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6 Artikel der Kategorie "Medien: Focus"

Donnerstag, 26. Juli 2007

Es geschehen noch Zeichen und Wunder

Über das Transatlantic Forum bin ich auf eine FOCUS-Meldung gestoßen, die selbst in diesen verückten Zeiten noch zu verblüffen vermag. Die eher für zumindest halbpazifistische Anwandlungen bekannte Rote Heidi gibt nicht nur plötzlich den Warmonger und damit ihren eigenen Freunden in der Cut&Run-Fraktion einen kräftigen Tritt in den Hintern, sie tut dies auch mit einer ganz und gar nicht realpolitischen, sondern unverhüllt humanitär-interventionistischen Begründung, wie sie sich selbst der finsterste NeoCon in den dunklen Gewölben des American Enterprise Institute nicht schauriger hätte ausdenken könnte:

Wieczorek-Zeul warnte, ein militärischer Rückzug wäre ein Sieg der Terroristen und eine Ermutigung für Gewalttäter mit kaum abschätzbaren Folgen auch für Europa und Deutschland. „Wir haben in Afghanistan bereits viel erreicht und große Erfolge erzielt. Wenn wir diese nicht aufgeben wollen, dürfen wir in unserem Engagement nicht nachlassen“, sagte Wieczorek-Zeul. „Wer einmal in die Augen kleiner Mädchen gesehen hat, die jetzt wieder die Schule besuchen dürfen, wird dafür kämpfen, dass die Gewaltherrschaft der Taliban nicht zurückkehrt.“

Auf die Reaktionen ihrer - jetzt vermutlich nur noch ehemaligen - Jünger freue ich mich jedenfalls jetzt schon.

Samstag, 21. Juli 2007

Chrr, de Amis!

Wie aus meiner Fanpost, aber auch der WMD-Kommentarsektion hervorgeht, sorgt derzeit ein Bericht des Nachrichtenmagazins des Möchtegernnachrichtenmagazins der Illustrierten FOCUS für eine gewisse Unruhe in Teilen der - sagen wir - amerikakritischen Öffentlichkeit. Wobei Unruhe vielleicht das falsche Wort ist. Angemessener wäre wohl eher etwas wie "freudige Erregung" oder "erwartungsvolles mit den Füßen scharren". Denn es geht um nichts weniger als die Untaten der amerikanischen Kriegsmaschinerie - ein Thema, das spätestens seit den 40er-Jahren in Deutschland immer wieder ganze Sportpaläste Hofgärten die Volksmassen zu begeistern vermag.

Dabei würde man dem FOCUS angesichts seines doch eher zu vernachlässigenden Auslandsteils zuviel Ehre antun, wenn man ihn für die Aufregung verantwortlich machen würde und nicht jene US-Zeitschrift, über deren Berichterstattung er in Ermangelung eigener Ideen zum Mitschwimmen auf der Antiirakkriegswelle Bericht erstattet, nämlich "The Nation". Diese hat kürzlich US-Soldaten interviewt, was den FOCUS-Redakteur, dem das Ergebnis in die Hände gefallen ist, dazu veranlasste, unter der einprägsamen Schlagzeile "Irak-Krieg: US-Soldaten töten wahllos Zivilisten" einen Artikel mit den folgenden vielsagenden Zeilen zu eröffnen:

Schießwütige US-Soldaten gehören im Irak offenbar zum Alltag. Doch sie werden fast nie bestraft und offenbaren ihre Gräueltaten selten, wie jetzt einem US-Magazin.

Wer bei diesen Worten jetzt an seinen Großvater denkt, von dem er so was als Kind auch schon mal gehört hat, sollte jetzt aber nicht den naheliegenden Fehler machen und aus dem Namen der Zeitschrift darauf schließen, daß es sich hier um irgendein stramm patriotisches Propagandablatt von durch die bittere Wahrheit geläuterten amerikanischen Konservativen handelt. "The Nation" gilt als den Demokraten (das ist die Partei, die derzeit im Kongreß alles tut, um den Kameraden der interviewten US-Soldaten den finanziellen Stecker rauszuziehen) nahestehend und bezeichnet sich selbst als "Flaggschiff der Linken", welche gemeinhin nicht dafür bekannt ist, Argumente FÜR den Irakkrieg zusammenzusuchen.

