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20 Artikel der Kategorie "Staat: Frankreich"

Mittwoch, 19. September 2007

Solidarität unter Europäern

Moskau/Paris/Brüssel/Berlin - Die EU-Kommission setzte sich heute deutlich von der Aufforderung des französischen Außenministers ab, sich im Atomstreit mit Iran auf einen Krieg vorzubereiten.

Man kann jemanden auch absichtlich mißverstehen. Kouchner hat nur darauf hingewiesen - und zwar zu recht! -, daß wenn man bei den Sanktionen nicht langsam in die Schuhe kommt, am Ende genau der Krieg droht, den man vermeiden wollte. Wenn man sich also auf irgendwas vorbereiten muß, dann auf Sanktionen. Was war daran jetzt so kompliziert?

"Die Kommission unterstützt voll und ganz die Bemühungen von Javier Solana um eine Verhandlungslösung", sagte eine Sprecherin in Brüssel. Der EU-Außenbeauftragte Solana bemüht sich seit mehr als drei Jahren um eine Einigung mit Teheran. Die Sprecherin sagte, sie könne die Äußerung Kouchners nicht direkt kommentieren.

Gerade wenn man eine Verhandlungslösung will, sollte man alles dafür tun, damit die eigene Position halbwegs glaubwürdig rüberkommt. Also sollte man die nichtmilitärischen Folterwerkzeuge erst mal deutlich sichtbar auf den Tisch legen. Allein schon, um Solana einen Gefallen zu tun. Nicht daß am Ende in seinem Zeugnis steht "er hat sich stets bemüht".

"Natürlich fordern wir Iran auf, seinen Verpflichtungen gemäß den einschlägigen Uno-Resolutionen nachzukommen", fügte sie hinzu.

Daß die EU-Appeaser das extra erwähnen müssen, sagt schon alles.

Auch Russland hält nichts von Kouchners Vorstoß. Das Land widersetzte sich bisher als Vetomacht im Weltsicherheitsrat stets härteren Sanktionen gegen Iran.

Ok, wenn die Russen sie partout unterminieren müssen, klappt's natürlich nicht mit der Verhandlungslösung.

Und Außenminister Sergej Lawrow äußerte sich während des Besuchs Kouchners in Moskau "besorgt". "Russland ist über die vielen Berichte über militärische Sanktionen gegen Iran besorgt. Kaum vorzustellen, welche Folgen das für die Region hätte", sagte Lawrow nach seinem Gespräch mit Kouchner.

Was immer das für Folgen sein mögen, aber sie werden ein harmloser Spaß sein verglichen mit den Folgen, wenn Armagaddonjetzad! und sein Jungfrauenfanclub 72 e.V. anfangen mit Atombomben um sich zu werfen.

Ähnlich wie Außenminister Lawrow äußerte sich der stellvertretende Außenminister Russlands, Alexander Losjukow. Er sagte der Tageszeitung "Wremja Novostej": "Bombardierungen gegen Iran würden mit katastrophalen Folgen enden."

Na, dann sollte das erst recht Motivation sein, bei den Sanktionen doch lieber im Team der zivilisierten Welt mitzuspielen statt bei den bösen Jungs.

[...] Offizielle Stellen in Iran versuchen, die Äußerungen Kouchners nicht allzu hoch zu hängen. Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, "wir nehmen diese Drohungen nicht ernst". Zuvor hatten bereits die staatlichen iranischen Medien Paris scharf kritisiert.

Wenn sie nur von Frankreich kämen, könnte man ihn ja noch verstehen, aber die Amis und Israelis sollte er lieber etwas ernster nehmen. Obwohl, vielleicht ist es besser so... ;-)

Der Elysée-Palast habe es übernommen, die Politik des Weißen Hauses für Europa zu übersetzen, hieß es in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. Die französische Regierung habe einen Ton angenommen, "der noch härter, aufhetzender und unlogischer" sei als der in Washington.

Na, das ist aber mal eine schöne Wiedergutmachung nach all den Defaitismus-Schmähungen, die Frankreich unter der weisen Führung des Jacques Chirac ertragen mußte. Das adelt Kouchner ja geradezu.

In Berlin herrscht bezüglich des deutsch-französischen Verhältnisses in der Koalition und bei der Opposition inzwischen Alarmstimmung. "Da muss sich noch einiges einpendeln", lautet der vorsichtige Kommentar in den Regierungsfraktionen zum Aktivismus des neuen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Drastischer sagt es der FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer: "Die Beziehungen haben sich dramatisch verschlechtert. Das ist schon mehr als nur eine Serie von Anfangsfehlern." Er drückt damit das allgemeine Unwohlsein aus.

