Mein Foto

Letzte Kommentare

Letzte Einträge

Februar 2008

Mo Di Mi Do Fr Sa So
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29    

Archiv (Typepad)

Kategorien

Powered by TypePad
Mitglied seit 01/2005

12 Artikel der Kategorie "Ereignis: Kalter Krieg"

Freitag, 21. September 2007

"Stay the course!" auf hanseatisch

Es gibt zwar bekanntlich eine Menge Gründe, den SPIEGEL zu hassen, aber doch auch ein paar ihn zu lieben. Zu letzteren gehören vor allem Autoren wie Henryk M. Broder und Claus Christian Malzahn, die das eigene Stammpublikum bei Bedarf gegen den Strich bürsten, selbst wenn sie letztlich nur als Feigenblatt dienen, um das Schüren antiamerikanischer Ressentiments durch ihren Brötchengeber vergessen zu machen.

Doch auch Gabor Steingart ist es wert, hier als eine jener Persönlichkeiten erwähnt zu werden, die die Ehre des Hamburger Nachrichtenmagazins von Zeit zu Zeit wiederherzustellen vermögen. In seinem aktuellen Artikel erinnert er uns alle daran, daß die Alliierten Berlin kaum die Freiheit hätten erhalten können, wenn sie an ihre Truppen damals dieselben Kriterien angelegt hätten, wie dies heute im Irakkrieg geschieht:

Hätte die damaligen Generäle "Benchmarks" erfüllen müssen, wären sie daran gescheitert.

[...] Hätten damals schon Blitzumfragen, Focus Groups und jene ominösen, keinem Wähler verantwortlichen Strategischen Berater das Sagen gehabt, um die Freiheit in den westlichen Sektoren Berlins wäre es nicht gut bestellt gewesen. Was heute von General Petraeus, dem Oberbefehlshaber der US-Armee in Bagdad, verlangt wird - statistisch nachweisbare Erfolge an der militärischen und der politischen Front - hätte auch der US-Oberbefehlshaber der damaligen Zeit nicht liefern können. Nach den heute in Washington gültigen Erfolgskriterien wäre es wahrscheinlich das Beste gewesen, West-Berlin feierlich an die Sowjets zu übergeben.

Gott sei Dank hießen die Vokabeln der damaligen Zeit nicht "Rückzug" und "Zeitplan", das wichtigste Wort damals hieß "Freiheit" - und nicht "Exit-Strategie".

Sein Pladoyer für den Kampf um die Freiheit des Irak krönt Steingart mit einem Hinweis auf die durchaus vorhandenen und gerade deswegen wohl auch so vehement verdrängten Parallelen zum Sieg der Alliierten über Nazideutschland. Alleine wegen der nachfolgenden Wertung des Schlußakkords der Deutschen Wehrmacht ergeht daher hiermit an alle der Lesebefehl:

[...] Allein die Ardennenoffensive Hitlers, dieses Anrennen im Auge der sich schon abzeichnenden Niederlage, war doch in Wahrheit ein einziger großer Selbstmordanschlag.

Donnerstag, 02. August 2007

Wenn wirre Wünsche wirklich wahr werden

Was für ein herrliches Schauspiel! Da stehen sie, die Biedermänner wie die Brandstifter, die Gesichter rußverschmiert und den Benzinkanister in der Hand, und hämmern mit den Fäusten, die teilweise noch die abgebrannten Streichhölzer umschließen, wie blöde auf den Feuermelder ein, während sie sich gegenüber den herbeigeeilten Kamerateams lautstark beklagen, daß es hier plötzlich so unangenehm heiß wird:

Die Regierung Bush rührt an der fragilen Machtbalance in Nahost. Im Machtkampf mit Iran will sie jetzt mehrere Länder in der Region hochrüsten - ein Milliardendeal mit Saudi-Arabien ist geplant, der reichlich Kritik provoziert.

Daß die Rüstungsplanungen der US-Regierung für den Nahen und Mittleren Osten in den Reihen der Amerikahasser für eine gewisse geistige Verwirrung sorgen würden, war ja abzusehen, aber daß sich nicht nur die Medien, sondern auch so viele gestandene Politiker so schnell so gnadenlos selbst demontieren würden, nur um dem US-Präsidenten zu widersprechen, übertrifft dann doch die kühnsten Erwartungen.

