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33 Artikel der Kategorie "Region: Amerika"

Freitag, 07. September 2007

Erboste Fans erklären Apple den iWar

Und Steve Jobs erklärt uns, wie man ein an sich tolles und ergonomisch vielversprechendes Produkt, nachdem man es zunächst durch eine gewisse Verweigerungshaltung gegenüber dem technologischen Fortschritt bei der Miniaturisierung von Kameras und der Entwicklung mobiler Datenübertragung unnötig entwertet hatte, durch einen völlig falschen Marketingansatz endgültig zur Notlandung zwingt, und das, bevor es überhaupt richtig abgehoben hat:

Steve Jobs hat anscheinend wenig Mitgefühl für seine treuesten Fans übrig. Die Zeitung "USA Today" fragte den Firmenchef, was er denn Kunden sage, die eben ein iPhone für 599 Dollar erworben hätten, "sorry?". Jobs Antwort: "Das ist eben Technologie. Wenn sie es heute morgen gekauft haben, solllten sie dorthin zurückgehen, wo sie es gekauft haben und mit den Leuten dort reden. Wenn sie es vor einem Monat gekauft haben, tja, das passiert eben mit Technologie."

Falsch, lieber Steve, das passiert nicht bei Neueinsteigern in einen Markt, in dem es mit Firmen wie HTC, Nokia, Samsung und Sony Ericsson von Platzhirschen nur so wimmelt und die zusammen mit Firmen wie Motorola oder LG den Markt absolut beherrschen. Zumindest sollte es das nicht. Wer neu rein will, wo andere die Standards setzen, sollte, bis er eine gewisse Basis hat, nämlich nicht gerade der teuerste sein. Wenn das jemand wissen sollte, dann ja wohl Du, Steve, meinst Du nicht? Wäre das anders, säße ich jetzt kaum an einem Windows-Rechner.

Dabei geht es gar nicht mal um den Anschaffungspreis des iPhone, der ist entgegen der weitverbreiteten Kritik gar nicht mal so extrem hoch, wenn man ihn mit dem vergleichbarer Top-Produkte der Konkurrenz vergleicht. Aber die mit dem Erwerb verbundenen Knebelverträge an ausgesuchte Monopolpartner sind in Ländern, wo Handys immer noch über Subventionen verkauft und nicht noch künstlich teuerer gemacht werden, genauso gut wie ein Aufkleber, auf dem steht "Vorsicht, radioaktiv verseuchte Robbenbabyhautverkleidung!"

Da werde ich, obwohl ich durchaus ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hatte, mir eines Tages selber eins zuzulegen, wohl doch noch mal über Alternativen nachdenken müssen...

Donnerstag, 06. September 2007

Selbstversenkung nahe der Nordsee

Nachricht A von heute:

US-Abschiebepraxis: "Ich würde lieber nach Guantanamo zurück"

Sie glaubten, nach fünf Jahren in Guantanamo bald wieder freie Menschen zu sein. Doch es kam anders: Zwei Tunesier, die kürzlich aus dem berüchtigten US-Lager abgeschoben wurden, sitzen jetzt plötzlich in ihrer Heimat in Haft - und werden dort Menschenrechtlern zufolge misshandelt.

Diese Amis aber auch! Fliegen entlassene Guantanamo-Häftlinge einfach in Ihre Heimatländer aus, obwohl ihnen dort Gefahr für Leib und Leben droht.

---

Nachricht B von vor 2 Jahren:

Internierung: USA halten 15 Chinesen weiter in Guantanamo fest

Schon vor zwei Jahren hatte das Pentagon ihre Freilassung gebilligt - trotzdem werden 15 Muslime aus China weiter auf dem US-Stützpunkt Guantanamo festgehalten, so ein amerikanischer Zeitungsbericht.

Diese Amis aber auch! Fliegen entlassene Guantanamo-Häftlinge nicht in Ihre Heimatländer aus, nur weil ihnen dort Gefahr für Leib und Leben droht.

---

Und jetzt das Ratespiel: Wie heißen wohl die beiden Zeitschriften, deren Online-Ausgaben hier mit einer diametral entgegengesetzten Argumentation antiamerikanische Ressentiments bedienen? Aber nicht mogeln! Auch wenn die Antwort zugegeben wirklich verblüffend ist.

