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86 Artikel der Kategorie "Ideologie: Diskussion"

Dienstag, 11. September 2007

Tatütata, die Paulizei ist da

Uii, da ist meine letzte Blogrollsäuberungsaktion ja doch noch zum Politikum geworden. War wohl zu lange ruhig in Kleinbloggersdorf. Jedenfalls mündete das ganze bei der (paläo)konservativen "Gegenstimme", die sich gerade verdächtig weit über den Abgrund beugt (vermutlich um nachzusehen, ob PI schon unten angekommen ist) in einer - übrigens ausgesprochen unterhaltsamen! - Diskussion, in deren Verlauf unter anderem die Frage aufkam, ob der Macher der dort beworbenen Antifa-Satire wirklich nur ein harmloser Witzbold ist oder ob seine Seite Opponent.de für einen anständigen CDU/CSU-Konservativen nicht doch ein bißchen zu weit rechts außen steht.

Da bei der Gegenstimme derzeit die Ressourcen für eine genauere diesbezügliche Recherche fehlen und die Leser nicht mal zu wissen scheinen, was "Neue Rechte" bedeutet, helfe ich gerne, eventuell vorhandene Informationslücken aufzufüllen. Aaaalso, schon bei einem flüchtigen Blick auf den "Opponent" fallen auch dem unbedarften Besucher einige Links auf, die man auf einem normalen Merkel-Fanblog wohl eher selten zu sehen kriegen dürfte. Selbst wenn ein einzelner davon mal aus Ausrutscher durchgehen mag, stellt sich in dieser Häufung schon die Frage, ob uns der Blogbetreiber damit nicht doch irgendwas sagen möchte, was selbst einen Strauß-Konservativen ein bißchen stutzig machen sollte.

Zunächst findet sich dort die einschlägig bekannte "Junge Freiheit", die rechts der Union den haselnußfarbenen Bereich bis zur (Zellen)Wand abdeckt. Das sind natürlich noch keine Nazis, die am Tage der Machtergreifung Martin Hohmann zum Führer ausrufen wollen, aber ich würde sie trotzdem nur sehr ungern in Versuchung geführt sehen. Das sah offenbar auch der Verfassungsschutz so und hatte deswegen ein paar Jahre lang sicherheitshalber mal ein Auge drauf. Unabhängig davon sind die revisionistischen und nationalistischen Tendenzen des Blatts aber ohnehin nichts, womit ein gemäßigter, der Westbindung verpflichteter Adenauer-Konservativer gerne in Verbindung gebracht werden wollen sollte.

Die Zeitschrift "Sezession" gehört dem Dunstkreis des "Instituts für Staatspolitik" an, welches laut Verfassungsschutz wiederum Teil des "Projekts 'Junge Freiheit'" ist, aus deren Umfeld auch seine Gründer kommen. Daß dort, wie auch in anderen Publikationen der "Neuen Rechten", in Ausnahmefällen zu Alibizwecken auch mal kluge Köpfe zu Wort kommen, ändert nichts daran, daß der Ton von Kameraden ganz anderen Kalibers vorgegeben wird. Der "Opponent" verlinkt das IfS denn auch bezeichnenderweise unter dem Namen von dessen Obermotz Götz Kubitschek, der einst wegen rechtsextremer Bestrebungen hochkant aus der nicht nur von Dregger-Konservativen geschätzten Bundeswehr geworfen wurde.

Den Link auf die "Blaue Narzisse" kann man insofern, als es zwischen ihr und dem "Opponent" gewisse personelle Verflechtungen gibt und man auf seinem Blog natürlich auch für seine anderen Projekte Reklame machen darf, menschlich noch verstehen. Aber genau wie sich die "Sezession" nicht mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt, so ist die "Blaue Narzisse" auch kein Fachblatt für den Blumenfreund, sondern eine als Schülerzeitung gegründete Onlinepublikation, die, falls sie mit rechtsextremen Elementen tatsächlich nur spielt, dies auf ihrem Spielplatz zumindest sehr gerne und ausgiebig tut. Jedenfalls ausgiebig genug, um einen Schäuble-Konservativen ernstlich ins Grübeln zu bringen.

So harmlos wie die "Blaue Narzisse" klingt, so eindeutig kommt das "Sturmvolk" rüber. Auch wenn es sich selbst als konservatives Blog bezeichnet, so ist die Begründung für den Blognamen ("guter Klang") kaum weniger befremdlich als die halbherzige Distanzierung vom historischen Vorbild, dem nationalistischen Kindergarten von Werner Lass, der es während des 1000-jährigen Reichs zum im Rückblick nur wenig ruhmreichen Posten des Amtsleiters Reichspresse in der Reichspressestelle brachte. Wie bei der "Blauen Narzisse" sollte auch ein Schönbohm-Konservativer sich angesichts solcher "Empfehlungen" fragen, ob da der Begriff "konservativ" nicht zumindest ein wenig ungewöhnlich interpretiert wird.

Zugegeben nicht ganz so offensichtlich, dafür umso unappetitlicher ist der Link auf die österreichische Zeitschrift "Zur Zeit". Diese hat nichts mit der deutschen Wochenzeitung ähnlichen Namens zu tun, mit der rechts-populistischen FPÖ dafür umso mehr. In ihrem heroischen Kampf gegen die "Faschismuskeule" und für ein "Ende der Vergangenheitsbewältigung" wird der Schicklgruber Adi dann schon mal als "großer Sozialrevolutionär" verklärt, der anders als der echte Sir Winston keine Schuld am II. Weltkrieg gehabt hat. Wenn dann Artikel auch noch mit Parolen wie "Deutschland Erwache!" enden, dürfte das selbst eingefleischten Oettinger-Konservativen deutlich zu weit gehen.

Nun kann man natürlich argumentieren, daß man nicht immer die Muße hat, sich mit der Blogroll verlinkter Seiten auseinanderzusetzen. Das ist zwar nicht sehr klug, aber bitte schön, jeder wie er mag. Aber ein kurzer Blick auf den Inhalt der Seite selbst wäre mitunter schon anzuraten. Sonst sitzt man nämlich schnell mit Leuten in einem Boot, die unter Hetzjagd von Mügeln die auf dessen stolzen deutschen Bürgermeister verstehen und dem Wohl von Naziskins oder NPD-Politikern mehr Raum einräumen als dem ihrer Opfer. Und auch wenn Eva Herman mit Nachnamen sicher weder Braun noch Göring heißt, sollten sogar Stoiber-Konservative eine Soli-Kampagne für sie als übertrieben erachten.