Clowns unter sich

Denn kaum will man sich das erste Plappermäulchen zur Brust nehmen, kommt schon der nächste mit "Hier! Ich auch!"-Rufen angerannt und versucht seinen Vorgänger zu toppen, so als ob man sich mangels kontroverser Sachthemen in der Großen Koalition zwischenzeitlich darauf verständigt hätte, daß diejenige Partei den nächsten Kanzler stellen darf, deren geistige Elite einen größeren Grad an außenpolitischer Heuchelei nachweisen kann.

Zunächst hatte ja die SPD mit ihrem Generalsekretär Hubertus Heil geführt, der - offenbar in einem akuten Anfall von selektiver Amnesie - die historischen Verdienste seines ehemaligen Friedenskanzlers um die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit zweifelhaften nahöstlichen Despoten der Einfachheit halber komplett ausblendete, als er über die amerikanische Fortsetzung eben dieser Unterstützung schwadronierte:

"Präsident George W. Bush verfügt offenbar über die Gabe, in der Außenpolitik immer exakt den falschen Ansatz zu wählen", sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil nach Beratungen der Partei-Führung am Montag in Berlin. Es sei gefährlich, die instabile Lage in der Krisenregion durch solche Lieferungen weiter zu belasten.

Als ob es darum ginge, so schnell wie möglich den während des Kalten Krieges erworbenen Makel außenpolitischer Zuverlässigkeit loszuwerden, warf sich daraufhin geistesgegenwärtig der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz vor die Presse und sprach mit Worten über das drohende Wettrüsten, die den Verdacht nahelegen, daß er ein Überläufer der Grünen ist, der früher neben Petra Kelly Kinderpullover für die Bundestagskrabbelgruppe gestrickt hat:

"Wenn man in ein Pulverfass weitere explosive Gegenstände hinein gibt, erhöht man das Risiko und macht die Region nicht sicherer", sagte er. Das als Warnsignal an den Iran gedachte US-Vorhaben könne in Teheran auch die falsche Reaktion auslösen und dazu führen, dass sich die Islamische Republik noch mehr anstrenge und schneller hochrüste, sagte Polenz.

Vor allem der letzte Satz zeugt von einem dermaßen unverhüllten Appeasementdenken gegenüber skrupellosen Diktatoren, wie es diese Republik seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen hat. So einen Coup konnte die SPD natürlich nicht einfach widerstandslos hinnehmen, also mußte ein Profi ran, der lange genug im Geschäft ist, um sich so grandios zu blamieren, daß die Union gar nicht mehr erst versuchen würde, das noch zu unterbieten.

Eat your words

Mit Karsten Voigt konnte sie da zum Glück einen schon seit Nachrüstungszeiten kampferprobten Veteranen aufbieten, für den so etwas nicht nur eine seiner leichtesten Übungen ist, sondern der, wie auch immer er das angestellt haben mag, als unverdächtiger "Atlantiker" gilt (was in seiner Partei aber nicht allzu viel heißen muß). Mit einer beispiellosen Dreistigkeit führte er sich selbst bzw. alles, was die Sozis bis gestern zum Thema "Mittlerer Osten" von sich gegeben haben, komplett ad absurdum:

Heute jedoch ließ Voigt jegliche Diplomatie fahren und zog kräftig vom Leder. "Ich sehe keinen Sinn, warum man die Golfstaaten und Saudi-Arabien mit mehr Waffen ausrüsten sollte", sagte der SPD-Politiker im Deutschlandradio.

Keinen Sinn? Und das sagt jemand, der ein SPD-Parteibuch besitzt? Die Kasper um den Goslarer Marktschreier mit seinen schönen naturbraunen Haaren wollten doch unbedingt Kooperation mit den diversen Tyrannen der Region! Muß man Karsten Voigt erst die Bilder seines ehemaligen Alpharüden raussuchen, der damals als Handelsvertreter durch die Wüste getourt ist, um genau jenen Scheichs, auf die die USA heute setzen, sein großes Füllhorn zu zeigen?

"Die Region leidet nicht an einem Mangel an Waffen, sondern an einem Mangel an Stabilität."

