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45 Artikel der Kategorie "Ideologie: Rechtsextremismus"

Donnerstag, 13. September 2007

Blue Card Blues

Wende in der europäischen Einwanderungspolitik: Die EU will 20 Millionen Arbeitskräfte aus Asien und Afrika holen - mit einer neuen Blue Card. Nur so könne man den Wettbewerb mit den USA gewinnen. Vor allem Deutschland soll mehr Migranten aufnehmen.

20 Millionen? Und mehr Migranten für Deutschland? Na, da dürfte der Blick in den rechtskonservativen Teil der Blogosphäre die nächsten Tage ja sehr unterhaltsam werden. Bei jenen Kameraden, die fürchten, daß das volle Boot des Abendlands jetzt schon am untergehen ist, dürfte dann wohl großes Zähneknirschen angesagt sein. Und auf der Speisekarte steht heute vermutlich Teppich.

Dienstag, 11. September 2007

Tatütata, die Paulizei ist da

Uii, da ist meine letzte Blogrollsäuberungsaktion ja doch noch zum Politikum geworden. War wohl zu lange ruhig in Kleinbloggersdorf. Jedenfalls mündete das ganze bei der (paläo)konservativen "Gegenstimme", die sich gerade verdächtig weit über den Abgrund beugt (vermutlich um nachzusehen, ob PI schon unten angekommen ist) in einer - übrigens ausgesprochen unterhaltsamen! - Diskussion, in deren Verlauf unter anderem die Frage aufkam, ob der Macher der dort beworbenen Antifa-Satire wirklich nur ein harmloser Witzbold ist oder ob seine Seite Opponent.de für einen anständigen CDU/CSU-Konservativen nicht doch ein bißchen zu weit rechts außen steht.

Da bei der Gegenstimme derzeit die Ressourcen für eine genauere diesbezügliche Recherche fehlen und die Leser nicht mal zu wissen scheinen, was "Neue Rechte" bedeutet, helfe ich gerne, eventuell vorhandene Informationslücken aufzufüllen. Aaaalso, schon bei einem flüchtigen Blick auf den "Opponent" fallen auch dem unbedarften Besucher einige Links auf, die man auf einem normalen Merkel-Fanblog wohl eher selten zu sehen kriegen dürfte. Selbst wenn ein einzelner davon mal aus Ausrutscher durchgehen mag, stellt sich in dieser Häufung schon die Frage, ob uns der Blogbetreiber damit nicht doch irgendwas sagen möchte, was selbst einen Strauß-Konservativen ein bißchen stutzig machen sollte.

Zunächst findet sich dort die einschlägig bekannte "Junge Freiheit", die rechts der Union den haselnußfarbenen Bereich bis zur (Zellen)Wand abdeckt. Das sind natürlich noch keine Nazis, die am Tage der Machtergreifung Martin Hohmann zum Führer ausrufen wollen, aber ich würde sie trotzdem nur sehr ungern in Versuchung geführt sehen. Das sah offenbar auch der Verfassungsschutz so und hatte deswegen ein paar Jahre lang sicherheitshalber mal ein Auge drauf. Unabhängig davon sind die revisionistischen und nationalistischen Tendenzen des Blatts aber ohnehin nichts, womit ein gemäßigter, der Westbindung verpflichteter Adenauer-Konservativer gerne in Verbindung gebracht werden wollen sollte.

Die Zeitschrift "Sezession" gehört dem Dunstkreis des "Instituts für Staatspolitik" an, welches laut Verfassungsschutz wiederum Teil des "Projekts 'Junge Freiheit'" ist, aus deren Umfeld auch seine Gründer kommen. Daß dort, wie auch in anderen Publikationen der "Neuen Rechten", in Ausnahmefällen zu Alibizwecken auch mal kluge Köpfe zu Wort kommen, ändert nichts daran, daß der Ton von Kameraden ganz anderen Kalibers vorgegeben wird. Der "Opponent" verlinkt das IfS denn auch bezeichnenderweise unter dem Namen von dessen Obermotz Götz Kubitschek, der einst wegen rechtsextremer Bestrebungen hochkant aus der nicht nur von Dregger-Konservativen geschätzten Bundeswehr geworfen wurde.