Doch auch der Betreiber der Seite ist kein ganz so unbeschriebenes Blatt, wie man vielleicht meinen möchte. Neben seiner Mitarbeit bei der oben erwähnten "Blauen Narzisse" ist er nämlich zugleich stellvertretender Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend. Das allein ist sicher noch kein Verbrechen, selbst wenn das umgekehrt bei der Führung eines Vertriebenenverbands im Einzelfall sogar hilfreich sein kann, wie wir spätestens wissen, seit Yassir Arafat den Friedensnobelpreis gekriegt hat. Wenn aber die Organisation, für die der Blogbetreiber steht, so viele Verbindungen ins rechts-revanchistische Lager zu haben scheint, sollte zumindest ein aussöhnungsbereiter Kohl-Konservativer hellhörig werden.

Damit das nicht mißverstanden wird: Anders als der handelsübliche PC-Gutmensch habe ich kein Problem damit, daß rechte Spinner Ihren Unsinn genauso verbreiten dürfen wie linke Spinner, solange sie sich dabei auf dem Boden der vielzitierten FDGO bewegen. Miteinander zu reden ist in der Regel immer noch besser als aufeinander zu schießen. Und es steht selbstverständlich auch jedem frei, sogar Schmuddelkinder zu verlinken. Nur sollten gerade diejenigen, die sich über die Hygiene ihrer politischen Gegner mokieren, nicht vergessen, daß wer im Schlamm spielt, die Aufforderung, sich die Hände zu waschen, doch besser etwas ernster nehmen sollte. Sonst bleiben unschöne braune Flecken.

Mittwoch, 05. September 2007

Pack schlägt sich, Pack verlink(s)t sich

So wie es ausieht, rasselt der Weltgeist jetzt also auf Panzerketten durch die Wüste. Immerhin ein kleiner Fortschritt, mußte er früher doch zu Fuß durch das Hochland Boliviens stapfen. Da hat's die Aufklärung heutzutage nicht nur bequemer, bei den Arabern scheint auch öfter die Sonne.

Als hier kürzlich der Anton aus Tirol besprochen wurde, zeigte Paul der Dreizehnte, auch als Napauleon und Sauerkraut-Paul bekannt, sich ziemlich indigniert,

Indigniert ist vielleicht ein bißchen stark. Sagen wir mal mißverstanden.

weil sein panzerverziertes Blog als militaristisch verstanden wurde,

Also wenn es militaristisch wäre, würde man hier ganz andere Sachen als nur einen Panzer der Weltbefreiungsfront finden. Hier wird ja nicht mal richtig (aus)geräuchert. Sonst gäbe es bei einem Blog mit dem Titel "No Blood for Sauerkraut!" vermutlich mehr Bilder in dieser Art (Vorsicht, Satire!):

Smoke_them_out_2

(Artwork: Mein treuer Gehilfe IGor, frei nach einer legendären Idee des Don ;-)

und betonte sinngemäß, er sei liberal eingestellt, und zwar keiner jener Liberalen, die die Abschaffung des Sozialstaats wollten.

Also bevor's da ein Mißverständnis gibt und meine liberalen Freunde nicht mehr mit mir spielen wollen: Nein, ich will natürlich keine überbordende Sozialbürokratie, die für die Menschen denkt und immer besser weiß, was gut für sie ist, als die Betroffenen selbst. Wie sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte (das Publikum verdreht bei diesem Thema vermutlich schon genervt die Augen), will ich den Sozialstaat in Form einer einheitlichen finanziellen Grundsicherung - ergänzt vielleicht um die Bereiche Bildung und Gesundheit - auf eine effiziente Basisversorgung reduziert sehen.

Das würde dann natürlich zugegeben auf eine Art Minimalkommunismus rauslaufen (jaja, wir NeoCons, können unsere roten Wurzeln einfach nicht verleugnen). Aber auch nur, damit der Kapitalismus darüber hinaus dann mal so richtig aufdrehen und unbeschwert zeigen kann, was in ihm steckt, wenn man ihn nur läßt (da kommt dann wieder die neoliberale Heuschrecke in mir durch).

Den Panzer auf seinem Blog habe er nur gewählt, weil da was Lustiges, satirisch-ironisches draufstünde. Ich muss ja gestehen, dass ich gar keinen Schriftzug darauf bemerkt hatte, sondern nur bemerkt, dass das ein M1 A1 Abrams war,

Also bei dem A1 würde ich mich jetzt nur ungern festlegen wollen (ich als Laie hätte ja persönlich eher auf den M1A2 getippt), aber ansonsten nicht schlecht, Respekt! Ich hätte gedacht, daß man in diesen Kreisen gerade mal den T-55 vom T-72 unterscheiden kann. So kann man sich täuschen.

aber eine Vergrößerung zeigte es: Dort steht geschrieben: Today Baghdad, tomorrow Paris!

Soso, das ist also lustig.

Also ich könnt' mich kugeln. Gut, wahrscheinlich ist das nix für echte Deutsche, wenn gerade kein (Luftschutz)keller da ist, in den sie sich zum Lachen zurückziehen können, aber ich find's einfach genial. Einer der besten Polit-Jokes die ich kenne. Die verantwortlichen GIs hätten den Humornobelpreis 2003 kriegen sollen.

Nun denn, wenn man die Hysterie bedenkt, die in den US and A wegen der Weigerung Frankreichs an einer Teilnahme am Irakkrieg herrschte - Pommes wurden von French Fries in Freedom Fries umbenannt - dann würde ich das weniger humorig sehen.

Also das fand ich ehrlich gesagt ebenfalls saukomisch. Ich hab die Pommes danach sogar manchmal explizit so bestellt, was mir in der Regel aber nur verständnislose Blicke statt acrylamidhaltiger Formkartoffeln einbrachte. Ich denke, ich sollte vielleicht einfach noch mal meinen Stammbaum durchforsten. Hab vielleicht doch irgendwelche verdächtigen angloamerikanischen Gene, die meiner Mutter bei der Ahnenforschung entgangen sind.

Aber bitteschön, absurder Humor ist bei mir immer willkommen, und man kann das ja auch umdrehen. Wissen die Prowestlichen eigentlich, dass die  Linke die Invasion  der USA plant?

Was heißt hier plant? Sie hat bereits die Macht übernommen! Und der Oberrevoluzzer heißt George W. Bush. Derzeit führt sie allerdings eine erbitterte Abwehrschlacht gegen die Invasion der konservativen Realpolitiker, die wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen. Das State Department haben diese Schurken bereits gestürmt. Das wird noch verdammt hart.

Die Woodstock-Legende Joe Cocker singt das seit Jahren, und ich weiß von britischen Trotzkisten und Anarchisten, dass sie das richtig geil finden:

Das würde einiges erklären. Den NeoCons sagt man ja ohnehin gerne nach, daß sie verkappte Trotzkisten seien.

[...] first we take manhattan
then we take berlin

Nicht ganz so gut wie "Today Baghdad, tomorrow Paris!", aber es entlockt mir doch zumindest ein Schmunzeln, obwohl ich als alter Proggie von der dazugehörigen Musik jetzt nicht wirklich viel halte.

Müsste man da nicht aufmerksam werden? Wenn der Flugzeugträger der Störtebeker-Klasse “Ulrike Meinhof” vor New York aufkreuzt, ist es zu spät! Die Dienste schlafen!

