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19 Artikel der Kategorie "Staat: China"

Montag, 29. Januar 2007

Vom Kapitalismus lernen heißt siegen lernen!

Auch wenn ich gerade leider nicht viel Zeit habe, aber diese Äußerung über die chinesische Kommunistische Partei ist einfach zu schön, als daß ich sie der Nachwelt vorenthalten könnte:

"Die Reichen gehören zur treuesten Klientel der KP, da sie den Wohlstand sichert." (SPIEGEL 03/07, Seite 99)

Angesichts solcher Sätze dürfte die Schlange vor dem Mao-Mausoleum noch ein wenig länger werden, denn wann sieht man schon mal eine Leiche in einem gläsernen Sarg wie ein Brummkreisel rotieren.

Montag, 22. Januar 2007

Raketentest: Peking rebelliert gegen Amerikas All-Macht

Als China den veralteten Wetter-Satelliten "Feng Yun 1C" mit einer Mittelstreckenrakete abschoss, versetze das den Westen in große Aufregung. Der Test ist ein deutlicher Wink Pekings an Washington: Sie müssen mit China rechnen.

[...] Tatsächlich nährt das Experiment Zweifel an den Versicherungen Pekings, sein Aufstieg zur Großmacht sei ausschließlich eine "friedliche" Angelegenheit. Chinas Engagement für sogenannte "Schurkenstaaten" wie Burma und den Sudan sowie die energische Aufrüstung seiner Marine tragen nicht dazu bei, die Skepsis zu ersticken.

Da fragt man sich unwillkürlich, wer angesichts der bedrohlichen Entwicklung im Ostasien der letzten Jahre diesen Unsinn überhaupt geglaubt hat.

[...] Es ist allerdings hilfreich, den Weltraum-Knaller in die richtige Perspektive zu setzen. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass aus Washington eine Welle der Heuchelei heranschwappt.

Denn die Amerikaner erheben den Anspruch, als einzige Nation den Kosmos militarisieren zu dürfen.

Sicher, man kann natürlich der Ansicht sein, daß nicht nur die führende Demokratie der Welt den Weltraum militärisch nutzen können sollte, sondern auch die größte Diktatur der Welt, und daß es der Sicherheit des Westens wie der Welt nicht schadet, wenn Europa sein Geheimwissen mit potentiellen Gegnern teilt. Man kann es aber auch lassen. Im übrigen ist es erschreckend zu sehen, wie jedem dahergelaufenen Terrorregime immer wieder dieselben Rechte zugestanden werden wie einer zivilisierten Demokratie.

[...] "Die USA behalten sich das Recht, die Fähigkeit und die Handlungsfreiheit im Weltraum vor", lautet die offizielle Weltraum-Doktrin Washingtons. Washington werde, "falls notwendig, Feinden die Weltraum-Nutzung verwehren, falls sie den US-Interessen entgegenstehen".

Im Klartext heißt dies: Nur die Amerikaner und ihre Verbündeten haben das Recht, Waffen für den Krieg der Sterne entwickeln. Alle Versuche der Uno, die All-Aufrüstung zu verhindern, hat die Bush-Regierung abgeschmettert.

Und das ist auch gut so. Zum Glück paßt wenigstens der Bush noch ein bißchen auf, wo deutsche Friedenskanzler den Chinesen am liebsten noch den kompletten Eurofighter verkaufen würden. Die Vorstellung, daß irgendwann die National-Kommunisten Chinas unsere Satelliten ausknipsen und so die im wesentlichen auf technologischer Überlegenheit basierende militärische Stärke des Westens neutralisieren könnte, hat jedenfalls etwas durchaus unangenehmes. Offenbar aber nicht für jeden.

[...] Chinas oberstes Ziel der Politik ist die Wiedervereinigung mit dem abtrünnigen Taiwan, notfalls mit militärischer Gewalt.

Read Lorenz' lips! Für den Fall, daß der SPIEGEL genau diese Behauptung in Frage stellt (und das wird nicht lange dauern), sollte man sich diesen Text besser schon mal im Hinterkopf behalten.

Deshalb ist Pekings KP so nervös angesichts der amerikanischen Pläne, zusammen mit Chinas Erzrivalen Japan einen Raketen-Abwehrschirm (theater-missile-defense-system) aufzuspannen, der wohl auch Taiwan vor einer Attacke schützen soll.