Lösung A     Lösung B

Donnerstag, 23. August 2007

Haste mal'n Bolivar?

Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat einen neuen Coup gelandet: Künftig erhalten benachteiligte Londoner Zuschüsse aus Caracas zu ihrem Busticket. Die Abmachung mit Bürgermeister Livingstone ist höchst umstritten.

Vielleicht umstritten, aber auch verdammt cool! Erst verschafft er sich seine persönliche Dauerwerbesendung im Fernsehen, dann bastelt er sich eine eigene Zeitrechnung, und jetzt diese wirklich geniale PR-Aktion - ich muß zugeben, so langsam gewinne ich diesen Spinner richtig lieb. Auch wenn er natürlich noch nicht ganz an meinen irrlichternden Lieblingsdiktator rankommt, so entwickelt er sich doch langsam aber sicher zum Ghaddafi Lateinamerikas, der selbst meinem dortigen Favoriten Castro die Schau stiehlt.

Also, liebe Amis, wenn sich's irgendwie einrichten läßt und er nicht gerade auf die Idee kommt, iranische Atomraketen in Venezuela zu stationieren, al-Qaida diplomatisch anzuerkennen oder einen vergleichbaren Unfug anzustellen, setzt ihn bitte ans Ende der ToDo-Liste und hebt ihn Euch zusammen mit seinem libyschen Bruder Oberst bis zum Schluß auf. Sein Unterhaltungswert ist einfach zu groß. Solche Talente dürfen nicht ohne Not einem banalen Putsch geopfert werden. Da muß man schon Prioritäten setzen.

Montag, 20. August 2007

Wem die Stunde (auf den Hinterkopf) schlägt

Die Bürger Venezuelas müssen künftig wohl früher aufstehen: Präsident Hugo Chávez plant, die Uhren in seinem Land eine halbe Stunde vorzustellen. Die Umstellung soll den Stoffwechsel ankurbeln und damit der Arbeitskraft zugute kommen.

Caracas - Das ganze Land solle früher auf die Beine kommen, wünscht sich der Präsident. Es gehe bei der Maßnahme um die Auswirkungen auf den Stoffwechsel, erläuterte Staatschef Hugo Chavez in einer siebenstündigen Sendung seiner Fernsehshow "Hallo Präsident". Das menschliche Gehirn werde durch Sonnenlicht beeinflusst.

Dieses Eindrucks kann man sich tatsächlich nur schwer erwehren. Da war wohl jemand zu lange an der Sonne. Und wenn er demnächst versucht, die Sonne gleich direkt auf sieben Uhr morgens zu stellen, wissen wir, daß er dabei auch zu lange NDW gehört hat. Aber selbst wenn nicht, die diesbezüglich ohnehin schon beeindruckende Geschichte des Sozialismus ist hiermit jedenfalls wieder um eine ulkige Idee zur Produktionssteigerung reicher. Und die europäischen Chavez-Fans stehen wieder ein kleines bißchen dümmer da. Mal sehen, wie lange sie sich die Albernheiten ihres Vorzeigeclowns noch unwidersprochen gefallen lassen. Obwohl, wenn Lafontaine demnächst an der Atomuhr rumspielt, überrascht mich das auch nicht mehr.

In der TV-Sendung griff Chavez zudem die USA scharf an. Er warf der Regierung Bush vor, in den Streitkräften seines Landes Verschwörer für einen Putsch anwerben zu wollen. Damit solle eine von ihm in der vergangenen Woche vorgestellte Verfassungsreform unterlaufen werden. "Die Verschwörung hat bereits begonnen", sagte Chavez in seiner wöchentlichen Sendung. "Die Botschaften zirkulieren in den Kasernen. Die Hand (des US-Geheimdienstes) CIA, das Imperium, steckt dahinter. Sie versuchen einen Putsch."

