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36 Artikel der Kategorie "Bereich: Verteidigung"

Dienstag, 10. Juli 2007

Propagandagambit

Moskau - Durch die Stationierung von US-Raketentechnik in Tschechien und Polen werde versucht, Russland in eine Konfrontation mit Europa zu treiben, sagte Vizeregierungschef Sergej Iwanow heute im russischen Fernsehen. "Damit wird eine neue Trennlinie gezogen, wenn man will, eine neue Berliner Mauer", sagte der frühere Verteidigungsminister, der als möglicher Nachfolger Putins im Amt des russischen Staatspräsidenten gilt.

Der einzige, der es seit einiger Zeit ganz offensichtlich auf eine neue "Berliner Mauer" anlegt, ist Putin. Wenn Iwanow also derartige Befürchtungen hat, sollte er sich am besten gleich direkt an seinen Chef wenden. Der wiederum sollte sich besser daran erinnern, daß Rußland schon mal auf der anderen Seite besagter Mauer stand, und, sofern er da nicht wieder eines Tages in seinem eigenen Saft schmoren will, ganz schnell begreifen, daß hohe Energiepreise nichts, aber auch gar nichts mit der Mitgliedschaft im Club der zivilisierten Nationen zu tun haben.

Russland ist nach den Worten Iwanows beim Thema Raketenabwehr zu einer engen Zusammenarbeit mit den USA bereit. Sollten die USA die entsprechenden Vorschläge von Präsident Wladimir Putin annehmen, könnte bis 2020 ein gemeinsames globales Raketenabwehrsystem geschaffen werden, sagte der Vizeregierungschef. "Dies führt unausweichlich zum Austausch von äußerst empfindlicher Militärtechnologie. Russland ist dazu bereit." Die mögliche Kooperation werde das Vertrauen zwischen beiden Ländern stärken.

Das hätte er wohl gerne, daß ihm die Amis ihre Geheimnisse verraten und die Russen dafür nicht mal mehr Spione losschicken müssen. Der einzige dabei für den Westen relevante Austausch von Militärtechnologie wäre der zwischen Ptuins Rußland und seinen antiwestlichen Schachfiguren in den verschiedenen Schurkenstaaten. Zum Glück spielen auch die Amerikaner genug Schach, um zu wissen, daß man einen Dame nicht ohne guten Grund gegen einen Turm tauscht und daß man dem Gegner beim Versuch, einen Bauern auf die siebte Reihe zu bringen, nicht auch noch helfen sollte.

Freitag, 22. Juni 2007

Germans to the front!

Da der nachfolgende Kommentar zur Erwiderung auf den vorhergehenden Kollateralschaden-Artikel der Freiheitsfabrik über diesen hinaus die Grundsatzfrage nach den zulässigen militärischen Mitteln demokratischer Staaten anspricht, soll er hier an herausgehobener Stelle behandelt werden:

Die reductio-ad-absurdum funktioniert hier auch in die entgegengesetzte Richtung: Wenn man das eh nie sicherstellen kann, dann kann man ja auch gleich zu Flächenbombardements von Städten, in denen sich irgendwo Terroristen aufhalten, übergehen. Damit erwischt man garantiert mehr Terroristen als durch no so viele gezielte Bombardements vorher mühsam aufgeklärter Einzelziele.

Das ist spätestens seit Vietnam erwiesenermaßen falsch. Gerade bei irregulären Kämpfern bringen Flächenbombardements gar nichts, außer sich selbst unbeliebt zu machen. Das wäre also nicht nur nach heutigen Maßstäben unmoralisch, sondern auch kontraproduktiv.

Möglicherweise gibt es ja irgendeine goldene Mitte zwischen Radikalpazifismus und Radikalbombardierung.

Genau, gibt es. Und zwar vor allem Angriffe mit Präzisionswaffen wie in dem angesprochenen Fall. Aber selbst das schließt, wie wir hier sehen, eben nicht 100%ig aus, daß sich skrupellose Kriegsverbrecher jederzeit unbemerkt ein paar Geiseln halten können. Was ihrer Verherrlichung als teilweise gemäßigte Widerstandskämpfer aber bekanntlich keinen Abbruch tut.

Ich vermisse hier gerade eine Diskussion, wo diese Mitte liegt und ob und warum die Amis gegenwärtig genau auf dieser Mitte sich befinden.

