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18 Artikel der Kategorie "Ereignis: II. Weltkrieg"

Sonntag, 23. September 2007

Geschichtsstunde für SPIEGEL-Redakteure

Nur langsam dämmerte den Amerikanern, dass dieser Krieg mehr war als Vergeltung für den 11. September, sondern "in Wahrheit zur Verteidigung einer noblen Idee geführt wurde", wie es der Soldat Dwayne Luce aus Mobile erst angesichts der Massengräber erkannte.

Und jetzt stellen wir uns nur so zum Spaß vor, daß derartige Kriegspropaganda nicht aus der Feder eines neokonservativen Rüstungslobbyisten stammt, dessen Heuschreckenfonds kürzlich ein irakisches Ölfeld erworben hat, sondern von Marc Pitzke. Absurde Vorstellung, nicht?

Freitag, 21. September 2007

"Stay the course!" auf hanseatisch

Es gibt zwar bekanntlich eine Menge Gründe, den SPIEGEL zu hassen, aber doch auch ein paar ihn zu lieben. Zu letzteren gehören vor allem Autoren wie Henryk M. Broder und Claus Christian Malzahn, die das eigene Stammpublikum bei Bedarf gegen den Strich bürsten, selbst wenn sie letztlich nur als Feigenblatt dienen, um das Schüren antiamerikanischer Ressentiments durch ihren Brötchengeber vergessen zu machen.

Doch auch Gabor Steingart ist es wert, hier als eine jener Persönlichkeiten erwähnt zu werden, die die Ehre des Hamburger Nachrichtenmagazins von Zeit zu Zeit wiederherzustellen vermögen. In seinem aktuellen Artikel erinnert er uns alle daran, daß die Alliierten Berlin kaum die Freiheit hätten erhalten können, wenn sie an ihre Truppen damals dieselben Kriterien angelegt hätten, wie dies heute im Irakkrieg geschieht:

Hätte die damaligen Generäle "Benchmarks" erfüllen müssen, wären sie daran gescheitert.

[...] Hätten damals schon Blitzumfragen, Focus Groups und jene ominösen, keinem Wähler verantwortlichen Strategischen Berater das Sagen gehabt, um die Freiheit in den westlichen Sektoren Berlins wäre es nicht gut bestellt gewesen. Was heute von General Petraeus, dem Oberbefehlshaber der US-Armee in Bagdad, verlangt wird - statistisch nachweisbare Erfolge an der militärischen und der politischen Front - hätte auch der US-Oberbefehlshaber der damaligen Zeit nicht liefern können. Nach den heute in Washington gültigen Erfolgskriterien wäre es wahrscheinlich das Beste gewesen, West-Berlin feierlich an die Sowjets zu übergeben.

Gott sei Dank hießen die Vokabeln der damaligen Zeit nicht "Rückzug" und "Zeitplan", das wichtigste Wort damals hieß "Freiheit" - und nicht "Exit-Strategie".

Sein Pladoyer für den Kampf um die Freiheit des Irak krönt Steingart mit einem Hinweis auf die durchaus vorhandenen und gerade deswegen wohl auch so vehement verdrängten Parallelen zum Sieg der Alliierten über Nazideutschland. Alleine wegen der nachfolgenden Wertung des Schlußakkords der Deutschen Wehrmacht ergeht daher hiermit an alle der Lesebefehl:

[...] Allein die Ardennenoffensive Hitlers, dieses Anrennen im Auge der sich schon abzeichnenden Niederlage, war doch in Wahrheit ein einziger großer Selbstmordanschlag.

Montag, 10. September 2007

Das Prinzip SPIEGEL - unter revisionistischer Flagge?

Das Prinzip Saddam - unter amerikanischer Flagge

Wie? Die Amis vergasen jetzt die Kurden? Oder massakrieren die Schiiten? Schneiden Irakern, die George W. Bush verhöhnen, wenigstens die Zungen raus? Weit gefehlt! Der SPIEGEL hat nämlich herausgefunden, was den Ba'ath-Faschismus wirklich ausgemacht hat:

"Das Prinzip Saddam - verteile Wohltaten und herrsche unter den Stämmen"

Da sollte sich Eva Herman nach ihrem Rauswurf beim NDR vielleicht gleich mal bei der Hamburger Konkurrenz bewerben. Denn dort weiß man derartige Anliegen offenbar sehr gut in griffige Formeln zu gießen, so daß wir nächsten Montag vermutlich auf der Titelseite lesen:

"Das Prinzip Adolf - verteile Mutterkreuze und herrsche unter den Parteien"

Samstag, 26. Mai 2007

Die Welt(verschwörung) ist nicht genug

Daß Marcel Bartels vom Parteibuch (ist immer noch eins der SPD, aber das vermutlich auch nur, weil er inzwischen selbst von der PDS keins mehr kriegen dürfte) ein sagen wir recht entspanntes Verhältnis zur Realität hat, ist allgemein bekannt. Daß er sich damit nicht nur (Partei)freunde macht, ist seit seinem Rausschmiß bei den Websozis, um den er ja lange gekämpft hat, auch nichts wirklich neues mehr.

