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19 Artikel der Kategorie "Medien: Welt"

Mittwoch, 22. August 2007

Neulich, bei der Menschenjagd...

Die Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln hat die Debatte um die ausländerfeindliche Gewalt in Deutschland neu entfacht. [...] Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse [...] warnte auch vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort: Je schlechter der Ruf Deutschlands ist, umso weniger werden die Leute, die wir brauchen können für unseren Wohlstand und Fortschritt, kommen.

Wolfgang Thierse mag ja ein Dampfplauderer sein, aber hier hat er nicht nur recht, er bringt auch ein Argument, das selbst einem Kategorien wie Zivilisation, Menschlichkeit und Mitgefühl ansonsten nicht mehr zugänglichen Hartz-IV-Nazi eigentlich einleuchten müßte. Thierse hat es angesichts der Adressaten vielleicht etwas umständlich ausgedrückt, aber man kann es für unsere etwas schlichter strukturierten Prolet-Arier auch in einfache Worte fassen: "Du nix benehmen, Du nix Arbeit. Braun zwar scheiße, aber nicht auf Haut, sondern in Schädel."

Es ist nämlich nicht nur nicht sonderlich nett, seine Mitmenschen ohne deren Einverständnis krankenhausreif zu schlagen, es ist auch ziemlich dumm, in die Hand zu beißen, die einen füttern könnte. Denn es sind nicht zuletzt gerade diese Inder, die der deutschen Wirtschaft fehlen und die dann wiederum jene Arbeitsplätze schaffen könnten, von denen auch unsere rechten Kameraden profitieren würden, wenn sie ihre Energie nur mal in Dinge wie das Programmieren von Webseiten stecken würden statt ins Nähen von Reichskriegsflaggen.

Der Streit begann am Sonntagmorgen kurz vor 01.00 Uhr im Festzelt auf der Tanzfläche mit Schubsereien, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Inder hätten das Zelt schließlich verlassen und seien draußen von den Deutschen attackiert worden. Gegenüber liege eine Pizzeria, die von einem Inder betrieben werde. Dorthin seien die Angegriffenen gerannt, und der Wirt habe sie durch einen Nebeneingang hereingelassen.

„Eine Gruppe von zirka 50 deutschen Veranstaltungsteilnehmern und zahlreiche Schaulustige folgten den Flüchtenden“, berichtete die Polizei weiter. Einige hätten die Eingangs- und Hintertür eingetreten und das Auto des Pizzeria-Besitzers stark beschädigt. Die Polizei schritt nach eigenen Angaben mit 70 Einsatzkräften ein und drängte die Angreifer ab.

Diese Schilderung des Tathergangs wirft dabei ein bezeichnendes Licht auf die Unfähigkeit unseres Staates, ganz generell mit Gewaltkriminalität fertigzuwerden. Da stehen 70 bewaffnete Polizisten einem brutalen Lynchmob gegenüber, und dann drängen sie die Täter allen Ernstes einfach ab, statt, wie das in einem funktionierenden Rechtsstaat eigentlich eine Selbstverständlichkeit wäre, zu versuchen, möglichst vieler von ihnen habhaft zu werden. Noch besser kann man eine offizielle Einladung zum nächsten Pogrom kaum verfassen.

Zwei Polizisten seien ambulant behandelt worden. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt, erklärte die Polizeidirektion. „Ein ausländerfeindlicher Hintergrund kann derzeit weder ausgeschlossen noch bestätigt werden.“ Die Polizeidirektion Westsachsen berichtete jedoch von Zeugenaussagen, nach denen die Verfolger „Ausländer raus“ und „Hier regiert der nationale Widerstand“ gerufen hätten.

