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9 Artikel der Kategorie "Ideologie: Christentum"

Mittwoch, 11. Juli 2007

Hiroshima an der Copacabana?

Brasilien setzt voll auf Kernenergie: Sein Land wolle den kompletten Atomkreislauf samt Urananreicherung beherrschen, kündigte Präsident Lula da Silva an. Nur nach Atomwaffen strebe Brasilien nicht. Genauso argumentiert Irans Präsident Ahmadinedschad auch.

Und das ist ja fast dasselbe. Denn wie jeder SPIEGEL-Leser weiß, handelt es sich bei Lula um einen fanatischen Armageddonjünger, der davon träumt, nach seinem Märtyrertod 72 Nonnen zu poppen, und der vor der UNO auch schon mal die eine oder andere Lichtvision zugibt. Auch handelt es sich bei Brasilien bekanntlich um einen brutalen Gottesstaat, wo die Machthaber nicht vom Volk gewählt, sondern von einer kleinen Elite aus Generälen und Kardinälen bestimmt werden.

Zusätzlich kompliziert wird die Lage durch die grundsätzliche Weigerung Brasiliens, das benachbarte Argentinien anzuerkennen und dessen Bewohnern das Recht auf einen eigenen Staat zuzugestehen. Statt dessen wird Buenos Aires als heilige Erde des brasilianischen Kulturkreises angesehen und den Argentiniern empfohlen, zurück in ihre Herkunftsländer zu gehen, wo sie sich, wenn sie denn unbedingt einen eigenen Staat haben wollen, ja einen in Spanien, Italien oder Deutschland gründen können.

Zusammen mit dem Dauerkonflikt zwischen der rechtgläubigen, spanischsprechenden Mehrheit Lateinamerikas und der bei ihnen als Verräter am Glauben verschrieenen portugiesischsprechenden Minderheit, die gleichzeitig versucht, die Hegemonie über die gesamte Region zu erlangen, droht hier ein radioaktives Pulverfaß, daß sich genauso schrecklich entladen kann wie bei den zahlreichen Nuklearkriegen der 90er-Jahre zwischen den diversen Atommächten Westeuropas.

Berücksichtigt man dann noch die langjährige Unterstützung Brasiliens für die verschiedenen christlichen Terrororganisationen und die daraus resultierende Gefahr von Massenvernichtungswaffen in den Händen der Jesuiten oder gar des Opus Dei, dann kann man dem SPIEGEL nur dankbar sein, daß er die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerade noch rechtzeitig von peripheren Gefahrenherden wie Nordkorea oder dem Iran auf die wahre Bedrohung unserer Welt gelenkt hat - die Sambabombe.

Freitag, 29. Juni 2007

Das Wort zum Freitag

Auch auf die Gefahr hin, daß ich mir damit keine Freunde mache, aber in meinem unwiderstehlichen Drang, gegen den Strom zu schwimmen, bin ich inzwischen in Köln-Ehrenfeld angekommen. Da planen sie bekanntlich eine etwas größere Moschee, und das stößt offenbar den meisten Menschen sauer auf. Schade eigentlich, denn wenn ich mir die Bilder des Entwurfs so anschaue, dann kann ich nur sagen "Hut ab! Das ist ja mal was. Warum nicht öfter so?" Führt man sich nämlich vor Augen, wie häßlich hierzulande oft gebaut wird, ohne daß sich eine Bürgerinitiative oder auch nur das ästhetische Empfinden dagegen wendet, dann ist man geneigt, voller Ehrfurcht auf die Knie zu fallen, auch ohne dafür vorher zum Islam konvertiert zu sein.