Sie befinden sich nie genau in dieser Mitte, sondern liegen mal drüber und mal drunter. Aber wenigstens bemühen sie sich drum, diese Mitte zu finden. Und zwar wie ihre engsten Verbündeten, die Israelis und Briten, wohl mehr als jede andere Armee in der Kriegsgeschichte. Aber selbst das reicht offenbar nicht, um unter den eigenen Verbündeten eine unzweideutige Solidarität im Kampf gegen den Terror einfordern zu können.

Die Unbeliebtheit der amerikanischen Truppen in Afghanistan legt ja zumindest nahe, dass sie das möglicherweise nicht tun.

Fremde Truppen sind nie beliebt. Hier in Deutschland werden sie bis heute mit Ressentiments betrachtet und nicht selten noch als Besatzer beschimpft. So what?

Und der freiheitsfabrik-Blogeintrag hat ja immerhin auch eine alternative Vorgehensweise genannt (Bodentruppen). Auch darauf sind Sie nicht eingegangen.

Oh, war keine böse Absicht. Das ist tatsächlich ein ganz wichtiger Punkt. Bodentruppen wären nämlich wirklich eine konkrete Alternative. Nur ist irgendwie kaum einer bereit, selbige zu diesem Zweck - also zum Kämpfen - zu stellen. Die Arbeit machen einige wenige, der Rest drückt sich. Die Deutschen, die Luftangriffe wie diesen so gerne kritisieren, haben 6 (in Worten sechs) Mann in den Süden Afghanistans geschickt. Beschwerden also bitte an das Bundesministerium der Verteidigung, Stauffenbergstraße 18, 10785 Berlin.

Und noch was: Wenn besagte Bodentruppen dann in richtige Gefechte geraten und die ersten Leichensäcke in Deutschland eintreffen, möchte ich nichts hören von wegen "Warum erledigt man so was nicht aus der Luft?". Genausowenig, wie ich dann irgendetwas mit der unsäglichen antiisraelischen Hetzpropaganda vergleichbares sehen möchte, die aus den Löchern kroch, als die Israelis genau das in Dschenin gemacht haben und das Leben ihrer eigenen Soldaten riskiert haben, wo es ein paar wohlplazierte Bomben auch getan hätten.

Ich erinnere mich da übrigens an einen Vorfall relativ kurz nach der Einnahme Bagdads durch die Amrikaner 2003: Die Amis hatten aus einer Quelle erfahren, dass Saddam Hussein (der war zu der Zeit noch nicht gefasst) sich in einem bestimmten Restaurant in Bagdad aufhielte. Daraufhin wurde ein Bomber losgeschickt, der dort hinflog und besagtes Restaurant dem Erdboden gleichmachte. Es gab ca. 15 Tote, darunter Frauen und Kinder, Hussein war nicht darunter. Ich persönlich habe mich bei dieser Nachricht gefragt, ob das betreffende US-Oberkommando noch ganz bei Trost ist (ich hätte mich das auch gefragt, wenn einer der Toten tatsächlich Hussein gewesen wäre). Was sagen Sie denn dazu?

Dazu sage ich, daß wenn die Amis 1945 beispielsweise den Führerbunker in Berlin hätten erwischen können, das zulässig gewesen wäre, weil es im Erfolgsfall unterm Strich eine Menge Menschenleben gerettet hätte, wenn auch sicher nicht die derjenigen, die das dann als Kollateralschaden mit dem Leben bezahlt hätten. Solange die Amis also nicht wie ihre Gegner das Restaurant in die Luft jagen, gerade WEIL es ein nur von Zivilisten besetztes Restaurant ist, sollten wir uns zunächst mal über letztere aufregen.

Montag, 18. Juni 2007

Afghanistan: Sieben Kinder bei US-Luftangriff getötet

Der SPIEGEL berichtet über einen US-Luftangriff in Afghanistan unter anderem folgendes:

Der Angriff wurde im Distrikt Sarghun Schah in der Provinz Paktika in Ostafghanistan geflogen. Es habe verlässliche Informationen gegeben, dass dort Qaida-Kämpfer in einem Gebäudekomplex, in dem neben einer Moschee auch eine Religionsschule war, Unterschlupf gefunden hätten, berichtete das US-Militär. Daraufhin sei ein Luftangriff angeordnet worden. Dabei wurden sieben Kinder getötet.