Frechheit, sowas! Sich einfach gegen einen Angriff verteidigen zu wollen! Diese kriegslüsternen Amis und ihre nicht minder kriegslüsternen japanischen Lakaien. Da muß man als Betreiber einer aggressiven Diktatur ja nervös werden. Zum Glück gibt es auch im Westen noch Leute, die für die Sorgen eines Despoten noch das nötige Verständnis aufbringen können.

Zu hoffen ist, dass Amerikaner und Chinesen zur Vernunft kommen und sich an einen Tisch setzen, um die Aufrüstung im All zu verhindern. Mit dem kriegerischen Präsidenten Bush ist dies allerdings kaum zu erwarten.

Der kriegerische Bush ist an allem schuld, jetzt wissen wir's. Die Gegenseite trifft keine Schuld, sie reagiert nur. Bis zum Jahr 2000 hatten die Chinesen brav abgerüstet und die Friedensdividende eingestrichen, die Anerkennung der Unabhängigkeit Taiwans lag schon unterschriftsreif vor, die letzten Lager wurden aufgelöst und die Opfer rehabilitiert, die Verantwortlichen für das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens saßen in Untersuchungshaft, die KP bereitete sich gerade auf die ersten freien Mehrparteienwahlen vor - und dann kam dieser schreckliche Bush an die Macht. Dann ging das alles natürlich nicht mehr.

Fast ein bißchen schade, daß der SPIEGEL nicht in erster Linie über Satellit vertrieben wird oder Druckmaschinen nicht im All kreisen. Angesichts der Vorstellung, daß chinesische Betonkommunisten eines fernen Tages darüber entscheiden könnten, was man montags liest oder besser gesagt nicht liest, würden die verantwortlichen Redakteure vielleicht ein bißchen nachdenken, bevor sie einen derartigen Unsinn schreiben.

Dienstag, 05. Dezember 2006

"Taiwan has to be patient."

Bei all den Geplänkeln mit den diversen Despoten der arabischen Welt und ihren terroristischen Handlangern wird gern übersehen, wo die Musik in diesem Jahrhundert wirklich spielen wird. Und wenn man sieht, wie die Realpolitiker schon vor irgendwelchen dahergelaufenen Wüstensöhnen im Staub kriechen, darf angesichts des übermächtigen China für die Zukunft des kleinen Taiwan das schlimmste befürchtet werden.

Denn wer die Zukunft des Irak oder des Libanon in die Hände ihrer syrischen und iranischen Hauptfeinde gelegt sehen will, wird bei einer abtrünnigen Provinz weit weg in den unendlichen Weiten des Pazifik erst recht vor den Ansprüchen des offiziellen Eigentümers kuschen. Um so mehr ist es zu würdigen, daß es wenigstens noch ein paar Stimmen gibt, die die Menschen in Taiwan nicht auf dem Altar des sogenannten Realismus geopfert sehen wollen:

Es ist eine Schande, dass sich die Europäer (die selbsternannten Verfechter der Menschenrechte in der Welt) noch immer an das blödsinnige "Ein-China-Prinzip" klammern. Es ist wahnwitzig, eine Vereinigung zwischen dem demokratischen Taiwan und dem autoritär regierten China zu fordern. Und das nur weil man dadurch mit den Kommunisten bessere Geschäfte machen kann. Wenn die EU noch ein bisschen Würde hätte, dann sollte sie endlich den Taiwanern ihr legitimes Selbstbestimmungsrecht zugestehen und die taiwanische Demokratie gegen ihre kommunistischen Gegner verteidigen.

Mittwoch, 15. November 2006

Lenin hatte doch recht!

Zumindest mit seiner Einschätzung, daß die Kapitalisten ihren Feinden noch den Strick verkaufen, an dem die sie dann aufhängen werden. Wenn der Westen eines Tages seinen Feinden unterliegen sollte, so wird neben der europäischen Dummheit jedenfalls auch die amerikanische Gutmütigkeit eine nicht erhebliche Rolle gespielt haben. Bei allem Verständnis für eine wirtschaftsfreundliche Haltung, aber daß ein chinesisches U-Boot unbemerkt auf Schußdistanz an einen amerikanischen Flugzeugträger herankommen kann, nur weil die lieben NATO-Verbündeten meinen, die dafür nötige Technologie an ihren langfristig gefährlichsten potentiellen Gegner liefern zu müssen, grenzt schon an Hochverrat:

Nach offiziellen Angaben der US-Marine verfolgte das U-Boot den Flottenverband unbemerkt vor Okinawa und tauchte am 26. Oktober in nur 5 Meilen Entfernung vom Flugzeugträger USS-Kitty Hawk auf. Das moderne Unterseeboot wurde von den Amerikanern dann zufällig bei einem Routineflug entdeckt.

