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7 Artikel der Kategorie "Person: Paul Wolfowitz"

Mittwoch, 29. August 2007

America don't worry! Israel is behind you

Glaubt man dem SPIEGEL, dann gibt das neue Buch von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt diesem zeitlosen 80er-Jahre-Klassiker eine ganz neue Bedeutung, und zwar nicht nur, weil das abgebildete Flugzeug tatsächlich aus amerikanischen Rüstungslieferungen stammt.

Keiner der Newcomer aber verfiel auf so kühne Thesen über Amerikas Außenpolitik in Vergangenheit und Gegenwart wie ausgerechnet jener Oldie, der nach zwei Amtszeiten nun nichts mehr werden kann: George W. Bush. An dem Tag, an dem bei einem Hubschrauberabsturz im Irak 14 GIs starben - einer der höchsten Tagesverluste im ganzen leidigen Krieg -, beschwor er die Erinnerung an einen anderen Hubschrauber: den, der 1975 vom Dach der US-Botschaft in Saigon die letzten Verbündeten aus einem verlorenen Krieg ausflog.

Daran ist höchstens kühn, daß die Wahrheit nicht immer und derzeit ganz besonders wenig populär ist und daß der, der sie ausspricht, sich damit keinen Gefallen tut. Umso beeindruckender ist es, wenn ein Politiker sich dann trotzdem traut.

Auch damals, so Bushs Lesart der Geschichte, hätte es geheißen, ohne Amerikas Präsenz am Kriegsschauplatz nähme das Töten ein Ende. In Wahrheit sei der Abzug der Auftakt für ein unvorstellbar großes Massaker gewesen: in Kambodscha, im vom Norden eroberten Südvietnam und unter jenen Hunderttausenden Flüchtlingen, die ihr Heil in seeuntüchtigen Booten suchten. "Der Preis für Amerikas Abzug", so Bush als Warnung, diesen Fehler nun nicht im Irak zu wiederholen, "wurde von Millionen unschuldiger Bürger bezahlt."

Es ist schon ein bißchen gruselig, daß es bald 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus immer noch Leute zu geben scheint, die das anders sehen.

Nach qualvollen Jahren der Aufarbeitung des Vietnam-Kriegs sind sich eigentlich die meisten Amerikaner darüber einig, dass ihre Soldaten damals in Südostasien nichts zu suchen hatten.

Womit sie sich irren. Sie haben nur das falsche gesucht, nämlich die Stabilität der Unterdrückung statt des Fortschritts durch Freiheit. Damals gab es keine NeoCons, sondern nur kurzsichtige Realpolitiker. Wäre das Ziel damals schon nicht die Rettung einer Diktatur, sondern die Errichtung einer Demokratie gewesen, wäre die Sache sicherlich auch etwas anders ausgegangen. Und wir wären heute im Weltbefreiungskrieg schon wesentlich weiter.

Quer über das gesamte ideologische Spektrum gilt eine Rechtfertigung für das Indochina-Desaster als politischer Selbstmord.

Leute, glaubt mehr Unsinn! Millionen Ideologen können nicht irren.

Bushs Rechnung, mit dem Hinweis auf Vietnam den Abzug aus dem Irak aufzuhalten, kann deshalb nur dann aufgehen, wenn er seine Landsleute auch noch von der Wahrheit eines Satzes überzeugen kann, den er ebenfalls den jubelnden Veteranen vortrug. Die US-Truppen, sagte Bush, seien noch immer "die größte Macht zur Befreiung des Menschen, welche die Welt jemals gekannt hat".

Und damit hat er zweifellos recht, der gute George. Es steht aber jedem, der es wagt, Bush in dieser Bewertung zu widersprechen, selbstverständlich frei, der Welt mitzuteilen, welche Macht unterm Strich denn angeblich mehr Menschen befreit bzw. ihre Freiheit geschützt hat als die USA und ihre Streitkräfte, und Bush's Aussage so zu falsifizieren.

Da war es wieder, das Argument, die Streitkräfte seien Missionare der Demokratie. Die große neokonservative Idee feierte unverhoffte Wiederauferstehung, wonach es keine Sicherheit für die USA ohne Frieden im Nahen Osten geben könne und keine Stabilität ohne Demokratien in der Region und der Weg nach Jerusalem deshalb über Bagdad führen müsse.

Diese große Idee ist zweifellos einer der größten Schritte in der geistigen Entwicklung der Menschheit, vergleichbar nur mit der amerikanischen Revolution von 1776 oder der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Und es ist ein Armutszeugnis für besagte Menschheit, daß sie zu dieser eigentlich ziemlich logischen Erkenntnis so lange gebraucht hat. Es ist allerdings ein noch größeres Armutszeugnis für jene, die ihr, nachdem selbst diese Menschheit es endlich geschafft hat, immer noch zu widersprechen wagen.

Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses war diese Dominotheorie zur Regierungsdoktrin erhoben worden. Vor dem Kapitol gelobte Bush feierlich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2005: "Es ist die Politik der Vereinigten Staaten, demokratische Bewegungen und Institutionen in jedem Land und in jeder Kultur zu suchen und ihre Entwicklung zu fördern mit dem Endziel, die Tyrannei in der Welt zu beenden."

Was immer er ansonsten verbockt haben mag, aber alleine damit hat er einen Platz unter den größten Denkern der Geschichte verdient.

Doch als Bush sein "In Tyrannos" ablegte, stand das Projekt schon vor dem Scheitern. Amerikas Soldaten waren im Irak nicht als Befreier umjubelt worden, sie verstrickten sich immer heftiger in den Kampf gegen einen hartnäckigen Aufstand.

Mal ganz unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage, erschreckt es doch ein wenig, daß es offenbar Leute gibt, die sich nicht fragen, wer denn alles so an diesem "Aufstand" beteiligt ist. Die Frauen etwa? Die Kinder? Die Iraker die in Freiheit leben wollen? Oder in Wohlstand? Und in Frieden? Oder sind es nicht doch eher die Anhänger totalitärer Ideologien vom Stalinismus über den Faschismus bis hin zum Islamismus? Ist die Tatsache, daß letztere ihren Aufstand für das Recht führen, erstere in Ruhe unterdrücken zu können, tatsächlich etwas, was dagegen spricht, sie zu bekämpfen? Oder nicht doch viel mehr ein Grund für ein nur umso engagierteres Vorgehen in diesem Kampf?

[...] Unter anderem versuchen zwei Autoren nachzuweisen, dass es einer kleinen Gruppe überwiegend jüdischer Intellektueller und Mitglieder der Regierung gelungen sei, Amerika in diesen Krieg hineinzutreiben, weil ihnen das Schicksal Israels - mindestens - ebenso sehr am Herzen liege wie das ihres Vaterlands.

Aber nicht daß jetzt jemand "Antisemitismus" ruft, nur weil hier hervorgehoben wird, daß es sich überwiegend um jüdische Intellektuelle handelt.

[...] Ihre Kernthese lautet: Der Israel-Lobby sei es gelungen, "die Außenpolitik so weit von dem abzubringen, was die Rücksicht auf das nationale Interesse eigentlich diktieren würde, und gleichzeitig viele Amerikaner davon zu überzeugen, dass das amerikanische und das Interesse des anderen Landes - in diesem Fall Israel - im Wesentlichen identisch ist".

Die Identität der Interessen aber bestreiten die beiden Autoren, und damit ist ihr Buch ein Politikum.

Deswegen ist ihr Buch vor allem mal totaler Bullshit. Denn wer die gemeinsamen Interessen der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie USA mit der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie Israel nicht erkennen kann, und statt dessen mehr Gemeinsamkeiten mit den diesen Terror durchführenden Diktaturen der arabisch-islamischen Welt erkennt, hat offenbar gehörig einen an der Waffel.

Das heißt natürlich nicht, daß diese Interessen im Einzelfall nicht auch mal voneinander abweichen können (z.B. wenn es um fragwürdige amerikanische Rüstungslieferungen an Israel feindlich gesonnene Terrorregime wie Saudi-Arabien geht oder dem israelischen Verkauf US-finanzierter HighTech-Rüstung an potentielle Gegner Amerikas wie China), aber in der Regel ist gut für Amerika was gut ist für Israel (und umgekehrt!). Diese beiden Staaten sollen froh sein, im jeweils anderen den besten Verbündeten zu haben, den man sich wünschen kann.

