SPIEGEL online
George W. Bush und Tony Blair haben Fehler bei der Irak-Politik eingeräumt. Am schlimmsten seien die Misshandlungen im Gefängnis Abu Ghureib gewesen, gab der US-Präsident bei einem Besuch des britischen Premierministers zu.
Äh, Du, SPIEGEL, Du muß jetzt ganz stark sein, aber das hat Bush schon zugegeben, als die ganze Sache rauskam, was nun doch schon den einen oder anderen Tag her ist. Und rausgekommen ist sie nicht, weil Deine tollen investigativen Journalisten so 'nen klasse Job gemacht haben, sondern weil das US-Militär selbst wegen der Verbrechen in Abu Ghureib ermittelt hat.
Beide Politiker verteidigten jedoch die Entscheidung zum Sturz von Saddam Hussein.
Nein, so eine Überraschung aber auch! Wo doch gewisse Nachrichtenmagazine seit Jahr und Tag darauf warten, daß der Sturz Saddam Husseins endlich auch von diesen beiden Herren als Fehler angesehen wird, so daß sie mit ihrer peinlichen Unterstützung des irakischen Diktators nicht mehr alleine stehen. Und nun sowas! Klappt also wieder nicht, wegen der Verbrechen Saddam Husseins zur Ablenkung auf Bush und Blair zu zeigen, um zu verhindern, daß jemand dumme Fragen nach der eigenen Rolle in der ganzen Angelegenheit stellt. So ein Ärger aber auch!
[…] Bush gab außerdem zu, er habe sich in der Vergangenheit bei Äußerungen im Zusammenhang mit dem Irak wiederholt im Ton vergriffen. Der Präsident bezog sich unter anderem auf Aussagen über das Vorgehen gegen Aufständische. "Ich habe meine Lektion darüber gelernt, wie ich mich etwas vornehmer ausdrücke", sagte Bush nach dem Treffen mit Blair. "'Wanted, dead or alive' - diese Art Äußerungen - ich denke, in bestimmten Teilen der Welt wurde dies falsch verstanden."
Wenn man dem SPIEGEL Glauben schenken darf, so ist der amerikanische Präsident die Hälfte bis zwei Drittel seiner Amtszeit damit beschäftigt, irgendetwas zuzugeben. Wobei hier anzumerken ist, daß ich in diesem konkreten Fall von Bush tatsächlich ein wenig enttäuscht bin. Gerade die saftigen und oft urkomischen Sprüche hoben ihn und mehr noch seinen Verteidigungsminister bisher so wohltuend von all dem langweiligen Diplomatensprech ab. Schade, daß er sich da jetzt unnötigerweise zusammenreißen will, nur um Leute zufriedenzustellen, die ihn deswegen trotzdem kein Stück weniger hassen werden.
Denn bei den "bestimmten Teilen" handelt es sich eben nicht in erster Linie um die islamische Welt (gerade Araber mit ihrer noch um einiges drastischeren Sprache dürften über die vergleichsweise harmlose Rhetorik des US-Präsidenten nur müde lächeln), sondern um das alte Europa, und das zählt nun wirklich nicht. Den deutschen Humor wollen wir sowieso gnädigerweise mit einem Mantel des Schweigens bedecken, und nur weil dieser Schnösel Chirac beim Festmahl mit seinen afrikanischen Diktatorenfreunden niveauvoll zu parlieren versteht, heißt das noch lange nicht, daß man darauf Rücksicht nehmen muß.
[…] Auch Blair gab Fehler im Irak zu. Die Anstrengungen, Gefolgsleute des irakischen Präsidenten Saddam Hussein aus der irakischen Armee zu entfernen, seien nicht ausreichend gewesen.
Wohlgemerkt, nicht ausreichend! Da werden einige Leute von der "Wären wir den Saddam-Anhängern doch nur weiter entgegengekommen"-Fraktion gehörig ins Schwitzen kommen. Wenn das zugeben bedeutet, dann kann Blair das gern öfter machen. Und sei es nur, um die sich in einigen Blogs als Kommentatoren oder gar deren Betreiber tummelnden Befürworter einer undemokratischen Bevorzugung der sunnitischen Ba'ath-Nomenklatura gegenüber der schiitisch-kurdischen Mehrheit zu ärgern.
Es sei leicht, über die Fehler zu sprechen, die gemacht worden seien, sagte der Premierminister. "Aber der Hauptgrund, warum der Irak so schwierig ist, ist die Entschlossenheit unserer Gegner, uns zu bezwingen."
