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11 Artikel der Kategorie "Person: Tony Blair"

Montag, 02. Juli 2007

Vier Tage

Ich war mir ja sicher, daß auch der SPIEGEL irgendwann anfangen würde, dem ohne Not vorschnell davongejagten britischen Premierminister nachzutrauern, aber daß es so schnell gehen würde, überrascht angesichts der monatelangen Bemühungen, Blair niederzuschreiben und gleichzeitig Gordon Brown zum Retter Albions hochzustilisieren, dann doch:

Gestern - das Selbstmord-Attentat auf den Glasgower Flughafen war gerade fehlgeschlagen - musste die Innenministerin Alarmstufe eins auslösen. Seither gilt ein weiterer Anschlag auf der Insel als "unmittelbar bevorstehend". Zuletzt war dies im vergangenen August der Fall, als die Behörden offenbar geplante Anschläge auf transatlantische Jets vereitelten.

Damals war Tony Blair Premierminister, wie am 11. September 2001, wie am 7. Juli 2005, als vier Selbstmord-Attentäter in der Londoner U-Bahn und einem Bus 52 Menschen in den Tod rissen und Hunderte verletzten. Stets fand Blair die richtigen Worte, vermittelte Zuversicht, Entschlusskraft, strategische Kontrolle und kommunizierte damit demokratische Politik.

Sein Nachfolger Brown hat eine tiefere Stimme, wirkt von Natur aus scheu, dunkel, pessimistisch. Dafür kann er nichts. Sein Auftritt am gestrigen Abend, übertragen aus dem Regierungssitz an der Downing Street, aber war ein PR-Lehrstück zum Thema "Wie man es nicht macht".

[...] Anstatt als Krisenmanager die aufgeschreckten Bürger zu beruhigen, jagte der Premier ihnen Angst ein. "Ich weiß, das britische Volk wird zusammenstehen, einig, entschlossen und stark." Brown selbst wirkte hölzern, unentschlossen, ängstlich.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Tony Blair: Ein großer europäischer Staatsmann tritt ab

Was für ein Scheißtag. Vielleicht sollte ich mich heute mal aus Frust besaufen, wenn der Anstand es mir schon verbietet, Gordon Brown die Krätze an den Hals zu wünschen. Wenigstens vermag mich Mathias Döpfners angemessene Würdigung von Blairs historischen Verdiensten in der WELT ein bißchen zu trösten. Na ja, sagen wir ein klitzekleines bißchen. Aber immerhin:

[...] es ist die Botschaft von Tony Blair, der an seinem Programm mehr zu hängen scheint als an seinem Amt.

Ist es das, was ihn beim Mittagessen so selbstbewusst, so sicher in die Zukunft fragen lässt? Oder ist es die Ahnung, dass das öffentliche Urteil des Augenblicks nicht das letzte Wort haben wird?

In jedem Fall spricht hier einer, der noch etwas vorhat. Und den die Geschichte – in einigem Abstand zu den Erregungen des Tages – ganz anders beurteilen könnte als die Gegenwart.

Tony Blair gehört zu den großen Staatsmännern, die Europa seit Kriegsende hervorgebracht hat.

Döpfner nutzt dabei die Gelegenheit, um ein weitverbreitetes Vorurteil hinsichtlich des Verhältnisses von Blair zu Bush aus der Welt zu räumen:

[...] Schon 1997 vertraute er dem Führer der britischen Liberaldemokraten, Paddy Ashdown, an: „Ich habe jetzt einiges über den Irak gesehen. Wirklich furchterregend. Wir können ihn (Saddam Hussein) nicht davonkommen lassen. Die Welt denkt, er spiele nur mit uns. Aber nein, es ist tödlicher Ernst.“ (Nachzulesen in „The Ashdown Diaries“ vom 15. November 1997.) Blair zum Pudel Bushs zu machen, obwohl der amerikanische Präsident dieses Thema erst ein halbes Jahrzehnt später entdeckte, ist angesichts der Chronologie und der Dimension des Falles lächerlich.

Liest man dann die folgenden Zeilen, dann schämt man sich für das drittklassige Personal, das wir dagegen - in Regierung wie Opposition! - aufzubieten haben.

