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13 Artikel der Kategorie "Staat: Nordkorea"

Montag, 26. Februar 2007

Nordkorea und Iran: Amerikas Alpträume

Mit ihren unberechenbaren Regimen sind Nordkorea und nun auch Iran zu Alpträumen Amerikas geworden.

Nun möchte man eigentlich annehmen, daß diese Regime in erster Linie die Albträume der von ihnen terrorisierten Menschen sind. Aber die zählen für ein Nachrichtenmagazin, das die Ansprüche deutscher Leser befriedigen muß, bestenfalls am Rande. Auch die Überlegung, daß es sich hier zunächst mal um die Albträume jener Staaten handeln sollte, die von iranischen Atomraketen erreichbar wären, bevor sich die USA Gedanken machen müssen, greift zu kurz, denn mit Ausnahme des offen mit physischer Auslöschung bedrohten Israels nehmen die potentiellen Atomkriegsopfer das ganze diesmal anders als in den 80ern nicht so ernst, wie es nötig wäre, um ihren Schlaf auch nur ein wenig unruhiger werden zu lassen.

Beim Streit mit Pjöngjang entschloss sich die US-Regierung zur Diplomatie.

Und der SPIEGEL wußte dies denn auch gleich mit dem Begriff Kotau und einem Artikel zu würdigen, in dem Bush die mangelnden Erfolge des diplomatischen Vorgehens vorgehalten wurden. Vielleicht sollten Gerhard Spörl und Andreas Lorenz erst mal miteinander reden, um zu klären, wie sie Sinn und Zweck von Soft Power denn nun bewerten wollen. Da scheint es ja noch gewisse Abstimmungsprobleme zu geben, die der gefühlten Kompetenz unseres Montagsmagazins nicht unbedingt zuträglich sind.

Aber im Konflikt mit den Mullahs ist sie noch lange nicht so weit.

Wieso sollte sie auch? Der Iran will doch keine Atomwaffen. Das sind doch alles nur die Lügen neokonservativer Kriegstreiber. Also muß man sich auch keine Sorgen machen. Oder etwa nicht?

[...] Nordkorea, dieses Hungerreich im Würgegriff der Familie Kim, ist der Alptraum Amerikas seit geraumer Zeit. In den Jahren 1993 und 1994, als der Präsident Bill Clinton hieß, schien der Krieg unmittelbar bevorzustehen. Es kam dann aber glücklicherweise zu Verhandlungen und zur Einigung.

An die sich Nordkorea dann dummerweise nur nicht wirklich hielt, so daß Clinton am Ende wie der letzte "Frieden in unserer Zeit!"-Depp da stand, was nicht unerheblich zur Einschätzung beigetragen haben dürfte, daß Verhandlungen mit Tyrannen wie Kim günstigstenfalls nutzlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv sind.

Der Tauschhandel damals lässt sich auf den Nenner bringen: Brot gegen Nuklearwaffen. Solche Abkommen haben immer einen schalen Beigeschmack: Diese Diktatoren in Nordkorea sind besonders trostlose Ausgeburten ihrer Spezies, die auf diese Weise ihr Überleben sichern, was umgekehrt heißt, dass ihr Volk ihnen ausgeliefert bleibt, freigegeben zur Unterdrückung und zum Verhungern, eingesperrt in einem der trostlosesten Länder auf Gottes Erdboden. Die Weltmacht, die Geschäfte mit solchen Tyrannen macht, schiebt Moral beiseite. So ist das nun einmal, leider, aber es ist richtig so, weil jede Alternative noch schlimmer ist.

Mal ganz davon abgesehen, daß das genau jene Moral ist, die das Blatt, für welches Herr Spörl schreibt, den Amerikanern bei jeder Gelegenheit als Beweis für ihre Verlogenheit unter die Nase reibt, fragt sich hier, für wen da was schlimmer ist. Zig Millionen Menschen, denen man ihr gesamtes Leben gestohlen hat, mehrere Millionen Hungertote, und hunderttausende, die im GuLAG dahinvegetieren, dürften jedenfalls nur schwer zu toppen sein, schon gar nicht von ein paar durchgeknallten Selbstmordattentätern. Andererseits wissen wir gerade durch die Erfahrung im Irak, daß die weit zahlreicheren Opfer einer Diktatur anders als diejenigen ihres Sturzes in den Mainstreammedien keine Lobby haben und im nachinein gerade auch von SPIEGEL-Autoren ganz gerne vergessen werden, damit die Berechnung von Erfolg und Mißerfolg zu dem von den Lesern gewünschten Ergebnis führt.

Iran ist der andere Alptraum Amerikas, seit dort der Schah davongejagt wurde und ein paar Ajatollahs an seine Stelle traten. Das ist noch so ein befremdliches Regime, eine Theokratie, und das auch noch mit Öl. Dazu dieser Mahmud Ahmadinedschad, ein Provokateur mit hochfahrenden Wünschen über die Rolle seines Landes in der Region und verrückten Vorstellungen über den Holocaust und den weiteren Verbleib Israels. Iran ist das Nordkorea im weiteren Nahen Osten, nur mächtiger.

Und, was ist jetzt mit den "verrückten Vorstellungen über den Holocaust" und "den weiteren Verbleib Israels"? Macht das nicht einen klitzekleinen Unterschied in der Bewertung aus? Denn wenn die Bombe nur dem Erhalt eines Terrorregimes dient, wäre der Westen zwar umso mehr verpflichtet, besagtem Regime die Bombe zu verweigern, gerade um den dort lebenden Menschen noch helfen zu können, doch könnte man als entspannungsgestählter Realpolitiker den Unterdrückten immer noch ein nationalegoistisch begründetes "Pech gehabt!" zurufen. Aber wenn die Bombe verwendet wird, "verrückte Vorstellungen über den Holocaust" praktisch umzusetzen und "den weiteren Verbleib Israels" mit dessen Deportation ins nukleare Nirvana zu regeln, ist das keine innere Angelegenheit mehr, sondern betrifft uns alle.

