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62 Artikel der Kategorie "Bereich: Gesellschaft"

Donnerstag, 13. September 2007

Blue Card Blues

Wende in der europäischen Einwanderungspolitik: Die EU will 20 Millionen Arbeitskräfte aus Asien und Afrika holen - mit einer neuen Blue Card. Nur so könne man den Wettbewerb mit den USA gewinnen. Vor allem Deutschland soll mehr Migranten aufnehmen.

20 Millionen? Und mehr Migranten für Deutschland? Na, da dürfte der Blick in den rechtskonservativen Teil der Blogosphäre die nächsten Tage ja sehr unterhaltsam werden. Bei jenen Kameraden, die fürchten, daß das volle Boot des Abendlands jetzt schon am untergehen ist, dürfte dann wohl großes Zähneknirschen angesagt sein. Und auf der Speisekarte steht heute vermutlich Teppich.

Freitag, 07. September 2007

Erboste Fans erklären Apple den iWar

Und Steve Jobs erklärt uns, wie man ein an sich tolles und ergonomisch vielversprechendes Produkt, nachdem man es zunächst durch eine gewisse Verweigerungshaltung gegenüber dem technologischen Fortschritt bei der Miniaturisierung von Kameras und der Entwicklung mobiler Datenübertragung unnötig entwertet hatte, durch einen völlig falschen Marketingansatz endgültig zur Notlandung zwingt, und das, bevor es überhaupt richtig abgehoben hat:

Steve Jobs hat anscheinend wenig Mitgefühl für seine treuesten Fans übrig. Die Zeitung "USA Today" fragte den Firmenchef, was er denn Kunden sage, die eben ein iPhone für 599 Dollar erworben hätten, "sorry?". Jobs Antwort: "Das ist eben Technologie. Wenn sie es heute morgen gekauft haben, solllten sie dorthin zurückgehen, wo sie es gekauft haben und mit den Leuten dort reden. Wenn sie es vor einem Monat gekauft haben, tja, das passiert eben mit Technologie."

Falsch, lieber Steve, das passiert nicht bei Neueinsteigern in einen Markt, in dem es mit Firmen wie HTC, Nokia, Samsung und Sony Ericsson von Platzhirschen nur so wimmelt und die zusammen mit Firmen wie Motorola oder LG den Markt absolut beherrschen. Zumindest sollte es das nicht. Wer neu rein will, wo andere die Standards setzen, sollte, bis er eine gewisse Basis hat, nämlich nicht gerade der teuerste sein. Wenn das jemand wissen sollte, dann ja wohl Du, Steve, meinst Du nicht? Wäre das anders, säße ich jetzt kaum an einem Windows-Rechner.

Dabei geht es gar nicht mal um den Anschaffungspreis des iPhone, der ist entgegen der weitverbreiteten Kritik gar nicht mal so extrem hoch, wenn man ihn mit dem vergleichbarer Top-Produkte der Konkurrenz vergleicht. Aber die mit dem Erwerb verbundenen Knebelverträge an ausgesuchte Monopolpartner sind in Ländern, wo Handys immer noch über Subventionen verkauft und nicht noch künstlich teuerer gemacht werden, genauso gut wie ein Aufkleber, auf dem steht "Vorsicht, radioaktiv verseuchte Robbenbabyhautverkleidung!"

Da werde ich, obwohl ich durchaus ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hatte, mir eines Tages selber eins zuzulegen, wohl doch noch mal über Alternativen nachdenken müssen...

Freitag, 24. August 2007

+++ Aktuelles zur Spielemesse!!! +++

Mügelnstein 3D

In dieser Mischung aus Action-Adventure und 3D-Shooter stehen Ihnen in der Grundeinstellung die vier Charaktere Sascha, Maik, Bomber und Adi mit jeweils unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten zur Verfügung. Nachdem Ihr Charakter an einem der zahlreichen "Stände" seinen Aggressionslevel aufgetankt hat, jagen Sie "Eindringlinge" dorthin, wo sie hingehören, nämlich zur Hölle. Nachtanken nicht vergessen!