Denn das, was der Architekt Paul Böhm da auf die Beine bzw. die Stahlträger gestellt hat, ist ohne protzig zu sein wirklich eine beeindruckende Synthese aus klassischen Elementen und der Moderne. Das ist schlicht, aber doch richtig hübsch, und wenn man hört, daß jetzt wieder daran herumgedoktert werden soll, um die Minarette zu verstümmeln, dann könnte man heulen. So ein Prachtbau als Wahrzeichen würde den meisten Städten zur Ehre gereichen, doch statt darauf stolz zu sein, sind die Ehrenfelder dagegen. Nun könnte man das vielleicht noch verstehen, wenn sie dafür halbwegs vernünftige Gründe hätten, aber schaut man sich die einzelnen gegen den Moscheebau vorgebrachten Argumente an, dann wirkt keins davon wirklich überzeugend, im Gegenteil:

1. Die Moschee zerstört gewachsene Strukturen

Dieses Argument hat man so ähnlich, oder besser gesagt genauso, schon von den Gegnern der McDonalds-Filiale in Berlin-Kreuzberg gehört. Und damit ist es auch genauso idiotisch. Wir leben in einem - zumindest rudimentären - Kapitalismus, und da sollte es einem Eigentümer schon noch erlaubt sein, in einem gewissen Rahmen über sein Eigentum zu verfügen, ohne erst die Nachbarn um ihr Einverständnis zu fragen. Und wenn damit eine vorhandene Nachfrage nach einem Gut oder einer Dienstleistung befriedigt wird und sich das Konzept somit durchsetzt, dann ist eben genau das die gewachsene Struktur, die es zu schützen gilt, und nicht der zweifelhafte Versuch, selbiges zu verhindern. Solange die Religionsfreiheit der Gewerbefreiheit nicht nachgeordnet wird, ist das Bereitstellen eines Platzes für die Religionsausübung jedenfalls genauso zulässig wie einer für die Nahrungsaufnahme.

2. Die Moschee verschandelt das Stadtbild

Ohne Euch zu nahe treten zu wollen, liebe Ehrenfelder, aber das ist ja wohl ein Witz! Ich würde sagen, jetzt lachen wir da alle mal gemeinsam drüber und dann vergessen wir das ganz schnell wieder. Denn bei allem Respekt, aber so spektakulär ist diese Aussicht jetzt wirklich nicht, daß sie durch das eine oder andere Minarett großartig abgewertet würde. Im Gegenteil, diese Moschee wäre architektonisch mit Sicherheit ein Gewinn und könnte sogar zu einer Kölner Attraktion werden, die neben muslimischen Gläubigen auch eine Menge Touristen anderer Religionen anzieht. Und wenn die erst mal ihr Geld in all den neu entstehenden Geschäften in Ehrenfeld lassen, werden die im Sonnenuntergang glänzenden Minarette auch in den Augen vieler, die sie heute noch als Bedrohung empfinden, plötzlich wunderschön sein.

3. Die Moschee zieht kriminelles Gesindel an

Also in der geplanten Moschee werden sich vielleicht reaktionäre Patriarchen mit zugegeben nicht mehr ganz zeitgemäßen Vorstellungen von Traditionspflege und Familienehre ein Stelldichein geben, aber die schikanieren im allgemeinen eher ihre Angehörigen als ihre Nachbarn. Die immer wieder gerne angeführten türkischen Türsteher und arabischen Drogendealer hingegen dürften sich nun wirklich in den seltensten Fällen in eine Moschee verirren. Da müßte man eher gewisse Etablissements in Bahnhofsnähe schließen, und ob das allen Gegnern des Moscheebaus wirklich so recht wäre, wage ich mal zu bezweifeln. Denn wer weiß, ob man in den einschlägigen Lokalen nicht auch den einen oder anderen Ehrenmann wiedertreffen würde, der in der Bürgerinitiative noch lautstark gegen seine dortigen Zimmernachbarn gewettert hat. Also laßt mal die Kirche bzw. Moschee im Dorf.