Wenn man das Beispiel Nordkoreas ernst nimmt, dann liegt es nahe, dass Amerika sich für Iran ähnlich verhalten muss. Es gibt die Vierer-Gespräche unter Ausschluss Amerikas, was schlecht ist und sich ändern müsste, wenn Aussicht auf Erfolg gewünscht wird. Die Rolle Chinas könnte Russland übernehmen. Russland liefert Iran Waffen und nukleare Technologie. Wenn irgendein Land Vertrauen in Teheran genießt, dann ist das Russland. Doch Russland genießt nicht das Vertrauen der Regierung Bush. Auch das kann sich ändern.

Sicher. Putin findet über Nacht seine Lupe wieder und kehrt reumütig zurück in den Schoß der liberalen Demokratie. Im Ernst, selbst wenn es soweit käme, stellt sich doch die Frage, was machen wir bis dahin? Die Bombe der Mullahs muß jetzt verhindert werden. Auf das Heilen der verletzten russischen Seele des heiligen Vladimir können wir dabei leider schlecht warten. Also, lieber Gerhard Spörl, ganz konkret: Wie stoppen wir Achmadinedschad & Co., falls Putin überraschenderweise doch nicht den Pfadfindern beitreten sollte?

[...] Die Alternative hieß im Fall Nordkorea und heißt jetzt im Fall Iran: entweder das Regime oder die Haltung wechseln. Mit dem Regimewechsel dürfte es in absehbarer Zeit auch in Teheran nichts werden. Bleibt, die Haltung zu wechseln.

Mit anderen Worten: Sorry, liebe Iraner, daß sie Euch töten und foltern und Euer Leben zerstören, betrübt uns natürlich zutiefst, aber shit happens, hatten wir auch schon, und wir haben's auch überlebt (naja, zumindest die meisten von uns), also Kopf hoch. Und Ihr Juden, haut einfach ab da unten und kommt zurück nach Europa, als wehrlose Flüchtlinge haben wir euch dann auch wieder lieb, und das ist doch schon mal ein gutes Gefühl. Womit immerhin raus wäre, was einige Zeitgenossen als "Haltung" zu bezeichnen bereit sind.

Montag, 09. Oktober 2006

Erbarmen, die Hesse komme!

SPIEGEL online

Atomtest_editiert_3

Ich muß sagen, daß macht mir jetzt doch ein bißchen Angst. Nicht nur, daß Kim Jong Il vorübergehend tatsächlich eine Kernwaffe zu besitzen schien (auch wenn sie wohl eher gezischt statt bumm gemacht hat), offenbar hat jetzt auch weit schneller als erwartet mit Hessen schon das erste Land den nuklearen Wettlauf aufgenommen. In Biblis darf gezittert werden.

Donnerstag, 05. Oktober 2006

Konflikte: USA verurteilen Nordkoreas Pläne für Atomwaffentest

SPIEGEL online

Die Ankündigung eines Atomwaffentests durch Nordkorea hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Die USA warnten das kommunistische Land vor einem entsprechenden Schritt. China, ein enger Verbündeter Pjöngjangs, rief das Regime zur Mäßigung auf und mahnte "einen kühlen Kopf" an.

New York/Peking/Seoul - Uno-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor einer Verschärfung der Spannungen in der Region. Nordkorea werde seine eigene Sicherheit gefährden, wenn es den Atomtest tatsächlich ausführe, sagte Annan gestern in New York. "Solche Aktionen würden die Spannungen in der Region weiter verschärfen", fügte Annan hinzu. "Die Folge wäre die universale Verdammung durch die internationale Gemeinschaft."

Himmel, die universale Verdammung durch die internationale Gemeinschaft!!! Das darf er nicht! Also wenn das Nordkorea nicht zum Einlenken bringt, was denn dann? Wo doch jedes Kind weiß, daß Kim Jong Il wie kein zweiter um sein Ansehen in der Welt besorgt ist. Wenn jetzt selbst dieser Ausdruck strengster Mißbilligung nichts bringt, muß die internationale Gemeinschaft wohl zum letzten Mittel greifen und mit dem Fuß aufstampfen. Oder die Luft anhalten, bis sie blau wird. Oder sich mit den Fäusten auf dem Boden trommelnd auf dem Boden wälzen. Oder die Finger in die Ohren stecken und schrill losschreien. Oder die Zunge rausstrecken und ungezogene Worte sagen. Oder...

Donnerstag, 13. Juli 2006

Naher Osten: Wohin führt die Eskalation?

Politically Incorrect

Der Nahostkonflikt eskaliert und soll laut WELT auf unbestimmte Zeit angelegt sein. Wie viele Staaten werden noch in den Konflikt gezogen werden? Wohin wird das führen?

Michael Haupt hat eigene Antworten. Demnach sind wir bei Akt 2 des III. Weltkriegs und Akt 3 ist in offensichtlich in Vorbereitung, wenn man berücksichtigt, was seit einigen Wochen über Nordkorea - hier und hier - berichtet wird.

Damit der folgende Zeitplan verständlich wird, es ist förderlich, sich darüber klar zu werden, wie Geschichte gesehen werden kann. Wer wissen möchte, wie Albert Pike  mit einem möglichen dritten Weltkrieg in Verbindung zu bringen ist, kann hier nachlesen.

"World War 3 Timeline

[...]