Über einen Leserhinweis (Dank an lowlevel!) bin ich auf die gestern stattfindende Games Convention in Leipzig gestoßen, wo neben anderen interessanten Spielen wie den "Ossims" nicht nur der obengenannte Ego(ismus)-Shooter vorgestellt wurde, sondern auch der langerwartete Strategiehammer "Uncivilized":

In dieser Echtzeit-Abrißsimulation gründen Sie vor 4000 Jahren in den Wäldern Sachsens eine Siedlung und versuchen das Steinzeitniveau ihrer primitiven Krieger so lange wie möglich gegen die zahlreichen Gefahren der Moderne aufrechtzuerhalten. Hierzu sind alle Mittel recht:

  • Bauen Sie keine florierende Wirtschaft auf, sondern kämpfen Sie lieber gegen alle Völker, die diesbezüglich erfolgreicher sind als Sie
  • Vernichten Sie dabei dutzende verschiedener, liebevoll animierter Gebäudetypen vom Ausländerwohnheim über ein Jugendzentrum bis zur Pizzeria
  • Vertreiben Sie Wissenschaftler, Ingenieure und sonstige Spezialisten, die ihren Wohlstand erhöhen könnten, und entziehen sie so den Steuereintreibern jegliche Arbeitsgrundlage
  • Schützen Sie ihre Kultur vor der Unterwanderung durch Diplomaten mit Migrationshintergrund, die Ihre Städte durch giftiges FastFood, merkwürdige Kopfbedeckungen und fremdsprachige Musik zu zersetzen versuchen
  • Erklären Sie Kulturleistungen wie den Sieg im diesjährigen Kirmeswettsaufen oder das fehlerfreie Absingen des Horst-Wessel-Liedes zu den wahren Weltwundern
  • Erforschen Sie auf der Suche nach Volksfesten und sonstigen lohnenswerten Veranstaltungen die umliegenden Dörfer und zetteln Sie dort zünftige Pogrome an
  • Wählen Sie aus zahllosen Truppentypen mit jeweils spezifischen Agressions-, Tapferkeits-, Intelligenz- und Moralwerten, wie beispielsweise dem hirnlosen Hooligan (A:10, T:6, I:0, M:0), dem reizbaren Alkoholiker (A:8, T:10, I:3, M:2), dem globalisierungsfeindlichen Arbeitslosen (A:3, T:1, I:2, M:3), dem ahnungslosen Biedermann (A:0, T:0, I:3, M:1), dem beschwichtigenden Bürgermeister (A:0, T:2, I:4, M:3), dem brutalen Skinhead (A:10, T:1, I:1, M:-1) oder auch dem skrupellosen Führer (A:10, T:0, I:10, M:-99)
  • Erobern Sie mit diesen die heimische Scholle von den feindlichen Störenfrieden zurück und vertreiben Sie dazu alle Einheiten anderer (Haut)farben

Wenn die Häuser Ihrer Gegner heller brennen als deren Lichterketten, bevor aufgrund der nationalen Abschottung der Lebensstandard Ihrer Bürger unter ihr geistiges Niveau gefallen ist, haben Sie gewonnen und dürfen Ihren Namen im "Walhalla der Infamie" verewigen. Ein Spiel für echte Führerpersönlichkeiten!

(Systemvoraussetzungen: R-OS/TOC92 als Umgebung für das gesunde Volksempfinden, Intelligenz-inkompatibler Prozessor mit max. 1945KHz, 88GByte freier Speicherplatz für Vorurteile und Ressentiments, wahlweise Sütterlin- oder Runentastatur, Schäferhund statt Maus, Bildschirmauflösung ab 2,8 Promille egal, wegen extrem laut gebrüllter Hetzparolen Kopfhörer empfohlen, keine Schnittstellen zum Datenaustausch mit Fremdsystemen, unterstützt daher keinerlei internationale Standards gleich welcher Art)

Donnerstag, 16. August 2007

Das Herz schlägt rechts

Ich frage mich immer, wieso die meisten derjenigen, die sich hierzulande für links halten, mir irgendwie eher ziemlich reaktionär vorkommen. Jost Kaiser hat eine interessante Antwort darauf gefunden, die umso plausibler erscheint, je länger man darüber nachdenkt:

In Wahrheit ist "links" zu sein, nicht parteipolitisch definiert, sondern beschreibt die immer noch vorhandene antiwestliche Unterströmung in unserer Gesellschaft.