4. Die Moschee begünstigt terroristische Umtriebe

Das ist das vielleicht dümmste Argument, denn es ist eher eins für als gegen die Moschee. Mal ganz davon abgesehen, daß sich die Terroristen und ihre Einpeitscher hierzulande nicht gerade darum bemühen, im Rampenlicht zu stehen, wäre es selbst dann, wenn sie sich in aller Öffentlichkeit zur freitäglichen Haßpredigt zu treffen, gerade aus Sicherheitsgründen vorteilhaft, wenn sie sich zu diesem Zweck auf einen einzigen Ort einigen könnten. Dann kann man sie nämlich nicht nur mit weniger Personal überwachen (so viele Arabisten hat der Verfassungsschutz dann doch nicht), man läuft in einer Menschenmenge von mehreren hundert oder tausend Menschen auch deutlich weniger Gefahr entdeckt zu werden (zumindest so lange man auf Schlapphut und Trenchcoat verzichtet) als in einer Hinterhofgarage, wo sich die anderen alle persönlich kennen.

5. Die Moschee belästigt die Anwohner

Dieser Kritikpunkt ist im Prinzip der einzige, welcher tatsächlich ernst genommen werde muß, denn es geht natürlich nicht an, daß die Anwohner wegen eines Großprojekts in ihrer Nähe selber keine Parkplätze mehr kriegen. Nur, das sind Bedenken, die auch dann gelten, wenn dort ein neuer Karstadt hingesetzt werden würde. Und was macht man dann? Richtig, man baut ein Parkhaus. Genauso verhält es sich mit dem gefürchteten Muezzin. Der darf natürlich genauso wenig zu nachtschlafender Zeit rufen wie man morgens um 5 von Glockengeläut geweckt werden möchte. Auch für Religionsgemeinschaften gibt es schließlich kein Grundrecht auf Ruhestörung. Wenn es aber schon so spät ist, daß sogar die Bauarbeiter ihre Preßlufthämmer anwerfen dürfen, gibt es keine Berechtigung, Don Camillo zu verweigern, vom Kirchturm aus Peppone zu ärgern.

Wenn also gewisse Auflagen hinsichtlich Infrastruktur und Ruhezeiten durchgesetzt werden, gibt es wie gesagt keinen vernünftigen Grund, den Moscheebau mehr abzulehnen als beispielsweise den einer Kirche, eines Kaufhauses oder eines Schnellrestaurants. Gleichzeitig spricht sogar einiges für den Bau. Vielleicht sollten die Deutschen, die in allem Neuen immer erst mal nur die Risiken und Gefahren sehen, etwas amerikanischer werden. Dort sieht man nämlich vor allem die Chancen und Vorteile, was sich unterm Strich nicht nur in einem höheren Lebensstandard, sondern auch in größerer subjektiver Zufriedenheit niederschlägt. Und bei der Toleranz gegenüber "den anderen" können sich die Deutschen offenbar auch einiges von ihnen abgucken. Also, liebe Ehrenfelder, weckt den Amerikaner in Euch!

In der Hoffnung, wenigstens einige Moscheegegner überzeugt zu haben, würde mich jetzt natürlich interessieren, ob meine Argumente wirklich verfangen haben oder nicht. Deswegen hier die Freitagsfrage:

Donnerstag, 28. Juni 2007

Besser spät als nie

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Linkssozialisten setzen sich für von Islamisten verfolgte Christen ein. Und damit nicht genug, erwarten sie deren Schutz durch die im Irak stationierten US-Truppen. So geschehen bei Bloggerkollegen (oder muß ich hier sagen Bloggergenossen?) Che:

Unter den Augen der US-Truppen, die bislang tatenlos blieben, läuft im Irak die "ethnische Säuberung" gegen die assyrische Minderheit weiter.

Was die angebliche Tatenlosigkeit der US-Truppen betrifft, so sind diese derzeit durchaus engagiert dabei, den Islamisten anständig Feuer unterm Hintern zu machen, können aber eben nicht überall zugleich sein. Zudem helfen die USA nicht nur militärisch, sondern auch durch finanzielle Unterstützung der Opfer.

