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50 Artikel der Kategorie "Bereich: Wirtschaft"

Montag, 24. September 2007

Und wieder naht die Weihnachtszeit...

...und mit Ihr eine brilliante Idee, um kapitalistischen Egoismus und praktizierte Nächstenliebe auf elegante Weise miteinander zu verbinden:

Das sogenannte 100-Dollar-Laptop kann man jetzt auch in den Industriestaaten kaufen. Allerdings nur, wenn man sich auf einen originellen Deal einlässt: Wer eines der innovativen und robusten Notebooks in Entwicklungsländer schicken lässt, bekommt selbst ein Gerät - zum Preis von fast 300 Euro.

Also Santa, sag dem guten Rudolph, daß er dieses Jahr besonders vorsichtig lostraben soll. Nicht das eines kaputtgeht. Vor allem nicht meins!

Montag, 20. August 2007

Wem die Stunde (auf den Hinterkopf) schlägt

Die Bürger Venezuelas müssen künftig wohl früher aufstehen: Präsident Hugo Chávez plant, die Uhren in seinem Land eine halbe Stunde vorzustellen. Die Umstellung soll den Stoffwechsel ankurbeln und damit der Arbeitskraft zugute kommen.

Caracas - Das ganze Land solle früher auf die Beine kommen, wünscht sich der Präsident. Es gehe bei der Maßnahme um die Auswirkungen auf den Stoffwechsel, erläuterte Staatschef Hugo Chavez in einer siebenstündigen Sendung seiner Fernsehshow "Hallo Präsident". Das menschliche Gehirn werde durch Sonnenlicht beeinflusst.

Dieses Eindrucks kann man sich tatsächlich nur schwer erwehren. Da war wohl jemand zu lange an der Sonne. Und wenn er demnächst versucht, die Sonne gleich direkt auf sieben Uhr morgens zu stellen, wissen wir, daß er dabei auch zu lange NDW gehört hat. Aber selbst wenn nicht, die diesbezüglich ohnehin schon beeindruckende Geschichte des Sozialismus ist hiermit jedenfalls wieder um eine ulkige Idee zur Produktionssteigerung reicher. Und die europäischen Chavez-Fans stehen wieder ein kleines bißchen dümmer da. Mal sehen, wie lange sie sich die Albernheiten ihres Vorzeigeclowns noch unwidersprochen gefallen lassen. Obwohl, wenn Lafontaine demnächst an der Atomuhr rumspielt, überrascht mich das auch nicht mehr.

In der TV-Sendung griff Chavez zudem die USA scharf an. Er warf der Regierung Bush vor, in den Streitkräften seines Landes Verschwörer für einen Putsch anwerben zu wollen. Damit solle eine von ihm in der vergangenen Woche vorgestellte Verfassungsreform unterlaufen werden. "Die Verschwörung hat bereits begonnen", sagte Chavez in seiner wöchentlichen Sendung. "Die Botschaften zirkulieren in den Kasernen. Die Hand (des US-Geheimdienstes) CIA, das Imperium, steckt dahinter. Sie versuchen einen Putsch."

Wozu denn noch putschen? Nach Chavez' neuestem Geniestreich muß sich die NSA ja nur noch in die venezolanischen Zeitserver einhacken und die Uhren dort auf Mitternacht stellen. Denn nach dieser konsequenten Weiterentwicklung marxistisch-leninistischen Denkens zum zeitgesteuerten Sozialismus dürfte die venezolanische Wirtschaft dann eigentlich binnen Tagen krachend zusammenbrechen. Und Chavez müßte hoffen, nicht von den empörten Landsleuten an der nächsten Kirchturmuhr aufgeknüpft zu werden. Das kommt eben davon, wenn man selber nicht mehr richtig tickt und zur eigenen Kalibrierung den Kopf in eine laufende Standuhr steckt, nur weil man meint, der eigene Dickschädel sei stärker als ein gußeisernes Pendel.