Lustiger Zufall! Derselbe Gag wartet in einem seit Monaten in der NBFS-Warteschleife dümpelnden längeren Traktat über die Linke und Amerika auf seinen letzten Feinschliff. Nur daß der Flugzeugträger bei mir "USS Che Guevara" (!) heißen sollte. Wir mögen als Trotzkist bzw. Tschekist zwar auf verschiedenen Seiten der Barrikade stehen, aber ich muß feststellen, daß wir offenbar ähnlicher ticken als uns beiden lieb sein kann. ;-) Da muß ich dann wohl mal aufrichtig Abbitte leisten und mich offiziell dafür entschuldigen, "Che's Warlog" in meiner Blogroll unter "Last Loonies Left" einsortiert zu haben.

Das wird selbstverständlich umgehend mit der lange überfälligen eigenen Rubrik für satisfaktionsfähige Blogs anderer Feldpostnummern und der daraus resultierenden besseren Gesellschaft wiedergutgemacht. Und den passenden Namen, um den hohen Erwartungen an eine echte Regimentswebsite gerecht zu werden, hab ich auch schon: "Viel Feind, viel Ehr" ;-)

Mittwoch, 29. August 2007

America don't worry! Israel is behind you

Glaubt man dem SPIEGEL, dann gibt das neue Buch von John J. Mearsheimer und Stephen M. Walt diesem zeitlosen 80er-Jahre-Klassiker eine ganz neue Bedeutung, und zwar nicht nur, weil das abgebildete Flugzeug tatsächlich aus amerikanischen Rüstungslieferungen stammt.

Keiner der Newcomer aber verfiel auf so kühne Thesen über Amerikas Außenpolitik in Vergangenheit und Gegenwart wie ausgerechnet jener Oldie, der nach zwei Amtszeiten nun nichts mehr werden kann: George W. Bush. An dem Tag, an dem bei einem Hubschrauberabsturz im Irak 14 GIs starben - einer der höchsten Tagesverluste im ganzen leidigen Krieg -, beschwor er die Erinnerung an einen anderen Hubschrauber: den, der 1975 vom Dach der US-Botschaft in Saigon die letzten Verbündeten aus einem verlorenen Krieg ausflog.

Daran ist höchstens kühn, daß die Wahrheit nicht immer und derzeit ganz besonders wenig populär ist und daß der, der sie ausspricht, sich damit keinen Gefallen tut. Umso beeindruckender ist es, wenn ein Politiker sich dann trotzdem traut.

Auch damals, so Bushs Lesart der Geschichte, hätte es geheißen, ohne Amerikas Präsenz am Kriegsschauplatz nähme das Töten ein Ende. In Wahrheit sei der Abzug der Auftakt für ein unvorstellbar großes Massaker gewesen: in Kambodscha, im vom Norden eroberten Südvietnam und unter jenen Hunderttausenden Flüchtlingen, die ihr Heil in seeuntüchtigen Booten suchten. "Der Preis für Amerikas Abzug", so Bush als Warnung, diesen Fehler nun nicht im Irak zu wiederholen, "wurde von Millionen unschuldiger Bürger bezahlt."

Es ist schon ein bißchen gruselig, daß es bald 20 Jahre nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus immer noch Leute zu geben scheint, die das anders sehen.

Nach qualvollen Jahren der Aufarbeitung des Vietnam-Kriegs sind sich eigentlich die meisten Amerikaner darüber einig, dass ihre Soldaten damals in Südostasien nichts zu suchen hatten.

Womit sie sich irren. Sie haben nur das falsche gesucht, nämlich die Stabilität der Unterdrückung statt des Fortschritts durch Freiheit. Damals gab es keine NeoCons, sondern nur kurzsichtige Realpolitiker. Wäre das Ziel damals schon nicht die Rettung einer Diktatur, sondern die Errichtung einer Demokratie gewesen, wäre die Sache sicherlich auch etwas anders ausgegangen. Und wir wären heute im Weltbefreiungskrieg schon wesentlich weiter.

Quer über das gesamte ideologische Spektrum gilt eine Rechtfertigung für das Indochina-Desaster als politischer Selbstmord.

Leute, glaubt mehr Unsinn! Millionen Ideologen können nicht irren.

Bushs Rechnung, mit dem Hinweis auf Vietnam den Abzug aus dem Irak aufzuhalten, kann deshalb nur dann aufgehen, wenn er seine Landsleute auch noch von der Wahrheit eines Satzes überzeugen kann, den er ebenfalls den jubelnden Veteranen vortrug. Die US-Truppen, sagte Bush, seien noch immer "die größte Macht zur Befreiung des Menschen, welche die Welt jemals gekannt hat".

Und damit hat er zweifellos recht, der gute George. Es steht aber jedem, der es wagt, Bush in dieser Bewertung zu widersprechen, selbstverständlich frei, der Welt mitzuteilen, welche Macht unterm Strich denn angeblich mehr Menschen befreit bzw. ihre Freiheit geschützt hat als die USA und ihre Streitkräfte, und Bush's Aussage so zu falsifizieren.

Da war es wieder, das Argument, die Streitkräfte seien Missionare der Demokratie. Die große neokonservative Idee feierte unverhoffte Wiederauferstehung, wonach es keine Sicherheit für die USA ohne Frieden im Nahen Osten geben könne und keine Stabilität ohne Demokratien in der Region und der Weg nach Jerusalem deshalb über Bagdad führen müsse.

Diese große Idee ist zweifellos einer der größten Schritte in der geistigen Entwicklung der Menschheit, vergleichbar nur mit der amerikanischen Revolution von 1776 oder der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Und es ist ein Armutszeugnis für besagte Menschheit, daß sie zu dieser eigentlich ziemlich logischen Erkenntnis so lange gebraucht hat. Es ist allerdings ein noch größeres Armutszeugnis für jene, die ihr, nachdem selbst diese Menschheit es endlich geschafft hat, immer noch zu widersprechen wagen.

Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses war diese Dominotheorie zur Regierungsdoktrin erhoben worden. Vor dem Kapitol gelobte Bush feierlich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar 2005: "Es ist die Politik der Vereinigten Staaten, demokratische Bewegungen und Institutionen in jedem Land und in jeder Kultur zu suchen und ihre Entwicklung zu fördern mit dem Endziel, die Tyrannei in der Welt zu beenden."

Was immer er ansonsten verbockt haben mag, aber alleine damit hat er einen Platz unter den größten Denkern der Geschichte verdient.

Doch als Bush sein "In Tyrannos" ablegte, stand das Projekt schon vor dem Scheitern. Amerikas Soldaten waren im Irak nicht als Befreier umjubelt worden, sie verstrickten sich immer heftiger in den Kampf gegen einen hartnäckigen Aufstand.