So traurig es ist, aber das trifft es wohl leider auf den Punkt. Was nicht heißen soll, daß es auf der Rechten besser wäre. Da erwartet man es ja nicht anders. Aber für die Linke und ihre einstmals fortschrittlichen Ideale ist es schon ein ganz schönes Armutszeugnis.

Dienstag, 07. August 2007

Stachelschweinbaum gefunden!

Ein weiteres Geheimnis aus der mysteriösen Geschichte der zweifellos besten Band, seit Menschen sich zusammensetzen, um Töne in Form von Melodien aneinanderzureihen, konnte vom bekannten Forscher Franklin D. Rosenfeld auf seiner letzten Südostasienexpedition endlich gelüftet werden:

Stachelschweinbaum

Und nein, die Antwort auf die Frage, um was es sich bei der angesprochenen Pflanze handeln könnte, heißt nicht Mozartstaude, Elvis Plant oder Beatles Shrub.

Dienstag, 10. Juli 2007

Chrr, de Zentralrat de Jodn!

Wer solche Texte sät...

Wenn ein deutscher Politiker vom ungeschriebenen Gesetz abweicht, Israel im Nahost-Konflikt als reines Opfer zu sehen, das an der hoffnungslosen Situation in den Palästinensergebieten und an den Spannungen zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten nicht einmal eine Teilschuld trägt, so muss sich dieser Politiker auf eine geharnischte Breitseite des Zentralrates der Juden einstellen. Wer völkerrechtswidrige Handlungen als solche bezeichnet, muss damit rechnen, antiisraelische Reflexe und moralische und inhaltliche Defizite unterstellt zu bekommen. Der Zentralrat der Juden in Deutschland vertritt stets eine Linie, die der Politik Israels gegenüber durch Nibelungentreue gekennzeichnet ist und sich jegliche fundierte Kritik von außen verbietet. Seine Beschuldigungen wirken oft inflationär undifferenziert.

...und sie mit solchen Worten düngt...

-> Kritik an Israel in der Politik

Oh ja - es gibt einige wenige Politiker, die idT Kritik üben. So z.B. Frau Wieczorek-Zeul - ich muss wohl nicht erwähnen, wie so etwas ausgeht? Nur laut poltern, dann kommt die Schere im Kopf von ganz alleine.

...darf sich nicht wundern, wenn er solche...

Es ist in allen wesentlichen deutschen Medien verboten, überhaupt nur den Begriff “Zentralrat der Juden” in einem Posting zu erwähnen, so im SPIEGEL-Forum, in der WELT, in der FAZ und auch in der SZ.

[...] Der Zentralrat der Juden ist eine vom deutschen Steuerzahler finanzierte Einrichtung, die eigentlich nur Hass schürt.

[...] Frau Knobloch macht auch in Reden deutlich, daß Deutschland außer seiner Zahlfunktion für sie keinen Wert hat:

...und solche Kommentare erntet:

Einen Tag nach dem Feuilleton durch Wolffsohn kam das Feuilleton im Deutschlandradio von Alan Posener, der sich beschwert hatte, dass Israel keine Lobby in Deutschland hätte.. Dabei war an drei Tagen hintereinander im Deutschlandradio das Feuilleton von inoffiziellen Israel-Lobbyisten gefüllt!

Natürlich kann man Israel kritisieren, aber man erreicht ziemlich schnell die Grenze dessen, was Medien ausstrahlen und der Gegenwind ist nicht nur scharf, sondern auch verdammt kalt!

Andererseits, was soll man auch von jemandem erwarten, der Lektüre wie Arne Hoffmanns "Warum Hohmann geht und Friedman bleibt" empfiehlt und Hardcore-Israelhasser wie Jörg Sutter zu seinen Fans rechnen darf. Und der Erfolg gibt ihm und seiner Geistesverwandschaft wie Marcel Bartels oder DaRockwilda ja schließlich recht. Mit dieser Masche schafft man es in Deutschland eben immer noch problemlos in die Liste der meistverlinkten Blogs.