Und? Mal ganz davon abgesehen, daß die Äußerung "Ausländer raus!" nur mit sehr viel Phantasie als nicht ausländerfeindlich zu interpretieren ist, wäre die Sache ja wohl keinen Deut besser, wenn die Inder nur aus ganz allgemeinem Menschenhaß, der Lust daran, Schwächere zu quälen, oder einfach weil die Täter gemeingefährliche Soziopathen waren, mißhandelt worden wären. Es ist ja wohl unabhängig davon die Aufgabe des Staates sicherzustellen, daß dieses Gesindel die Lust verliert, so was noch mal zu machen, oder?

Wobei es unfair wäre, der Polizei hier die Hauptschuld zuzuweisen, denn auch wenn man sich zu Recht fragt, wieso sich vergleichsweise harmlose langhaarige Ökopaxe bei Bedarf problemlos einkesseln und einzeln abfrühstücken lassen, die Festnahme eines Haufens alkoholisierter Schlagetots die Muckitruppe der Polizei hingegen vor unlösbare Probleme stellt, so sind die Justiz und auch der Gesetzgeber an der Misere vorsichtig ausgedrückt nicht unbeteiligt, wie die zuständige Justizministerin in einem Interview denn auch versehentlich offen zugibt:

Strafen wurden oft zur Bewährung ausgesetzt oder es wurden nur Geldstrafen verhängt. Paragraf 47 des Strafgesetzbuches schreibt vor, dass Freiheitsstrafen von einem halben Jahr nur in Ausnahmefällen verhängt werden dürfen und stattdessen soll eher auf Geldstrafen ausgewichen werden. Paragraf 56 erlaubt es, Haftstrafen bis zu zwei Jahren zur Bewährung auszusetzen. Diese Ausnahmen wollen wir für die Verurteilung von Tätern rechtsextremistischer Taten einschränken, um die Strafen verschärfen zu können.

Liest man so was, dann wird durch die Erwähnung von §47 im Zusammenhang mit vorsätzlicher Körperverletzung erstens klar, daß Gewaltverbrechen von seiten des Gesetzgebers irgendwie immer noch nicht so ganz ernst genommen werden, und die Erwähnung von §56 legt den Verdacht nahe, daß diejenigen, die ihn täglich anwenden, den tieferen Sinn einer Bewährung offenbar noch nicht zur Gänze erfaßt haben, sonst wäre es kaum möglich, daß ein Wiederholungstäter mehr als eine Bewährungsstrafe am Stück kriegen kann.

Statt also mal wieder demonstrative Betroffenheit an den Tag zu legen und zu hoffen, daß jetzt nicht auch noch die letzten Inder einsehen, daß Deutschland nicht nur bezüglich der wirtschaftlichen Chancen, sondern auch in Fragen der persönlichen Sicherheit keine ernstzunehmende Alternative zu den angelsächsischen Ländern ist, wäre es ein angemessener Zeitpunkt, Gewaltverbrechen nicht länger als Kavaliersdelikt zu behandeln und Wiederholungstäter so lange aus dem Verkehr zu ziehen, bis sie gelernt haben sich zusammenzureißen.

Sonst war Rostock vielleicht das erste, aber Mügeln nicht das letzte Mal.

Freitag, 03. August 2007

Der Kasernenblitz schlägt zu!

Nun gut, Bush schwächelt derzeit ein bißchen und außerdem darf er sowieso nicht wiedergewählt werden, aber die Republikaner haben ja noch andere Pferde im Rennen:

„Wenn wir schlüssige Hinweise auf Zielpersonen haben und Präsident Musharraf nicht handelt, dann werden wir es tun“ [...] „Ich werde nicht zögern, militärische Gewalt anzuwenden, um Terroristen zu beseitigen, die eine direkte Bedrohung Amerikas darstellen.“

Krieg gegen Pakistan? Klingt ja richtig djangomäßig, so nach breitbeinig auf der Hauptstraße, großem Showdown und so. Da scheint Musharraf ja eine harte Zeit vor sich zu haben.