[...] Dass etwa der Irak-Krieg auch etwas damit zu tun hat, dass sich in Washington zeitweilig die Hoffnung durchgesetzt hatte, den Kernkonflikt des Nahen Ostens durch den Versuch zu umgehen, in den Staaten der Region eine demokratische Modernisierung voranzutreiben, wird niemand mehr bestreiten.

Wär ja auch schlimm! Ist schließlich ein sehr vernünftiger Ansatz. Wenn ich's nicht besser wüßte, würde ich sagen, sie haben ihn geklaut. Und zwar von mir.

Auch nicht die These der beiden Politologen, wonach Amerikas Kriegsbefürworter den Sturz Saddams als Verbesserung der strategischen Position Israels und Amerikas ansahen und darauf hofften, dass beide Vorteile aus der regionalen Modernisierung ziehen würden.

Das erklärt endlich auch schlüssig, warum die USA den Europäern jahrzehntelang durch die NATO gegen die sowjetische Bedrohung geholfen haben. Es waren gar nicht wie oft fälschlicherweise vermutet gemeinsame Werte und Sicherheitsinteressen, sondern die in die Schaltstellen amerikanischer Macht eingeschleusten europäischen Intellektuellen, die durch ihre Kaperung der US-Außenpolitik die Vereinigten Staaten in einen den eigenen Interessen zuwiderlaufenden sinnlosen Konflikt mit ihren wahren Freunden Stalin, Chruschtschow und Breschnew gedrängt haben.

Dass Saddam keine wirkliche Bedrohung für Amerika darstellte, wohl aber für Israel, ist eine Tatsache, die selbst Mitglieder der Bush-Regierung zugegeben haben, wenn auch nur sehr selten in aller Öffentlichkeit.

In der Bush-Regierung, vor allem im State Department, tummelt sich so einiges, das kaum als Gute-Ideen-Reaktor taugt. Daß der Sturz Saddam Husseins, dessen bloße Existenz in der arabischen Welt als Verhöhnung Amerikas wahrgenommen wurde, und so schon aus ganz niederen realpolitischen Gründen wie der Wiederherstellung amerikanischer Abschreckungsfähigkeit gegenüber Schurkenstaaten hätte durchgeführt werden müssen, wird von den Autoren im übrigen geflissentlich ignoriert. Für die Realpolitik zu trommeln heißt offenbar nicht, sie auch verstanden zu haben.

[...] Dass sich Washington entschieden hat, die Gegner Irans aufzurüsten, darunter auch so zweifelhafte Diktaturen wie Saudi-Arabien, ist ein - häufig kontraproduktives - Mittel aus dem Arsenal traditioneller Außenpolitik, auf jeden Fall aber eine Todsünde wider den Geist neokonservativer Demokratielehre.

Diese Kritik ist zweifellos berechtigt. Man fragt sich nur, wieso jene, die die neokonservative Demokratisierungsstrategie so vehement ablehnen, bei der Bekanntgabe dieses bedauerlichen Kurswechsels die nötige Begeisterung für die Rückkehr Bushs auf den rechten Weg irgendwie haben vermissen lassen. Da scheinen die Anhänger der Realpolitik ihren eigenen Ideen ja nicht sonderlich weit zu trauen. Sonst hätte im SPIEGEL etwas stehen können wie "Na endlich, Dubya! Jetzt bist Du einer von uns!"

Ob deswegen Israel mehr oder weniger die gesamte Außenpolitik der USA in "strategische Haftung" genommen hat, wie die Autoren behaupten, ist allerdings eine ganz andere Frage. Die Isolation der Vereinigten Staaten in der muslimischen Welt ist für die Autoren auch eine Folge der bedingungslosen Unterstützung Israels.

Klar, wenn die Amerikaner den muslimischen Fanatikern helfen würden, Haifa heim ins Reich zu holen, gäbe das dort sicherlich Pluspunkte. Und was kümmern einen echten Realpolitiker schon Begriffe wie Recht und Moral. Das ist was für Weicheier. Angesichts solch eines erfrischend realistischen Ansatzes sind wir schon ganz auf das nächste Buch von Mearsheimer/Walt gespannt, in welchem sie uns darlegen, welch große Ziele die USA hätten erreichen können, wenn sie sich nur mit dem aufstrebenden Nazideutschland statt dem sterbenden Empire verbündet hätten. Der Titel steht schon fest: "The world is not enough".

Das ist, selbstverständlich, vermintes Terrain. Natürlich hüten Mearsheimer und Walt sich, die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit der Washingtoner Israel-Politik zu begründen.

Keine Sorge, das erledigen dann schon die Verschwörungstheoretiker, die sicherlich die richtigen Schlüsse aus dieser Steilvorlage ziehen werden.

Ganz deutlich aber schreiben sie, dass der Einfluss der Lobby "die terroristische Gefahr vergrößert". Die USA hätten genau deshalb ein Terrorismusproblem, "weil sie so eng mit Israel alliiert sind". Die Angst, dass eines nicht fernen Tages die amerikanische Öffentlichkeit deshalb die Schuld am islamischen Terror Israel oder den Interessenvertretern amerikanischer Juden geben könnte, macht erklärlich, warum das Echo auf dieses Buch so alarmistisch ausfällt.

Mit genau dieser "Logik" erklären auch die Rechtsradikalen immer wieder gerne, daß die Juden durch ihr eigenes Fehlverhalten den Antisemitismus ja erst hervorrufen, unter dem sie dann zu leiden haben. Man muß also nur Israel aufgeben, und schon hat jeder wieder die Juden lieb. Interessant zu erfahren, daß derart kranke Ideen jetzt offenbar auch Einzug in die Mainstreammedien halten.

[...] Dass George W. Bush deshalb in den verbleibenden Monaten seiner Amtszeit noch mit der Hamas reden oder, wie von vielen Gegnern gefordert, einen möglichst vollständigen Truppenabzug aus dem Irak anordnen könnte, ist kaum zu erwarten. Auch nicht, dass irgendeiner seiner Nachfolger die enge Bindung an Israel lockern wird.

Das wär ja auch noch mal schöner!

Vorstellbar ist aber auch nicht mehr, dass der nächste US-Präsident noch einmal einem israelischen Regierungschef Carte blanche geben könnte, wie Bush es für Ariel Scharon und Ehud Olmert getan hat. Wenig wahrscheinlich auch, dass es den Neocons noch einmal gestattet sein könnte, die amerikanische Nahost-Politik zu kidnappen.

Auch das hat Bush im Irak bewerkstelligt.

Und jetzt die Preisfrage: Wäre es besser, den Irakkrieg nicht geführt zu haben, damit man Israel mal so richtig unterstützen kann? Oder sollte man Bush statt dessen dafür danken, daß er diesen jüdischen Unruhestiftern endlich den Stecker rausgezogen hat? Wahrscheinlich Antwort drei: Da hat mal wieder jemand so richtig schön dummgeschwätzt.

Dienstag, 22. Mai 2007

Das Ende des härtesten Neocon

Weltbank-Präsident Wolfowitz stürzte über einen peinlichen Skandal - sein Ende hat jedoch tiefere Gründe. Es ist eine Abrechnung mit den US-Neokonservativen, als deren Hauptvertreter er den Irak-Krieg mitinszenierte.

Es ist ja bisher noch nie vorgekommen, daß ich mal mit Marc Pitzke in irgendeiner Angelegenheit einer Meinung bin, und die Chancen stehen zum Glück ausgezeichnet, daß sich das auch nicht so schnell wiederholen wird, aber so sehr er im ersten Satz irrt, so recht hat er ausnahmesweise mit dem zweiten (womit wir wieder bei den kaputten Uhren wären, die zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigen).

Natürlich ging es hier nicht wirklich um einen Skandal, sonst hätte die rote Heidi ihren Parteigenossen Verheugen schon längst in Deutschland zur unerwünschten Person erklären müssen. Und wenn hier irgendetwas peinlich war, dann die beispiellose Schmutzkampagne, mit der das Entwicklungshilfeestablishment den eigenen Chef demontiert hat, nur um die eigenen Machtinteressen zu schützen.

Doch Pitzke liegt mit seiner Vermutung richtig, daß es sich hier um "eine Abrechnung mit den US-Neokonservativen, als deren Hauptvertreter er den Irak-Krieg mitinszenierte", handelt. Denn gerade den Europäern paßt die ganze Idee der Demokratisierung nicht, und hier konnte man sein Mütchen an jemandem kühlen, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin wie niemand sonst für diesen Kurs stand.