Freitag, 29. Juni 2007

Das Wort zum Freitag

Auch auf die Gefahr hin, daß ich mir damit keine Freunde mache, aber in meinem unwiderstehlichen Drang, gegen den Strom zu schwimmen, bin ich inzwischen in Köln-Ehrenfeld angekommen. Da planen sie bekanntlich eine etwas größere Moschee, und das stößt offenbar den meisten Menschen sauer auf. Schade eigentlich, denn wenn ich mir die Bilder des Entwurfs so anschaue, dann kann ich nur sagen "Hut ab! Das ist ja mal was. Warum nicht öfter so?" Führt man sich nämlich vor Augen, wie häßlich hierzulande oft gebaut wird, ohne daß sich eine Bürgerinitiative oder auch nur das ästhetische Empfinden dagegen wendet, dann ist man geneigt, voller Ehrfurcht auf die Knie zu fallen, auch ohne dafür vorher zum Islam konvertiert zu sein.

Denn das, was der Architekt Paul Böhm da auf die Beine bzw. die Stahlträger gestellt hat, ist ohne protzig zu sein wirklich eine beeindruckende Synthese aus klassischen Elementen und der Moderne. Das ist schlicht, aber doch richtig hübsch, und wenn man hört, daß jetzt wieder daran herumgedoktert werden soll, um die Minarette zu verstümmeln, dann könnte man heulen. So ein Prachtbau als Wahrzeichen würde den meisten Städten zur Ehre gereichen, doch statt darauf stolz zu sein, sind die Ehrenfelder dagegen. Nun könnte man das vielleicht noch verstehen, wenn sie dafür halbwegs vernünftige Gründe hätten, aber schaut man sich die einzelnen gegen den Moscheebau vorgebrachten Argumente an, dann wirkt keins davon wirklich überzeugend, im Gegenteil:

1. Die Moschee zerstört gewachsene Strukturen

Dieses Argument hat man so ähnlich, oder besser gesagt genauso, schon von den Gegnern der McDonalds-Filiale in Berlin-Kreuzberg gehört. Und damit ist es auch genauso idiotisch. Wir leben in einem - zumindest rudimentären - Kapitalismus, und da sollte es einem Eigentümer schon noch erlaubt sein, in einem gewissen Rahmen über sein Eigentum zu verfügen, ohne erst die Nachbarn um ihr Einverständnis zu fragen. Und wenn damit eine vorhandene Nachfrage nach einem Gut oder einer Dienstleistung befriedigt wird und sich das Konzept somit durchsetzt, dann ist eben genau das die gewachsene Struktur, die es zu schützen gilt, und nicht der zweifelhafte Versuch, selbiges zu verhindern. Solange die Religionsfreiheit der Gewerbefreiheit nicht nachgeordnet wird, ist das Bereitstellen eines Platzes für die Religionsausübung jedenfalls genauso zulässig wie einer für die Nahrungsaufnahme.

2. Die Moschee verschandelt das Stadtbild

Ohne Euch zu nahe treten zu wollen, liebe Ehrenfelder, aber das ist ja wohl ein Witz! Ich würde sagen, jetzt lachen wir da alle mal gemeinsam drüber und dann vergessen wir das ganz schnell wieder. Denn bei allem Respekt, aber so spektakulär ist diese Aussicht jetzt wirklich nicht, daß sie durch das eine oder andere Minarett großartig abgewertet würde. Im Gegenteil, diese Moschee wäre architektonisch mit Sicherheit ein Gewinn und könnte sogar zu einer Kölner Attraktion werden, die neben muslimischen Gläubigen auch eine Menge Touristen anderer Religionen anzieht. Und wenn die erst mal ihr Geld in all den neu entstehenden Geschäften in Ehrenfeld lassen, werden die im Sonnenuntergang glänzenden Minarette auch in den Augen vieler, die sie heute noch als Bedrohung empfinden, plötzlich wunderschön sein.

3. Die Moschee zieht kriminelles Gesindel an

Also in der geplanten Moschee werden sich vielleicht reaktionäre Patriarchen mit zugegeben nicht mehr ganz zeitgemäßen Vorstellungen von Traditionspflege und Familienehre ein Stelldichein geben, aber die schikanieren im allgemeinen eher ihre Angehörigen als ihre Nachbarn. Die immer wieder gerne angeführten türkischen Türsteher und arabischen Drogendealer hingegen dürften sich nun wirklich in den seltensten Fällen in eine Moschee verirren. Da müßte man eher gewisse Etablissements in Bahnhofsnähe schließen, und ob das allen Gegnern des Moscheebaus wirklich so recht wäre, wage ich mal zu bezweifeln. Denn wer weiß, ob man in den einschlägigen Lokalen nicht auch den einen oder anderen Ehrenmann wiedertreffen würde, der in der Bürgerinitiative noch lautstark gegen seine dortigen Zimmernachbarn gewettert hat. Also laßt mal die Kirche bzw. Moschee im Dorf.

