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34 Artikel der Kategorie "Bereich: Innenpolitik"

Dienstag, 11. September 2007

Tatütata, die Paulizei ist da

Uii, da ist meine letzte Blogrollsäuberungsaktion ja doch noch zum Politikum geworden. War wohl zu lange ruhig in Kleinbloggersdorf. Jedenfalls mündete das ganze bei der (paläo)konservativen "Gegenstimme", die sich gerade verdächtig weit über den Abgrund beugt (vermutlich um nachzusehen, ob PI schon unten angekommen ist) in einer - übrigens ausgesprochen unterhaltsamen! - Diskussion, in deren Verlauf unter anderem die Frage aufkam, ob der Macher der dort beworbenen Antifa-Satire wirklich nur ein harmloser Witzbold ist oder ob seine Seite Opponent.de für einen anständigen CDU/CSU-Konservativen nicht doch ein bißchen zu weit rechts außen steht.

Da bei der Gegenstimme derzeit die Ressourcen für eine genauere diesbezügliche Recherche fehlen und die Leser nicht mal zu wissen scheinen, was "Neue Rechte" bedeutet, helfe ich gerne, eventuell vorhandene Informationslücken aufzufüllen. Aaaalso, schon bei einem flüchtigen Blick auf den "Opponent" fallen auch dem unbedarften Besucher einige Links auf, die man auf einem normalen Merkel-Fanblog wohl eher selten zu sehen kriegen dürfte. Selbst wenn ein einzelner davon mal aus Ausrutscher durchgehen mag, stellt sich in dieser Häufung schon die Frage, ob uns der Blogbetreiber damit nicht doch irgendwas sagen möchte, was selbst einen Strauß-Konservativen ein bißchen stutzig machen sollte.

Zunächst findet sich dort die einschlägig bekannte "Junge Freiheit", die rechts der Union den haselnußfarbenen Bereich bis zur (Zellen)Wand abdeckt. Das sind natürlich noch keine Nazis, die am Tage der Machtergreifung Martin Hohmann zum Führer ausrufen wollen, aber ich würde sie trotzdem nur sehr ungern in Versuchung geführt sehen. Das sah offenbar auch der Verfassungsschutz so und hatte deswegen ein paar Jahre lang sicherheitshalber mal ein Auge drauf. Unabhängig davon sind die revisionistischen und nationalistischen Tendenzen des Blatts aber ohnehin nichts, womit ein gemäßigter, der Westbindung verpflichteter Adenauer-Konservativer gerne in Verbindung gebracht werden wollen sollte.

Die Zeitschrift "Sezession" gehört dem Dunstkreis des "Instituts für Staatspolitik" an, welches laut Verfassungsschutz wiederum Teil des "Projekts 'Junge Freiheit'" ist, aus deren Umfeld auch seine Gründer kommen. Daß dort, wie auch in anderen Publikationen der "Neuen Rechten", in Ausnahmefällen zu Alibizwecken auch mal kluge Köpfe zu Wort kommen, ändert nichts daran, daß der Ton von Kameraden ganz anderen Kalibers vorgegeben wird. Der "Opponent" verlinkt das IfS denn auch bezeichnenderweise unter dem Namen von dessen Obermotz Götz Kubitschek, der einst wegen rechtsextremer Bestrebungen hochkant aus der nicht nur von Dregger-Konservativen geschätzten Bundeswehr geworfen wurde.

Den Link auf die "Blaue Narzisse" kann man insofern, als es zwischen ihr und dem "Opponent" gewisse personelle Verflechtungen gibt und man auf seinem Blog natürlich auch für seine anderen Projekte Reklame machen darf, menschlich noch verstehen. Aber genau wie sich die "Sezession" nicht mit dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigt, so ist die "Blaue Narzisse" auch kein Fachblatt für den Blumenfreund, sondern eine als Schülerzeitung gegründete Onlinepublikation, die, falls sie mit rechtsextremen Elementen tatsächlich nur spielt, dies auf ihrem Spielplatz zumindest sehr gerne und ausgiebig tut. Jedenfalls ausgiebig genug, um einen Schäuble-Konservativen ernstlich ins Grübeln zu bringen.