Den Link auf die "Blaue Narzisse" kann man insofern, als es zwischen ihr und dem "Opponent" gewisse personelle Verflechtungen gibt und man auf seinem Blog natürlich auch für seine anderen Projekte Reklame machen darf, menschlich noch verstehen. Aber genau wie sich die "Sezession" nicht mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt, so ist die "Blaue Narzisse" auch kein Fachblatt für den Blumenfreund, sondern eine als Schülerzeitung gegründete Onlinepublikation, die, falls sie mit rechtsextremen Elementen tatsächlich nur spielt, dies auf ihrem Spielplatz zumindest sehr gerne und ausgiebig tut. Jedenfalls ausgiebig genug, um einen Schäuble-Konservativen ernstlich ins Grübeln zu bringen.

So harmlos wie die "Blaue Narzisse" klingt, so eindeutig kommt das "Sturmvolk" rüber. Auch wenn es sich selbst als konservatives Blog bezeichnet, so ist die Begründung für den Blognamen ("guter Klang") kaum weniger befremdlich als die halbherzige Distanzierung vom historischen Vorbild, dem nationalistischen Kindergarten von Werner Lass, der es während des 1000-jährigen Reichs zum im Rückblick nur wenig ruhmreichen Posten des Amtsleiters Reichspresse in der Reichspressestelle brachte. Wie bei der "Blauen Narzisse" sollte auch ein Schönbohm-Konservativer sich angesichts solcher "Empfehlungen" fragen, ob da der Begriff "konservativ" nicht zumindest ein wenig ungewöhnlich interpretiert wird.

Zugegeben nicht ganz so offensichtlich, dafür umso unappetitlicher ist der Link auf die österreichische Zeitschrift "Zur Zeit". Diese hat nichts mit der deutschen Wochenzeitung ähnlichen Namens zu tun, mit der rechts-populistischen FPÖ dafür umso mehr. In ihrem heroischen Kampf gegen die "Faschismuskeule" und für ein "Ende der Vergangenheitsbewältigung" wird der Schicklgruber Adi dann schon mal als "großer Sozialrevolutionär" verklärt, der anders als der echte Sir Winston keine Schuld am II. Weltkrieg gehabt hat. Wenn dann Artikel auch noch mit Parolen wie "Deutschland Erwache!" enden, dürfte das selbst eingefleischten Oettinger-Konservativen deutlich zu weit gehen.

Nun kann man natürlich argumentieren, daß man nicht immer die Muße hat, sich mit der Blogroll verlinkter Seiten auseinanderzusetzen. Das ist zwar nicht sehr klug, aber bitte schön, jeder wie er mag. Aber ein kurzer Blick auf den Inhalt der Seite selbst wäre mitunter schon anzuraten. Sonst sitzt man nämlich schnell mit Leuten in einem Boot, die unter Hetzjagd von Mügeln die auf dessen stolzen deutschen Bürgermeister verstehen und dem Wohl von Naziskins oder NPD-Politikern mehr Raum einräumen als dem ihrer Opfer. Und auch wenn Eva Herman mit Nachnamen sicher weder Braun noch Göring heißt, sollten sogar Stoiber-Konservative eine Soli-Kampagne für sie als übertrieben erachten.

Doch auch der Betreiber der Seite ist kein ganz so unbeschriebenes Blatt, wie man vielleicht meinen möchte. Neben seiner Mitarbeit bei der oben erwähnten "Blauen Narzisse" ist er nämlich zugleich stellvertretender Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend. Das allein ist sicher noch kein Verbrechen, selbst wenn das umgekehrt bei der Führung eines Vertriebenenverbands im Einzelfall sogar hilfreich sein kann, wie wir spätestens wissen, seit Yassir Arafat den Friedensnobelpreis gekriegt hat. Wenn aber die Organisation, für die der Blogbetreiber steht, so viele Verbindungen ins rechts-revanchistische Lager zu haben scheint, sollte zumindest ein aussöhnungsbereiter Kohl-Konservativer hellhörig werden.