Ach, auf einmal? Bisher war nach sozialdemokratischer Lesart ein gestrenger arabischer Völkervater, der seine demokratieunfähigen Untertanen mit dem nötigen Druck auf Spur hielt, doch der perfekte Garant für Stabilität. Und das nicht respektiert zu haben, war lange Zeit der Hauptkritikpunkt der rot-grünen Weltenlenker an den naiven Demokratisierungsbestrebungen der neokonservativen Umstürzler. Und jetzt plötzlich soll das alles falsch sein? Es darf gelacht werden, und zwar laut und herzlich.

Es gebe einen "Widerspruch zwischen der früheren Freiheitsrhetorik und der jetzigen Praxis" der US-Regierung, monierte Voigt

Also diese beispiellose Dreistigkeit schlägt dem Krokodilstränenfaß den doppelten Boden mit einer solchen Wucht aus, daß die umherfliegenden Holzsplitter noch den auf dem Olivenzweig sitzenden Vogel (wahrscheinlich eine Friedenstaube) abschießen. Wer wollte denn Stabilität und Realpolitik mit welchem Hurensohn auch immer? Selbst Saddam war der "Achse des Friedens" ja gut genug. Jetzt kriegen Schröders Nachfolger eben beides. Stabilität und Realpolitik. Bis sie dran ersticken. Und das ist erst der Anfang.

Die Feinde meiner Feinde

Denn wer das Übel nicht an der Wurzel packen und die gefährlichsten Terrorregime offensiv ausschalten will, der muß eben defensiv mit den weniger gefährlichen unter ihnen zusammenarbeiten, um die gefährlicheren wenigstens so weit in Schach halten, daß sie nur ihre eigene Bevölkerung massakrieren können und nicht ihre Nachbarn (was dann jener Zustand ist, den ein aufrechter Sozialdemokrat gemeinhin als Frieden zu erhalten versucht). Mit anderen Worten: Willkommen in den lang ersehnten Niederungen der Realpolitik.

Da nämlich die Durchsetzung von "democracy by firepower" selbst den eigenen, angeblich bedingungslos solidarischen Verbündeten leider nicht ausreichend zu vermitteln war, versucht Bush als verantwortungsvoller Staatsmann jetzt wenigstens zu retten was zu retten ist und, wenn er die große Katastrophe schon nicht verhindern kann, sie doch wenigstens so weit rauszuzögern, daß ein Wunder sie vielleicht doch noch im letzten Moment abzuwenden vermag.

Um für dieses Wunder – sprich die "orangene Revolution" im Iran, an der die USA offenbar schon hektisch arbeiten - die nötige Zeit zu gewinnen, muß er aber leider nun mal auf traditionelle Machtpolitik zurückgreifen. Denn auch wenn er das Atomwaffenprogramm der Mullahs vermutlich trotzdem ohne Erlaubnis zerstören wird, wird Bush den demokratisch dominierten US-Kongreß für mehr als eine versteckte Destabilisierung des Mullahregimes kaum gewinnen können. US-Panzer in Teheran fallen daher wohl fürs erste aus.

Die daraus resultierende Defensivstrategie setzt daher so unmoralisch wie rational auf eine tiefgestaffelte Verteidigung der Golfregion inkl. ihrer korrupten Potentaten gegenüber einem zunehmend aggressiver auftretenden Iran, bietet also genau jenes klassische Containment, das die Kritiker des neokonservativen Einflusses auf die US-Regierung jahrelang gebetsmühlenartig gefordert haben und daß jetzt eigentlich begeisterte Ovationen aufbranden lassen sollte.

Wenn Schweigen Gold ist

Daher verwundert es ein wenig, wenn die Bush-Kritiker jetzt nicht vor Ehrfurcht auf die Knie fallen und sich Dubya-Poster an die Wand hängen oder wenigstens großspurig verkünden, daß Bush es nun doch eingesehen hat und endlich tut, was man von ihm verlangt. Aber irgendwie ist’s so auch nicht recht. Man gewinnt den Eindruck, daß der US-Präsident, selbst wenn er sich eine Kugel in den Kopf schießen würde, deswegen noch der versteckten Propaganda für die Waffenlobby bezichtigt werden würde.

Wohlgemerkt, es gibt wahrlich gute Gründe gegen Waffenlieferungen an Diktaturen wie Saudi-Arabien. Eine dem Status Quo verhaftete Politik, die nicht nur den Reformdruck von der arabischen Welt nimmt und zudem mit Israel den besten eigenen Verbündeten in der Region gefährden könnte, kann man durchaus kritisieren. Zumindest wenn man ein NeoCon ist, dem übel wird, wenn er als Mahnung aus der Vergangenheit eine F-14 mit grün-weiß-roten Hoheitsabzeichen sieht.