Wozu denn noch putschen? Nach Chavez' neuestem Geniestreich muß sich die NSA ja nur noch in die venezolanischen Zeitserver einhacken und die Uhren dort auf Mitternacht stellen. Denn nach dieser konsequenten Weiterentwicklung marxistisch-leninistischen Denkens zum zeitgesteuerten Sozialismus dürfte die venezolanische Wirtschaft dann eigentlich binnen Tagen krachend zusammenbrechen. Und Chavez müßte hoffen, nicht von den empörten Landsleuten an der nächsten Kirchturmuhr aufgeknüpft zu werden. Das kommt eben davon, wenn man selber nicht mehr richtig tickt und zur eigenen Kalibrierung den Kopf in eine laufende Standuhr steckt, nur weil man meint, der eigene Dickschädel sei stärker als ein gußeisernes Pendel.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Die (Presse)freiheit, die sie meinen

Wieso mußte ich gerade an Oskar aus der ideologischen Mülltonne denken? Obwohl, wahrscheinlich bringt der sogar noch seine eigenen Aufkleber mit. Falls er sie nicht ohnehin schon auf Parteikosten drucken und Hugo dann im Rahmen der internationalen Solidarität als sozialistische Bruderhilfe zukommen läßt...

Freitag, 20. Juli 2007

Welcome to the Blogosphere!

Wenn man sich dieser Tage für George W. Bush einsetzt, ist das sicherlich nicht gerade ein geeignetes Mittel, um damit Beliebtheitswettbewerbe zu gewinnen. Immerhin handelt es sich hier um den wohl meistgehaßten Mann der Welt.

Selbst viele seiner ehemaligen Mitstreiter haben sich inzwischen aus taktischen Erwägungen (man könnte auch sagen Opportunismus) von ihm abgesetzt, um nicht von seinen sinkenden Popularitätswerten in den Keller gezogen zu werden.

Umso mutiger ist es, wenn jemand gerade jetzt ein neues Blog startet und dieses nicht nur "Loyal Bushie" nennt, sondern als Blog-Motto auch noch folgendes so tapfere wie selbstzerstörerische Zitat des US-Senators Bill Frist nimmt:

It's easy to stand by a guy when he has 65 percent approval rating - I'll stay with him now too.

Meine Sympathien hat dieses Blog jedenfalls schon jetzt.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Hiroshima an der Copacabana?

Brasilien setzt voll auf Kernenergie: Sein Land wolle den kompletten Atomkreislauf samt Urananreicherung beherrschen, kündigte Präsident Lula da Silva an. Nur nach Atomwaffen strebe Brasilien nicht. Genauso argumentiert Irans Präsident Ahmadinedschad auch.

Und das ist ja fast dasselbe. Denn wie jeder SPIEGEL-Leser weiß, handelt es sich bei Lula um einen fanatischen Armageddonjünger, der davon träumt, nach seinem Märtyrertod 72 Nonnen zu poppen, und der vor der UNO auch schon mal die eine oder andere Lichtvision zugibt. Auch handelt es sich bei Brasilien bekanntlich um einen brutalen Gottesstaat, wo die Machthaber nicht vom Volk gewählt, sondern von einer kleinen Elite aus Generälen und Kardinälen bestimmt werden.

Zusätzlich kompliziert wird die Lage durch die grundsätzliche Weigerung Brasiliens, das benachbarte Argentinien anzuerkennen und dessen Bewohnern das Recht auf einen eigenen Staat zuzugestehen. Statt dessen wird Buenos Aires als heilige Erde des brasilianischen Kulturkreises angesehen und den Argentiniern empfohlen, zurück in ihre Herkunftsländer zu gehen, wo sie sich, wenn sie denn unbedingt einen eigenen Staat haben wollen, ja einen in Spanien, Italien oder Deutschland gründen können.

Zusammen mit dem Dauerkonflikt zwischen der rechtgläubigen, spanischsprechenden Mehrheit Lateinamerikas und der bei ihnen als Verräter am Glauben verschrieenen portugiesischsprechenden Minderheit, die gleichzeitig versucht, die Hegemonie über die gesamte Region zu erlangen, droht hier ein radioaktives Pulverfaß, daß sich genauso schrecklich entladen kann wie bei den zahlreichen Nuklearkriegen der 90er-Jahre zwischen den diversen Atommächten Westeuropas.