4. Die Moschee begünstigt terroristische Umtriebe

Das ist das vielleicht dümmste Argument, denn es ist eher eins für als gegen die Moschee. Mal ganz davon abgesehen, daß sich die Terroristen und ihre Einpeitscher hierzulande nicht gerade darum bemühen, im Rampenlicht zu stehen, wäre es selbst dann, wenn sie sich in aller Öffentlichkeit zur freitäglichen Haßpredigt zu treffen, gerade aus Sicherheitsgründen vorteilhaft, wenn sie sich zu diesem Zweck auf einen einzigen Ort einigen könnten. Dann kann man sie nämlich nicht nur mit weniger Personal überwachen (so viele Arabisten hat der Verfassungsschutz dann doch nicht), man läuft in einer Menschenmenge von mehreren hundert oder tausend Menschen auch deutlich weniger Gefahr entdeckt zu werden (zumindest so lange man auf Schlapphut und Trenchcoat verzichtet) als in einer Hinterhofgarage, wo sich die anderen alle persönlich kennen.

5. Die Moschee belästigt die Anwohner

Dieser Kritikpunkt ist im Prinzip der einzige, welcher tatsächlich ernst genommen werde muß, denn es geht natürlich nicht an, daß die Anwohner wegen eines Großprojekts in ihrer Nähe selber keine Parkplätze mehr kriegen. Nur, das sind Bedenken, die auch dann gelten, wenn dort ein neuer Karstadt hingesetzt werden würde. Und was macht man dann? Richtig, man baut ein Parkhaus. Genauso verhält es sich mit dem gefürchteten Muezzin. Der darf natürlich genauso wenig zu nachtschlafender Zeit rufen wie man morgens um 5 von Glockengeläut geweckt werden möchte. Auch für Religionsgemeinschaften gibt es schließlich kein Grundrecht auf Ruhestörung. Wenn es aber schon so spät ist, daß sogar die Bauarbeiter ihre Preßlufthämmer anwerfen dürfen, gibt es keine Berechtigung, Don Camillo zu verweigern, vom Kirchturm aus Peppone zu ärgern.

Wenn also gewisse Auflagen hinsichtlich Infrastruktur und Ruhezeiten durchgesetzt werden, gibt es wie gesagt keinen vernünftigen Grund, den Moscheebau mehr abzulehnen als beispielsweise den einer Kirche, eines Kaufhauses oder eines Schnellrestaurants. Gleichzeitig spricht sogar einiges für den Bau. Vielleicht sollten die Deutschen, die in allem Neuen immer erst mal nur die Risiken und Gefahren sehen, etwas amerikanischer werden. Dort sieht man nämlich vor allem die Chancen und Vorteile, was sich unterm Strich nicht nur in einem höheren Lebensstandard, sondern auch in größerer subjektiver Zufriedenheit niederschlägt. Und bei der Toleranz gegenüber "den anderen" können sich die Deutschen offenbar auch einiges von ihnen abgucken. Also, liebe Ehrenfelder, weckt den Amerikaner in Euch!

In der Hoffnung, wenigstens einige Moscheegegner überzeugt zu haben, würde mich jetzt natürlich interessieren, ob meine Argumente wirklich verfangen haben oder nicht. Deswegen hier die Freitagsfrage:

Montag, 25. Juni 2007

Broder in Hochform!

Der Beweis, daß im Kulturteil des SPIEGEL auch mal was interessantes stehen kann:

Wer heute die Werte der Aufklärung verteidigen will, der muss intolerant sein, der muss Grenzen ziehen und darauf bestehen, dass sie nicht überschritten werden. Der darf "Ehrenmorde" und andere Kleinigkeiten nicht mit dem "kulturellen Hintergrund" der Täter verklären und den Tugendterror religiöser Fanatiker, die Sechzehnjährige wegen unkeuschen Lebenswandels hängen, nicht zur Privatangelegenheit einer anderen Rechtskultur degradieren, die man respektieren müsse, weil es inzwischen als unfein gilt, die Tatsache anzusprechen, dass nicht alle Kulturen gleich und gleichwertig sind.