Ganz genau! Merkel, Münte & Co. hatten jetzt nun wirklich lange genug Zeit, dazuzulernen. Und angesichts der atemberaubenden Geschwindigkeit, mit der die Franzosen es schaffen, frühere Fehler zu korrigieren, ist das Versagen der Deutschen nur um so beschämender.

[...] Nach der internationalen Kritik an Kouchners scharfen Tönen ist man in Frankreich dabei, sich in Schadensbegrenzung zu üben. Premierminister François Fillon sagte, es müsse alles getan werden, um einen Krieg zu vermeiden. Frankreich wolle die Suche nach einer friedlichen Lösung anführen. Ex-Premierminister Dominique de Villepin warf Kouchner jedoch vor, ein falsches Signal an die USA zu senden. "Die US-Regierung muss nicht von uns zum Krieg ermutigt werden", sagte Villepin.

Na der muß ganz ruhig sein! Diktatorenversteher wie er sind es ja gerade, die die USA mit ihrer Soft-Power-Stümperei erst in jene Kriege treiben, die sie ihnen dann hinterher vorwerfen. Ohne Kasper wie ihn würden die Saddams dieser Welt kaum darauf bauen, davonkommen zu können. Da hat Kouchner noch ein hartes Stück Arbeit vor sich, um den Schaden wiedergutzumachen, den Villepin in seiner Amtszeit angerichtet hat. Drücken wir ihm die Daumen.

Montag, 17. September 2007

Leuchtfeuer im Eiffelturm?

Also die Franzosen verblüffen einen doch immer wieder. Erst "Achse des Friedens" und jetzt machen sie plötzlich den Rambo Belmondo:

Paris - Es waren ungewöhnlich deutliche Worte aus dem Mund von Frankreichs oberstem Diplomaten: In einem Radio- und Fernsehinterview hat Außenminister Bernard Kouchner ausführlich über den Atomkonflikt mit Iran gesprochen und die Krise als große Gefahr gewertet. Die Welt müsse sich auf "das Schlimmste einstellen", warnte Kouchner gestern Abend. Auf die Nachfrage, was das Schlimmste sei, sagte der Außenminister: "Das ist der Krieg."

Damit nicht genug, hat Sarkozy anders als sein Vorgänger offenbar erkannt, daß Sanktionsgegner in Wirklichkeit nur Kriegstreiber sind:

[...] Sarkozy hatte sich kürzlich für "eskalierende Sanktionen" außerhalb der Vereinten Nationen ausgesprochen und dabei insbesondere auf die EU gezielt. "Das ist das einzige Vorgehen, das uns ermöglicht, einer katastrophalen Alternative zu entgehen: die iranische Bombe oder die Bombardierung Irans", hatte Sarkozy im August gesagt. Eine iranische Atomwaffe könne man "nicht hinnehmen".

Jetzt muß es nur noch einer den Appeaceniks so erklären, daß sogar sie es verstehen. Das allerdings dürfte zugegeben schwer werden.

UPDATE: Falls sich jetzt übrigens jemand wundern sollte, wo die Franzosen ihren lange vermißten Kampfgeist wiedergefunden haben, nun, sie haben ihn nicht wirklich gefunden, sondern einfach nur den Briten geklaut. Der ist nämlich plötzlich weg.

Donnerstag, 23. August 2007

Besser spät als nie

Kouchner's visit, full of symbolism, shatters one of the key points in al Qaeda's analysis: that the Western democracies will never unite to develop a common strategy against terror. At one point, when Chirac invited German Chancellor Gerhard Schroeder and Russian President Vladimir Putin to a gathering to forge an anti-American triple alliance, al Qaeda's analysis appeared plausible.

Now, however, both Chancellor Angela Merkel and President Sarkozy understand that the perception of Western disunity may be one of the factors that prolongs the conflict in Iraq.

As long as al Qaeda and the Ba'athist bitter-enders believe that Western divisions might destroy the U.S.-led coalition, they will have an incentive to continue the fight. Once they lose that incentive, they might well decide that, with Iraq unlikely to fall, they had better look for alternative strategies in their global jihad.