[...] Blair ist, bei aller Biegsamkeit im Tagespragmatischen, ein Mann der Grundsätze. Insofern verkörpert er genau das, was wir von unseren Politikern immer fordern: gelassene Überzeugtheit und den Mut, seine Überzeugungen auch gegen Stimmungen in der eigenen Partei durchzusetzen. Blair hat das wiederholt getan.

[...] Auf die beim Mittagessen gestellte Frage, ob er bei seiner Positionierung in Sachen Irak und Islamismus vor vielen Jahren geahnt habe, dass ihn das eines Tages seine Macht kosten könnte, antwortet er entwaffnend. Um den Erhalt des Amtes willen eine vermurkste Gesundheitsreform durchwinken, das könne auch ihm passieren, aber es gebe eben Fragen, die seien so wichtig, da dürfe es nur um richtig oder falsch gehen und nicht um die Angst vor dem Machtverlust.

[...] Der heitere Moralist geht in dem Bewusstsein, bei allen Fehlern im Kern das Richtige getan zu haben.

Einer wie Blair wird in Europa noch gebraucht werden.

Traurige, aber wahre Worte.

Donnerstag, 31. Mai 2007

Vive la France!

The single best symbol of the change in France is the appointment of Bernard Kouchner to the post of foreign minister. Had the Socialist Party won the election, it is highly unlikely that such a distinguished socialist would ever have been allowed through the doors of the Quai d'Orsay. (Yes, comrades, history actually is dialectical and paradoxical.) In the present climate of the United States, a man like Kouchner would be regarded as a neoconservative.

Obwohl sich mit Andre Glucksmann ja bereits einer der klügsten Köpfe Europas für Sarkozy als französischen Präsidenten ausgesprochen hatte, vermochte ich nach all den schlechten Erfahrungen mit den düsteren Chirac-Jahren bisher nicht so recht in die auch in liberalen Kreisen vorhandene Begeisterung für einen anderen Gaullisten einstimmen.

Doch so wie es aussieht, scheint sich bei unserem Nachbarn tatsächlich ein außenpolitischer Kurswechsel anzudeuten, der mich tatsächlich dazu veranlassen könnte, die "Freedom Fries" in meinem persönlichen Sprachgebrauch wieder in "Pommes Frites" umzubenennen. Alleine der Coup mit der Besetzung des Außenministeriums ist ein genialer Schachzug.

Auch wenn man natürlich abwarten muß, was am Ende wirklich vom anfänglichen Enthusiamus übrig bleibt, so läßt dies doch wie auch manche Äußerung von Sarkozy selbst zumindest hoffen. Und wer weiß, vielleicht kommt nach dem Ausscheiden von Bush, Wolfowitz & Co. die Revolution am Ende zur Abwechslung mal wieder aus Frankreich statt Amerika.

Die lustige Vorstellung, daß eine Präsidentin Clinton gerade von Chirac's Nachfolger zum Jagen getragen werden könnte, ist jedenfalls die Gefahr einer Enttäuschung durchaus wert. Und auf die Briten kann man diesbezüglich ja leider nicht mehr bauen. Denn die müssen einen Giganten wie Tony Blair ersetzen, und haben dafür nur einen Gordon Brown.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Blairs Rücktritt: Die Tony-Show ist vorbei

Er hat gravierende Fehler gemacht, er ist einer der umstrittensten Politiker seiner Generation - aber auch einer der erfolgreichsten. Heute verkündet Tony Blair seinen Rücktritt, genau zehn Jahre nach seinem Erdrutschsieg.

Auch wenn Tony Blair wie jeder andere Politiker sicher auch Fehler gemacht hat, so doch bei weitem nicht so viele und fatale wie seine kontinentaleuropäischen Amtskollegen. Den einzigen wirklich schweren Fehler macht er heute, und zwar indem er seinen Rücktritt verkündet. Aber die eigentliche Schuld daran haben jene, die ihn zu diesem völlig überflüssigen Schritt gezwungen haben.

Wohl selten hat ein Land einen der erfolgreichsten Regierungschefs seiner Geschichte ohne konkreten Grund und aus purer Langeweile zugunsten eines blassen Nachfolgers aus dem Amt gedrängt. Daß einem da auf Anhieb vor allem Winston Churchill einfällt, der kurz vor dem Sieg über Japan abgewählt wurde, ist immerhin eine Parallele, die des größten Nachkriegspremiers Großbritanniens würdig ist.