Berücksichtigt man dann noch die langjährige Unterstützung Brasiliens für die verschiedenen christlichen Terrororganisationen und die daraus resultierende Gefahr von Massenvernichtungswaffen in den Händen der Jesuiten oder gar des Opus Dei, dann kann man dem SPIEGEL nur dankbar sein, daß er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerade noch rechtzeitig von peripheren Gefahrenherden wie Nordkorea oder dem Iran auf die wahre Bedrohung unserer Welt gelenkt hat - die Sambabombe.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Im Dienste des dreckigen Dutzend

Mist, nun ist's also doch rausgekommen! Nur wenige Wochen, nachdem ein ausgebuffter Investigativjournalist herausgefunden hat, daß ich - neben einigen anderen Bloggern - auf der Gehaltsliste der CIA stehe, enthüllte jetzt ein nicht minder begabter Kollege, daß ich meinen imperialen Judaslohn noch durch Werbung für ähnlich sinistre Adressen aus der freien Wirtschaft aufbessere, in diesem Fall für McDonalds.

Aber sei's drum, wenn's dann eh jeder weiß, kann ich auch gleich mit offenen Karten spielen. Ich gebe also hiermit zu, neben meiner Haupttätigkeit - der Unterwanderung traditioneller doitscher Werte durch die Verbreitung amerikanischer Teufeleien wie Demokratie, Kapitalismus und Individualismus - für gleich eine ganze Reihe von Firmen zu werben, die im Sold des US-Imperialismus stehen. Um genau zu sein, sind es deren zwölf:

Ernährung

Da ich als Wessie jetzt nicht so auf Bananen stehe, kann ich zwar nicht mit Produkten der United Fruit Company dienen, aber um eine schmackhafte Mahlzeit zusammenzustellen, liefern uns die USA ja andere ausreichend verhaßte Alternativen:

Mein Lieblingsburger - der Whopper von Burger King (natürlich in der doppelten Variante mit Bacon und Cheese, damit man dafür, daß man sich so einsaut, wenigstens anständig was in den Bauch kriegt)***

*** Es ist übrigens ein Ammenmärchen, daß eine einmonatige Burgerdiät ungesund wäre, da ich diesbezüglich schon einen erfolgreichen Selbstversuch unternommen habe, als Morgan Spurlock noch in die Schule ging. Und es hat mir nicht geschadet!

Meine Lieblingssättigungsbeilage - die Pommes Frites von McDonalds (das, meine lieben Kiezgastronomen, sind Fritten, nicht der Schlabberkram, den Ihr den Menschen aufzwingen wollt, obwohl sich die meisten von Euch bei Nacht und Nebel selber heimlich in den Mc schleichen dürften)

Mein Lieblingsgeflügel - die Hot Wings von KFC (wenn man sich an dem knusprigen, scharfen Teig nicht die Haut aufscheuern würde, würde ich mich da vermutlich auch noch reinlegen)

Meine Lieblingspizza - die Cheesy Crust Pizza von Pizza Hut (ok, man sollte schon wirklich Hunger haben, aber bei diesem Prachtstück macht der Spruch "Käse schließt den Magen" dann auch wirklich Sinn)

Mein Lieblingssandwich - das Footlong Sandwich von Subway (es ist immer wieder beeindruckend, was diese Kolonisten aus der Neuen Welt auf einem simplen kontinentalen Baguette alles so an eßbarem unterbringen können)

Doch was wäre ein gutes Essen ohne ein erfrischendes und perfekt auf das Menü abgestimmtes Getränk, wo alleine schon der Klang des Namens für genügend Protestpotential unter unseren deutschen Möchtegernsandalistas bürgt:

Mein Lieblingsgetränk - die Classic Coke von Coca-Cola (das einzige, was man zu jedem Essen trinken kann, ohne das Gefühl zu haben, daß einem was fehlt)

Unterhaltung

Wenn man auf diese Weise erst mal hinreichend gesättigt ist und sich ins Freizeitvergnügen stürzen will, reicht einem Amerika auch hier eine so hilfreiche wie phantasievolle Hand:

Meine Lieblingsmaus - die Mickey Mouse von Walt Disney (allen Umerziehungsbemühungen der 68er-Generation zum Trotz immer noch der ultimative Kindertraum, weswegen mich das Kind im Manne dieses Jahr auch ins Disneyland führen wird)