Ein Realpolitiker hingegen darf das nicht. Er hat schlicht nicht das Recht dazu. Sicher, juristisch hätte er es natürlich schon, aber moralisch sollte er gerade in dieser Angelegenheit einfach nur den Mund halten. Wenn er bereit ist, die Menschheit für den ganzen realpolitischen Schwachsinn und die daraus resultierenden Folgen um Entschuldigung zu bitten, können wir gerne wieder darüber reden, aber bis dahin ist jetzt erst mal eine Runde Schämen in der hintersten Ecke inkl. Eselsmütze angesagt.

P.S.: Damit die alten Europäer mal wirklich einen Grund haben bitterlich zu weinen, nun, Bush ist nicht der einzige, der sich auf ein paar sehr unschöne Jahre vorbereitet. Auch der Erlöser von Blairs Schreckensherrschaft sieht sich mit dem US-Präsidenten in den Grundzügen einig. Damit nicht genug, plant er unter anderem seine Spielzeugträger durch richtige Schiffe zu ersetzen, die nicht nur lateinamerikanische Operettengeneräle erschrecken können. Und bloß um sowjetische U-Boote durch den Atlantik zu jagen wäre das ein recht teurer Spaß.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Wenn der Bär brummt, zittert Europa

Ein Giftmord mitten in London, Morddrohungen gegen russische Asylbewerber in England, riskante Flugmanöver über der Nordsee - wie Russland derzeit mit Großbritannien umspringt, trägt alle Merkmale einer gezielten Einschüchterungs-Kampagne.

London - Russische Langstrecken-Flugzeuge vom Typ TU-95 in provokativer Nähe des britischen Luftraums - das hat es auch in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, zuletzt vor zwei Monaten. Dass zwei der als strategische Bomber eingesetzten Maschinen aber ausgerechnet am Dienstag "höchst ungewöhnlicherweise", so ein Sprecher der Royal Air Force, auf Schottland zuflogen, war gewiss kein Zufall.

Oha, selbst dem entspannungsverliebten SPIEGEL wird angesichts der russischen Muskelspiele mulmig. Aber so ändern sich die Zeiten. Maggie Thatcher hätte einfach zwei Vulcan-Bomber über die Ostsee fliegen und erst kurz vor St. Petersburg wieder abdrehen lassen, und die Russen hätten verstanden. Aber heute haben sie weder Vulcans noch eine Maggie Thatcher. Und Tornados oder Gordon Browns machen zwar ihren Job (erstere sogar durchaus gut), aber doch weit weniger her. Jedenfalls wecken sie beim Gegenüber nicht dieses unangenehme Gefühl, daß die andere Seite es wirklich ernst meint. Was mal wieder zeigt, das die psychologische Wirkung sich nicht immer mit nackten Zahlen erklären läßt. Auch nicht bei Atombomben oder Handtaschen.

Dienstag, 17. Juli 2007

Großbritannien: Applaus für Browns Härtekurs gegenüber Moskau

Die britischen Zeitungen sind sich einig: Die Entscheidung der Regierung, im Zusammenhang mit dem Litwinenko-Mord vier russische Diplomaten auszuweisen, sei absolut richtig. Jetzt hat das gespannte Warten begonnen. Welchen Gegenschlag wird Moskau führen?

DAS gilt bei SPIEGELs bereits als "Härtekurs"? Das ist das absolute Minimum, wenn überhaupt. Angemessen wäre hingegen eher das hier:

Britain's first step should be the expulsion of not just a symbolic few, but every one of the dozens of FSB operatives here.

They range from a handful who are "declared", working openly at Russia's embassy and Edinburgh consulate as liaison with British counterparts.

The more sinister ones pretend to be cooks and drivers there.

At the Aeroflot check-in back to Moscow they can meet their deep-cover colleagues: those pretending to be businessmen and students.