Damit das nicht mißverstanden wird: Anders als der handelsübliche PC-Gutmensch habe ich kein Problem damit, daß rechte Spinner Ihren Unsinn genauso verbreiten dürfen wie linke Spinner, solange sie sich dabei auf dem Boden der vielzitierten FDGO bewegen. Miteinander zu reden ist in der Regel immer noch besser als aufeinander zu schießen. Und es steht selbstverständlich auch jedem frei, sogar Schmuddelkinder zu verlinken. Nur sollten gerade diejenigen, die sich über die Hygiene ihrer politischen Gegner mokieren, nicht vergessen, daß wer im Schlamm spielt, die Aufforderung, sich die Hände zu waschen, doch besser etwas ernster nehmen sollte. Sonst bleiben unschöne braune Flecken.

Montag, 10. September 2007

Das Prinzip SPIEGEL - unter revisionistischer Flagge?

Das Prinzip Saddam - unter amerikanischer Flagge

Wie? Die Amis vergasen jetzt die Kurden? Oder massakrieren die Schiiten? Schneiden Irakern, die George W. Bush verhöhnen, wenigstens die Zungen raus? Weit gefehlt! Der SPIEGEL hat nämlich herausgefunden, was den Ba'ath-Faschismus wirklich ausgemacht hat:

"Das Prinzip Saddam - verteile Wohltaten und herrsche unter den Stämmen"

Da sollte sich Eva Herman nach ihrem Rauswurf beim NDR vielleicht gleich mal bei der Hamburger Konkurrenz bewerben. Denn dort weiß man derartige Anliegen offenbar sehr gut in griffige Formeln zu gießen, so daß wir nächsten Montag vermutlich auf der Titelseite lesen:

"Das Prinzip Adolf - verteile Mutterkreuze und herrsche unter den Parteien"

Freitag, 24. August 2007

+++ Aktuelles zur Spielemesse!!! +++

Mügelnstein 3D

In dieser Mischung aus Action-Adventure und 3D-Shooter stehen Ihnen in der Grundeinstellung die vier Charaktere Sascha, Maik, Bomber und Adi mit jeweils unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten zur Verfügung. Nachdem Ihr Charakter an einem der zahlreichen "Stände" seinen Aggressionslevel aufgetankt hat, jagen Sie "Eindringlinge" dorthin, wo sie hingehören, nämlich zur Hölle. Nachtanken nicht vergessen!

Über einen Leserhinweis (Dank an lowlevel!) bin ich auf die gestern stattfindende Games Convention in Leipzig gestoßen, wo neben anderen interessanten Spielen wie den "Ossims" nicht nur der obengenannte Ego(ismus)-Shooter vorgestellt wurde, sondern auch der langerwartete Strategiehammer "Uncivilized":

In dieser Echtzeit-Abrißsimulation gründen Sie vor 4000 Jahren in den Wäldern Sachsens eine Siedlung und versuchen das Steinzeitniveau ihrer primitiven Krieger so lange wie möglich gegen die zahlreichen Gefahren der Moderne aufrechtzuerhalten. Hierzu sind alle Mittel recht:

  • Bauen Sie keine florierende Wirtschaft auf, sondern kämpfen Sie lieber gegen alle Völker, die diesbezüglich erfolgreicher sind als Sie
  • Vernichten Sie dabei dutzende verschiedener, liebevoll animierter Gebäudetypen vom Ausländerwohnheim über ein Jugendzentrum bis zur Pizzeria
  • Vertreiben Sie Wissenschaftler, Ingenieure und sonstige Spezialisten, die ihren Wohlstand erhöhen könnten, und entziehen sie so den Steuereintreibern jegliche Arbeitsgrundlage
  • Schützen Sie ihre Kultur vor der Unterwanderung durch Diplomaten mit Migrationshintergrund, die Ihre Städte durch giftiges FastFood, merkwürdige Kopfbedeckungen und fremdsprachige Musik zu zersetzen versuchen
  • Erklären Sie Kulturleistungen wie den Sieg im diesjährigen Kirmeswettsaufen oder das fehlerfreie Absingen des Horst-Wessel-Liedes zu den wahren Weltwundern
  • Erforschen Sie auf der Suche nach Volksfesten und sonstigen lohnenswerten Veranstaltungen die umliegenden Dörfer und zetteln Sie dort zünftige Pogrome an
  • Wählen Sie aus zahllosen Truppentypen mit jeweils spezifischen Agressions-, Tapferkeits-, Intelligenz- und Moralwerten, wie beispielsweise dem hirnlosen Hooligan (A:10, T:6, I:0, M:0), dem reizbaren Alkoholiker (A:8, T:10, I:3, M:2), dem globalisierungsfeindlichen Arbeitslosen (A:3, T:1, I:2, M:3), dem ahnungslosen Biedermann (A:0, T:0, I:3, M:1), dem beschwichtigenden Bürgermeister (A:0, T:2, I:4, M:3), dem brutalen Skinhead (A:10, T:1, I:1, M:-1) oder auch dem skrupellosen Führer (A:10, T:0, I:10, M:-99)
  • Erobern Sie mit diesen die heimische Scholle von den feindlichen Störenfrieden zurück und vertreiben Sie dazu alle Einheiten anderer (Haut)farben

Wenn die Häuser Ihrer Gegner heller brennen als deren Lichterketten, bevor aufgrund der nationalen Abschottung der Lebensstandard Ihrer Bürger unter ihr geistiges Niveau gefallen ist, haben Sie gewonnen und dürfen Ihren Namen im "Walhalla der Infamie" verewigen. Ein Spiel für echte Führerpersönlichkeiten!

(Systemvoraussetzungen: R-OS/TOC92 als Umgebung für das gesunde Volksempfinden, Intelligenz-inkompatibler Prozessor mit max. 1945KHz, 88GByte freier Speicherplatz für Vorurteile und Ressentiments, wahlweise Sütterlin- oder Runentastatur, Schäferhund statt Maus, Bildschirmauflösung ab 2,8 Promille egal, wegen extrem laut gebrüllter Hetzparolen Kopfhörer empfohlen, keine Schnittstellen zum Datenaustausch mit Fremdsystemen, unterstützt daher keinerlei internationale Standards gleich welcher Art)

Mittwoch, 22. August 2007

Das Ungeheuer von Loch Mügeln...

...findet man hier. Und wer immer es war, der diesen trotz des ernsten Themas so unterhaltsamen wie treffenden Artikel abgelehnt hat, sollte von seinem Brötchengeber schnellstens auf einen anderen Posten versetzt werden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet.

Neulich, bei der Menschenjagd...

Die Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln hat die Debatte um die ausländerfeindliche Gewalt in Deutschland neu entfacht. [...] Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse [...] warnte auch vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort: Je schlechter der Ruf Deutschlands ist, umso weniger werden die Leute, die wir brauchen können für unseren Wohlstand und Fortschritt, kommen.

Wolfgang Thierse mag ja ein Dampfplauderer sein, aber hier hat er nicht nur recht, er bringt auch ein Argument, das selbst einem Kategorien wie Zivilisation, Menschlichkeit und Mitgefühl ansonsten nicht mehr zugänglichen Hartz-IV-Nazi eigentlich einleuchten müßte. Thierse hat es angesichts der Adressaten vielleicht etwas umständlich ausgedrückt, aber man kann es für unsere etwas schlichter strukturierten Prolet-Arier auch in einfache Worte fassen: "Du nix benehmen, Du nix Arbeit. Braun zwar scheiße, aber nicht auf Haut, sondern in Schädel."

Es ist nämlich nicht nur nicht sonderlich nett, seine Mitmenschen ohne deren Einverständnis krankenhausreif zu schlagen, es ist auch ziemlich dumm, in die Hand zu beißen, die einen füttern könnte. Denn es sind nicht zuletzt gerade diese Inder, die der deutschen Wirtschaft fehlen und die dann wiederum jene Arbeitsplätze schaffen könnten, von denen auch unsere rechten Kameraden profitieren würden, wenn sie ihre Energie nur mal in Dinge wie das Programmieren von Webseiten stecken würden statt ins Nähen von Reichskriegsflaggen.