Man braucht im übrigen nicht all zu viel Phantasie um sich auszumalen, was los wäre, wenn die Amis es tatsächlich wagen würden, sich im Irak bevorzugt um die Christen zu kümmern. Die dazu passenden Verschwörungstheorien über muslimhassende Kreuzfahrer liegen jedenfalls jetzt schon abrufbereit vor.

Wobei noch anzumerken wäre, daß Che's Warlog bisher ehrlich gesagt nicht sonderlich durch die Forderung nach dem Einsatz zusätzlicher westlicher Truppen zum Schutz irakischer Bürger vor islamischen Terroristen aufgefallen ist. Aber gut, jeder kann natürlich im Laufe der Zeit dazulernen.

Was angesichts richtiger, von Regierungen systematisch durchgeführten Völkermorde wie in Darfur und ethnischen Säuberungen wie in Bosnien hingegen etwas befremdlich wirkt, sind inflationär genutzte Titelzeilen wie "Massenmord an den Assyrern fast vollendet" und "Genozid an den Assyrern".

Denn die Assyrer selbst reden lieber von einem "beginnenden Genozid", was angesichts der von ihnen angegebenen Gesamtzahl von 268 terrorbedingten Todesopfern in den letzten 4 Jahren immer noch eindrucksvoll genug klingen sollte, um eine angemessene Aufmerksamkeit zu erregen.

Vor allem, wenn man sich vor Augen führt, daß die assyrischen Christen demnach nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch umgerechnet auf ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung um ein vielfaches weniger Terroropfer zu beklagen hätten als beispielsweise sunnitische oder schiitische Muslime.

Assyrische Stimmen fordern mittlerweile die Einrichtung einer Schutzzone in Niniveh, weil "ein Ghetto besser ist als der Tod". Aber dieses Thema interessiert wahrscheinlich wieder keine Sau.

Das ist leider richtig. Aber seien wir ehrlich: Im Schnitt ein halbes Dutzend über das ganze Land verstreute Tote pro Monat sind angesichts von publikumswirksamem Terroranschlägen mit zig, wenn nicht hunderten von Toten in Nähe der klimatisierten Baghdader Journalistenhotels nun mal nicht konkurrenzfähig.

Und selbst wenn sie das wären, so sind für die Medien Verbrechen, die man nicht wenigstens indirekt den Amerikanern oder Israelis in die Schuhe schieben kann, uninteressant. Sonst wären die Assyrer damals, als Saddam sie gleich zu zehntausenden umbringen ließ, wenigstens einmal auf die Titelseiten gekommen.

Wobei dieser - nennen wir es zielgruppenoptimierte - Blickwinkel auf die reale Welt, der die Opfer anhand des Platzes der Täter auf der Beliebtheitsskala der eigenen Leser bzw. Zuschauer für Veröffentlichung bzw. Papierkorb selektiert, jetzt keine wirklich neue Erkenntnis ist. Na ja, für einige wahrscheinlich schon.

UPDATE: Während diese Zeilen geschrieben wurden, kamen auch schon die ersten Kommentare zu Ches Artikel, von denen einer sowie die dazugehörige Antwort des Blogbetreibers den Lesern nicht vorenthalten werden sollten:

Jolly Rogers: frag doch mal den sauerkrautpaul oder den general osten-sacken, was sie von der sache halten. das sind doch die eifrigsten kämpfer für das menschenrecht im irak.

Hierzu muß man wissen, daß der hier so sehr um die Menschenrechte besorgte Jolly Rogers in seinen früheren Inkarnationen als Artur bzw. Nixxon zur Lösung vergleichbarer Probleme auch schon mal 50.000 tschetscheniengestählte Russen oder tibeterfahrene Chinesen einfliegen lassen wollte.

Che2001: Der Eine würde sich wohl eher für die Heiligsprechung von Tony Blair aussprechen und der Andere vor allem heftigst bestreiten, dass es kurdische Christenverfolger gibt.