[...] „Wir dürfen nicht die Augen vor Wahlen verschließen, die weder frei noch fair sind – Pakistan soll nicht einfach unser Verbündeter sein, sondern ein demokratischer Verbündeter.“

Wow, da rasselt einer nicht nur gut hörbar mit dem Säbel, er macht sich auch vorher noch kluge Gedanken drüber. Respekt, das muß ja wirklich ein helles Köpfchen sein.

„Wenn wir unser Engagement verstärken, müssen unsere europäischen Freunde genauso handeln, und zwar ohne die mühseligen Restriktionen, die den Nato-Einsatz dort behindert haben.“

Und für die Bundeswehr ist in Afghanistan auch Schluß mit der weichen Welle? Da hat die Grand Old Party tatsächlich doch noch einen eisenharten NeoCon aufgetrieben, alle Achtung.

Wie, das waren gar nicht die Republikaner? Das hat ein Demokrat gesagt? Ich dachte, der alte Scharfmacher Lieberman kandidiert gar nicht? Was, der war's auch nicht? Aber Scoop Jackson ist doch schon tot! Nein, keine Exhumierung? Vielleicht Hillary? Was, wie heißt der? Obama? DER Obama? Obwohl, jemand, dessen Vorname wie eine Mischung aus "Barak" und "Barracks" klingt - wer weiß, warum nicht.

Auf jeden Fall muß ich jetzt doch mal dringend in die Kommentare reinschauen, da dürften die Leute von der "Wenn Bush weg ist hab ich Amerika wieder lieb und Obama ist die Hoffnung der Kriegsgegner"-Fraktion gerade gehörig ins Schwitzen geraten...

Dienstag, 31. Juli 2007

Opiumhöhle im Sommerloch

Der Generalsekretär der FDP möchte anscheind die afghanischen Bauern ermuntern, noch mehr Opiumpflanzen anzubauen. Er schlug vor, dass staatliche Stellen – auch mit Geldern aus Deutschland – die gesamte Ernte aufkaufen sollten.

Was gehd'n hier? Wird jetzt der schwarze Afghane durch den gelb-blauen ersetzt? Staatliche Stützungskäufe und anschließende Vernichtung der erworbenen Güter entsprechen jedenfalls nicht wirklich der reinen liberalen Lehre. Und den Butterberg nur gegen einen Opiumberg auszutauschen klingt auch nicht nach sonderlich zukunftsträchtiger Wirtschaftspolitik.

Für den Kampf gegen Beschaffungskriminalität und organisiertes Verbrechen wäre die Drogenfreigabe in den Konsumentenländern immer noch weitaus sinnvoller, von der größeren Kompatibilität mit den eigenen ordnungspolitischen Wirtschaftsgrundsätzen und dem liberalen Menschenbild eines selbstverantwortlichen Individuums mal ganz abgesehen.

Wer den Afghanen was wirklich gutes tun will, sollte das Geld lieber in ihre Ausbildung stecken. Wenn man aber schon unbedingt aus übergeordneten sicherheitspolitischen Erwägungen heraus die dortige Landwirtschaft fördern muß, dann sollte man vielleicht besser Obst und Gemüse subventionieren. Hilft den Bauern genauso und ist um einiges gesünder.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Tony Blair: Ein großer europäischer Staatsmann tritt ab

Was für ein Scheißtag. Vielleicht sollte ich mich heute mal aus Frust besaufen, wenn der Anstand es mir schon verbietet, Gordon Brown die Krätze an den Hals zu wünschen. Wenigstens vermag mich Mathias Döpfners angemessene Würdigung von Blairs historischen Verdiensten in der WELT ein bißchen zu trösten. Na ja, sagen wir ein klitzekleines bißchen. Aber immerhin:

[...] es ist die Botschaft von Tony Blair, der an seinem Programm mehr zu hängen scheint als an seinem Amt.

Ist es das, was ihn beim Mittagessen so selbstbewusst, so sicher in die Zukunft fragen lässt? Oder ist es die Ahnung, dass das öffentliche Urteil des Augenblicks nicht das letzte Wort haben wird?