Der Streit begann am Sonntagmorgen kurz vor 01.00 Uhr im Festzelt auf der Tanzfläche mit Schubsereien, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Inder hätten das Zelt schließlich verlassen und seien draußen von den Deutschen attackiert worden. Gegenüber liege eine Pizzeria, die von einem Inder betrieben werde. Dorthin seien die Angegriffenen gerannt, und der Wirt habe sie durch einen Nebeneingang hereingelassen.

„Eine Gruppe von zirka 50 deutschen Veranstaltungsteilnehmern und zahlreiche Schaulustige folgten den Flüchtenden“, berichtete die Polizei weiter. Einige hätten die Eingangs- und Hintertür eingetreten und das Auto des Pizzeria-Besitzers stark beschädigt. Die Polizei schritt nach eigenen Angaben mit 70 Einsatzkräften ein und drängte die Angreifer ab.

Diese Schilderung des Tathergangs wirft dabei ein bezeichnendes Licht auf die Unfähigkeit unseres Staates, ganz generell mit Gewaltkriminalität fertigzuwerden. Da stehen 70 bewaffnete Polizisten einem brutalen Lynchmob gegenüber, und dann drängen sie die Täter allen Ernstes einfach ab, statt, wie das in einem funktionierenden Rechtsstaat eigentlich eine Selbstverständlichkeit wäre, zu versuchen, möglichst vieler von ihnen habhaft zu werden. Noch besser kann man eine offizielle Einladung zum nächsten Pogrom kaum verfassen.

Zwei Polizisten seien ambulant behandelt worden. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt, erklärte die Polizeidirektion. „Ein ausländerfeindlicher Hintergrund kann derzeit weder ausgeschlossen noch bestätigt werden.“ Die Polizeidirektion Westsachsen berichtete jedoch von Zeugenaussagen, nach denen die Verfolger „Ausländer raus“ und „Hier regiert der nationale Widerstand“ gerufen hätten.

Und? Mal ganz davon abgesehen, daß die Äußerung "Ausländer raus!" nur mit sehr viel Phantasie als nicht ausländerfeindlich zu interpretieren ist, wäre die Sache ja wohl keinen Deut besser, wenn die Inder nur aus ganz allgemeinem Menschenhaß, der Lust daran, Schwächere zu quälen, oder einfach weil die Täter gemeingefährliche Soziopathen waren, mißhandelt worden wären. Es ist ja wohl unabhängig davon die Aufgabe des Staates sicherzustellen, daß dieses Gesindel die Lust verliert, so was noch mal zu machen, oder?

Wobei es unfair wäre, der Polizei hier die Hauptschuld zuzuweisen, denn auch wenn man sich zu Recht fragt, wieso sich vergleichsweise harmlose langhaarige Ökopaxe bei Bedarf problemlos einkesseln und einzeln abfrühstücken lassen, die Festnahme eines Haufens alkoholisierter Schlagetots die Muckitruppe der Polizei hingegen vor unlösbare Probleme stellt, so sind die Justiz und auch der Gesetzgeber an der Misere vorsichtig ausgedrückt nicht unbeteiligt, wie die zuständige Justizministerin in einem Interview denn auch versehentlich offen zugibt:

Strafen wurden oft zur Bewährung ausgesetzt oder es wurden nur Geldstrafen verhängt. Paragraf 47 des Strafgesetzbuches schreibt vor, dass Freiheitsstrafen von einem halben Jahr nur in Ausnahmefällen verhängt werden dürfen und stattdessen soll eher auf Geldstrafen ausgewichen werden. Paragraf 56 erlaubt es, Haftstrafen bis zu zwei Jahren zur Bewährung auszusetzen. Diese Ausnahmen wollen wir für die Verurteilung von Tätern rechtsextremistischer Taten einschränken, um die Strafen verschärfen zu können.

Liest man so was, dann wird durch die Erwähnung von §47 im Zusammenhang mit vorsätzlicher Körperverletzung erstens klar, daß Gewaltverbrechen von seiten des Gesetzgebers irgendwie immer noch nicht so ganz ernst genommen werden, und die Erwähnung von §56 legt den Verdacht nahe, daß diejenigen, die ihn täglich anwenden, den tieferen Sinn einer Bewährung offenbar noch nicht zur Gänze erfaßt haben, sonst wäre es kaum möglich, daß ein Wiederholungstäter mehr als eine Bewährungsstrafe am Stück kriegen kann.