Also was die Heiligsprechung betrifft, die ist schon so gut wie in trockenen Tüchern. Wenn Tony erst mal wie angekündigt zum Katholizismus konvertiert ist, krieg ich den Papst auch noch rum. Und falls doch nicht, lasse ich die 6. Flotte eben den Vatikan bombardieren. Das reicht dann in der Regel.

In Sachen Osten-Sacken hingegen sollten sie besser den Ball flach halten. Denn der hat diese Problematik bereits angesprochen, als Che & Jolly sich noch mit der Bedrohung Deutschlands durch Großkapital, Repressionsapparat, illegale Autorennen und nichtassyrische Christen beschäftigten.

P.S.: Aber genug der bloggerinternen Kabbeleien, in der Sache ist es ja wirklich lobenswert, daß Che sich der Sache angenommen hat, obwohl bzw. gerade weil sie mit der in seinen Kreisen üblichen "Ami go home!"-Rhetorik nicht kompatibel ist. Deshalb sei hier noch mal wohlwollend auf seinen Veranstaltungsaufruf hingewiesen.

Donnerstag, 14. Juni 2007

Heute schon Tränen gelacht?

Nein? Na, dann wird's aber Zeit!

Freitag, 29. Dezember 2006

Todesurteil: Vatikan will Saddam retten - Spekulationen um Hinrichtung im Februar

Der Vatikan kritisierte die Todesstrafe gegen Saddam. Den Ex-Präsidenten hinzurichten bedeute, "ein Verbrechen durch ein anderes Verbrechen aufzuwiegen", sagte der Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, Kardinal Renato Raffaele Martino, der italienischen Tageszeitung "La Repubblica".

Es bestehe kein Zweifel daran, dass Saddam für Massenmorde verantwortlich sei, sagte der Kardinal weiter. Die katholische Kirche sei aber grundsätzlich gegen die Todesstrafe. Der italienische Ministerpräsident Romano Prodi sagte, eine Vollstreckung werde nicht zur Befriedung des Landes beitragen und drohe mehr negative Folgen zu haben als positive.

Soso, also auch der Vatikan macht sich Sorgen um das Wohlergehen Saddam Husseins. Nun gut, die Pfaffen sind kinderlos (zumindest offiziell) und mögen ihr eigenes Leben, was natürlich ihr gutes Recht ist, als nicht sonderlich wertvoll einschätzen, aber all die EU-Regierungschefs, Amnesty-Mitarbeiter, wohlmeinenden Künstler und sonstigen Gutmenschen, die, nachdem ihnen die Opfer des Ba'ath-Faschismus immer scheißegal waren, jetzt plötzlich aus ihren Löchern gekrochen kommen, sollten sich mal folgende Frage stellen:

Wenn ihren eigenen Kindern bei lebendigem Leibe die Ohren abgeschnitten, die Zunge herausgerissen, die Augen ausgestochen, die Hände mit Bohrmaschinen durchbohrt, vor laufender Kamera Arme und Beine amputiert worden wären, wenn ihren Söhnen Brandzeichen eingebrannt, ihre Töchter vor ihren Augen vergewaltigt worden und ihren Enkeln die Knochen einzeln gebrochen worden wären, um die Eltern dazu zu bringen, sich gegenseitig zu verraten, im Wissen, daß diese dann in ein Säurebad oder einen Plastikshredder geworfen oder lebendig verbrannt werden, was würden sie dann für eine Strafe für die Täter fordern?

Und bevor sie vorschnell antworten, sollten sie sich eine verdammt gute Begründung einfallen lassen, wie sie diese Wahl vor ihren Kindern rechtfertigen wollen, wenn die das je erfahren sollten.

Donnerstag, 13. Juli 2006

Naher Osten: Wohin führt die Eskalation?

Politically Incorrect

Der Nahostkonflikt eskaliert und soll laut WELT auf unbestimmte Zeit angelegt sein. Wie viele Staaten werden noch in den Konflikt gezogen werden? Wohin wird das führen?

Michael Haupt hat eigene Antworten. Demnach sind wir bei Akt 2 des III. Weltkriegs und Akt 3 ist in offensichtlich in Vorbereitung, wenn man berücksichtigt, was seit einigen Wochen über Nordkorea - hier und hier - berichtet wird.