Doch jetzt scheint er auf der Suche nach immer neuen Verschwörungen und Intrigen allmählich völlig abzudrehen. Taten es früher noch eher lustige Spekulationen über die Verbindungen von Angela Merkel zu Scientology, so deutet er heute an, daß beispielsweise die Briten die Terroranschläge im Irak selber durchführen, und meint, daß man der Behauptung, die US-Regierung hätte den 11. September selber inszeniert, ernsthaft nachgehen müßte.

Aber selbst so ein unglaublicher Verschwörungsdreck reicht ihm inzwischen offenbar nicht mehr. Vielleicht gehen ihm ja auch nur die Ideen aus, jedenfalls läßt er sich die Märchengeschichten seit einiger Zeit offenbar sogar von anderen schreiben. Genauer gesagt reinkopieren, denn deren Autor, ein gewisser Daniel Neun, betreibt eine eigene Seite, und die hat es diesbezüglich in sich, wie schon ein flüchtiger Blick auf die Linkliste zeigt.

Dort finden sich beispielsweise unter der Rubrik "Unabhängige Medien" Verweise auf so illustre Adressen wie 9/11-Komplott oder Gerhard Wisnewski. Entsprechend sieht das Ergebnis von "Pimp my Parteibuch" denn auch aus. Amerika ist demnach nicht nur an allem schuld, sondern immer auch gleich noch am Gegenteil. So unterstützen die Yankees nicht nur die libanesische Regierung, sondern auch die Islamistenmiliz, gegen die diese kämpft.

Die libanesischen Regierungsbehörden behaupten, Syrien stecke hinter der Fatah al-Islam.
Recherchen wie die von Pulitzerpreisträger Seymour Hersh besagen das genaue Gegenteil - die Bush-Regierung - im Bündnis mit der von Israel und dem Königshaus von Saudi Arabien - habe die Fatah al-Islam massiv finanziell unterstützt.

Die daraus gezogenen Schlüsse sind schon so paranoid, daß man versucht ist, polemisch anzumerken, daß die Amis wahrscheinlich sogar Adolf Hitler an die Macht gebracht haben, nur damit sich die Hersteller der Fliegenden Festungen eine goldene Nase verdienen können. Nur wäre da überhaupt nichts ironisches dran, denn genau dieser Eindruck wird von Marcels Wasserträger Daniel im selben Artikel allen Ernstes erweckt:

Demnach wäre es das gleiche Modell wie im Irak mit Saddam Hussein und in Afghanistan mit den Taliban (manche sagen ja, in den 30er Jahren..aber lassen wir das):

man baue einen Gegner erst auf, um ihn dann mit viel Tamtam im Namen der Demokratie zu vernichten und dabei den militärisch-industriellen Komplex durchzufüttern.

Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, daß man einen derartigen Unsinn von sich geben und gleichzeitig demonstrativ mit dem SPD-Parteibuch wedeln kann, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber jetzt warte ich eigentlich nur noch auf die Enthüllung, daß die Zionisten hinter dem Holocaust stecken, um so leichter Verständnis für die Gründung Israels wecken zu können. Falls ich die nicht nur übersehen habe.

Dienstag, 08. Mai 2007

Alles neu macht der 8. Mai

Auch wenn's diesmal keine runde Zahl ist, sollte an einen nicht ganz unbedeutenden Jahrestag erinnert werden, der wie kein zweiter dafür steht, daß es mitunter ganz nützlich sein kann, wenn man die militärische Option gegenüber Schurkenstaaten nicht von vorneherein vom Tisch nimmt, und daß es leider Diktaturen gibt, die nicht freiwillig auf den Müllhaufen der Geschichte kriechen, sondern erst mit einem großen vier- oder gar achtmotorigen Besen dorthin gekehrt werden müssen.

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Kriegsfolgen: USA beklagen im Irak mehr Opfer als am 11. September

Im Irak sind seit heute mehr Tote zu beklagen, als Menschen durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 umgekommen sind. Seit Kriegsbeginn fielen 2978 Soldaten - und die Gewalt nimmt kein Ende: Heute erschütterte eine Attentatserie mit mindestens 25 Toten Bagdad.