In jedem Fall spricht hier einer, der noch etwas vorhat. Und den die Geschichte – in einigem Abstand zu den Erregungen des Tages – ganz anders beurteilen könnte als die Gegenwart.

Tony Blair gehört zu den großen Staatsmännern, die Europa seit Kriegsende hervorgebracht hat.

Döpfner nutzt dabei die Gelegenheit, um ein weitverbreitetes Vorurteil hinsichtlich des Verhältnisses von Blair zu Bush aus der Welt zu räumen:

[...] Schon 1997 vertraute er dem Führer der britischen Liberaldemokraten, Paddy Ashdown, an: „Ich habe jetzt einiges über den Irak gesehen. Wirklich furchterregend. Wir können ihn (Saddam Hussein) nicht davonkommen lassen. Die Welt denkt, er spiele nur mit uns. Aber nein, es ist tödlicher Ernst.“ (Nachzulesen in „The Ashdown Diaries“ vom 15. November 1997.) Blair zum Pudel Bushs zu machen, obwohl der amerikanische Präsident dieses Thema erst ein halbes Jahrzehnt später entdeckte, ist angesichts der Chronologie und der Dimension des Falles lächerlich.

Liest man dann die folgenden Zeilen, dann schämt man sich für das drittklassige Personal, das wir dagegen - in Regierung wie Opposition! - aufzubieten haben.

[...] Blair ist, bei aller Biegsamkeit im Tagespragmatischen, ein Mann der Grundsätze. Insofern verkörpert er genau das, was wir von unseren Politikern immer fordern: gelassene Überzeugtheit und den Mut, seine Überzeugungen auch gegen Stimmungen in der eigenen Partei durchzusetzen. Blair hat das wiederholt getan.

[...] Auf die beim Mittagessen gestellte Frage, ob er bei seiner Positionierung in Sachen Irak und Islamismus vor vielen Jahren geahnt habe, dass ihn das eines Tages seine Macht kosten könnte, antwortet er entwaffnend. Um den Erhalt des Amtes willen eine vermurkste Gesundheitsreform durchwinken, das könne auch ihm passieren, aber es gebe eben Fragen, die seien so wichtig, da dürfe es nur um richtig oder falsch gehen und nicht um die Angst vor dem Machtverlust.

[...] Der heitere Moralist geht in dem Bewusstsein, bei allen Fehlern im Kern das Richtige getan zu haben.

Einer wie Blair wird in Europa noch gebraucht werden.

Traurige, aber wahre Worte.

Sonntag, 17. Dezember 2006

Es leben die Gemäßigten!

Bei der Wahl zur Expertenversammlung in Iran liegt Schätzungen zufolge der gemäßigte frühere Präsident Rafsandschani vorn. Seinen ultrakonservativen wichtigsten Konkurrenten konnte er offenbar auf die Plätze verweisen. Erhärtet sich das Ergebnis, wäre es eine Schlappe für Ministerpräsident Ahmadinedschad.

Man könnte jetzt darüber dozieren, inwieweit eine Zeitschrift, die sich Nachrichtenmagazin schimpft, eine Veranstaltung wie diese ohne Adjektiv einfach nur "Wahl" nennen und sie damit auf eine Stufe mit demokratischen Gepflogenheiten stellen sollte, aber viel interessanter ist es, wen besagte Zeitschrift so alles als "Gemäßigten" ansieht. Zum Beispiel den hier:

"Die Anwendung einer einzigen Atombombe würde Israel völlig zerstören, während sie der islamischen Welt nur begrenzte Schäden zufügen würde. Die Unterstützung des Westens für Israel ist geeignet, den Dritten Weltkrieg hervorzubringen, zwischen den Gläubigen, die den Märtyrertod suchen, und jenen, die der Inbegriff der Arroganz sind." Wenn Iran über Atomwaffen verfüge, erklärte Rafsandschani, würden diese im Hinblick auf Israel "nicht nur zur Abschreckung dienen".