So harmlos wie die "Blaue Narzisse" klingt, so eindeutig kommt das "Sturmvolk" rüber. Auch wenn es sich selbst als konservatives Blog bezeichnet, so ist die Begründung für den Blognamen ("guter Klang") kaum weniger befremdlich als die halbherzige Distanzierung vom historischen Vorbild, dem nationalistischen Kindergarten von Werner Lass, der es während des 1000-jährigen Reichs zum im Rückblick nur wenig ruhmreichen Posten des Amtsleiters Reichspresse in der Reichspressestelle brachte. Wie bei der "Blauen Narzisse" sollte auch ein Schönbohm-Konservativer sich angesichts solcher "Empfehlungen" fragen, ob da der Begriff "konservativ" nicht zumindest ein wenig ungewöhnlich interpretiert wird.

Zugegeben nicht ganz so offensichtlich, dafür umso unappetitlicher ist der Link auf die österreichische Zeitschrift "Zur Zeit". Diese hat nichts mit der deutschen Wochenzeitung ähnlichen Namens zu tun, mit der rechts-populistischen FPÖ dafür umso mehr. In ihrem heroischen Kampf gegen die "Faschismuskeule" und für ein "Ende der Vergangenheitsbewältigung" wird der Schicklgruber Adi dann schon mal als "großer Sozialrevolutionär" verklärt, der anders als der echte Sir Winston keine Schuld am II. Weltkrieg gehabt hat. Wenn dann Artikel auch noch mit Parolen wie "Deutschland Erwache!" enden, dürfte das selbst eingefleischten Oettinger-Konservativen deutlich zu weit gehen.

Nun kann man natürlich argumentieren, daß man nicht immer die Muße hat, sich mit der Blogroll verlinkter Seiten auseinanderzusetzen. Das ist zwar nicht sehr klug, aber bitte schön, jeder wie er mag. Aber ein kurzer Blick auf den Inhalt der Seite selbst wäre mitunter schon anzuraten. Sonst sitzt man nämlich schnell mit Leuten in einem Boot, die unter Hetzjagd von Mügeln die auf dessen stolzen deutschen Bürgermeister verstehen und dem Wohl von Naziskins oder NPD-Politikern mehr Raum einräumen als dem ihrer Opfer. Und auch wenn Eva Herman mit Nachnamen sicher weder Braun noch Göring heißt, sollten sogar Stoiber-Konservative eine Soli-Kampagne für sie als übertrieben erachten.

Doch auch der Betreiber der Seite ist kein ganz so unbeschriebenes Blatt, wie man vielleicht meinen möchte. Neben seiner Mitarbeit bei der oben erwähnten "Blauen Narzisse" ist er nämlich zugleich stellvertretender Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend. Das allein ist sicher noch kein Verbrechen, selbst wenn das umgekehrt bei der Führung eines Vertriebenenverbands im Einzelfall sogar hilfreich sein kann, wie wir spätestens wissen, seit Yassir Arafat den Friedensnobelpreis gekriegt hat. Wenn aber die Organisation, für die der Blogbetreiber steht, so viele Verbindungen ins rechts-revanchistische Lager zu haben scheint, sollte zumindest ein aussöhnungsbereiter Kohl-Konservativer hellhörig werden.

Damit das nicht mißverstanden wird: Anders als der handelsübliche PC-Gutmensch habe ich kein Problem damit, daß rechte Spinner Ihren Unsinn genauso verbreiten dürfen wie linke Spinner, solange sie sich dabei auf dem Boden der vielzitierten FDGO bewegen. Miteinander zu reden ist in der Regel immer noch besser als aufeinander zu schießen. Und es steht selbstverständlich auch jedem frei, sogar Schmuddelkinder zu verlinken. Nur sollten gerade diejenigen, die sich über die Hygiene ihrer politischen Gegner mokieren, nicht vergessen, daß wer im Schlamm spielt, die Aufforderung, sich die Hände zu waschen, doch besser etwas ernster nehmen sollte. Sonst bleiben unschöne braune Flecken.