Die USA haben in 3 1/2 Jahren Irakkrieg also so viele Menschen verloren wie beim Angriff auf das World Trade Center. Ferner waren ihre Verluste alleine am Landungsabschnitt Omaha Beach in den ersten 3 1/2 Stunden ungefähr so groß wie beim Angriff auf Pearl Harbour. Und? Was lernen wir jetzt daraus? Daß es falsch war, den Krieg gegen die Achsenmächte zu führen? Daß der Versuch, mit symbolischen Zahlen zu hantieren, nach hinten losgehen kann? Oder daß SPIEGEL-Redakteuren ein bißchen der Sinn für Proportionen fehlt?

Montag, 04. September 2006

Betthupferl für SZ-Leser

Zu später Stunde noch Lust auf ein Meisterwerk? Hier gibt's eins: Spirit of Entebbe

Dienstag, 06. Juni 2006

Blogging in a free world?

West Watch

Für alle jene, die fordern, daß unterdrückte Länder nicht gegen den ausdrücklichen Willen des jeweils diensthabenden Diktators befreit werden dürfen; die der Ansicht sind, daß die Vereinigten Staaten von Amerika sich aufgrund ihrer eigenen Unzulänglichkeiten aus derlei Aufgaben sowieso rauszuhalten haben; und die beim Auftauchen von Schwierigkeiten die Sache der freien Welt lieber verloren geben, statt sie umso mehr zu unterstützen, hat Cpt. Eggman die zum Datum passende Antwort. Also Tagesbefehl lesen und drüber nachdenken!

Donnerstag, 01. Juni 2006

Von Canicatti nach Haditha

No Blood For Sauerkraut

Wie es scheint, habe ich mich in meinem Text zu den Vorfällen in Haditha ein wenig unklar ausgedrückt und zudem vergessen die Quellen zu erwähnen. Peinlich, peinlich, wie konnte das nur passieren? Sowas aber auch! Na, dann wollen wir den kleinen Lapsus mal schleunigst korrigieren:

Also, bevor das jetzt zu weiteren Mißverständnissen führt, das angesprochene Massaker fand in einem kleinen Ort namens Canicatti statt. Der liegt streng genommen nicht im Irak, sondern auf Sizilien. Auch waren die Opfer keine Araber, sondern Italiener. Und das ganze liegt auch schon ein wenig zurück, und zwar über 60 Jahre. Um genau zu sein, geschah es im Juli 1943. Der dazugehörige Krieg war der II. Weltkrieg. Dokumentiert ist das ganze in der Wikipedia. Eine etwas abweichende Schilderung, die aber den Vorfall als solchen nicht in Frage stellt, findet sich zudem hier.

So, und jetzt wollen wir mal nachschauen, ob es irgendjemand außerhalb der rechtsradikalen Szene wagt, verbrecherische Einzelfälle wie diesen oder auch die Ermordung Kriegsgefangener im Biscari-Massaker (ebenfalls während der Operation "Husky") zu instrumentalisieren, um einen gerechten Krieg als solchen zu delegitimieren. Falls doch, findet die ausgewogener Berichterstattung oder proamerikanischer Umtriebe sonst garantiert unverdächtige linke Wochenzeitung "Freitag" für diesen Fall deutliche Worte, um die Relationen wieder zurechtzurücken.

Dienstag, 30. Mai 2006

...und noch ein Kaufbefehl!

Es ist ja selten genug geworden, aber diese Woche lohnt es sich endlich mal wieder, zum Kiosk zu stürmen um die Printausgabe des SPIEGEL käuflich zu erwerben. Denn im aktuellen Heft findet sich ein hervorragendes Beispiel für den schon ans selbstzerstörerische grenzenden Mut des führenden deutschen Nachrichtenmagazins.

Das tut es jetzt allerdings nicht, weil der SPIEGEL sich da irgendwie außergewöhnlich mit Ruhm bekleckert hätte, sondern weil wirklich verdammt viel Mut dazu gehört, eine dermaßen peinliche Bankrotterklärung eigener journalistischer (In)Kompetenz nicht stillschweigend im Shredder verschwinden zu lassen, sondern sie trotzdem tapfer abzudrucken, und das dann auch noch im Rahmen einer Titelgeschichte.

