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23 Artikel der Kategorie "Staat: Großbritannien"

Montag, 03. September 2007

Cut & Run from East of Suez

Das Bündnis der Alliierten im Irak bröckelt. In bislang ungekannter Schärfe haben drei britische Generäle die Strategie der Amerikaner und des früheren Pentagon-Chefs Rumsfeld gerügt. Mehrere hundert britische Soldaten sollen ab heute den letzten Stützpunkt in der Stadt Basra verlassen.

Das sind Nachrichten, wie sie der SPIEGEL liebt. Er liebt sie sogar so sehr, daß er sie am Tag darauf gleich noch mal unterbringen muß:

Die britischen Truppen im Südirak haben mit dem Abzug aus ihrem Hauptquartier in Basra begonnen. Im Herbst will London das gesamte Gebiet bis auf den Flughafen den irakischen Sicherheitskräften übergeben. Britische Offiziere kritisierten die Irak-Politik der USA in ungewohnter Schärfe.

Dumm nur, daß weder die Briten derzeit in der Position sind, ihren Verbündeten irgendwelche Vorhaltungen zu machen, noch der SPIEGEL, sich diesbezüglich zustimmend zu äußern.

Denn an der Weisheit der Strategen der einstmals für ihre Professionalität gerühmten britischen Armee sind durchaus gewisse Zweifel, gefolgt von ein paar dicken Fragezeichen, angebracht, da die aktuellen Leistungen der Briten im Südirak vorsichtig ausgedrückt nicht unumstritten sind. Während die US-Streitkräfte von ihrer traditionell erstaunlichen Fähigkeit, sich flexibel an das Verhalten ihrer Gegner anpassen zu können, profitieren konnten, wie sie zuletzt mit "the surge" erneut unter Beweis stellten, haben die Briten nach einem durchaus vielversprechenden Start offenbar vergessen, daß Professionalität nicht nur bedeutet, daß man den letzten Krieg diesmal besser führen könnte.

Womit wir bei der Rolle des SPIEGEL wären. Denn auch dieser hat das Vorgehen der britischen Armee immer wieder gerne als leuchtendes Vorbild dem rambohaften Vorgehen der amerikanischen Cowboys gegenübergestellt. Und jetzt, wo die Briten sich in ihren Stützpunkten verbarrikadiert und damit letztlich genau das getan haben, was die westlichen Medien ironischerweise gerade den Amerikanern immer wieder unterstellt haben, nimmt man die Kritik britischer Offiziere nicht als das, was sie sind - also den durchsichtigen Versuch, angebliche Fehler anderer ins Gespräch zu bringen, bevor jemand dumme Fragen zur eigenen Performance stellt - sondern als objektives Urteil der Fachleute.

Dabei kommt das Umland von Basra, das vorher immer wieder als Modellbeispiel dafür herhalten mußte, wie die tumben Yankees es besser hätten machen sollen, inzwischen jenem Zustand, den sich der Kriegsgegner gemeinhin so unter Cut&Run vorstellt, am nächsten, und dabei sind die Briten ja noch gar nicht abgezogen. Die Stadt ist zunehmend ein "Gangland", in dem sich die schiitischen Milizen und Banditen auf Kosten der Bevölkerung an den Kragen gehen, während die britischen Offiziere aus sicherer Entfernung zuschauen, statt dem Treiben ein wohlverdientes Ende zu setzen. Das war mal anders, und das macht es doppelt betrüblich, denn eigentlich können sie es ja besser.

Leider können sie es auch schlechter. So gesehen sind ihre amerikanischen Kollegen noch viel zu nett, wenn sie den Briten ein chronisches Nordirlandsyndrom unterstellen. Denn das, was die ehemaligen Kolonialherren inzwischen in ihrem Zuständigkeitsbereich abliefern, erinnert nicht nur wegen der verwendeten Schützenpanzer an einen anderen, weniger ruhmreichen Ort der britischen Kriegsgeschichte. Und der heißt nicht Nordirland. Sondern Bosnien.

