Mein Foto

Letzte Kommentare

Letzte Einträge

Februar 2008

Mo Di Mi Do Fr Sa So
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29    

Archiv (Typepad)

Kategorien

Powered by TypePad
Mitglied seit 01/2005

112 Artikel der Kategorie "Ideologie: NeoCons"

Mittwoch, 05. September 2007

Pack schlägt sich, Pack verlink(s)t sich

So wie es ausieht, rasselt der Weltgeist jetzt also auf Panzerketten durch die Wüste. Immerhin ein kleiner Fortschritt, mußte er früher doch zu Fuß durch das Hochland Boliviens stapfen. Da hat's die Aufklärung heutzutage nicht nur bequemer, bei den Arabern scheint auch öfter die Sonne.

Als hier kürzlich der Anton aus Tirol besprochen wurde, zeigte Paul der Dreizehnte, auch als Napauleon und Sauerkraut-Paul bekannt, sich ziemlich indigniert,

Indigniert ist vielleicht ein bißchen stark. Sagen wir mal mißverstanden.

weil sein panzerverziertes Blog als militaristisch verstanden wurde,

Also wenn es militaristisch wäre, würde man hier ganz andere Sachen als nur einen Panzer der Weltbefreiungsfront finden. Hier wird ja nicht mal richtig (aus)geräuchert. Sonst gäbe es bei einem Blog mit dem Titel "No Blood for Sauerkraut!" vermutlich mehr Bilder in dieser Art (Vorsicht, Satire!):

Smoke_them_out_2

(Artwork: Mein treuer Gehilfe IGor, frei nach einer legendären Idee des Don ;-)

und betonte sinngemäß, er sei liberal eingestellt, und zwar keiner jener Liberalen, die die Abschaffung des Sozialstaats wollten.

Also bevor's da ein Mißverständnis gibt und meine liberalen Freunde nicht mehr mit mir spielen wollen: Nein, ich will natürlich keine überbordende Sozialbürokratie, die für die Menschen denkt und immer besser weiß, was gut für sie ist, als die Betroffenen selbst. Wie sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte (das Publikum verdreht bei diesem Thema vermutlich schon genervt die Augen), will ich den Sozialstaat in Form einer einheitlichen finanziellen Grundsicherung - ergänzt vielleicht um die Bereiche Bildung und Gesundheit - auf eine effiziente Basisversorgung reduziert sehen.

Das würde dann natürlich zugegeben auf eine Art Minimalkommunismus rauslaufen (jaja, wir NeoCons, können unsere roten Wurzeln einfach nicht verleugnen). Aber auch nur, damit der Kapitalismus darüber hinaus dann mal so richtig aufdrehen und unbeschwert zeigen kann, was in ihm steckt, wenn man ihn nur läßt (da kommt dann wieder die neoliberale Heuschrecke in mir durch).

Den Panzer auf seinem Blog habe er nur gewählt, weil da was Lustiges, satirisch-ironisches draufstünde. Ich muss ja gestehen, dass ich gar keinen Schriftzug darauf bemerkt hatte, sondern nur bemerkt, dass das ein M1 A1 Abrams war,

Also bei dem A1 würde ich mich jetzt nur ungern festlegen wollen (ich als Laie hätte ja persönlich eher auf den M1A2 getippt), aber ansonsten nicht schlecht, Respekt! Ich hätte gedacht, daß man in diesen Kreisen gerade mal den T-55 vom T-72 unterscheiden kann. So kann man sich täuschen.

aber eine Vergrößerung zeigte es: Dort steht geschrieben: Today Baghdad, tomorrow Paris!

Soso, das ist also lustig.

Also ich könnt' mich kugeln. Gut, wahrscheinlich ist das nix für echte Deutsche, wenn gerade kein (Luftschutz)keller da ist, in den sie sich zum Lachen zurückziehen können, aber ich find's einfach genial. Einer der besten Polit-Jokes die ich kenne. Die verantwortlichen GIs hätten den Humornobelpreis 2003 kriegen sollen.

Nun denn, wenn man die Hysterie bedenkt, die in den US and A wegen der Weigerung Frankreichs an einer Teilnahme am Irakkrieg herrschte - Pommes wurden von French Fries in Freedom Fries umbenannt - dann würde ich das weniger humorig sehen.

Also das fand ich ehrlich gesagt ebenfalls saukomisch. Ich hab die Pommes danach sogar manchmal explizit so bestellt, was mir in der Regel aber nur verständnislose Blicke statt acrylamidhaltiger Formkartoffeln einbrachte. Ich denke, ich sollte vielleicht einfach noch mal meinen Stammbaum durchforsten. Hab vielleicht doch irgendwelche verdächtigen angloamerikanischen Gene, die meiner Mutter bei der Ahnenforschung entgangen sind.

Aber bitteschön, absurder Humor ist bei mir immer willkommen, und man kann das ja auch umdrehen. Wissen die Prowestlichen eigentlich, dass die  Linke die Invasion  der USA plant?

Was heißt hier plant? Sie hat bereits die Macht übernommen! Und der Oberrevoluzzer heißt George W. Bush. Derzeit führt sie allerdings eine erbitterte Abwehrschlacht gegen die Invasion der konservativen Realpolitiker, die wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen. Das State Department haben diese Schurken bereits gestürmt. Das wird noch verdammt hart.

