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In Ägypten sollen bei der Präsidentschaftswahl im September erstmals mehrere Kandidaten antreten dürfen. Staatschef Husni Mubarak beauftragte das Parlament und den Verfassungsrat am Samstag völlig überraschend, eine entsprechende Gesetzesänderung vorzubereiten. Das Wahlrecht müsse «in Übereinstimmung mit dem geschichtlichen Stadium unserer Nation» gebracht werden, sagte der seit 1981 amtierende Präsident in einer im Fernsehen übertragenen Rede.
Demokratie in Afghanistan, Palästina und im Irak, erste zaghafte, wenn auch noch halbherzige Versuche mit Kommunalwahlen in Saudi-Arabien, antisyrische Massenproteste für Freiheit und Demokratie im Libanon, und jetzt auch noch die Selbstverpflichtung Mubaraks zu freien Wahlen in Ägypten? Man kann die Dominosteine allmählich gar nicht mehr so schnell zählen, wie sie fallen.
Wer auch immer glaubte, die US-Außenpolitik wäre entweder nicht auf die Verbreitung der Demokratie gerichtet oder würde im Gegenteil bei genau dieser Demokratisierung scheitern, sollte jetzt eigentlich eines besseren belehrt sein. Die USA greifen sich eben nicht nur die bösen Buben, sondern lesen auch den eigenen Verbündeten die Leviten. Und das offenbar mit zunehmendem Erfolg.
Allmählich müßten den Kritikern von George W. Bush die Ausreden ausgehen, warum der Araber als solcher seine Freiheit lieber an die Lieblingsdiktatoren des europäischen Establishments abtritt, anstatt selbst von ihr Gebrauch zu machen. Und auch die unweigerlichen "Aber Ägypten, aber Saudi-Arabien"-Rufe jener, die dem US-Imperialismus aus grundsätzlichen Erwägungen jede Fähigkeit absprechen, frühere Fehler zu korrigieren, dürften hinfort etwas verhaltener vorgetragen werden.
Das politische Beben, welches gerade den Nahen und Mittleren Osten erfaßt, erschüttert aber nicht nur die Herrschaft der dortigen Despoten, um die es jetzt plötzlich einsamer wird, es zertrümmert sogar noch tausende Kilometer entfernt in den Hauptstädten des alten Europa liebgewordene Illusionen wie z.B. die von der heilsamen Wirkung der moralisch ach so überlegenen "soft power".
Denn während Chirac und Schröder in den letzten Jahren nur auf Verlierer wie Saddam, Assad und Khameini gesetzt haben, und sich diesen gegenüber trotz schwerster Menschenrechtsverletzungen nicht zu mehr als "kritischem Dialog" verpflichten lassen wollten, haben die US-Cowboys auf vielleicht archaischere und weniger filigrane, dafür aber umso wirkungsvollere Methoden zurückgegriffen.
Denn die "Winds of Change", die jetzt den Wüstenstaub durcheinanderwirbeln, wurden nicht durch die heiße Luft europäischer Gesprächsdiplomatie erzeugt, sondern durch die Stiefel amerikanischer Marineinfanteristen, die Reifen ihrer Humvees, die Ketten der Abrams-Panzer, die Rotoren der Apache-Helikopter und die Triebwerke der trägergestützten Hornets.
Es wird daher Zeit für die Vertreter der "Achse des Friedens" darüber nachzudenken, ob deutsche G-3 Sturmgewehre, französische Mirage-Jagdbomber oder russische T-72-Tanks auch weiterhin nur im aussichtslosen Kampf für eine falsche Sache von den US-Streitkräften vorzeitig in Altmetall verwandelt werden, oder ob sie in Zukunft nicht lieber auch zu Symbolen der Befreiung statt der Unterdrückung werden wollen.
So alt sollte nicht mal das alte Europa sein, daß es nicht noch etwas dazulernen könnte.
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