Prelude - The events leading up to the start of World War Three, including Sept 11, 2001.

Act 1 - The Middle East.  Widespread conflict to bring the entire region into the flames of war, possibly triggered by Iran or militants in Pakistan using North Korean supplied nuclear arms.  The first Scene in this Act is the US Invasion of Iraq on March 20, 2003.

Act 2 - Israel at War -- Against her Arab neighbors, possibly Palestine.  A Palestinian State will be established, so that all Israelis will be fully separated from Palestinians (listen out for mention of a 7-year treaty to be confirmed by a World Leader - probably Bush), only for Israel to viciously attack Palestine shortly thereafter.

Act 3 - Far East -- "Hair-raising nuclear confrontation that threatens mankind's existence" - Peter Lemesurier, author of The Armageddon Script, p. 223, written in 1981.  Includes China invading Taiwan and a nuclear eruption on the Korean Peninsula.

Act 4 - Erosion of Confidence in 'The System' so severe citizens will be panicked into giving up liberties and Constitutional form of government.  The plan calls for the dissolution of the US Constitution, triggered by a significant enough 'terrorist' attack.  The ultimate intent is to introduce a global government and one-world religion.

[...]

Both Biblical prophecy and the Illuminati plan state that Israel is the key. The Third World War is planned to begin when Israel goes to war against her Arab enemies. Then and only then will all the other elements begin to occur and they will occur in rapid succession. The plan is to have one disaster following another in such rapid succession that, before people can mentally and emotionally handle one disastrous news event, they will be hit with another."

WAS IST DAS???

Wenn ich's nicht selber lesen würde, würde ich nicht glauben, was ich da sehe. Da es für eine Satire zu unlustig (der Begleittext von PI natürlich, das Hauptgeschwafel selbst entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik - am besten gefällt mir "The System") und für einen Verriß zu unkritisch ist, steht das schlimmste zu befürchten. Eigentlich bleiben bei genauerem Nachdenken nur zwei Erklärungsmöglichkeiten übrig:

Entweder ist man bei PI angesichts all der Vorwürfe, denen man in letzter Zeit ausgesetzt war, inzwischen so entnervt, daß man als letzten Ausweg sieht, auf geistige Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren, und der distanzlose Verweis auf anerkannte Verschwörungstheoretiker wie Michael Haupt oder Ku-Klux-Klan-Führer wie Albert Pike ist nur der Versuch, glaubwürdig fortgeschrittenen Rinderwahnsinn vorzutäuschen.

Oder aber PI entwickelt sich gerade zu einem endzeitlichen Esoterikblog aus dem Freiluftgehege ausgebrochener christlicher Sektenfundis. Wenn dort demnächst ein neuer PI-Autorenkollege namens N. Ostradamus den Nachweis erbringt, daß der Irakkrieg in Bielefeld geplant wurde oder die erste Ode auf Erich von Däniken erscheint, wissen wir die Antwort. Wenn es dann nicht schon zu spät ist. Muahahaha...

Donnerstag, 06. Juli 2006

Raketentests: Nordkorea droht mit Gewalt

SPIEGEL online

Ungeachtet der scharfen internationalen Kritik will Nordkorea seine Raketentests fortsetzen. Für den Fall von Uno-Sanktionen droht Pjöngjang sogar mit "Gegenmaßnahmen". Einem TV-Bericht zufolge steht ein weiterer Start einer Langstreckenrakete bevor, die Alaska erreichen könnte.

Vielleicht sollten die Amis auch mal ein paar Raketentests durchführen. Einfach einen 1:10-Nachbau von Kim Jong Ils Lieblingspalast oder eine Kim-Il-Sung-Statue in Originalgröße auf ein Floß gepackt und das ganze dann gerade außerhalb der Hoheitsgewässer vor die nordkoreanische Küste geschleppt, wo es dann - am besten in Sichtweite einer großen Hafenstadt - fachgerecht mit ein paar Marschflugkörpern zerlegt wird. Und das dann jeden Tag, solange bis der Irre von Pjöngjang die Lust verliert, weil am Strand zuviel applaudiert wird. Mal schauen, wem eher die Raketen ausgehen.

Mittwoch, 08. Juni 2005

Folter und Hinrichtungen in Nordkorea: "Wo bleibt der weltweite Aufschrei?"

Süddeutsche Zeitung

Staatsfeinde werden in Nordkorea für Experimente missbraucht, um neue Generationen chemischer und biologischer Waffen zu entwickeln. Dies berichtet der stellvertretende Direktor des Simon Wiesenthal Center, Abraham Cooper.

Ja, wo bleibt er denn, der Aufschrei? Hab ich da was verpaßt, oder war er nur nicht laut genug, so daß er in dem ganzen "Guantanamo=GULag"-Gebrüll der vergangenen Tage unterging? Mir deucht, da haben eine ganze Menge amnesty international-Mitarbeiter in letzter Zeit zufällig gleichzeitig in eine andere Richtung geguckt.

Naja, lag wahrscheinlich daran, daß in Guantanamo gerade eine von diesen weiblichen Folterknechtinnen im Minirock vorbeigestöckelt kam, da kann man(n) schon mal die Orientierung verlieren - vor allem dann, wenn gerade mal wieder rechtzeitig zur jährlichen Schwerpunktbildung der moralische Kompaß ausgefallen ist.

So eine fiese Amischlampe in BH und hochhackigen Schuhen ist ja auch ein wesentlich attraktiverer Anblick als das angstverzerrte Gesicht eines vermutlich ohnehin antikommunistischen und womöglich gar proamerikanischen Oppositionellen beim mehrstündigen Todeskampf während des Giftgasversuchs von Team B.