Das bittere ist, daß die Leidtragenden am Ende diejenigen sind, die die Weltbank am nötigsten brauchen, nämlich die reformwilligen Länder in Afrika. Nicht ohne Grund genoß Wolfowitz gerade im "verlorenen Kontinent" weit größere Sympathien als in den Geberländern. Man kann nur hoffen, daß sein Nachfolger sich mehr an ihm orientiert als an seinen Kritikern. Denn deren Verhalten ist der wahre Skandal.

Sonntag, 05. November 2006

Real gedacht, nix draus gemacht

No Blood For Sauerkraut

Hier wurde mal wieder ein Kommentar mit soviel Liebe geschrieben, daß man ein Unmensch wäre, würde man das angestrengte Bemühen um eine auf die einzelnen Punkte eingehende Argumentation nicht angemessen würdigen. Daher soll dies im folgenden auch ausnahmsweise in einem eigenen Artikel geschehen:

Der Kommentator vergisst an dieser Stelle, dass es die Reagan-Administration unter maßgeblicher Beteiligung der später als Neocons bekannt gewordenen Politiker es waren, die die Taliban aufgerüstet und Saddam gestützt haben.

Erstens, mein kenntnisreicher Freund, kann die Reagan-Administration die Taliban schon deswegen nicht unterstützt haben, weil letztere erst Jahre nach dem Ende der Amtszeit ersterer die Bühne der Weltgeschichte betraten. Zweitens, nur für den Fall, daß Du damit nur ganz allgemein die Unterstützung fundamentalistischer Mudschahidin durch die USA meintest (was zugegeben jedem mal passieren kann), so begann diese nicht nur vor der Amtsübernahme Reagans, sondern sogar noch vor dem Einmarsch der Russen in Afghanistan. Und drittens hat Reagan sicher seine Verdienste, aber der erste NeoCon-Präsident zu sein gehört ganz gewiß nicht dazu.

Und es war Bush sen., der im Irak nicht einmarschierte, als er die Möglichkeit 1991 bestand.

Tja, anders als der Junior war der Senior eben kein großer Präsident, sondern nur ein durchschnittlicher. Wenn überhaupt.

Hier ist allerdings richtig, dass ihn die späteren Neocons dafür heftig kritisierten und seine Administration zwar eine republikanische, jedoch auch eine realpolitische Politik betrieben. Deren vorhandene integrationistischen Ansätze sind den Neocons aber bis heute suspekt

Dafür liebe ich sie ja so. Alleine diese Ablehnung der moralvergessenen Realpolitik - wunderbar!

Bill Clinton, der Nähe zu den Neocons relativ unverdächtig, war es dann maßgeblich, der im Irak eine Politik der Härte gezeigt hat.

Zumindest war sie härter, als er später noch daran erinnert werden wollte. Wobei es natürlich ohnehin einfacher ist, den Wählern zu verkaufen, daß mal wieder ein paar Marschflugkörper der 5. Flotte nachgefüllt werden müssen, als ihnen diese häßlichen schwarzen Plastiksäcke zu erklären, die da gerade aus der Galaxy gerollt werden.

Allerdings, und das ist das entscheidende, hatte er zumindest einen Plan im Hintergrund, was von Bush jun. nicht behauptet werden kann.

Ob sein Plan, was nach der im Iraq Liberation Act geplanten Befreiung des Irak dort im einzelnen zu geschehen habe, wesentlich detaillierter war als der seinen Amtsnachfolgers, lassen wir mal dahingestellt. Festzustellen bleibt aber, daß das, was er bereits umgesetzt hat, die Iraker auf unbestimmte Zeit zu Bewohnern des größten Bombenzielgebiets dieses Planeten machte, ohne dabei eine konkrete Alternative zum Tod hunderttausender Iraker durch die Sanktionen bzw. Saddams Herrschaft zu bieten.

Was fehlte war nicht nur eine Exit Strategy, sondern auch eine Nation Building Strategy wie nach dem Sturz Saddams mit dem Irak umgegangen werden soll.

Beides gab es natürlich. Die "nation building strategy" hieß Demokratie, den Rest kriegen die Iraker, die ja entgegen einem in der westlichen Intelligenzija weitverbreiteten Vorurteil keine unmündigen Kinder sind, dann schon selber hin. Und die "exit strategy" bedeutete, daß man abziehen wollte, sowie die Iraker so weit waren, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen. Genauso wurde es dann ja auch umgesetzt. Und was ist daran jetzt bitte schön falsch?

Für Bush jun. waren nach dem Zerwürfnis der transatlantischen Partner der Irak-Krieg die Neocons ein Ausweg aus der verfahrenen Situation, die durch beide Seiten gleichermaßen verursacht wurden und in gewisser Weise zu einem abgewandelten prisoners dilema führte.

Die NeoCons boten eine Antwort auf die nach dem 11. September aufgetauchten Fragestellungen. Und damals war noch von "uneingeschränkter Solidarität" statt vom Marktplatz in Goslar die Rede.

Seine maßgebliche Beraterin Condollezza Rice hatte mit den Neocons nie etwas zu tun und damit auch Bush jun. nicht.

Rice wohl nicht, das ist leider wahr. Aber auch wenn Bush jun. anfangs nur ein stinknormaler PaläoCon war, der selbst den begrenzten Clinton'schen Interventionismus light als Ausverkauf amerikanischer Interessen betrachtet haben dürfte, hat er sich nach dem 11. September den Ansatz der NeoCons zumindest zeitweise zu eigen gemacht. Das, was wir heute als Bush-Doktrin kennen, ist letztlich nichts anderes als eine aufgehübschte Promi-Version der Wolfowitz-Doktrin. Wobei es letztlich wurst ist, wessen Name drunter steht. Hauptsache, einer setzt's endlich um.

Aber nicht nur in Medienfragen ist Paul „demonstrativ sachkenntnisfrei“, sondern auch was sonstigen Zusammenhänge betrifft. „The End of history“ beschreibt ja nun gerade nicht das Ende der Geschichte, sondern geht von U.S.-Werten aus, die die Neocons aufgegriffen, bedauerlicher Weise jedoch nie den politischen Realitäten angepasst haben.

Eben, Fukuyama geht von besagten Werten aus und davon, daß sie sich quasi naturgesetzlich mehr oder weniger von alleine durchsetzen. Er ignoriert dabei aber dummerweise, daß nicht jeder Diktator deswegen auch gleich bereit ist, sich an der nächsten Laterne aufknüpfen zu lassen, nur damit Herr Fukuyama am Ende recht behält. Genauso wenig, wie er sich fragt, wieviele Menschenleben es noch kosten wird, bis besagte Diktatoren sich freiwillig dem internationalen Tribunal in Den Haag gestellt haben.

Dies macht sie auch so angreifbar und deshalb sind sie auch in der praktischen Umsetzung gescheitert, die nur durch Zufall und mangels eines klaren Konzepts von Bush jun. die Hallen der Realpolitik betrat - und dort ganz frei nach Marc Pritzke kläglich scheitern musste.

Wäre es nach Marc Pitzke gegangen, würde Saddam seit über 3 Jahren ohne Sanktionen herrschen, dank französischer und russischer Milliarden-Öldeals im Geld schwimmen, zusammen mit dem Iran einen (atom)kernigen Rüstungswettlauf vorbereiten, derweil er weiter ungestört am Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde für den höchsten Schädelberg der arabischen Welt arbeiten könnte. Aber schön, daß Du so ehrlich bist zuzugeben, daß das für Dich anders als Terroranschläge im Irak kein Scheitern wäre.

Eine Theorie ist in den akademischen Lehrstuben eine hilfreiche Sache, in ihrer Reinkultur scheitert sie jedoch in der praktischen Politik notgedrungen immer.

Das gilt auch für die Akademiker, die mit den Leichen in den Massengräbern eines Terrorregimes um sich werfen wie ein neureicher Lottomillionär mit den Chips am Roulettetisch und dann erstaunt sind, daß die nicht nur genauso tot sind wie die Terrorismusopfer, sondern auch um einiges zahlreicher.

Und das es besonders schick war, bei Wolfowitz und Perle mitzumachen ist auch ein Ammenmärchen. Nein. Wolfowitz und Perle wurden ziemlich heftig für ihre Position angefeindet, zunächst von Bush sen. und später auch von der breite außenpolitischen Klasse. Im U.S.-Senate konnten sie nie Fuß fassen.

Als nach all den Kassandrarufen vom in Jahrhunderten nicht zu erobernden Afghanistan und der riesigen irakischen Armee mit ihren fanatischen Republikanischen Garden beide jeweils in ein paar Wochen von einer Ministreitmacht hinweggefegt wurden, klang das aber noch ganz anders.