Dass die Chinesen die U-Bootabwehr der Trägergruppe (CSG-5) unterlaufen konnten, ist kein Zufall. Die Bekämpfung von Flugzeugträgern gehört zur Kerndoktrin der chinesischen Marinestrategie. Die Boote der SONG-Klasse sind ein Paradebeispiel für moderne, globalisierte Militärtechnik. Der Schiffstyp 039 ist eine chinesische Konstruktion unter Einbeziehung westlicher Technologien. Das Sonarsystem kommt aus Frankreich und der geräuscharme Dieselantrieb wird von der deutschen MTU geliefert.

Also wirklich, das muß doch nicht sein! Zumindest nicht, wenn die MTU-Auftragsbücher nicht zuletzt deswegen voll sind, weil das Unternehmen nach eigener Auskunft "der wichtigste Lieferant der US-Armee bei Hochleistungs-Dieselmotoren" ist. Kapitalismus und Freihandel sind eine feine Sache, aber davon müssen ja nicht unbedingt gerade jene Mächte profitieren, die den USA außenpolitisch ansonsten bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit Knüppel zwischen die Beine werfen. Daß man dem Unternehmen selbst keine Vorwürfe machen kann, weil es an jeden zahlungskräftigen Kunden liefert, heißt ja nicht, daß man den Kreis der zulässigen Kunden nicht ein wenig einschränken könnte.

Und in diesem Punkt haben die USA ganz klar eklatant versagt. Ein leises, aber deutliches "...or else!" in Richtung Daimler-Chrysler hätte mit Sicherheit ausgereicht, um die deutsche Konzernführung zum Nachdenken zu bringen, ob der Verkauf von ein paar Motoren, die die Chinesen eh nur kopieren und ab der nächsten Generation dann selber besser und billiger herstellen, es wirklich wert ist, auf die Beteiligung an der Produktion von alleine möglicherweise mehreren tausend Panzerfahrzeugen zu verzichten. Das zeigt mal wieder, daß auch die Amerikaner bei weitem nicht immer so cowboyhaft auftreten, wie es die Situation manchmal erfordert. Wollen mal hoffen, daß sich das noch ändert!

Freitag, 27. Januar 2006

Großauftrag: Büro Albert Speer baut gigantische Autostadt in China

SPIEGEL online

Das deutsche Architekturbüro Albert Speer soll sich einen neuen Großauftrag in China gesichert haben: Es bekam einer Zeitung zufolge den Zuschlag für den Bau einer monströsen Autostadt bei der Industriemetropole Changchun.

Albert Speer? Baut? Gigantisch? Monströs? Wie abgefahren! Denn seien wir mal ehrlich, wenn eine Firma mit DIESEM Namen klein, mittelmäßig, einen Supermarkt oder gar nicht bauen würde, dann wären wir doch alle ein wenig enttäuscht, oder? Man darf also gespannt sein, wie die Autos am Ende untergebracht sein werden.

Mir würde da spontan so eine Kuppelhalle von, sagen wir, ca. 300m Höhe vorschweben. In Papas alten Unterlagen auf dem Speicher sollte sich doch sicher noch die eine oder andere Skizze dazu finden lassen. Und dann können die ehemaligen Kameraden von Volkswagen ihre Protzbauten in der Pfeife rauchen...

P.S.: Was sagt eigentlich die Titanic dazu? Das wäre doch DIE Vorlage!

Mittwoch, 24. August 2005

Internierung: USA halten 15 Chinesen weiter in Guantanamo fest

SPIEGEL online

Schon vor zwei Jahren hatte das Pentagon ihre Freilassung gebilligt - trotzdem werden 15 Muslime aus China weiter auf dem US-Stützpunkt Guantanamo festgehalten, so ein amerikanischer Zeitungsbericht.