Und wer weiß, vielleicht wird er wie Churchill 1951 in ein paar Jahren wieder erneut gerufen, weil die Wähler endlich gemerkt haben, was sie an ihm verloren haben. Falls er dann überhaupt noch Lust hat und inzwischen nicht gerade als UNO-Generalsekretär verhindert ist. Aber selbst wenn nicht: Jimi Hendrix ist auch deshalb eine Legende, weil er heute keine Platten mehr macht. ;-)

In jedem Fall aber schon mal jetzt: Thank you, Tony!

Donnerstag, 11. Januar 2007

"Koalition der Willigen": Unterstützung für USA dramatisch geschrumpft

Die multinationale Truppe im Irak ist seit Beginn der US-geführten Intervention vor fast vier Jahren erheblich geschrumpft. Unmittelbar nach Kriegsbeginn im März 2003 hatten sich 38 Nationen mit rund 300.000 Soldaten an der "Operation Iraqi Freedom" gegen das Saddam- Regime beteiligt. Inzwischen zählt die Staatenallianz nach Angaben des unabhängigen Informationsdienstes "Global Security" aber nur mehr 23 Mitglieder, die im Irak annähernd 157.500 Mann unter Waffen halten.

Wie, 38 Nationen? Ich dachte, das wäre damals eine unilaterale Aktion der USA gewesen, unterstützt höchstens noch von Bushs Pudel Blair? Und jetzt erfahren wir plötzlich, daß der Sturz Saddams im Prinzip nicht weniger multilateral gewesen ist als die Versuche der "Achse des Friedens" selbigen zu verhindern? Na, da wird uns der SPIEGEL aber einiges zu erklären haben. Weswegen wir ihn auch nicht noch zusätzlich mit so komplexen Fragen wie der, woran es nur liegen könnte, daß 4 Jahre nach dem Kampf gegen die irakische Armee nur noch halb so viele Soldaten benötigt werden, überfordern wollen.

Donnerstag, 14. September 2006

Politiker-Schelte: Blair bezichtigt europäische Kollegen des Anti-Amerikanismus

SPIEGEL online

Großbritanniens Regierungschef Blair teilt kräftig aus. In einem umfassenden Dokument wirft er europäischen Politikern extremen Anti-Amerikanismus vor. Die Haltung einiger Kollegen bezeichnete er gar als "Wahnsinn".

Da wird einem Angst und Bange. Nicht daß Blair sowas sagt (da hat er schließlich völlig recht), sondern daß die Briten einen brillianten Kopf wie ihn, der Wahrheiten wie diese nicht nur erkennt, sondern sie auch auszusprechen wagt, scheinbar wirklich loswerden wollen. Statt sich fünfmal am Tag gen London auf den Boden zu werfen und ihn anzuflehen, daß er sich das mit dem Rücktritt doch bitte noch einmal überlegen soll, sind die Wähler seiner offenkundig aus purer Langeweile überdrüssig, und die eigene Partei demontiert ihn in ihrem Selbstzerstörungstrieb ohne Not selbst.

Dies ist umso tragischer, wenn man einen Titanen wie Blair, der nicht nur das Erbe der konservativen Revolution der 70er-Jahre - sozusagen als "Maggie Thatcher mit menschlichem Antlitz" - klug verwaltet hat, statt es in üblicher sozialistischer Tradition einfach zu verschleudern, sondern der auch den weitsichtigen Realismus eines Winston Churchill mit der humanistischen Vision eines Vaclav Havel verbindet, neben die politischen Zwerge von Chirac über Kaczynski, Merkel und Prodi bis hin zu Zapatero stellt, die die Regierungssitze des restlichen Europa sonst so bevölkern.

Bleibt nur zu hoffen, daß er Gnade vor Recht ergehen läßt und am Ende doch wieder antritt, statt grundlos den Stab an ein Leichtgewicht wie Gordon Brown weiterzureichen, nur damit der ihn dann fallen läßt. Blair ist ja noch relativ jung und hätte, wenn man den alten Adenauer als Maßstab nimmt, durchaus noch die eine oder andere Amtszeit vor sich. Also eher "four more terms" statt "four more years". Klingt unrealistisch? Mag sein. Aber man wird ja noch mal träumen dürfen... Und bis dahin trösten wir uns eben mit seiner legendären Rede vor dem US-Kongreß.