Mittwoch, 22. August 2007

Das Ungeheuer von Loch Mügeln...

...findet man hier. Und wer immer es war, der diesen trotz des ernsten Themas so unterhaltsamen wie treffenden Artikel abgelehnt hat, sollte von seinem Brötchengeber schnellstens auf einen anderen Posten versetzt werden, bevor er noch mehr Unheil anrichtet.

Neulich, bei der Menschenjagd...

Die Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln hat die Debatte um die ausländerfeindliche Gewalt in Deutschland neu entfacht. [...] Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse [...] warnte auch vor den Folgen für den Wirtschaftsstandort: Je schlechter der Ruf Deutschlands ist, umso weniger werden die Leute, die wir brauchen können für unseren Wohlstand und Fortschritt, kommen.

Wolfgang Thierse mag ja ein Dampfplauderer sein, aber hier hat er nicht nur recht, er bringt auch ein Argument, das selbst einem Kategorien wie Zivilisation, Menschlichkeit und Mitgefühl ansonsten nicht mehr zugänglichen Hartz-IV-Nazi eigentlich einleuchten müßte. Thierse hat es angesichts der Adressaten vielleicht etwas umständlich ausgedrückt, aber man kann es für unsere etwas schlichter strukturierten Prolet-Arier auch in einfache Worte fassen: "Du nix benehmen, Du nix Arbeit. Braun zwar scheiße, aber nicht auf Haut, sondern in Schädel."

Es ist nämlich nicht nur nicht sonderlich nett, seine Mitmenschen ohne deren Einverständnis krankenhausreif zu schlagen, es ist auch ziemlich dumm, in die Hand zu beißen, die einen füttern könnte. Denn es sind nicht zuletzt gerade diese Inder, die der deutschen Wirtschaft fehlen und die dann wiederum jene Arbeitsplätze schaffen könnten, von denen auch unsere rechten Kameraden profitieren würden, wenn sie ihre Energie nur mal in Dinge wie das Programmieren von Webseiten stecken würden statt ins Nähen von Reichskriegsflaggen.

Der Streit begann am Sonntagmorgen kurz vor 01.00 Uhr im Festzelt auf der Tanzfläche mit Schubsereien, wie eine Polizeisprecherin sagte. Die Inder hätten das Zelt schließlich verlassen und seien draußen von den Deutschen attackiert worden. Gegenüber liege eine Pizzeria, die von einem Inder betrieben werde. Dorthin seien die Angegriffenen gerannt, und der Wirt habe sie durch einen Nebeneingang hereingelassen.

„Eine Gruppe von zirka 50 deutschen Veranstaltungsteilnehmern und zahlreiche Schaulustige folgten den Flüchtenden“, berichtete die Polizei weiter. Einige hätten die Eingangs- und Hintertür eingetreten und das Auto des Pizzeria-Besitzers stark beschädigt. Die Polizei schritt nach eigenen Angaben mit 70 Einsatzkräften ein und drängte die Angreifer ab.

Diese Schilderung des Tathergangs wirft dabei ein bezeichnendes Licht auf die Unfähigkeit unseres Staates, ganz generell mit Gewaltkriminalität fertigzuwerden. Da stehen 70 bewaffnete Polizisten einem brutalen Lynchmob gegenüber, und dann drängen sie die Täter allen Ernstes einfach ab, statt, wie das in einem funktionierenden Rechtsstaat eigentlich eine Selbstverständlichkeit wäre, zu versuchen, möglichst vieler von ihnen habhaft zu werden. Noch besser kann man eine offizielle Einladung zum nächsten Pogrom kaum verfassen.