Washington - Wie die "Washington Post" am Abend auf ihrer Website berichtete, lehnt die Regierung die Entlassung der Männer nach China ab - sie könnten dort aus politischen Gründen verfolgt werden. Bislang hat sich noch kein anderes Land bereit erklärt, die Muslime aufzunehmen.

Moment mal, daß ich das richtig verstehe: Da sitzen 15 Muslime gegen den Willen der USA im Club Gitmo, weil es zu gefährlich für sie wäre, nach China zurückgeschickt zu werden? Wieso war dann dauernd Guantanamo in den Schlagzeilen, und nicht der Terror des chinesischen Regimes gegen die eigene muslimische Minderheit?

Auch verstehe ich nicht so ganz, wieso die Bush-Administration so viel Rücksicht auf islamistische Bombenleger nimmt. Wenn die US-Regierung auch nur halb so skrupellos wäre, wie ihr das ihre Gegner immer nachsagen, dann wäre das doch DIE Gelegenheit, das Terroristenpack kostengünstig ein für allemal loszuwerden.

Und was mir auch nicht so ganz einsichtig ist, wieso findet sich nach der internationalen Kritik an den schrecklichen Zuständen im größten GULag unserer Zeit unter den Guantanamo-Gegnern nicht ein einziges verdammtes Land, daß diese armen Teufel jetzt aus den Fängen des US-Imperialismus befreien möchte?

Für schnelle Aufklärung wäre ich dankbar.

Montag, 18. Juli 2005

Taiwan-Konflikt: Chinesischer General droht USA mit Atomkrieg

SPIEGEL online

"Falls die Amerikaner China mit ihren Raketen und ihrer Lenkmunition ins Visier nehmen, werden wir mit Atomwaffen reagieren müssen", sagte Generalmajor Zhu Chenghu vor ausländischen Journalisten in Peking. Falls die USA angreifen sollten, hätte China keine andere Wahl, als mit Atomwaffen zurückzuschlagen. Denn China sei nicht in der Lage, einen konventionellen Krieg mit den USA zu führen.

Die Drohung, einen Konflikt eskalieren zu lassen, könnte möglicherweise der einzige Weg sein, ihn zu stoppen, sagte Zhu. "Falls die Amerikaner entschlossen sind einzuschreiten, werden wir entschlossen antworten", sagte der General. "Wir Chinesen werden uns auf die Zerstörung aller Städte östlich von Xian einstellen. Im Gegenzug müssen sich die USA darauf einstellen, dass Hunderte Städte von den Chinesen zerstört werden."

Dies zur Warnung an alle die glauben, daß es sich bei China um ein friedliches und berechenbares Land handelt, welches bloß um das wirtschaftliche Wohlergehen seiner Bürger besorgt ist. Zumindest bei den armen Teufeln, die östlich des Xian wohnen, darf man das ab heute getrost anzweifeln. Jedenfalls lassen sich diese Äußerungen auch mit einem etwas unorthodoxen Programm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nur unzureichend erklären.

Andererseits erscheint jetzt Gerds Kampagne zur Aufhebung des Waffenembargos gegen China in einem ganz neuen Licht. Er wollte vermutlich nur dem grünen Koalitionspartner einen Gefallen tun und die Gefahr eines Atomkriegs reduzieren, indem er das technologisch unterlegene China mit konventionellen Waffen so weit aufrüsten läßt, daß es die USA in Ostasien militärisch besiegen kann, ohne dafür zu Atomwaffen greifen zu müssen.

Friedensbewegung anno 2005: Statt "Frieden schaffen ohne Waffen" und "Schwertern zu Pflugscharen" heißt es jetzt offenbar "Keine neuen Atomraketen bevor nicht die alten verbraucht sind". Na dann...

Sonntag, 05. Juni 2005

UNO: China torpediert Schröders Sicherheitsratspläne

SPIEGEL online

Das Streben von Deutschland und drei anderen Staaten auf einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat könnte am Widerstand Chinas scheitern. Die Volksrepublik hält eine Erweiterung des Gremiums für einen "gefährlichen Schritt". Vor allem die Bewerbung Japans stößt den Chinesen auf.

Es ist nicht leicht dieser Tage, Gerhard Schröder zu sein. Das Wahldebakel in NRW, die katastrophale Haushaltssituation, die deprimierende Wirtschaftslage, die auf hohem Niveau stagnierenden Arbeitslosenzahlen, der zunehmend erkennbare Selbstzerstörungstrieb seiner Partei, die generelle Reformverweigerung der Deutschen - es lief schon mal runder für den Mann von der Leine, der auszog, nicht alles anders, aber doch vieles besser zu machen.