Damit der folgende Zeitplan verständlich wird, es ist förderlich, sich darüber klar zu werden, wie Geschichte gesehen werden kann. Wer wissen möchte, wie Albert Pike  mit einem möglichen dritten Weltkrieg in Verbindung zu bringen ist, kann hier nachlesen.

"World War 3 Timeline

[...]

Prelude - The events leading up to the start of World War Three, including Sept 11, 2001.

Act 1 - The Middle East.  Widespread conflict to bring the entire region into the flames of war, possibly triggered by Iran or militants in Pakistan using North Korean supplied nuclear arms.  The first Scene in this Act is the US Invasion of Iraq on March 20, 2003.

Act 2 - Israel at War -- Against her Arab neighbors, possibly Palestine.  A Palestinian State will be established, so that all Israelis will be fully separated from Palestinians (listen out for mention of a 7-year treaty to be confirmed by a World Leader - probably Bush), only for Israel to viciously attack Palestine shortly thereafter.

Act 3 - Far East -- "Hair-raising nuclear confrontation that threatens mankind's existence" - Peter Lemesurier, author of The Armageddon Script, p. 223, written in 1981.  Includes China invading Taiwan and a nuclear eruption on the Korean Peninsula.

Act 4 - Erosion of Confidence in 'The System' so severe citizens will be panicked into giving up liberties and Constitutional form of government.  The plan calls for the dissolution of the US Constitution, triggered by a significant enough 'terrorist' attack.  The ultimate intent is to introduce a global government and one-world religion.

[...]

Both Biblical prophecy and the Illuminati plan state that Israel is the key. The Third World War is planned to begin when Israel goes to war against her Arab enemies. Then and only then will all the other elements begin to occur and they will occur in rapid succession. The plan is to have one disaster following another in such rapid succession that, before people can mentally and emotionally handle one disastrous news event, they will be hit with another."

WAS IST DAS???

Wenn ich's nicht selber lesen würde, würde ich nicht glauben, was ich da sehe. Da es für eine Satire zu unlustig (der Begleittext von PI natürlich, das Hauptgeschwafel selbst entbehrt nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik - am besten gefällt mir "The System") und für einen Verriß zu unkritisch ist, steht das schlimmste zu befürchten. Eigentlich bleiben bei genauerem Nachdenken nur zwei Erklärungsmöglichkeiten übrig:

Entweder ist man bei PI angesichts all der Vorwürfe, denen man in letzter Zeit ausgesetzt war, inzwischen so entnervt, daß man als letzten Ausweg sieht, auf geistige Unzurechnungsfähigkeit zu plädieren, und der distanzlose Verweis auf anerkannte Verschwörungstheoretiker wie Michael Haupt oder Ku-Klux-Klan-Führer wie Albert Pike ist nur der Versuch, glaubwürdig fortgeschrittenen Rinderwahnsinn vorzutäuschen.

Oder aber PI entwickelt sich gerade zu einem endzeitlichen Esoterikblog aus dem Freiluftgehege ausgebrochener christlicher Sektenfundis. Wenn dort demnächst ein neuer PI-Autorenkollege namens N. Ostradamus den Nachweis erbringt, daß der Irakkrieg in Bielefeld geplant wurde oder die erste Ode auf Erich von Däniken erscheint, wissen wir die Antwort. Wenn es dann nicht schon zu spät ist. Muahahaha...

Mittwoch, 01. Februar 2006

Streit um Mohammed-Karikaturen: Einen bedrohen, eine Million einschüchtern

SPIEGEL online

Was ist das: Zwei Bretter, drei Nägel und eine Leiche? - Ein Jesusbausatz. Lustig, nicht?