Freitag, 26. Mai 2006

Kampf um Demokratisierung: Bush und Blair geben Fehler im Irak zu

SPIEGEL online

George W. Bush und Tony Blair haben Fehler bei der Irak-Politik eingeräumt. Am schlimmsten seien die Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghureib gewesen, gab der US-Präsident bei einem Besuch des britischen Premierministers zu.

Äh, Du, SPIEGEL, Du muß jetzt ganz stark sein, aber das hat Bush schon zugegeben, als die ganze Sache rauskam, was nun doch schon den einen oder anderen Tag her ist. Und rausgekommen ist sie nicht, weil Deine tollen investigativen Journalisten so 'nen klasse Job gemacht haben, sondern weil das US-Militär selbst wegen der Verbrechen in Abu Ghureib ermittelt hat.

Beide Politiker verteidigten jedoch die Entscheidung zum Sturz von Saddam Hussein.

Nein, so eine Überraschung aber auch! Wo doch gewisse Nachrichtenmagazine seit Jahr und Tag darauf warten, daß der Sturz Saddam Husseins endlich auch von diesen beiden Herren als Fehler angesehen wird, so daß sie mit ihrer peinlichen Unterstützung des irakischen Diktators nicht mehr alleine stehen. Und nun sowas! Klappt also wieder nicht, wegen der Verbrechen Saddam Husseins zur Ablenkung auf Bush und Blair zu zeigen, um zu verhindern, daß jemand dumme Fragen nach der eigenen Rolle in der ganzen Angelegenheit stellt. So ein Ärger aber auch!

[…] Bush gab außerdem zu, er habe sich in der Vergangenheit bei Äußerungen im Zusammenhang mit dem Irak wiederholt im Ton vergriffen. Der Präsident bezog sich unter anderem auf Aussagen über das Vorgehen gegen Aufständische. "Ich habe meine Lektion darüber gelernt, wie ich mich etwas vornehmer ausdrücke", sagte Bush nach dem Treffen mit Blair. "'Wanted, dead or alive' - diese Art Äußerungen - ich denke, in bestimmten Teilen der Welt wurde dies falsch verstanden."

Wenn man dem SPIEGEL Glauben schenken darf, so ist der amerikanische Präsident die Hälfte bis zwei Drittel seiner Amtszeit damit beschäftigt, irgendetwas zuzugeben. Wobei hier anzumerken ist, daß ich in diesem konkreten Fall von Bush tatsächlich ein wenig enttäuscht bin. Gerade die saftigen und oft urkomischen Sprüche hoben ihn und mehr noch seinen Verteidigungsminister bisher so wohltuend von all dem langweiligen Diplomatensprech ab. Schade, daß er sich da jetzt unnötigerweise zusammenreißen will, nur um Leute zufriedenzustellen, die ihn deswegen trotzdem kein Stück weniger hassen werden.

Denn bei den "bestimmten Teilen" handelt es sich eben nicht in erster Linie um die islamische Welt (gerade Araber mit ihrer noch um einiges drastischeren Sprache dürften über die vergleichsweise harmlose Rhetorik des US-Präsidenten nur müde lächeln), sondern um das alte Europa, und das zählt nun wirklich nicht. Den deutschen Humor wollen wir sowieso gnädigerweise mit einem Mantel des Schweigens bedecken, und nur weil dieser Schnösel Chirac beim Festmahl mit seinen afrikanischen Diktatorenfreunden niveauvoll zu parlieren versteht, heißt das noch lange nicht, daß man darauf Rücksicht nehmen muß.

[…] Auch Blair gab Fehler im Irak zu. Die Anstrengungen, Gefolgsleute des irakischen Präsidenten Saddam Hussein aus der irakischen Armee zu entfernen, seien nicht ausreichend gewesen.

Wohlgemerkt, nicht ausreichend! Da werden einige Leute von der "Wären wir den Saddam-Anhängern doch nur weiter entgegengekommen"-Fraktion gehörig ins Schwitzen kommen. Wenn das zugeben bedeutet, dann kann Blair das gern öfter machen. Und sei es nur, um die sich in einigen Blogs als Kommentatoren oder gar deren Betreiber tummelnden Befürworter einer undemokratischen Bevorzugung der sunnitischen Ba'ath-Nomenklatura gegenüber der schiitisch-kurdischen Mehrheit zu ärgern.

