Pack schlägt sich, Pack verlink(s)t sich
So wie es ausieht, rasselt der Weltgeist jetzt also auf Panzerketten durch die Wüste. Immerhin ein kleiner Fortschritt, mußte er früher doch zu Fuß durch das Hochland Boliviens stapfen. Da hat's die Aufklärung heutzutage nicht nur bequemer, bei den Arabern scheint auch öfter die Sonne.
Als hier kürzlich der Anton aus Tirol besprochen wurde, zeigte Paul der Dreizehnte, auch als Napauleon und Sauerkraut-Paul bekannt, sich ziemlich indigniert,
Indigniert ist vielleicht ein bißchen stark. Sagen wir mal mißverstanden.
weil sein panzerverziertes Blog als militaristisch verstanden wurde,
Also wenn es militaristisch wäre, würde man hier ganz andere Sachen als nur einen Panzer der Weltbefreiungsfront finden. Hier wird ja nicht mal richtig (aus)geräuchert. Sonst gäbe es bei einem Blog mit dem Titel "No Blood for Sauerkraut!" vermutlich mehr Bilder in dieser Art (Vorsicht, Satire!):
(Artwork: Mein treuer Gehilfe IGor, frei nach einer legendären Idee des Don ;-)
und betonte sinngemäß, er sei liberal eingestellt, und zwar keiner jener Liberalen, die die Abschaffung des Sozialstaats wollten.
Also bevor's da ein Mißverständnis gibt und meine liberalen Freunde nicht mehr mit mir spielen wollen: Nein, ich will natürlich keine überbordende Sozialbürokratie, die für die Menschen denkt und immer besser weiß, was gut für sie ist, als die Betroffenen selbst. Wie sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte (das Publikum verdreht bei diesem Thema vermutlich schon genervt die Augen), will ich den Sozialstaat in Form einer einheitlichen finanziellen Grundsicherung - ergänzt vielleicht um die Bereiche Bildung und Gesundheit - auf eine effiziente Basisversorgung reduziert sehen.
Das würde dann natürlich zugegeben auf eine Art Minimalkommunismus rauslaufen (jaja, wir NeoCons, können unsere roten Wurzeln einfach nicht verleugnen). Aber auch nur, damit der Kapitalismus darüber hinaus dann mal so richtig aufdrehen und unbeschwert zeigen kann, was in ihm steckt, wenn man ihn nur läßt (da kommt dann wieder die neoliberale Heuschrecke in mir durch).
Den Panzer auf seinem Blog habe er nur gewählt, weil da was Lustiges, satirisch-ironisches draufstünde. Ich muss ja gestehen, dass ich gar keinen Schriftzug darauf bemerkt hatte, sondern nur bemerkt, dass das ein M1 A1 Abrams war,
Also bei dem A1 würde ich mich jetzt nur ungern festlegen wollen (ich als Laie hätte ja persönlich eher auf den M1A2 getippt), aber ansonsten nicht schlecht, Respekt! Ich hätte gedacht, daß man in diesen Kreisen gerade mal den T-55 vom T-72 unterscheiden kann. So kann man sich täuschen.
aber eine Vergrößerung zeigte es: Dort steht geschrieben: Today Baghdad, tomorrow Paris!
Soso, das ist also lustig.
Also ich könnt' mich kugeln. Gut, wahrscheinlich ist das nix für echte Deutsche, wenn gerade kein (Luftschutz)keller da ist, in den sie sich zum Lachen zurückziehen können, aber ich find's einfach genial. Einer der besten Polit-Jokes die ich kenne. Die verantwortlichen GIs hätten den Humornobelpreis 2003 kriegen sollen.
Nun denn, wenn man die Hysterie bedenkt, die in den US and A wegen der Weigerung Frankreichs an einer Teilnahme am Irakkrieg herrschte - Pommes wurden von French Fries in Freedom Fries umbenannt - dann würde ich das weniger humorig sehen.
