspunkte. Und was kümmern einen echten Realpolitiker schon Begriffe wie Recht und Moral. Das ist was für Weicheier. Angesichts solch eines erfrischend realistischen Ansatzes sind wir schon ganz auf das nächste Buch von Mearsheimer/Walt gespannt, in welchem sie uns darlegen, welch große Ziele die USA hätten erreichen können, wenn sie sich nur mit dem aufstrebenden Nazideutschland statt dem sterbenden Empire verbündet hätten. Der Titel steht schon fest: "The world is not enough".

Das ist, selbstverständlich, vermintes Terrain. Natürlich hüten Mearsheimer und Walt sich, die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit der Washingtoner Israel-Politik zu begründen.

Keine Sorge, das erledigen dann schon die Verschwörungstheoretiker, die sicherlich die richtigen Schlüsse aus dieser Steilvorlage ziehen werden.

Ganz deutlich aber schreiben sie, dass der Einfluss der Lobby "die terroristische Gefahr vergrößert". Die USA hätten genau deshalb ein Terrorismusproblem, "weil sie so eng mit Israel alliiert sind". Die Angst, dass eines nicht fernen Tages die amerikanische Öffentlichkeit deshalb die Schuld am islamischen Terror Israel oder den Interessenvertretern amerikanischer Juden geben könnte, macht erklärlich, warum das Echo auf dieses Buch so alarmistisch ausfällt.

Mit genau dieser "Logik" erklären auch die Rechtsradikalen immer wieder gerne, daß die Juden durch ihr eigenes Fehlverhalten den Antisemitismus ja erst hervorrufen, unter dem sie dann zu leiden haben. Man muß also nur Israel aufgeben, und schon hat jeder wieder die Juden lieb. Interessant zu erfahren, daß derart kranke Ideen jetzt offenbar auch Einzug in die Mainstreammedien halten.

[...] Dass George W. Bush deshalb in den verbleibenden Monaten seiner Amtszeit noch mit der Hamas reden oder, wie von vielen Gegnern gefordert, einen möglichst vollständigen Truppenabzug aus dem Irak anordnen könnte, ist kaum zu erwarten. Auch nicht, dass irgendeiner seiner Nachfolger die enge Bindung an Israel lockern wird.

Das wär ja auch noch mal schöner!

Vorstellbar ist aber auch nicht mehr, dass der nächste US-Präsident noch einmal einem israelischen Regierungschef Carte blanche geben könnte, wie Bush es für Ariel Scharon und Ehud Olmert getan hat. Wenig wahrscheinlich auch, dass es den Neocons noch einmal gestattet sein könnte, die amerikanische Nahost-Politik zu kidnappen.

Auch das hat Bush im Irak bewerkstelligt.

Und jetzt die Preisfrage: Wäre es besser, den Irakkrieg nicht geführt zu haben, damit man Israel mal so richtig unterstützen kann? Oder sollte man Bush statt dessen dafür danken, daß er diesen jüdischen Unruhestiftern endlich den Stecker rausgezogen hat? Wahrscheinlich Antwort drei: Da hat mal wieder jemand so richtig schön dummgeschwätzt.

Dienstag, 28. August 2007

Autobahn ins Massengrab

Bei der FDOG erschien vorgestern ein Gastbeitrag des South Park Republican, der darin den Anhängern der "Unterm Saddam war alles besser"-Fraktion noch einmal den verwirrten Kopf zurechtrückt. Und dabei geht er mit den Kritikern der Befreiung des Irak noch viel zu nett um.

Denn rechnet man all die völlig unnötigen Sanktionstoten hinzu, die ja nicht starben, weil der Westen keine Medikamente und Lebensmittel geliefert hätte, sondern weil Saddam seine eigenen Leute ganz bewußt zu Propagandazwecken krepieren ließ, sowie die Toten des von ihm vom Zaun gebrochenen Krieges gegen den Iran, dann liegt die Zahl der Opfer seines Regimes je nach Schätzung eher im Bereich von zwei bis drei Millionen, wenn nicht höher.

Gleichzeitig darf man nicht vergessen, daß für die zivilen Opfer im Irak nur in Ausnahmefällen US- oder irakische Regierungstruppen verantwortlich sind, sondern vor allem jene, gegen die sie ja gerade unter Einsatz ihres Lebens kämpfen, und daß diese Opfer somit auch noch dem Konto des früheren Regimes bzw. jenen des Iran, Syriens und all der anderen Diktaturen, die die diversen Terrorbanden und Milizen unterstützen, hinzugefügt werden müssen.