Da verwundert es denn auch nicht, dass "The Nation" es in monatelanger Vorbereitung tatsächlich geschafft hat, aus nur wenigen hunderttausend Irakkriegsveteranen immerhin 50 aufzutreiben, die von amerikanischen Kriegsverbrechen oder wenigstens fragwürdigen Methoden der Kriegführung zu berichten wissen, und deren Grundhaltung man bei "The Nation" offen mit den Worten "many of whom have come to oppose the occupation" beschreibt. Das hindert den FOCUS jedoch nicht daran, die daraus gezogenen Schlüsse zu verallgemeinern, obwohl selbst der proamerikanischer Umtriebe unverdächtige SPIEGEL inzwischen einräumen muß, daß die Amerikaner mit den Irakern offenbar doch besser umgehen als diese selbst.

Das heißt wohlgemerkt natürlich nicht, daß amerikanische Soldaten als einzige auf der Welt niemals Kriegsverbrechen begehen. Im Gegenteil, es wäre angesichts der Zahl der bereits im Irak eingesetzten Truppen ein in der Kriegsgeschichte wohl einmaliges Wunder, wenn es über die interviewten 50 Soldaten hinaus keine weiteren derartigen Zwischenfälle gegeben hätte. Wenn man nur den Bevölkerungsdurchschnitt der Gewaltkriminellen auf die Armee hochrechnet, sollte da bereits genügend Potential vorhanden sein, um "The Nation" und dem FOCUS noch Material für weitere spannende Geschichten zu liefern. Wer glaubt, in einem Antiterrorkrieg gäbe es weniger Brutalität als im Bahnhofsviertel der nächsten Großstadt, ist jedenfalls ein Träumer.

Denn den sauberen Krieg gibt es nicht. Kriegsverbrechen lassen sich nie völlig verhindern, in keinem Krieg und von keiner Armee. Das ist aber auch gar nicht die Frage. Entscheidend ist viel mehr, ob man derartige Verbrechen selber organisiert, fördert, duldet, ablehnt oder bekämpft. Tut ein Land letzteres und handelt es sich, was dann sehr wahrscheinlich ist, um einen demokratischen Rechtsstaat, so stehen ihm dabei allerdings auch nur dessen Mittel zur Verfügung. Das heißt, er kann die Täter zwar bestrafen, dies setzt aber voraus, daß man diesen die Tat dann auch nachweisen kann, sonst hat man vor Gericht nun mal schlechte Karten. Und wenn dann die Zeugen die Aussage verweigern oder sich nur gegenüber der Presse statt vor Gericht äußern, dürfen sie sich nicht darüber beklagen, daß die Täter am Ende ungestraft davonkommen

Hier steht man nun mal vor dem selben Problem wie bei der Kriminalitätsbekämpfung ganz allgemein, wo man zum Verdruß der rechtschaffenen Bürger immer wieder mutmaßliche Täter aus Mangel an Beweisen laufen lassen muß, ohne daß das jetzt irgendjemand dem Gericht vorwerfen oder gar fordern würde, die Beschuldigten dann halt einfach auf Verdacht auf die Teufelsinsel zu schicken. Wer aber ernsthaft in Kauf nehmen will, lieber Unschuldige zu bestrafen als Schuldige laufen zu lassen, soll das offen sagen, und nicht so tun, als ob eine derartige Willkürjustiz mit unserem derzeitigen westlichen Rechtsverständnis kompatibel wäre.