Zwei Polizisten seien ambulant behandelt worden. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt, erklärte die Polizeidirektion. „Ein ausländerfeindlicher Hintergrund kann derzeit weder ausgeschlossen noch bestätigt werden.“ Die Polizeidirektion Westsachsen berichtete jedoch von Zeugenaussagen, nach denen die Verfolger „Ausländer raus“ und „Hier regiert der nationale Widerstand“ gerufen hätten.

Und? Mal ganz davon abgesehen, daß die Äußerung "Ausländer raus!" nur mit sehr viel Phantasie als nicht ausländerfeindlich zu interpretieren ist, wäre die Sache ja wohl keinen Deut besser, wenn die Inder nur aus ganz allgemeinem Menschenhaß, der Lust daran, Schwächere zu quälen, oder einfach weil die Täter gemeingefährliche Soziopathen waren, mißhandelt worden wären. Es ist ja wohl unabhängig davon die Aufgabe des Staates sicherzustellen, daß dieses Gesindel die Lust verliert, so was noch mal zu machen, oder?

Wobei es unfair wäre, der Polizei hier die Hauptschuld zuzuweisen, denn auch wenn man sich zu Recht fragt, wieso sich vergleichsweise harmlose langhaarige Ökopaxe bei Bedarf problemlos einkesseln und einzeln abfrühstücken lassen, die Festnahme eines Haufens alkoholisierter Schlagetots die Muckitruppe der Polizei hingegen vor unlösbare Probleme stellt, so sind die Justiz und auch der Gesetzgeber an der Misere vorsichtig ausgedrückt nicht unbeteiligt, wie die zuständige Justizministerin in einem Interview denn auch versehentlich offen zugibt:

Strafen wurden oft zur Bewährung ausgesetzt oder es wurden nur Geldstrafen verhängt. Paragraf 47 des Strafgesetzbuches schreibt vor, dass Freiheitsstrafen von einem halben Jahr nur in Ausnahmefällen verhängt werden dürfen und stattdessen soll eher auf Geldstrafen ausgewichen werden. Paragraf 56 erlaubt es, Haftstrafen bis zu zwei Jahren zur Bewährung auszusetzen. Diese Ausnahmen wollen wir für die Verurteilung von Tätern rechtsextremistischer Taten einschränken, um die Strafen verschärfen zu können.

Liest man so was, dann wird durch die Erwähnung von §47 im Zusammenhang mit vorsätzlicher Körperverletzung erstens klar, daß Gewaltverbrechen von seiten des Gesetzgebers irgendwie immer noch nicht so ganz ernst genommen werden, und die Erwähnung von §56 legt den Verdacht nahe, daß diejenigen, die ihn täglich anwenden, den tieferen Sinn einer Bewährung offenbar noch nicht zur Gänze erfaßt haben, sonst wäre es kaum möglich, daß ein Wiederholungstäter mehr als eine Bewährungsstrafe am Stück kriegen kann.

Statt also mal wieder demonstrative Betroffenheit an den Tag zu legen und zu hoffen, daß jetzt nicht auch noch die letzten Inder einsehen, daß Deutschland nicht nur bezüglich der wirtschaftlichen Chancen, sondern auch in Fragen der persönlichen Sicherheit keine ernstzunehmende Alternative zu den angelsächsischen Ländern ist, wäre es ein angemessener Zeitpunkt, Gewaltverbrechen nicht länger als Kavaliersdelikt zu behandeln und Wiederholungstäter so lange aus dem Verkehr zu ziehen, bis sie gelernt haben sich zusammenzureißen.

Sonst war Rostock vielleicht das erste, aber Mügeln nicht das letzte Mal.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Die (Presse)freiheit, die sie meinen

Wieso mußte ich gerade an Oskar aus der ideologischen Mülltonne denken? Obwohl, wahrscheinlich bringt der sogar noch seine eigenen Aufkleber mit. Falls er sie nicht ohnehin schon auf Parteikosten drucken und Hugo dann im Rahmen der internationalen Solidarität als sozialistische Bruderhilfe zukommen läßt...