Also das fand ich ehrlich gesagt ebenfalls saukomisch. Ich hab die Pommes danach sogar manchmal explizit so bestellt, was mir in der Regel aber nur verständnislose Blicke statt acrylamidhaltiger Formkartoffeln einbrachte. Ich denke, ich sollte vielleicht einfach noch mal meinen Stammbaum durchforsten. Hab vielleicht doch irgendwelche verdächtigen angloamerikanischen Gene, die meiner Mutter bei der Ahnenforschung entgangen sind.
Aber bitteschön, absurder Humor ist bei mir immer willkommen, und man kann das ja auch umdrehen. Wissen die Prowestlichen eigentlich, dass die Linke die Invasion der USA plant?
Was heißt hier plant? Sie hat bereits die Macht übernommen! Und der Oberrevoluzzer heißt George W. Bush. Derzeit führt sie allerdings eine erbitterte Abwehrschlacht gegen die Invasion der konservativen Realpolitiker, die wieder aus ihren Löchern gekrochen kommen. Das State Department haben diese Schurken bereits gestürmt. Das wird noch verdammt hart.
Die Woodstock-Legende Joe Cocker singt das seit Jahren, und ich weiß von britischen Trotzkisten und Anarchisten, dass sie das richtig geil finden:
Das würde einiges erklären. Den NeoCons sagt man ja ohnehin gerne nach, daß sie verkappte Trotzkisten seien.
[...] first we take manhattan
then we take berlin
Nicht ganz so gut wie "Today Baghdad, tomorrow Paris!", aber es entlockt mir doch zumindest ein Schmunzeln, obwohl ich als alter Proggie von der dazugehörigen Musik jetzt nicht wirklich viel halte.
Müsste man da nicht aufmerksam werden? Wenn der Flugzeugträger der Störtebeker-Klasse “Ulrike Meinhof” vor New York aufkreuzt, ist es zu spät! Die Dienste schlafen!
Lustiger Zufall! Derselbe Gag wartet in einem seit Monaten in der NBFS-Warteschleife dümpelnden längeren Traktat über die Linke und Amerika auf seinen letzten Feinschliff. Nur daß der Flugzeugträger bei mir "USS Che Guevara" (!) heißen sollte. Wir mögen als Trotzkist bzw. Tschekist zwar auf verschiedenen Seiten der Barrikade stehen, aber ich muß feststellen, daß wir offenbar ähnlicher ticken als uns beiden lieb sein kann. ;-) Da muß ich dann wohl mal aufrichtig Abbitte leisten und mich offiziell dafür entschuldigen, "Che's Warlog" in meiner Blogroll unter "Last Loonies Left" einsortiert zu haben.
Das wird selbstverständlich umgehend mit der lange überfälligen eigenen Rubrik für satisfaktionsfähige Blogs anderer Feldpostnummern und der daraus resultierenden besseren Gesellschaft wiedergutgemacht. Und den passenden Namen, um den hohen Erwartungen an eine echte Regimentswebsite gerecht zu werden, hab ich auch schon: "Viel Feind, viel Ehr" ;-)


Paul, was wir doch alles gemeinsam haben. ^^
Ich hoffe nur mein gerede über Marx hat mich nicht zu sehr diskridiert. Ich bin schließlich genauso a Neocon wie ihr, nur verleugnne ich meine linken Wurzeln nicht. ( Das tut hier eh keiner, ich weiß ;) ).
In diesem Sinne, spielt mit mir! :D
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Mittwoch, 05. September 2007 um 21:25 Uhr
@ Fünfte Internationale
Kein Problem, als alter Kibbutzveteran kann ich dem Kommunismus durchaus etwas abgewinne, so er denn auf freiwilliger Basis stattfindet. Und die "echten" NeoCons kommen teilweise von weiter links draußen, als wir beide zusammen es jemals sein werden.
Aber da Du gerade Marx und die NBFS-Spielwiese ansprichst, wo ist eigentlich Anton?
Kommentiert von: Paul13 | Donnerstag, 06. September 2007 um 06:34 Uhr
Hehe, ohja, Irving Kristol war z.b. Trotzkist, eine Karriere die es in sich hat. Ich würde NIE soweit gehen ( obwohl Trotzkis Theorie der permaneten Revolution auch was hat - in der Tat ), für mich ist Trotzki der Mörder der Rätedemokratie nach dem Kronstädter Aufstand. Aber da hatte Lenin ebenfalls ein Wörtchen mit zu reden. Ich halte es eher mit Adorno und Horkheimer ( und Benjamin im weiterem Sinne ). Deswegen ist Marx da wohl unumgänglich.