Wird wohl allmählich Zeit für's Team A(merica). Oder wenigstens das A-Team. Wo sind Sie, Hannibal Smith?

Donnerstag, 02. Juni 2005

"Wehrhafte Friedensverteidigung"

Die Achse des Guten

Wie praktisch, daß es die Achse des Guten gibt. Ich weiß nicht wie sie es genau machen, aber sie schaffen es irgendwie immer wieder, die besten Prachtexemplare des zeitgeistoptimierten Wahnsinns in den Medien aufzustöbern. Vorgestern haben sie eine wahre Perle entdeckt, die selbst für die Absonderung einer Muschel so erschütternd dumm war, daß sie nach einer ausführlicheren Antwort geradezu schreit.

Zugegeben, die Seite mit dem vielversprechenden Namen Frieden.de, nach eigener Aussage das "friedlichste Internet-Portal Deutschlands", auf der Michael Mirsch dieses Geschreibsel fand, ist glücklicherweise viel zu unbedeutend, als das man sich unbedingt näher damit befassen und sie dadurch aufwerten müßte, aber angesichts des ungewöhnlich hohen Austoßes von Unsinn pro Quadratzentimeter erreicht dieser Text (es handelt sich um eine Antwort auf einen Leserbrief) durchaus die Dimensionen von Konstantin Weckers legendärer Politik hinter den Schlagzeilen oder dem nicht minder abgedrehten Lebenshaus Schwäbische Alb. Und da kann ich einfach nicht widerstehen...

Sehr geehrter Herr Schler,

wir sehen die Folter von Menschen in China, im Iran und Nordkorea ebenfalls als höchst besorgniserregend an! Bei der Menge der Verstöße gegen die Menschenrechte mussten wir uns auf einen Schwerpunkt festlegen.

Was für eine Eröffnung! Im zweiten Satz widerlegen sie bereits ihren ersten. Denn wenn sie wirklich die "die Folter von Menschen in China, im Iran und Nordkorea ebenfalls als höchst besorgniserregend" ansehen würden, könnten sie gerade angesichts "der Menge der Verstöße gegen die Menschenrechte" in den genannten Staaten bei der Suche nach einem "Schwerpunkt" eigentlich kaum in Guantanamo landen. Wie sie das dann trotzdem schaffen, bleibt ihr Geheimnis.

Angesichts der Tatsache, dass die amtierende US-Regierung die Angriffskriege dieser Zeit führt (Afghanistan und Irak), die USA die größte Rüstungsindustrie auf unserem Planeten beheimatet und die Demokratie unter US-Präsident George W. Bush mit Füßen getreten wird, sind inakzeptable Unmenschlichkeiten der US-Regierung unserer Schwerpunkt.

Ok, das mit dem Geheimnis nehme ich zurück. Es ist doch ziemlich offensichtlich, wie sie darauf gekommen sind. Wer die Beseitigung zweier der übelsten zeitgenössischen Terrorregime kommentarlos unter der Rubrik "Angriffskriege" aufführt und statt deren Ex-Herrschern den US-Präsidenten als den eigentlichen Antidemokraten darstellt, dem geht es bei den Menschenrechten nicht um dieselben, sondern ausschließlich um billigste antiamerikanische Propaganda. Das einzige Menschenrecht, daß sich aus einer solchen Denkweise ableiten läßt, ist das Menschenrecht eines Diktators, die Menschenrechte seiner Untertanen auch weiterhin ungestört verletzen zu können.

Vergleicht man die Todesfälle durch staatliche Gewalt in China, Iran und Nordkorea mit den bekannten Todesfällen der US-Invasionskriege (2002-2004), ist die amtierende US-Regierung für 95% aller Todesfälle durch staatliche Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen.

Diesen Satz mußte ich mehrmals lesen, um sicherzugehen, daß sie wirklich das meinen, was sie da gesagt haben. Also da müssen die USA noch verdammt viele Kriege führen, bis sie so viele unschuldigen Zivilisten umgebracht haben wie dieses Trio des Todes. Allein im Lagersystem von China und Nordkorea vegetieren hunderttausende von Menschen dahin, und Kim Jong Il ist, wenn er einen schlechten Tag hat, immer mal wieder für eine Hungersnot mit Millionen von Toten gut. Die offiziellen Hinrichtungszahlen haben jedenfalls mit dem tatsächlichen Terror gegen das eigene Volk herzlich wenig zu tun.

Bei der Rechnung wurde im übrigen vergessen zu erwähnen, wieviele Menschen zusätzlich von Saddam Hussein's Schergen und den Talibanbanditen zwischenzeitlich umgebracht worden wären, wenn die Amerikaner sie nicht zum Teufel gejagt hätten. Selbst wenn man, was natürlich völliger Bödsinn ist, aber trotzdem von der 5. Kolonne des Islamofaschismus immer wieder gerne getan wird, den USA auch jene Toten in die Schuhe schiebt, die aufs Konto ihrer Feinde gehen, hätten sie noch einiges an Arbeit vor sich, wollten sie auch nur Saddam's Durchschnitt in Friedenszeiten erreichen.

Auf Guantanamo wird gefoltert. In Lagern im Iran, Nordkoreas und Chinas wird ebenfalls gefoltert. Jede Folterung ist inakzeptabel, zu ächten und zur Anklage zu bringen. Doch ist es nicht erschreckend dass auch eine "Demokratie" sich für Folterlager verantworten muss?