Solange also die sogenannten Kriegsgegner de facto nichts anderes als menschenverachtende Terrorrelativierer sind, die diese Tatsachen nicht in ihrer schwachsinnigen Propaganda berücksichtigen, wissen wir auch was von ihren Behauptungen zu halten ist: Nämlich nichts.

Montag, 27. August 2007

Ein Tiroler im Cyberspace

Oha! Da schlägt unser Anton inzwischen sogar schon außerhalb von NBFS Wellen. Zwar noch kein Tsunami, eher plätschert es so leise vor sich hin, aber immerhin! Und so wie es aussieht, hat er sich mit seiner unnachahmlichen Art, auf seine Mitmenschen herabzusehen, auch bei Leuten, die er selber wohl eher als Verbündete verortet hätte, nicht nur Freunde gemacht. An sich könnte man es dabei mit einem süffisanten Grinsen bewenden lassen, aber weil im Rahmen der sich daraus entwickelnden - im übrigen durchaus unterhaltsamen! - Debatte Mitdiskutant Che eine ganze Reihe von interessante Punkten auch zu meiner Wenigkeit angesprochen hat, muß ich jetzt doch mal zum einen oder anderen seiner Kommentare ebenfalls einen solchen abgeben:

3. Mit der Borussenfront hatte ich ja eine klasse Begegnung. Als die unsereins verprügeln wollte, holte jemand die geeignete Verstärkung: Eine Hells-Angel-like Bikergang. Da wurden sie ganz zahm, die Nazis. Schön war es auch, die Kahlköpfe rennen zu sehen, wenn die Kurden kamen.

Es ist beruhigend zu wissen, daß es auch andere Leute gibt, die in gewissen Situationen, wo gerade kein Wachtmeister zur Hand ist, die Segnungen der Selbstjustiz zu würdigen wissen. ;-)

4. Die Kommentatorenriege beim Paul zeichnet sich im Übrigen durch eine bizarre Vorstellung von dem, was links ist aus, mal wieder.

Da dieses so interessante wie wichtige Thema mich auch immer wieder beschäftigt, was genau ist eigentlich links? Und ist rechts dann das Gegenteil? Dazu höre ich immer gerne Meinungen, die Frage geht also an alle!

6. Wobei sich schon die Frage stellt, was von einem “liberalen” Blog zu halten ist,

Daß es liberal ist, heißt ja nicht automatisch, daß es NUR liberal ist. Es ist nur ÜBERWIEGEND liberal, sprich überall da, wo Individuen friedlich miteinander auskommen bzw. nicht unverschuldet in Not geraten, also vor allem in Wirtschaft und Gesellschaft. Hinsichtlich des Umgangs mit den bösen Jungs, aber auch was die Unterstützung von Witwen und Waisen betrifft, ist es das hingegen sicher nicht. Hoffe ich zumindest. Denn weder will ich erstere frei rumlaufen noch die beiden letzteren verhungern sehen.

das daherkommt wie eine Regimentswebseite.

Wieso das denn? Was soll das überhaupt für ein Regiment sein? Weder ist der Hintergrund oliv noch die Schrift gelb. Und selbst für ein Sanitätsregiment ist das rot noch viel zu blau. Etwa wegen dem schnuckeligen kleinen Panzer oben links? Der ist da nicht, weil ich die Welt erobern will, sondern weil auf dem Panzer was draufsteht, was in seinem Sarkasmus als Symbol für Zeit und Anlaß der Gründung dieses Blogs unübertroffen ist. Womit ich nichts gegen die Welteroberung als solche und den anschließenden Ausbruch des ewigen Friedens gesagt haben will, aber wäre das das Auswahlkriterium gewesen, hätte ich gewiß keinen Panzer gewählt - schon gar keinen Abrams ;-) -, sondern etwas für meine Zwecke angemesseneres, also beispielsweise einen Apache-Kampfhubschrauber oder am besten gleich einen ausgewachsenen Flugzeugträger der Nimitz-Klasse. Wenn, dann richtig!

Der Paul selber ist im Großen und Ganzen ganz fair und höflich,

Das hört man gerne. Ich geb mir diesbezüglich trotz meinem Hanges zum Sarkasmus zumindest Mühe, auch wenn das leider nicht von allen Leuten angemessen goutiert wird.

zeigte aber auch schon merkwürdige Anwandlungen.