Apropos konservative Konterrevolution im State Department:
Spock: "Es gibt da ein altes vulkanisches Sprichwort: Nur Nixon konnte nach China gehen." ( Star Trek VI - Das unentdeckte Land ).
;)
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Donnerstag, 06. September 2007 um 12:38 Uhr
@FI: "Ich halte es eher mit Adorno und Horkheimer ( und Benjamin im weiterem Sinne ). Deswegen ist Marx da wohl unumgänglich."
So sieht's aus, ergänzend empfehle ich Grigat & Co.
BTW, der bewaffnete Arm der freien Welt hat seit geraumer Zeit auch (Gedenk-)Buttons. Eignen sich sehr gut, um diverse Leute zu ärgern:
http://www.rock-n-riot.de/archives/830
;)
Kommentiert von: corebert | Samstag, 08. September 2007 um 22:01 Uhr
Sowie die Redaktion Bahamas.
Und noch was, ich empfehle folgendes Interview: http://www.freie-radios.net/portal/streaming.php?id=17116
Schön unter sich zu sein, gelle. ;)
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Sonntag, 09. September 2007 um 07:15 Uhr
@ Fünfte Internationale
"Schön unter sich zu sein, gelle. ;)"
Bin zwar selbst kein Antideutscher, aber Du hast recht, der Widerstand scheint tatsächlich allmählich zusammenzubrechen. ;-)
Kommentiert von: Paul13 | Sonntag, 09. September 2007 um 12:35 Uhr
@ corebert
Der Button ist geil! Den brauch ich!!!
Kommentiert von: Paul13 | Sonntag, 09. September 2007 um 12:36 Uhr
@ Paul:
"Bin zwar selbst kein Antideutscher"
Mehr als Dir vllt. bewusst ist. ;) Es is ja auch kei schande, im Gegenteil... :)
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Sonntag, 09. September 2007 um 12:40 Uhr
@ Fünfte Internationale
Also ich hatte immer schon meine Probleme mit gewissen Eigenheiten meiner Landsleute und man warf mir schon antideutsche Tendenzen vor, als es den Begriff noch nicht mal gab, aber die Antideutschen übertreiben es mitunter doch ein wenig. In Sachen USA und Israel haben sie zwar unbestritten ihre Verdienste, aber die "Deutschland halt's Maul"-Sprüche fand ich genauso übertrieben wie die Angst vorm IV. Reich nach der Wiedervereinigung.
Kommentiert von: Paul13 | Sonntag, 09. September 2007 um 12:59 Uhr
Das mit dem IV. Reich, da würde ich Dir rechtgeben. Das mit dem "Dland, halts Maul!"... Mnjaaahh... teils Polemik ( Da hat Broder extremeres drauf ) Teils wenig verstandene Kritische Theorie ( Horkheimer sprach vom "Fortleben des Faschismus IN der Demokratie", also sprich teilweise als Personnelle Kontinuität und zum Teil als Fortleben der "deutschen Ideologie" wie es Marx so schön formulierte. ( Empfehle ich übrigens, die Schrift, da hat Marx seine volle analytische Schärfe noch. Was mit der Zeit allerdings immer weniger wird. ) Teils aber vollkommen korrekt. Wenn 56% der Deutschen meinen, Israel wäre die größte Bedrohung für den Weltfrieden, wenn man sich die Märsche von 2003 ansieht, die anti-G8 Proteste und den deutschen Alltag ( Mügeln, Lichtenhagen etc. ) ansieht... ;)
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Sonntag, 09. September 2007 um 13:41 Uhr
Und hey nebenbei, wenn man sowas liest, isses doch a Kompliment oda? :)
http://de.wikipedia.org/wiki/Antideutsche#Bejahung_des_Kapitalismus
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Sonntag, 09. September 2007 um 13:58 Uhr
@ Fünfte Internationale
Ich möchte sowas nur ungern genetisch festmachen. Dafür, daß man hier geboren ist kann man ja nichts. Und das mit den 56% stimmt zwar, aber das stimmt leider nicht nur hier, sondern in den meisten Ländern. Ich fürchte, daß Problem ist weit größer als nur ein teutonisches. Mein Lieblingsverteidigungsminister hat es mal mit den treffenden Worten "Altes Europa" zusammengefaßt.