Na, da kann man in Israel bestimmt ruhig schlafen und die USA dürfen den Mullahs endlich unbeschwert den ihnen zustehenden Platz an den nuklearen tausend Sonnen zugestehen.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Zum Verrat bereit

All jene Europäer, die angesichts der Wiederkehr der Realisten in voreilige Freudenschreie ausbrechen, sollten aufpassen, daß ihnen der Jubel nicht schon bald im Hals stecken bleibt. Die Motivation der Baker-Kommission ist nämlich nicht in erster Linie, die Ressentiments der hiesigen Bushhasser zufriedenzustellen, und den Beliebtheitspreis auf dem nächsten Weltkongreß der Antiamerikanischen Liga zu gewinnen, sondern knallharte Interessenpolitik, in der das Wohlergehen Europas nicht mehr die jahrzehntelang gewohnte Hauptrolle spielen wird.

Alan Posener weist in diesem Zusammenhang in der Welt am Sonntag auf eine beunruhigende, aber nach den ernüchternden Erfahrungen mit den sogenannten "Verbündeten" durchaus verständliche Umorientierung der Außenpolitik der Vereinigten Staaten hin, nach der man die europäischen Oberlehrer möglicherweise mit ihrem islamofaschistischen Kindergarten alleine läßt, so daß sie die Segnungen der antiautoritären Erziehung in Zukunft mal selber ausbaden dürfen. Die Realpolitiker wenden sich derweil den für Amerika wirklich wichtigen Bedrohungen zu:

Amerika, so sagen sie, ist - anders als China, Russland oder Europa - nicht vom Öl des Mittleren Ostens abhängig. Venezuela etwa ist für die USA viel wichtiger. Amerika ist - anders als Europa - nicht von Irans Bombe bedroht. Iranische Raketen können Bayern erreichen, aber nicht Texas .

Warum also soll Amerika mit seiner Flotte die Sicherheit der Öltanker garantieren? Warum soll Amerika die alleinige Ordnungsmacht im Mittleren und Nahen Osten abgeben? Warum sollen amerikanische Soldaten ihr Leben lassen, um den Irak vor dem Auseinanderfallen zu bewahren?

Hinter dem Baker-Plan steht der größere Plan eines umfassenden Rückzugs aus der Region, um die Hände für die wichtigere Auseinandersetzung mit China und Russland frei zu bekommen. Wenn den Europäern vor dieser Perspektive graust, und es sollte ihnen davor grausen, werden sie dem Präsidenten in seinem Widerstand gegen den Baker-Plan den Rücken stärken.

Daß die Terroristen aller Couleur sich über diesen durch den Bericht der Iraq Study Group angedeuteten Kurswechsel hin zu einem Teilisolationismus ebenfalls freuen, sollte dann auch den härtesten Antiwestlern zu denken geben. Denn aus Sicht der Djihadisten unterscheiden sich europäische Appeaseniks von amerikanischen Ledernacken nur dadurch, daß die Weichspülervariante der Kreuzügler sich nicht mal wehrt, wenn man ihnen die Kehle durchschneidet.

Dienstag, 07. November 2006

Prostitution: Grüne fordern Gütesiegel für Bordelle

Die Welt

Mit einem Gütesiegel für Bordelle wollen die Hamburger Grünen gegen Zwangsprostitution vorgehen. Wie ein TÜV-Stempel solle das Zertifikat nur an die Etablissements vergeben werden, in denen Frauen nicht in einem Zwangsverhältnis stünden und ordnungsgemäß gemeldet seien.

[...] Der Vorstoß der GAL steht im Zusammenhang mit einem derzeit auf Bundesebene diskutierten Gesetzentwurf, der wissentlichen Sex mit Zwangsprostituierten mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestrafen soll. „Die von uns angedachte Zertifizierung hat den Vorteil, dass Freier erkennen können, wo sie hingehen“, sagte Lappe. Dann sei es auch leichter nachweisbar, ob jemand gegen das geplante Gesetz verstoßen habe. Bislang ist Geschlechtsverkehr mit Zwangsprostituierten in Deutschland straffrei.