Die Woodstock-Legende Joe Cocker singt das seit Jahren, und ich weiß von britischen Trotzkisten und Anarchisten, dass sie das richtig geil finden:

Das würde einiges erklären. Den NeoCons sagt man ja ohnehin gerne nach, daß sie verkappte Trotzkisten seien.

[...] first we take manhattan
then we take berlin

Nicht ganz so gut wie "Today Baghdad, tomorrow Paris!", aber es entlockt mir doch zumindest ein Schmunzeln, obwohl ich als alter Proggie von der dazugehörigen Musik jetzt nicht wirklich viel halte.

Müsste man da nicht aufmerksam werden? Wenn der Flugzeugträger der Störtebeker-Klasse “Ulrike Meinhof” vor New York aufkreuzt, ist es zu spät! Die Dienste schlafen!

Lustiger Zufall! Derselbe Gag wartet in einem seit Monaten in der NBFS-Warteschleife dümpelnden längeren Traktat über die Linke und Amerika auf seinen letzten Feinschliff. Nur daß der Flugzeugträger bei mir "USS Che Guevara" (!) heißen sollte. Wir mögen als Trotzkist bzw. Tschekist zwar auf verschiedenen Seiten der Barrikade stehen, aber ich muß feststellen, daß wir offenbar ähnlicher ticken als uns beiden lieb sein kann. ;-) Da muß ich dann wohl mal aufrichtig Abbitte leisten und mich offiziell dafür entschuldigen, "Che's Warlog" in meiner Blogroll unter "Last Loonies Left" einsortiert zu haben.

Das wird selbstverständlich umgehend mit der lange überfälligen eigenen Rubrik für satisfaktionsfähige Blogs anderer Feldpostnummern und der daraus resultierenden besseren Gesellschaft wiedergutgemacht. Und den passenden Namen, um den hohen Erwartungen an eine echte Regimentswebsite gerecht zu werden, hab ich auch schon: "Viel Feind, viel Ehr" ;-)

Freitag, 31. August 2007

Dissident im Weißen Haus

By the time he arrived in Prague in June for a democracy conference, President Bush was frustrated. He had committed his presidency to working toward the goal of "ending tyranny in our world," yet the march of freedom seemed stalled. Just as aggravating was the sense that his own government was not committed to his vision.

As he sat down with opposition leaders from authoritarian societies around the world, he gave voice to his exasperation. "You're not the only dissident," Bush told Saad Eddin Ibrahim, a leader in the resistance to Egyptian President Hosni Mubarak. "I too am a dissident in Washington. Bureaucracy in the United States does not help change. It seems that Mubarak succeeded in brainwashing them."

Dies ist zweifellos einer der besten und spannendsten Artikel, die je zu den Hintergründen der Außenpolitik der amtierenden US-Regierung geschrieben wurde. Davon auszugsweise zu zitieren ist im Prinzip völlig sinnlos, weil man dann etwas weglassen müßte, und das geht hier wirklich nicht. Wer dieses absolut essentielle "must read" nicht gelesen hat, kann nicht mitreden, und wer es getan hat, sieht einiges in der jüngsten Entwicklung in ganz anderem Licht.

Denn der Autor beschreibt nicht nur sehr gut die Verzahnung amerikanischer Demokratisierungsambitionen mit der tatsächlichen Entwicklung der Ereignisse, sondern er nennt auch Roß und Reiter, wenn es darum geht festzuhalten, wer den idealistischen Visionen der NeoCons den ganzen Sand ins Getriebe gestreut hat (vor allem das State Department hat das Zeug offenbar säckeweise angeschleppt, aber auch Bushs eigene Parteifreunde haben sich nicht mit Ruhm bekleckert).

Obwohl der Autor nicht mit Kritik am Präsidenten spart, macht er deutlich, daß Bush nach seiner wundersamen Wandlung vom konservativen Traditionalisten zum Anführer der revolutionären Weltbefreiungsfront trotz aller Kompromisse sehr viel für die Verankerung dieser so neuen wie überfälligen Prinzipien in der Außenpolitik getan hat, und zwar selbst dann, wenn er mit seiner Doktrin der globalen Demokratisierung am Ende doch noch als tragischer Held scheitern sollte.

Alleine dafür aber, es wenigstens versucht zu haben, muß man den oft als "Dumbya" verlachten George Walker Bush als einen der großartigsten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten betrachten, und ihn mit George Washington und Abraham Licoln auf eine Stufe stellen. Selbst geachtete Vorgänger wie die beiden Roosevelts, John F. Kennedy oder Ronald Reagan verblassen dahinter. Wer dies anders sieht, möge dies jetzt sagen oder aber für immer schweigen.

Mittwoch, 29. August 2007

America don't worry! Israel is behind you

Glaubt man dem SPIEGEL, dann gibt das neue Buch von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt diesem zeitlosen 80er-Jahre-Klassiker eine ganz neue Bedeutung, und zwar nicht nur, weil das abgebildete Flugzeug tatsächlich aus amerikanischen Rüstungslieferungen stammt.