Das sollten sich all jene hinter die Ohren schreiben, die meinen, den Menschen im Irak und den Opfern des globalen Terrorismus mit ihrem Cut&Run-Gefasel etwas gutes zu tun. Die Hardcore-Amerikahasser wird das natürlich kaum beeindrucken, aber die gutgläubigen "Habt-Euch-alle-lieb!"-Träumer (das sind die, die ehrlich davon überzeugt sind, wenn der Westen die Muslime nur brav ihren traditionellen Unterdrückern überläßt, hören die Terroristen schon von ganz alleine auf zu morden) könnten dies vielleicht zum Anlaß nehmen, mal ihren eigenen Anteil an der unnötigen Motivierung von Selbstmordattentätern und Kopfabschneidern kritisch zu beleuchten.

Dienstag, 19. Juni 2007

Ad meah v'esrim!

Da Andre Glucksmann zu jenen Personen gehört, die mich politisch sicherlich mit am meisten geprägt haben und ohne die "No Blood for Sauerkraut" kaum denkbar wäre, kann ich mich Hannes Steins Geburtagsglückwünschen für einen der ganz Großen ebenfalls nur voller Respekt anschließen.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Vive la France!

The single best symbol of the change in France is the appointment of Bernard Kouchner to the post of foreign minister. Had the Socialist Party won the election, it is highly unlikely that such a distinguished socialist would ever have been allowed through the doors of the Quai d'Orsay. (Yes, comrades, history actually is dialectical and paradoxical.) In the present climate of the United States, a man like Kouchner would be regarded as a neoconservative.

Obwohl sich mit Andre Glucksmann ja bereits einer der klügsten Köpfe Europas für Sarkozy als französischen Präsidenten ausgesprochen hatte, vermochte ich nach all den schlechten Erfahrungen mit den düsteren Chirac-Jahren bisher nicht so recht in die auch in liberalen Kreisen vorhandene Begeisterung für einen anderen Gaullisten einstimmen.

Doch so wie es aussieht, scheint sich bei unserem Nachbarn tatsächlich ein außenpolitischer Kurswechsel anzudeuten, der mich tatsächlich dazu veranlassen könnte, die "Freedom Fries" in meinem persönlichen Sprachgebrauch wieder in "Pommes Frites" umzubenennen. Alleine der Coup mit der Besetzung des Außenministeriums ist ein genialer Schachzug.

Auch wenn man natürlich abwarten muß, was am Ende wirklich vom anfänglichen Enthusiamus übrig bleibt, so läßt dies doch wie auch manche Äußerung von Sarkozy selbst zumindest hoffen. Und wer weiß, vielleicht kommt nach dem Ausscheiden von Bush, Wolfowitz & Co. die Revolution am Ende zur Abwechslung mal wieder aus Frankreich statt Amerika.

Die lustige Vorstellung, daß eine Präsidentin Clinton gerade von Chirac's Nachfolger zum Jagen getragen werden könnte, ist jedenfalls die Gefahr einer Enttäuschung durchaus wert. Und auf die Briten kann man diesbezüglich ja leider nicht mehr bauen. Denn die müssen einen Giganten wie Tony Blair ersetzen, und haben dafür nur einen Gordon Brown.

Sonntag, 06. Mai 2007

Sarko oder Segolene?

Für alle die sich fragen, ob der Betreiber dieses Blogs, welches sich ja zur Präsidentschaftswahl in Frankreich bisher nicht geäußert hat, heute abend eher Sarkozy oder Royal die Daumen drückt, nun, ehrlich gesagt ist es mir ziemlich egal. Es kann nur besser werden.

Denn nach allem was man weiß, sind beide Kandidaten bei Themen wie Iran oder Israel weit vernünftiger als der unerträgliche eurabische Aushilfsmöchtegernersatzreservebehelfsnapoleon Chirac. Hauptsache, die Achsel des Friedens ist endlich weg. Dann paßt's schon.

Alle die das etwas anders sehen, können das aber jetzt hier noch mal der Welt kund und zu wissen tun:

Mittwoch, 15. November 2006

Lenin hatte doch recht!