Nun hat ein Staatsmann von Weltformat in derartigen Krisenzeiten bekanntlich immer noch die Möglichkeit, die Flucht ins Ausland anzutreten, um durch den Erwerb von unvergänglichem Ruhm auf internationalem Parkett das klägliche Versagen an der Heimatfront vergessen zu machen. Doch Gerd dem Großen will selbst in der Außenpolitik nichts mehr so recht gelingen, und Visa-Joe ist in seiner aktuellen Tagesform derzeit auch keine große Hilfe.

Die irren Pläne des französischen Weltenlenkers Chirac, Europa als Gegenmacht zu Amerika aufzubauen, sind im "friendly fire" der von diesem selbst argumentativ aufmunitionierten Globalisierungsgegner und Liberalismushasser zerplatzt, Saunafreund Putin ist so kurz nach dem Schauprozeß gegen den Ölbaron Chodorkowski auch niemand, mit dem man unbedingt zusammen auf der Straße gesehen werden möchte, und selbst der sonst immer zündende Versuch, den Friedenskanzler zu geben, wird von der immer offener zutage tretenden Verachtung der Mullahs für die EU-3-Unterhändler zunehmend ad absurdum geführt.

Und jetzt droht auch noch das eine, letzte außenpolitische Großprojekt - den Deutschen endlich einen Platz an der Sonne des Sicherheitsrats zu verschaffen - zu scheitern, und das ironischerweise auch noch an den Genossen von der chinesischen KP. Da riskiert man gegen jeglichen gesunden Menschenverstand die Reste der Allianz mit den USA, um das Waffenembargo gegen China aufzuheben, opfert dafür nebenher skrupellos das kleine Taiwan, schickt mit Tom Koenig einen Hofnarren los, der die Menschenrechte in China schönredet, und dann sowas. Das muß bitter sein.

Was ist das nur für eine Welt, in der man sich nicht mal mehr auf den Dank einer Diktatur verlassen kann? Traurig, traurig...

Donnerstag, 02. Juni 2005

"Wehrhafte Friedensverteidigung"

Die Achse des Guten

Wie praktisch, daß es die Achse des Guten gibt. Ich weiß nicht wie sie es genau machen, aber sie schaffen es irgendwie immer wieder, die besten Prachtexemplare des zeitgeistoptimierten Wahnsinns in den Medien aufzustöbern. Vorgestern haben sie eine wahre Perle entdeckt, die selbst für die Absonderung einer Muschel so erschütternd dumm war, daß sie nach einer ausführlicheren Antwort geradezu schreit.

Zugegeben, die Seite mit dem vielversprechenden Namen Frieden.de, nach eigener Aussage das "friedlichste Internet-Portal Deutschlands", auf der Michael Mirsch dieses Geschreibsel fand, ist glücklicherweise viel zu unbedeutend, als das man sich unbedingt näher damit befassen und sie dadurch aufwerten müßte, aber angesichts des ungewöhnlich hohen Austoßes von Unsinn pro Quadratzentimeter erreicht dieser Text (es handelt sich um eine Antwort auf einen Leserbrief) durchaus die Dimensionen von Konstantin Weckers legendärer Politik hinter den Schlagzeilen oder dem nicht minder abgedrehten Lebenshaus Schwäbische Alb. Und da kann ich einfach nicht widerstehen...

Sehr geehrter Herr Schler,

wir sehen die Folter von Menschen in China, im Iran und Nordkorea ebenfalls als höchst besorgniserregend an! Bei der Menge der Verstöße gegen die Menschenrechte mussten wir uns auf einen Schwerpunkt festlegen.

Was für eine Eröffnung! Im zweiten Satz widerlegen sie bereits ihren ersten. Denn wenn sie wirklich die "die Folter von Menschen in China, im Iran und Nordkorea ebenfalls als höchst besorgniserregend" ansehen würden, könnten sie gerade angesichts "der Menge der Verstöße gegen die Menschenrechte" in den genannten Staaten bei der Suche nach einem "Schwerpunkt" eigentlich kaum in Guantanamo landen. Wie sie das dann trotzdem schaffen, bleibt ihr Geheimnis.