Also normal ist das nicht, das will ich gerne konstatieren. ;-)

So verglich er Jolly Rogers, einen undogmatischen Gefühlslinken und badischen Sanguiniker, schon mal mit Berija und mich mit Dscherschinski.

Wer wird denn ob ein bißchen Polemik so nachtragend sein. ;-) Ich sage damit ja nicht, daß ich Euch beide für blutrünstige Massenmörder halte (dann würde ich gar nicht mit Euch reden), aber wenn jemand statt eines harmlosen Panzers das Portait eines grausamen Massenmörders als Logo benutzt, der Spaß daran hatte, seine Opfer höchstpersönlich zu erschießen, oder wenn jemand sich wünscht, daß trotz der Methoden, mit denen sie so was üblicherweise zu tun pflegen, 50.000 Russen bzw. Chinesen mit durchgeladener AK im Libanon für Ruhe und Ordnung sorgen, dann muß man ob einer solch kontroversen Auswahl seiner Idole auch mal ein bißchen Kritik aushalten können. Und ich weiß wovon ich rede, weil ich mir schon für die Unterstützung weit sympathischerer Zeitgenossen wie beispielsweise meines Lieblingspräsidenten noch ganz andere Sachen anhören muß.

8. Einige Freunde von mir bezeichnen die Hardcore-Neocons gerne als “neoconnazis”.

Einige Deiner Freunde sind ja auch der Ansicht, daß die Beleidigung "Nazi" schnell mal einen Streitwert von 200.000 Euronen hat, und zwar nicht für den Beleidigenden, sondern für unbeteiligte Dritte. Und das lustige ist, daß das mitunter dieselben Deiner Freunde sind, die, wie Du schon erwähntest, andere Leute gerne als "neoconazis" bezeichnen. Was mich daran erinnert, daß ich bei besagten Freunden noch mal nachschauen muß, ob der Lancaster-Bomber immer noch da ist. Denn auch als bekennender HardCore-NeoCon wie ich findet man es nicht sonderlich lustig, "Nazi" genannt zu werden, und zwar nicht nur, weil ich die 200.000 Euro gut gebrauchen könnte. Auf jeden Fall aber ist "Nazi" nicht gerade besser als Berija oder Dserschinski. Dann lieber Trotzki. ;-)

P.S.: Noch ein kleiner Nachtrag für Momorulez, der Kommentar Nr. 7 verfaßte:

Ich lese da auch nur sehr selten, aber für mich war das immer eher sowas wie Neocon-Speersptze in Sachen Außenpolitk

Endlich wird die Bedeutung von NBFS für die deutsche Bloggerszene mal richtig gewürdigt!

… und da gehört dann ja Freund/Freind-Denke sozusagen in’s Zentrum des Politischen als solchem.

Je nachdem, wer Freund bzw. Feind ist, stehe ich da in manchen Fällen nur sehr ungern unentschieden in der Mitte. Das muß aber zugegeben jeder für sich selbst entscheiden.

Kann ihm da aber unrecht tun, bin da wirklich zu selten unterwegs.

Keine Sorge, ich fühle mich geehrt. Schau also ruhig öfter rein, konstruktiv-kritische Stimmen sind hier jederzeit willkommen.

Donnerstag, 23. August 2007

Black Thursday

Das ist wahrlich ein schwarzer Tag für die Bloggerszene! Erst wird mit Benador Associates das "Best of NeoCons" abgeschaltet, und jetzt läßt uns auch noch das unverzichtbare Kosmoblog allein. Sowohl die abgeklärten und professionellen Artikel wie auch die weit überdurchschnittlich ergiebigen Linkempfehlungen waren ein absoluter Gewinn. Damit ist die tägliche Blogroll betrüblicherweise in Zukunft um zwei vergnügliche Pflichtklicks kürzer. Hoffen wir, daß Ulrich Speck zum Ausgleich jetzt wenigstens richtig Kohle scheffelt. Am besten soviel, daß er es sich irgendwann wieder leisten kann, Kosmoblog II aufzulegen.

UPDATE: Warum auch immer, aber Benador Associates ist wenigstens wieder da. Die Domain war kurzzeitig verfügbar, aber da hat vielleicht nur jemand vergessen, fristgerecht die Rechnung an den Provider zu zahlen. ;-) Einigen wir uns also auf dunkelgrauen Donnerstag.

Haste mal'n Bolivar?