Mal ganz unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage, erschreckt es doch ein wenig, daß es offenbar Leute gibt, die sich nicht fragen, wer denn alles so an diesem "Aufstand" beteiligt ist. Die Frauen etwa? Die Kinder? Die Iraker die in Freiheit leben wollen? Oder in Wohlstand? Und in Frieden? Oder sind es nicht doch eher die Anhänger totalitärer Ideologien vom Stalinismus über den Faschismus bis hin zum Islamismus? Ist die Tatsache, daß letztere ihren Aufstand für das Recht führen, erstere in Ruhe unterdrücken zu können, tatsächlich etwas, was dagegen spricht, sie zu bekämpfen? Oder nicht doch viel mehr ein Grund für ein nur umso engagierteres Vorgehen in diesem Kampf?

[...] Unter anderem versuchen zwei Autoren nachzuweisen, dass es einer kleinen Gruppe überwiegend jüdischer Intellektueller und Mitglieder der Regierung gelungen sei, Amerika in diesen Krieg hineinzutreiben, weil ihnen das Schicksal Israels - mindestens - ebenso sehr am Herzen liege wie das ihres Vaterlands.

Aber nicht daß jetzt jemand "Antisemitismus" ruft, nur weil hier hervorgehoben wird, daß es sich überwiegend um jüdische Intellektuelle handelt.

[...] Ihre Kernthese lautet: Der Israel-Lobby sei es gelungen, "die Außenpolitik so weit von dem abzubringen, was die Rücksicht auf das nationale Interesse eigentlich diktieren würde, und gleichzeitig viele Amerikaner davon zu überzeugen, dass das amerikanische und das Interesse des anderen Landes - in diesem Fall Israel - im Wesentlichen identisch ist".

Die Identität der Interessen aber bestreiten die beiden Autoren, und damit ist ihr Buch ein Politikum.

Deswegen ist ihr Buch vor allem mal totaler Bullshit. Denn wer die gemeinsamen Interessen der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie USA mit der vom islamistischen Terror bedrohten Demokratie Israel nicht erkennen kann, und statt dessen mehr Gemeinsamkeiten mit den diesen Terror durchführenden Diktaturen der arabisch-islamischen Welt erkennt, hat offenbar gehörig einen an der Waffel.

Das heißt natürlich nicht, daß diese Interessen im Einzelfall nicht auch mal voneinander abweichen können (z.B. wenn es um fragwürdige amerikanische Rüstungslieferungen an Israel feindlich gesonnene Terrorregime wie Saudi-Arabien geht oder dem israelischen Verkauf US-finanzierter HighTech-Rüstung an potentielle Gegner Amerikas wie China), aber in der Regel ist gut für Amerika was gut ist für Israel (und umgekehrt!). Diese beiden Staaten sollen froh sein, im jeweils anderen den besten Verbündeten zu haben, den man sich wünschen kann.

[...] Dass etwa der Irak-Krieg auch etwas damit zu tun hat, dass sich in Washington zeitweilig die Hoffnung durchgesetzt hatte, den Kernkonflikt des Nahen Ostens durch den Versuch zu umgehen, in den Staaten der Region eine demokratische Modernisierung voranzutreiben, wird niemand mehr bestreiten.

Wär ja auch schlimm! Ist schließlich ein sehr vernünftiger Ansatz. Wenn ich's nicht besser wüßte, würde ich sagen, sie haben ihn geklaut. Und zwar von mir.

Auch nicht die These der beiden Politologen, wonach Amerikas Kriegsbefürworter den Sturz Saddams als Verbesserung der strategischen Position Israels und Amerikas ansahen und darauf hofften, dass beide Vorteile aus der regionalen Modernisierung ziehen würden.

Das erklärt endlich auch schlüssig, warum die USA den Europäern jahrzehntelang durch die NATO gegen die sowjetische Bedrohung geholfen haben. Es waren gar nicht wie oft fälschlicherweise vermutet gemeinsame Werte und Sicherheitsinteressen, sondern die in die Schaltstellen amerikanischer Macht eingeschleusten europäischen Intellektuellen, die durch ihre Kaperung der US-Außenpolitik die Vereinigten Staaten in einen den eigenen Interessen zuwiderlaufenden sinnlosen Konflikt mit ihren wahren Freunden Stalin, Chruschtschow und Breschnew gedrängt haben.

Dass Saddam keine wirkliche Bedrohung für Amerika darstellte, wohl aber für Israel, ist eine Tatsache, die selbst Mitglieder der Bush-Regierung zugegeben haben, wenn auch nur sehr selten in aller Öffentlichkeit.

In der Bush-Regierung, vor allem im State Department, tummelt sich so einiges, das kaum als Gute-Ideen-Reaktor taugt. Daß der Sturz Saddam Husseins, dessen bloße Existenz in der arabischen Welt als Verhöhnung Amerikas wahrgenommen wurde, und so schon aus ganz niederen realpolitischen Gründen wie der Wiederherstellung amerikanischer Abschreckungsfähigkeit gegenüber Schurkenstaaten hätte durchgeführt werden müssen, wird von den Autoren im übrigen geflissentlich ignoriert. Für die Realpolitik zu trommeln heißt offenbar nicht, sie auch verstanden zu haben.

[...] Dass sich Washington entschieden hat, die Gegner Irans aufzurüsten, darunter auch so zweifelhafte Diktaturen wie Saudi-Arabien, ist ein - häufig kontraproduktives - Mittel aus dem Arsenal traditioneller Außenpolitik, auf jeden Fall aber eine Todsünde wider den Geist neokonservativer Demokratielehre.

Diese Kritik ist zweifellos berechtigt. Man fragt sich nur, wieso jene, die die neokonservative Demokratisierungsstrategie so vehement ablehnen, bei der Bekanntgabe dieses bedauerlichen Kurswechsels die nötige Begeisterung für die Rückkehr Bushs auf den rechten Weg irgendwie haben vermissen lassen. Da scheinen die Anhänger der Realpolitik ihren eigenen Ideen ja nicht sonderlich weit zu trauen. Sonst hätte im SPIEGEL etwas stehen können wie "Na endlich, Dubya! Jetzt bist Du einer von uns!"

Ob deswegen Israel mehr oder weniger die gesamte Außenpolitik der USA in "strategische Haftung" genommen hat, wie die Autoren behaupten, ist allerdings eine ganz andere Frage. Die Isolation der Vereinigten Staaten in der muslimischen Welt ist für die Autoren auch eine Folge der bedingungslosen Unterstützung Israels.

Klar, wenn die Amerikaner den muslimischen Fanatikern helfen würden, Haifa heim ins Reich zu holen, gäbe das dort sicherlich Pluspunkte. Und was kümmern einen echten Realpolitiker schon Begriffe wie Recht und Moral. Das ist was für Weicheier. Angesichts solch eines erfrischend realistischen Ansatzes sind wir schon ganz auf das nächste Buch von Mearsheimer/Walt gespannt, in welchem sie uns darlegen, welch große Ziele die USA hätten erreichen können, wenn sie sich nur mit dem aufstrebenden Nazideutschland statt dem sterbenden Empire verbündet hätten. Der Titel steht schon fest: "The world is not enough".