Die Deutschen mit ihrem latenten Antiwestlertum sind sicher Teil des Problems, aber ehrlich gesagt nicht mal ein sonderlich relevantes. Und sie werden auch keins mehr. Als kritikloser Wurmfortsatz russischer Großmachtinteressen oder französischer Möchtegerngroßmachtinteressen sind sie meines Erachtens viel gefährlicher. Alleine geht von ihnen jedenfalls keine Gefahr mehr für den Weltfrieden aus.
Kommentiert von: Paul13 | Sonntag, 09. September 2007 um 16:28 Uhr
@ Fünfte Internationale
Was den Wikipedia-Link angeht, so hast Du natürlich recht. Da ist sicherlich ein Denkprozeß in Gang gekommen. Auch radikale Linke werden ja irgendwann erwachsen. Deswegen bin ich auch nicht anti-anti-deutsch und hab da anders als mach anderer keinerlei Berührungsängste. Weil der Ideologe, der mir das Ohr abschwätzt, muß erst noch geboren werden. Und solange ich mich mit ihnen in den wichtigen Dingen einig weiß, sind mir Differenzen bei den weniger wichtigen eigentlich relativ egal.
Kommentiert von: Paul13 | Sonntag, 09. September 2007 um 16:33 Uhr
"Ich möchte sowas nur ungern genetisch festmachen. Dafür, daß man hier geboren ist kann man ja nichts. Und das mit den 56% stimmt zwar, aber das stimmt leider nicht nur hier, sondern in den meisten Ländern. Ich fürchte, daß Problem ist weit größer als nur ein teutonisches. Mein Lieblingsverteidigungsminister hat es mal mit den treffenden Worten "Altes Europa" zusammengefaßt.
Die Deutschen mit ihrem latenten Antiwestlertum sind sicher Teil des Problems, aber ehrlich gesagt nicht mal ein sonderlich relevantes. Und sie werden auch keins mehr. Als kritikloser Wurmfortsatz russischer Großmachtinteressen oder französischer Möchtegerngroßmachtinteressen sind sie meines Erachtens viel gefährlicher. Alleine geht von ihnen jedenfalls keine Gefahr mehr für den Weltfrieden aus."
Hm... Ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der sich als antideutsch bezeichnet und die von dir angesprochenen Sachen als Argumente bringt. Sowas hör ich allerdings von Leuten, die Antideutsche nicht leiden können... ;) Stephan Grigat hat mal ganz gut zusammengefasst, worum es eigentlich geht bzw. gehen muss:
http://www.cafecritique.priv.at/antideutsch.html
Wegen den Buttons: E-Mail mit Adresse an mich und ein paar Tage warten. Das gilt übrigens auch für FI.
Kommentiert von: corebert | Sonntag, 09. September 2007 um 17:16 Uhr
@ Paul & friends
Liebe Leute,
wie der Alte Fritz sagte, es soll jeder nach seiner Facon selig werden und wenn es der ganz besondere Verfolgungswahn ist - meinetwegen. Aber findet ihr nicht, ihr übertreibt ein bischen? Unser Bush-Girl - um nicht weniger appetitliche Metaphern zu bemühen - Angie und ihre wackeren Ministerpräsidentlein und Sozi-Freunde als Führer der GGG-AWV (= ganz Geheimen Germanisch-Arischen Weltverschwörung)?
Man kann ja zur Wiedervereinigung stehen, wie man will. Aber ich kann mich noch gut an die armen Chaos-Propheten erinnern, die mir im Herbst 1990 angstschlotternd versicherten, das spätestens vier Wochen nach dem Abzug der letzten Alliierten die bundesdeutsche Wehrmacht wieder nach Osten marschieren würde, um die ukrainische "Kornkammer" zu befreien bzw. heim ins Reich zu holen. Offensichtlich hatten sie die Rentabilitätsstudien und Investment-Ratings des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft nicht gelesen.