Dienstag, 31. Juli 2007

Opiumhöhle im Sommerloch

Der Generalsekretär der FDP möchte anscheind die afghanischen Bauern ermuntern, noch mehr Opiumpflanzen anzubauen. Er schlug vor, dass staatliche Stellen – auch mit Geldern aus Deutschland – die gesamte Ernte aufkaufen sollten.

Was gehd'n hier? Wird jetzt der schwarze Afghane durch den gelb-blauen ersetzt? Staatliche Stützungskäufe und anschließende Vernichtung der erworbenen Güter entsprechen jedenfalls nicht wirklich der reinen liberalen Lehre. Und den Butterberg nur gegen einen Opiumberg auszutauschen klingt auch nicht nach sonderlich zukunftsträchtiger Wirtschaftspolitik.

Für den Kampf gegen Beschaffungskriminalität und organisiertes Verbrechen wäre die Drogenfreigabe in den Konsumentenländern immer noch weitaus sinnvoller, von der größeren Kompatibilität mit den eigenen ordnungspolitischen Wirtschaftsgrundsätzen und dem liberalen Menschenbild eines selbstverantwortlichen Individuums mal ganz abgesehen.

Wer den Afghanen was wirklich gutes tun will, sollte das Geld lieber in ihre Ausbildung stecken. Wenn man aber schon unbedingt aus übergeordneten sicherheitspolitischen Erwägungen heraus die dortige Landwirtschaft fördern muß, dann sollte man vielleicht besser Obst und Gemüse subventionieren. Hilft den Bauern genauso und ist um einiges gesünder.

Donnerstag, 12. Juli 2007

Was bin ich?

Na, wenn das jetzt alle machen...

You Are 76% Capitalist, 24% Socialist
In general, you support a free economy and business interests.
You tend to think people should fend for themselves, even when times get tough.
However, do think the government should help those who are truly in need.

Montag, 09. Juli 2007

Schluß mit unlustig!

Dieser Tage hat die Bahn eine schlechte Presse. Alle meckern an ihr rum, nur weil die undankbaren Spießbürger wegen eines kleineren Streiks von Lukas und seinen Lokomotivführerfreunden oder auch dank der brilliant geplanten Umbaumaßnahmen der Bahn nicht bzw. nicht rechtzeitig zur Arbeit kommen. Dabei ist sie doch in diesem Land, wo selbst das Autofahren immer berechenbarer wird, das letzte richtige Abenteuer. Zumindest bietet sie einen Thrill, der mich nach meinen nachfolgenden - natürlich rein subjektiven! - Erfahrungen die Leistung von Columbus und Livingstone zumindest ansatzweise erahnen läßt:

Man weiß nie, wann man losfährt

Entgegen weitverbreiteter Vorurteile sind Verspätungen offenbar kein Bug, sondern ein Feature, da dem Güterverkehr nach Aussage eines Bahnbediensteten Priorität vor dem Personennahverkehr eingeräumt wird, weil bei ersterem die Kunden bares Geld für terminliche Zusagen zahlen. Als Privatkunde hingegen erwirbt man demnach offenbar nur ein - ohnehin fast geschenktes - StandBy-Ticket, sonst würde man nicht morgens am Bahnhof stehen und zur geplanten Abfahrtszeit nur einen Güterzug vorbeirumpeln sehen. Und dann noch einen. Und nach 10 Minuten endlich den Personenzug. Vielleicht.

Wenn man nicht genau wüßte, daß der Fahrplan nicht die reale Abfahrtszeit angibt, sondern nur einen unverbindlichen Vorschlag, wann der Zug losfahren KÖNNTE, dann wäre man darob fast ein wenig verärgert. Und würde sich vielleicht zu fragen beginnen, ob der Grund dafür, daß diese Verspätung bei bestimmten Zügen schon seit vielen Jahren dieselbe ist, ohne daß sich das je in einem aktualisierten Fahrplan niederschlägt, darin zu suchen ist, daß selbiger nicht von hochqualifizierten Spezialisten zusammengestellt wird, sondern von einem für Tierversuche nicht ausreichend begabten Schimpansen.