Bewohner hätten bestätigt, dass bei dem Angriff auch mehrere Qaida-Kämpfer getötet worden seien. Zwei weitere seien festgenommen worden. "Wir bedauern, dass Unschuldige ihr Leben auf Grund der Feigheit der Kämpfer verloren haben", sagte Militärsprecher Chris Belcher. Er betonte, überlebende Kinder hätten ausgesagt, dass sie von den Terroristen gezwungen worden seien, in dem Gebäudekomplex zu bleiben.

Preisfrage: Wie hat der SPIEGEL diese Nachricht auf seiner Hauptseite wohl zusammengefaßt?

Vorschlag 1: Im Osten Afghanistans sind nahe einer Moschee sieben zum Einsatz als menschliche Schutzschilde gezwungene Kinder ums Leben gekommen. Das Vorgehen sei eine legitime Taktik, erklärten die Taliban. Es habe dort zuverlässige Hinweise auf einen möglichen amerikanischen Luftangriff gegeben.

Vorschlag 2: Im Osten Afghanistans sind nahe einer Moschee sieben Kinder bei einem amerikanischen Luftangriff ums Leben gekommen. Der Vorfall sei sehr bedauerlich, erklärte das US-Militär. Es habe dort zuverlässige Hinweise auf Terroristen gegeben.

Kleiner Tip: Die Überschrift (das ist das Fettgedruckte, was dem Leser als erstes ins Auge springt) gibt einen Hinweis auf die Lösung. Aber nur wenn man ganz genau hinguckt.

Dienstag, 05. Juni 2007

Bevor ich's vergesse:

Kol haKavod!

Mittwoch, 30. Mai 2007

Streit über Raketenschild: Russland testet neue Super-Rakete

Selbst Militärexperten wurden überrascht: Als Antwort auf Washingtons Raketenabwehrsystem in Osteuropa hat Moskau heute eine neue Interkontinentalrakete getestet. Die Waffe könne jeden Schutzschild überwinden, behauptet der Kreml. Die Russen könnten sich also sicher fühlen.

Na das ist ja mal eine erfreuliche Nachricht! Damit müßten sich die Bedenken der deutschen Sozialdemokratie gegenüber der amerikanischen Raketenabwehr in Osteuropa ja dann eigentlich erledigt haben. Und die armen gedemütigten Russen können wieder voller Nationalstolz auf ihre Rüstungsindustrie blicken, die das Wunder vollbracht hat, eine neue Interkontinentalrakete in nur wenigen Monaten komplett vom Reißbrett bis zum Prototypen zu entwickeln (normalerweise braucht man für sowas Jahre).

Zumindest liegt das nahe, falls der neuerliche Raketentest wirklich eine Antwort auf die offizielle Bekanntgabe der Errichtung eines begrenzten Abwehrsystems in Polen und Tschechien war. Aber der SPIEGEL liegt mit dieser Vermutung sicher richtig, denn sonst hätten die russischen Proteste gegen die Errichtung ja von vorneherein keinen rechten Sinn gemacht. Außer natürlich die Entwicklung der Rakete war so geheim, daß selbst der Führer mal wieder nichts davon gewußt hat. Soll ja bekanntlich vorkommen.

Dienstag, 15. Mai 2007

Friendly Fire: Deutsche Fregatte beschießt sich selbst

Der Schuss ging nach hinten los: Durch ein Geschoss aus der eigenen Bordkanone hat sich die deutsche Fregatte "Lübeck" bei einer Ausbildungsfahrt vor der britischen Küste selbst beschädigt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Damit können die NATO-Verbündeten den Deutschen zumindest nicht mehr vorwerfen, daß sie Weicheier wären, die sich davor drücken, auch mal zu schießen, wenn's drauf ankommt. Zumindest den eigenen Fuß treffen sie schon ganz gut.

Dienstag, 08. Mai 2007

Alles neu macht der 8. Mai

Auch wenn's diesmal keine runde Zahl ist, sollte an einen nicht ganz unbedeutenden Jahrestag erinnert werden, der wie kein zweiter dafür steht, daß es mitunter ganz nützlich sein kann, wenn man die militärische Option gegenüber Schurkenstaaten nicht von vorneherein vom Tisch nimmt, und daß es leider Diktaturen gibt, die nicht freiwillig auf den Müllhaufen der Geschichte kriechen, sondern erst mit einem großen vier- oder gar achtmotorigen Besen dorthin gekehrt werden müssen.