Aber hätte Paul Fukuyama mal wirklich gelesen, wüsste er durchaus auch, dass dieser es sich nicht einfach gemacht hat, mit Wolfowitz zu brechen. Es war die Militanz ihrer Umsetzung, die ihn hat brechen lassen.

Wer sagt Dir, daß ich ihn nicht gelesen habe? Aber solange Fukuyama keine konkreten Alternativen anbietet, wie man das Ende der Geschichte erreichen könnte, ohne vorher über das Ende vieler Menschen durch Völkermorde und nukleare Terroranschläge zu stolpern, bin ich nicht sicher, ob ich ihn so ohne weiteres weiterempfehlen würde.

Gescheitert ist der falsche Ausdruck, denn eine Theorie kann nicht scheitern. Gescheitert ist ihre Umsetzung in Reinkultur, weil die Neocons vergessen haben, dass eine reine Beglückungsstrategie zum scheitern verurteilt ist.

Na endlich reden wir Tacheles! Die Beglückungsstrategie ist es also, was uns stört, soso. Mit anderen Worten, wenn die Menschen unter der Knute eines Tyrannen ächzen, ist das noch lange kein Grund, sie da raus zu holen, gibt ja kein Recht auf Beglückung. Aber für die Tyrannen offenbar eins auf Beunglückung.

In der Theorie der Neocons kommt eine andere Gesellschaftsauffassung von Demokratie und Zivilgesellschaft nicht vor.

Du wirst jetzt wahrscheinlich etwas überrascht sein, aber ohne freie Wahlen geht das irgendwie schlecht mit der Demokratie.

Hätten die Neocons akzeptiert, dass andere Kulturen auch ein Existenzrecht haben und sich Demokratie und Zivilgesellschaft auch dort entwickeln müssen, wären sie vielleicht erfolgreich gewesen.

Also zunächst mal haben Kulturen sowieso kein eigenes Existenzrecht. Die Menschen in diesen Kulturen haben es. Und wenn diese sich dann zu Kulturen zusammenschließen, darf auch gerne die Kultur ein bißchen mitexistieren. Aber deswegen hat noch lange kein Diktator das Recht, seine Opfer zu drangsalieren, nur weil die das Pech haben, zum selben Kulturkreis zu gehören wie er, und er, unterstützt von Leuten wie Dir, lieber Realdenker, mit dieser Begründung dann nach Belieben über seine armen Untertanen verfügen darf.

Es war die Anreicherung mit dem christlichen Fundamentalismus, der nicht akzeptiert wurde, quasi die Neuauflage christlicher Kreuzzüge, und die selbst vom Vatican nicht mitgetragen wurde.

Hör doch auf mit diesem altbackenen Unsinn von den Christen, die mit dem Kreuz vorneweg ins Morgenland reiten, um die ungläubigen Muselmanen mit dem Schwert zu bekehren. Paul Wolfowitz und Richard Perle hatten mit Sicherheit nicht die christliche Mission im Hinterkopf. Es steht Dir frei, Bush zu hassen, aber es sollte nicht so weit gehen, daß du deswegen über Deine eigenen Argumentation stolperst. Also entscheidet Euch: Jüdische Weltverschwörung oder christlicher Kreuzug. Beides zusammen geht nicht.

Da fällt einem so ganz nebenbei noch auf, dass manche mit Worten wie „islamofaschistisch“ ziemlich schnell und unüberlegt um sich schlagen.

Also wenn wie im Irak die Islamisten mit den Faschisten kooperieren und dabei selber noch faschistoide Züge annehmen, muß es doch wohl noch erlaubt sein, das zu erwähnen. Wenn Dir das unangenehm ist, solltest Du vielleicht erwägen, mit einer eindeutigen Distanzierung unmißverständlich klarzustellen, daß diese "Grünen Khmer" für Dich keine "Widerstandskämpfer" sind.

Hier irrt Pritzke leider in seiner sonst brillianten Darstellung. Den Clintons Außenpolitik war mitnichten unentschlossen, wie die Beispiele Balkan, Naher Osten einschließlich Irak und Nordkorea zeigten.

Bei allem Dank an Clinton in Sachen Balkan, aber da mußte er auch zum Jagen getragen werden. Wäre die Intervention ein paar Jahre früher gekommen, würden nicht nur eine Menge Menschen noch leben, sondern wären auch weniger empfänglich für die Parolen jener islamistischer Rattenfänger, die ihnen zeitweise als einzige beigestanden haben. Das war kein Meisterstück des Westens, vor allem wenn man sieht mit welch lächerlich geringem Aufwand die angeblich so unbesiegbaren Serben dann gestoppt wurden.

Im Falle Naher Osten scheiterte er lediglich an der Halsstarrigkeit zunächst Israels und später Arafats, im Falle Nordkoreas mangelte es ihm quasi an einer dritten Amtszeit. Die Sicherheitsratsresolution hinsichtlich der Inspektionen im Irak hat er ziemlich exakt umgesetzt und im Zweifel auch nicht vor dem Einsatz von Raketen zurückgescheut.

Das ist es was ich meine. Ein paar Raketen von Zeit zu Zeit mögen ja als Warnsignal nützlich sein, aber sie lösen keine Problem, sondern können nur Katastrophen manchmal etwas hinauszögern. Einen Saddam Hussein stürzt man nicht mit ein paar begrenzten Luftangriffen. Man muß ihn schon irgendwann aus seinem Erdloch zerren.

So ganz erfolglos war er damit auch nicht. Und betrachtet man nun Pakistan und Indien war er es, die diese beiden Staaten auf die rote Liste setzten nach den Atomwaffentests und es waren Bush jun. und seine Freunde von den Neocons, die sie dort wieder herunterholten und zu Waffenbrüdern machten.

Mit Indien als größter Demokratie der Erde hat er einen schon angesichts des Aufstiegs Chinas extrem wichtigen potentiellen Verbündeten verprellt, statt klarzumachen, daß sich Demokratisierung lohnt, weil man dann Dinge tun darf, die einem als Nichtdemokrat verwehrt sind. Was die Kritik am Kuschelkurs gegenüber Pakistan angeht, so kann ich die zwar durchaus in dem Maße nachvollziehen wie ich das auch hinsichtlich Roosevelts Zusammenarbeit mit Stalin tue, der ja dann doch noch ein paar mehr Menschen umbringen ließ hatte als das der handelsübliche pakistanische Militärherrscher gemeinhin zu tun pflegt (und leide trotzdem darunter, daß man sich die Verbündeten im Kampf ums Überleben leider nicht immer aussuchen kann), akzeptiere sie aber gleichzeitig nur aus dem Mund derer, die sich nicht vor ein paar Wochen so schön darüber aufgeregt haben, daß Bush Musharraf zu Beginn des "war on terror" ein paar ziemlich deutliche Worte zum Thema angemessener Kooperationsbereitsschaft ausrichten ließ.

Die Neocons im Project for the New American Century vereint hatten jedoch ein anderes Problem mit Clinton. Clinton versuchte nämlich, andere Kulturen zu achten und ihnen im Rahmen der Achtung von bürgerlichen und menschlichen Grundrechten einen eigenen Entwicklungsweg ließ.

Auch auf die Gefahr hin, daß ich jetzt als Frauenversteher in Verruf gerate, aber an der Unterdrückung der Frau gibt es nichts zu achten. Punkt.

Clinton, Albright und die außenpolitische Elite jener Administration akzeptierte auch den Zeitpuffer, den diese benötigten. Die Neocons hatten die Vorstellung einer Brachialgewalt und das es die Jungs mit den Stiernacken schon richten würden.

Das ist schon deswegen Unsinn, weil die USA mit ihrer vergleichsweise kleinen Beurfsarmee dazu gar nicht die Truppen haben. Wenn es also einen Weg gibt, einen Diktator zu stürzen ohne einen Schuß abzugeben, wären die NeoCons mit Sicherheit die letzten gewesen, die sich dem verweigert hätten. Wobei Du mich jetzt natürlich neugierig gemacht hast. Clinton muß demnach ja einen ebensolchen Plan für eine zivile Variante der NeoCon-Politik gehabt haben. Wie sieht der denn im einzelnen so aus? Diese Frage nach der unblutigen "regime change"-Variante konnte mir nämlich trotz wiederholtem Nachfragen nämlich noch niemand beantworten. Freut mich, daß ich endlich jemanden gefunden zu haben scheine.