Angesichts der Tatsache, dass die amtierende US-Regierung die Angriffskriege dieser Zeit führt (Afghanistan und Irak), die USA die größte Rüstungsindustrie auf unserem Planeten beheimatet und die Demokratie unter US-Präsident George W. Bush mit Füßen getreten wird, sind inakzeptable Unmenschlichkeiten der US-Regierung unserer Schwerpunkt.

Ok, das mit dem Geheimnis nehme ich zurück. Es ist doch ziemlich offensichtlich, wie sie darauf gekommen sind. Wer die Beseitigung zweier der übelsten zeitgenössischen Terrorregime kommentarlos unter der Rubrik "Angriffskriege" aufführt und statt deren Ex-Herrschern den US-Präsidenten als den eigentlichen Antidemokraten darstellt, dem geht es bei den Menschenrechten nicht um dieselben, sondern ausschließlich um billigste antiamerikanische Propaganda. Das einzige Menschenrecht, daß sich aus einer solchen Denkweise ableiten läßt, ist das Menschenrecht eines Diktators, die Menschenrechte seiner Untertanen auch weiterhin ungestört verletzen zu können.

Vergleicht man die Todesfälle durch staatliche Gewalt in China, Iran und Nordkorea mit den bekannten Todesfällen der US-Invasionskriege (2002-2004), ist die amtierende US-Regierung für 95% aller Todesfälle durch staatliche Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen.

Diesen Satz mußte ich mehrmals lesen, um sicherzugehen, daß sie wirklich das meinen, was sie da gesagt haben. Also da müssen die USA noch verdammt viele Kriege führen, bis sie so viele unschuldigen Zivilisten umgebracht haben wie dieses Trio des Todes. Allein im Lagersystem von China und Nordkorea vegetieren hunderttausende von Menschen dahin, und Kim Jong Il ist, wenn er einen schlechten Tag hat, immer mal wieder für eine Hungersnot mit Millionen von Toten gut. Die offiziellen Hinrichtungszahlen haben jedenfalls mit dem tatsächlichen Terror gegen das eigene Volk herzlich wenig zu tun.

Bei der Rechnung wurde im übrigen vergessen zu erwähnen, wieviele Menschen zusätzlich von Saddam Hussein's Schergen und den Talibanbanditen zwischenzeitlich umgebracht worden wären, wenn die Amerikaner sie nicht zum Teufel gejagt hätten. Selbst wenn man, was natürlich völliger Bödsinn ist, aber trotzdem von der 5. Kolonne des Islamofaschismus immer wieder gerne getan wird, den USA auch jene Toten in die Schuhe schiebt, die aufs Konto ihrer Feinde gehen, hätten sie noch einiges an Arbeit vor sich, wollten sie auch nur Saddam's Durchschnitt in Friedenszeiten erreichen.

Auf Guantanamo wird gefoltert. In Lagern im Iran, Nordkoreas und Chinas wird ebenfalls gefoltert. Jede Folterung ist inakzeptabel, zu ächten und zur Anklage zu bringen. Doch ist es nicht erschreckend dass auch eine "Demokratie" sich für Folterlager verantworten muss?

Das kommt darauf an, was Folter ist. Verschärfte Verhörmethoden wie Schlafentzug (sprich 3 Tage lang jeweils nur 4 Stunden Schlaf, bevor man sich mal richtig ausruhen darf) sind sicherlich nicht nett, aber bei Schimanski hat der durchschnittliche Amerikahasser derartigen Methoden noch als vielleicht etwas rüpelhaft, aber angesichts der Umstände doch durchaus angemessen applaudiert. Handelt es sich hingegen um wirkliche Folter, so ist die weder auf Guantanamo noch woanders im dunklen Imperium des George W. Bush erlaubt. Verstößt jemand dagegen und kann man es ihm nachweisen, landet er vor Gericht und riskiert dann Strafen, wegen denen ai normalerweise sofort eine Eilaktion starten würde. Zumindest wenn es sich bei den Tätern nicht zufälligerweise um GIs handeln würde.

Wir versuchen mit unserem Mittel der Information und der Redaktion diese Entwicklung aufzuhalten. Während wir in China, dem Iran und Nordkorea kaum Veränderungen einleiten können, haben wir mit unserer Arbeit "STRIKE GUANTANAMO" erste Ergebnisse erreicht.