Man weiß nie, wann man ankommt

Je mehr man mit der Bahn fährt, desto mehr lernt man über sie. Und bei 50km zur Arbeit über mehrere Jahre verteilt ist das schon eine ganze Menge, jedenfalls zweifellos genug für ein Diplom im Zuspätkommen. Denn zu den vier Stunden, die man dann leicht pro Tag in Bussen und Bahnen bzw. mit dem Warten auf selbige verbringt, legt die Bahn gerne noch was drauf, indem sie ihre Verspätungen so gestaltet, daß durch das Verpassen ungünstiger getakteter Anschlußverbindungen auch bei kleineren Überschneidungen jeweils gleich eine weitere halbe Stunde Wartezeit verloren geht, damit der Kunde es auch merkt.

Bei einem vom Schreiber dieser Zeilen aus purer Neugier durchgeführten einmonatigen Feldversuch kam die Bahn denn auch bei jedem 4. Zug auf eine signifikante Verspätung von im Schnitt 20 Minuten. Zusammen mit der regulären Arbeitszeit ist man dann schnell mal 13 Stunden außer Haus. Und das ist ein weiterer Vorteil des Abenteuers Bahn, denn wer treibt sich schon gerne zuhause rum, wo man eh nur den Rasen mähen oder den Müll raustragen muß, wenn man statt dessen bei der im Schritttempo durchgeführten Einfahrt in einen völlig leeren Bahnhof die verschiedenen Farbabstufungen des Gleisschotters bestaunen kann?

Man weiß nie, ob man mitkommt

Doch auch kürzere Verspätungen sind keine Gewähr, daß man seinen Zug wenigstens mit einem kurzen Zwischensprint über den Bahnsteig noch erwischt. Denn daraus, daß ein Zug manchmal wartet, darf der Bahnkunde keinen Rechtsanspruch ableiten, nach dem dieser das immer zu tun hat, im Gegenteil! Auf Nachfrage teilt einem der freundliche Beamte am Informationsschalter schon mal mit, daß Züge grundsätzlich nicht auf die vorhergehenden warten. Wer sich also zu erinnern glaubt, letztens wiederholt im abfahrbereiten Zug wegen einer "Fahrgastaufnahme" gewartet zu haben, bildet sich das nur ein.

Zumindest war besagter Beamte im konkreten Fall auch bei wiederholtem Einspruch nicht von dieser Ansicht abzubringen. Für weitergehende Beschwerden verwies er an eine eigens zu diesem Zweck eingerichtete Nummer, die er allerdings nicht aufschrieb, sondern von einem dicken Stapel speziell zu diesem Zweck gedruckter Visitenkarten zog, was den Verdacht nahelegt, daß man nicht der erste Kunde war, der mit der Gesamtsituation unzufrieden ist und daß derartige Vorkommnisse nicht ganz so ungewöhnlich sind, wie uns die bunten Reklametafeln mit glücklichen Bahnkunden weismachen wollen.

Man weiß nie, warum man nicht mitkommt

Um dem ganzen eine surreale Note zu geben, hat sich die Bahn neben dem Warten auf andere Züge und dem gleichzeitigen Leugnen, dies jemals zu tun, noch eine dritte Variante ausgedacht, der man eine gewisse Originalität nicht absprechen kann. Es kann nämlich passieren, daß der Anschlußzug noch da ist, das Zugpersonal einen aber nicht mehr reinläßt, und das damit begründet, daß man ihnen nicht gesagt hätte, daß sie auf einen anderen Zug warten sollen (was angesichts der vorherigen Aussage, daß Züge grundsätzlich nie auf andere warten, ohnehin nicht wirklich schlüssig klingt).

Dies ist besonders lustig, wenn der Zug, von dessen Herannahen sie nichts wußten, vor zwei Minuten am Gleis nebenan eingefahren ist, was der betreffenden Person nicht wirklich verborgen geblieben sein kann, da ein Zug ja weder optisch noch von der Geräuschentwicklung her so unaufällig wäre, daß man ihn so ohne weiteres übersehen könnte. Falls jetzt aber jemand glaubt, in diesem Fall käme gleich ein anderer Bahnbediensteter angerannt, der sich vielmals für die unfähige Kollegin entschuldigt und einem als Ausgleich für die verlorene Zeit einen €10-Bahngutschein in die Hand drückt: Dem ist definitiv nicht so.

