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« April 2007 | Start | Juni 2007 »

24 Artikel von Mai 2007

Donnerstag, 31. Mai 2007

Studie: Am friedlichsten lebt es sich weltweit in Norwegen

Norwegen ist einer Studie zufolge das friedlichste Land der Welt - der Irak rangiert auf dem letzten Platz. Deutschland liegt auf Position zwölf der Liste.

Na, da hat der SPIEGEL aber nun wirklich die dümmste "Studie" aufgetrieben, die seit den Lancet-Phantasiezahlen zu den Opfern des Irakkriegs und Amnesty Internationals Propagandapamphlet über den "größten GULag unserer Zeit" auf dem freien Markt der Desinformation zu haben war. Vielleicht sollten die Redakteure das nächste Mal wenigstens flüchtig drüberschauen, bevor sie so ein Machwerk anpreisen und vielleicht das eine oder andere der Länder auch bereisen.

Denn wie hier willkürlich Zahlen zusammengemischt bzw. aussortiert werden, ist geeignet, die Reputation des britischen "Economist" nachhaltig zu beschädigen. So rechnet man beim Militär beispielsweise nur die aktiven Truppen mit und blendet die Reserven aus, was Demokratien mit ihren aktiven Berufsarmeen gegenüber voll durchmilitarisierten Diktaturen, die sich oft auf Massenheere und totale Mobilisierung verlassen, in wesentlich schlechterem Licht dastehen läßt.

Dabei ist schon die Grundidee, daß es umso friedlicher zugeht, je weniger Leute eine Waffe tragen, zumindest fragwürdig. In der Virginia Tech beispielsweise war das nur einer und genau deswegen gab es so viele Opfer. Es kommt eben vor allem darauf an wer eine Waffe trägt und was er damit anstellt. In liberalen Demokratien lebt man jedenfalls auch mit einer großen Armee immer noch weit friedlicher als mit den vergleichsweise kleinen Prätorianergarden autoritärer Operettendiktaturen.

Zudem wird der Hauptgrund dafür, daß Demokratien überhaupt nennenswerte Streitkräfte unterhalten, verschwiegen: Nämlich der Schutz vor aggressiven Diktaturen. Das heißt, wenn eine Land gezwungen wird, sich gegen ein weniger friedlichen Nachbarn zu verteidigen, wird dies von den für diese Studie verantwortlichen Witzbolden nicht nur nicht dem Aggressor zugeschlagen, sondern sogar noch als Beweis für die kriegerischen Neigungen seines potentiellen Opfers gewertet.

Bei der Bewertung der Menschenrechtssituation in den einzelnen Ländern bedient sich die Studie hingegen gleich ganz offen des grotesk verzerrten Jahresberichts von Amnesty International, so daß man angesichts dessen berüchtigter Einseitigkeit kaum überrascht ist, daß die USA allen Ernstes mit Ländern wie dem Iran oder Saudi-Arabien auf einer Stufe (der dritten von fünf möglichen wohlgemerkt) stehen, die man an folgenden typischen Merkmalen erkennen kann:

Level 3 Imprisonment for political activity is more extensive. Politically-motivated executions or other political murders and brutality are common. Unlimited detention, with or without a trial, for political views is also commonplace;

Als Amerikaner hat man es demnach schon ganz schön schwer. Kaum sagt man, daß Bush ein Arsch ist, läuft man große Gefahr, auf unbestimmte Zeit eingesperrt oder gar an die Wand gestellt zu werden. Weswegen ja auch die Chefredaktion der New York Times am Baukran aufgehängt wurde und Barrack Obama derzeit auf seinen Hinrichtungstermin wartet. Und dabei haben die meisten Amerikaner noch Glück, denn im Terrorstaat Israel ist die Lage noch weit ernster:

Level 4 The practices of level 3 affect a larger portion of the population and murders, disappearances, and torture are a common part of life. In spite of its pervasiveness, on this level political terror affects those who interest themselves in politics;

Da scheinen die Macher der Studie wohl das Chaos der Palästinenser, die sich zur Zeit gegenseitig an die Gurgel gehen, einfach mal schnell den bösen Zionisten zuzuschlagen, statt sie als Palästina getrennt aufzuführen. Nicht daß am Ende jemand auf die Idee kommt, daß unsere Lieblingsaraber, die ja in Gaza die Kompetenz ihres latent friedensnobelpreisverdächtigen Kabinetts bereits unter Beweis stellen durften, vielleicht doch auch ein paar kleinere Fehler machen.