Ausnahmsweise mal ein Pluspunkt für den SPIEGEL, daß er diesen Punkt, der von den Irakkriegsgegnern gerne verdrängt wird, unkommentiert abdruckt. Denn wie Blair schon andeutet, kämpfen die Terroristen ums nackte Überleben. Die Islamisten von Casablanca bis Bali und von Khartoum bis Teheran wissen genau, daß wenn sie diese Schlacht verlieren, sie den Krieg nicht mehr gewinnen, sondern die endgültige Niederlage günstigstenfalls noch etwas hinauszögern können, und werfen deshalb verzweifelt alles an die Front, was eine Kalaschnikow oder einen Sprengstoffgürtel tragen kann.
Denn wenn im Irak eine funktionierende arabische Demokratie entsteht, die den Nachweis erbringt, daß der Islam durchaus mit westlichen Werten wie Freiheit und Demokratie vereinbar ist, ist für die örtlichen Despoten Schicht im Schacht. Im besten Fall droht ihnen dann das Exil an der Cote d'Azur, wenn sie Pech haben, baumeln sie aber schon bald an der nächstbesten Laterne. Deswegen unterstützen selbst angeblich westliche Verbündete wie Saudi-Arabien und Pakistan den Widerstand, denn sie wissen genau, daß sie nach einer erfolgreichen Demokratisierung des Irak die nächsten sind.
Kein politischer Führer im Irak wünsche einen raschen Abzug der Koalitionstruppen. "Nicht einer der gewählten politischen Führer der verschiedenen Gruppen will, dass wir jetzt gehen", sagte Blair.
"Keiner" heißt übrigens auch keiner der Sunniten. Dies nur um gewisse Leser aus ihren Träumen von einer "Guerilla" zu reißen, die angeblich mit der Unterstützung des gesamten sunnitischen Dreiecks gegen die flächendeckend verhaßten Besatzer kämpft. Wie es scheint, lassen die sunnitischen Clanchefs allmählich das Wasser aus dem Becken. Schlechte Zeiten für das Überleben von Maos Fischlein im heißen Wüstensand.
[…] Dennoch sei die Entscheidung zum Sturz Saddam Husseins und für die Demokratisierung des Landes richtig gewesen seien, verteidigten Bush und Blair den Irakkrieg.
Und umgekehrt war die Entscheidung gegen den Sturz Saddam Husseins und gegen die Demokratisierung des Landes falsch. So einfach ist das, liebe Irakkriegsgegner.
"Wir haben das Richtige getan", sagte Bush. Die Truppen der Koalition würden so lange im Irak bleiben, bis die irakische Regierung selbst für die Sicherheit des Landes garantieren könne.
Wie kann er nur so gemein sein, dieser texanische Cowboy! Was sollen Sarkawis Kopfabschneider denn noch alles machen, damit sich die Yankees in panischer Flucht davonmachen?
Bush und Blair nannten auf Fragen keinen Zeitplan für den Abzug der Truppen aus den USA, Großbritannien und den anderen Koalitionsländern. Das richte sich nach den Fortschritten im Irak.
Schön das zu hören. Wenn auch nicht gerade für die Terroristen und ihre Fans hier in Westeuropa. Denn das bedeutet nichts anderes, als daß ihr Plan vom erfolgreichen Widerstand autochthoner Völker gegen den zionistisch-kapitalistischen US-Imperialismus und die von der Wall Street gesteuerte Heuschreckenglobalisierung des internationalen Finanzjudentums auf ganzer Linie gescheitert ist. Oder um es etwas weniger freundlich auszudrücken: You suck!
P.S.: Wo wir gerade beim zugeben sind: Heißt das, daß der SPIEGEL, nachdem Bush und Blair ihm so weit entgegengekommen sind, ebenfalls über seinen Schatten springen und Fehler einräumen wird? Also z.B. den, daß man sich, nur um die links-reaktionären Stammleser nicht zu verprellen, unverhohlen für den Machterhalt eines faschistischen Diktators eingesetzt hat? Oder daß man den Verbrechen einzelner amerikanischer Soldaten mehr Raum eingeräumt hat als dem systematischen Massenmord durch Saddam Hussein? Oder daß man das gezielte Abschlachten unschuldiger Zivilisten als "Widerstand" verherrlichte, nur um das T-Wort nicht aussprechen zu müssen? Nein, heißt es nicht? Naja, hätte mich auch gewundert...
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