Man weiß nie, wo man ankommt

In ihrem Bemühen, dem Kunden etwas Abwechslung zu bieten, behält sich die Bahn auch vor, den verdutzten Kunden auf einem beliebigen auf dem Weg liegenden Bahnhof rauszuschmeißen, weil der Zug jetzt doch lieber zurückfährt (vermutlich weil ihr aufgrund der massiven Verspätungen am anderen Ende inzwischen die Züge ausgehen), so daß man Gelegenheit hat, interessante Orte wie das Rüsselsheimer Opelwerk kennenzulernen, von deren Liebreiz man sonst nie Kenntnis erhalten hätte. Da dies auch mal mehrmals hintereinander passieren kann, kann man derartige Erlebnisse richtig auskosten.

Da zudem die Anzeigetafeln am Bahnsteig ganz gerne mehrere Fahrtziele zur Auswahl anbieten (das vordere Ende des Zuges fährt dann offenbar woanders hin als das hintere), ist vor Besteigen eines Zuges ein genauer Vergleich der Bahnhofsanzeigen mit jenen des Zuges angesagt, und zwar gerade auch dann, wenn man aufgrund jahrelanger Benutzung einer Bahnlinie so vermessen ist zu glauben, man wüßte deswegen auch gleich wohin die Reise geht. Zu großes diesbezügliches Selbstvertrauen des Bahnkunden kann nämlich schnell zu ausgesprochen unerfreulichen Überraschungen führen.

Man weiß nie, was als nächstes kommt

Da natürlich die Gefahr besteht, daß der Abenteuerfaktor nachläßt, wenn sich die Kunden erst mal an die Verspätungen gewöhnt haben, greift die Bahn seit neustem ganz tief in die Trickkiste: Die Lösung des Problems heißt Streik! Statt zu spät zu fahren, fährt sie dann zeitweise einfach gar nicht. Auf diese Weise ist nicht nur sichergestellt, daß einem die üblichen Verspätungen nur noch wie banale Nebensächlichkeiten vorkommen, es zwingt die Kunden auch zum Nachdenken, und zwar über Alternativlösungen zum Konzept des zentralistisch organisierten Kollektivverkehrs.

Nun muß man natürlich Verständnis für die Forderungen der Lokomotivführer haben, die nicht nur nicht viel verdienen, sondern unbestätigten Gerüchten zufolge offenbar auch nicht ihre Wartezeiten am Bahnhof bezahlt bekommen, sondern nur die Fahrtzeit (was immerhin manche Verspätung durch unmotiviertes Langsamfahren erklären würde). Falls da was dran sein sollte (für genauere Informationen wäre ich dankbar), so wäre dies zweifellos eine Unverschämtheit, denn für die spontanen Eingebungen des oben genannten Schimpansen kann das Zugpersonal beim besten Willen nichts.

...und tschüß!

Doch bei aller Klassensolidarität unter abhängig Beschäftigten können es sich trotzdem nur die wenigsten leisten, aus purer Nächstenliebe ihre eigene Arbeit zu verlieren, weil sie nur noch unregelmäßig dort auftauchen. Aus diesem Grunde gab es leider - Klimaschutz hin, Zusatzkosten her - nur eine Lösung: Den Erwerb eines Automobils. Womit die Bahn einen weiteren langjährigen Kunden, der ihr jedes Jahr einen vierstelligen Betrag überwiesen hat, verloren hätte. Die Marktwirtschaft gilt eben nicht nur bei der Wahl zwischen Güter- und Personentransport, sondern auch bei der von Schiene und Straße.

Mittwoch, 27. Juni 2007

Energie: Iran rationiert Benzin für Privatautos

Wer den Spruch "Wenn die Sozialisten in der Wüste die Macht übernehmen, wird der Sand knapp" nur auf Chavez, Mugabe und Genossen anwendet, tut ihnen bitter unrecht. Islamisten können das nämlich genauso gut:

Es ist eines der ölreichsten Länder der Welt, aber in Iran erhalten die Bürger ab sofort nur noch 100 Liter Benzin pro Monat - in der Hauptstadt Teheran kam es zu Protesten.