Keiner der Newcomer aber verfiel auf so kühne Thesen über Amerikas Außenpolitik in Vergangenheit und Gegenwart wie ausgerechnet jener Oldie, der nach zwei Amtszeiten nun nichts mehr werden kann: George W. Bush. An dem Tag, an dem bei einem Hubschrauberabsturz im Irak 14 GIs starben - einer der höchsten Tagesverluste im ganzen leidigen Krieg -, beschwor er die Erinnerung an einen anderen Hubschrauber: den, der 1975 vom Dach der US-Botschaft in Saigon die letzten Verbündeten aus einem verlorenen Krieg ausflog.

Daran ist höchstens kühn, daß die Wahrheit nicht immer und derzeit ganz besonders wenig populär ist und daß der, der sie ausspricht, sich damit keinen Gefallen tut. Umso beeindruckender ist es, wenn ein Politiker sich dann trotzdem traut.

Auch damals, so Bushs Lesart der Geschichte, hätte es geheißen, ohne Amerikas Präsenz am Kriegsschauplatz nähme das Töten ein Ende. In Wahrheit sei der Abzug der Auftakt für ein unvorstellbar großes Massaker gewesen: in Kambodscha, im vom Norden eroberten Südvietnam und unter jenen Hunderttausenden Flüchtlingen, die ihr Heil in seeuntüchtigen Booten suchten. "Der Preis für Amerikas Abzug", so Bush als Warnung, diesen Fehler nun nicht im Irak zu wiederholen, "wurde von Millionen unschuldiger Bürger bezahlt."

Es ist schon ein bißchen gruselig, daß es bald 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus immer noch Leute zu geben scheint, die das anders sehen.

Nach qualvollen Jahren der Aufarbeitung des Vietnam-Kriegs sind sich eigentlich die meisten Amerikaner darüber einig, dass ihre Soldaten damals in Südostasien nichts zu suchen hatten.

Womit sie sich irren. Sie haben nur das falsche gesucht, nämlich die Stabilität der Unterdrückung statt des Fortschritts durch Freiheit. Damals gab es keine NeoCons, sondern nur kurzsichtige Realpolitiker. Wäre das Ziel damals schon nicht die Rettung einer Diktatur, sondern die Errichtung einer Demokratie gewesen, wäre die Sache sicherlich auch etwas anders ausgegangen. Und wir wären heute im Weltbefreiungskrieg schon wesentlich weiter.

Quer über das gesamte ideologische Spektrum gilt eine Rechtfertigung für das Indochina-Desaster als politischer Selbstmord.

Leute, glaubt mehr Unsinn! Millionen Ideologen können nicht irren.

Bushs Rechnung, mit dem Hinweis auf Vietnam den Abzug aus dem Irak aufzuhalten, kann deshalb nur dann aufgehen, wenn er seine Landsleute auch noch von der Wahrheit eines Satzes überzeugen kann, den er ebenfalls den jubelnden Veteranen vortrug. Die US-Truppen, sagte Bush, seien noch immer "die größte Macht zur Befreiung des Menschen, welche die Welt jemals gekannt hat".

Und damit hat er zweifellos recht, der gute George. Es steht aber jedem, der es wagt, Bush in dieser Bewertung zu widersprechen, selbstverständlich frei, der Welt mitzuteilen, welche Macht unterm Strich denn angeblich mehr Menschen befreit bzw. ihre Freiheit geschützt hat als die USA und ihre Streitkräfte, und Bush's Aussage so zu falsifizieren.

Da war es wieder, das Argument, die Streitkräfte seien Missionare der Demokratie. Die große neokonservative Idee feierte unverhoffte Wiederauferstehung, wonach es keine Sicherheit für die USA ohne Frieden im Nahen Osten geben könne und keine Stabilität ohne Demokratien in der Region und der Weg nach Jerusalem deshalb über Bagdad führen müsse.

Diese große Idee ist zweifellos einer der größten Schritte in der geistigen Entwicklung der Menschheit, vergleichbar nur mit der amerikanischen Revolution von 1776 oder der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Und es ist ein Armutszeugnis für besagte Menschheit, daß sie zu dieser eigentlich ziemlich logischen Erkenntnis so lange gebraucht hat. Es ist allerdings ein noch größeres Armutszeugnis für jene, die ihr, nachdem selbst diese Menschheit es endlich geschafft hat, immer noch zu widersprechen wagen.

Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses war diese Dominotheorie zur Regierungsdoktrin erhoben worden. Vor dem Kapitol gelobte Bush feierlich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2005: "Es ist die Politik der Vereinigten Staaten, demokratische Bewegungen und Institutionen in jedem Land und in jeder Kultur zu suchen und ihre Entwicklung zu fördern mit dem Endziel, die Tyrannei in der Welt zu beenden."

Was immer er ansonsten verbockt haben mag, aber alleine damit hat er einen Platz unter den größten Denkern der Geschichte verdient.

Doch als Bush sein "In Tyrannos" ablegte, stand das Projekt schon vor dem Scheitern. Amerikas Soldaten waren im Irak nicht als Befreier umjubelt worden, sie verstrickten sich immer heftiger in den Kampf gegen einen hartnäckigen Aufstand.