Nein? Nicht gut? Geschmacklos? Gar verletzend? Na, da kann ich nur hoffen, daß die taz das nicht mitkriegt. Denn wie Henryk M. Broder in SPIEGEL online anläßlich des Streits um die Karikaturen in der dänischen Zeitung "Jyllands-Posten" berichtet, versteht das bisher eigentlich nicht gerade als Fachzeitschrift für religiöse Befindlichkeiten aufgefallene Blatt in Glaubensfragen seit neuestem offenbar keinen Spaß mehr:

Ein Kommentar, der heute im Blatt steht, fängt mit dem Satz an: "Sie wusste, was für ein Süppchen sie da kochte, die dänische Zeitung Jyllands-Posten, die als Sprachrohr des rechtsreaktionären Dänemark gilt..." […] "Jyllands-Posten" könne, heißt es in dem Kommentar, "auf eine ungute Vergangenheit des unverblümten Antisemitismus in den dreißiger Jahren zurückblicken", heute kühle sie "ihr Mütchen" lieber an den Muslimen.

Vorbei offenbar die Zeiten, in denen polnische Päpste als weltfremde Fortschrittsfeinde gesehen wurden oder wiedergeborene Christen unter den amerikanischen Präsidenten gleich unter akutem Fundamentalismusverdacht standen. Ab heute gilt auch in der links-alternativen Szene Artenschutz für den Opus Dei. Also Hände weg von Jungfrau Maria und den "Kardinal" von den Crackers sicherheitshalber gleich auf den Index.

Und wenn irgendein Schreiberling es wagen sollte, jemals wieder archaischen Ritualen und ihren Symbolen nicht den nötigen Respekt zu erweisen, dann kriechen europäische Redaktionsleiter sicher gerne erneut zu Kreuze, indem sie sich zerknirscht entschuldigen, während der zuständige Regierungschef demütig in Rom anruft und seinen Außenminister anweist, beim nächsten Flug einen Zwischenstopp in Canossa einzulegen.

Oder hab ich da was falsch verstanden?

Dienstag, 05. April 2005

Nachfolge: Bischof Tutu hofft auf afrikanischen Papst

SPIEGEL online

Offiziell spielt die Herkunft der Kandidaten bei der Papst-Wahl keine Rolle. Es gehe allein um Glaubensstärke und Führungskraft, versichert der Vatikan. Doch nicht nur der afrikanische Bischof Desmond Tutu fragt sich: Wenn die Mehrheit der Katholiken in Entwicklungsländern lebt, warum waren bislang alle Päpste Europäer?

Da fragt er sich zurecht. Es wird Zeit, daß die Kirche dieser Änderung in der Zusammensetzung ihrer Anhängerschaft Rechnung trägt. Und wenn sie dabei ein gutes Werk tun will, dann wäre es sicherlich sinnvoll, einen Afrikaner zum nächsten Papst zu wählen.

Denn Afrika mit all seinen Katastrophen wird immer mehr zum vergessenen Kontinent, und ein afrikanischer Papst würde sicherlich seinen Teil dazu beitragen können, damit es dem Vergessen entrissen wird. Es muß ja nicht gleich Desmond Tutu sein.

Montag, 04. April 2005

Kirche: Wer schreibt Geschichte? Und was macht Personen zu Gestalten?

Die Zeit

Die Person des Krakauer Erzbischofs allein hätte diese Veränderungen nicht bewerkstelligen können ohne die Institution, an deren Spitze er stand. (Freilich gilt auch dieses: Selbst diese Institution hätte viel weniger vermocht, wenn nicht gerade dieser Mann an ihrer Spitze gestanden hätte.) Männer machen Geschichte – sofern sie Macht verliehen bekommen. Ohne Macht geht auch der größte Mann in der Geschichte unter. Ja, die Größe einer Gestalt zeigt sich im Umgang mit der Macht. Und der Ohnmacht der Macht!