Das Pitzke Hass gegenüber dem U.S.-Präsidenten empfindet, kommt nun wirklich nicht aus seinem Text heraus.

Ok, ich persönlich denke auch eher, daß es Hass auf Amerika insgesamt ist, was Pitzke antreibt. Aber ich wollte ausnahmsweise mal zu seinen Gunsten annehmen, daß er nur einer der "ich bin nicht antiamerikanisch, ich mag nur die derzeitige US-Politik nicht"-Proamerikaner ist. Das allerdings kommt nicht nur aus diesem Text heraus, sondern aus so ziemlich jedem, den ich von Pitzke bisher gelesen habe. Und ich laß mir wirklich kaum einen entgehen, glaub mir.

Aber vielleicht ist es der Haus von Paul, dass ihm die Brillianz eines Mark Pitzke fehlt und sein Wille, die Realität des Scheiterns der praktischen Umsetzung der Ideologie der Neocons nicht anerkennen zu wollen.

Nee, Du, laß ma gut sein. So "brilliant" wie Marc will ich dann doch nicht werden. Man soll's mit dieser Art "Ehrgeiz" ja nicht übertreiben. Muß beim Rasieren schließlich weiterhin in den Spiegel schauen.

Tatsache ist nun einmal, dass der Idealismus der Ideologie der Neocons zwar lobenswert, aber von ihren eigenen Vertretern konterkariert wurde. Folter passt nämlich in das Urdenken amerikanischer Werte genauso wenig wie in islamische oder europäische Werte.

Solange Verbrecher wie die Täter von Abu Ghureib vor Gericht gestellt werden und der Staatsanwalt für deren Mißhandlung mutmaßlicher Terroristen härtere Strafen fordern darf als Gutmenschen das hierzulande bei Kindermördern für angebracht halten, bin ich eigentlich ganz guter Dinge. Kommen wir nun zur arabisch-islamischen Welt. Wie handhabt man das denn da so?

Die Besten sind noch da? Das lässt einen die Wahrnehmung von Realität durch Paul doch ernsthaft zweifeln. Wolfowitz, Perle, Armitage, Bennett - alle hinfort. Kristol auf den akademischen Lehrstuhl verbannt und Bolton kreidefressend in New York am langen Arm einer realitätsbezogenen Außenministerin Rice verdörrend. Und selbst Wolfowitz, zwischenzeitlich Weltbankpräsident, hat zur Überraschung seiner Kritiker und zum Hass seiner früheren Freunde Kreide gleich tonnenweise gefressen. Nichts ist mehr übrigen von der Ideologie, die dank ihre Protagonisten im Amte kläglich gescheitert ist.

Mit da meinte ich nicht in Amt und Würden, sondern von ihrer eigenen Theorie überzeugt. Und so lustig Bolton mitunter sein mag, aber die Frage zu erörtern, inwieweit das ein klassischer NeoCon ist oder nicht doch nur ein handelsüblicher konservativer Hardliner wie der nicht minder lustige Rumsfeld oder der überhaupt nicht lustige Cheney, die nur mit den NeoCons kooperieren, um teilweise ganz andere Interessen durchzusetzen, würde hier zu weit führen.

Welche Aussagen Paul da wohl meint?

Wie wär's z.B. damit, daß er Fukuyamas Lob der Realisten den bösen/unfähigen NeoCons positiv gegenüberstellt? Und die Realisten sind nun mal genau jene, die beispielsweise in Chile in ihrer grenzenlosen Toleranz so freundlich waren, die in Lateinamerika traditionell weitverbreitete Kultur des Militärputsches zu respektieren.

Was Pitzke zu recht kritisiert ist die (vergangene) Politik einer Mischung aus Imperialismus römischer Prägung, militanter Religiosität die selbst dem verblichen Herrn im Vatican zu weit ging und ideologischer Ignoranz, die vergaß, ihre theoretische Grundlage dem machbaren anzupassen. Es ist nichts einzuwenden gegen die Vollendung eines Ideals und die Neocons stehen hier mit beiden Beinen auf dem Boden U.S.-amerikanischer Gründungsgeschichte. Diese besagte aber auch - siehe die Überlegungen Monroes - einen Isolationismus herbei, den die USA zu Recht aufgegeben haben.

Der aber durchaus wiederkommen kann, wenn sie merken, daß die Europäer, für deren Wohlergehen sie den ganzen Streß auf sich nehmen, ihnen das nicht sonderlich zu danken wissen. Iranische Atomraketen reichen bis auf weiteres nicht bis nach Amerika. Und die Zukunft liegt eh im Pazifik. Es könnte also eines Tages durchaus sein, daß die US-Wähler beschließen, daß die Nachfolger von Chirac und Achmedinedschad ihre Querelen gefälligst unter sich ausmachen sollen. Und wenn das Israel nicht gefährden würde und ich für meine Familie und Freunde eine Green Card bekommen könnte, fände ich diese Vorstellung auf eine morbide Weise durchaus ausgesprochen unterhaltsam.

Die Neocons sind das Fleisch gewordene Beispiel, dass Akademiker nur schwer in der Politik agieren können (und umgekehrt genauso). Vielmehr sollten sie sich darauf beschränken, Politik zu beraten. Auch dies ist ein jahrefüllendes Programm.

Genau, zurück zur ganz unakademischen Zusammenarbeit mit den allseits beliebten Hurensöhnen. Also unseren jedenfalls.

Wie so polemisch?

Weil's so mehr Spaß macht. Und wenn's mir keinen Spaß machen würde, würde ich nicht schreiben. Und dann hättest Du nicht diesen schönen Kommentar schreiben können. Und dann hättest Du dich gelangweilt. Und das wollen wir doch nicht, oder?

Man darf doch auch noch eine andere Ansicht haben als der britische Außenminister. Die passt zwar Paul nun nicht in den Kram, aber das die britische Anbiederungskriegspolitik nun ebenso wie die Washingtoner Konzeptlos-Politik ist nun ebenso sattsam bekannt.

Das ist keine Anbiederungspolitik, sondern ein bewährtes Bündnis, das die Welt schon vor der einen oder anderen Katastrophe gerettet hat. Wollen wir hoffen, daß die Allianz unter Führung der englischsprachigen Seemächte so lange halten möge, wie es überhaupt noch Staaten gibt. Denn das ist unter dem Strich das einzige, worauf sich die Menschheit angesichts des kläglichen Versagens von Völkerbund und UNO wirklich dauerhaft verlassen kann.

Allerdings sollte man daraus nicht schließen, dass die Achsen-Politik eines ehemaligen Bundeskanzlers deshalb wesentlich erfolgreicher wäre. Dies scheint übrigens auch Pitzke nicht zu behaupten.

Das ist es ja. Er behauptet nie, daß irgendetwas besser wäre. Er wagt sich nie aus der Deckung. Er setzt selber keine Alternative der Gefahr von unbotmäßiger Kritik aus. Er sagt immer nur, so ist's falsch, und zwar ganz gleich, was Bush macht. Dumm nur, daß Pitzkes Intellekt offenbar nicht ausreicht, um zu begreifen, daß auch destruktive Kritik an einer Änderung des derzeitigen Zustands automatisch bereits eine Alternative beinhaltet, nämlich so weiterzumachen wie bisher. Wer also gegen den militärischen Sturz von Saddam Hussein ist und keine Alternative liefert, wie man das sonst hätte erreichen können, ist, ob er das nun will oder nicht, zwangsläufig für dessen weiteren Machterhalt. Und Leute, denen zu Völkermördern wie Saddam nur ein Kohl'sches "Weiter so!" einfällt, mag ich nicht sonderlich. Und diese Antipathie versuche ich in meinen Texten zum Ausdruck zu bringen. Ich hoffe mal, das gelingt mir.

Das sich die U.S.-Behörden besonders zimperlich zeigen was die Anwendung sagen wir mal fragwürdiger Methoden anbelangt, ist eine vollkommen neue Erkenntnis von Paul.

Daß die US-Behörden, was die Anwendung fragwürdiger Methoden wie das Herausschneiden der Zunge, das Amputieren von Gliedmaßen, das Ausstechen der Augen, das Werfen in Säurebäder oder Plastikshredder, das Vergewaltigen der Töchter vor den Augen der Väter, das Quälen von Babys vor den Augen der Mütter, die Massenerschießung oder Vergasung ganzer Dörfer anbelangt, nicht zimperlich sind, ist tatsächlich eine vollkommen neue Erkenntnis. Ich bin beeindruckt. Was Du so alles weißt.