Mal ganz unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage, erschreckt es doch ein wenig, daß es offenbar Leute gibt, die sich nicht fragen, wer denn alles so an diesem "Aufstand" beteiligt ist. Die Frauen etwa? Die Kinder? Die Iraker die in Freiheit leben wollen? Oder in Wohlstand? Und in Frieden? Oder sind es nicht doch eher die Anhänger totalitärer Ideologien vom Stalinismus über den Faschismus bis hin zum Islamismus? Ist die Tatsache, daß letztere ihren Aufstand für das Recht führen, erstere in Ruhe unterdrücken zu können, tatsächlich etwas, was dagegen spricht, sie zu bekämpfen? Oder nicht doch viel mehr ein Grund für ein nur umso engagierteres Vorgehen in diesem Kampf?

[...] Unter anderem versuchen zwei Autoren nachzuweisen, dass es einer kleinen Gruppe überwiegend jüdischer Intellektueller und Mitglieder der Regierung gelungen sei, Amerika in diesen Krieg hineinzutreiben, weil ihnen das Schicksal Israels - mindestens - ebenso sehr am Herzen liege wie das ihres Vaterlands.

Aber nicht daß jetzt jemand "Antisemitismus" ruft, nur weil hier hervorgehoben wird, daß es sich überwiegend um jüdische Intellektuelle handelt.

[...] Ihre Kernthese lautet: Der Israel-Lobby sei es gelungen, "die Außenpolitik so weit von dem abzubringen, was die Rücksicht auf das nationale Interesse eigentlich diktieren würde, und gleichzeitig viele Amerikaner davon zu überzeugen, dass das amerikanische und das Interesse des anderen Landes - in diesem Fall Israel - im Wesentlichen identisch ist".

Die Identität der Interessen aber bestreiten die beiden Autoren, und damit ist ihr Buch ein Politikum.

Deswegen ist ihr Buch vor allem mal totaler Bullshit. Denn wer die gemeinsamen Interessen der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie USA mit der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie Israel nicht erkennen kann, und statt dessen mehr Gemeinsamkeiten mit den diesen Terror durchführenden Diktaturen der arabisch-islamischen Welt erkennt, hat offenbar gehörig einen an der Waffel.

Das heißt natürlich nicht, daß diese Interessen im Einzelfall nicht auch mal voneinander abweichen können (z.B. wenn es um fragwürdige amerikanische Rüstungslieferungen an Israel feindlich gesonnene Terrorregime wie Saudi-Arabien geht oder dem israelischen Verkauf US-finanzierter HighTech-Rüstung an potentielle Gegner Amerikas wie China), aber in der Regel ist gut für Amerika was gut ist für Israel (und umgekehrt!). Diese beiden Staaten sollen froh sein, im jeweils anderen den besten Verbündeten zu haben, den man sich wünschen kann.

[...] Dass etwa der Irak-Krieg auch etwas damit zu tun hat, dass sich in Washington zeitweilig die Hoffnung durchgesetzt hatte, den Kernkonflikt des Nahen Ostens durch den Versuch zu umgehen, in den Staaten der Region eine demokratische Modernisierung voranzutreiben, wird niemand mehr bestreiten.

Wär ja auch schlimm! Ist schließlich ein sehr vernünftiger Ansatz. Wenn ich's nicht besser wüßte, würde ich sagen, sie haben ihn geklaut. Und zwar von mir.

Auch nicht die These der beiden Politologen, wonach Amerikas Kriegsbefürworter den Sturz Saddams als Verbesserung der strategischen Position Israels und Amerikas ansahen und darauf hofften, dass beide Vorteile aus der regionalen Modernisierung ziehen würden.

Das erklärt endlich auch schlüssig, warum die USA den Europäern jahrzehntelang durch die NATO gegen die sowjetische Bedrohung geholfen haben. Es waren gar nicht wie oft fälschlicherweise vermutet gemeinsame Werte und Sicherheitsinteressen, sondern die in die Schaltstellen amerikanischer Macht eingeschleusten europäischen Intellektuellen, die durch ihre Kaperung der US-Außenpolitik die Vereinigten Staaten in einen den eigenen Interessen zuwiderlaufenden sinnlosen Konflikt mit ihren wahren Freunden Stalin, Chruschtschow und Breschnew gedrängt haben.

Dass Saddam keine wirkliche Bedrohung für Amerika darstellte, wohl aber für Israel, ist eine Tatsache, die selbst Mitglieder der Bush-Regierung zugegeben haben, wenn auch nur sehr selten in aller Öffentlichkeit.

In der Bush-Regierung, vor allem im State Department, tummelt sich so einiges, das kaum als Gute-Ideen-Reaktor taugt. Daß der Sturz Saddam Husseins, dessen bloße Existenz in der arabischen Welt als Verhöhnung Amerikas wahrgenommen wurde, und so schon aus ganz niederen realpolitischen Gründen wie der Wiederherstellung amerikanischer Abschreckungsfähigkeit gegenüber Schurkenstaaten hätte durchgeführt werden müssen, wird von den Autoren im übrigen geflissentlich ignoriert. Für die Realpolitik zu trommeln heißt offenbar nicht, sie auch verstanden zu haben.