Seltsam nur, daß die Palästinenser ansonsten bei jeder Gelegenheit als eigenes Volk mit einer völkerrechtlich anerkannten und somit verantwortlichen Regierung dargestellt werden und sogar mit einer halboffiziellen Grenze entlang der grünen Linie auf den meisten Landkarten vertreten sind (mit Ausnahme der palästinensischen Schulbücher, wo es gerade Israel ist, das komplett fehlt). Aber sie sind nicht die einzigen, die spurlos aus der Studie verschwunden sind.

Denn wer sich voller Neugier fragt, wo auf der Liste denn beispielsweise das Horrorregime Kim Jong Ils oder der kongolesische Albtraum zu finden ist, nun, manche Länder wurden wohlweislich komplett ausgeblendet um das gewünschte Ergebnis nicht zu verfälschen. Nicht daß der große und der kleine Satan zu gut dastehen. Wer also so schlimm ist, daß selbst Amnesty International es nicht mehr leugnen kann, wird einfach ignoriert. So geht's natürlich auch.

Vive la France!

The single best symbol of the change in France is the appointment of Bernard Kouchner to the post of foreign minister. Had the Socialist Party won the election, it is highly unlikely that such a distinguished socialist would ever have been allowed through the doors of the Quai d'Orsay. (Yes, comrades, history actually is dialectical and paradoxical.) In the present climate of the United States, a man like Kouchner would be regarded as a neoconservative.

Obwohl sich mit Andre Glucksmann ja bereits einer der klügsten Köpfe Europas für Sarkozy als französischen Präsidenten ausgesprochen hatte, vermochte ich nach all den schlechten Erfahrungen mit den düsteren Chirac-Jahren bisher nicht so recht in die auch in liberalen Kreisen vorhandene Begeisterung für einen anderen Gaullisten einstimmen.

Doch so wie es aussieht, scheint sich bei unserem Nachbarn tatsächlich ein außenpolitischer Kurswechsel anzudeuten, der mich tatsächlich dazu veranlassen könnte, die "Freedom Fries" in meinem persönlichen Sprachgebrauch wieder in "Pommes Frites" umzubenennen. Alleine der Coup mit der Besetzung des Außenministeriums ist ein genialer Schachzug.

Auch wenn man natürlich abwarten muß, was am Ende wirklich vom anfänglichen Enthusiamus übrig bleibt, so läßt dies doch wie auch manche Äußerung von Sarkozy selbst zumindest hoffen. Und wer weiß, vielleicht kommt nach dem Ausscheiden von Bush, Wolfowitz & Co. die Revolution am Ende zur Abwechslung mal wieder aus Frankreich statt Amerika.

Die lustige Vorstellung, daß eine Präsidentin Clinton gerade von Chirac's Nachfolger zum Jagen getragen werden könnte, ist jedenfalls die Gefahr einer Enttäuschung durchaus wert. Und auf die Briten kann man diesbezüglich ja leider nicht mehr bauen. Denn die müssen einen Giganten wie Tony Blair ersetzen, und haben dafür nur einen Gordon Brown.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Streit über Raketenschild: Russland testet neue Super-Rakete

Selbst Militärexperten wurden überrascht: Als Antwort auf Washingtons Raketenabwehrsystem in Osteuropa hat Moskau heute eine neue Interkontinentalrakete getestet. Die Waffe könne jeden Schutzschild überwinden, behauptet der Kreml. Die Russen könnten sich also sicher fühlen.