Und kommt es erst mal zu einer Gerichtsverhandlung, kann man gerade der amerikanischen Justiz nicht vorwerfen, dass sie, wenn sie denn einen Kriegsverbrecher endlich an den Eiern bzw. Eierstöcken hat, sonderlich zimperlich wäre. Da beantragt die Staatsanwaltschaft für das, was hier in Deutschland als "Körperverletzung" verharmlost wird, schon mal zweistellige Haftstrafen (wohlgemerkt Jahre, nicht Monate), und einem brutalem Mörder droht sogar die Todesstrafe, was selbst unter Irakkriegsgegnern zu erstaunlichen Solidarisierungen führen kann. Gleichzeitig drehen die Feinde des Westens von ihren schwarzen Schafen Heldenvideos, benennen Straßen nach ihnen, und am Ende zieren deren Gesichter gar Poster und T-Shirts auf der ganzen Welt.

Hinzu kommt, daß diejenigen, die jetzt publikumswirksam Krokodilstränen ob getöteter irakischer Frauen und Kinder vergießen, all die Jahre zuvor geschwiegen haben, als derartige Verbrechen nicht die beklagenswerte Ausnahme, sondern die völkerrechtskonforme Regel waren, und daß gerade diese Klientel auffällig oft den Sturz eben jenes Diktators, der für besagte Verbrechen verantwortlich war, vehement ablehnt. Artikel wie dieses "Meisterstück" von FOCUS bzw. "The Nation" sind also nicht nur eine böswillige Verzerrung der Wirklichkeit, sondern erfüllen zusätzlich noch den Tatbestand widerwärtiger Heuchelei in einem besonders schweren Fall.

Vollends absurd wird das ganze aber, wenn das Vorhandensein von Mißständen und die unzureichenden Erfolge im Kampf gegen selbige als Vorwand genommen werden, um gegen totalitäre Bedrohungen geführte Kriege als solche zu diskreditieren. Denn auch wenn man der Ansicht ist, daß die USA den Kampf gegen Verbrecher in den eigenen Reihen noch nicht ausreichend führen, sollte man bei aller im Einzelfall berechtigter Kritik nie vergessen, daß ohne das Eingreifen Amerikas die Welt gerade diesbezüglich immer noch um einiges schlechter aussähe. Da dürfen sich die Amerikahasser dann auch nicht wundern, wenn der Schuß bisweilen nach hinten los geht.

Donnerstag, 14. Juni 2007

(Zigaretten)rauch über Gaza

Im vergangenen Jahr hat die EU mehr Geld als je nach Palästina gepumpt – allerdings lediglich, um die schlimmsten Auswirkungen der Besatzung und der EU-Boykottpolitik zu lindern.

Der einzige vernünftige Satz in einem ansonsten komplett bescheuerten Interview (und das ist nicht die Schuld des FOCUS-Redakteurs). Denn die Prinzipien des Umgangs mit der Tabakindustrie (Werbeverbot für Zigaretten kombiniert mit Subventionen für den Tabakanbau) lassen sich offenbar erstaunlich problemlos auch auf die europäische Nahostpolitik anwenden.

Mittwoch, 01. Juni 2005

So witzelte Laura über George

FOCUS

Ungewohnt offen hat First Lady Laura Bush auf einem Journalisten-Dinner Witze über ihren Mann gemacht. Manch ein Korrespondent traute seinen Ohren nicht.

Ich bin ja nicht gerade ein FOCUS-Fan, und wenn Witze über George W. Bush angekündigt werden, erwarte ich günstigstenfalls nichts gutes. Aber diese kleine Bilderserie lohnt sich wirklich. Denn sie zeigt, daß all die als Monster dargestellten US-Politiker in der Wirklichkeit auch dann Sinn für Humor und Selbstironie haben, wenn sie nicht gerade Rumsfeld heißen. Mein persönlicher Favorit ist übrigens der Text zu Bild 5 zusammen mit Condis und Cheneys darauffolgenden Gesichtern:

„Georges Antwort auf jedes Problem auf der Ranch ist, schneid´s mit der Motorsäge ab. Ich glaube, deshalb versteht er sich auch so gut mit Dick Cheney und Rumsfeld.“