Das kommt darauf an, was Folter ist. Verschärfte Verhörmethoden wie Schlafentzug (sprich 3 Tage lang jeweils nur 4 Stunden Schlaf, bevor man sich mal richtig ausruhen darf) sind sicherlich nicht nett, aber bei Schimanski hat der durchschnittliche Amerikahasser derartigen Methoden noch als vielleicht etwas rüpelhaft, aber angesichts der Umstände doch durchaus angemessen applaudiert. Handelt es sich hingegen um wirkliche Folter, so ist die weder auf Guantanamo noch woanders im dunklen Imperium des George W. Bush erlaubt. Verstößt jemand dagegen und kann man es ihm nachweisen, landet er vor Gericht und riskiert dann Strafen, wegen denen ai normalerweise sofort eine Eilaktion starten würde. Zumindest wenn es sich bei den Tätern nicht zufälligerweise um GIs handeln würde.

Wir versuchen mit unserem Mittel der Information und der Redaktion diese Entwicklung aufzuhalten. Während wir in China, dem Iran und Nordkorea kaum Veränderungen einleiten können, haben wir mit unserer Arbeit "STRIKE GUANTANAMO" erste Ergebnisse erreicht.

Super Idee! Wenn man jemanden für seine Schandtaten nicht zur Rechenschaft ziehen kann, greift man sich eben irgendjemand anders. Ganz gleich, ob man dadurch die Schuldigen schützt und ihre Verbrechen deckt, Hauptsache man tut was. Und sei es das Falsche.

[...] Die USA im Jahr 2005 haben unter Präsident George W. Bush kaum noch internationales Ansehen und nicht ohne Grund wählten die Leser von Frieden.de, George W. Bush, zum Kriegstreiber Nr. 1.

Das Ansehen der USA unter Präsident Bush hat vor allem bei den diversen islamistischen, faschistischen und stalinistischen Diktatoren gelitten, und zwar sowohl jenen, die noch ihr Unwesen treiben, als auch jenen, die bereits hinter Schloß und Riegel sitzen bzw. auf der Flucht sind. Daß das Ansehen in diesem Zusammenhang auch bei jenen Demokratien, die sich dieser Diktatoren gerne noch ein Weilchen bedient hätten, gesunken ist, buchen wir mal als diplomatischen Kollateralschaden ab. Immerhin weiß Amerika jetzt, inwieweit es sich auf das von ihm einstmals befreite alte Europa verlassen kann. Nämlich gar nicht.

Lao-Tse sagte, "Wenn Dich einer auf die Wange schlägt, dann halte ihm auch noch die andere hin", meinte er damit auch, dass man nach der 2. Ohrfeige auf die 3. warten muss?  Was ist wenn man durch das Hinhalten der anderen Wange quasi die erste Watsche verziehen hat, jedoch die Chance vergibt, das Unrecht zu erkennen, und dafür die nächste Watsche erhält?

Was immer uns diese Worte sagen wollen, wir wollen gnädigerweise den Mantel des Schweigens darüber breiten.

Hieraus ist ersichtlich, dass eine fortlaufende Passivität auch in der Selbstzerstörung enden kann. Es gibt zu viele Gewaltherrschaften und zwischenzeitlich auch eine Demokratie, welche nicht mehr aufhört, Watschen zu verteilen. Aus diesem Grund muss der Frieden auch wehrhaft verteidigt werden.

Aha? Das machen die USA ja gerade, aber ich hatte bisher ehrlich gesagt nicht den Eindruck, als ob die Betreiber dieser Seite das sonderlich zu würdigen wissen.

Im Falle der notwendigen Friedenserhaltung und der Friedenswiederherstellung spielt dabei die UN - global - die wichtigste Rolle.

Das hat man ja gesehen, als es darum ging, Saddams Krieg gegen das eigene Volk zu beenden. Die einzige Rolle, die mir diesbezüglich im Zusammenhang mit der UNO einfällt, ist die Klopapierrolle, auf der die Charta der Vereinten Nationen offenbar gedruckt wurde.

Leider wird die UN ausgerechnet von der amtierenden US-Regierung ständig gegeißelt und beeinträchtigt.

Kann es sein, daß das daran liegen könnte, daß die UNO ihren in den zwei Sätzen davor genannten Aufgaben nicht so ganz gerecht wird?

Zeitgleich unterhält die US-Regierung für die Ausarbeitung und Umsetzung eigener „Konzepte“ einen „Stab“.

Ein Stab! Diese Teufel!

Dieser Größenwahn führte zu den Invasionskriegen gegen Afghanistan und gegen den Irak.

Tja, vom Größenwahn eines Stabs zum Invasionskrieg ist es bekanntlich nur ein kleiner Schritt. Mir scheint, ich habe dieser Seite Unrecht getan. Wecker und das Lebenshaus? Schnickschnack, das sind kleine Lichter gegen diese Sonne im Universum politisch-strategischen Denkens! Die tiefe Logik dieser ausgefeilten Argumentationskette bewegt sich schon in ganz anderen Sphären. Das hat zweifellos schon den Lanoo-Faktor. Alle Achtung, Frau Ahlers, das macht Ihnen so schnell keiner nach.

Während der US-Präsidenten, George W. Bush, nur niedere Beweggründe verfolgt, wie die Macht über das Öl, erklärt er der Weltöffentlichkeit, dass es ihm um die Demokratisierung und um den Kampf gegen Terror ginge.

Dieser eine kleine Satz allein böte bereits genügend Anlaß, um seitenweise Argumente von früher noch mal zu posten. Aber irgendwas sagt mir, daß sich das hier nicht wirklich lohnen wird.

Das direkte Ergebnis sind die Terrorwellen im Irak.

Komisch. Ich dachte immer die wären das direkte Ergebnis der Aktionen von Terroristen. So kann man sich irren.

Hierdurch sterben täglich mehr Menschen als in den Folterlagern in China, Nordkorea und dem Iran zusammen.