Super Idee! Wenn man jemanden für seine Schandtaten nicht zur Rechenschaft ziehen kann, greift man sich eben irgendjemand anders. Ganz gleich, ob man dadurch die Schuldigen schützt und ihre Verbrechen deckt, Hauptsache man tut was. Und sei es das Falsche.

[...] Die USA im Jahr 2005 haben unter Präsident George W. Bush kaum noch internationales Ansehen und nicht ohne Grund wählten die Leser von Frieden.de, George W. Bush, zum Kriegstreiber Nr. 1.

Das Ansehen der USA unter Präsident Bush hat vor allem bei den diversen islamistischen, faschistischen und stalinistischen Diktatoren gelitten, und zwar sowohl jenen, die noch ihr Unwesen treiben, als auch jenen, die bereits hinter Schloß und Riegel sitzen bzw. auf der Flucht sind. Daß das Ansehen in diesem Zusammenhang auch bei jenen Demokratien, die sich dieser Diktatoren gerne noch ein Weilchen bedient hätten, gesunken ist, buchen wir mal als diplomatischen Kollateralschaden ab. Immerhin weiß Amerika jetzt, inwieweit es sich auf das von ihm einstmals befreite alte Europa verlassen kann. Nämlich gar nicht.

Lao-Tse sagte, "Wenn Dich einer auf die Wange schlägt, dann halte ihm auch noch die andere hin", meinte er damit auch, dass man nach der 2. Ohrfeige auf die 3. warten muss?  Was ist wenn man durch das Hinhalten der anderen Wange quasi die erste Watsche verziehen hat, jedoch die Chance vergibt, das Unrecht zu erkennen, und dafür die nächste Watsche erhält?

Was immer uns diese Worte sagen wollen, wir wollen gnädigerweise den Mantel des Schweigens darüber breiten.

Hieraus ist ersichtlich, dass eine fortlaufende Passivität auch in der Selbstzerstörung enden kann. Es gibt zu viele Gewaltherrschaften und zwischenzeitlich auch eine Demokratie, welche nicht mehr aufhört, Watschen zu verteilen. Aus diesem Grund muss der Frieden auch wehrhaft verteidigt werden.

Aha? Das machen die USA ja gerade, aber ich hatte bisher ehrlich gesagt nicht den Eindruck, als ob die Betreiber dieser Seite das sonderlich zu würdigen wissen.

Im Falle der notwendigen Friedenserhaltung und der Friedenswiederherstellung spielt dabei die UN - global - die wichtigste Rolle.

Das hat man ja gesehen, als es darum ging, Saddams Krieg gegen das eigene Volk zu beenden. Die einzige Rolle, die mir diesbezüglich im Zusammenhang mit der UNO einfällt, ist die Klopapierrolle, auf der die Charta der Vereinten Nationen offenbar gedruckt wurde.

Leider wird die UN ausgerechnet von der amtierenden US-Regierung ständig gegeißelt und beeinträchtigt.

Kann es sein, daß das daran liegen könnte, daß die UNO ihren in den zwei Sätzen davor genannten Aufgaben nicht so ganz gerecht wird?

Zeitgleich unterhält die US-Regierung für die Ausarbeitung und Umsetzung eigener „Konzepte“ einen „Stab“.

Ein Stab! Diese Teufel!

Dieser Größenwahn führte zu den Invasionskriegen gegen Afghanistan und gegen den Irak.

Tja, vom Größenwahn eines Stabs zum Invasionskrieg ist es bekanntlich nur ein kleiner Schritt. Mir scheint, ich habe dieser Seite Unrecht getan. Wecker und das Lebenshaus? Schnickschnack, das sind kleine Lichter gegen diese Sonne im Universum politisch-strategischen Denkens! Die tiefe Logik dieser ausgefeilten Argumentationskette bewegt sich schon in ganz anderen Sphären. Das hat zweifellos schon den Lanoo-Faktor. Alle Achtung, Frau Ahlers, das macht Ihnen so schnell keiner nach.

Während der US-Präsidenten, George W. Bush, nur niedere Beweggründe verfolgt, wie die Macht über das Öl, erklärt er der Weltöffentlichkeit, dass es ihm um die Demokratisierung und um den Kampf gegen Terror ginge.

Dieser eine kleine Satz allein böte bereits genügend Anlaß, um seitenweise Argumente von früher noch mal zu posten. Aber irgendwas sagt mir, daß sich das hier nicht wirklich lohnen wird.