Es sei leicht, über die Fehler zu sprechen, die gemacht worden seien, sagte der Premierminister. "Aber der Hauptgrund, warum der Irak so schwierig ist, ist die Entschlossenheit unserer Gegner, uns zu bezwingen."

Ausnahmsweise mal ein Pluspunkt für den SPIEGEL, daß er diesen Punkt, der von den Irakkriegsgegnern gerne verdrängt wird, unkommentiert abdruckt. Denn wie Blair schon andeutet, kämpfen die Terroristen ums nackte Überleben. Die Islamisten von Casablanca bis Bali und von Khartoum bis Teheran wissen genau, daß wenn sie diese Schlacht verlieren, sie den Krieg nicht mehr gewinnen, sondern die endgültige Niederlage günstigstenfalls noch etwas hinauszögern können, und werfen deshalb verzweifelt alles an die Front, was eine Kalaschnikow oder einen Sprengstoffgürtel tragen kann.

Denn wenn im Irak eine funktionierende arabische Demokratie entsteht, die den Nachweis erbringt, daß der Islam durchaus mit westlichen Werten wie Freiheit und Demokratie vereinbar ist, ist für die örtlichen Despoten Schicht im Schacht. Im besten Fall droht ihnen dann das Exil an der Cote d'Azur, wenn sie Pech haben, baumeln sie aber schon bald an der nächstbesten Laterne. Deswegen unterstützen selbst angeblich westliche Verbündete wie Saudi-Arabien und Pakistan den Widerstand, denn sie wissen genau, daß sie nach einer erfolgreichen Demokratisierung des Irak die nächsten sind.

Kein politischer Führer im Irak wünsche einen raschen Abzug der Koalitionstruppen. "Nicht einer der gewählten politischen Führer der verschiedenen Gruppen will, dass wir jetzt gehen", sagte Blair.

"Keiner" heißt übrigens auch keiner der Sunniten. Dies nur um gewisse Leser aus ihren Träumen von einer "Guerilla" zu reißen, die angeblich mit der Unterstützung des gesamten sunnitischen Dreiecks gegen die flächendeckend verhaßten Besatzer kämpft. Wie es scheint, lassen die sunnitischen Clanchefs allmählich das Wasser aus dem Becken. Schlechte Zeiten für das Überleben von Maos Fischlein im heißen Wüstensand.

[…] Dennoch sei die Entscheidung zum Sturz Saddam Husseins und für die Demokratisierung des Landes richtig gewesen seien, verteidigten Bush und Blair den Irakkrieg.

Und umgekehrt war die Entscheidung gegen den Sturz Saddam Husseins und gegen die Demokratisierung des Landes falsch. So einfach ist das, liebe Irakkriegsgegner.

"Wir haben das Richtige getan", sagte Bush. Die Truppen der Koalition würden so lange im Irak bleiben, bis die irakische Regierung selbst für die Sicherheit des Landes garantieren könne.

Wie kann er nur so gemein sein, dieser texanische Cowboy! Was sollen Sarkawis Kopfabschneider denn noch alles machen, damit sich die Yankees in panischer Flucht davonmachen?

Bush und Blair nannten auf Fragen keinen Zeitplan für den Abzug der Truppen aus den USA, Großbritannien und den anderen Koalitionsländern. Das richte sich nach den Fortschritten im Irak.

Schön das zu hören. Wenn auch nicht gerade für die Terroristen und ihre Fans hier in Westeuropa. Denn das bedeutet nichts anderes, als daß ihr Plan vom erfolgreichen Widerstand autochthoner Völker gegen den zionistisch-kapitalistischen US-Imperialismus und die von der Wall Street gesteuerte Heuschreckenglobalisierung des internationalen Finanzjudentums auf ganzer Linie gescheitert ist. Oder um es etwas weniger freundlich auszudrücken: You suck!

