STERN
Zwischen der US-Armee und Aufständischen im Irak hat es geheime Verhandlungen gegeben. Das bestätigte US-Verteidigungsminister Rumsfeld - und meinte, das sei nichts Besonderes.
Stimmt, das ist ein alter Hut. Daß das ba'ath-faschistische Lager der Terroristen versucht, die Seiten zu wechseln, hat die Konkurrenz bei SPIEGEL & Co. schon vor Monaten erstaunt gemeldet. Und dabei war das selbst damals schon keine ganz so große Überraschung mehr. Aber schön, daß es der STERN jetzt auch gemerkt hat.
[...] Rumsfeld sagte, am Ende seien es die Iraker und nicht die Koalitionstruppen, die sich mit den Extremisten auseinander setzen müssten. "Die Gewalt wird mit der Zeit von den Irakern niedergeschlagen werden. Ausländer werden die Aufstände nicht bekämpfen." Die Gewalt könne noch bis zu zwölf Jahren andauern. "Wir werden ein Umfeld schaffen, dass es den irakischen Sicherheitskräften und dem irakischen Volk ermöglicht, gegen die Aufständischen vorzugehen", sagte Rumsfeld.
Nur noch 12 Jahre? Gar nicht schlecht! Obwohl ich das ja für ein wenig optimistisch halte. Denn eine terroristische Bewegung mordet meist solange, bis ihre Mitglieder vernünftig werden. Das ist aber in der Regel eher später als früher der Fall. Wenn man sieht, daß die BRD 28 Jahre gebraucht hat, die paar lächerlichen RAF-Hanseln zu besiegen, und daß die ETA auch nach über 40 Jahren noch nicht begriffen hat, daß sie verloren hat, dann kann es auch im Irak noch ein Weilchen dauern.
Und bei den RAF- und ETA-Terroristen handelt es sich ja immerhin noch um recht diesseitige Spinner mit profanen sozialistischen oder nationalistischen Motiven, die nach dem Sieg der Revolution ganz gerne noch am Leben sein wollen, weil sie sonst nichts mehr von der Machtergreifung haben. Aber dem letzten Islamisten auch für seinen Intellekt verständlich klarzumachen, daß im Paradies die Jungfrauen aus sind, dürfte ziemlich schwer werden.
Umso wichtiger ist es, daß in Sachen Nahost-Domino jetzt keine Ruhepause eingelegt wird. Denn wenn weiterhin ein Terrorregime nach dem anderen fällt, ohne daß dessen Unterstützer auch nur das geringste daran ändern können, und dort überall Demokratien aufgebaut werden, nimmt das den Islamofaschisten nicht nur die Unterstützung in In- und Ausland, sondern auch die Hoffnung, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Und dann könnte Rumsfeld im nachhinein noch als schwarzmalender Pessimist dastehen.
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