Na das ist ja mal eine erfreuliche Nachricht! Damit müßten sich die Bedenken der deutschen Sozialdemokratie gegenüber der amerikanischen Raketenabwehr in Osteuropa ja dann eigentlich erledigt haben. Und die armen gedemütigten Russen können wieder voller Nationalstolz auf ihre Rüstungsindustrie blicken, die das Wunder vollbracht hat, eine neue Interkontinentalrakete in nur wenigen Monaten komplett vom Reißbrett bis zum Prototypen zu entwickeln (normalerweise braucht man für sowas Jahre).

Zumindest liegt das nahe, falls der neuerliche Raketentest wirklich eine Antwort auf die offizielle Bekanntgabe der Errichtung eines begrenzten Abwehrsystems in Polen und Tschechien war. Aber der SPIEGEL liegt mit dieser Vermutung sicher richtig, denn sonst hätten die russischen Proteste gegen die Errichtung ja von vorneherein keinen rechten Sinn gemacht. Außer natürlich die Entwicklung der Rakete war so geheim, daß selbst der Führer mal wieder nichts davon gewußt hat. Soll ja bekanntlich vorkommen.

Dienstag, 29. Mai 2007

Der gute Mensch von Teheran

Da hat der gute Marcel ja gerade einen richtigen Lauf. Lange Zeit fiel sein Blog vor allem dadurch auf, daß dort nichts auffiel, und plötzlich jagt er einen Paranoia-Hammer nach dem anderen durch die Tastatur. Jetzt ist sogar schon die altehrwürdige ARD Bestandteil der imperialistischen Weltverschwörung.

Jedenfalls weiß die Welt seit gestern, daß der Satz "Die iranische Regierung strebt nach einer Vormachtstellung im Nahen Osten und versteht sich als Erzfeind der USA und Israels" keine bedauernswerte Tatsache, sondern in Wahrheit nur von der kriegstreiberischen Tagesschau nachgeplapperte CIA-Propaganda ist.

Denn bloß weil man einem Land das Existenzrecht abspricht, zum Zweck seiner Delegitimation die Shoah leugnet, Terroristen auf dessen Zivilbevölkerung hetzt, und die Atombombe als geeignetes Mittel betrachtet, um es auszulöschen, heißt das ja noch lange nicht, daß man es deswegen auch gleich als Feind betrachtet.

Aber das sind reaktionär-religiöse Schreckensregime, die die eigene Bevölkerung unterdrücken, Vergewaltigungsopfer steinigen lassen und die Wirtschaft auf Kosten der kleinen Leute ruinieren, nur um Geld für Atombombenkraftwerke zu haben, für Sozialdemokraten ja offenbar auch nicht mehr zwingend.

Samstag, 26. Mai 2007

Die Welt(verschwörung) ist nicht genug

Daß Marcel Bartels vom Parteibuch (ist immer noch eins der SPD, aber das vermutlich auch nur, weil er inzwischen selbst von der PDS keins mehr kriegen dürfte) ein sagen wir recht entspanntes Verhältnis zur Realität hat, ist allgemein bekannt. Daß er sich damit nicht nur (Partei)freunde macht, ist seit seinem Rausschmiß bei den Websozis, um den er ja lange gekämpft hat, auch nichts wirklich neues mehr.

Doch jetzt scheint er auf der Suche nach immer neuen Verschwörungen und Intrigen allmählich völlig abzudrehen. Taten es früher noch eher lustige Spekulationen über die Verbindungen von Angela Merkel zu Scientology, so deutet er heute an, daß beispielsweise die Briten die Terroranschläge im Irak selber durchführen, und meint, daß man der Behauptung, die US-Regierung hätte den 11. September selber inszeniert, ernsthaft nachgehen müßte.

Aber selbst so ein unglaublicher Verschwörungsdreck reicht ihm inzwischen offenbar nicht mehr. Vielleicht gehen ihm ja auch nur die Ideen aus, jedenfalls läßt er sich die Märchengeschichten seit einiger Zeit offenbar sogar von anderen schreiben. Genauer gesagt reinkopieren, denn deren Autor, ein gewisser Daniel Neun, betreibt eine eigene Seite, und die hat es diesbezüglich in sich, wie schon ein flüchtiger Blick auf die Linkliste zeigt.