Dienstag, 01. Mai 2007

KSE-Vertrag: Russland will mit Nato über Putins Abrüstungsstopp verhandeln

Eiszeit zwischen dem Westen und Russland: Die Nato ist über den von Präsident Putin angedrohten Abrüstungsstopp tief besorgt, Außenminister Steinmeier warnt vor einer "Spirale des Misstrauens". Im Mai will Moskau mit der Nato den KSE-Vertrag neu verhandeln.

Putin will aus den Verträgen zur konventionellen Abrüstung in Europa aussteigen? Und die NATO ist deswegen allen Ernstes besorgt? Ja spinnen's denn jetzt alle? Das ist ungefähr so, wie wenn ein herumtorkelnder Alkoholiker einen gerade aus dem Fitnessclub kommenden solariengebräunten Goldkettchenträger einzuschüchtern versucht, indem er androht, seinen Dackel auf dessen Pitbull zu hetzen, und der Kampfhundbesitzer den wodkagetränkten Streithansel tatsächlich verzweifelt anfleht, seiner vierbeinigen Jagdwurst doch bitte, bitte den Maulkorb nicht abzunehmen.

Denn seien wir realistisch: Der einzige der sich hier Sorgen machen und ein Interesse an Abrüstungsverträgen haben müßte, sind ja wohl die Russen selbst. Ihre Streitkräfte sind nur noch ein Schatten ihrer selbst. Ihr Zustand ist bedenklich, ihre Einsatzbereitschaft mehr als fraglich, ihre Rüstung wird von amerikanischen HighTech-Waffen mit jedem Krieg deutlicher deklassiert, und trotz der dramatischen Abrüstung nach Ende des Kalten Krieges sind die konventionellen Streitkräfte der NATO-Staaten dem potentiellen Gegner heutzutage anders als früher sogar zahlenmäßig weit überlegen.

Dies nicht zuletzt, weil die Mitgliedstaaten des ehemaligen Warschauer Paktes sich nicht nur nicht mehr wie früher zur russischen Bedrohung hinzuaddieren, sondern sogar geschlossen zum ehemaligen Feind im Westen übergelaufen sind. Doch auch Rußland selbst besitzt nur noch die Hälfte der Stärke der zerfallenen Sowjetunion, mit den ehemaligen baltischen Staaten inzwischen ebenfalls in der atlantischen Allianz und der militärisch nicht unbedeutenden und sich bereits selber mit NATO-Ambitionen tragenden Ukraine schon rein geographisch jedem kriegerischen Abenteuer im Weg.

Nicht daß das falsch verstanden wird: Die Rückkehr zu lupenrein autoritären Strukturen, die Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen und Rußlands Unterstützung für Schurkenstaaten wie den Iran sind ausgesprochen bedenkliche Entwicklungen, mit denen Schröders Männerfreund dem Westen durchaus ernste Schwierigkeiten machen kann. Auch können uns die russischen Atomraketen immer noch jederzeit ohne Vorwarnung von der Erdoberfläche tilgen. Aber die russischen Panzerarmeen schaffen es in 48 Stunden kaum bis zum Bug. Da muß am Rhein nicht mehr gezittert werden.

Freitag, 13. April 2007

Showing 'goodwill' towards Iran

Während der letzten Geiselnahme des iranischen Regimes gab es auf Samizdata einen erfrischend unkonventionellen Vorschlag, wie man mit Frechheiten diesen Kalibers umgehen sollte. Ist zwar schon eine Woche her, hat aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt (die nebensächliche Fehleinschätzung der Rolle der SA, die eher das Gegenstück zur Bassidsch-Miliz als zu den Pasdaran-Gardisten wäre, sehen wir angesichts der historisch nicht immer akkuraten Nazi-Darstellung in angelsächsischen Weltkrieg-II-Spielfilmen mal als verzeihlich an ;-) und beweist mal wieder, daß die Briten auch in ernster Lage ihren sprichwörtlichen Humor nicht so schnell verlieren:

Iran can called for the UK government to make a 'goodwill gesture' towards Iran in return for them freeing the fifteen naval personnel they abducted in Iraqi waters. This is entirely reasonable and the UK should respond by promising that if the Iranian government will keep control of the Pasdaran (a military organisation that relates to the regular Iranian military in a similar way to which the SA or SS related to the Wehrmacht), the UKGov will make sure that 'rogue elements' of the Royal Navy do not mine Iranian harbours or start torpedoing Iranian shipping.