P.S.: Wo wir gerade beim zugeben sind: Heißt das, daß der SPIEGEL, nachdem Bush und Blair ihm so weit entgegengekommen sind, ebenfalls über seinen Schatten springen und Fehler einräumen wird? Also z.B. den, daß man sich, nur um die links-reaktionären Stammleser nicht zu verprellen, unverhohlen für den Machterhalt eines faschistischen Diktators eingesetzt hat? Oder daß man den Verbrechen einzelner amerikanischer Soldaten mehr Raum eingeräumt hat als dem systematischen Massenmord durch Saddam Hussein? Oder daß man das gezielte Abschlachten unschuldiger Zivilisten als "Widerstand" verherrlichte, nur um das T-Wort nicht aussprechen zu müssen? Nein, heißt es nicht? Naja, hätte mich auch gewundert...

Dienstag, 23. Mai 2006

US-Politik: Bush verspricht Wende im Irak

SPIEGEL online

George W. Bush hat zugegeben, dass sich die Lage im Irak nur schrittweise verbessert. Dennoch sieht der US-Präsident das Land nach der Bildung einer neuen Regierung am "Wendepunkt im Kampf zwischen Freiheit und Terrorismus".

Ach SPIEGELchen, fast kannst Du einem ein bißchen leid tun (aber nur fast!). Bush hat das nicht nur seit Jahren immer wieder gesagt, Du hast auch jedesmal selbst darüber berichtet. Jetzt also so zu tun, als ob Bush da irgendwas neues verkündet hätte, zeugt von einem doch arg getrübten Erinnerungsvermögen an das eigene Geschreibsel. Aber wer weiß, vielleicht ist das auch einfach nur ein natürlicher Verdrängungsprozeß, wenn man nicht mehr wissen will, was man früher alles für einen Unsinn von sich gegeben hat.

[…] Blair sagte der neuen irakischen Regierung Unterstützung auf dem weiteren Weg zur Demokratie zu. Auf einen Termin für den Abzug der britischen Soldaten, die gemeinsam mit den Amerikanern den größten Teil der ausländischen Truppen stellen, ließ sich Blair weiterhin nicht festlegen. "Es ist die Gewalt, die uns hier hält", sagte der Premierminister. "Und es ist der Frieden, der uns das Gehen erlaubt."

Und auch hier findet der beste Premierminister seit Winston Churchill wie so oft die richtigen Worte, um die Sache auf den Punkt zu bringen. Vor allem jener ehrenhafte Teil des irakischen "Widerstands", der nach Aussage seiner europäischen Sympathisanten nur aus liebenswerten Musterdemokraten besteht und nichts, aber auch gar nichts mit dem Islamistenpack oder den Ba'ath-Faschisten am Hut hat, und der nur die nationale Würde gegen die Besatzer verteidigen will, sollte jetzt genau zuhören.

Denn wenn es nach der Befreiung des Irak keine Terrorwelle gegeben hätte, wären besagte Besatzer schon längst wieder weg. Sie sind nur geblieben, weil sie die Iraker nicht wieder wie 1991 im Stich lassen wollten. Das heißt, wenn es diesen heldenhaften Kämpfern wirklich Ernst mit der Wiederherstellung der irakischen Souveränität gewesen wäre, hätten sie besser mal die Koalitionstruppen im Kampf gegen Sarkawis Kopfabschneider und Saddams We(h)rwölfe unterstützt. Mal schauen ob sie das wenigstens jetzt begreifen.

Sonntag, 02. Oktober 2005

Labour-Parteitag: Blair bleibt auf strikter Bush-Linie

SPIEGEL online

Außenpolitisch verteidigte Blair einmal mehr seinen Kurs. "Der Tod Unschuldiger kann nicht verhindert werden, indem man sich aus dem Irak zurückzieht und die Menschen religiösen Fanatikern oder Anhängern von Saddam Hussein überlässt, sondern indem man für ihre Rechte kämpft", sagte er. Im Irak zeige sich der internationale Terrorismus "in seiner schärfsten Form". Dort habe er sich "mit jedem reaktionären Element aus dem Nahen Osten verbündet".

Der Parteichef verteidigte ausdrücklich seine Verbundenheit mit US-Präsident George W. Bush beim gemeinsamen Einmarsch in den Irak im März 2003. Großbritannien müsse der stärkste Verbündete der USA bleiben, sagte Blair. "Ich habe niemals daran gezweifelt, dass unser Platz nach dem 11. September 2001 an der Seite Amerikas war, und ich zweifle auch jetzt nicht daran."