Meine Lieblingsmarionetten - Team America von United International Pictures (sozusagen die  imperialistische Ausgabe der Augsburger Puppenkiste - da fällt mir ein, daß ich mir unbedingt noch die DVD kaufen muß)

Mein Lieblingsmusikabspielgerät - der iPod von Apple (die können vielleicht keine konkurrenzfähigen Computer bauen, ;-) aber bei MP3-Playern macht Steve Jobs einfach keiner was vor)

Nützliches

Das Leben besteht natürlich nicht nur aus Vergnügen, aber gerade bei den praktischen Dingen für den Alltag läuft der American way of life erst recht zu großer (und oft auch schöner) Form auf:

Mein Lieblingscomputer - der Personal Computer von IBM (und vor allem seine Zillionen besserer und günstigerer Nachbauten durch die Konkurrenz, ohne die wir beispielsweise das Internet in seiner heutigen Form sicher nicht kennen würden)

Bei der Werbung für die abscheulichen Symbole Amerikas darf natürlich das Automobil nicht fehlen, denn was bringt amerikahassende Alteuropäer mehr in Wallung als spritschluckende Kyotomonster:

Mein Lieblingsdreiliterauto*** - der Chrysler 300M von Cerberus (gegen diesen Designgeniestreich wirken die gesternten, beringten und weißblauen einheimischen Konkurrenten wie überteuerte Schuhkartons auf vier Rädern)

***Ok, es sind nicht exakt 3 Liter, sondern 3,5, und es handelt sich auch nicht um den Verbrauch, sondern den Hubraum, aber wer mag sich angesichts solch geradezu überirdischer Eleganz an derart nebensächlichen Details stören?)

Um sicherzustellen, daß auch der toleranteste Amerikahasser endlich vor Wut platzt, als Schlußpunkt eine militaristische Provokation aus jenem Gebiet, wo die Überlegenheit der USA wohl mehr als auf jedem anderen offensichtlich ist - dem Flugzeugbau:

Mein Lieblingsflugzeug - die F-14 Tomcat von Grumman (auch wenn man sie leider nicht so ohne weiteres im Supermarkt kaufen kann, so ist sie doch der beste Beweis, daß Joseph Beuys recht hatte)***

***An dieser Stelle wollen wir im Sinne der Völkerverständigung darauf hinweisen, das der von den Feinden Amerikas als vergleichsweise friedliebend wahrgenommene iranische Präsident (leider und inzwischen sogar als einziger) auch ein paar davon hat.

Tja, und jetzt warte ich eigentlich nur noch drauf, daß einer der Marketingverantwortlichen der genannten Firmen das hier liest. Ach ja, und bitte in bar und in kleinen Scheinen. Mein Schweizer Nummernkonto ist nämlich schon voll.

P.S.: Aber dopen tu' ich nicht, ehrlich!

Sonntag, 29. April 2007

Hut ab, Vanity Fair!

Es ist Zeit für ein Geständnis: Auch ich habe Vorurteile. Einen DSDS-Hit werde ich mir kaum vorsätzlich anhören. Auch bei moderner Kunst schaue ich lieber in die andere Richtung. Und wenn man mir ein Gericht auf Leberbasis anbietet, werde ich es nicht probieren, selbst wenn man mir noch so oft versichert, daß es "diesmal ganz anders" zubereitet sei. Nicht anders verhält es sich mit Medienerzeugnissen a la Gala oder Vogue, die sich mit Klatsch, Tratsch, Mode, Lifestyle, Kultur und dergleichen Belanglosigkeiten befassen. Um so etwas zu lesen, ist mir die Zeit schlicht und einfach zu schade. Weiberkram halt.

Aus diesem Grunde würde ich auch nie auf die Idee kommen, in eine Zeitschrift wie Vanity Fair reinzuschauen. Die Nachricht, daß dieses Magazin jetzt auch in Deutschland startet, hatte für mich den "Sack Reis in China"-Faktor, und es ist schon verwunderlich genug, daß ich mir die Tatsache als solche überhaupt merken konnte. Zugegeben, ich hatte schon gehört, daß im amerikanischen Original der großartige Christopher Hitchens schreibt, aber für die deutsche Ausgabe war günstigstenfalls mit liberaler Beliebigkeit zu rechnen, sozusagen eine Art STERN für Yuppies. Den Hinweis auf ein Politblog der deutschen Online-Ausgabe von Vanity Fair hatte ich daher zunächst auch als Werbespam abgebucht.