Oder die Imperialismusexperten anti-deutscher Prägung (Elsässer & Co.), die mir 1998 prophezeiten, dass spätestens wenn die Reichkriegsflagge über Belgrad flattern würde, der Endkampf zwischen der Zivilisation und den teutschen Barbaren um die Ölquellen am Persischen Golf, in Sibirien, Alaska und auf dem Mond ausbrechen werde.
Richtig ist, dass die Westeuropäer angesichts der katastrophalen Ergebnisse der Bush´schen Außenpolitik heutzutage eher bereit sind, sich auf eine schrittweise Ausweitung der sicherheitspolitischen Kompetenzen für die EU einzulassen. Bis zu einer europäischen - von der NATO unabhängigen - Armee ist es allerdings noch ein weiter Weg.
Und selbst wenn es zu einer solchen und der damit verbundenen Neubestimmung des atlantischen Verhältnisses kommen sollte. Nur die ehrlich Paranoiden werden darin eine Neuauflage der faschistischen "Achse" aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts sehen. Nicht zuletzt, weil die Zeiten, in denen Europäer und Amerikaner über den Rest der Welt nach Gutdünken verfügen konnten, mittlerweile endgültig vorbei sind ...
mfG
Anton
Kommentiert von: anton | Sonntag, 09. September 2007 um 19:38 Uhr
@ Paul
Lies den Link den corebert gepostet hat um uns besser zu verstehen. Es scheint, Du hast wenig Ahnung von dem was wir sind - deine NATÜRLICHSTEN Verbündeten. :D
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Sonntag, 09. September 2007 um 19:56 Uhr
@FI
"Es scheint, Du hast wenig Ahnung von dem was wir sind"
Doch, ihr seid einfach noch nicht ganz trocken hinter den Ohren. Gääääähhhhhhn!
Gruß
Mikado
Kommentiert von: Mikado | Sonntag, 09. September 2007 um 20:17 Uhr
Ah komm. Ich sehe uns als Neocons der "alten" ;) :P Welt.
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Sonntag, 09. September 2007 um 20:19 Uhr
@ Fünfte Internationale
"Ich sehe uns als Neocons der "alten" ;) :P Welt."
Da ist in gewisser Weise sogar was dran. Im Prinzip retten sie ja die Ehre der radikalen Linken und ihrer Ideale. Das rechne ich ihnen hoch an.
Wobei ich die "Neuen Philosophen" in Frankreich allerdings als die europäischen Vorreiter sehen würde. Die sind vielleicht nicht ganz so radikal, aber dafür auch nicht auf Deutschland fixiert. Auf jeden Fall kommen sie aber aus einem ähnlichen Hintergrund, und haben den Kurswechsel sogar schon 20 Jahre früher hingekriegt.
Aber den Antideutschen kommt immerhin das Verdienst zu, ein entsprechendes Denken auch in Deutschland in den Diskurs der Linken eingeführt zu haben. Auch wenn ich mich dank GULag und Pol Pot selber immer eher als eisenharter Antikommunist verstanden habe, haben sie da meinen vollen Respekt.
Kommentiert von: Paul13 | Sonntag, 09. September 2007 um 23:10 Uhr
Ich kann dir nicht verübeln, dass Du wegen der obengenannten "Verdienste" des Marxismus diesen nicht ab kannst. Aber wie gesagt, wir sind weder Marxisten, noch Parteikommunisten oder utopische Sozialisten. Uli Krug formulierte mal unser Ziel als das "Minimalziel von Marx" nämlich:
"Die Sozialdemokratie hat sich damit zugleich am deutlichsten in ihrer Geschichte von dem Land entfernt, dessen Verhältnisse Marx und auch Engels vielfach – zuletzt in dessen „Kritik des Gothaer Programms“ – anstatt des idiotischen „freien Volksstaates“ als Minimalziel angemahnt hatten: die Vereinigten Staaten von Amerika. "
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Montag, 10. September 2007 um 12:23 Uhr
Verstehs Du? Eine globale Pax Americana, als GRUNDVORRAUSSETZUNG der Einigung der gesamten Spezies aus FREIEN Stücken heraus. Was dann geschehen soll, da mag ich mit corebert eher auseinander gehen. Ich halte nämlich staatliche Strukturen und Geld für notwendig, bin also kein VOLLanarchist.