Zumindest mit seiner Einschätzung, daß die Kapitalisten ihren Feinden noch den Strick verkaufen, an dem die sie dann aufhängen werden. Wenn der Westen eines Tages seinen Feinden unterliegen sollte, so wird neben der europäischen Dummheit jedenfalls auch die amerikanische Gutmütigkeit eine nicht erhebliche Rolle gespielt haben. Bei allem Verständnis für eine wirtschaftsfreundliche Haltung, aber daß ein chinesisches U-Boot unbemerkt auf Schußdistanz an einen amerikanischen Flugzeugträger herankommen kann, nur weil die lieben NATO-Verbündeten meinen, die dafür nötige Technologie an ihren langfristig gefährlichsten potentiellen Gegner liefern zu müssen, grenzt schon an Hochverrat:

Nach offiziellen Angaben der US-Marine verfolgte das U-Boot den Flottenverband unbemerkt vor Okinawa und tauchte am 26. Oktober in nur 5 Meilen Entfernung vom Flugzeugträger USS-Kitty Hawk auf. Das moderne Unterseeboot wurde von den Amerikanern dann zufällig bei einem Routineflug entdeckt.

Dass die Chinesen die U-Bootabwehr der Trägergruppe (CSG-5) unterlaufen konnten, ist kein Zufall. Die Bekämpfung von Flugzeugträgern gehört zur Kerndoktrin der chinesischen Marinestrategie. Die Boote der SONG-Klasse sind ein Paradebeispiel für moderne, globalisierte Militärtechnik. Der Schiffstyp 039 ist eine chinesische Konstruktion unter Einbeziehung westlicher Technologien. Das Sonarsystem kommt aus Frankreich und der geräuscharme Dieselantrieb wird von der deutschen MTU geliefert.

Also wirklich, das muß doch nicht sein! Zumindest nicht, wenn die MTU-Auftragsbücher nicht zuletzt deswegen voll sind, weil das Unternehmen nach eigener Auskunft "der wichtigste Lieferant der US-Armee bei Hochleistungs-Dieselmotoren" ist. Kapitalismus und Freihandel sind eine feine Sache, aber davon müssen ja nicht unbedingt gerade jene Mächte profitieren, die den USA außenpolitisch ansonsten bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit Knüppel zwischen die Beine werfen. Daß man dem Unternehmen selbst keine Vorwürfe machen kann, weil es an jeden zahlungskräftigen Kunden liefert, heißt ja nicht, daß man den Kreis der zulässigen Kunden nicht ein wenig einschränken könnte.

Und in diesem Punkt haben die USA ganz klar eklatant versagt. Ein leises, aber deutliches "...or else!" in Richtung Daimler-Chrysler hätte mit Sicherheit ausgereicht, um die deutsche Konzernführung zum Nachdenken zu bringen, ob der Verkauf von ein paar Motoren, die die Chinesen eh nur kopieren und ab der nächsten Generation dann selber besser und billiger herstellen, es wirklich wert ist, auf die Beteiligung an der Produktion von alleine möglicherweise mehreren tausend Panzerfahrzeugen zu verzichten. Das zeigt mal wieder, daß auch die Amerikaner bei weitem nicht immer so cowboyhaft auftreten, wie es die Situation manchmal erfordert. Wollen mal hoffen, daß sich das noch ändert!

Donnerstag, 09. November 2006

Eskalation im Libanon: Israelischer Scheinangriff auf Franzosen endet beinahe mit Blutbad

SPIEGEL online

Es ging nur um zwei Sekunden: Französische Soldaten haben bei einem Zwischenfall Ende Oktober im Libanon fast das Feuer auf israelische Kampfflugzeuge eröffnet. Diese flogen Frankreich zufolge Scheinangriffe auf einen Uno-Posten.

Paris - Die Soldaten seien "nur zwei Sekunden" davor gewesen, "auf die Flugzeuge zu feuern, die direkt unsere Truppen bedroht haben", sagte Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie in der Nacht in der Nationalversammlung. Ihr zufolge befanden sich israelische F-15-Maschinen "im Sturzflug" auf eine französische Stellung, bevor sie plötzlich wieder hochzogen. Dies sei üblicherweise eine "Angriffshaltung, um Bomben abzuwerfen oder Schüsse mit der Bordkanone abzugeben".

Tja, warum nur könnten die Israelis Angriffe auf UNO-Truppen üben wollen? Könnte das am Ende vielleicht damit zu tun haben, daß knapp 3 Wochen vorher der UNIFIL-Kommandeur Pellegrini damit gedroht hat, israelische Flugzeuge abzuschießen, die den libanesischen Luftraum überfliegen, um dort das zu machen, was eigentlich die Aufgabe von Pellegrinis-UNO-Kaspern sein sollte, nämlich aufzupassen, daß sich die Hisbollah nicht mehr bewaffnet? Wenn man das nur genau wüßte. Ist aber auch zugegeben wirklich eine sehr komplizierte Frage, die eine französische Verteidigungsministerin natürlich schnell an die Grenze ihrer intellektuellen Kapazität bringt.