Aber vielleicht könnten die Iraner ihre Autos ja auf Atomkraft umrüsten. Dann würde die Urananreicherung energiepolitisch endlich den Sinn machen, den sie der iranischen Propaganda zufolge angeblich schon immer hatte.

Montag, 04. Juni 2007

"Afrikas Problem ist doch nicht der Mangel an Geld"

Auf dem G8-Gipfel in Heiligendam gab es viel zu sehen und zu hören. Viele hohle Worte, die die III. Welt wohl nur wenig weiterbringen werden, noch mehr mindestens genauso hohle Gegenargumente, die ihnen sogar ernstlich schaden könnten, und unzählige nicht mehr ganz so hohle Pflastersteine, die leider nicht die vorteilhafte Form eines Bumerangs hatten.

Allen war gemeinsam, daß sie nicht von den tatsächlich Betroffenen aus Afrika kamen, sondern von den satten Vertretern der ehemaligen Kolonialmächte. Hätten sich Politiker wie Demonstranten hingegen vorher mal angehört, was man dort über ihre Rituale denkt, hätten sie sich vielleicht ein bißchen geschämt und am Ende nicht ganz so danebenbenommen:

Mehr Geld, mehr Entwicklungshilfe für Afrika fordern Popstars und Schauspieler von den G-8-Staaten. Der afrikanische Intellektuelle Lubega widersetzt sich: Durch diesen Blödsinn werde die Krise in den Hungerstaaten nur verschärft.

 [...] Würde die Finanzhilfe der korrupten afrikanischen Regierungen gestrichen, müssten sich die Führer nach anderen Einkommensquellen umsehen: Steuern. "Erstens würde das die Vetternwirtschaft einschränken, denn Geld müsste dann auch von afrikanischen Wirtschaftsbonzen abgeführt werden, und die zahlen im Moment fast gar nichts. Und zweitens müsste die Regierung die Wirtschaft fördern, denn nur wenn die Wirtschaft brummt, nimmt auch der Staat Geld ein."

Lubegas Theorie klingt simpel und ist einleuchtend. Warum der Westen nicht verstehen will, dass er Afrika langfristig "zu Tode hilft" ist ihm ein Rätsel. Es habe wohl mit Psychologie zu tun, meint er achselzuckend: "Eure Minister und Schlagersänger fühlen sich besser, wenn sie sich auf diese Art produzieren können." Und Afrika? "Ist ihnen wohl herzlich egal."

[...] "Die wahre Arroganz, der wahre Kolonialismus wird nicht von euren Unternehmern, diesen vermeintlichen Ausbeutern, an den Tag gelegt, sondern von euren Philanthropen. Sie sollten tun, worauf sie spezialisiert sind: Popmusik machen oder Parteipolitik. Afrika ginge es ohne ihre ständigen Nachstellungen jedenfalls besser."

Donnerstag, 24. Mai 2007

Im Dienste des dreckigen Dutzend

Mist, nun ist's also doch rausgekommen! Nur wenige Wochen, nachdem ein ausgebuffter Investigativjournalist herausgefunden hat, daß ich - neben einigen anderen Bloggern - auf der Gehaltsliste der CIA stehe, enthüllte jetzt ein nicht minder begabter Kollege, daß ich meinen imperialen Judaslohn noch durch Werbung für ähnlich sinistre Adressen aus der freien Wirtschaft aufbessere, in diesem Fall für McDonalds.