Kommentiert von: Fünfte Internationale | Montag, 10. September 2007 um 13:25 Uhr
@ Fünfte Internationale
In dem Punkt sind wir sicher einig. Denn was immer man für eine Welt will, so lange sie zivilisiert, frei und demokratisch ist (und eine andere wäre gar nicht wünschenswert) muß man als Linker wie als Rechter - und die Mitte sowieso - für eine Pax Americana eintreten. Wie man die Welt nach ihrer Rettung dann ausgestaltet, das muß man dann sehen.
Kommentiert von: Paul13 | Montag, 10. September 2007 um 13:32 Uhr
@Paul: "Wie man die Welt nach ihrer Rettung dann ausgestaltet, das muß man dann sehen."
Bingo. Das unterschreibe ich so. Und gleich zwei schöne Zitate hinter:
"And communists, who detest propaganda, should refuse to deliver too detailed descriptions of a possible communist society. Not because one could not imagine a society beyond the utilization imperative of capital and the domination imperative of the state, but rather because of the simple reason that people should talk about and criticise the existing reality in the first place. People who are only interested in how the bananas will come to Europe and who will remove the dirt from the streets in communism - questions which appear to be rather strange, by the way, in view of the fact that approximately two thirds of humanity live in misery - those people don't find fault with the existing system anyway. But criticizing the existing also basically implies, how it should be instead: Communism is not about a dictatorship of people over people, but rather about a dictatorship of the will and the wishes of people over the objective-material conditions of their existence." (Grigat)
"Die freie Assoziation der Einzelnen ist das Gegenbild zur unfreien Assoziation der Einzelnen, die die bürgerliche Gesellschaft in ihrer Verfallsform darstellt. Ohne die wie immer beschränkte Individualisierung jedoch, die, wie bei Marx unschwer nachzulesen ist, den historischen Gebrauchswert des Kapitals wesentlich ausmacht, mündet der Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft mit eherner Notwendigkeit in die unbewußte oder bewußt angeeignete Vorwegnahme ihrer eigenen Verfallsformen, in die bewußte Einebnung der Emanzipation und damit die Verewigung der Vorgeschichte, in die unfreie Assoziation minus Individuum." (Text zur Antideutschen kommunistischen Konferenz 2003)
Also, ohne Pax Americana keinen Kommunismus (auch wenn mich manche für so eine Aussage sicherlich schlagen würden). Und Antikommunismus würde ich nicht über Gegnerschaft zu Pol Pot & Co. definieren, sondern eher über den Umgang mit wirklich emanzipatorischen Ideen. Von daher versteh ich es auch auch nicht, dass du dich immer als Antikommunist bezeichnest. Du hasst "uns" ja schließlich nicht. ;)
@FI: "Was dann geschehen soll, da mag ich mit corebert eher auseinander gehen. Ich halte nämlich staatliche Strukturen und Geld für notwendig, bin also kein VOLLanarchist."
Also ein Anarchist bin ich auch nicht ;) Ich hab's nicht (mehr) so mit "Geld abschaffen, denn mit Äquivalententausch wird alles gut", warum kann man sich ja wohl vorstellen. Da die Produktionsverhältnisse die Menschen durch die von ihnen produzierten Waren (bzw. deren Wert, den sie sowohl beim Geld als auch beim Äquivalententausch haben), von einander abhängig macht und so die wirklich freie Assoziation behindern, müssen sie über kurz oder lang abgeschafft werden. Wie und was dann kommt, wird man ja dann sehen...
Lesetipp: KOMMUNISMUS - kleine geschichte, wie endlich alles anders wird von Bini Adamczak, zum anhören hier klicken:
http://riotpropa.blogsport.de/2006/08/30/50/
Kommentiert von: corebert | Dienstag, 11. September 2007 um 04:19 Uhr