Dienstag, 07. August 2007

Stachelschweinbaum gefunden!

Ein weiteres Geheimnis aus der mysteriösen Geschichte der zweifellos besten Band, seit Menschen sich zusammensetzen, um Töne in Form von Melodien aneinanderzureihen, konnte vom bekannten Forscher Franklin D. Rosenfeld auf seiner letzten Südostasienexpedition endlich gelüftet werden:

Stachelschweinbaum

Und nein, die Antwort auf die Frage, um was es sich bei der angesprochenen Pflanze handeln könnte, heißt nicht Mozartstaude, Elvis Plant oder Beatles Shrub.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Wenn der Bär brummt, zittert Europa

Ein Giftmord mitten in London, Morddrohungen gegen russische Asylbewerber in England, riskante Flugmanöver über der Nordsee - wie Russland derzeit mit Großbritannien umspringt, trägt alle Merkmale einer gezielten Einschüchterungs-Kampagne.

London - Russische Langstrecken-Flugzeuge vom Typ TU-95 in provokativer Nähe des britischen Luftraums - das hat es auch in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, zuletzt vor zwei Monaten. Dass zwei der als strategische Bomber eingesetzten Maschinen aber ausgerechnet am Dienstag "höchst ungewöhnlicherweise", so ein Sprecher der Royal Air Force, auf Schottland zuflogen, war gewiss kein Zufall.

Oha, selbst dem entspannungsverliebten SPIEGEL wird angesichts der russischen Muskelspiele mulmig. Aber so ändern sich die Zeiten. Maggie Thatcher hätte einfach zwei Vulcan-Bomber über die Ostsee fliegen und erst kurz vor St. Petersburg wieder abdrehen lassen, und die Russen hätten verstanden. Aber heute haben sie weder Vulcans noch eine Maggie Thatcher. Und Tornados oder Gordon Browns machen zwar ihren Job (erstere sogar durchaus gut), aber doch weit weniger her. Jedenfalls wecken sie beim Gegenüber nicht dieses unangenehme Gefühl, daß die andere Seite es wirklich ernst meint. Was mal wieder zeigt, das die psychologische Wirkung sich nicht immer mit nackten Zahlen erklären läßt. Auch nicht bei Atombomben oder Handtaschen.

Dienstag, 17. Juli 2007

Großbritannien: Applaus für Browns Härtekurs gegenüber Moskau

Die britischen Zeitungen sind sich einig: Die Entscheidung der Regierung, im Zusammenhang mit dem Litwinenko-Mord vier russische Diplomaten auszuweisen, sei absolut richtig. Jetzt hat das gespannte Warten begonnen. Welchen Gegenschlag wird Moskau führen?

DAS gilt bei SPIEGELs bereits als "Härtekurs"? Das ist das absolute Minimum, wenn überhaupt. Angemessen wäre hingegen eher das hier:

Britain's first step should be the expulsion of not just a symbolic few, but every one of the dozens of FSB operatives here.

They range from a handful who are "declared", working openly at Russia's embassy and Edinburgh consulate as liaison with British counterparts.

The more sinister ones pretend to be cooks and drivers there.

At the Aeroflot check-in back to Moscow they can meet their deep-cover colleagues: those pretending to be businessmen and students.

Montag, 02. Juli 2007

Vier Tage

Ich war mir ja sicher, daß auch der SPIEGEL irgendwann anfangen würde, dem ohne Not vorschnell davongejagten britischen Premierminister nachzutrauern, aber daß es so schnell gehen würde, überrascht angesichts der monatelangen Bemühungen, Blair niederzuschreiben und gleichzeitig Gordon Brown zum Retter Albions hochzustilisieren, dann doch:

Gestern - das Selbstmord-Attentat auf den Glasgower Flughafen war gerade fehlgeschlagen - musste die Innenministerin Alarmstufe eins auslösen. Seither gilt ein weiterer Anschlag auf der Insel als "unmittelbar bevorstehend". Zuletzt war dies im vergangenen August der Fall, als die Behörden offenbar geplante Anschläge auf transatlantische Jets vereitelten.