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat einen neuen Coup gelandet: Künftig erhalten benachteiligte Londoner Zuschüsse aus Caracas zu ihrem Busticket. Die Abmachung mit Bürgermeister Livingstone ist höchst umstritten.

Vielleicht umstritten, aber auch verdammt cool! Erst verschafft er sich seine persönliche Dauerwerbesendung im Fernsehen, dann bastelt er sich eine eigene Zeitrechnung, und jetzt diese wirklich geniale PR-Aktion - ich muß zugeben, so langsam gewinne ich diesen Spinner richtig lieb. Auch wenn er natürlich noch nicht ganz an meinen irrlichternden Lieblingsdiktator rankommt, so entwickelt er sich doch langsam aber sicher zum Ghaddafi Lateinamerikas, der selbst meinem dortigen Favoriten Castro die Schau stiehlt.

Also, liebe Amis, wenn sich's irgendwie einrichten läßt und er nicht gerade auf die Idee kommt, iranische Atomraketen in Venezuela zu stationieren, al-Qaida diplomatisch anzuerkennen oder einen vergleichbaren Unfug anzustellen, setzt ihn bitte ans Ende der ToDo-Liste und hebt ihn Euch zusammen mit seinem libyschen Bruder Oberst bis zum Schluß auf. Sein Unterhaltungswert ist einfach zu groß. Solche Talente dürfen nicht ohne Not einem banalen Putsch geopfert werden. Da muß man schon Prioritäten setzen.

Montag, 20. August 2007

Wem die Stunde (auf den Hinterkopf) schlägt

Die Bürger Venezuelas müssen künftig wohl früher aufstehen: Präsident Hugo Chávez plant, die Uhren in seinem Land eine halbe Stunde vorzustellen. Die Umstellung soll den Stoffwechsel ankurbeln und damit der Arbeitskraft zugute kommen.

Caracas - Das ganze Land solle früher auf die Beine kommen, wünscht sich der Präsident. Es gehe bei der Maßnahme um die Auswirkungen auf den Stoffwechsel, erläuterte Staatschef Hugo Chavez in einer siebenstündigen Sendung seiner Fernsehshow "Hallo Präsident". Das menschliche Gehirn werde durch Sonnenlicht beeinflusst.

Dieses Eindrucks kann man sich tatsächlich nur schwer erwehren. Da war wohl jemand zu lange an der Sonne. Und wenn er demnächst versucht, die Sonne gleich direkt auf sieben Uhr morgens zu stellen, wissen wir, daß er dabei auch zu lange NDW gehört hat. Aber selbst wenn nicht, die diesbezüglich ohnehin schon beeindruckende Geschichte des Sozialismus ist hiermit jedenfalls wieder um eine ulkige Idee zur Produktionssteigerung reicher. Und die europäischen Chavez-Fans stehen wieder ein kleines bißchen dümmer da. Mal sehen, wie lange sie sich die Albernheiten ihres Vorzeigeclowns noch unwidersprochen gefallen lassen. Obwohl, wenn Lafontaine demnächst an der Atomuhr rumspielt, überrascht mich das auch nicht mehr.

In der TV-Sendung griff Chavez zudem die USA scharf an. Er warf der Regierung Bush vor, in den Streitkräften seines Landes Verschwörer für einen Putsch anwerben zu wollen. Damit solle eine von ihm in der vergangenen Woche vorgestellte Verfassungsreform unterlaufen werden. "Die Verschwörung hat bereits begonnen", sagte Chavez in seiner wöchentlichen Sendung. "Die Botschaften zirkulieren in den Kasernen. Die Hand (des US-Geheimdienstes) CIA, das Imperium, steckt dahinter. Sie versuchen einen Putsch."

Wozu denn noch putschen? Nach Chavez' neuestem Geniestreich muß sich die NSA ja nur noch in die venezolanischen Zeitserver einhacken und die Uhren dort auf Mitternacht stellen. Denn nach dieser konsequenten Weiterentwicklung marxistisch-leninistischen Denkens zum zeitgesteuerten Sozialismus dürfte die venezolanische Wirtschaft dann eigentlich binnen Tagen krachend zusammenbrechen. Und Chavez müßte hoffen, nicht von den empörten Landsleuten an der nächsten Kirchturmuhr aufgeknüpft zu werden. Das kommt eben davon, wenn man selber nicht mehr richtig tickt und zur eigenen Kalibrierung den Kopf in eine laufende Standuhr steckt, nur weil man meint, der eigene Dickschädel sei stärker als ein gußeisernes Pendel.

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