Nicht nur AbuGhuraib hat dies gezeigt, dass bis in die höchsten Spitzen eine Denke herrscht, die Methoden der Republikanischen Garden in Erwägung zieht.

Schlafentzug oder Beschallung mit lauter Musik sind sicher Psychoterror, und man kann durchaus über die Bedingungen streiten, unter denen so etwas zulässig sein sollte, aber in diesem Zusammenhang den Begriff "Republikanische Garden" zu verwenden, ist menschenverachtende Geschichtsklitterung.

Hier sei auch an die Debatte um die Folteranwendung in Guantanamo, ein besonders fragwürdiges Kapitel U.S.-amerikanischer Menschenrechtspolitik, und den Transport von Gefangenen in Länder, die auf der roten Liste des Menschenrechtsreports des U.S.-Departmen of State stehen deutlich. Dort machen sich nicht die U.S.-Geheimdienste die Finger schmutzig, richtig. Aber der Transport geschieht nicht ohne ein Ziel und da ist dann eigentlich schon fast egal, von wem real auf „vergleichbare Methoden“ zurückgegriffen wird.

Mit der Kritik an der Kooperation mit Terrorregimen rennst Du bei mir offene Türen ein. Das ist genau der Punkt, wo ich bei andererer Gelegenheit meinte, daß mir die NeoCons noch lange nicht radikal genug sind. Die einzigen Flugzeuge, die ich nach Damaskus schicken würde, wären keine Transporter, sondern Jagdbomber. Und was die transportieren würden, ließe sich nur hören, nicht verhören.

„Unser Hurensohn“-Strategie? Also die Politik „Der Feind unseres Feindes ist unser Freund“ war nun in den späten Jahren des Kalten Krieges klassisches Feld der Republicans und in jüngster Zeit der Neocons.

Unter anderem auch der Republikaner, das stimmt. Und? Hab ich irgendwo gesagt daß ich dort eingeschriebenes Mitglied bin? Was die NeoCons angeht, deren Kritik richtet sich gerade gegen diese Politik, und ich finde es schon ziemlich dreist, daß man ihnen, nachdem sie in letzter Zeit zunehmend kaltgestellt wurden, genau jene Politik noch vorwirft, die danach gegen ihren Willen durchgesetzt wurde.

Condi Rice war davon nun bereits nicht mehr überzeugt und stand (und steht) damit eher an der Seite Clintons, McCains und seit neuestens wohl auch von Obama.

Und Condi Rice ist daran nicht ganz unschuldig, stimmt absolut.

Und Paul übersieht auch, dass bei Clinton´s quasi Ruhe im Carton herrschte. Bush´s Strategie dagegen den zündelns am Dach ist nun schlicht gescheitert und da diese Politik maßgeblich auf die Vertreter der Neocons zurückgeht auch deren praktische Variante.

Ja, bei Clinton herrschte Ruhe. Bis man wie in Bosnien merkte, daß das nur die Friedhofsruhe war. Eine Viertelmillion Menschen, die alle noch leben würden, wenn die NATO gleich zu Beginn des Jugoslawienkriegs eingegriffen hätten statt bis zum Schluß zu warten. Wie lange braucht es im Irak noch gleich, bis diese Zahl erreicht wird, wenn wir nach drei Jahren bei 45.000 Toten sind? Irre ich mich, oder sind es weitere 13, bis Bush so gescheitert ist wie Clinton bereits vor mehr als 10 Jahren (dem ich im übrigen anders als den Europäer gar nicht mal die Hauptschuld gebe, weil er wenigstens irgendwann mal was gemacht hat).

[...] Man merkt: Paul hat Neocon-Ideologie im Blut. So drastisch wagte selbst ein Wolfowitz, ein Krauthammer oder ein Perle nicht, sich über andere zu stellen. Wie war das noch einmal mit den Islamofaschisten?

Da siehst Du mal, wie leicht es ist, noch radikaler zu sein als die im Vergleich zu mir sogar verhältnismäßig braven NeoCons. Wobei noch anzumerken wäre, daß ich Murthas Ansichten eher respektieren könnte, wenn er ganz klar zugeben würde, daß er diese Entscheidung aus nationalem Interesse (bzw. was er dafür hält) trifft, und nicht so tun würde, als ob der sofortige und bedingungslose Rückzug irgendeinen Vorteil für die Iraker hätte. Aber Leute wie er glauben wohl tatsächlich, die Terroristen würden im Irak gegen die amerikanischen Besatzer kämpfen und nicht gegen die irakische Demokratie.

Offizielle Regierungspolitik? Seit wann hat die Bush jun.-Administration im Irak eine offizielle Regierungspolitik außer der Reaktion. Dean liegt hier fundamental falsch, weil ein Exit the false way wäre. Eine „offizielle Regierungspolitik“ wird sich jedoch erst entwickeln müssen. Zeit wäre es einmal, aber dies trifft nicht nur auf Washington zu und vielleicht sollte man diese „offizielle Regierungspolitik“ auch multilateral einbetten.

Noch mal zum mitschreiben: Die "exit strategy" war von Anfang an eingebaut und Bush ging wahrscheinlich sogar davon aus, daß er die Truppen weit früher nach Hause holen könnte. Daß Dean jetzt noch mal weitere zwei Jahre dran hängen will, wirkt auf mich jetzt nicht so wie der große Quantensprung. Und daß Du mir das nicht widerlegen konntest, bestätigt mich nur in meiner Auffassung.

Wahnsinn? Welcher denn?

Der Wahnsinn, über "cut & run" zureden und den Islamofaschisten so das Gefühl zu geben, als ob all das sinnlose Morden tatsächlich zum Erfolg führen könnte. Wenn die Terroristen dank dieses medialen Sperrfeuers am Ende wirklich einen Sieg einfahren sollten, dann, lieber Realdenker, wird das Wort Wahnsinn allerdings tatsächlih neu definiert werden müssen.

Mehr zittern als jetzt? Dies ist schwer möglich. Für den Irak und seine Bevölkerung dürfte sich nach momentanem Stand relativ wenig ändern, ob

Wieso hab ich dann noch von keiner Umfrage im Irak gehört, die wenigstens unter den Gegnern der US-Besatzung eine Mehrheit gefunden hätte, die es vorziehen würde, Saddam wäre noch an der Macht, wenn ihnen dadurch die derzeitigen Schwierigkeiten erspart blieben.

Immerhin war er Verteidigungsminister, Paul nicht!

Eben, das kommt noch erschwerend hinzu. Da sollte er doch mit seinem überlegenen Fachwissen weit eher als ich in der Lage sein, konkrete Antworten auf konkrete Fragen zu geben. Er wurde schließlich genau dafür bezahlt, daß er das tut. Umso peinlicher ist, daß er es nicht kann.

Aber vielleicht sollte man sich Perry´s Aussagen einmal genau durchlesen, da dort nämlich vor allem die Frage der derzeitigen Irak-Politik und ihre Konzeptionslosigkeit aufgegriffen wird. Ein Pull Out wäre eine Katastrophe, nicht nur für den Irak und sein unmittelbares Umfeld selbst. Sondern ganz generell, weil es nämlich heißen würde: bomben ist erfolgreich.

Also ist er doch nicht so dumm, wie Du mir weismachen wolltest. Nachdem Du es auch den Normalsterblichen jetzt erklärt hast, sollte die Begeisterung für die Bombenleger jetzt eigentlich ein wenig abklingen. Nur wieso glaub ich nicht, daß sie das tun wird? Könnten vielleicht von der breiten Masse konsumierte Artikel wie die von Marc Pitzke am Ende doch was damit zu tun haben?

Der gute Paul lässt hier vermissen, wo seine tatsächliche Kritik an den von ihm definierten vier Stufen steckt. Die Stufe eins war letztlich ein Austausch von Diktaturen, denn während Taiwan heute eine (teilweise von Korruption durchsetzte) Demokratie ist, war sie Ende der siebziger Jahre eine Diktatur von Schlage anderer.

Da hast Du sogar prinzipiell recht, weswegen die USA für eine weitere Unterstützung einen konkreten Demokratisierungsplan hätten verlangen können. Trotzdem ist es nicht sehr intelligent, einen Verbündeten für mögliche eigene Vorteile überraschend so fallen zu lassen, daß alle anderen Verbündeten es auch mitbekommen.