Aber sei's drum, wenn's dann eh jeder weiß, kann ich auch gleich mit offenen Karten spielen. Ich gebe also hiermit zu, neben meiner Haupttätigkeit - der Unterwanderung traditioneller doitscher Werte durch die Verbreitung amerikanischer Teufeleien wie Demokratie, Kapitalismus und Individualismus - für gleich eine ganze Reihe von Firmen zu werben, die im Sold des US-Imperialismus stehen. Um genau zu sein, sind es deren zwölf:

Ernährung

Da ich als Wessie jetzt nicht so auf Bananen stehe, kann ich zwar nicht mit Produkten der United Fruit Company dienen, aber um eine schmackhafte Mahlzeit zusammenzustellen, liefern uns die USA ja andere ausreichend verhaßte Alternativen:

Mein Lieblingsburger - der Whopper von Burger King (natürlich in der doppelten Variante mit Bacon und Cheese, damit man dafür, daß man sich so einsaut, wenigstens anständig was in den Bauch kriegt)***

*** Es ist übrigens ein Ammenmärchen, daß eine einmonatige Burgerdiät ungesund wäre, da ich diesbezüglich schon einen erfolgreichen Selbstversuch unternommen habe, als Morgan Spurlock noch in die Schule ging. Und es hat mir nicht geschadet!

Meine Lieblingssättigungsbeilage - die Pommes Frites von McDonalds (das, meine lieben Kiezgastronomen, sind Fritten, nicht der Schlabberkram, den Ihr den Menschen aufzwingen wollt, obwohl sich die meisten von Euch bei Nacht und Nebel selber heimlich in den Mc schleichen dürften)

Mein Lieblingsgeflügel - die Hot Wings von KFC (wenn man sich an dem knusprigen, scharfen Teig nicht die Haut aufscheuern würde, würde ich mich da vermutlich auch noch reinlegen)

Meine Lieblingspizza - die Cheesy Crust Pizza von Pizza Hut (ok, man sollte schon wirklich Hunger haben, aber bei diesem Prachtstück macht der Spruch "Käse schließt den Magen" dann auch wirklich Sinn)

Mein Lieblingssandwich - das Footlong Sandwich von Subway (es ist immer wieder beeindruckend, was diese Kolonisten aus der Neuen Welt auf einem simplen kontinentalen Baguette alles so an eßbarem unterbringen können)

Doch was wäre ein gutes Essen ohne ein erfrischendes und perfekt auf das Menü abgestimmtes Getränk, wo alleine schon der Klang des Namens für genügend Protestpotential unter unseren deutschen Möchtegernsandalistas bürgt:

Mein Lieblingsgetränk - die Classic Coke von Coca-Cola (das einzige, was man zu jedem Essen trinken kann, ohne das Gefühl zu haben, daß einem was fehlt)

Unterhaltung

Wenn man auf diese Weise erst mal hinreichend gesättigt ist und sich ins Freizeitvergnügen stürzen will, reicht einem Amerika auch hier eine so hilfreiche wie phantasievolle Hand:

Meine Lieblingsmaus - die Mickey Mouse von Walt Disney (allen Umerziehungsbemühungen der 68er-Generation zum Trotz immer noch der ultimative Kindertraum, weswegen mich das Kind im Manne dieses Jahr auch ins Disneyland führen wird)

Meine Lieblingsmarionetten - Team America von United International Pictures (sozusagen die  imperialistische Ausgabe der Augsburger Puppenkiste - da fällt mir ein, daß ich mir unbedingt noch die DVD kaufen muß)

Mein Lieblingsmusikabspielgerät - der iPod von Apple (die können vielleicht keine konkurrenzfähigen Computer bauen, ;-) aber bei MP3-Playern macht Steve Jobs einfach keiner was vor)

Nützliches

Das Leben besteht natürlich nicht nur aus Vergnügen, aber gerade bei den praktischen Dingen für den Alltag läuft der American way of life erst recht zu großer (und oft auch schöner) Form auf:

Mein Lieblingscomputer - der Personal Computer von IBM (und vor allem seine Zillionen besserer und günstigerer Nachbauten durch die Konkurrenz, ohne die wir beispielsweise das Internet in seiner heutigen Form sicher nicht kennen würden)

Bei der Werbung für die abscheulichen Symbole Amerikas darf natürlich das Automobil nicht fehlen, denn was bringt amerikahassende Alteuropäer mehr in Wallung als spritschluckende Kyotomonster:

Mein Lieblingsdreiliterauto*** - der Chrysler 300M von Cerberus (gegen diesen Designgeniestreich wirken die gesternten, beringten und weißblauen einheimischen Konkurrenten wie überteuerte Schuhkartons auf vier Rädern)

***Ok, es sind nicht exakt 3 Liter, sondern 3,5, und es handelt sich auch nicht um den Verbrauch, sondern den Hubraum, aber wer mag sich angesichts solch geradezu überirdischer Eleganz an derart nebensächlichen Details stören?)