Dort finden sich beispielsweise unter der Rubrik "Unabhängige Medien" Verweise auf so illustre Adressen wie 9/11-Komplott oder Gerhard Wisnewski. Entsprechend sieht das Ergebnis von "Pimp my Parteibuch" denn auch aus. Amerika ist demnach nicht nur an allem schuld, sondern immer auch gleich noch am Gegenteil. So unterstützen die Yankees nicht nur die libanesische Regierung, sondern auch die Islamistenmiliz, gegen die diese kämpft.

Die libanesischen Regierungsbehörden behaupten, Syrien stecke hinter der Fatah al-Islam.
Recherchen wie die von Pulitzerpreisträger Seymour Hersh besagen das genaue Gegenteil - die Bush-Regierung - im Bündnis mit der von Israel und dem Königshaus von Saudi Arabien - habe die Fatah al-Islam massiv finanziell unterstützt.

Die daraus gezogenen Schlüsse sind schon so paranoid, daß man versucht ist, polemisch anzumerken, daß die Amis wahrscheinlich sogar Adolf Hitler an die Macht gebracht haben, nur damit sich die Hersteller der Fliegenden Festungen eine goldene Nase verdienen können. Nur wäre da überhaupt nichts ironisches dran, denn genau dieser Eindruck wird von Marcels Wasserträger Daniel im selben Artikel allen Ernstes erweckt:

Demnach wäre es das gleiche Modell wie im Irak mit Saddam Hussein und in Afghanistan mit den Taliban (manche sagen ja, in den 30er Jahren..aber lassen wir das):

man baue einen Gegner erst auf, um ihn dann mit viel Tamtam im Namen der Demokratie zu vernichten und dabei den militärisch-industriellen Komplex durchzufüttern.

Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, daß man einen derartigen Unsinn von sich geben und gleichzeitig demonstrativ mit dem SPD-Parteibuch wedeln kann, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber jetzt warte ich eigentlich nur noch auf die Enthüllung, daß die Zionisten hinter dem Holocaust stecken, um so leichter Verständnis für die Gründung Israels wecken zu können. Falls ich die nicht nur übersehen habe.

Donnerstag, 24. Mai 2007

Im Dienste des dreckigen Dutzend

Mist, nun ist's also doch rausgekommen! Nur wenige Wochen, nachdem ein ausgebuffter Investigativjournalist herausgefunden hat, daß ich - neben einigen anderen Bloggern - auf der Gehaltsliste der CIA stehe, enthüllte jetzt ein nicht minder begabter Kollege, daß ich meinen imperialen Judaslohn noch durch Werbung für ähnlich sinistre Adressen aus der freien Wirtschaft aufbessere, in diesem Fall für McDonalds.

Aber sei's drum, wenn's dann eh jeder weiß, kann ich auch gleich mit offenen Karten spielen. Ich gebe also hiermit zu, neben meiner Haupttätigkeit - der Unterwanderung traditioneller doitscher Werte durch die Verbreitung amerikanischer Teufeleien wie Demokratie, Kapitalismus und Individualismus - für gleich eine ganze Reihe von Firmen zu werben, die im Sold des US-Imperialismus stehen. Um genau zu sein, sind es deren zwölf:

Ernährung

Da ich als Wessie jetzt nicht so auf Bananen stehe, kann ich zwar nicht mit Produkten der United Fruit Company dienen, aber um eine schmackhafte Mahlzeit zusammenzustellen, liefern uns die USA ja andere ausreichend verhaßte Alternativen:

Mein Lieblingsburger - der Whopper von Burger King (natürlich in der doppelten Variante mit Bacon und Cheese, damit man dafür, daß man sich so einsaut, wenigstens anständig was in den Bauch kriegt)***

*** Es ist übrigens ein Ammenmärchen, daß eine einmonatige Burgerdiät ungesund wäre, da ich diesbezüglich schon einen erfolgreichen Selbstversuch unternommen habe, als Morgan Spurlock noch in die Schule ging. Und es hat mir nicht geschadet!