Das ist, selbstverständlich, vermintes Terrain. Natürlich hüten Mearsheimer und Walt sich, die Terroranschläge vom 11. September 2001 mit der Washingtoner Israel-Politik zu begründen.

Keine Sorge, das erledigen dann schon die Verschwörungstheoretiker, die sicherlich die richtigen Schlüsse aus dieser Steilvorlage ziehen werden.

Ganz deutlich aber schreiben sie, dass der Einfluss der Lobby "die terroristische Gefahr vergrößert". Die USA hätten genau deshalb ein Terrorismusproblem, "weil sie so eng mit Israel alliiert sind". Die Angst, dass eines nicht fernen Tages die amerikanische Öffentlichkeit deshalb die Schuld am islamischen Terror Israel oder den Interessenvertretern amerikanischer Juden geben könnte, macht erklärlich, warum das Echo auf dieses Buch so alarmistisch ausfällt.

Mit genau dieser "Logik" erklären auch die Rechtsradikalen immer wieder gerne, daß die Juden durch ihr eigenes Fehlverhalten den Antisemitismus ja erst hervorrufen, unter dem sie dann zu leiden haben. Man muß also nur Israel aufgeben, und schon hat jeder wieder die Juden lieb. Interessant zu erfahren, daß derart kranke Ideen jetzt offenbar auch Einzug in die Mainstreammedien halten.

[...] Dass George W. Bush deshalb in den verbleibenden Monaten seiner Amtszeit noch mit der Hamas reden oder, wie von vielen Gegnern gefordert, einen möglichst vollständigen Truppenabzug aus dem Irak anordnen könnte, ist kaum zu erwarten. Auch nicht, dass irgendeiner seiner Nachfolger die enge Bindung an Israel lockern wird.

Das wär ja auch noch mal schöner!

Vorstellbar ist aber auch nicht mehr, dass der nächste US-Präsident noch einmal einem israelischen Regierungschef Carte blanche geben könnte, wie Bush es für Ariel Scharon und Ehud Olmert getan hat. Wenig wahrscheinlich auch, dass es den Neocons noch einmal gestattet sein könnte, die amerikanische Nahost-Politik zu kidnappen.

Auch das hat Bush im Irak bewerkstelligt.

Und jetzt die Preisfrage: Wäre es besser, den Irakkrieg nicht geführt zu haben, damit man Israel mal so richtig unterstützen kann? Oder sollte man Bush statt dessen dafür danken, daß er diesen jüdischen Unruhestiftern endlich den Stecker rausgezogen hat? Wahrscheinlich Antwort drei: Da hat mal wieder jemand so richtig schön dummgeschwätzt.

Montag, 27. August 2007

Ein Tiroler im Cyberspace

Oha! Da schlägt unser Anton inzwischen sogar schon außerhalb von NBFS Wellen. Zwar noch kein Tsunami, eher plätschert es so leise vor sich hin, aber immerhin! Und so wie es aussieht, hat er sich mit seiner unnachahmlichen Art, auf seine Mitmenschen herabzusehen, auch bei Leuten, die er selber wohl eher als Verbündete verortet hätte, nicht nur Freunde gemacht. An sich könnte man es dabei mit einem süffisanten Grinsen bewenden lassen, aber weil im Rahmen der sich daraus entwickelnden - im übrigen durchaus unterhaltsamen! - Debatte Mitdiskutant Che eine ganze Reihe von interessante Punkten auch zu meiner Wenigkeit angesprochen hat, muß ich jetzt doch mal zum einen oder anderen seiner Kommentare ebenfalls einen solchen abgeben:

3. Mit der Borussenfront hatte ich ja eine klasse Begegnung. Als die unsereins verprügeln wollte, holte jemand die geeignete Verstärkung: Eine Hells-Angel-like Bikergang. Da wurden sie ganz zahm, die Nazis. Schön war es auch, die Kahlköpfe rennen zu sehen, wenn die Kurden kamen.

Es ist beruhigend zu wissen, daß es auch andere Leute gibt, die in gewissen Situationen, wo gerade kein Wachtmeister zur Hand ist, die Segnungen der Selbstjustiz zu würdigen wissen. ;-)

4. Die Kommentatorenriege beim Paul zeichnet sich im Übrigen durch eine bizarre Vorstellung von dem, was links ist aus, mal wieder.

Da dieses so interessante wie wichtige Thema mich auch immer wieder beschäftigt, was genau ist eigentlich links? Und ist rechts dann das Gegenteil? Dazu höre ich immer gerne Meinungen, die Frage geht also an alle!

6. Wobei sich schon die Frage stellt, was von einem “liberalen” Blog zu halten ist,

Daß es liberal ist, heißt ja nicht automatisch, daß es NUR liberal ist. Es ist nur ÜBERWIEGEND liberal, sprich überall da, wo Individuen friedlich miteinander auskommen bzw. nicht unverschuldet in Not geraten, also vor allem in Wirtschaft und Gesellschaft. Hinsichtlich des Umgangs mit den bösen Jungs, aber auch was die Unterstützung von Witwen und Waisen betrifft, ist es das hingegen sicher nicht. Hoffe ich zumindest. Denn weder will ich erstere frei rumlaufen noch die beiden letzteren verhungern sehen.

das daherkommt wie eine Regimentswebseite.

Wieso das denn? Was soll das überhaupt für ein Regiment sein? Weder ist der Hintergrund oliv noch die Schrift gelb. Und selbst für ein Sanitätsregiment ist das rot noch viel zu blau. Etwa wegen dem schnuckeligen kleinen Panzer oben links? Der ist da nicht, weil ich die Welt erobern will, sondern weil auf dem Panzer was draufsteht, was in seinem Sarkasmus als Symbol für Zeit und Anlaß der Gründung dieses Blogs unübertroffen ist. Womit ich nichts gegen die Welteroberung als solche und den anschließenden Ausbruch des ewigen Friedens gesagt haben will, aber wäre das das Auswahlkriterium gewesen, hätte ich gewiß keinen Panzer gewählt - schon gar keinen Abrams ;-) -, sondern etwas für meine Zwecke angemesseneres, also beispielsweise einen Apache-Kampfhubschrauber oder am besten gleich einen ausgewachsenen Flugzeugträger der Nimitz-Klasse. Wenn, dann richtig!

Der Paul selber ist im Großen und Ganzen ganz fair und höflich,

Das hört man gerne. Ich geb mir diesbezüglich trotz meinem Hanges zum Sarkasmus zumindest Mühe, auch wenn das leider nicht von allen Leuten angemessen goutiert wird.

zeigte aber auch schon merkwürdige Anwandlungen.