Um sicherzustellen, daß auch der toleranteste Amerikahasser endlich vor Wut platzt, als Schlußpunkt eine militaristische Provokation aus jenem Gebiet, wo die Überlegenheit der USA wohl mehr als auf jedem anderen offensichtlich ist - dem Flugzeugbau:

Mein Lieblingsflugzeug - die F-14 Tomcat von Grumman (auch wenn man sie leider nicht so ohne weiteres im Supermarkt kaufen kann, so ist sie doch der beste Beweis, daß Joseph Beuys recht hatte)***

***An dieser Stelle wollen wir im Sinne der Völkerverständigung darauf hinweisen, das der von den Feinden Amerikas als vergleichsweise friedliebend wahrgenommene iranische Präsident (leider und inzwischen sogar als einziger) auch ein paar davon hat.

Tja, und jetzt warte ich eigentlich nur noch drauf, daß einer der Marketingverantwortlichen der genannten Firmen das hier liest. Ach ja, und bitte in bar und in kleinen Scheinen. Mein Schweizer Nummernkonto ist nämlich schon voll.

P.S.: Aber dopen tu' ich nicht, ehrlich!

Dienstag, 22. Mai 2007

Burgerkrieg in Deutschland

Zu den Querelen um die Eröffnung einer Meckes-Filiale inmitten eines autochthonen Eingeborenenkollektivs in Berlin-Kreuzberg gibt's bei Vanity Fair mal wieder einen im wahrsten Sinne des Wortes köstlichen Artikel:

Natürlich ist die "Kiez"-Idee vom "authentischen Leben" der reinste Kitsch, wie überhaupt das meiste, was als Lebensformen von der Linken propagiert wurde, der reinste Kitsch war. Gerhard Henschel hat dazu schon vor Jahren das Standardwerk vorgelegt ("Das Blöken der Lämmer – die Linke und der Kitsch").

Nun ist es wieder so weit: Kreuzberg wehrt sich, und man weiß ja, wenn Deutsche sich wehren, ist Obacht angebracht. Der Grund der neuesten Kreuzberger Aufwallung: McDonald's plant, in der Wrangelstraße ("Wrangel-Kiez") eine Filiale aufzumachen.

Die eingefleischten Gegner der FastFood-Kette werden schon wissen, warum sie vor dem gelben M so schreckliche Angst haben, daß sie ihren Kampf für wirtschaftliche Selbstbestimmung allen Ernstes durch das Verbot leistungsfähigerer Konkurrenz zu führen versuchen, und daß sie kein Problem damit haben, statt der Kunden lieber die Nachbarn des Wirts entscheiden zu lassen, was dieser auf der Speisekarte anzubieten hat.

Was sollen sie auch machen? Denn sind wir mal ehrlich: Was immer man gegen eine Burger-Diät - die übrigens durchaus lustig sein kann! - einzuwenden haben mag, aber gegen gammelige Döner und fettige Currywürste ist ein BigMac oder ein Royal TS ein regelrechter kulinarischer Hochgenuß von außerordentlicher Nahrhaftigkeit, von den hygienischen Bedingungen, unter denen sie das Licht der Welt erblicken, mal ganz zu schweigen.

Ein echter Ureinwohner aber ißt so einen Amifraß trotzdem nicht, und auch die Touristen zwingt ja niemand dazu, hungrig zum Sightseeing aufzulaufen. Bleiberecht für alle heißt ja nicht gleich, daß man auch zum Essen bleiben darf. Oder um es mit den Worten des alten Methusalix zu sagen: "Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!"