Meine Lieblingssättigungsbeilage - die Pommes Frites von McDonalds (das, meine lieben Kiezgastronomen, sind Fritten, nicht der Schlabberkram, den Ihr den Menschen aufzwingen wollt, obwohl sich die meisten von Euch bei Nacht und Nebel selber heimlich in den Mc schleichen dürften)

Mein Lieblingsgeflügel - die Hot Wings von KFC (wenn man sich an dem knusprigen, scharfen Teig nicht die Haut aufscheuern würde, würde ich mich da vermutlich auch noch reinlegen)

Meine Lieblingspizza - die Cheesy Crust Pizza von Pizza Hut (ok, man sollte schon wirklich Hunger haben, aber bei diesem Prachtstück macht der Spruch "Käse schließt den Magen" dann auch wirklich Sinn)

Mein Lieblingssandwich - das Footlong Sandwich von Subway (es ist immer wieder beeindruckend, was diese Kolonisten aus der Neuen Welt auf einem simplen kontinentalen Baguette alles so an eßbarem unterbringen können)

Doch was wäre ein gutes Essen ohne ein erfrischendes und perfekt auf das Menü abgestimmtes Getränk, wo alleine schon der Klang des Namens für genügend Protestpotential unter unseren deutschen Möchtegernsandalistas bürgt:

Mein Lieblingsgetränk - die Classic Coke von Coca-Cola (das einzige, was man zu jedem Essen trinken kann, ohne das Gefühl zu haben, daß einem was fehlt)

Unterhaltung

Wenn man auf diese Weise erst mal hinreichend gesättigt ist und sich ins Freizeitvergnügen stürzen will, reicht einem Amerika auch hier eine so hilfreiche wie phantasievolle Hand:

Meine Lieblingsmaus - die Mickey Mouse von Walt Disney (allen Umerziehungsbemühungen der 68er-Generation zum Trotz immer noch der ultimative Kindertraum, weswegen mich das Kind im Manne dieses Jahr auch ins Disneyland führen wird)

Meine Lieblingsmarionetten - Team America von United International Pictures (sozusagen die  imperialistische Ausgabe der Augsburger Puppenkiste - da fällt mir ein, daß ich mir unbedingt noch die DVD kaufen muß)

Mein Lieblingsmusikabspielgerät - der iPod von Apple (die können vielleicht keine konkurrenzfähigen Computer bauen, ;-) aber bei MP3-Playern macht Steve Jobs einfach keiner was vor)

Nützliches

Das Leben besteht natürlich nicht nur aus Vergnügen, aber gerade bei den praktischen Dingen für den Alltag läuft der American way of life erst recht zu großer (und oft auch schöner) Form auf:

Mein Lieblingscomputer - der Personal Computer von IBM (und vor allem seine Zillionen besserer und günstigerer Nachbauten durch die Konkurrenz, ohne die wir beispielsweise das Internet in seiner heutigen Form sicher nicht kennen würden)

Bei der Werbung für die abscheulichen Symbole Amerikas darf natürlich das Automobil nicht fehlen, denn was bringt amerikahassende Alteuropäer mehr in Wallung als spritschluckende Kyotomonster:

Mein Lieblingsdreiliterauto*** - der Chrysler 300M von Cerberus (gegen diesen Designgeniestreich wirken die gesternten, beringten und weißblauen einheimischen Konkurrenten wie überteuerte Schuhkartons auf vier Rädern)

***Ok, es sind nicht exakt 3 Liter, sondern 3,5, und es handelt sich auch nicht um den Verbrauch, sondern den Hubraum, aber wer mag sich angesichts solch geradezu überirdischer Eleganz an derart nebensächlichen Details stören?)

Um sicherzustellen, daß auch der toleranteste Amerikahasser endlich vor Wut platzt, als Schlußpunkt eine militaristische Provokation aus jenem Gebiet, wo die Überlegenheit der USA wohl mehr als auf jedem anderen offensichtlich ist - dem Flugzeugbau:

Mein Lieblingsflugzeug - die F-14 Tomcat von Grumman (auch wenn man sie leider nicht so ohne weiteres im Supermarkt kaufen kann, so ist sie doch der beste Beweis, daß Joseph Beuys recht hatte)***

***An dieser Stelle wollen wir im Sinne der Völkerverständigung darauf hinweisen, das der von den Feinden Amerikas als vergleichsweise friedliebend wahrgenommene iranische Präsident (leider und inzwischen sogar als einziger) auch ein paar davon hat.