Mittwoch, 13. Juni 2007

Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube

Justizministerin Angela Kolb forderte erneut, extremistisch motivierte Straftaten stärker unter Strafe zu stellen. "Der Staat muss extremistischer Gewalt mit aller Härte Paroli bieten", sagte die SPD-Politikerin. "Wer Menschen verprügelt, nur weil sie beispielsweise anders aussehen, soll nicht auf eine Bewährungsstrafe spekulieren können", fügte sie hinzu.

Ja, was'n plötzlich los bei den Genossen? Erst einsame links-alternative Blogger, und jetzt sogar schon komplette SPD-Minister - was geht? Auf einmal sind Gewaltverbrechen auch für Menschen, die an das Gute im Menschen glauben, keine Kavaliersdelikte mehr.

Bin jedenfalls mal gespannt, ob die gute Frau, nachdem die erste Aufregung vorbei ist und sich keiner mehr für die Opfer interessiert, noch an ihre Worte erinnert werden will, wenn mal wieder ein Scharfmacher der Union Schluß mit der weichen Welle fordert.

Warten wir also einfach mal ab, wann es wieder heißt "der mehrfach wegen Körperverletzung vorbestrafte". Einfach dann aus der Zeitung ausschneiden und an Frau Kolb schicken. Die macht das dann schon, ganz bestimmt. Demnächst in diesem Theater.

Montag, 11. Juni 2007

Revolutionary mugged by reality

Tja, lieber Staat, was hast Du falsch gemacht? Wenn schon systemkritische Genossen wie unser Che nach härterem Durchgreifen rufen, muß ja wohl irgendwas gehörig schiefgelaufen sein. Wobei ich, auch wenn ich mit ihm sonst eher selten einer Meinung bin, angesichts von Meldungen wie dieser oder dieser seinen Ärger bis zu einem gewissen Punkt durchaus nachvollziehen kann.

Denn wenn brutale Verbrechen wie diese nicht verhindert werden bzw. keine gravierenden Konsequenzen für die Täter nach sich ziehen, dann darf man sich hinterher nicht wundern, wenn angesichts des Versagens der Staatsgewalt inzwischen selbst auf der Linken in einer nostalgischen Verklärung der glorreichen Straßenkampfvergangenheit über die Vorteile der Selbstjustiz räsoniert wird.

Bei allem Verständnis für einen harten Kurs gegenüber den linken Steinewerfern von Rostock, aber selbiger muß bei rechten wie auch allen anderen Gewalttaten genauso zur Anwendung kommen. Daß die von Che vermißten Antifa-Patrouillen durch Polizeistreifen und mehr Überwachungsstaat ersetzt werden müßten, buchen wir dabei belustigt mal unter Ironie der Geschichte ab.

Dienstag, 05. Juni 2007

In Rostock unter falscher Flagge

Wie konnte es sein, dass die Veranstalter der Demonstration sich nicht des schwarzen Blocks entledigen konnten? Wenn es die Veranstalter geschafft haben, sich von Gewalttätern im Nazi-Outfit zu distanzieren, wieso haben es die Veranstalter dann nicht geschafft, sich von Gewalttätern des “Schwarzen Blocks” ähnlich entschieden zu distanzieren?

Och, dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: Weil es die gar nicht gab. Denn wenn man dem vom Parteibuch sogar per Newsfeed verlinkten Politblog Glauben schenken mag, dann beherrscht wohl doch nicht nur die CIA "false flag operations", sondern auch die deutsche Polizei. Wobei sich diese Interpretation natürlich noch ändern kann, wenn man beim Politblog diese Meldung in die Hände kriegt:

Unterstützung aus den Reihen der Polizei für die Globalisierungsgegner: Kurz vor Beginn der großen Anti-G-8-Demonstration in Rostock kritisiert die Polizeigewerkschaft das von den USA vorgegebene Sicherheitskonzept. Die Amerikaner würden sich massiv in die Planungen der Deutschen einmischen, die Beamten könnten nicht frei handeln.