[...] Dass sich Washington entschieden hat, die Gegner Irans aufzurüsten, darunter auch so zweifelhafte Diktaturen wie Saudi-Arabien, ist ein - häufig kontraproduktives - Mittel aus dem Arsenal traditioneller Außenpolitik, auf jeden Fall aber eine Todsünde wider den Geist neokonservativer Demokratielehre.

Diese Kritik ist zweifellos berechtigt. Man fragt sich nur, wieso jene, die die neokonservative Demokratisierungsstrategie so vehement ablehnen, bei der Bekanntgabe dieses bedauerlichen Kurswechsels die nötige Begeisterung für die Rückkehr Bushs auf den rechten Weg irgendwie haben vermissen lassen. Da scheinen die Anhänger der Realpolitik ihren eigenen Ideen ja nicht sonderlich weit zu trauen. Sonst hätte im SPIEGEL etwas stehen können wie "Na endlich, Dubya! Jetzt bist Du einer von uns!"

Ob deswegen Israel mehr oder weniger die gesamte Außenpolitik der USA in "strategische Haftung" genommen hat, wie die Autoren behaupten, ist allerdings eine ganz andere Frage. Die Isolation der Vereinigten Staaten in der muslimischen Welt ist für die Autoren auch eine Folge der bedingungslosen Unterstützung Israels.

Klar, wenn die Amerikaner den muslimischen Fanatikern helfen würden, Haifa heim ins Reich zu holen, gäbe das dort sicherlich Pluspunkte. Und was kümmern einen echten Realpolitiker schon Begriffe wie Recht und Moral. Das ist was für Weicheier. Angesichts solch eines erfrischend realistischen Ansatzes sind wir schon ganz auf das nächste Buch von Mearsheimer/Walt gespannt, in welchem sie uns darlegen, welch große Ziele die USA hätten erreichen können, wenn sie sich nur mit dem aufstrebenden Nazideutschland statt dem sterbenden Empire verbündet hätten. Der Titel steht schon fest: "The world is not enough".

Das ist, selbstverständlich, vermintes Terrain. Natürlich hüten Mearsheimer und Walt sich, die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit der Washingtoner Israel-Politik zu begründen.

Keine Sorge, das erledigen dann schon die Verschwörungstheoretiker, die sicherlich die richtigen Schlüsse aus dieser Steilvorlage ziehen werden.

Ganz deutlich aber schreiben sie, dass der Einfluss der Lobby "die terroristische Gefahr vergrößert". Die USA hätten genau deshalb ein Terrorismusproblem, "weil sie so eng mit Israel alliiert sind". Die Angst, dass eines nicht fernen Tages die amerikanische Öffentlichkeit deshalb die Schuld am islamischen Terror Israel oder den Interessenvertretern amerikanischer Juden geben könnte, macht erklärlich, warum das Echo auf dieses Buch so alarmistisch ausfällt.

Mit genau dieser "Logik" erklären auch die Rechtsradikalen immer wieder gerne, daß die Juden durch ihr eigenes Fehlverhalten den Antisemitismus ja erst hervorrufen, unter dem sie dann zu leiden haben. Man muß also nur Israel aufgeben, und schon hat jeder wieder die Juden lieb. Interessant zu erfahren, daß derart kranke Ideen jetzt offenbar auch Einzug in die Mainstreammedien halten.

[...] Dass George W. Bush deshalb in den verbleibenden Monaten seiner Amtszeit noch mit der Hamas reden oder, wie von vielen Gegnern gefordert, einen möglichst vollständigen Truppenabzug aus dem Irak anordnen könnte, ist kaum zu erwarten. Auch nicht, dass irgendeiner seiner Nachfolger die enge Bindung an Israel lockern wird.

Das wär ja auch noch mal schöner!

Vorstellbar ist aber auch nicht mehr, dass der nächste US-Präsident noch einmal einem israelischen Regierungschef Carte blanche geben könnte, wie Bush es für Ariel Scharon und Ehud Olmert getan hat. Wenig wahrscheinlich auch, dass es den Neocons noch einmal gestattet sein könnte, die amerikanische Nahost-Politik zu kidnappen.

Auch das hat Bush im Irak bewerkstelligt.

Und jetzt die Preisfrage: Wäre es besser, den Irakkrieg nicht geführt zu haben, damit man Israel mal so richtig unterstützen kann? Oder sollte man Bush statt dessen dafür danken, daß er diesen jüdischen Unruhestiftern endlich den Stecker rausgezogen hat? Wahrscheinlich Antwort drei: Da hat mal wieder jemand so richtig schön dummgeschwätzt.