Damals war Tony Blair Premierminister, wie am 11. September 2001, wie am 7. Juli 2005, als vier Selbstmord-Attentäter in der Londoner U-Bahn und einem Bus 52 Menschen in den Tod rissen und Hunderte verletzten. Stets fand Blair die richtigen Worte, vermittelte Zuversicht, Entschlusskraft, strategische Kontrolle und kommunizierte damit demokratische Politik.

Sein Nachfolger Brown hat eine tiefere Stimme, wirkt von Natur aus scheu, dunkel, pessimistisch. Dafür kann er nichts. Sein Auftritt am gestrigen Abend, übertragen aus dem Regierungssitz an der Downing Street, aber war ein PR-Lehrstück zum Thema "Wie man es nicht macht".

[...] Anstatt als Krisenmanager die aufgeschreckten Bürger zu beruhigen, jagte der Premier ihnen Angst ein. "Ich weiß, das britische Volk wird zusammenstehen, einig, entschlossen und stark." Brown selbst wirkte hölzern, unentschlossen, ängstlich.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Tony Blair: Ein großer europäischer Staatsmann tritt ab

Was für ein Scheißtag. Vielleicht sollte ich mich heute mal aus Frust besaufen, wenn der Anstand es mir schon verbietet, Gordon Brown die Krätze an den Hals zu wünschen. Wenigstens vermag mich Mathias Döpfners angemessene Würdigung von Blairs historischen Verdiensten in der WELT ein bißchen zu trösten. Na ja, sagen wir ein klitzekleines bißchen. Aber immerhin:

[...] es ist die Botschaft von Tony Blair, der an seinem Programm mehr zu hängen scheint als an seinem Amt.

Ist es das, was ihn beim Mittagessen so selbstbewusst, so sicher in die Zukunft fragen lässt? Oder ist es die Ahnung, dass das öffentliche Urteil des Augenblicks nicht das letzte Wort haben wird?

In jedem Fall spricht hier einer, der noch etwas vorhat. Und den die Geschichte – in einigem Abstand zu den Erregungen des Tages – ganz anders beurteilen könnte als die Gegenwart.

Tony Blair gehört zu den großen Staatsmännern, die Europa seit Kriegsende hervorgebracht hat.

Döpfner nutzt dabei die Gelegenheit, um ein weitverbreitetes Vorurteil hinsichtlich des Verhältnisses von Blair zu Bush aus der Welt zu räumen:

[...] Schon 1997 vertraute er dem Führer der britischen Liberaldemokraten, Paddy Ashdown, an: „Ich habe jetzt einiges über den Irak gesehen. Wirklich furchterregend. Wir können ihn (Saddam Hussein) nicht davonkommen lassen. Die Welt denkt, er spiele nur mit uns. Aber nein, es ist tödlicher Ernst.“ (Nachzulesen in „The Ashdown Diaries“ vom 15. November 1997.) Blair zum Pudel Bushs zu machen, obwohl der amerikanische Präsident dieses Thema erst ein halbes Jahrzehnt später entdeckte, ist angesichts der Chronologie und der Dimension des Falles lächerlich.

Liest man dann die folgenden Zeilen, dann schämt man sich für das drittklassige Personal, das wir dagegen - in Regierung wie Opposition! - aufzubieten haben.

[...] Blair ist, bei aller Biegsamkeit im Tagespragmatischen, ein Mann der Grundsätze. Insofern verkörpert er genau das, was wir von unseren Politikern immer fordern: gelassene Überzeugtheit und den Mut, seine Überzeugungen auch gegen Stimmungen in der eigenen Partei durchzusetzen. Blair hat das wiederholt getan.