Also normal ist das nicht, das will ich gerne konstatieren. ;-)

So verglich er Jolly Rogers, einen undogmatischen Gefühlslinken und badischen Sanguiniker, schon mal mit Berija und mich mit Dscherschinski.

Wer wird denn ob ein bißchen Polemik so nachtragend sein. ;-) Ich sage damit ja nicht, daß ich Euch beide für blutrünstige Massenmörder halte (dann würde ich gar nicht mit Euch reden), aber wenn jemand statt eines harmlosen Panzers das Portait eines grausamen Massenmörders als Logo benutzt, der Spaß daran hatte, seine Opfer höchstpersönlich zu erschießen, oder wenn jemand sich wünscht, daß trotz der Methoden, mit denen sie so was üblicherweise zu tun pflegen, 50.000 Russen bzw. Chinesen mit durchgeladener AK im Libanon für Ruhe und Ordnung sorgen, dann muß man ob einer solch kontroversen Auswahl seiner Idole auch mal ein bißchen Kritik aushalten können. Und ich weiß wovon ich rede, weil ich mir schon für die Unterstützung weit sympathischerer Zeitgenossen wie beispielsweise meines Lieblingspräsidenten noch ganz andere Sachen anhören muß.

8. Einige Freunde von mir bezeichnen die Hardcore-Neocons gerne als “neoconnazis”.

Einige Deiner Freunde sind ja auch der Ansicht, daß die Beleidigung "Nazi" schnell mal einen Streitwert von 200.000 Euronen hat, und zwar nicht für den Beleidigenden, sondern für unbeteiligte Dritte. Und das lustige ist, daß das mitunter dieselben Deiner Freunde sind, die, wie Du schon erwähntest, andere Leute gerne als "neoconazis" bezeichnen. Was mich daran erinnert, daß ich bei besagten Freunden noch mal nachschauen muß, ob der Lancaster-Bomber immer noch da ist. Denn auch als bekennender HardCore-NeoCon wie ich findet man es nicht sonderlich lustig, "Nazi" genannt zu werden, und zwar nicht nur, weil ich die 200.000 Euro gut gebrauchen könnte. Auf jeden Fall aber ist "Nazi" nicht gerade besser als Berija oder Dserschinski. Dann lieber Trotzki. ;-)

P.S.: Noch ein kleiner Nachtrag für Momorulez, der Kommentar Nr. 7 verfaßte:

Ich lese da auch nur sehr selten, aber für mich war das immer eher sowas wie Neocon-Speersptze in Sachen Außenpolitk

Endlich wird die Bedeutung von NBFS für die deutsche Bloggerszene mal richtig gewürdigt!

… und da gehört dann ja Freund/Freind-Denke sozusagen in’s Zentrum des Politischen als solchem.

Je nachdem, wer Freund bzw. Feind ist, stehe ich da in manchen Fällen nur sehr ungern unentschieden in der Mitte. Das muß aber zugegeben jeder für sich selbst entscheiden.

Kann ihm da aber unrecht tun, bin da wirklich zu selten unterwegs.

Keine Sorge, ich fühle mich geehrt. Schau also ruhig öfter rein, konstruktiv-kritische Stimmen sind hier jederzeit willkommen.

Donnerstag, 16. August 2007

Das Herz schlägt rechts

Ich frage mich immer, wieso die meisten derjenigen, die sich hierzulande für links halten, mir irgendwie eher ziemlich reaktionär vorkommen. Jost Kaiser hat eine interessante Antwort darauf gefunden, die umso plausibler erscheint, je länger man darüber nachdenkt:

In Wahrheit ist "links" zu sein, nicht parteipolitisch definiert, sondern beschreibt die immer noch vorhandene antiwestliche Unterströmung in unserer Gesellschaft.

So traurig es ist, aber das trifft es wohl leider auf den Punkt. Was nicht heißen soll, daß es auf der Rechten besser wäre. Da erwartet man es ja nicht anders. Aber für die Linke und ihre einstmals fortschrittlichen Ideale ist es schon ein ganz schönes Armutszeugnis.

Freitag, 13. Juli 2007

Ich liebe Umfragen...

...und weil ich das Ohr sowieso immer gerne nah am Leser habe, mache ich aus aktuellem Anlaß (sprich: Marc Pitzke schwätzt wie üblich dummes Zeug, diesmal über die derzeit in den USA stattfindende Debatte zum weiteren Vorgehen im Irak) mal wieder eine solche:

Donnerstag, 12. Juli 2007

Heiteres Überzeugungenraten

Und wo wir gerade so schön dabei sind:

Neocon quiz results

Based on your answers, you are most likely a neoconservative. Read below to learn more about each foreign policy perspective.

[...]

Neoconservative
Neoconservatives…

    * Want the US to be the world's unchallenged superpower
    * Share unwavering support for Israel
    * Support American unilateral action
    * Support preemptive strikes to remove perceived threats to US security
    * Promote the development of an American empire
    * Equate American power with the potential for world peace
    * Seek to democratize the Arab world
    * Push regime change in states deemed threats to the US or its allies

Historical neoconservative: President Teddy Roosevelt
Modern neoconservative: President Ronald Reagan

Naja, sagen wie knapp vorbei ist fast getroffen. ;-)

Was bin ich?

Na, wenn das jetzt alle machen...

You Are 76% Capitalist, 24% Socialist
In general, you support a free economy and business interests.
You tend to think people should fend for themselves, even when times get tough.
However, do think the government should help those who are truly in need.

Sonntag, 08. Juli 2007

Einspruch, Euer Ehren!

Im Rahmen einer Diskussion auf dem Blog al-Sharq faßte C. Sydow die wesentlichen Argumente gegen den Irakkrieg sehr gut zusammen, was Gelegenheit bietet, sich mit all diesen Punkten noch einmal auf einen Schlag auseinanderzusetzen, da sie nicht unwidersprochen stehen bleiben dürfen:

niemals hätte die "koalition der willigen" in den irak einmarschieren dürfen, ohne einen funktionierenden plan für die zeit nach dem regime change in der tasche zu haben.

Sie hatten einen Plan. Und abgesehen vom Terrorismusproblem - für das aber bisher noch niemand eine schnelle Lösung gefunden hat, schon gar nicht die Kritiker des Irakkriegs - hat er auch überraschend gut funktioniert. Ob er das aber tut, weiß man ohnehin nie vorher, sonst würden Pläne nicht ausgeführt, sondern dem Gegner einfach zusammen mit der Kapitulationsurkunde zwecks Abzeichnung vorgelegt. Wäre eine hundertprozentige Erfolgsgarantie die Voraussetzung, hätte es die Invasion in der Normandie beispielsweise nie gegeben.

die neocons waren geblendet von ihrer ideologie und übersahen dabei die realitäten im irak, den schwelenden konflikt zwischen sunniten und schiiten, die gewachsenen stammesstrukturen, etc die einen übergang zu demokratischen verhältnissen sehr schwierig machen würden.