Statt also mal wieder demonstrative Betroffenheit an den Tag zu legen und zu hoffen, daß jetzt nicht auch noch die letzten Inder einsehen, daß Deutschland nicht nur bezüglich der wirtschaftlichen Chancen, sondern auch in Fragen der persönlichen Sicherheit keine ernstzunehmende Alternative zu den angelsächsischen Ländern ist, wäre es ein angemessener Zeitpunkt, Gewaltverbrechen nicht länger als Kavaliersdelikt zu behandeln und Wiederholungstäter so lange aus dem Verkehr zu ziehen, bis sie gelernt haben sich zusammenzureißen.

Sonst war Rostock vielleicht das erste, aber Mügeln nicht das letzte Mal.

Dienstag, 10. Juli 2007

Chrr, de Zentralrat de Jodn!

Wer solche Texte sät...

Wenn ein deutscher Politiker vom ungeschriebenen Gesetz abweicht, Israel im Nahost-Konflikt als reines Opfer zu sehen, das an der hoffnungslosen Situation in den Palästinensergebieten und an den Spannungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten nicht einmal eine Teilschuld trägt, so muss sich dieser Politiker auf eine geharnischte Breitseite des Zentralrates der Juden einstellen. Wer völkerrechtswidrige Handlungen als solche bezeichnet, muss damit rechnen, antiisraelische Reflexe und moralische und inhaltliche Defizite unterstellt zu bekommen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland vertritt stets eine Linie, die der Politik Israels gegenüber durch Nibelungentreue gekennzeichnet ist und sich jegliche fundierte Kritik von außen verbietet. Seine Beschuldigungen wirken oft inflationär undifferenziert.

...und sie mit solchen Worten düngt...

-> Kritik an Israel in der Politik

Oh ja - es gibt einige wenige Politiker, die idT Kritik üben. So z.B. Frau Wieczorek-Zeul - ich muss wohl nicht erwähnen, wie so etwas ausgeht? Nur laut poltern, dann kommt die Schere im Kopf von ganz alleine.

...darf sich nicht wundern, wenn er solche...

Es ist in allen wesentlichen deutschen Medien verboten, überhaupt nur den Begriff “Zentralrat der Juden” in einem Posting zu erwähnen, so im SPIEGEL-Forum, in der WELT, in der FAZ und auch in der SZ.

[...] Der Zentralrat der Juden ist eine vom deutschen Steuerzahler finanzierte Einrichtung, die eigentlich nur Hass schürt.

[...] Frau Knobloch macht auch in Reden deutlich, daß Deutschland außer seiner Zahlfunktion für sie keinen Wert hat:

...und solche Kommentare erntet:

Einen Tag nach dem Feuilleton durch Wolffsohn kam das Feuilleton im Deutschlandradio von Alan Posener, der sich beschwert hatte, dass Israel keine Lobby in Deutschland hätte.. Dabei war an drei Tagen hintereinander im Deutschlandradio das Feuilleton von inoffiziellen Israel-Lobbyisten gefüllt!

Natürlich kann man Israel kritisieren, aber man erreicht ziemlich schnell die Grenze dessen, was Medien ausstrahlen und der Gegenwind ist nicht nur scharf, sondern auch verdammt kalt!

Andererseits, was soll man auch von jemandem erwarten, der Lektüre wie Arne Hoffmanns "Warum Hohmann geht und Friedman bleibt" empfiehlt und Hardcore-Israelhasser wie Jörg Sutter zu seinen Fans rechnen darf. Und der Erfolg gibt ihm und seiner Geistesverwandschaft wie Marcel Bartels oder DaRockwilda ja schließlich recht. Mit dieser Masche schafft man es in Deutschland eben immer noch problemlos in die Liste der meistverlinkten Blogs.

Samstag, 23. Juni 2007

Goslar reloaded?