[...] Auf die beim Mittagessen gestellte Frage, ob er bei seiner Positionierung in Sachen Irak und Islamismus vor vielen Jahren geahnt habe, dass ihn das eines Tages seine Macht kosten könnte, antwortet er entwaffnend. Um den Erhalt des Amtes willen eine vermurkste Gesundheitsreform durchwinken, das könne auch ihm passieren, aber es gebe eben Fragen, die seien so wichtig, da dürfe es nur um richtig oder falsch gehen und nicht um die Angst vor dem Machtverlust.

[...] Der heitere Moralist geht in dem Bewusstsein, bei allen Fehlern im Kern das Richtige getan zu haben.

Einer wie Blair wird in Europa noch gebraucht werden.

Traurige, aber wahre Worte.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Vive la France!

The single best symbol of the change in France is the appointment of Bernard Kouchner to the post of foreign minister. Had the Socialist Party won the election, it is highly unlikely that such a distinguished socialist would ever have been allowed through the doors of the Quai d'Orsay. (Yes, comrades, history actually is dialectical and paradoxical.) In the present climate of the United States, a man like Kouchner would be regarded as a neoconservative.

Obwohl sich mit Andre Glucksmann ja bereits einer der klügsten Köpfe Europas für Sarkozy als französischen Präsidenten ausgesprochen hatte, vermochte ich nach all den schlechten Erfahrungen mit den düsteren Chirac-Jahren bisher nicht so recht in die auch in liberalen Kreisen vorhandene Begeisterung für einen anderen Gaullisten einstimmen.

Doch so wie es aussieht, scheint sich bei unserem Nachbarn tatsächlich ein außenpolitischer Kurswechsel anzudeuten, der mich tatsächlich dazu veranlassen könnte, die "Freedom Fries" in meinem persönlichen Sprachgebrauch wieder in "Pommes Frites" umzubenennen. Alleine der Coup mit der Besetzung des Außenministeriums ist ein genialer Schachzug.

Auch wenn man natürlich abwarten muß, was am Ende wirklich vom anfänglichen Enthusiamus übrig bleibt, so läßt dies doch wie auch manche Äußerung von Sarkozy selbst zumindest hoffen. Und wer weiß, vielleicht kommt nach dem Ausscheiden von Bush, Wolfowitz & Co. die Revolution am Ende zur Abwechslung mal wieder aus Frankreich statt Amerika.

Die lustige Vorstellung, daß eine Präsidentin Clinton gerade von Chirac's Nachfolger zum Jagen getragen werden könnte, ist jedenfalls die Gefahr einer Enttäuschung durchaus wert. Und auf die Briten kann man diesbezüglich ja leider nicht mehr bauen. Denn die müssen einen Giganten wie Tony Blair ersetzen, und haben dafür nur einen Gordon Brown.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Blairs Rücktritt: Die Tony-Show ist vorbei

Er hat gravierende Fehler gemacht, er ist einer der umstrittensten Politiker seiner Generation - aber auch einer der erfolgreichsten. Heute verkündet Tony Blair seinen Rücktritt, genau zehn Jahre nach seinem Erdrutschsieg.

Auch wenn Tony Blair wie jeder andere Politiker sicher auch Fehler gemacht hat, so doch bei weitem nicht so viele und fatale wie seine kontinentaleuropäischen Amtskollegen. Den einzigen wirklich schweren Fehler macht er heute, und zwar indem er seinen Rücktritt verkündet. Aber die eigentliche Schuld daran haben jene, die ihn zu diesem völlig überflüssigen Schritt gezwungen haben.

Wohl selten hat ein Land einen der erfolgreichsten Regierungschefs seiner Geschichte ohne konkreten Grund und aus purer Langeweile zugunsten eines blassen Nachfolgers aus dem Amt gedrängt. Daß einem da auf Anhieb vor allem Winston Churchill einfällt, der kurz vor dem Sieg über Japan abgewählt wurde, ist immerhin eine Parallele, die des größten Nachkriegspremiers Großbritanniens würdig ist.