Unbedingt lesen!

Mittwoch, 20. Juni 2007

Islamhasser auf Abwegen

Wie nicht anders zu erwarten, wird der Kampf gegen die geplante Moschee in Köln-Ehrenfeld auch von diversen rechtskonservativen Bloggern unterstützt. Diese wehren sich jedoch vehement gegen derartige Etiketten, mit denen sie ihrer Meinung nach zu Unrecht in die rechte Ecke gedrückt werden sollen.

Nun sollte man sicher Verständnis für ihren Wunsch haben, als Moscheegegner nicht gleich als rechtsradikal abgestempelt zu werden, zumindest in dem Maße, wie sie selber darauf verzichten, Moscheebefürworter als linke Spinner, naive Gutmenschen, rot-grüne Multikultiträumer oder Dhimmis zu beschimpfen. Was aber nicht nachzuvollziehen ist, ist, wieso sie, wenn sie doch so viel Wert drauf legen, nicht mit den bösen Rechten in einen Topf geworfen zu werden, offenbar alle Hebel in Bewegung setzen, um eben jene, mit denen man angeblich nichts zu tun haben möchte, zu verharmlosen oder gar ausdrücklich zu loben.

Denn um nichts anderes handelt es sich, wenn man beispielsweise "Pro-Köln" und deren Obermotz Manfred Rouhs vor dem Vorwurf des Rechtsradikalismus in Schutz nimmt, so als ob alles nur am propagandistischen Mißbrauch jener ominösen Fotos liegt, auf dem dieser mit dem Neonazi Axel Reitz zu sehen ist. Zugegeben, selbiger taucht öfter mal auf Fotos anderer Leute auf, ohne daß die Betreffenden immer wissen, wer der adrett gekeidete junge Mann da neben ihnen ist, aber in diesem speziellen Fall hat Reitz selbst die Sache doch ein wenig anders in Erinnerung als der von Erinnerungslücken geplagte Rouhs. Wobei die ganze Zielrichtung dieser Argumentation schon fehl geht, denn es ist noch lange nicht raus, welcher von den beiden Kameraden sich da für wen schämen sollte. Reitz war damals gerade 16 und trat später sogar als (An)führer einer ganz "speziellen" Variante der Antiirakkriegsbewegung in Erscheinung.

Rouhs hingegen ist nicht das unschuldige Opfer, bei dem immer nur gerade dummerweise die falschen Leute durchs Bild laufen. Und damit sind jetzt gar nicht mal die guten Beziehungen von "Pro Köln" zu den einschlägig Bekannten wie der österreichischen FPÖ oder dem belgischen "Vlaams Belang" gemeint. Denn Rouhs politischer Werdegang ist nicht der eines harmlosen konservativen Biedermann(i)s, der in der Jugend vielleicht mal ein paar Dummheiten gemacht hat, für die er sich heute schämt, sondern sozusagen ein Best Of Rechtsradikal, welches wohl nur die wenigsten Größen der Szene vorweisen können. Vor "Pro Köln" führte ihn sein gesellschaftliches Engament nämlich nicht, wie man nach der Lektüre von Kewils Text annehmen möchte, über Pfadfinder, Heilsarmee und Arbeiterwohlfahrt, sondern über NPD, "Republikaner" und die "Deutsche Liga für Volk und Heimat". Wenn das nicht rechts ist, was dann?

Nicht viel besser ist der rührende Versuch, Marylin Anderegg, die Sprecherin der örtlichen Bürgerinitiative, in einer oberschrägen Lobhudelei zur Jeanne d'Arc der entrechteten Ehrenfelder hochzustilisieren. Denn auch unsere Populistin der Herzen ist als ehemalige Kandidatin der "Republikaner" kein unbeschriebenes Blatt. Was die selbst für PI-Verhältnisse auffällig zahlreichen Kommentatoren aber nicht hindert, derlei politische Nebensächlichkeiten auszublenden und - offenbar von Frau Andereggs schönen Augen geblendet - so begeistert daherzusäfteln, daß es selbst Franz Schönhuber vermutlich ziemlich peinlich wäre.