Von den Pekinger Chinesischen unterschied sie lediglich, dass die einen Kommunisten und die anderen Anti-Kommunisten waren. Vielleicht noch, dass die Pekinger Regierung eine deutlich höhere Zahl von Chinesischen repräsentiert als die in Taipeh.

Allerdings nicht nur von lebenden Chinesen. Auch bei den Toten war das Pekinger Terrorregime ein klein wenig überrepräsentiert. Hätte die Junta in Taipeh auch nur annähernd so viele Mitbürger umgebracht wie ihre kommunistischen Brüder auf dem Festand, hätte Taiwan mangels Taiwanesen schon in den 50er-Jahren geschlossen werden müssen. Aber ein paar Millionen Tote mehr oder weniger sind für einige Mitmenschen offenbar nur nebensächliche Details.

Allerdings vergisst Paul an dieser Stelle stillschweigend, dass bereits Nixon - mit einem Botschafter Bush sen. - diesen Wandel umgesetzt hat, nämlich 1974. Jimmy Carter hatte damit relativ wenig zu tun und insofern leidet Paul´s Stufentheorie bereits von Anbeginn unter der Missachtung tatsächlicher Realitäten.

Wieso glauben eigentlich alle, daß ich ein Fan der Republikaner wäre? Ich finde Nixon genauso bescheuert und unfähig wie Carter, falls Dich das tröstet. Und Clinton fand ich damals gar nicht so schlimm, weil die Republikaner mit ihren isolationistischen Tendenzen zu seiner Zeit noch viel weiter weg von meiner Politikvorstellung waren als die Demokraten, bevor dort die Loony Left das Ruder übernahm.

Und was Stufe 2 anbelangt, ist auch dies eher ein Werk Reagans mit Unterstützung und Förderung der Neocons, wie sie sich wenige Jahre später zu nennen pflegten. Und dies übrigens nicht nur der Mudschahidin, sondern einer breiten Schar von Gruppen, die sie später bekämpften.

Wenn ich jetzt ein Schwein wäre, würde ich Dich auffordern mal den Namen von Carters Sicherheitsberater in Google einzugeben, aber bei jemandem, der Zbigniew Brzezinski heißt, wäre das dann doch ein bißchen fies. Also geb ich Dir gleich den Link.

Ganz unverhofft geriet in diese Gruppe auch Saddam, da er - Stufe 3 lässt grüßen - versuchte, den Mullahs in Teheran den Garaus zu machen. Beide Politiken, die nun relativ wenig mit Carter, aber viel mit Reagan zu tun haben, sind kläglich gescheitert: die Mullahs sind immer noch da und Saddam hat sich wenig später gegen seine eigenen Förderer gestellt. An dieser Stelle fällt dann auch auf, dass die Unterstützung Saddams gegen die Mullahs vor allem erfolgte, weil die es gewagt hatten, ein fragwürdiges Regime des Schahs von Persien gegen ein anderes zu ersetzen und damit nicht mehr auf der selben Welle wie Nixon, Reagan und Bush jun. bunte Truppe schwammen.

Ist schon seltsam. Die Russen, Chinesen und einige der Europäer, allen voran die Franzosen, unterstützen Saddam. Irgendwann hängen sich auch die Amerikaner dran, wenn auch weit weniger als die anderen. Frankreich, Rußland, China und diverse Ostblockstaaten liefern dem Irak ca. 90% seiner Waffen, die Amis nicht mal 1%. Aber egal wen man fragt, die Amis haben Saddam unterstützt, die Amis und nur die Amis. Aber das hat natürlich nichts, aber auch gar nichts mit Antiamerikanismus zu tun.

Paul hat übrigens ganz vergessen - Stufe 3 -, wie er sich ein Eingreifen in der Teheraner Botschaft vorgestellt hat. So im direkten Umwelt der Sowjets eine Truppe GI´s hinzuschicken wäre wohl nicht ganz angebracht gewesen. Ganz nebenbei sollte man vielleicht bedenken, dass ein solcher Einsatz einen Völkerrechtsbruch einen anderen zur Folge gehabt hätte und wohl im Ergebnis auch relativ wenig gebracht hätte als ein Blutbad mit ein paar mehr Toten.

Nach Deiner Logik wäre gar nichts vemutlich sogar noch besser gewesen. Aber Carter war Demokrat und zudem kein dummer Cowboy aus Texas. So lief die Operation Eagle Claw zwar ein bißchen unglücklich, aber von Schlamassel, Desaster, Scheitern, Fehlplanung kann da keine Rede sein. Carter ist heute ein angesehener "elder statesman", Bush hingegen ein Idiot. Es geht eben nichts über eine objektive Bewertung zweier unterschiedlicher Präsidenten der USA.

Und Stufe 4? Was will uns Paul damit eigentlich wiederum sagen? Vielleicht verrät er es noch, bin gespannt!!!

Tja, was könnte er nur meinen, wenn eine Diktatur ein anderes Land überfällt, und die wichtigste Antwort der Führungsmacht der freien Welt darauf der Boykott eines Sportereignisses ist? Vielleicht solltest Du angesichts einer so schwierigen Frage jetzt doch in Erwägung ziehen, einen Joker zu setzen.

Nun. Ob ein festgelegtes Datum wirklich hilfreich ist, ist eher fragwürdig. Ob Pitzke durch die Decke gegangen wäre, ebenso.

Du meinst also ernsthaft, Pitzke hätte gesagt "Klasse, Dubya, daß Du diesen Hinterwäldlern gezeigt hast, wo der Hammer hängt, Erpressung ist schließlich das einzige, was diese Kameltreibern verstehen?" Ich meine, den herablassenden Ton gegenüber diesen seiner Meinung nach offenbar demokratieunfähigen Wilden traue ich ihm durchaus zu, aber ein Lob für Bush? Aus seinem Mund? Findest Du das nicht ein bißchen weit hergeholt? Wenn Bush behaupten wüde, das 2+2=4 ist, würde Marc Pitzke vermutlich den Taschenrechner rausholen, um sicherzugehen, daß es in diesem Fall nicht doch 5 sind.

By the way: was dem Irak-Einsatz von Anfang an gefehlt hat ist eine nation building strategy. Und daran knappern zwischenzeitlich nicht nur die USA, sondern nahezu alle Staaten der Region und weiter entfernte davon. Der Abzug der Italiener und Spanier war ein Symbol der Innenpolitik sowohl für die Italiener und Spanier wie für die irakischen Militanzen.

Wenn Bush 2003 einen fertigen Plan aus der Schublade geholt hätte, wo bis ins letzte Detail drin gestanden hätte, was die demokratisch gewählte Regierung des Irak in den einzelnen Dörfern zu tun und zu lassen hat, hätte es geheißen, "jetzt schreibt er ihnen in seiner Yankee-Arroganz am grünen Tisch vor, was sie tausende Kilometer entfernt in einem anderen Kulturkreis zu tun haben". Als Dank hätten die Terroristen ganz gewiß auf ihre Anschläge verzichtet, denn wenn die Amis sich so viel Mühe geben, will man sie natürlich nicht stören. Man hat als Islamofaschist ja nichts gegen die Demokratie als solche, sondern nur gegen deren dilettantische Einführung.

Es war eine Wonne, Pitzkes brilliante Analyse lesen zu dürfen. An das Amüsenment eines Paul kam er mit seiner demonstrativen Sachkenntnis jedoch nicht heran. Soviel Verdrehtheit und „demonstrative Sachkenntnisfreiheit“ ist selten, soviel gelacht wie bei diesen Ausführungen habe ich selten.

Ich muß zugeben, ich fand's auch fast noch besser als Pitzkes Originaltext. Seid Ihr beiden zufällig irgendwie verwandt oder so was?

Paul, der letzte macht das Licht aus. Und nachdem Du offenbar der letzte Neocon bist, solltest Du dies im Interesse der Stromkosten und der Umwelt machen.

Nix gibt's! Ich hab 20 Jahre darauf gewartet, daß das Licht angeht, da laß ich's jetzt auch brennen. Und wenn ich nach weiteren 20 Jahren tatsächlich der letzte sein sollte, der noch Licht hat, auch ok. Euch dann trotzdem viel Spaß im Dunklen.

Freitag, 07. Oktober 2005

Terrorismus: Bush warnt vor radikalislamischem Reich

SPIEGEL online

Bush gab Syrien und Iran eine Mitschuld an den Terroranschlägen in aller Welt vorgeworfen. Er warnte sie deutlich wie selten zuvor vor amerikanischen Repressalien. "Staaten wie Syrien und Iran haben eine lange Geschichte der Unterstützung von Terroristen und verdienen keine Geduld von den Opfern des Terrors", sagte Bush.

