Wem die Stunde (auf den Hinterkopf) schlägt
Die Bürger Venezuelas müssen künftig wohl früher aufstehen: Präsident Hugo Chávez plant, die Uhren in seinem Land eine halbe Stunde vorzustellen. Die Umstellung soll den Stoffwechsel ankurbeln und damit der Arbeitskraft zugute kommen.
Caracas - Das ganze Land solle früher auf die Beine kommen, wünscht sich der Präsident. Es gehe bei der Maßnahme um die Auswirkungen auf den Stoffwechsel, erläuterte Staatschef Hugo Chavez in einer siebenstündigen Sendung seiner Fernsehshow "Hallo Präsident". Das menschliche Gehirn werde durch Sonnenlicht beeinflusst.
Dieses Eindrucks kann man sich tatsächlich nur schwer erwehren. Da war wohl jemand zu lange an der Sonne. Und wenn er demnächst versucht, die Sonne gleich direkt auf sieben Uhr morgens zu stellen, wissen wir, daß er dabei auch zu lange NDW gehört hat. Aber selbst wenn nicht, die diesbezüglich ohnehin schon beeindruckende Geschichte des Sozialismus ist hiermit jedenfalls wieder um eine ulkige Idee zur Produktionssteigerung reicher. Und die europäischen Chavez-Fans stehen wieder ein kleines bißchen dümmer da. Mal sehen, wie lange sie sich die Albernheiten ihres Vorzeigeclowns noch unwidersprochen gefallen lassen. Obwohl, wenn Lafontaine demnächst an der Atomuhr rumspielt, überrascht mich das auch nicht mehr.
In der TV-Sendung griff Chavez zudem die USA scharf an. Er warf der Regierung Bush vor, in den Streitkräften seines Landes Verschwörer für einen Putsch anwerben zu wollen. Damit solle eine von ihm in der vergangenen Woche vorgestellte Verfassungsreform unterlaufen werden. "Die Verschwörung hat bereits begonnen", sagte Chavez in seiner wöchentlichen Sendung. "Die Botschaften zirkulieren in den Kasernen. Die Hand (des US-Geheimdienstes) CIA, das Imperium, steckt dahinter. Sie versuchen einen Putsch."
Wozu denn noch putschen? Nach Chavez' neuestem Geniestreich muß sich die NSA ja nur noch in die venezolanischen Zeitserver einhacken und die Uhren dort auf Mitternacht stellen. Denn nach dieser konsequenten Weiterentwicklung marxistisch-leninistischen Denkens zum zeitgesteuerten Sozialismus dürfte die venezolanische Wirtschaft dann eigentlich binnen Tagen krachend zusammenbrechen. Und Chavez müßte hoffen, nicht von den empörten Landsleuten an der nächsten Kirchturmuhr aufgeknüpft zu werden. Das kommt eben davon, wenn man selber nicht mehr richtig tickt und zur eigenen Kalibrierung den Kopf in eine laufende Standuhr steckt, nur weil man meint, der eigene Dickschädel sei stärker als ein gußeisernes Pendel.
@ Paul
Also Uhren eine halbe Stunde vorstellen ist doch harmlos. Warum verzichtet Chavez bisher auf die revolutionäre Einführung des 32-Stundentages bei gleichzeitiger Festlegung von 16 Stunden Arbeitszeit? Oder wie ein altes chinesisches Sprichwort sagt: "Wenn dir 24 Stunden nicht reichen, dann nimm doch einfach die Nacht dazu!"
Kommentiert von: Chewey | Montag, 20. August 2007 at 12:44 Uhr
@ Paul
Also Uhren eine halbe Stunde vorstellen ist doch harmlos. Warum verzichtet Chavez bisher auf die revolutionäre Einführung des 32-Stundentages bei gleichzeitiger Festlegung von 16 Stunden Arbeitszeit? Oder wie ein altes chinesisches Sprichwort sagt: "Wenn dir 24 Stunden nicht reichen, dann nimm doch einfach die Nacht dazu!"
Kommentiert von: Chewey | Montag, 20. August 2007 at 12:45 Uhr
Der Chavez hat halt einer völkerrechtlichen Präventivbonus bei den proiranischen und antisemitischen Kriegstreibern und Postsozialisten in Europa, und den nutzt er gnadenlos. Wenn er sein Land heruntergewirtschaftet hat wie Mugabe in Zimbabwe, gibt es halt wieder viel zu ver- und beschweigen bei AI und ein Haufen Hilfsgelder zu bewegen bei anderen, am Steuertropf hängenden NGO's. Und das kann dauern.
Kommentiert von: alibaba | Montag, 20. August 2007 at 18:22 Uhr
Ich teile ja Deine Meinung über "Allo Presidente", aber so dumm ist das ganze gar nicht:
Venezuela liegt zwischen 60 und 71° westlicher Länge, dass bedeutet eine reale Zeitverschiebung zu Greenwich von 4,0 bis 4,7 h. Der Ansatz, die Landeszeit in einem X,5h Abstand von UTC zu wählen, hat z.B. auch Indien gemacht. Nepal hat sogar Zulu+5:45h
Spanien liegt größtenteils westlich von Greenwich, im Baskenland unterscheidet sich im Sommer die Uhrzeit von der "Sonnenzeit" um 2,5 Stunden, also Sonnenhöchststand um 14:30.(Wahrscheinlich tragen die den Engländern noch die Armadaversenkung nach und wollen nicht mit denen in eine Zeitzone)
Ob der gute Presidente die erhoffte Produktivitätssteigerung aber irgendwo messen kann, wage ich zu bezweifeln.
Sonst müsste ja bei uns im Sommer die Produktivtät zugehen, also unabhängig von dem Faktor "Urlaubszeit".
Kommentiert von: Nobody | Montag, 20. August 2007 at 21:33 Uhr
Bei allen sonstigen Meinungsverschiedenheiten: Paul, der ist dir gelungen! Der letzte Satz taugt zum Klassiker.
Kommentiert von: Bruno | Dienstag, 21. August 2007 at 18:40 Uhr