Was mich zu einem weiteren Geständnis zwingt: Ich habe mich geirrt. Und ich möchte mich bei den Machern von Vanity Fair in aller Form für diesen Irrtum entschuldigen. Denn nachdem ich über meinen Schatten gesprungen bin und mir das besagte Blog dann doch einmal angeschaut habe, muß ich mein (Vor)Urteil revidieren: Die bisherigen dort veröffentlichten Artikel des Autors Jost Kaiser sind nicht nur nicht schlecht, sie sind im Gegenteil ausgesprochen intelligent, witzig und gut geschrieben. Vor allem aber hat der Autor recht. So sehr, daß man angesichts der im besten Sinne unpopulären Positionierung zwischen "neocon" und "liberal hawk" kaum glauben mag, hier wirklich ein deutsches Medienerzeugnis vor sich zu sehen.

Ok, auch andere Zeitschriften kritisieren immer wieder mal mit vereinzelten Alibiartikeln den inzwischen ja komplett in die paranoide Hysterie abgedrifteten deutschen Antiamerikanismus, und sei es nur, um im nachhinein behaupten zu können, ja schon immer dagegen gewesen zu sein. Aber sich beim Eintritt in einen neuen Markt klar und eindeutig für eine absolute Minderheitenposition zu entscheiden, die von allen Seiten unter Feuer kommen wird, ist schon verdammt mutig, vor allem, wenn man sich vor Augen führt, wie selbst die Leitwölfe der Mainstreammedien vor den Ressentiments der eigenen Lesern einknicken. Bei Vanity Fair Online werden die Leser hingegen schon nach wenigen Tagen im Artikel "German Angst" rabiat gegen den Strich gebürstet:

Das größte Wunder jedoch ist, dass in Deutschland das ritualisierte Bush-Bashing immer noch als edelste und intelligenteste Form der Kriitk verstanden wird, obwohl man doch längst sagen muss: etwas Konformeres und Angepaßteres und etwas, das noch weniger mutig wäre, ist in Deutschland nicht vorstellbar, wenn man denn Meinungen nach diesen Kriterien bewerten würde.

Damit nicht genug, wirft sich der Blogautor für den verhaßten ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan in die Bresche, der bis zum Auftauchen George W. Bushs für die Linke ja bekanntlich die Rolle des Weltenbuhmanns Nr. 1 erfüllt hatte, und das auch noch auf einem in Deutschland durch politische Korrektheit extrem stark verminten Gebiet, dem Humor. Anläßlich von John McCains heftig kritisierter Beach-Boys-Performance ruft er uns zu diesem Zweck ausgerechnet Ronnies legendäre Mikrofonprobe in Erinnerung, über die ich schon vor mehr als 20 Jahren herzhaft gelacht habe, womit ich damals aber - vermutlich weil ich meine Diskussionspartner nicht vorher in den Keller geführt habe - nur auf grobes Unverständnis gestoßen bin.

Um auch ja noch die potentiellen Kunden auf der Rechten zu vergraulen, hatte Kaiser eine Woche vorher bereits den ultimativen Kommentar zu Oettingers politischer Selbstversenkung abgegeben:

Nicht alle agierten im Widerstand gegen Hitler so unklug wie die "Weiße Rose" oder Georg Elser

Zum Beispiel Hans Filbinger, der durch subversivste Überanpassung rebellierte.

Wer auch Widerstandskämpfer war, aber leider nicht mit einer Trauerrede von Günther Oettinger gewürdigt werden konnte:

Albert Speer
Leni Riefenstahl
Kurt-Georg Kiesinger
Hans Globke
Herrman-Josef Abs
Werner Höfer
Arno Breker
Herrmann Gehlen
Martin Heidegger
Josef Neckermann

Es läuft eben doch auf den Satz von Wiglaf Droste hinaus, der schon vor Jahren die Frage stellte: War auch Hitler letztlich Antifaschist?