Schlimm genug, daß dieser unfaßbare Mißstand erst jetzt geändert wird. Aber mit ihrem Vorstoß zielt die GAL am wirklichen Problem vorbei. So sinnvoll es sicher ist, auch die "Freier" (sprich Vergewaltiger), die wissentlich mit einer "Zwangsprostituierten" (sprich mit dem Vergewaltigungsopfer) Sex haben (sprich sie vergewaltigen), endlich so zu bestrafen, wie man das mit Vergewaltigern (sprich Folterknechten) ohnehin tun sollte, so hochgradig schwachsinnig ist es, jene "Etablissements" (sprich Vergewaltigungslager), die laut dem eigenen Gesetz gegen Zwangsprostitution ja eigentlich gar keine legale Kundschaft mehr haben dürften, durch Vorenthalten eines offiziellen Gütesiegels indirekt zu legalisieren, und die Entscheidung über die Zulässigkeit einer Vergewaltigung den potentiellen Tätern statt dem Gesetzgeber zu überlassen.

Hier handelt es sich nicht um Kinderkram wie Glücksspiel oder Drogensucht, mit denen sich die Menschen, was ihr gutes Recht ist, selbst zerstören, sondern um "Körperverletzung" (sprich brutalste Folterungen) an tausenden von Opfern. Wenn §1 und §2 des Grundgesetzes irgendeine nennenswerte Bedeutung über das bedruckte Papier hinaus haben, dann ist hier nicht der TÜV mit dem "Roten Engel" gefordert, sondern das SEK, welches die ganze Sklavenhändlerbande hops nimmt, sowie ein gnadenloser Richter, der die Überlebenden für die nächsten 20 oder 30 Jahre auf die Teufelsinsel Steineklopfen schickt. Es wäre nett, wenn auch die auf das Strafrecht traditionell eher allergisch reagierenden Hamburger Grünen begreifen, daß die weiche Welle bei grauenvollen Verbrechen diesen Ausmaßes völlig unangebracht ist.

Freitag, 02. Juni 2006

Just for the record

Da hätte ich in de Winters Beitrag das beste fast überlesen:

Joschka Fischer meldet sich wieder einmal in Sachen nuklearer Iran zu Wort, in einem Meinungsbeitrag, der gestern unter anderem in der "Washington Post" und der "Süddeutschen Zeitung" erschien. Er beginnt mit drei Thesen: "Iran möchte Nuklearmacht werden, daran gibt es keinen vernünftigen Zweifel."

Diesmal ist er also convinced. Nur falls das hinterher wieder vergessen geht. Eat your words, Joschka!

Donnerstag, 09. Februar 2006

Holocaust-Leugner Zündel wirft seinem Richter Befangenheit vor

Die Welt

Der 66 Jahre alte Rentner muß sich wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener vor dem Landgericht Mannheim verantworten.

[...] Das erste Verfahren war im November geplatzt, weil für den Angeklagten neue Pflichtverteidiger bestellt werden mußten. Von Kanada und den USA aus soll Zündel über eine Internet-Homepage sowie einschlägige Publikationen weltweit den Massenmord an den Juden in der NS-Zeit abgestritten haben.

So Leute soll's geben. Mit derartigen Ansichten kann man sogar Präsident werden. Fragt sich nur, wieso der überhaupt hier ist und nicht in Teheran, um dort den anderen Kapazitäten bei der Aufarbeitung der vielen ungeklärten Fragen zum Holocaust zur Hand zu gehen. Naja, vielleicht reist er ja noch nach. Denn bei diesem Thema sollte ein anerkannter Fachmann wie er nicht fehlen.