Die Mehrheit der Deutschen plädiert einer Umfrage zufolge für den Abzug der Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan. Wie der "Focus" heute berichtet, sprachen sich 61 Prozent der vom Meinungsforschungsinstitut polis/USUMA befragten Bundesbürger dafür aus, den Bundeswehreinsatz am Hindukusch zu beenden. Lediglich 36 Prozent hielten es für richtig, das militärische Engagement der Deutschen wie bisher fortzusetzen.

61%? Na, angesichts von Gerhard Schröders beeindruckender Performance in der Zielgeraden 2002 dürften diejenigen, die mir heute morgen als Zeichen des offenbar allmählich beginnenden Wahlkampfaktionismus unter dem Titel "Holt die Jungs heim!" unter anderem das hier in den Briefkasten geworfen haben, dem 27. Januar relativ entspannt entgegensehen:

Wie viele deutsche Soldaten müssen noch in Zinksärgen aus Afghanistan nach Hause kommen? Das Land am Hindukusch wird zum zweiten Irak. Für Deutschland gibt es da nichts zu verteidigen, aber viel zu verlieren.

Deutschland hatte in Afghanistan einen ausgezeichneten Ruf. Wir waren geschätzt als ehrliche Partner und Ratgeber. Dieser gute Ruf wird runiniert, weil wir als Hilfstruppen der Amerikaner tatenlos danebenstehen, während das Land wieder ins Chaos versinkt.

Der Versuch, das Land am Hindukusch militärisch zu besetzen und eine proamerikanische Regierung zu installieren, scheitert. Die ausländischen Besatzungstruppen stehen vor einem harten Guerillakrieg, der Jahrzehnte dauern kann und auch mit größten Opfern nicht zu gewinnen ist.

Statt die Augen zu verschließen und jede Rückzugsdebatte für tabu zu erklären, muß die Bundesregierung den Bürgern reinen Wein einschenken. Angesichts des sich abzeichnenden Desasters gibt es nur eine logische Konsequenz: Holt unsere Jungs heim, bevor es zu spät ist.

Und jetzt dürfen die Leser dreimal raten, wer für dieses Geschwurbel verantwortlich ist. Kleiner Tip, damit's nicht allzu schwer wird: Unser lieber Ivan ist es trotz des für ihn nicht untypischen Geredes von Zinksärgen, Hilfstruppen, Regierungsinstallationen, Besatzern und Desastern ausnahmsweise mal nicht.

Mittwoch, 20. Juni 2007

Islamhasser auf Abwegen

Wie nicht anders zu erwarten, wird der Kampf gegen die geplante Moschee in Köln-Ehrenfeld auch von diversen rechtskonservativen Bloggern unterstützt. Diese wehren sich jedoch vehement gegen derartige Etiketten, mit denen sie ihrer Meinung nach zu Unrecht in die rechte Ecke gedrückt werden sollen.

Nun sollte man sicher Verständnis für ihren Wunsch haben, als Moscheegegner nicht gleich als rechtsradikal abgestempelt zu werden, zumindest in dem Maße, wie sie selber darauf verzichten, Moscheebefürworter als linke Spinner, naive Gutmenschen, rot-grüne Multikultiträumer oder Dhimmis zu beschimpfen. Was aber nicht nachzuvollziehen ist, ist, wieso sie, wenn sie doch so viel Wert drauf legen, nicht mit den bösen Rechten in einen Topf geworfen zu werden, offenbar alle Hebel in Bewegung setzen, um eben jene, mit denen man angeblich nichts zu tun haben möchte, zu verharmlosen oder gar ausdrücklich zu loben.

Denn um nichts anderes handelt es sich, wenn man beispielsweise "Pro-Köln" und deren Obermotz Manfred Rouhs vor dem Vorwurf des Rechtsradikalismus in Schutz nimmt, so als ob alles nur am propagandistischen Mißbrauch jener ominösen Fotos liegt, auf dem dieser mit dem Neonazi Axel Reitz zu sehen ist. Zugegeben, selbiger taucht öfter mal auf Fotos anderer Leute auf, ohne daß die Betreffenden immer wissen, wer der adrett gekeidete junge Mann da neben ihnen ist, aber in diesem speziellen Fall hat Reitz selbst die Sache doch ein wenig anders in Erinnerung als der von Erinnerungslücken geplagte Rouhs. Wobei die ganze Zielrichtung dieser Argumentation schon fehl geht, denn es ist noch lange nicht raus, welcher von den beiden Kameraden sich da für wen schämen sollte. Reitz war damals gerade 16 und trat später sogar als (An)führer einer ganz "speziellen" Variante der Antiirakkriegsbewegung in Erscheinung.

