Das Ende der Unschuld
Die Partei und ihr virtueller Vorsitzender gehen sogar so weit, die Kriterien politischer Moral völlig aufzuweichen. Fischer hat Missstände in der Visa-Affäre eingeräumt und gestern verkündet, er übernehme dafür die "politische Verantwortung". [...] Wenn Joschka Fischer die politische Verantwortung für die Visa-Affäre übernimmt, dann - passiert gar nichts. Der Begriff der politischen Verantwortung ist unter Fischers tätiger Mithilfe und mit Duldung der Grünen zur Floskel verkommen. Und damit hat die Partei ihren Beitrag zur oft beklagten Politikverdrossenheit geleistet.
Ich kann mir nicht helfen, aber Fischer's Übernahme der "politischen Verantwortung" erinnert mich fatal an Ephraim Kishon's Satire "Bienstock, der Verantwortliche", wo ein gewisser Jimmy Bienstock einfach verkündete, daß er für die diversen Katastrophen die Verantwortung übernimmt, und das war's dann auch schon.
Dabei will ich mich gar nicht am derzeitigen Fischer-Bashing beteiligen, denn erstens hat er schon schlimmere politische Fehler gemacht, ohne sich deswegen gleich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert zu sehen, und zweitens sind politische Fehler kein Grund, den Hut zu nehmen, sondern höchstens einer, um nicht wiedergewählt zu werden.
Denn wäre schlechte Politik tatsächlich ein Rücktrittsgrund, müßte ohnehin die gesamte Regierung gehen. Und die Opposition gleich mit, denn in ihrer derzeitigen Verfassung würde sie es kaum besser machen. Da fliegen momentan jedenfalls ziemlich viele Steine durch die Glashäuser.
Was man Fischer aber übelnehmen kann, ist diese unnötig pathetische Übernahme der "politischen Verantwortung". So was sollte er lassen. Fehler eingestehen und sich hinfort bemühen, sie zu vermeiden - das muß reichen. Zurücktreten muß er eh noch früh genug. Spätestens wenn der Iran die Bombe hat.

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