Freitag, 06. Juli 2007

Afghanistan: Massengrab der Sowjets entdeckt - Hunderte lebendig eingemauert

In den letzten Jahren ist es Mode geworden, alle Scheußlichkeiten mit der barbarischen Kultur der islamischen Welt zu erklären, und gleichzeitig so zu tun, als ob Christen und Atheisten zu derlei Grausamkeiten gar nicht fähig wären. Dabei gerät leider viel zu schnell in Vergessenheit, daß bis vor kurzem noch andere für die Schädelberge zuständig waren:

Grausiger Fund im Norden von Kabul: Die Polizei hat ein Massengrab mit mehreren hundert Leichen in einem Sowjet-Gefängnis aus den achtziger Jahren entdeckt. Die Gefangenen waren in dem unterirdischen Verlies lebendig zurückgelassen worden.

Und damit es da kein Mißverständnis gibt: Die im Vergleich zur US-Intervention in Afghanistan um ein vielfaches höhere Zahl an zivilen Opfern ist nicht nur das Ergebnis der Unfähigkeit sowjetischen Armee, Kollateralschäden so weit wie möglich zu minimieren, sondern vor allem die Folge einer bewußt gegen die Zivilbevölkerung gerichteten Kriegführung.

Vielleicht sollte Oskar Lafontaine angesichts seiner seiner neuen Genossen von der ex-SED gerade in Sachen Afghanistan daher besser mal sein vorlautes Mundwerk zügeln. Sonst könnte noch jemand die Frage stellen, wieso sich NATO-Offizielle für Fehltreffer entschuldigen, seine Commiefreunde hingegen nicht mal für vorsätzlichen Massenmord.

Mittwoch, 04. Juli 2007

Those were the days

Da sich nicht nur heute der amerikanische Unabhängigkeitstag gejährt hat (bei der Gelegenheit "Happy Birthday, America!"), sondern gestern auch die israelische Kommandoaktion von Entebbe, hat sich das Blog "Sprit of Entebbe" seines Namens würdig erwiesen und einen köstlichen Artikel darüber geschrieben, wie die Welt reagiert hätte, wenn das alles heutzutage passiert wäre. Wer diese - leider erschreckend realistische - "Presseschau" verpaßt, ist selber schuld!

Cut & Run

Falls jemand wissen will, inwieweit das im Stich lassen von Verbündeten der Glaubwürdigkeit und damit den eigenen außen- bzw. sicherheitspolitischen Zielen zuträglich ist: Gar nicht.

In 1974, a weary Congress cut off funds for Cambodia and South Vietnam, leading to the swift fall of both allies. In his memoir, "Years of Renewal," Henry Kissinger tells the story of former Cambodian prime minister Sirik Matak, who refused to leave his country.

"I thank you very sincerely," Matak wrote in response, "for your offer to transport me towards freedom. I cannot, alas, leave in such a cowardly fashion. As for you, and in particular for your great country, I never believed for a moment that you would have this sentiment of abandoning a people which has chosen liberty. You have refused us your protection, and we can do nothing about it. You leave, and my wish is that you and your country will find happiness under this sky. But, mark it well, that if I shall die here on the spot and in my country that I love, it is no matter, because we are all born and must die. I have only committed this mistake of believing in you [the Americans]."

Eventually, between 1 million and 2 million Cambodians were murdered by the Khmer Rouge when "peace" came to Indochina. Matak, Kissinger recounts, was shot in the stomach and died three days later.

Sometimes peace for America can produce ghosts of its own.

Dienstag, 19. Juni 2007

Ad meah v'esrim!

Da Andre Glucksmann zu jenen Personen gehört, die mich politisch sicherlich mit am meisten geprägt haben und ohne die "No Blood for Sauerkraut" kaum denkbar wäre, kann ich mich Hannes Steins Geburtagsglückwünschen für einen der ganz Großen ebenfalls nur voller Respekt anschließen.

Dienstag, 27. März 2007

Realists to the Rescue?

Bret Stephens hat vor einigen Wochen im Commentary Magazine eine ausführliche Kritik der realpolitischen Renaissance im allgemeinen und der Iraq Study Group im besonderen veröffentlicht, die jedem ans Herz zu legen ist, der in der Rückkehr der Realisten die Rettung von allen neokonservativen Übeln erwartet, und glaubt, bei einem Arrangement mit den Tyrannen der Welt hätten deren Untertanen Amerika deswegen plötzlich ganz besonders lieb. Sind ein paar Seiten, aber die lohnen sich!