Und wer weiß, vielleicht wird er wie Churchill 1951 in ein paar Jahren wieder erneut gerufen, weil die Wähler endlich gemerkt haben, was sie an ihm verloren haben. Falls er dann überhaupt noch Lust hat und inzwischen nicht gerade als UNO-Generalsekretär verhindert ist. Aber selbst wenn nicht: Jimi Hendrix ist auch deshalb eine Legende, weil er heute keine Platten mehr macht. ;-)

In jedem Fall aber schon mal jetzt: Thank you, Tony!

Montag, 07. Mai 2007

Rose ohne Dornen

Auf der immerwährenden Suche nach Kronzeugen, die dem Wunsch, die Iraker wieder wie gewohnt ihren Mördern auszuliefern, eine wenigstens auf den ersten Blick halbwegs legitimierte fachliche Autorität verleihen können, nachdem schon die pseudomoralische Argumentationsweise angesichts der permanenten Kriegsverbrechen des sogenannten "Widerstands" längst zusammengebrochen ist, haben die Kriegsgegner einen neuen Coup gelandet:

A retired British army general says Iraq's insurgents are justified in opposing the occupation, arguing that the US and its allies should "admit defeat" and leave Iraq before more soldiers are killed.

General Sir Michael Rose told the BBC's Newsnight programme: "It is the soldiers who have been telling me from the frontline that the war they have been fighting is a hopeless war, that they cannot possibly win it and the sooner we start talking politics and not military solutions, the sooner they will come home and their lives will be preserved."

Asked if that meant admitting defeat, the general replied: "Of course we have to admit defeat.

Nun könnte man einwenden, daß der ja einschlägig bekannte al-Guardian nur wieder einen subalternen ex-Militär aufgetrieben hat, der mit seiner Pensionierung nicht zurechtkommt, aber besagter Michael Rose ist tatsächlich nicht irgendwer, sondern unter anderem ein ehemaliger Kommandeur der legendären britischen Spezialeinheit SAS. Ein richtig harter Kerl also, der für Fragen von Niederlagen und Kapitulationen eigentlich ein Fachmann sein sollte.

Ist er tatsächlich, wenn auch ein wenig anders als gedacht. Denn Michael Rose war nicht nur der smarte Terroristenjäger und tapfere Falklandveteran, er brachte es 1994 auch zum nur begrenzt ruhmreichen Posten eines Oberbefehlshaber jener internationalen Schutztruppe in Bosnien, deren Bezeichnung "United Nations Protection Force" offensichtlich so gemeint war, daß sie vor allem sich selber, nicht aber die Bosnier schützen sollte.

Die UNPROFOR steht seitdem wie kaum eine andere Streitmacht der Geschichte für das Einknicken einer hochmodernen Armee vor marodierenden Banditen. Wenn also jemand Erfahrungen mit unnötigen Niederlagen hat, dann sicher Leute wie Rose, dessen hochprofessionelle Infanteristen sich in ihren funkelnagelneuen Schützenpanzern von ein paar dahergelaufenen Kalaschnikowträgern die Bedingungen ihrer Demütigung diktieren ließen.

Dabei war der Amtsantritt von Rose von vielen Bosniern zunächst sogar begrüßt worden. Endlich mal ein kerniger Kämpfertyp, der sich wohltuend von den üblichen UN-Bürohengsten abzuheben schien und den Eindruck erweckte, sich nicht wie diese auf der Nase rumtanzen zu lassen. Umso größer war die Enttäuschung, als er wie seine Vorgänger den serbischen Größenwahn als stabilisierenden Faktor statt als Ursache des Problems wahrnahm.

Angesichts der Tatsache, daß eine Handvoll amerikanischer Flugzeuge im Sommer 1995 nicht nur den Bosnienkrieg beendete, sondern auch die "real"politischen Balkanträumereien des Foreign Office in Stücke schoß, ist es nicht weiter verwunderlich, daß ein Mann mit diesem Hintergrund offenbar hofft, durch ein Scheitern der mächtigen USA im Irak das eigene Versagen rückwirkend in einem etwas milderen Licht darstellen zu können.