Wieso? Das war doch nun wirklich ein Kinderspiel. Die Iraker haben sich an den diversen Wahlen mit einer Zivilicourage beteiligt, die man sich ebenso wie die daraus resultierende Wahlbeteiligung mitunter für unsere Breiten wünschen würde. Und im Spinnen von Intrigen sowie dem daraus resultierenden Stillstand wichtiger Reformprojekte sind die irakischen Politiker nun wahrlich nicht die schlimmsten, wie schon ein flüchtiger Blick auf die unter weitaus günstigeren Vorausetzungen arbeitende Große Koalition in Berlin eindrucksvoll belegt. Für angeblich demokratieunfähige Wilde haben sich die Iraker jedenfalls gar nicht schlecht geschlagen. Und das, obwohl ihnen die Irakkriegsgegner genau diese Erfahrung verwehren wollten.

in dieser mischung aus unkenntnis und ignoranz liegen die wurzeln für das chaos im irak dem wir alle heute wohl ziemlich rat- und hilflos gegenüberstehen.

Die Wurzeln für das Chaos im Irak liegen darin, daß es eine Minderheit gibt, die der Mehrheit das Recht auf demokratische Freiheiten mit allen Mitteln zu verweigern sucht. Soll aus dem Fanatismus besagter Minderheit jetzt geschlossen werden, daß man ihr ein Vetorecht gegen die Demokratisierung einräumen muß, und zwar umso mehr, je menschenverachtender und brutaler sie ihre Ziele zu erreichen versucht? Und falls man das tut, was werden Tyrannen wie Terroristen wohl daraus schließen, daß man ihnen umso tiefer in den Allerwertesten kriecht, je skrupelloser sie auftreten?

saddam hussein war ohne zweifel ein despot, aber er war 2002/03 ein isolierter despot der sich an seine macht klammerte und wohl sämtlichen imperialen bestrebungen abgeschworen hatte.

Selbst wenn er seinen imperialen Bestrebungen abgeschworen hätte, so hätte er das nur durch die real drohende Gefahr eben jenes Krieges getan, den die Irakkriegsgegner ja gerade um jeden Preis verhindern wollten. Wobei die Illusion des angeblich nur für seine Untertanen gefährlichen Despoten schon durch die trotz der Sanktionen weiterhin gezahlten Kopfprämien für tote Juden von $25.000 pro Selbstmordattentat eindrucksvoll widerlegt wird. Davon aber mal abgesehen, wer hätte der Welt denn garantiert, daß Saddam nach dem von der Achse des Friedens für das Jahr 2003 nach einer abschließenden Inspektionsrunde in Aussicht gestellten Ende der Sanktionen nicht einfach da weiter gemacht hätte, wo er aufgehört hatte? Und vor allem wie hätte derjenige das getan? Ein funktionierender Plan sieht jedenfalls anders aus.

in der hoffnung einer us-geführten invasion aus dem wege zu gehen, ließ er schließlich sogar un-isnpektoren ins land.

Ganz genau, wegen der zuvor aufmarschierten US-Truppen. Und wenn die Amis wieder abgezogen wären, hätte das Katz-und-Maus-Spiel wieder von vorne begonnen und die Inspektoren wieder den üblichen Tritt in den Hintern bekommen. Dann hätten die Marines wieder anrücken und ihre Zelte erneut in der Wüste aufschlagen müssen. Um dann nach kurzem diplomatischen Geplänkel wieder abzuziehen. Und, wie lange wäre das so weitergegangen? Bis Saddam die WMD endlich zusammengestückelt hätte, bis seinem Terror eine ausreichende Zahl von Menschen zum Opfer gefallen wären, oder bis es den Amis zu blöd geworden wäre, Geld für das permanente hin- und herkutschieren ihrer Armee auszugeben? Denn wer hätte den Spaß sonst bezahlen sollen? Der auf dem SPD-Parteitag beschlossene Sonderfonds "US-Basen in der arabischen Welt"?

daher bin ich der ansicht, dass es angesichts des bürgerkriegs, der opfer-und flüchtlingszahlen für den irak und die region besser gewesen, saddam wohl oder übel an der macht zu lassen.

Da scheint sich hierzulande immer noch das Märchen zu halten, daß Saddam zwar ein bißchen hart im Umgang mit den ihm anvertrauten Untertanen war, aber ansonsten nur ein ganz normaler Feld-, Wald- und Wiesendespot wie dutzende andere auch. Doch Saddam war ein gnadenloser Völkermörder, der es selbst in Friedenszeiten locker schaffte, in einem Jahr mehr Menschen um die Ecke zu bringen als ein Hampelmann wie Pinochet während der gesamten Zeit seines Wirkens. Und da die Opfer der Sanktionen nicht gestorben sind, weil man dem Irak Nahrungsmittel und Medikamente verweigert hätte, sondern weil Saddam sie der eigenen Bevölkerung aus Propagandagründen vorenthalten hat, liegt die Zahl seiner Opfer weit über dem, was alle irakischen Terroristen zusammengenommen je anrichten können, selbst wenn es ihnen gelingen sollte, noch über Jahre so weiterzumorden.

dass die nachbarstaaten einer demokratisierung des irak nach kräften knüppel zwischen die bein schmeißen würden, war auch vor dem krieg absehbar. so hat die entwicklung seit 2003 vor allem dem iran genutzt. ich denke nicht, dass dies im kalkül von bush und blair lag.

Darüber könnte man jetzt ausgiebig streiten, aber nehmen wir mal an, sie hätten gewußt, wie erbittert die Terroristen und ihre Unterstützer sich gegen die Demokratisierung der arabisch-islamischen Welt zur Wehr setzen würden, hätte das einen Unterschied gemacht? Oder besser gesagt, hätte es einen Unterschied machen sollen? Hätten sie dann sagen sollen, "Ok, wenn diese Irren so sehr auf ihrem Recht bestehen, Frauen zu steinigen und Homosexuelle hinzurichten, und bereit sind, ihre Glaubensbrüder dafür zu massakrieren, daß sie dieselbe Musik wie die Irakkriegsgegner hören oder im Internet surfen, dann müssen wir ihnen dieses Recht auch zubilligen, und ihre Opfer müssen da halt durch"? Was ist das für eine perverse Weltsicht, die den Kampf gegen das Verbrechen von der vorherigen Zustimmung der Verbrecher abhängig macht?

p.s.: die un-sanktionen gegen den irak hielt ich übrigens genauso für einen schweren fehler, weil unter diesen zu allererst frauen, kinder und kranke zu leiden hatten.

Noch mal, die Frauen und Kinder hatten nicht wegen der Sanktionen, die humanitäre Güter ja ausdrücklich ausnahmen, zu leiden, sondern weil Saddam de facto gesagt hat, "ich hab 20 Millionen Iraker als Geiseln, und von denen ermorde ich jetzt einfach solange jeden Tag ein paar hundert, bis ihr mit den Sanktionen aufhört". Mal ganz davon abgesehen, daß diese Tatsache das Geschwätz von wegen "vor dem Krieg war's ganz erträglich im Irak" ad absurdum führt, stellt sich die Frage, was genau der Lösungsvoschlag ist, wenn ein gewaltsamer Sturz des Regimes ebenso wie dessen Eindämmung durch Sanktionen abgelehnt wird.