Na, da scheinen diese drei Staaten ja inzwischen den Großteil ihrer Opfer außerhalb ihrer Folterlager umzubringen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer des Terrorismus natürlich immer noch unakzeptabel hoch. Es freut mich daher besonders, daß selbst eine der nötigen Distanz zum Islamofaschismus garantiert unverdächtige Seite wie diese hier sich zu einer derart eindeutigen Verurteilung des Terrorismus durchringen konnte.

In Europa werden die Lügen des US-Präsidenten vom seinem Waffenbruder, Tony Blair, verbreitet. Wie wir alle wissen, wurde Blair erst kürzlich in seinem Amt bestätigt.

Stimmt, wissen wir.

Hieraus ist ersichtlich, dass unsere wehrhafte Friedensverteidigung im Berichten über diese Missstände liegt.

Wehrhafte Friedensverteidigung ist also, wenn man berichtet, daß Tony Blair erst kürzlich in seinem Amt bestätigt wurde, soso. Lanoo, bitte übernehmen Sie!

Da ein Großteil unserer Redaktion aus Politikstudenten besteht, wird diese Lösung auch gelebt.

Politikstudenten? Na das erklärt einiges. Und ich weiß wovon ich spreche!

Wie kann man sich mehr für Frieden und Demokratie einsetzen?

Daß Ihr da nicht von selber draufkommt, glaube ich Euch unbesehen.

Wir freuen uns auf weitere Anregungen und Vorschläge!

Gerne. Einfach die Demokratie forciert verbreiten, dann kommt der Frieden von ganz alleine. Ich hoffe Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

Montag, 21. März 2005

Atomstreit: USA brachten Verbündete mit Tricks gegen Nordkorea auf

SPIEGEL online

Die USA haben ihre asiatischen Verbündeten nach einem Bericht der "Washington Post" mit Absicht in die Irre geführt und ihnen berichtet, Nordkorea habe Atommaterial an Libyen geliefert. Tatsächlich habe Pjöngjang nur an Pakistan geliefert, berichtet das Blatt.

Ach so, dann ist ja alles gut. In diesem Fall braucht sich niemand Gedanken zu machen. Im Gegenteil: Was die Nordkoreaner auf dem Weltmarkt verticken, können sie schließlich nicht mehr selber zu einer Höllenmaschine zusammenschrauben.

Nur verstehe ich nicht so ganz, wieso sich alle Welt nach Nordkoreas offiziellem Beitritt zum Club der Atommächte so sehr darüber aufgeregt hat, daß Bush sich zu sehr auf die armen Mullahs eingeschossen und den Irren von Pjöngjang vernachlässigt hätte.

Die Kritiker der US-Regierung sollten sich allmählich vielleicht mal entscheiden, was sie ihr vorwerfen wollen, zuviel Wachsamkeit oder zuwenig. Beides geht nicht. Und wenn sie sich entschieden haben, solten sie auch mal dazu stehen.

Donnerstag, 03. März 2005

Nuklearmacht: Nordkorea droht mit Tests von Langstreckenraketen

Süddeutsche Zeitung

Vor knapp einem Monat hatte Nordkorea erklärt, über Atomwaffen zu verfügen. Nun verschärft Pjöngjang den Ton weiter: Man wolle sich nicht mehr an den Stopp für Raketentests halten - wenn die USA sich nicht für die Bezeichnung als "Vorposten der Tyrannei" entschuldigen.

Drehen die jetzt vollends durch? Ich glaub, es hackt! Darauf kann es eigentlich nur eine Antwort der US-Regierung geben: "Hiermit erklären wir offiziell, daß Nordkorea doch kein Vorposten der Tyrannei ist, und zwar schlicht und einfach deswegen, weil es ihr Hauptlager ist. Es tut uns aufrichtig leid, die Rolle Kim Jong Ils in diesem Zusammenhang nicht ausreichend gewürdigt zu haben. Soll nicht wieder vorkommen."

Mal im Ernst: Wenn man hier auch nur ein klitzekleines Zentimeterchen nachgibt, dann können wir uns schon mal darauf einstellen, daß der Irre von Pjöngjang eines Tages verlangt, daß man ihm den Friedensnobelpreis zuerkennt, Vetorecht im Sicherheitsrat zugesteht, 10% der Steuereinnahmen aller Industrienationen an Nordkorea abführt sowie bei der Gelegenheit dem "Geliebten Führer" auch gleich noch den Oscar verleiht.

Denn er hätte gute Chancen, daß der Westen diese Forderungen zumindest teilweise erfüllt. Spätestens dann zumindest, wenn Kim Jong Il androht, sich wieder an seinen Geiseln - der eigenen Bevölkerung - zu vergreifen. Das hat schon bisher ganz gut funktioniert, und der Verweis auf die inneren Angelegenheiten dürfte den "Frieden" in Nordkorea auch in Zukunft retten. Egal wieviele Menschenleben er noch fordert.

Sonntag, 13. Februar 2005

Die hilflose Supermacht

tageszeitung

Ob Nordkoreas Isolation jetzt wirklich noch weiter zunimmt, hängt vor allem von Peking ab.

Sehr schön beobachtet. Und gut, daß da endlich mal jemand darauf hinweist. Der Schlüssel zumindest zur Atomwaffenkrise mit Nordkorea liegt nämlich in Peking, nicht in Pjöngjang.

Denn seien wir mal ehrlich: Nordkorea ist letztlich nichts anderes als ein kleiner Hund, den sich China einst zugelegt hat, um dem Hauptrivalen USA von Zeit zu Zeit ein bißchen ans Bein pinkeln zu können, ohne daß es wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses dann gleich aus der Weltgemeinschaft ausgeschlossen wird. Inzwischen ist aus dem ehemals so goldigen Welpen allerdings ein stattlicher Kampfhund geworden. Und daß der kleine Hund nie richtig genug zu fressen gekriegt hat, und sich außerdem beim ersten Versuch, die USA zu beißen, eine gehörige Tracht Prügel eingefangen hat, hat seine Aggressivität auch nicht gerade gedämpft.