Of course as Iranian weapons keep finding their way into Basra and killing British soldiers, perhaps a different sort of exchange is really needed. After all, as there are no shortage of internal opponents to the Iranian regime, surely it is well past time that UK weapons started turning up in the hands of Iranian anti-government elements as well... think of it as another way of furthering globalisation and international trade.

Doch auch die Leserkommentare zeigen, daß jenseits des Kanals eine liberal/libertäre Grundhaltung nicht zwingend mit peinlichen Appeasementanwandlungen Hand in Hand gehen muß:

Yeah, here's a 'goodwill gesture'. Our rogue element Trafalgar-class SSNs stationed off your coast won't each fire a broadside of 4 Tomahawks at your nation's leading petrochemical export facilities. Happy Easter you kidnapping bastards and enjoy the chocolate while you can. (Julian Taylor)

Donnerstag, 22. März 2007

Raketenschild in Osteuropa: Merkel warnt USA vor Alleingängen

Offiziell steht der US-Raketenschild nicht auf der Tagesordnung der USA-Visite von Außenminister Steinmeier. Doch die Kritik aus Deutschland ist zu laut, als dass sie einfach ignoriert werden könnte. Kanzlerin Merkel warnt die USA vor Alleingängen in der Verteidigungspolitik.

Angesichts der immer groteskeren Diskussion um das Raketenabwehrsystem der USA in Osteuropa fühlt man sich fast an die Zeiten der Nachrüstung erinnert. Mit dem Unterschied, daß damals wenigstens die Regierung noch hinter den USA stand, und das, obwohl man über den Sinn des Konzepts der gegenseitigen Vernichtung ja durchaus streiten konnte. Aber bei einem reinen Abwehrsystem, das schon rein technisch gar nicht dazu in der Lage wäre, die zahlenmäßig um das hundertfache überlegenen und im Ernstfall eh in eine ganz andere Richtung fliegenden russischen Atomraketen zu neutralisieren, hätte man eigentlich erwartet, daß die Europäer unter Beifall ihrer Bevölkerung die Amerikaner regelrecht anbetteln, sie angesichts der heraufziehenden Bedrohung durch nuklear bewaffnete Schurkenstaaten doch bitte mit unter ihren Raketenabwehrschirm zu nehmen.

Stattdessen kriecht man ohne Not vor dem lupenreinen Demokraten Putin im Staub, nur weil man diesem nicht das Vergnügen versagen will, dem Westen (das sind übrigens wir, Frau Merkel!) mittels der diversen Kim Jong Ils und Achmadinedschads ein wenig Sand ins Getriebe zu streuen, um die eigenen Supermachtträume wenigstens dadurch etwas aufzuwerten, indem man die anderen aufs selbe Niveau runterzieht, wenn man das eigene schon nicht steigern kann. Was im übrigen Putin natürlich nicht daran hindert, das für Rußland selbst anders zu sehen, und unter dem ohrenbetäubenden Schweigen der Sozialdemokraten selbst ein Raketenabwehrsystem in Betrieb zu nehmen (und nein, das ist KEINE Reaktion auf die Pläne der USA, sondern eine Entwicklung, die bis in die 90er-Jahre zurückgeht, als Putin noch ein unbedeutender Lokalpolitiker war).

Wohl selten seit Ende des Kalten Kriegs haben die Deutschen so sehr gegen ihre ureigensten Interessen gehandelt wie hier. Und zwar nicht irgendwelche fragwürdigen Stützen-wir-den-brutalen-Diktator-damit- der-Kaffee-billig-bleibt-Interessen, sondern die unseres nackten Überlebens. Daß Sozialdemokraten im Auffinden der unterwürfigsten Position unter die Wünsche potentieller Feinde ausgesprochen findig sind, mag nach der Demontage Helmut Schmidts durch die eigene Partei ja nicht mehr wirklich zu überraschen, aber daß auch der Chef der einstmals für außenpolitische Professionalität bekannten FDP und sogar diverse amerikafeindliche Unionsgranden dieses Spiel mitmachen, ist mehr als erbärmlich. Hierzulande bleiben die Kaninchen offenbar schon stehen, wenn die Schlange verlangt, daß sie warten und sich von der nächsten fressen lassen sollen.

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