Davon mal ganz abgesehen demonstriert der Politblog-Artikel ganz hervorragend, wie sich die Zeiten geändert haben. Galten früher R4 und Ente noch als adäquate Fortbewegungsmittel und der Bully als maximal zulässiger Luxus, während bereits der Audi 100 ein unerreichbarer Spießertraum war, so sind auch die Steinewerfer und ihre Sympathisanten offensichtlich anspruchsvoller geworden.

Denn heute gilt schon ein Ford Focus, den man mit seinen 3 bis maximal 8 Jahren selbst bei RTL-Actionserien nicht als Kandidaten für den unvermeidlichen Crash im finalen Feuerball in die engere Wahl ziehen würde, bei den Kämpfern für eine bessere Welt als "älteres Auto", das geradezu danach schreit, abgefackelt zu werden, sofern es die Bullen nicht sogar extra zu diesem Zweck hingestellt haben:

Das Auto stand in der Nähe des Stadthafens, auf einem Gelände, das für die Abschlusskundgebung geräumt sein sollte. Das ist üblich, nämlich durch ein langfristiges Halteverbot in dem entsprechenden Zeitraum dafür zu sorgen, dass sich 100Tausend Menschen nicht zwischen parkenden Autos drängeln müssen. Wer nicht rechtzeitig sein Auto wegfährt, wird abgeschleppt. Dieses ältere Auto hatte man vergessen, oder ist es Requisite?

Vorbei die Zeiten, als sich ein Linksradikaler, der wenigstens ein bißchen Wert auf seinen Ruf legte, nur an einer S-Klasse oder einem vergleichbaren Bonzenfahrzeug verging. Doch heute sind wie auch in den Pariser Vorstädten Angriffe auf die Mobilität der Mitproletarier nicht nur erlaubt, sondern sogar zunehmend die Regel. Tja, die Klassensolidarität ist auch nicht mehr das, was sie einmal war...

Montag, 04. Juni 2007

Biedermänner und Brandstifter: Wie politische Naivität den Gewalttätern hilft

Hey, hab ich je was gegen den SPIEGEL gesagt? Echt? Ich? Kann ich mir gar nicht vorstellen. ;-) Aber gut, tut mir leid. Zumindest für heute, denn Reinhard Mohrs Kommentar zur etwas arg bunt geratenen Ausgestaltung der G8-Feierlichkeiten gehört zweifellos zum besten, was bisher zum Thema Demonstrationsbutterfahrten gesagt wurde:

Die Autonomen, die als einzige, gut organisierte Gruppe genau wissen, was sie wollen, werden als militanter Flügel der weltweiten Protestbewegung akzeptiert, egal, welchen politischen Unsinn sie von sich geben. Dann marschieren sie zunächst brav mit, neuerdings - womöglich klimabedingt - mit uniformen Sonnenbrillen, und gegen Ende oder kurz nach Abschluss der Demonstration beginnt dann zuverlässig die Randale. Einen Tag später wird aufgeräumt, man distanziert sich eilig von den Gewalttätern und beklagt zugleich, dass die Medien nur die Bilder vom Straßenkampf zeigen statt der phantasievollen Transparente mit der Aufschrift "Eine andere Welt ist möglich".

[...] Das Problem der Gewalt einer verbohrt fanatischen Minderheit lässt sich aber nicht durch eine noch so glaubwürdige Distanzierung lösen. Denn der "schwarze Block", der mit voller Absicht ganze Straßenzüge von Rostock verwüstet und regelrecht Jagd auf einzelne Polizeibeamte gemacht hat, war nicht nur ausdrücklich und offiziell Teil der Demonstration, er war und ist auch Teil des insgesamt hoch emotionalisierten Diskurses, der seit Monaten die Anti-G-8-Aktionen vorbereitet.