Das direkte Ergebnis sind die Terrorwellen im Irak.

Komisch. Ich dachte immer die wären das direkte Ergebnis der Aktionen von Terroristen. So kann man sich irren.

Hierdurch sterben täglich mehr Menschen als in den Folterlagern in China, Nordkorea und dem Iran zusammen.

Na, da scheinen diese drei Staaten ja inzwischen den Großteil ihrer Opfer außerhalb ihrer Folterlager umzubringen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer des Terrorismus natürlich immer noch unakzeptabel hoch. Es freut mich daher besonders, daß selbst eine der nötigen Distanz zum Islamofaschismus garantiert unverdächtige Seite wie diese hier sich zu einer derart eindeutigen Verurteilung des Terrorismus durchringen konnte.

In Europa werden die Lügen des US-Präsidenten vom seinem Waffenbruder, Tony Blair, verbreitet. Wie wir alle wissen, wurde Blair erst kürzlich in seinem Amt bestätigt.

Stimmt, wissen wir.

Hieraus ist ersichtlich, dass unsere wehrhafte Friedensverteidigung im Berichten über diese Missstände liegt.

Wehrhafte Friedensverteidigung ist also, wenn man berichtet, daß Tony Blair erst kürzlich in seinem Amt bestätigt wurde, soso. Lanoo, bitte übernehmen Sie!

Da ein Großteil unserer Redaktion aus Politikstudenten besteht, wird diese Lösung auch gelebt.

Politikstudenten? Na das erklärt einiges. Und ich weiß wovon ich spreche!

Wie kann man sich mehr für Frieden und Demokratie einsetzen?

Daß Ihr da nicht von selber draufkommt, glaube ich Euch unbesehen.

Wir freuen uns auf weitere Anregungen und Vorschläge!

Gerne. Einfach die Demokratie forciert verbreiten, dann kommt der Frieden von ganz alleine. Ich hoffe Ihnen damit weitergeholfen zu haben.

Montag, 18. April 2005

Vergangenheitsbewältigung: Tokio und Peking beharren auf gegenseitigen Entschuldigungen

SPIEGEL online

Das Verhältnis zwischen China und Japan ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wegen Japans Umgang mit der Kriegsvergangenheit wird Tokios Außenminister bei seinem Besuch in Peking demonstrativ gemieden.

Wo sie recht haben, haben sie recht. Zwar sind die Proteste sicherlich nicht halb so spontan, wie uns die Organisatoren im Hintergrund weismachen wollen, und gewalttätig müßten sie auch nicht gerade sein, aber es wird höchste Zeit, daß Japan endlich mal eine überzeigende und vorbehaltlose Entschuldigung rüberwachsen läßt.

Einfach nur emotionslose Erklärungen abgeben, reicht 60 Jahre nach Kriegsende nicht mehr. Man muß im Reich der aufgehenden Sonne endlich auch meinen, was man sagt. Japan hat im II. Weltkrieg auf der falschen Seite gekämpft, und es ist seinen eigenen Interessen auf die Dauer nicht förderlich, sich vor dieser Erkenntnis zu drücken.

Massaker wie das von Nanking, welches in seinem Ausmaß durchaus den Ruanda-Faktor hatte, als kleinere Unschärfe schönzureden, ist eine unglaubliche Frechheit, und würde - wie der grausame Umgang mit Zivilisten und Kriegsgefangenen überhaupt - locker den einen oder anderen Kotau gegenüber dem Rest der Welt rechtfertigen.

Eine Entschuldigung sollte sich allerdings ausdrücklich direkt an das chinesische Volk und nicht an dessen Unterdrücker richten. Im Gegenteil, die KP könnte sich angesichts der Tatsache, daß sie um ein vielfaches mehr Chinesen auf dem Gewissen hat als die Japaner, da mit dranhängen und bei der Gelegenheit auch gleich bei den eigenen Landsleuten entschuldigen.

Das würde den Kommunisten jedenfalls wesentlich besser zu Gesicht stehen, als einen auf betroffen zu machen. Denn eins ist klar: Hier handelt es sich nicht um Tränen ob der Opfer der Vergangenheit, sondern um die beunruhigenden Vorboten der nationalistischen Muskelspiele, die wir in Zukunft noch von China erwarten dürfen.

Und jetzt die Werbung...

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