Denn über eins sollten sich die Irakkriegsgegner klar sein: Wenn die Terroristen heute nicht zehntausende von Menschen aus dem Untergrund heraus masskarieren würden, sondern hunderttausende völlig legal, weil sie weiterhin den Diktator stellen, und demnächst vielleicht Millionen, wenn der erst mal Zugriff auf Massenvernichtungswaffen bekommt, wären auch nach ihrer eigenen Logik ganz sicher nicht Bush und Blair dafür verantwortlich. Sondern sie.

Montag, 02. Juli 2007

(Un)freiheit oder (Tyrannen)tod

Was passiert, wenn Leute, die sich schwerpunktmäßig mit dem Zusammenleben selbstbestimmter Individuen und dem Aufbau freier Gesellschaften beschäftigen, versuchen, diesen - ansonsten ja durchaus lobenwerten! - Ansatz auch auf den internationalen Umgang mit Tyrannen anzuwenden, deren bloße Existenz davon abhängt, genau das zu verhindern, kann man hier sehen:

Wenn Sauerkraut&Co. bereit wären, die Ermordung von hunderten, tausenden und mehr unschuldiger Menschen in dem Fall als kollateral vertretbar zu bezeichnen,

Naja, an den juristischen Feinheiten müssen wir wohl noch ein bißchen arbeiten. Zumindest der Unterschied zwischen "ermorden" und "töten" scheint sich noch nicht bis in alle Ecken der Republik herumgesprochen zu haben. Dabei handelt es sich bei den Opfern des Irakkriegs ja tatsächlich überwiegend um Mordopfer. Diese sind allerdings nicht wie hier angedeutet den Angriffen der Koalitionsstreitkräfte zum Opfer gefallen, sondern Kriegsverbrechen der von ihnen bekämpften Terroristen. Und das finden nicht Sauerkraut & Co. vertretbar, sondern jene moralbefreiten Volltrottel, die so was als "Widerstand" verherrlichen.

dass z.B. der Iran Israel oder wen auch immer (nuklear) angreift, dann frage ich mich, warum dann nicht einer dieser so toll microinvasiven Scharfschützen auf den gar nicht so tollen Scharfmacher angelegt hat - hell beleuchtet auf dem Präsentierteller war er ja lange genug.

Wer sagt denn, daß das nicht gemacht wurde? CIA und Mossad, aber auch der innerirakische Widerstand haben es ja immer wieder versucht. Die Folgen sind bekannt. Einer der Attentatsversuche führte beispielsweise zum Massaker von Dudschail, dessen Opfer anders als jene von Kollateralschäden tatsächlich ermordet wurden (wofür Saddam Hussein übrigens dann auch zum Tode verurteilt wurde). Es wäre daher glaubwürdiger, wenn bei der Forderung des Tyrannenmords nicht so getan würde, als ob das ganze zwingend ohne unschuldige Opfer abgeht.

Wenn Hitler 1938 auf einer wasweissich-Vollversammlung in Amerika/Frankreich/England gesprochen hätte (hat er vielleicht sogar, ich weiss es nicht) - was wäre durch diesen einen Mord den Menschen dieser Erde alles erspart geblieben (was ich allerdings genauso wenig weiss, aber einfach vermute) …

Meine Rede! Allerdings sollte man dann auch militärisch darauf vorbereitet sein, daß der Staat, dessen Oberhäuptling man da eben ins Jenseits befördert hat, das möglicherweise nicht ganz so locker nimmt und sich am Ende vielleicht nicht darauf beschränkt, den Botschafter einzubestellen. Genau daran - oder besser an dem Willen dazu - und dem daraus resultierenden Fehlen der einen oder anderen Panzerdivision hätte es nach dem segensreichen Wirken der damaligen Friedensbewegung aber spätestens gehapert.

Die ganzen politiX sehen sich doch laufend in irgendwelchen Zusammenhängen - warum dann nicht die erwiesenen Arschlöcher in eigener Verantwortung liquidieren? Na klar, die Antwort kenne ich: weil dann das politische System zusammenbräche: die diplomatische Immunität hat schon immer für die Schonung der politischen Verbrecher gesorgt.

Unsinn, der Grund ist viel banaler: Nach dem Fehlschlag diverser Attentats- und Putschpläne gegen Saddam Hussein und der anschließenden Ermordung (hier stimmt der Begriff wieder, lieber Andreas, also gut merken!) der Beteiligten ließen sich irgendwann schlicht und einfach keine Freiwillligen mehr für weitere Versuche finden. Was man ihnen angesichts der variationsreichen Methoden Saddam Husseins, seine Gegner und auch gleich deren Angehörige vom Leben zum Tode zu befördern, nicht verdenken kann.

Diese systemerhaltende Schonung wurde dann immer auf dem Rücken der eh geschundenen Bevölkerung massivst relativiert: Hitler / Ahmadinedschad umbringen trotz Immunität? Mein Gott, nein! Was für ein perverser Gedanke! Dann lieber Millionen Menschen im Nachhinein in’s undiplomatische Grass beissen lassen.

Aber, aber! Wo hätte gerade ich je was gegen einen Enthauptungsschlag zum Zwecke der Beseitigung eines Terrorregimes gesagt? Ich laß mir ja eine Menge unterstellen, aber ganz gewiß keine völkerrechtlichen Bedenken beim Sturz von Diktaturen. Alleine schon um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden, sollte man es auf jeden Fall wenigstens versucht haben, auch wenn sich das bei etwas komplexeren Herrschaftsstrukturen wie beispielsweise denen im Iran sicherlich ein wenig aufwendiger gestalten dürfte, als man sich bei der Freiheitsfabrik Präsentierteller offenbar vorstellt.

Einfach mal das durch den Kopf gehen lassen. Und bitte nicht das öde Argument, dass ein geplanter + gezielter Mord an einem brutalen Machthaber moralisch bedenklicher sei als das bombische Herumgefuchtel z.B. in Afghanistan oder dem Irak.

Einfach mal durch den Kopf gehen lassen, ob uns die Erinnerung da nicht einen Streich gespielt hat. Denn zumindest im Falle des Irak haben die Amis genau das versucht. Wenn sie Saddam gleich am Anfang erwischt hätten, wäre der Krieg vielleicht beendet gewesen, bevor er richtig angefangen hatte. Hat aber leider nicht geklappt. Und für diesen Fall sollte man schon einen Plan B haben. Die Amis hatten glücklicherweise einen und ließen die Panzer rollen. Der Alternativplan der Freiheitsfabrik zum fehlgeschlagenen Angriff auf den Führer steht hingegen noch aus.

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