[...] Vielleicht bietet das gestrige Desaster in Rostock doch noch die Gelegenheit, ein paar klare Gedanken zu fassen. Und zu entscheiden, was man will und was nicht. Vor allem aber: Mit wem nicht.

Unbedingt den kompletten Text lesen! Selten sprach der SPIEGEL wahrere Worte. Das sollte man ausnutzen. So häufig ist's ja nicht, und wer weiß, wann's wiederkommt.

Mittwoch, 23. Mai 2007

Neonazi-Opfer Martin: "Ich bin nur noch Kopf"

Seit elf Jahren sitzt das Neonazi-Opfer Noël Martin im Rollstuhl. Sein Leben ist eine Qual. Es sei nicht mehr lebenswert, sagt er im stern-Gespräch. Kurz vor seinem geplanten Suizid in der Schweiz spricht er auch über seinen letzten Wunsch und wie er sich seinen Tod vorstellt.

Alle die meinen, rechtsradikale Gewalt in diesem Land nach dem Motto "Sind hald Buben!" als Dummejungenstreiche unterprivilegierter und perspektivloser Jugendlicher verharmlosen zu müssen, sollten sich diesen Artikel mal durchlesen. Ist zwar aus dem STERN, aber trotzdem lesenswert.

Ach ja, die Täter sind selbstverständlich schon seit langem wieder frei. Und sie werden es auch noch sein, wenn Noel Martin längst tot ist.

Freitag, 22. Dezember 2006

Regierungsdokumente: USA geben Millionen Geheimakten frei

Unbezahlbare Schätze für Historiker kommen Neujahr ans Licht: US-Behörden geben Millionen Seiten geheimer Akten frei, darunter FBI-Material aus dem Kalten Krieg. Wissenschaftler lauern auf brisante Details amerikanischer Politik.

Davon, daß die Historiker auf derartige "Schätze" lauern, ist zweifellos auszugehen. Es handelt sich ja schließlich um US-Politik, da wird eh gern ein bißchen genauer hingeschaut. Es würde ja schon an ein Wunder grenzen, wenn da irgendetwas auch nur theoretisch kritikwürdiges übersehen würde.

Das heißt jetzt aber nicht, daß die USA deswegen auch gleich Dankbarkeit oder wenigstens Sympathie zu erwarten hätten, weit gefehlt! Denn daraus, das die Feinde Amerikas ihre Archive eben nicht öffnen, wird nicht umgekehrt geschlossen, daß man die Führungsmacht des Westens bei aller berechtigten Kritik an einzelnen Mißständen in ihrem Kampf gegen Faschismus, Kommunismus, Islamismus und andere Formen der Tyrannei unterstützen sollte.

Genausowenig ist zu erwarten, daß die Historiker sich in Zukunft verstärkt darum kümmern werden, daß auch andere Nationen wie Rußland, China oder der Iran ihre Geheimakten der Öffentlichkeit zugänglich machen. Im Gegenteil, es ist rein von der Arbeitseffizienz her gesehen natürlich weit sinnvoller, daß jetzt noch mehr Leute die bereits geöffneten Archivkeller durchstöbern, statt die Zeit weiter mit der Suche nach dem Schlüssel für die noch verschlossenen zu verplempern.

Die bewundernswerte Offenheit der Vereinigten Staaten im Umgang mit sich selbst zeigt eben die Überlegenheit des Westens. Wenn wir untergehen, dann haben wir wenigstens fair gespielt, während unsere Feinde ihren Triumph nie auskosten können werden, weil sie immer daran denken müssen, daß sie ja gemogelt haben, um ihr Ziel zu erreichen. Und so ein gutes Gefühl ist doch unbezahlbar.

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