Sonntag, 29. Mai 2005

Moskaus Angst vor Merkel

FOCUS

Die meist auf Kreml-Kurs liegende Moskauer Zeitung Iswestija dagegen befürchtet Nachteile für Russland im Falle eines Wahlsieges von Merkel, den sie für sehr wahrscheinlich hält. „Alles läuft auf ein Ende der Vorzugsbehandlung in den deutsch-russischen Beziehungen hinaus. Die neue Kanzlerin wird kaum so oft und so eng Kontakt mit Putin halten wie Schröder", schreibt das Blatt. Der sei der zuverlässigste Bündnisgenosse des Kreml-Chefs im Westen und der wichtigste Lobbyist von Russlands Interessen in der Europäischen Union.

Ich muß gestehen, eigentlich ist es mir momentan noch ziemlich wurscht, wer die vorgezogenen Bundestagswahlen im Herbst gewinnt. Das Programm der Union, so es denn überhaupt schon existiert, wird nach allem was man weiß, kaum der große Wurf sein, der nötig wäre, um Deutschland aufs richtige Gleis zu setzen, damit es wieder Anschluß an den Zug der Globalisierung findet.

Aber selbst wenn eine bürgerliche Koalition in Sachen Wirtschafts- und Außenpolitik tatsächlich die besseren Konzepte hätte, bliebe die Frage, ob sie auch den Mut besäße, sie umzusetzen. Mitunter ist es in der Demokratie leichter, wenn die falsche Partei selber die richtige Politik durchsetzen muß, weil ihr dies die Möglichkeit nimmt, dagegen zu kämpfen und so die Gesellschaft zu spalten.

Aber die Vorstellung, daß Putin in Zukunft mit den Deutschen richtig verhandeln muß, statt sich wie bisher einfach auf vorauseilenden Gehorsam verlassen zu können, ist schon ziemlich verlockend. Da dürfte er auch ohne Sauna ins Schwitzen geraten. Vielleicht sollte man Angie tatsächlich mal eine Chance geben, und sei es nur, um zu sehen, wie Putins Großmacht-Träume platzen.

Montag, 14. Februar 2005

NATO-Rede verschnupft Teilnehmer

FOCUS

Der US-Verteidigungsminister sorgte insgesamt für gute Stimmung auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Mit Augenzwinkern bezeichnete Rumsfeld manche seiner früheren harschen Äußerungen zu Vertretern anderer Meinungen als „Old Rumsfeld“.

Rumsfeld's ausgesprochen unterhaltsame Art, sich mit klaren Worten und genialen Bonmots über die eingefahrenen Regeln der Diplomatie hinwegzusetzen, ist ja alleine schon eine Klasse für sich. Aber ein Politiker mit der Fähigkeit zur Selbstironie, das hat nun wirklich Seltenheitswert. Absolut brilliant!

[...] „Es ist gut, wieder hier zu sein", versicherte „Rummy“ und unterhielt das Publikum auch sonst mit allerlei kurzweiligen Sprüchen.

Die heikle Frage etwa, wie Amerika auf die Berufung eines EU-Außenministers reagieren würde, nahm der alte Haudegen diplomatisch auf: „In Chicago würde man sagen, einige meiner Freunde sind dafür, einige meiner Freunde sind dagegen. Und ich bin immer der Meinung meiner Freunde.“

Womit Rummy wieder einmal all seinen Kritikern gezeigt hätte, daß er immer noch die unbestrittene Nr. 1 ist. Einfach unersetzbar, der Mann. Hoffentlich hört man nach seinem "Comeback" jetzt wieder öfter von ihm. So ein Talent darf man nicht verstecken, nicht mal, um dem State Department einen Gefallen zu tun.

„Just kidding“ – „nur ein Witz“ – versicherte Rumsfeld gleich mehrmals nach launigen Statements, aufmerksam darauf bedacht, keine neuen Gräben aufzureißen.

Traurig genug, daß man das in Deutschland offenbar immer noch dazusagen muß. Vermutlich damit die Deutschen wissen, daß sie jetzt in den Keller gehen können.

Und jetzt die Werbung...

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