Also, liebe Bloggerkollegen, wenn Ihr nur halb so konservativ seid, wie Ihr tut, und möchtet, daß Euch die CDU wieder lieb hat, dann distanziert Euch endlich klar und deutlich von diesem Rechtsaußen-Konglomerat im Pro-Köln-Dunstkreis. Ansonsten dürft ihr auch nicht weinen, daß man Euch nicht gerade links nennt.

Freitag, 08. Juni 2007

Stell Dir vor, man spielt Krieg, und jeder geht hin

Heiligendamm - Am Sicherheitszaun um den Tagungsort wurden Demonstranten am Nachmittag um etwa 50 Meter von der Polizei zurückgedrängt. An der belagerten Kontrollstelle an der Galopprennbahn hatte die Polizei alle Protestler zunächst aufgefordert, sich zurückziehen.

[...] Die Organisatoren der Blockaden werteten ihre Aktionen als "großen Erfolg". "Wir haben zwei Zufahrtsstraßen zum G-8-Gipfel erfolgreich eingenommen. Damit sind wir sehr zufrieden", sagte Christoph Kleine von der Gruppe Block G-8.

Nach seinen Angaben haben etwa 5000 bis 6000 Personen aus dem Camp Reddelich eine Zufahrtsstraße zwischen Bad Doberan und Heiligendamm blockiert. Rund 3000 weitere seien aus dem Camp Rostock in das zwei Kilometer entfernte Börgerende gezogen und hätten dort ebenfalls eine Straße blockiert.

[...] Den Demonstranten war ein Überraschungscoup gelungen, um die Polizeisperren zu umgehen. Wie auf Kommando stürmten Tausende G-8-Gipfelgegner auf den Sicherheitszaun zu, der den Tagungsort Heiligendamm vor den Demonstranten schützen sollte. Bei Reddelich drangen Tausende bis unmittelbar an den Zaun vor. Einige Demonstranten blockierten die Gleise der sogenannten Molli-Bahn zwischen Bad Doberan und Heiligendamm, die Journalisten zum Gipfel transportieren sollte.

Zur gleichen Zeit ging die Polizei wenige Kilometer entfernt mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Anti-G-8- Demonstranten vor. Sie hatten östlich von Heiligendamm versucht, eine Zufahrtsstraße zu erreichen.

[...] Die seit mehreren Tagen trainierte Aktion zur Umgehung der Polizeisperren verlief nach dem sogenannten Fünf-Finger-System. Die G-8-Gegner teilten sich also in fünf Gruppen auf, die sich getrennt auf den Weg machten - zunächst auf der Bundesstraße 105 nach Bad Doberan, aber auch durch Wälder und Rapsfelder, um die Polizei zu umgehen.

Kurz nach Aufbruch vom Camp hatten sie rund 50 Polizisten gegenübergestanden, die die Straße abriegelten. Daraufhin rannten die Demonstranten in einen angrenzenden Wald. Auf der anderen Seite des Forstes hinderten sie Polizeiautos kurzzeitig an der Verfolgung, indem sie große Äste auf die Straße warfen.

Also ich kann mir nicht helfen, aber wenn man so liest, wie da belagert, vorgedrungen, gestürmt, zurückgezogen und um jeden Meter gekämpft wird, wie Straßen eingenommen bzw. abgeriegelt, Gleise blockiert oder Sperren umgangen werden, und das bei Bedarf auf Kommando mit vorher trainierten Aktionen und in systematisch aufgeteilten Gruppen, dann bekommt man schon irgendwie den Eindruck, den Deutschen fehlt mal wieder ein richtiger Krieg. Zumindest scheinen da einige Leute nicht drüber wegzukommen, daß sie zu alt für die katholischen Pfadfinder sind.

Aber immerhin wissen wir jetzt, wie man sich im alternativ-pazifistisch angehauchten Milieu politisch korrekt die Zeit vertreibt: Statt sich moralisch fragwürdig mit Gotcha!-Farbkugeln einzusauen oder bei Counterstrike wenigstens zur virtuellen Kalaschnikow zu greifen, tut es hier die traditionelle Schnitzeljagd kombiniert mit Elementen von Räuber & Gendarm. Denn auch ein friedlicher Demonstrant will sich ja nur wegen dem Verzicht auf Wurfgeschosse nicht gleich um jede Action bringen. Aber seid brav um 7 wieder zu Hause, sonst geht's ohne Abendbrot ins Bett.

Und jetzt die Werbung...

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