So kommt die Empfehlung einer Kapitulation im Irak, ohne sich vorher Gedanken um die Folgen - sei es für das Überleben der Iraker, sei es für die Abschreckungsfähigkeit des Westens - zu machen, denn auch nicht wirklich aus heiterem Himmel. Rose forderte nämlich bereits vor mehr als einem Jahr die Amtsenthebung Tony Blairs, und er tat dies mit einer so entlarvenden wie bedenklichen Begründung, die einiges über sein Weltbild aussagt:

The Iraqi elections are a creditable achievement by the coalition forces. But it must be remembered that a general election was previously held in Iraq in 1956, and within two years the country had fallen under military rule. Without adequate security and the necessary democratic institutions in place, there are absolutely no long-term guarantees that democracy will endure.

Nicht nur, daß ja gerade er es ist, der den "democratic institutions" des Irak jene "adequate security" entziehen will, die sie selbst nach seinen eigenen Angaben benötigen, und daß es nicht sonderlich zielführend ist, erst "long-term guarantees" für etwas zu fordern, bevor man bereit ist, die Mittel zur Verfügung zu stellen, um diese überhaupt durchsetzen zu können. Beim Grundkurs Logik hat da wohl jemand wiederholt geschwänzt.

Schlimmer noch ist die historisch fragwürdige und verdächtig stark nach Kulturrelativismus schmeckende Behauptung, daß weil eine angeblich schon mal existierende Demokratie nach wenigen Jahren gestürzt wurde, ein neuer Versuch von vorneherein gar nicht unternommen zu werden braucht, da das ja wieder passieren könnte, womit dann für den größten Teil der Menschheit Demokratie ein so gefährlicher wie unrealisierbarer Traum bleiben würde.

Da sollten wir heute wohl doppelt dankbar sein, daß Großbritannien im II. Weltkrieg durch Persönlichkeiten wie Winston Churchill und Bernard Montgomery geführt wurde. Und nicht durch Neville Chamberlain und Michael Rose.

Freitag, 13. April 2007

Showing 'goodwill' towards Iran

Während der letzten Geiselnahme des iranischen Regimes gab es auf Samizdata einen erfrischend unkonventionellen Vorschlag, wie man mit Frechheiten diesen Kalibers umgehen sollte. Ist zwar schon eine Woche her, hat aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt (die nebensächliche Fehleinschätzung der Rolle der SA, die eher das Gegenstück zur Bassidsch-Miliz als zu den Pasdaran-Gardisten wäre, sehen wir angesichts der historisch nicht immer akkuraten Nazi-Darstellung in angelsächsischen Weltkrieg-II-Spielfilmen mal als verzeihlich an ;-) und beweist mal wieder, daß die Briten auch in ernster Lage ihren sprichwörtlichen Humor nicht so schnell verlieren:

Iran can called for the UK government to make a 'goodwill gesture' towards Iran in return for them freeing the fifteen naval personnel they abducted in Iraqi waters. This is entirely reasonable and the UK should respond by promising that if the Iranian government will keep control of the Pasdaran (a military organisation that relates to the regular Iranian military in a similar way to which the SA or SS related to the Wehrmacht), the UKGov will make sure that 'rogue elements' of the Royal Navy do not mine Iranian harbours or start torpedoing Iranian shipping.

Of course as Iranian weapons keep finding their way into Basra and killing British soldiers, perhaps a different sort of exchange is really needed. After all, as there are no shortage of internal opponents to the Iranian regime, surely it is well past time that UK weapons started turning up in the hands of Iranian anti-government elements as well... think of it as another way of furthering globalisation and international trade.

Doch auch die Leserkommentare zeigen, daß jenseits des Kanals eine liberal/libertäre Grundhaltung nicht zwingend mit peinlichen Appeasementanwandlungen Hand in Hand gehen muß:

Yeah, here's a 'goodwill gesture'. Our rogue element Trafalgar-class SSNs stationed off your coast won't each fire a broadside of 4 Tomahawks at your nation's leading petrochemical export facilities. Happy Easter you kidnapping bastards and enjoy the chocolate while you can. (Julian Taylor)

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