Tja, und jetzt warte ich eigentlich nur noch drauf, daß einer der Marketingverantwortlichen der genannten Firmen das hier liest. Ach ja, und bitte in bar und in kleinen Scheinen. Mein Schweizer Nummernkonto ist nämlich schon voll.

P.S.: Aber dopen tu' ich nicht, ehrlich!

Mittwoch, 23. Mai 2007

Afghanistan: Sawahiri droht nach Dadullah-Tod

Aiman al-Sawahiri, al-Qaidas Nummer zwei, hat sich in einem neuen Video zu Wort gemeldet. Der getötete Taliban-Militärchef Mullah Dadullah habe Hunderte willige Selbstmordattentäter hinterlassen, warnte er. Sie würden den "Kreuzfahrern das Rückgrat brechen".

Schon wieder? Wie denn diesmal? Etwa so?

Vollmundig kündigten die Taliban-Führer zu Anfang des Jahres Bodengewinne an. Doch die Nato hat die Frühjahrsoffensive vereitelt. Die Gotteskrieger änderten die Strategie: Sie setzen auf Selbstmordattentate statt Feldschlachten.

[...] 2006 schnellte die Zahl der Selbstmordattentate hoch. In diesem einen Jahr wurden in Afghanistan knapp 150 Selbstmordattentate gezählt. [...] In diesem Jahr ist die Anzahl nicht weiter angestiegen. Bisher blieb sie gar hinter den prahlerischen Ankündigungen der Taliban-Führer zurück.

In diesem Jahr haben die westlichen Alliierten bisher insgesamt 62 Tote zu beklagen [...]. Darüber hinaus kamen Dutzende afghanische Soldaten, Polizisten und Zivilisten ums Leben, deren Tod im Westen kaum registriert wird. Auf der anderen Seite sind die Opferzahlen den Angaben zufolge ungleich höher: Allein in den letzten vier Tagen sollen 120 Taliban getötet worden sein.

Neonazi-Opfer Martin: "Ich bin nur noch Kopf"

Seit elf Jahren sitzt das Neonazi-Opfer Noël Martin im Rollstuhl. Sein Leben ist eine Qual. Es sei nicht mehr lebenswert, sagt er im stern-Gespräch. Kurz vor seinem geplanten Suizid in der Schweiz spricht er auch über seinen letzten Wunsch und wie er sich seinen Tod vorstellt.

Alle die meinen, rechtsradikale Gewalt in diesem Land nach dem Motto "Sind hald Buben!" als Dummejungenstreiche unterprivilegierter und perspektivloser Jugendlicher verharmlosen zu müssen, sollten sich diesen Artikel mal durchlesen. Ist zwar aus dem STERN, aber trotzdem lesenswert.

Ach ja, die Täter sind selbstverständlich schon seit langem wieder frei. Und sie werden es auch noch sein, wenn Noel Martin längst tot ist.

Dienstag, 22. Mai 2007

Burgerkrieg in Deutschland

Zu den Querelen um die Eröffnung einer Meckes-Filiale inmitten eines autochthonen Eingeborenenkollektivs in Berlin-Kreuzberg gibt's bei Vanity Fair mal wieder einen im wahrsten Sinne des Wortes köstlichen Artikel:

Natürlich ist die "Kiez"-Idee vom "authentischen Leben" der reinste Kitsch, wie überhaupt das meiste, was als Lebensformen von der Linken propagiert wurde, der reinste Kitsch war. Gerhard Henschel hat dazu schon vor Jahren das Standardwerk vorgelegt ("Das Blöken der Lämmer – die Linke und der Kitsch").

Nun ist es wieder so weit: Kreuzberg wehrt sich, und man weiß ja, wenn Deutsche sich wehren, ist Obacht angebracht. Der Grund der neuesten Kreuzberger Aufwallung: McDonald's plant, in der Wrangelstraße ("Wrangel-Kiez") eine Filiale aufzumachen.