Dabei sollten unsere reaktionären Restaurantrevoluzzer sich lieber freuen, denn es gibt, wie Henryk M. Broder bereits Anfang der 90er-Jahre in der ZEIT anläßlich der Eröffnung der ersten Filiale in Moskau zu recht bemerkte, kaum ein sozialistischeres Restaurant als McDonalds, weil man nur dort weltweit ohne Ansehen der Person bei gleichem Service für nahezu dasselbe Geld und in vergleichbarer Qualität dinieren kann.

Deshalb gilt auch heute noch unverändert seine damals erhobene Forderung: Schafft 1,2,3, viele McDonalds!

Mittwoch, 25. April 2007

BLS statt BGE!

Bei den Kollegen von B.L.O.G gab es vor kurzem eine interessante Diskussion zum zwar nicht sonderlich publikumswirksamen, dafür aber umso wichtigeren Thema eines bedingungslosen Grundeinkommens. Nun wird selbiges genau wie das "jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" der Marxisten oder auch das "habt Euch alle lieb" der Christen natürlich erbarmungslos scheitern, und zwar wie diese schlicht und einfach an der Tatsache, daß der real existierende Mensch nun mal nicht so gut ist, wie er zur Verwirklichung dieser hehren Ziele sein müßte.

Was hingegen durchaus funktionieren könnte, wäre das Koppeln besagten Grundeinkommens an eine einzige Bedingung, nämlich daran, daß man dafür arbeiten muß, also sozusagen eine Art von bedingungsloser Lohnsubvention. Diese wäre nicht nur finanzierbar, sie würde auch die Gruppe jener, die ausschließlich von ihr leben müssen, eher verkleinern statt vergrößern, weil sie jenes erprobte und der menschlichen Natur entgegenkommende Anreizsystem unangetastet läßt, welches den marktwirtschaftlich orientierten Kapitalismus im Gegensatz zu seiner Konkurrenz so schön brummen läßt.

Arbeit würde durch flächendeckende Lohnsubventionen gerade bei einfachen, lohnintensiven Tätigkeiten spottbillig werden und damit vor allem für jene wieder verfügbar, die unsere Gesellschaft inzwischen als bildungsfernes Prekariat mehr oder weniger offen abgeschrieben zu haben scheint. Und das sind eben nicht die gewerkschaftlich organisierten Arbeitsplatzbesitzer, sondern all die niedrigqualifizierten Arbeitslosen, die in der Mitte ihres Lebens plötzlich erfahren müssen, daß es aller Voraussicht nach bis an ihr Lebensende keine weitere Verwendung mehr für sie und ihre Arbeitskraft geben wird.

Das ist für sie zu Recht nicht ganz einsichtig, denn Arbeit, gerade im Dienstleistungsbereich, wäre ja durchaus in Hülle und Fülle vorhanden. Es kann sie halt nur niemand mehr bezahlen. Mit Hilfe eines steuerfinanzierten und zur Lohnsubventionierung genutzten Grundeinkommens ließe sich aber nicht nur ein alter Traum der Linken, das Recht auf Arbeit, umsetzen, und de facto sogar ein Mindestlohn einführen, sondern gleichzeitig liberalen Forderungen nach mehr staatlicher Effizienz entgegenkommen und den Kapitalismus von den unnötigen Hemmnissen einer ausufernden Bürokratie befreien.

Nichts desto weniger ist die Diskussion bei B.L.O.G. nicht nur rein akadamischer Natur, denn auch für Anhänger der bedingungslosen Lohnsubvention stellt sich die Frage: Wie würden eigentlich die Resourcen verteilt, wenn am Tag X das Schlaraffenland ausbricht? Und, fast noch wichtiger, wieviel davon würde derjenige hochqualifizierte Spezialist erhalten, der am Tag X - 1 als letzter den großen roten Knopf drückt, um das Schlaraffenland in Betrieb zu nehmen? Sind diese Fragen geklärt, ergeben sich die übrigen Antworten fast von selbst. Daß wir sie finden müssen, zeigen dabei solche Meldungen:

Die Zahl der in Armut lebenden Kinder ist erneut gestiegen. 2006 lebten knapp 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Hartz-IV-Familien - ein Zuwachs von zehn Prozent, hat das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung errechnet.

Und jetzt die Werbung...

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