"Die USA machen keinen Unterschied zwischen denen, die Terroranschläge begehen und denen, die Terroristen unterstützen und beherbergen, weil sie genauso des Mordes schuldig sind", sagte der Präsident. Wer sich mit dem Terror verbünde, sei ein Feind der Zivilisation. "Diese Regime müssen zur Verantwortung gezogen werden", verlangte Bush.

Na, das ist doch mal 'ne klare Ansage. In letzter Zeit schien mir Bush ein wenig lasch geworden zu sein, was die Umsetzung seiner revolutionären Rede zur Amtseinführung betrifft. Da muß mal wieder ein wenig Dampf in den Kessel, damit Assad & Co. nicht vergessen, wo der Hammer hängt. Wollen mal hoffen, daß das jetzt nicht nur leere Worte waren, sondern demnächst auch Taten folgen. Nicht daß wir anfangen müssen, Wolfowitz noch mehr nachzutrauern, als wir das eh schon tun.

Dienstag, 30. August 2005

SPD-Linke: Müller vergleicht Kirchhof mit Neocons

SPIEGEL online

Unions-Finanzfachmann Kirchhof gerät verstärkt ins Visier der SPD-Linken. Für Fraktionsvize Michael Müller ist Kirchhofs Konzept "erzreaktionär" - der Ex-Verfassungsrichter sei vergleichbar mit den US-Neokonservativen Cheney und Wolfowitz.

Berlin - Der Sprecher der Parlamentarischen Linken, Michael Müller, will Kirchhof auf dem SPD-Bundesparteitag am Mittwoch in Berlin scharf angreifen. "Unser Hauptgegner ist die CDU und die Ideologie von Herrn Kirchhof. Sie wollen eine andere Republik. Denn Kirchhof ist der deutsche Vertreter der amerikanischen Neokonservativen um Dick Cheney und Paul Wolfowitz, die auch für den Irak-Krieg verantwortlich sind", sagte SPD-Fraktionsvize Müller der "Welt".

Tja, Loony Mike, so sehr ich Dein Verlangen nachvollziehen kann, daß auch in Deutschland endlich mal richtige NeoCons was zu sagen haben, aber nur, weil Du gerade einen Popanz brauchst, auf den Du wahlkampfwirksam einschlagen kannst, damit Du Deinen Ar...beitsplatz retten kannst (Parlamentarier sind vermutlich schwer vermittelbar, und die Tatsache, daß Ihr es im heldenhaften Kampf gegen die Flat Tax auf inzwischen 5 Millionen Arbeitslose gebracht haben, ist da wenig hilfreich), wird mein Wunsch leider kaum in Erfüllung gehen.

Klar, ist natürlich verlockend, den Wählern, die man ganz offenkundig für noch dümmer hält als man selber ist, Begriffe um die Ohren zu hauen, deren Bedeutung man zwar selber nicht mal ansatzweise kennt, die aber gerade deswegen so einen schönen Gruselfaktor haben. Aber bei aller Bewunderung für den Mut von Paul Kirchhof, eine wirtschaftliche Revolution in einem Land anzetteln zu wollen, wo selbst die Linke strukturkonservativ ist, als Befürworter des globalen Befreiungskriegs ist er bisher jedenfalls nicht aufgefallen. Und auch Paul Wolfowitz, der anders als Euer werter Bundeskanzler den Friedensnobelpreis sogar wirklich verdient hätte, ist mir vor allem als Befreier des Irak ein Begriff und nicht gerade als Wirtschaftsreformer der USA.

Umso mehr erstaunt die Leichtigkeit, mit der Du von einer Steuervereinfachung über erzreaktionär und neokonservativ zum Irakkrieg hüpfst. Das dürfte Dir sicherlich die Goldmedaille im Gedankensprung verschaffen (ob weit oder tief lassen wir jetzt mal dahingestellt). Nun könnte man es sich natürlich genauso leicht machen und auch mal wild herumassoziieren, indem man sich vom Betonsozialisten und Irakkriegsgegner über den Amerikahasser und Terroristenversteher zum Diktatorenbeschwichtiger und Völkermordbeschöniger hangelt. Aber das wäre nicht nett, da laß ich's lieber (auf eine Medaille hätte ich eh keine Chance, solange Günter Grass und Konstantin Wecker noch im Spiel sind).

Zwar hätte jemand wie Du, der so gerne austeilt, sicher vollstes Verständnis dafür, auch mal kräftig einstecken zu dürfen, aber ich habe heute gerade meinen großzügigen Tag, da will ich nicht jede geistige Inkontinenz des politischen Gegners auf die Goldwaage träufeln. Ihr habt's ja gerade auch nicht leicht, so von wegen 18. September und so. Also lassen wir ausnahmsweise mal Gnade vor Recht ergehen. Darfst also wieder weitermachen. Nur laß uns bitte nicht zu häufig einer Meinung sein. Das würde mich dann doch ein wenig irritieren.

Freitag, 01. April 2005

Renaissance der Realisten?

Statler & Waldorf

Die Neocons sind weiterhin quicklebendig. Bushs Personalpolitik paßt in die Logik einer neokonservativ ausgerichteten Politik, die nicht nur die politischen Systeme undemokratischer Staaten, sondern auch verkrustete, zum Teil korrupte (Hallo, Kojo!) und definitiv ineffiziente internationale Institutionen verändern will. Wenn überhaupt ein Realismus im Aufschwung begriffen ist, ist es ein mit vielen neokonservativen Ideen fusionierter. Ein fundamentaler Wandel ist also nicht zu erwarten.

Nachdem John Bolton zur UN abkommandiert und Paul Wolfowitz zur Weltbank hinwegbefördert wurde, fing ich schon an mir Sorgen zu machen, ob da nicht die NeoCons und ihre Unterstützer innerhalb der US-Administration kaltgestellt werden sollen. Philipp Wittrocks Artikel in SPIEGEL online gab mir dann den Rest und ließ mich deprimiert zurück. Sollte da tatsächlich was dran sein? Das wäre wahrlich eine katastrophale Vorstellung.

Zum Glück hat Wuldorblogger die Dinge heute wieder mit einer Menge guter Argumente zurechtgerückt und mich beruhigt. Es steht tatsächlich - vor allem nach Bush's Rede zu seiner Amtseinführung - zu hoffen, daß der neokonservative Virus sich in Washington schon so weit festgesetzt hat, daß man jetzt riskieren kann, die besten Leute loszuschicken, um zumindest zu versuchen, auch die wichtigsten internationalen Institutionen zu infizieren.

In Erwartung des ersten "Hatschi!": Gesundheit!

Freitag, 04. März 2005

Porträt: Falke in der Weltbank

Die Zeit

Paul Wolfowitz ist als Architekt des Irakkrieges bekannt und kommt jetzt für den Posten des Weltbankchefs in Frage. Die Europäer sträuben sich bei diesem Gedanken.

Und ausnahmsweise hoffe ich, daß sie sich diesmal durchsetzen, die Europäer. Denn Wolfowitz ist eben gerade weil er der Architekt der Befreiung des Irak - und der ganzen demokratischen Umgestaltung des Nahen und Mittleren Ostens überhaupt - war, definitiv zu wichtig, als daß die US-Regierung auf einen brillianten Visionär wie ihn verzichten könnte.

Nichts gegen die Weltbank, sie ist sicherlich auch eine bedeutende Institution, aber es wäre schon bitter, wenn gerade in dem Moment, wo der globale Befreiungskrieg endlich auch für schlichtere Gemüter erkennbare Früchte trägt, derjenige, dem diese revolutionäre Entwicklung wie vermutlich keinem zweiten zu verdanken ist, einfach weggelobt wird.

Wenn Wolfowitz schon international aufgewertet werden soll, dann gebt ihm lieber den Friedensnobelpreis. Denn den hat er sich nach all den Jahren, wo er sich der flächendeckenden, "Realpolitik" genannten Ignoranz zum Trotz beharrlich für eine demokratischere und dadurch sicherere Welt eingesetzt hat, spätestens seit dem 30. Januar diesen Jahres redlich verdient.

Und jetzt die Werbung...

Kürzlich aktualisierte Weblogs

Wer nicht suchet, der findet

Sonstige Komplizen und Helfershelfer

Andere Marsch - flugkörper - diplomaten

Viel Feind, viel Ehr'

Geile Mucke