Die eingefleischten Gegner der FastFood-Kette werden schon wissen, warum sie vor dem gelben M so schreckliche Angst haben, daß sie ihren Kampf für wirtschaftliche Selbstbestimmung allen Ernstes durch das Verbot leistungsfähigerer Konkurrenz zu führen versuchen, und daß sie kein Problem damit haben, statt der Kunden lieber die Nachbarn des Wirts entscheiden zu lassen, was dieser auf der Speisekarte anzubieten hat.

Was sollen sie auch machen? Denn sind wir mal ehrlich: Was immer man gegen eine Burger-Diät - die übrigens durchaus lustig sein kann! - einzuwenden haben mag, aber gegen gammelige Döner und fettige Currywürste ist ein BigMac oder ein Royal TS ein regelrechter kulinarischer Hochgenuß von außerordentlicher Nahrhaftigkeit, von den hygienischen Bedingungen, unter denen sie das Licht der Welt erblicken, mal ganz zu schweigen.

Ein echter Ureinwohner aber ißt so einen Amifraß trotzdem nicht, und auch die Touristen zwingt ja niemand dazu, hungrig zum Sightseeing aufzulaufen. Bleiberecht für alle heißt ja nicht gleich, daß man auch zum Essen bleiben darf. Oder um es mit den Worten des alten Methusalix zu sagen: "Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!"

Dabei sollten unsere reaktionären Restaurantrevoluzzer sich lieber freuen, denn es gibt, wie Henryk M. Broder bereits Anfang der 90er-Jahre in der ZEIT anläßlich der Eröffnung der ersten Filiale in Moskau zu recht bemerkte, kaum ein sozialistischeres Restaurant als McDonalds, weil man nur dort weltweit ohne Ansehen der Person bei gleichem Service für nahezu dasselbe Geld und in vergleichbarer Qualität dinieren kann.

Deshalb gilt auch heute noch unverändert seine damals erhobene Forderung: Schafft 1,2,3, viele McDonalds!

Das Ende des härtesten Neocon

Weltbank-Präsident Wolfowitz stürzte über einen peinlichen Skandal - sein Ende hat jedoch tiefere Gründe. Es ist eine Abrechnung mit den US-Neokonservativen, als deren Hauptvertreter er den Irak-Krieg mitinszenierte.

Es ist ja bisher noch nie vorgekommen, daß ich mal mit Marc Pitzke in irgendeiner Angelegenheit einer Meinung bin, und die Chancen stehen zum Glück ausgezeichnet, daß sich das auch nicht so schnell wiederholen wird, aber so sehr er im ersten Satz irrt, so recht hat er ausnahmesweise mit dem zweiten (womit wir wieder bei den kaputten Uhren wären, die zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigen).

Natürlich ging es hier nicht wirklich um einen Skandal, sonst hätte die rote Heidi ihren Parteigenossen Verheugen schon längst in Deutschland zur unerwünschten Person erklären müssen. Und wenn hier irgendetwas peinlich war, dann die beispiellose Schmutzkampagne, mit der das Entwicklungshilfeestablishment den eigenen Chef demontiert hat, nur um die eigenen Machtinteressen zu schützen.

Doch Pitzke liegt mit seiner Vermutung richtig, daß es sich hier um "eine Abrechnung mit den US-Neokonservativen, als deren Hauptvertreter er den Irak-Krieg mitinszenierte", handelt. Denn gerade den Europäern paßt die ganze Idee der Demokratisierung nicht, und hier konnte man sein Mütchen an jemandem kühlen, der zusammen mit seiner Lebensgefährtin wie niemand sonst für diesen Kurs stand.

Das bittere ist, daß die Leidtragenden am Ende diejenigen sind, die die Weltbank am nötigsten brauchen, nämlich die reformwilligen Länder in Afrika. Nicht ohne Grund genoß Wolfowitz gerade im "verlorenen Kontinent" weit größere Sympathien als in den Geberländern. Man kann nur hoffen, daß sein Nachfolger sich mehr an ihm orientiert als an seinen Kritikern. Denn deren Verhalten ist der wahre Skandal.

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