Das "unverantwortliche" Verhalten der israelischen Piloten könne nicht toleriert werden. Frankreich verlange von Israel, die Einheiten der internationalen Libanon-Schutztruppe Unifil zu respektieren.

Das setzt aber erst mal voraus, daß die Libanon-Schutztruppe UNIFIL die Interessen Israels respektiert. Wenn die UNO eine dermaßen aggressive Haltung gegenüber dem Staat an den Tag legt, zu dessen Schutz sie eigentlich vor Ort ist, dann darf sie sich nicht wundern, wenn dessen Streitkräfte auf diese Feindseligkeit irgendwann auch entsprechend reagieren.

Dem französischen Verteidigungsministerium zufolge ereignete sich der Vorfall am 31. Oktober. "Eine Katastrophe wurde gerade noch durch unsere Soldaten verhindert", sagte Alliot-Marie bei der Beratung des Verteidigungsbudgets in der Abgeordnetenkammer des französischen Parlaments.

Katastrophe? Fragt sich nur für wen. Da freuen wir uns mal für die französischen Soldaten, daß sie nicht versucht haben es herauszufinden. Und hoffen, daß es dabei bleibt.

Montag, 18. September 2006

Atomkonflikt: Steinmeier droht Iran mit Sicherheitsrat

SPIEGEL online

Außenminister Steinmeier legt im Atomstreit mit Iran einen Gang zu:

Na, fahren wir schon im zweiten Gang? Huiuiui! Da wird einem ja richtig schwindelig. Was für ein Draufgänger, unser Herr Außenminister.

Er hat damit gedroht, den Uno-Sicherheitsrat einzuschalten.

Also entweder hab ich gerade ein deja vu oder wir waren bereits vor einiger Zeit an diesem Punkt. Nur, wieso sind wir dann wieder hier? Hab ich da was verpaßt?

Allerdings herrscht keine Einigkeit zwischen den sechs an den Verhandlungen beteiligten Ländern. Frankreich will das Gremium heraushalten.

Es darf gelacht werden. Obwohl das ganze angesichts der damit verbundenen Bedrohung eigentlich überhaupt nicht komisch ist.

Düsseldorf - Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat Iran damit gedroht, im Atomprogramm den Sicherheitsrat einzuschalten. Sollte Iran nicht einlenken, würde sich die Einschaltung des Sicherheitsrates nicht mehr "wochenlang" hinziehen, sagte Steinmeier dem "Handelsblatt".

Klar, auf keinen Fall Wochen. Sondern bloß Tage. Nur eben siebenmal soviele. Und das nennt man dann Diplomatie.

Iran dürfe nicht auf eine Spaltung der internationalen Gemeinschaft im Konflikt um das Atomprogramm setzen. "Allein in diesem Jahr ist mindestens fünf Mal befürchtet worden, dass diese Einheit auseinander fällt. Es ist nicht geschehen." Iran könne und solle "nicht auf eine Spaltung bauen".

Da soll er mir bitte einen einzigen Grund nennen, warum der Iran das nicht kann. Merkt er eigentlich nicht, wie lächerlich er sich damit macht? Wer seine Kinder mit vergleichbarer Konsequenz erzieht, darf sich jedenfalls nicht wundern, wenn sie irgendwann als Halbstarke marodierend mit dem atomaren Baseballschläger durch die Gegend ziehen.

Zugleich äußerte der Minister die Hoffnung, dass der Streit ohne ein Verfahren im Sicherheitsrat entschärft werden kann. "Der einzige Weg zu einer Lösung ist sicher der über die Diplomatie. Und die Erfolgsaussichten sind am größten vor der Einleitung eines Verfahrens im Uno-Sicherheitsrat."

Wären sie vielleicht tatsächlich, aber wer vermag das schon zu sagen? Ist ja noch nie probiert worden. Denn "vor der Einleitung heißt", daß man von selbiger im Falle eines Mißerfolgs auch mal Gebrauch macht. Bisher heißt es aber nur "statt der Einleitung". Und so sieht's dann auch aus.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac hatte sich heute in einem Radiointerview gegen eine Einschaltung des Uno-Sicherheitsrats ausgesprochen. Der französische Staatschef zeigte sich zuversichtlich, dass "Lösungen durch den Dialog gefunden" werden könnten. Er sei in der Frage "nicht pessimistisch", sagte Chirac.