Montag, 27. August 2007

Ein Tiroler im Cyberspace

Oha! Da schlägt unser Anton inzwischen sogar schon außerhalb von NBFS Wellen. Zwar noch kein Tsunami, eher plätschert es so leise vor sich hin, aber immerhin! Und so wie es aussieht, hat er sich mit seiner unnachahmlichen Art, auf seine Mitmenschen herabzusehen, auch bei Leuten, die er selber wohl eher als Verbündete verortet hätte, nicht nur Freunde gemacht. An sich könnte man es dabei mit einem süffisanten Grinsen bewenden lassen, aber weil im Rahmen der sich daraus entwickelnden - im übrigen durchaus unterhaltsamen! - Debatte Mitdiskutant Che eine ganze Reihe von interessante Punkten auch zu meiner Wenigkeit angesprochen hat, muß ich jetzt doch mal zum einen oder anderen seiner Kommentare ebenfalls einen solchen abgeben:

3. Mit der Borussenfront hatte ich ja eine klasse Begegnung. Als die unsereins verprügeln wollte, holte jemand die geeignete Verstärkung: Eine Hells-Angel-like Bikergang. Da wurden sie ganz zahm, die Nazis. Schön war es auch, die Kahlköpfe rennen zu sehen, wenn die Kurden kamen.

Es ist beruhigend zu wissen, daß es auch andere Leute gibt, die in gewissen Situationen, wo gerade kein Wachtmeister zur Hand ist, die Segnungen der Selbstjustiz zu würdigen wissen. ;-)

4. Die Kommentatorenriege beim Paul zeichnet sich im Übrigen durch eine bizarre Vorstellung von dem, was links ist aus, mal wieder.

Da dieses so interessante wie wichtige Thema mich auch immer wieder beschäftigt, was genau ist eigentlich links? Und ist rechts dann das Gegenteil? Dazu höre ich immer gerne Meinungen, die Frage geht also an alle!

6. Wobei sich schon die Frage stellt, was von einem “liberalen” Blog zu halten ist,

Daß es liberal ist, heißt ja nicht automatisch, daß es NUR liberal ist. Es ist nur ÜBERWIEGEND liberal, sprich überall da, wo Individuen friedlich miteinander auskommen bzw. nicht unverschuldet in Not geraten, also vor allem in Wirtschaft und Gesellschaft. Hinsichtlich des Umgangs mit den bösen Jungs, aber auch was die Unterstützung von Witwen und Waisen betrifft, ist es das hingegen sicher nicht. Hoffe ich zumindest. Denn weder will ich erstere frei rumlaufen noch die beiden letzteren verhungern sehen.

das daherkommt wie eine Regimentswebseite.

Wieso das denn? Was soll das überhaupt für ein Regiment sein? Weder ist der Hintergrund oliv noch die Schrift gelb. Und selbst für ein Sanitätsregiment ist das rot noch viel zu blau. Etwa wegen dem schnuckeligen kleinen Panzer oben links? Der ist da nicht, weil ich die Welt erobern will, sondern weil auf dem Panzer was draufsteht, was in seinem Sarkasmus als Symbol für Zeit und Anlaß der Gründung dieses Blogs unübertroffen ist. Womit ich nichts gegen die Welteroberung als solche und den anschließenden Ausbruch des ewigen Friedens gesagt haben will, aber wäre das das Auswahlkriterium gewesen, hätte ich gewiß keinen Panzer gewählt - schon gar keinen Abrams ;-) -, sondern etwas für meine Zwecke angemesseneres, also beispielsweise einen Apache-Kampfhubschrauber oder am besten gleich einen ausgewachsenen Flugzeugträger der Nimitz-Klasse. Wenn, dann richtig!

Der Paul selber ist im Großen und Ganzen ganz fair und höflich,

Das hört man gerne. Ich geb mir diesbezüglich trotz meinem Hanges zum Sarkasmus zumindest Mühe, auch wenn das leider nicht von allen Leuten angemessen goutiert wird.

zeigte aber auch schon merkwürdige Anwandlungen.

Also normal ist das nicht, das will ich gerne konstatieren. ;-)

So verglich er Jolly Rogers, einen undogmatischen Gefühlslinken und badischen Sanguiniker, schon mal mit Berija und mich mit Dscherschinski.

Wer wird denn ob ein bißchen Polemik so nachtragend sein. ;-) Ich sage damit ja nicht, daß ich Euch beide für blutrünstige Massenmörder halte (dann würde ich gar nicht mit Euch reden), aber wenn jemand statt eines harmlosen Panzers das Portait eines grausamen Massenmörders als Logo benutzt, der Spaß daran hatte, seine Opfer höchstpersönlich zu erschießen, oder wenn jemand sich wünscht, daß trotz der Methoden, mit denen sie so was üblicherweise zu tun pflegen, 50.000 Russen bzw. Chinesen mit durchgeladener AK im Libanon für Ruhe und Ordnung sorgen, dann muß man ob einer solch kontroversen Auswahl seiner Idole auch mal ein bißchen Kritik aushalten können. Und ich weiß wovon ich rede, weil ich mir schon für die Unterstützung weit sympathischerer Zeitgenossen wie beispielsweise meines Lieblingspräsidenten noch ganz andere Sachen anhören muß.