Hunger ist er inzwischen gewöhnt, also einfach den Freßnapf nicht zu füllen, beeindruckt ihn nicht mehr sonderlich. Auch ihn an der Leine zurückzureißen geht nicht mehr so einfach, denn diese ist im Laufe der Jahre bei den unzähligen Versuchen des Herrchens, mittels seiner gefletschten Zähne die Nachbarn ein wenig einzuschüchtern, rissig geworden. Und selbst wenn das Herrchen wollte, wäre es inzwischen etwas schwierig, ihm wenigstens eine stärkere Leine anzulegen. Vor allem, seit er kurz davor ist, den Maulkorb zu zerreißen. So genau weiß eigentlich niemand momentan, ob er überhaupt noch hält. Und keiner hat so richtig Lust, es herauszufinden.

[...] Die USA drängten Peking bisher vergeblich, mehr Druck auf Nordkorea auszuüben.

Da wird es wohl definitiv Zeit, auch gegenüber Peking mal die Samthandschuhe auszuziehen. Wenn China glaubt, mit seinem Kampfhund weiterhin Eindruck schinden zu können, sollten die USA den kommunistischen Machthabern endlich unmißverständlich klar machen, daß sie zwar in der Region keinen Kampfhund, aber dafür mit Südkorea und Japan zwei süße kleine Kätzchen haben.

Und diese ließen sich bei entsprechendem atomaren Kraftfutter ziemlich schnell zu - gerade im Hinblick auf die Geschichte - verdammt unangenehmen Tigern hochpäppeln. Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, daß China da speziell im Fall von Japan wirklich größeren Wert drauf legt. Irgendwas sagt mir daher, daß die Chinesen in so einem Fall ganz schnell doch noch einen Weg finden würden, den Kampfhund einzuschläfern oder wenigstens ruhigzustellen.

Schon während der Hungersnot in den 90er-Jahren zeigte das Regime, dass es zum Erhalt des Systems bereit ist, Millionen eigener Bürger zu opfern.

Das ist schon erschreckend, wie distanziert und unbeteiligt eine links-alternative Zeitung so einen Satz dahinschreibt, ohne zugleich die internationale Solidarität zum Sturz des Regimes einzufordern. Jedes erschlagene Robbenbaby und jeder Quadratmeter gerodeter Regenwald bekommen mehr Emotion mit als die vor Hunger schreienden Kinder im kommunistischen Paradies.

[...] Für die Neokonservativen glich die unter Clinton verfolgte Nordkorea-Politik, die das Plutoniumprogramm gegen Öllieferungen und den Bau von Leichtwasserreaktoren einfror, einem "Appeasement".

Womit sie zweifellos recht haben.

Im Kongress und Senat torpedierten die Republikaner die von der Clinton-Regierung in Aussicht gestellte Aufnahme diplomatischer Beziehungen und einen Nichtangriffspakt.

Wenigstens das.

Die Bush-Regierung ließ nie einen Zweifel daran, dass für sie das einzige Ziel "regime change" lautet.

Falls die taz tatsächlich einen anderen Weg kennt, um das nordkoreanische Regime ein für alle mal am Entwickeln und Weiterverbreiten von Massenvernichtungswaffen sowie den dazugehörigen Trägersystemen zu hindern, sowie der dortigen Bevölkerung weitere Millionen von Toten zu ersparen, wäre dieser Artikel eigentlich die ideale Gelegenheit gewesen, ihn der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Hat sie aber nicht. Womit "regime change" bis auf weiteres die schlechteste, aber auch beste, weil einzige Lösung des Problems bleibt.

Andererseits frage ich mich, wieso die taz "regime change" überhaupt so vehement ablehnt. Liegt das jetzt daran, daß Kim Jong Il einer der letzten sozialistischen Diktatoren ist, und somit für - zugegeben schlecht umgesetzte - eigene Ideale kämpft, oder sind die taz-Macher einfach in die Jahre gekommen? Ich kann mich jedenfalls noch gut daran erinnern, wie die taz früher aus weit geringerem Anlaß sogar Geld für "regime change" gesammelt hat. Und da ging's nur um so eine lächerliche Operettendiktatur in El Salvador, nicht um den apokalyptische Albtraum einer ganzen Region, dessen Opferzahlen mindestens 2 Nullen mehr hinten dran haben.

Abkommen, die eine Belohnung eines als erpresserisch gewerteten Verhaltens Nordkoreas beinhalten, lehnte die Bush-Regierung kategorisch ab und unterstrich dies mit einer Rhetorik, die Nordkorea zur "Achse des Bösen" zählte.

Daraus schließe ich mal, daß für taz ein derartiges Regime nichts so richtig böses ist.

Doch die US-Strategen hatten nicht mit der Unverfrorenheit der Nordkoreaner gerechnet. Die wähnen sich propagandistisch längst im Krieg mit den USA.

Was natürlich nicht heißt, daß die USA auf diese Kriegserklärung entsprechend reagieren dürfen.

[...] Bushs Falken setzten darauf, dass das irakische Beispiel Pjöngjang zum Nachgeben zwingen würde. Stattdessen dürfte das Gegenteil der Fall sein. Pjöngjangs Lehre aus dem Schicksal Saddam Husseins ist vielmehr, dass dieser noch an der Macht wäre, hätte er Atomwaffen gehabt. Band der Irakkonflikt viel länger die US-Truppen als gedacht, übersah Washington auch, dass die Zeit für Nordkorea arbeitet. Denn je länger die USA Nordkorea nicht realistisch militärisch drohen können, desto mehr Zeit hat Pjöngjang, wirklich Atomwaffen zu entwickeln.