Wenn die Mullahs dann demnächst die längst überfällige internationale Kommission zur Untersuchung von Vor- und Nachteilen der Pressefreiheit bilden, trifft er dort vielleicht sogar auf Günther Grass. Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich ja daraus ebenfalls eine Männerfreundschaft wie einst bei Erich Fried und Michael Kühnen. Spätestens dann muß die Geschichte des Westens neu geschrieben werden.

Mittwoch, 28. September 2005

Sympathieträger mit Hundeblick

Apocalypso

Said ist Selbstmordattentäter in Nablus. Seit langem für diesen Job ausgebildet, zögern er und sein Freund Khaled keinen Augenblick, als ihnen Kader ihrer Organisation mitteilen, sie hätten das große Los gezogen und dürften am nächsten Tag in Tel Aviv einen Doppel-Massenmord veranstalten.

[...] Das klingt nach einem Film, der in Puncto Langeweile auf der nach oben offenen Wenders-Skala ziemlich viele Punkte einheimsen könnte. So ist es auch. Zwischendurch regt sich zwar im Zuschauer die Hoffnung, dem recht ungeschickt mit seinem Gürtel hantierenden Said könnte es gelingen, sich aus Versehen in Nablus in die Luft zu jagen und wenigstens ein paar von seinen Hintermännern mit ins Paradies zu nehmen.

Aber irgendwie ist einem klar, daß diesem Sympathieträger mit dem Hundeblick (Kais Nashef) der Märtyrertod vergönnt sein wird. Schließlich wurde sein Vater als "Kollaborateur" liquidiert, und da gibt es einen Fleck an der Familienehre wegzuwischen.

Wie es scheint, hat man in der palästinensischen AgitProp-Abteilung allmählich gemerkt, daß der blutrünstige Antisemitismus arabischer Fernsehsender ebenso wie allzu leicht als solche erkennbare Greuelpropaganda a la "Jenin, Jenin" bei den gutgläubigen fellow travellers der palästinensischen Sache hier im Westen nicht immer ganz so gut ankommen, wie sich das die Funktionäre im zuständigen Desinformationsministerium wünschen mögen.

Daher hat man sich in dem von Alan Posener in der WELT sehr schön beschriebenen Film offenkundig auf eine sanftere Art der Sympathiewerbung verlegt. Einfach eine kleine Prise Humor und ein Hauch von Pseudonachdenklichkeit, und schon stürzt sich die die europäische Intelligenzija begeistert auf diesen Beweis dafür, daß die Palästinenser auch jenseits des Einsatzes von Mobiltelefonen als Bombenzünder in der Moderne angekommen sind, weil sie jetzt ja so unheimlich selbstkritisch sind.

Da ist es wohl an der Zeit, daß endlich auch mal jemand das Leben Baruch Goldsteins verfilmt. Bestimmt läßt sich irgendein arabischer Gemüsehändler auftreiben, der den armen Baruch irgendwann mal auf dem Wochenmarkt übers Ohr gehauen hat, und so den Grundstein für seinen verständlichen Palästinenserhaß gelegt hat. Auch vergleichbare komische Stellen ließen sich sicher finden, z.B. als Goldstein's Gewehr mitten im schönsten Massakrieren plötzlich Ladehemmung hat und er so nach 29 Opfern vorzeitig Feierabend machen muß.

Ein derartig selbstkritischer Film würde gewiß auch von der Evangelischen Filmjury zum Film des Monats gekürt, weil er dazu einlädt, über Goldsteins Motive nachzudenken. Amnesty International würde ihn ebenfalls mit ihrem Friedenspreis auszeichnen, weil er weder belehrend noch moralisierend sei. Auch die meisten deutschen Kritiker würden die differenzierte Darstellung loben. Und bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin würde er zweifellos den Publikumspreis und den Blauen Engel für den besten Film gewinnen. Er würde auch sicherlich von der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verwendung im Unterricht empfohlen.

Und die Sonne würde an diesem Tag zur Abwechslung mal im Westen aufgehen.

Und jetzt die Werbung...

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