8. Einige Freunde von mir bezeichnen die Hardcore-Neocons gerne als “neoconnazis”.

Einige Deiner Freunde sind ja auch der Ansicht, daß die Beleidigung "Nazi" schnell mal einen Streitwert von 200.000 Euronen hat, und zwar nicht für den Beleidigenden, sondern für unbeteiligte Dritte. Und das lustige ist, daß das mitunter dieselben Deiner Freunde sind, die, wie Du schon erwähntest, andere Leute gerne als "neoconazis" bezeichnen. Was mich daran erinnert, daß ich bei besagten Freunden noch mal nachschauen muß, ob der Lancaster-Bomber immer noch da ist. Denn auch als bekennender HardCore-NeoCon wie ich findet man es nicht sonderlich lustig, "Nazi" genannt zu werden, und zwar nicht nur, weil ich die 200.000 Euro gut gebrauchen könnte. Auf jeden Fall aber ist "Nazi" nicht gerade besser als Berija oder Dserschinski. Dann lieber Trotzki. ;-)

P.S.: Noch ein kleiner Nachtrag für Momorulez, der Kommentar Nr. 7 verfaßte:

Ich lese da auch nur sehr selten, aber für mich war das immer eher sowas wie Neocon-Speersptze in Sachen Außenpolitk

Endlich wird die Bedeutung von NBFS für die deutsche Bloggerszene mal richtig gewürdigt!

… und da gehört dann ja Freund/Freind-Denke sozusagen in’s Zentrum des Politischen als solchem.

Je nachdem, wer Freund bzw. Feind ist, stehe ich da in manchen Fällen nur sehr ungern unentschieden in der Mitte. Das muß aber zugegeben jeder für sich selbst entscheiden.

Kann ihm da aber unrecht tun, bin da wirklich zu selten unterwegs.

Keine Sorge, ich fühle mich geehrt. Schau also ruhig öfter rein, konstruktiv-kritische Stimmen sind hier jederzeit willkommen.

Ami stay here!

In seinem wie immer lesenswerten Blog schildert Michael Totten, der sich derzeit im Irak aufhält, wie ein Iraker amerikanischen Soldaten folgende Worte mit auf den Weg gibt:

“When you came and liberated this country, [...] Iraq had 25 million Saddams. America is turning us back into human beings. [...] We appreciate that. We believe that if Americans have something that is ours, they will return it to us. If the Iraqi government has something that is ours, we forget it. [...] We support you [...] You support our back, we support your back. But you must understand: If you pull back, we will pull back. I will have no choice but to pull back if I can’t depend on you. It will be much harder for us to stand together. But as long as you stand firmly behind us we will support you against Moqtada al Sadr and the other bastards in the area.”

Da bin ich mal gespannt, was die Irakkriegsgegner und sonstigen Rückzugsbefürworter diesem irakischen Bürger erwidern würden. Und vor allem, ob sie es überhaupt versuchen.

Donnerstag, 23. August 2007

Black Thursday

Das ist wahrlich ein schwarzer Tag für die Bloggerszene! Erst wird mit Benador Associates das "Best of NeoCons" abgeschaltet, und jetzt läßt uns auch noch das unverzichtbare Kosmoblog allein. Sowohl die abgeklärten und professionellen Artikel wie auch die weit überdurchschnittlich ergiebigen Linkempfehlungen waren ein absoluter Gewinn. Damit ist die tägliche Blogroll betrüblicherweise in Zukunft um zwei vergnügliche Pflichtklicks kürzer. Hoffen wir, daß Ulrich Speck zum Ausgleich jetzt wenigstens richtig Kohle scheffelt. Am besten soviel, daß er es sich irgendwann wieder leisten kann, Kosmoblog II aufzulegen.

UPDATE: Warum auch immer, aber Benador Associates ist wenigstens wieder da. Die Domain war kurzzeitig verfügbar, aber da hat vielleicht nur jemand vergessen, fristgerecht die Rechnung an den Provider zu zahlen. ;-) Einigen wir uns also auf dunkelgrauen Donnerstag.

Besser spät als nie

Kouchner's visit, full of symbolism, shatters one of the key points in al Qaeda's analysis: that the Western democracies will never unite to develop a common strategy against terror. At one point, when Chirac invited German Chancellor Gerhard Schroeder and Russian President Vladimir Putin to a gathering to forge an anti-American triple alliance, al Qaeda's analysis appeared plausible.

Now, however, both Chancellor Angela Merkel and President Sarkozy understand that the perception of Western disunity may be one of the factors that prolongs the conflict in Iraq.

As long as al Qaeda and the Ba'athist bitter-enders believe that Western divisions might destroy the U.S.-led coalition, they will have an incentive to continue the fight. Once they lose that incentive, they might well decide that, with Iraq unlikely to fall, they had better look for alternative strategies in their global jihad.

Das sollten sich all jene hinter die Ohren schreiben, die meinen, den Menschen im Irak und den Opfern des globalen Terrorismus mit ihrem Cut&Run-Gefasel etwas gutes zu tun. Die Hardcore-Amerikahasser wird das natürlich kaum beeindrucken, aber die gutgläubigen "Habt-Euch-alle-lieb!"-Träumer (das sind die, die ehrlich davon überzeugt sind, wenn der Westen die Muslime nur brav ihren traditionellen Unterdrückern überläßt, hören die Terroristen schon von ganz alleine auf zu morden) könnten dies vielleicht zum Anlaß nehmen, mal ihren eigenen Anteil an der unnötigen Motivierung von Selbstmordattentätern und Kopfabschneidern kritisch zu beleuchten.