By contrast, what is widely regarded as Bush senior’s finest hour-his decision to confront and overturn Saddam Hussein’s invasion of Kuwait-was animated by considerations that at least in part could better be described as neoconservative than realist. “How many lives might have been saved,” Bush père wrote to his children (including the current President) on the eve of the first Gulf war, “if appeasement had given way to force earlier in the late 30’s or earliest 40’s? How many Jews might have been spared the gas chambers, or how many Polish patriots might be alive today? I look at today’s crisis as ‘good’ vs. ‘evil’-yes, it is that clear.”

Or perhaps not. The President, who at first blush had not been inclined to evict Saddam from Kuwait by force, and then resorted to force that in the event was hugely successful, finally allowed the conflict of “good vs. evil” to end with evil still in business-thus setting in train the events leading to the invasion of Iraq by his son twelve years later.

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Diktatorendämmerung

Letztes Wochenende fand der Vorzeigediktator westlicher Gutmenschen, Augusto Pinochet, sein nicht ganz so wohlverdientes Ende. Etwas überraschend wurde die Einäscherung seiner Leiche aber nicht in einem jener Vulkankrater durchgeführt, in die seine Schergen schon mal Oppositionelle hineinzuwerfen pflegten (vermutlich weil ihnen die üblichen Mordmethoden zu langweilig erschienen). Daß ein Enkel eines der während der Militärdiktatur ermordeten Opfer wenigstens noch auf Pinochets Grab spucken konnte, vermag da angesichts seiner Untaten nur ein begrenzter Trost sein. Aber immerhin wurde sein Abgang in den internationalen Medien wenigstens gebührend gefeiert.

Wäre nur schön, wenn jeder Tyrann eine derartige mediale Aufmerksamkeit bekommen würde. Da wurde z.B. gerade ein anderer ex-Diktator wegen diverser Delikte wie beispielsweise Völkermord schuldig gesprochen, der dann doch noch ein paar Leute mehr auf dem Gewissen hat als Pinochet (so grob geschätzt um den Faktor 100) und der anders als dieser nicht mal eine halbwegs sanierte Wirtschaft hinterließ, sondern das danach vermutlich ruinierteste Land der Erde überhaupt. Es handelt sich um niemand geringeren als Mengistu Haile Mariam, den ehemaligen Herrscher von Äthiopien.

Und das ist wohl auch genau der Grund, warum sich keiner so recht dafür interessieren mag (lobenswerte Ausnahme ist hier das Blog Zettels Raum, wo sich an prominenter Stelle gestern ein ausführlicher Kommentar zu dem seltsamen Schweigen der sonst für jede Demonstration zu habenden Gutmenschen findet). Denn Mengistu hat einen unschätzbaren Vorteil, gegen den ein unsympathischer Kapitalistenknochen wie Pinochet natürlich chancenlos ist und der größere öffentliche Empörung von vorneherein ausschließt: Er ist Sozialist und damit automatisch einer von den Guten.

Während des in dieser Gegend der Welt gar nicht so Kalten Krieges war er nämlich eine der Hauptstützen Moskaus im Kampf gegen den westlichen Imperialismus. Was Saddam Hussein in der Golfregion für die Sowjetunion bedeutete, war Mengistu für sie in Afrika: Ein grausamer, totalitärer Herrscher, der seine eigene Bevölkerung zu hunderttausenden, wenn nicht Millionen über die Klinge springen ließ, und mit der höchstgerüsteten Armee der näheren Umgebung nicht nur das eigene Land terrorisierte, sondern auch unter den Nachbarstaaten für Angst und Schrecken sorgte.

Aber Mengistu muß sich trotz des voraussichtlichen Todesurteils keine Sorgen machen. Sein Genosse und Kampfgefährte Mugabe, in dessen Land er sich's im Gegensatz zur dort lebenden Bevölkerung gut gehen läßt, würde ihn nie ausliefern. Nur falls Mugabe selber stürzt, muß Mengistu wieder die Koffer packen. Aber auch dann muß er keine Angst um sein Überleben haben. In linken Diktatorenkreisen sind alle eine große Familie. Wenn Simbabwe zu gefährlich werden sollte, sind er und Mugabe in Venezuela bei ihrem Spezl Chavez sicher jederzeit willkommen.

Und jetzt die Werbung...

Kürzlich aktualisierte Weblogs

Wer nicht suchet, der findet

Sonstige Komplizen und Helfershelfer

Andere Marsch - flugkörper - diplomaten

Viel Feind, viel Ehr'

Geile Mucke