Und der Macht der Ohnmacht! Gerade weil die katholische Kirche mangels realer Macht nicht mehr in die Situation kommt, ihre Ideen auch umsetzen zu müssen, hat sie eine umso stärkere virtuelle Macht. Wozu es führt, wenn Ideologien mit Erlösungsanspruch reale Macht bekommen, wissen wir ja spätestens seit dem Abtreten von Völkervater Josef Stalin. Zu welcher Ikone man hingegen werden kann, wenn man an der Ausübung realer Macht rechtzeitig gehindert wird (z.B. indem man sich rechtzeitig ermorden läßt), kann man sehr gut beim Ersatzjesus der politischen Linken, Che Guevara, beobachten. Welcher von den beiden heute über größere virtuelle Macht verfügt, dürfte außer Frage stehen. Stalin ist es jedenfalls nicht.

Der Papst hat seine virtuelle Macht durchaus zu nutzen gewußt, und tat dies entgegen der Ansicht seiner Kritiker (von denen viele ihn nach seinem Ableben plötzlich in den Himmel loben) nicht immer zum Nachteil der Menschheit. Wenn ich drei Menschen nennen müßte, die dem Kommunismus sein wohlverdientes Ende bereitet haben, dann würde mir nach Ronald Reagan und Michail Gorbatschow sicherlich Karol Wojtyla einfallen. Das ist sein bleibendes Verdienst, genauso wie sein Bemühen um die längst überfällige Versöhnung mit dem jüdischen Volk, welches er für kirchliche Verhältnisse geradezu revolutionär als "unsere älteren Brüder" bezeichnete und das er um Vergebung für die Verbrechen im Namen des Christentums bat.

Da verzeiht man gerne die oft weltfremden Ansichten zu Themen wie Zölibat, Verhütung, Abtreibung und Homosexualität. Letztlich ist es auch nicht die Aufgabe des Oberhaupts einer Religionsgemeinschaft, dem Zeitgeist hinterherzulaufen, ganz gleich, wie recht dieser in der Sache haben mag. Im Gegenteil! Wenn etwas zu den Grundsätzen einer freiwilligen Glaubensgemeinschaft gehört, wäre es Verrat an den Gläubigen, diese Grundsätze irgendwelchen Umfragewerten zu opfern. Wem das nicht paßt, der kann die Kirche ja jederzeit verlassen. Dieses konsequente Beharren auf überkommenen Traditionen inmitten einer sich immer schneller modernisierenden Welt hat sicherlich erheblich zur Popularität Johannes Pauls II. beigetragen.

Schwerer wiegt die Kritik an den päpstlichen Ausflügen in die Weltpolitik. Während man Johannes Paul II. schlecht für die Kollaboration des Vatikan mit dem palästinensischen Terrorismus verantwortlich machen kann, weil diese ja schon schon lange vor seiner Amtszeit begann, so bleibt doch seine Kritik am Krieg gegen Saddam Hussein ein Beweis für die These, daß der Schuster besser bei seinen Leisten bleibt. Andererseits gilt auch hier, daß der Papst sicherlich gute Absichten hatte und im übrigen nur seinen Job als Chefmanager einer tendenziell pazifismusgefährdeten Religion machte. Er wird schließlich nicht dafür bezahlt, Moslems vor totalitären Diktatoren zu retten. Das bleibt bis auf weiteres die Aufgabe der US-Marines und nicht der Schweizer Garde.

Unter dem Strich bleibt Johannes Paul II. nicht nur wegen seinem tapferen, wirklich schon heroisch zu nennenden Aufbäumen gegen seine schwere Krankheit bis hin zum bitteren Ende eine der beeindruckendsten Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte, trotz und manchmal sogar wegen seiner Defizite. Seine Anhänger werden ihn gewiß nicht vergessen, und selbst seine Kritiker werden ihn im Rückblick vermissen. Auch sein Boß, so es ihn gibt und wer auch immer es sein mag, wird mit Karol Wojtyla sicherlich zufrieden sein und ihm einen Ehrenplatz auf einer besonders weichen Wolke verschaffen. Nur wer sein irdischer Nachfolger wird, tut mir jetzt schon leid. Er wird verdammt große Füße brauchen...

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