Sonntag, 19. August 2007

Steinbeschuß aus dem Glashaus

Bezüglich der oft ziemlich selbstgerechten Kritik "linker" demokratischer Kriegsgegner an "rechten" republikanischen Kriegstreibern wären angesichts der Krieg-und-Friedens-Bilanz bisheriger amerikanischer Präsidenten eigentlich mal ein paar deutliche Worte angebracht. Victor Davis Hanson hat glücklicherweise bereits die richtigen gefunden:

We are presently fighting two simultaneous wars under a conservative Republican administration. And that too is fairly rare in the last 100 years, and far more challenging. Woodrow Wilson, Franklin Roosevelt, Harry Truman, John Kennedy, Lyndon Johnson, and Bill Clinton all at times proved bellicose, bypassed Congress if needed be, and (with the exception of LBJ) largely got a pass from the Left. World War I, Korea, and Vietnam were all controversial in their time. Apparently, the intelligentsia and media felt that no liberal Democrat could possibly have preferred war, and had only fought when forced to — despite the use of Democratic preemption in a variety of instances.

Daß Bush mit den Kriegen gegen faschistische bzw. religiöse - also in jedem Fall reaktionäre - Diktaturen letztlich eine progressive Agenda durchgesetzt hat, bestätigt dabei nur, daß an der Theorie, in einer Demokratie könne die Linke einfacher die Kriege führen und die Rechte leichter den Frieden schließen, doch irgendwas dran sein muß.

Montag, 13. August 2007

To nuke or not to nuke, that's the question!

Der linke Demokrat John Edwards [...] würde gern mehr Geld für spezielle Anti-Terror-Einheiten in Armee und CIA ausgeben: "Es ist für mich keine Frage, dass wir die Terroristen mit den vollen Möglichkeiten unseres Militärs konfrontieren müssen."

Die New Yorker Senatorin Hillary Clinton sieht das genauso. Nur was sind die "vollen Möglichkeiten" des US-Militärs? Bedeutet das auch den Einsatz von Atomwaffen?, wurde sie neulich gefragt. Sie weigerte sich, ihn auszuschließen, wissend, dass diese Reporterfrage als die Mutprobe für jeden Amtsanwärter gilt.

Zucken und Zaudern bedeutet Durchgefallen. Also sagte sie: "Präsidenten zu allen Zeiten seit dem Kalten Krieg haben die nukleare Abschreckung genutzt und kein Präsident sollte Blankoschecks ausstellen über ihren Einsatz oder Nichteinsatz."

Das ist ja nun wirklich zum Brüllen! Da träumen die Kriegsgegner noch davon, daß mit der Machtübernahme der Demokraten endlich der allgemeine Weltfrieden ausbricht, und gleichzeitig überbieten sich deren Kandidaten mit immer neuen Eskalationsmöglichkeiten, bis selbst der angeblich so kriegstreiberische Bush ihren militärischen Elan bremsen muß, um größeren außenpolitischen Schaden abzuwenden.

Das, was Hillary & Co. da derzeit im Wochentakt von sich geben, klingt jedenfalls mehr nach "Töte alle, Gott sortiert die Schurken aus!" als nach "Give peace a chance!". Wenn das erst der Anfang ist, dann werden wir demnächst noch einen ausgesprochen unterhaltsamen Wahlkampf sehen. Und wer weiß, am Ende werden sich die Kriegsgegner selbst Bush noch genauso schönreden wie heute schon seinen Vize.

Montag, 06. August 2007

Das mußte mal gesagt werden

Der zweite Grund für den Umschwung ist die mangelnde Unterstützung, die Washington für seinen Demokratisierungskurs erhalten hat. Weder haben sich in den Ländern der sunnitischen Alliierten der USA starke liberale Bewegungen und Kräfte entwickelt, die als Opposition eine Alternative zu Despotie und Islamismus bieten würden. Noch haben die Europäer, als machtvolle Nachbarn, sich darum bemüht, ihrerseits den Demokratisierungskurs zu unterstützen.

Insofern ist die jetzt auch hierzulande laut werdende Kritik über Amerikas Rückkehr zur Realpolitik beckmesserisch. Hat man doch selbst gerne die Vorzüge der Realpolitik betont und die Demokratisierungspolitik als unrealistisch, naiv und verfehlt abgetan. Europa hätte durchaus eine Rolle spielen können bei den Bemühungen, liberale Staatlichkeit in der Region zu stärken, es hat aber darauf verzichtet - und sich insofern eher als hinderlich gezeigt, jedenfalls nicht als förderlich.

Dies nur, um angesichts der zunehmend orientierungslosen Reaktionen der Immerschonnochniejetztwiederrealisten noch einmal klar und deutlich Roß und Reiter zu nennen, bevor die Legendenbildung über die Ursachen der amerikanischen Rückkehr zur Realpolitik einsetzt.

Und jetzt die Werbung...

Kürzlich aktualisierte Weblogs

Wer nicht suchet, der findet

Sonstige Komplizen und Helfershelfer

Andere Marsch - flugkörper - diplomaten

Viel Feind, viel Ehr'

Geile Mucke