Rouhs hingegen ist nicht das unschuldige Opfer, bei dem immer nur gerade dummerweise die falschen Leute durchs Bild laufen. Und damit sind jetzt gar nicht mal die guten Beziehungen von "Pro Köln" zu den einschlägig Bekannten wie der österreichischen FPÖ oder dem belgischen "Vlaams Belang" gemeint. Denn Rouhs politischer Werdegang ist nicht der eines harmlosen konservativen Biedermann(i)s, der in der Jugend vielleicht mal ein paar Dummheiten gemacht hat, für die er sich heute schämt, sondern sozusagen ein Best Of Rechtsradikal, welches wohl nur die wenigsten Größen der Szene vorweisen können. Vor "Pro Köln" führte ihn sein gesellschaftliches Engament nämlich nicht, wie man nach der Lektüre von Kewils Text annehmen möchte, über Pfadfinder, Heilsarmee und Arbeiterwohlfahrt, sondern über NPD, "Republikaner" und die "Deutsche Liga für Volk und Heimat". Wenn das nicht rechts ist, was dann?

Nicht viel besser ist der rührende Versuch, Marylin Anderegg, die Sprecherin der örtlichen Bürgerinitiative, in einer oberschrägen Lobhudelei zur Jeanne d'Arc der entrechteten Ehrenfelder hochzustilisieren. Denn auch unsere Populistin der Herzen ist als ehemalige Kandidatin der "Republikaner" kein unbeschriebenes Blatt. Was die selbst für PI-Verhältnisse auffällig zahlreichen Kommentatoren aber nicht hindert, derlei politische Nebensächlichkeiten auszublenden und - offenbar von Frau Andereggs schönen Augen geblendet - so begeistert daherzusäfteln, daß es selbst Franz Schönhuber vermutlich ziemlich peinlich wäre.

Also, liebe Bloggerkollegen, wenn Ihr nur halb so konservativ seid, wie Ihr tut, und möchtet, daß Euch die CDU wieder lieb hat, dann distanziert Euch endlich klar und deutlich von diesem Rechtsaußen-Konglomerat im Pro-Köln-Dunstkreis. Ansonsten dürft ihr auch nicht weinen, daß man Euch nicht gerade links nennt.

Mittwoch, 13. Juni 2007

Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube

Justizministerin Angela Kolb forderte erneut, extremistisch motivierte Straftaten stärker unter Strafe zu stellen. "Der Staat muss extremistischer Gewalt mit aller Härte Paroli bieten", sagte die SPD-Politikerin. "Wer Menschen verprügelt, nur weil sie beispielsweise anders aussehen, soll nicht auf eine Bewährungsstrafe spekulieren können", fügte sie hinzu.

Ja, was'n plötzlich los bei den Genossen? Erst einsame links-alternative Blogger, und jetzt sogar schon komplette SPD-Minister - was geht? Auf einmal sind Gewaltverbrechen auch für Menschen, die an das Gute im Menschen glauben, keine Kavaliersdelikte mehr.

Bin jedenfalls mal gespannt, ob die gute Frau, nachdem die erste Aufregung vorbei ist und sich keiner mehr für die Opfer interessiert, noch an ihre Worte erinnert werden will, wenn mal wieder ein Scharfmacher der Union Schluß mit der weichen Welle fordert.

Warten wir also einfach mal ab, wann es wieder heißt "der mehrfach wegen Körperverletzung vorbestrafte". Einfach dann aus der Zeitung ausschneiden und an Frau Kolb schicken. Die macht das dann schon, ganz bestimmt. Demnächst in diesem Theater.

Und jetzt die Werbung...

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