Nach diesem erstaunlichen Traumstart bleibt nur zu hoffen, daß Niveau und Ausrichtung des Politikblogs erhalten bleiben, die Veröffentlichungsfrequenz noch ein wenig erhöht wird, und Vanity Fair Deutschland genügend Erfolg hat, um dort keine überflüssigen Kurskorrekturen vornehmen zu müssen. Um meinen Teil dafür zu tun, werde ich wohl nächste Woche den SPIEGEL mal zu Hause lassen und mir aus Solidarität lieber die Printausgabe des Lifestyle-Magazins kaufen. Und selbst wenn mich das Heft entäuschen sollte, das Blog hat jedenfalls schon mal einen Stammleser gewonnen.

Freitag, 16. März 2007

"Behaltet euer Luxusauto"

Auch Du, Arnie? Da konnte man Dich fast schon ein wenig lieb gewinnen, weil Du Dich als Gouvernator in Kalifornien ganz respektabel geschlagen und so alle Leute Lügen gestraft hast, die Dich im wesentlichen als einen tumben, reaktionären Berg anabolikaversuchter Muskeln gesehen hatten. Und jetzt sowas! Kaum nimmt Dich der SPIEGEL auf der Suche nach Überläufern des Bush-Lagers für voll und gewährt Dir ein Interview, bricht der alte Europäer aus Dir heraus und Du plapperst all den Unsinn nach, den die Massenmedien Dir vorkauen. Bei allem Verständnis für die Jagd nach Wählerstimmen, aber mußte das sein?

SPIEGEL: Befinden sich die USA schon in einer Nach-Bush-Ära, in der eine klare ideologische Linie nicht mehr als Tugend, sondern als Problem angesehen wird?

Schwarzenegger: Ich weiß nicht, ob diese Frage Bush richtig beschreibt. Als er noch Gouverneur von Texas war, betrieb er Politik in einer sehr überparteilichen Form. Ich weiß nicht, warum dann in Washington alles anders geworden ist. Offenbar verändert Washington die Politiker.

Mitunter zu ihrem Vorteil, wie wir hier sehen. Vorher war Bush nur ein Traditionskonservativer, den Außenpolitik nicht mal sonderlich interessierte und der vermutlich eher fragwürdige Ansichten zum ehrenwerten humanitären Imperialismus vieler Demokraten hatte. Jetzt ist er derjenige, der als erster Präsident den auf diesen Ideen aufbauenden NeoCons wenigstens zeitweise zu Macht und Einfluß verholfen und so zwei der übelsten Terrorregime beseitigt hat, die diesen Planeten mit ihrer widerwärtigen Existenz beschmutzen. Offenbar verändert aber nicht nur Washington die Politiker, sondern auch Kalifornien. Sonst würde Du nicht aus purem Opportunismus in Bushbashing machen und Deinem eigenen Präsidenten in den Rücken fallen. Was bei einer östereichischen Eiche schon recht schmerzhaft sein kann.

SPIEGEL: Als Sie vor kurzem dort waren, haben Sie Präsident Bush ziemlich heftig angegriffen. Sie haben gesagt, er solle mehr Kompromisse machen und Gespräche mit den Demokraten führen.

Schwarzenegger: Ich habe ihn nicht angegriffen. Ich habe ihm ein paar Vorschläge unterbreitet. Es ist doch klar, dass wir zusammenarbeiten müssen, um einen vernünftigen Job zu machen. Was dem Land richtig schadet, ist die Art und Weise, wie in Washington zurzeit regiert wird.

Warum müssen eigentlich Provinzpolitiker ihr Profil immer an den eigenen Leuten in der Zentralregierung schärfen? Glaubst Du wirklich diese Art von peinlicher Illoyalität kommt bei den eigenen Leuten gut an? Und was sollen erst die Terroristen daraus schließen? Nur ohne Rücksicht auf Verluste munter weitermorden, dann wird irgendwann sogar der Terminator zum Defaitisten?

SPIEGEL: Sie gehörten zu den Befürwortern des Irak-Krieges. Jetzt treten Sie für einen graduellen Rückzug der Truppen ein. Geben die Vereinigten Staaten mit diesem Rückzug nicht auch ihren Einfluss in der Region auf?