Denn selten, wenn überhaupt je, hat man sich beim SPIEGEL-Gespräch so grandios blamiert wie bei diesem stümperhaften Versuch eines Interviews mit dem iranischen Präsidenten. Statt Adolf gehörig in die Mangel zu nehmen, ließ man sich dermaßen vorführen, daß der Leser sich stellenweise an eine Kindervorstellung im Zirkus erinnert fühlt, wo der Dompteur nicht mal mit der Peitsche knallen muß, damit die Tanzbären brav im Kreis dackeln.

Begonnen hatte das Interview fast erwartungsgemäß mit ein paar mahnenden Worten zu Achmadinedschads antisemitischen Holocaustleugnungen und israelfeindlichen Vernichtungsdrohungen. Doch anders als geplant, gelang es Deutschlands Journalistenelite lange Zeit nicht, sich wieder aus dem Gestrüpp aus deutscher Schuld und der daraus resultierenden Verantwortung zu befreien.

Achmadinedschad, der ausgesprochen clever agierte, nutzte das eiskalt aus und drehte den Spieß zeitweise sogar so um, daß es nach einer Weile schien, als ob er seine Gegenüber interviewt und nicht umgekehrt. In diesem mitunter an ein Kreuzverhör in einem amerikanischen Gerichtssaal gemahnenden Spiel war die komplette SPIEGEL-Mannschaft vollauf damit beschäftigt, sich zu rechtfertigen und konzentrierte sich ansonsten darauf, mit Hilfe von verschwurbelten Verrenkungen wenigstens zu verhindern, daß man auf diesem schlüpfrigen Terrain auch noch ausrutscht.

Die Befreiung durch einen Themenwechsel gelang erst, nachdem man sich wiederholt mit anbiedernden Bemerkungen wie "Amerika hat den Irak-Krieg de facto verloren" und - nur ein paar Absätze weiter - "der Krieg ist für die USA praktisch verloren" bei Achmadinedschad einschleimen konnte. Aber auch danach war man offenkundig weder willens noch in der Lage, den iranischen Präsidenten trotz seiner nur noch anderthalbdeutigen Bestätigung des Strebens nach der Atombombe diesbezüglich auch nur ansatzweise in die Enge zu treiben.

Zum Ende des Interviews hin hatte man dann stark den Eindruck, daß da nur resigniert die restlichen Themen abgearbeitet wurden, die man noch auf der Liste hatte. Wobei das nicht heißen soll, daß die wirklich wichtigen Fragen, mit denen man Achmadinedschad hätte demontieren können, um ihn der Öffentlichkeit als das zu zeigen was er ist - ein größenwahnsinniger, gemeingefährlicher Kriegstreiber und Massenmörder -, überhaupt auf dieser Liste gestanden hätten.

Denn Begriffe wie Steinigungen, Auspeitschungen, Baukräne, Folterungen, Menschenrechtsverletzungen überhaupt, die Zwangsverheiratung von Kindern, Beschneidung der Frauenrechte, Unterdrückung Homosexueller, weltweite Unterstützung von Terroristen, Destabilisierung anderer Länder der Region, fielen nicht einmal, geschweige denn, daß in dieser Richtung mal nachgehakt worden wäre.

Gegen dieses erbärmliche Schauspiel ist selbst die Talkrunde bei Sabine Christiansen ein eisenhartes Verhör an der Grenze der zulässigen Methoden. Wenn Achmadinedschad glaubt, daß Europa nicht ernstzunehmen ist, dann kann man ihm das nach dieser Erfahrung wahrlich nicht übelnehmen. Denn wohlgemerkt, da hat man nicht mit der Ablage unausgelastete Redaktionspraktikanten geschickt, sondern die Speerspitze Hamburger Journalistenkunst, angeführt von keinem geringeren als Stefan Aust höchstselbst.

Daß Austs Souffleure Dieter Bednarz und Gerhard Spörl dann noch für einen weiteren Artikel in dieser SPIEGEL-Ausgabe mitverantwortlich zeichnen, in welchem die europäische Forderung, "die offene Unterstützung von iranischen Oppositionsgruppen ein[zu]stellen", als ernsthafte Alternative zum "neokonservativen Moralismus" der USA dargeboten wird, nimmt dem SPIEGEL für die nächsten - sagen wir 20 - Jahre das Recht, sich noch mal in irgendeiner Form über amerikanische Realpolitik aufzuregen.

Wenn die Amis also beschließen sollten, doch wieder zum vor allem in Europa traditionell üblichen und schon von Friedensnobelpreisträgern wie Henry Kissinger und Willi Brandt geschätzten Kuschelkurs gegenüber Diktaturen zurückzukehren, und diese nur noch zu stützen statt zu stürzen, möchte ich aus der Brandstwiete nichts hören als "richtig so, unsere Rede, haben wir schon immer gesagt".

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