Hach ja, der Tony... Die haben's gut, die Engländer. Während wir Deutschen uns zwischen irgendwelchen drittklassigen Schröders und Merkels entscheiden müssen, dürfen die auf ihrer Insel einen echten Blair wählen. Wozu ist man eigentlich Europäer, wenn man sein Kreuzchen dann nicht mal Leuten zukommen lassen kann, die es anders als die außenpolitischen Dilettanten, die unsereiner vorgesetzt bekommt, auch tatsächlich verdient hätten?

Mittwoch, 29. Juni 2005

Jubiläum: Briten feiern Trafalgar mit gigantischer Flottenparade

SPIEGEL online

Die Briten sind ein seltsames Volk. Sie essen freiwillig Dinge, welche nicht mal die fast-food-gestählten Amerikaner den im "größten Gulag unserer Zeit" festgesetzten Terroristen zumuten würden. Sie haben einen Humor, bei dem die meisten Deutschen erst die offizielle Erlaubnis vom zuständigen Beauftragten für politische Korrektheit einholen würden, bevor sie außerhalb ihres Kellers darüber lachen könnten. Sie fahren wesentlich zivilisierter Auto als die Franzosen, und das obwohl sie das Lenkrad auf der falschen Seite einbauen. Sie vergnügen sich mit Spielen wie Bridge, deren umfangreiches Regelwerk nur damit zu erklären ist, daß sich die Kolonialoffiziere des größten Weltreichs der Geschichte in den von ihnen verwalteten Territorien offenbar gehörig gelangweilt haben müssen. Sie machen überhaupt eine ganze Menge anders als der Rest der Welt oder auch nur Europa. Eigentlich gehören sie gar nicht richtig dazu.

Und doch raffen sie sich einmal pro Jahrhundert auf, um sich an die Arbeit zu machen, eben dieses fremde Europa vor sich selbst zu retten, weil es dazu alleine ab einem gewissen Punkt offenbar nicht mehr selber in der Lage ist. Ganz gleich, ob die blitzenden Bajonette von Napoleons kaiserlicher Garde oder die rasselnden Ketten deutscher Panzerarmeen - letztlich scheitert die europäische Autoaggression immer wieder aufs neue am trotzigen und starrköpfigen Widerstand der Briten, die selbst in aussichtslos scheinender Lage ihre schon sprichwörtliche "stiff upperlip" behalten und so den Eroberern Europas einen Strich durch die Rechnung machen. Und auch dieses Mal, wo die eigentlich großartige europäische Idee durch den selbstzerstörerischen Feldzug der aktenordnerbewaffneten Bürokratenheere aus Brüssel bedroht ist, kommt die Rettung wieder von jenseits des Kanals.

Erschienen Schröder und Chirac vor kurzem noch als die unumschränkten Herrscher nicht nur des Alten Europa und Tony Blair als marginalisierte Randfigur, die von nervendem Störfeuer mal abgesehen ohne jegliche Bedeutung für die visionären Pläne unserer beiden Weltenlenker war, hat sich der Wind binnen Wochen, wenn nicht Tagen um 180° gedreht. Auf einmal stehen die beiden Riesenstaatsmänner mit ziemlich weit runtergelassenen Hosen da, während der britische Premierminister wie ein zweiter Churchill daherkommt, der die kerneuropäischen Bremsklötze fast beiläufig zur Seite schiebt. Hatten sich selbst wirtschaftsliberale Geister in ihrem Kleinmut schon damit abgefunden, daß die Vereinigung Europas naturgegeben leider nun mal untrennbar mit dem wirtschaftlichem Niedergang einer Staatswirtschaft verbunden ist, erinnert uns Tony Blair dieser Tage daran, daß durchaus ein anderes Europa möglich ist.

Im Gedenken an Lord Nelson, aus Dank, daß wir uns auf die Briten immer verlassen konnten, und im beruhigenden Bewußtsein, daß sie den alten Kontinent auch in Zukunft bei Bedarf sicher wieder retten werden, feiern wir daher den 200. Jahrestag der Seeschlacht von Trafalgar gerne mit und freuen uns an den prächtigen Bildern der Flottenparade. In diesem Sinne: Rule Britannia!

Und jetzt die Werbung...

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