Schwarzenegger: Jeder muss seine Positionen ändern, wenn sich die Dinge verändern. Ich hatte andere Informationen als der Präsident. Ich erfahre nur das, was aus Washington und von den Medien verbreitet wird. Damals schien klar, dass der Irak ein Hort des Terrorismus sein musste. Saddam Husseins Regime war eine Diktatur, die viele Menschen das Leben gekostet hatte. Das war eine gute Begründung für den Einmarsch, erst recht nach dem 11. September.

Und, was hat sich daran jetzt geändert? War Saddam Husseins Regime im nachhinein plötzlich doch keine Diktatur mehr? Hat es vielleicht weniger Menschen das Leben gekostet als alle Terroristen zusammen? Oder hat einfach nur Dein PR-Berater aus seinen Umfragedaten herausgelesen, daß die Menschen von Moral die Schnauze voll haben und lieber wieder eiskalte Realpolitik wollen?

SPIEGEL: Nun haben Sie aber ein Ende des Krieges gefordert.

Schwarzenegger: Richtig. Vier Jahre später müssen wir uns fragen, ob der Irak ein zweites Vietnam wird, und ich will kein zweites Vietnam.

Arnie, keiner will ein zweites Vietnam. Und es wird auch kein zweites Vietnam geben. In Vietnam gab es hunderttausende von feindlichen Kämpfern, die zudem direkt von zwei Supermächten unterstützt wurden. In Vietnam wurde der Krieg auch von der eigenen Seite mit fragwürdigen Methoden geführt, was wiederum zu hunderttausenden unnötiger Opfer führte. In Vietnam gab es nie eine demokratisch legitimierte Regierung, die eine wenigstens begrenzte Loyalität ihrer Bürger hätte erwarten können. In Vietnam gab es keine Aussicht auf eine akzeptable wirtschaftliche Zukunftsperspektive jenseits des alltäglichen Elends. Und in Vietnam sollte das im Irak bereits gestürzte Terrorregime die Macht erst noch übernehmen und konnte somit noch keine Schädelberge zur Abschreckung produzieren (das kam hier erst danach, inkl. der damit verbundenen "boat people").

Ich glaube, wir haben der irakischen Regierung lange genug geholfen. Wir haben ihre Soldaten ausgebildet. Wir haben alles getan, was wir tun konnten, und jetzt lasst uns über den Zeitpunkt für einen Rückzug reden.

Was den Zeitpunkt angeht, warum so verschämt herumdrucksen? Warum nicht offen sagen "Liebe Terroristen, haltet durch bis zum Tag X, der ist dann und dann, und danach dürft ihr mit den Irakern gerne machen was Ihr wollt, so wie damals nach dem Krieg von 1991, als wir sie schon einmal im Stich gelassen haben und damit einen Grundstein für unseren zweifelhaften Ruf in der Region gelegt haben!" Ok, das klingt jetzt vielleicht nicht so schön, aber es wäre wenigstens ehrlich.

SPIEGEL: Haben Sie einen speziellen Termin im Kopf wie die Demokraten, die den Abzug aus dem Irak bis spätestens Ende August 2008 verlangen?

Schwarzenegger: Ich habe diesen Punkt im Weißen Haus angesprochen und erfahren, dass es einen konkreten Plan gibt, aber dass man darüber nicht sprechen könne, um ihn nicht zu verraten. Dieser Krieg muss ein Ende haben. Er kostet ein Vermögen, und er kostet zu viele Leben.

Wenn es wirklich einen konkreten derartigen Plan geben sollte, sollte man nicht nur nicht verraten, worin er besteht, sondern auch nicht, daß es ihn überhaupt gibt. Für jemanden, der in Filmen wie "True Lies" selbst den finstersten Bösewichtern trotz des Einsatzes von Wahrheitsdrogen kein Geheimnis verrät, sollte das eigentlich so schwer nicht zu verstehen sein. Zumindest wenn man das Drehbuch nicht nur auswendig gelernt, sondern auch verstanden hat. Also Arnie, Du darfst gerne den Republikanern ein liberaleres Flair verleihen, das kann ihnen nicht schaden, und wegen mir sollst Du auch gerne Umweltminister unter McCain werden. Aber sei so gut und laß die Finger von der Außenpolitik und jeglichen Fragen der nationalen Sicherheit. Ein Patrouillenboot der Donauflottille ist kein Flugzeugträger.

Und jetzt die Werbung...

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