Moment mal? Ich dachte Steini hätte gesagt, daß der Iran nicht auf die Spaltung der internationalen Gemeinschaft bauen könne oder solle? Ist er sicher, daß das auch der gute Jacques schon mitbekommen hat? Offenbar gibt's da doch noch ein paar kleinere Probleme mit der Feinabstimmung der europäischen Außenpolitik. Aber wer weiß, vielleicht bietet Chirac im Rahmen des Dialogs ja überraschend an, daß die Mullahs Paris statt Tel Aviv zerstören dürfen. Dann kommen wir vielleicht doch noch ins Geschäft.

Er schlug vor, dass sich beide Seiten - Iran und die sechs derzeit an den Verhandlungen beteiligten Länder - zunächst auf eine Agenda für die Gespräche einigen. Während der Gespräche sollten die USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, China und Russland darauf verzichten, mit der Einschaltung des Uno-Sicherheitsrats und mit Sanktionen zu drohen, während Iran die Urananreicherung einstelle.

Und das kommt noch erschwerend hinzu! Denn Frankreich gehört ja noch zum Westen - naja, sagen wir in gewisser Weise, so irgendwie halt, wollen wir mal großzügig sein. Aber die richtig harten Brocken sind Rußland und China. Wenn die Friedensmacht Deutschland einen Krieg gegen den Iran wirklich verhindern will, dann wird der Teil, wo sich Superfrank den lupenreinen Demokraten Putin und seinen nicht minder den Idealen der freien Welt verschriebenen Kollegen Hu zur Brust nimmt, jedenfalls erst richtig lustig.

In Wien soll im Laufe des Tages die Generalversammlung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beginnen, auf der auch über den Atomstreit mit Iran beraten werden soll. IAEA-Chef Mohammed al-Baradei sprach sich heute erneut dafür aus, den Konflikt auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Eine solche Lösung solle "das Recht Irans auf die friedliche Nutzung der Kernenergie ebenso berücksichtigen, wie das Sicherheitsbedürfnis der Gemeinschaft."

Es wäre ausgesprochen hilfreich, wenn Baradei endlich begreifen würde, daß die Rechte Irans auf was auch immer mit denen der Mullahbande nicht das geringste zu tun haben. Das würde auch seinen Job wesentlich einfacher machen. Aber wer weiß, vielleicht macht es ihm ja auch einfach einen Riesenspaß, sich an der Quadratur des Kreises zu versuchen. Der Weg ist das Ziel. Bis das Ziel weg ist und sich dort nur noch ein großer Krater befindet.

Donnerstag, 07. September 2006

Kultur-Streit: Franzosen schießen gegen Bush

SPIEGEL online

"Das Böse und das Gute werden nicht vom Westen für ein bestimmtes Land oder einen bestimmten Kontinent dekretiert", sagte Außenminister Philippe Douste-Blazy dem Radiosender RMC als Reaktion auf die jüngsten Äußerungen George W. Bushs. "Wir können keinen Krieg der Kulturen hinnehmen", so der Minister weiter. Bush hatte unter anderem erklärt, in Iran sei ein "Regime der Tyrannei" an der Macht, Amerika werde sich aber Tyrannen nicht beugen.

Interessant, von der Eiffelturmperspektive aus gesehen erscheint die Schreckensherrschaft der Mullahs also nicht als "Regime der Tyrannei". Da ist es dann natürlich nicht weiter verwunderlich, wenn die moralischen Unterschiede zwischen Demokratie und Diktatur am Horizont der eigenen Unterwürfigkeit verschwimmen und fälschlicherweise auch der französischen Revolution von 1789 zugeschriebene Errungenschaften wie freie Wahlen oder Menschenrechte in islamistischer Tradition als unverschämte Dekrete des Westens angesehen werden.

Angesichts der beeindruckenden Anzahl stolzer Franzosen, die ob solch üblem Kulturrelativismus auf landesweiten Demonstrationen spontan den Rücktritt ihres Außenministers gefordert haben, hat sich das hohle Gerede von der "atlantischen Wertegemeinschaft" wohl ein für allemal erledigt. Grande Nation? Napoleon? Weltmacht? Pustekuchen! Dem Frankreich von heute muß man nicht mal mehr mit Krieg drohen, es wählt die Schande auch freiwillig. Der nächste de Gaulle gehört jedenfalls an den Katzentisch statt aufs Siegertreppchen.

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