Umso wichtiger ist es, die Entscheidung vor dem ersten nordkoreanischen Atomtest herbeizuführen. Damit nach Saddam Hussein auch die Kim Jong Ils und Khameinis dieser Welt merken, daß sie sich für diese Erkenntnis letztlich nichts mehr kaufen können.

Glaubten manche Kreise lange, Nordkorea wolle sich sein Atompotenzial nur möglichst teuer abhandeln lassen, so bietet sich mit zunehmender Dauer Pjöngjang die realistische Option, wirklich über solche Waffen zu verfügen.

Schön, daß dies endlich auch in Europa allmählich erkannt wird.

Bushs Strategen merkten auch zu spät, dass sie keine realistische militärische Option haben. "Chirurgische" Schläge gegen Nordkoreas Atomanlagen sind zweifelhaft, weil deren unterirdische Standorte zum Teil nicht bekannt sind.

Das dürfte auch kaum reichen.

Dafür kann das hochgerüstete Regime den grenznahen Großraum der südkoreanischen Hauptstadt Seoul, wo 40 Prozent der südkoreanischen Bevölkerung leben, mit konventioneller Artillerie zerstören, ganz abgesehen von seinem auf Japan zielenden Raketenpotenzial.

Das ist schlicht und einfach völliger Unsinn. Das "hochgerüstete" Regime hat eine Armee, die zu 90% mit Waffen aus den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgerüstet ist, deren Einsatzbereitschaft mehr als fraglich ist. Dagegen besaß Saddam eine Hightech-Truppe. Allmählich nervt es, daß jeder neue potentielle Gegner der USA als der unbesiegbare ultimative Feind dargestellt wird, ohne irgendetwas aus der letzten Vorraussage zu lernen. Ob Serbien, Afghanistan oder der Irak, die Gegner eines militärischen Eingreifens haben sich jedesmal bis auf die Knochen blamiert. Und ein Kim Jong Il kann nicht mal islamistische Selbstmordattentäter einfliegen lassen.

Mit konventioneller Artillerie läßt sich im übrigen eine Stadt nicht einfach mal eben so "zerstören", vor allem dann nicht, wenn man nur ein paar Tage dazu Zeit hat. Oder glauben die Militärfachleute bei der taz wirklich, daß, käme es zu einem Krieg, die USA und Südkorea einfach zusehen und abwarten würden, bis Seoul in Schutt und Asche liegt? Sowieso kaum mobil, nach wenigen Tagen ohne Nachschub, vielleicht gar eingekesselt, bei ohnehin schon fragwürdiger Kampfmoral, unter dem Dauerbeschuß technisch weit überlegener Gegner, und mit präzisem counter battery fire als Belohnung nach jeder Artilleriesalve, dürfte den Kanonieren aus dem Norden die Lust am "zerstören" sehr schnell vergehen.

Bereits 1994 kam das US-Militär in einer Studie zum Ergebnis, bei einem Krieg würden binnen 90 Tagen 50.000 Amerikaner und 500.000 Südkoreaner sterben.

Mal ganz abgesehen davon, daß wir spätestens seit dem Fall von Baghdad wissen, wie ernst solche Voraussagen zu nehmen sind, gäbe es zweifellos immer noch tausende Tote, weil auch ein Zehntel der vorhergesagten Opfer immer noch viel wären. Deswegen sollten militärische Mittel auch nur als wirklich allerletztes Mittel eingesetzt werden. Wenn Nordkorea aber erst mal die Bombe hat, dürfte die Zahl sogar noch untertrieben sein. Und es wäre den USA nicht zu verdenken, wenn sie dann zu Südkorea sagen würden, "OK, hier habt ihr auch Atomwaffen, laßt's möglichst beim Kalten Krieg, macht's ansonsten untereinander aus, wir geh'n dann mal".

Im Herbst 2003 schien auch Bush zu dämmern, dass er Nordkorea für einen Verzicht auf Atomwaffen Angebote machen muss. Doch seine Angebote sind vage, das Misstrauen Nordkoreas größer denn je und Bush noch längst nicht zu einem Kurswechsel bereit.

Was sollten das denn auch für Angebote sein? Bringt nur noch hunderttausende Eurer eigenen Bevölkerung um und nicht mehr Millionen? Laßt Euch von den Diktatoren, die Ihr mit Atomraketen beliefert, das Ehrenwort geben, daß sie nicht gegen westliche Ziele eingesetzt werden? Schneidet Euch die Haare nicht so kurz?

Denn das hieße, dass die Nordkorea-Politik von Clinton und Kim Dae Jung die einzig richtige Richtung wies: dem in der Tat verbrecherischen Regime eine Bestandsgarantie zu geben und ansonsten mit Angeboten dafür zu sorgen, dass es sich öffnet, wandelt und so dem chinesischen Beispiel folgt.

Einem verbrecherischen Regime eine Bestandsgarantie geben. Die einzige richtige Richtung. In der taz. Schade, daß Leopoldo Galtieri das nicht mehr erleben durfte. Denn so wie es aussieht, war der einzige Fehler der argentinischen Militärjunta, das Atombombenprojekt nicht energisch genug zu verfolgen und der eigenen Bevölkerung gegenüber nicht skrupellos genug aufzutreten, sonst wären auch die argentinischen Faschisten noch von der taz unter Artenschutz gestellt worden. Tja, so änderen sich die Zeiten.

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