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« März 2007 | Start | Mai 2007 »

19 Artikel von April 2007

Sonntag, 29. April 2007

Hut ab, Vanity Fair!

Es ist Zeit für ein Geständnis: Auch ich habe Vorurteile. Einen DSDS-Hit werde ich mir kaum vorsätzlich anhören. Auch bei moderner Kunst schaue ich lieber in die andere Richtung. Und wenn man mir ein Gericht auf Leberbasis anbietet, werde ich es nicht probieren, selbst wenn man mir noch so oft versichert, daß es "diesmal ganz anders" zubereitet sei. Nicht anders verhält es sich mit Medienerzeugnissen a la Gala oder Vogue, die sich mit Klatsch, Tratsch, Mode, Lifestyle, Kultur und dergleichen Belanglosigkeiten befassen. Um so etwas zu lesen, ist mir die Zeit schlicht und einfach zu schade. Weiberkram halt.

Aus diesem Grunde würde ich auch nie auf die Idee kommen, in eine Zeitschrift wie Vanity Fair reinzuschauen. Die Nachricht, daß dieses Magazin jetzt auch in Deutschland startet, hatte für mich den "Sack Reis in China"-Faktor, und es ist schon verwunderlich genug, daß ich mir die Tatsache als solche überhaupt merken konnte. Zugegeben, ich hatte schon gehört, daß im amerikanischen Original der großartige Christopher Hitchens schreibt, aber für die deutsche Ausgabe war günstigstenfalls mit liberaler Beliebigkeit zu rechnen, sozusagen eine Art STERN für Yuppies. Den Hinweis auf ein Politblog der deutschen Online-Ausgabe von Vanity Fair hatte ich daher zunächst auch als Werbespam abgebucht.

Was mich zu einem weiteren Geständnis zwingt: Ich habe mich geirrt. Und ich möchte mich bei den Machern von Vanity Fair in aller Form für diesen Irrtum entschuldigen. Denn nachdem ich über meinen Schatten gesprungen bin und mir das besagte Blog dann doch einmal angeschaut habe, muß ich mein (Vor)Urteil revidieren: Die bisherigen dort veröffentlichten Artikel des Autors Jost Kaiser sind nicht nur nicht schlecht, sie sind im Gegenteil ausgesprochen intelligent, witzig und gut geschrieben. Vor allem aber hat der Autor recht. So sehr, daß man angesichts der im besten Sinne unpopulären Positionierung zwischen "neocon" und "liberal hawk" kaum glauben mag, hier wirklich ein deutsches Medienerzeugnis vor sich zu sehen.

Ok, auch andere Zeitschriften kritisieren immer wieder mal mit vereinzelten Alibiartikeln den inzwischen ja komplett in die paranoide Hysterie abgedrifteten deutschen Antiamerikanismus, und sei es nur, um im nachhinein behaupten zu können, ja schon immer dagegen gewesen zu sein. Aber sich beim Eintritt in einen neuen Markt klar und eindeutig für eine absolute Minderheitenposition zu entscheiden, die von allen Seiten unter Feuer kommen wird, ist schon verdammt mutig, vor allem, wenn man sich vor Augen führt, wie selbst die Leitwölfe der Mainstreammedien vor den Ressentiments der eigenen Lesern einknicken. Bei Vanity Fair Online werden die Leser hingegen schon nach wenigen Tagen im Artikel "German Angst" rabiat gegen den Strich gebürstet:

Das größte Wunder jedoch ist, dass in Deutschland das ritualisierte Bush-Bashing immer noch als edelste und intelligenteste Form der Kriitk verstanden wird, obwohl man doch längst sagen muss: etwas Konformeres und Angepaßteres und etwas, das noch weniger mutig wäre, ist in Deutschland nicht vorstellbar, wenn man denn Meinungen nach diesen Kriterien bewerten würde.

Damit nicht genug, wirft sich der Blogautor für den verhaßten ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan in die Bresche, der bis zum Auftauchen George W. Bushs für die Linke ja bekanntlich die Rolle des Weltenbuhmanns Nr. 1 erfüllt hatte, und das auch noch auf einem in Deutschland durch politische Korrektheit extrem stark verminten Gebiet, dem Humor. Anläßlich von John McCains heftig kritisierter Beach-Boys-Performance ruft er uns zu diesem Zweck ausgerechnet Ronnies legendäre Mikrofonprobe in Erinnerung, über die ich schon vor mehr als 20 Jahren herzhaft gelacht habe, womit ich damals aber - vermutlich weil ich meine Diskussionspartner nicht vorher in den Keller geführt habe - nur auf grobes Unverständnis gestoßen bin.

Um auch ja noch die potentiellen Kunden auf der Rechten zu vergraulen, hatte Kaiser eine Woche vorher bereits den ultimativen Kommentar zu Oettingers politischer Selbstversenkung abgegeben:

Nicht alle agierten im Widerstand gegen Hitler so unklug wie die "Weiße Rose" oder Georg Elser

Zum Beispiel Hans Filbinger, der durch subversivste Überanpassung rebellierte.

Wer auch Widerstandskämpfer war, aber leider nicht mit einer Trauerrede von Günther Oettinger gewürdigt werden konnte:

Albert Speer
Leni Riefenstahl
Kurt-Georg Kiesinger
Hans Globke
Herrman-Josef Abs
Werner Höfer
Arno Breker
Herrmann Gehlen
Martin Heidegger
Josef Neckermann

Es läuft eben doch auf den Satz von Wiglaf Droste hinaus, der schon vor Jahren die Frage stellte: War auch Hitler letztlich Antifaschist?

Nach diesem erstaunlichen Traumstart bleibt nur zu hoffen, daß Niveau und Ausrichtung des Politikblogs erhalten bleiben, die Veröffentlichungsfrequenz noch ein wenig erhöht wird, und Vanity Fair Deutschland genügend Erfolg hat, um dort keine überflüssigen Kurskorrekturen vornehmen zu müssen. Um meinen Teil dafür zu tun, werde ich wohl nächste Woche den SPIEGEL mal zu Hause lassen und mir aus Solidarität lieber die Printausgabe des Lifestyle-Magazins kaufen. Und selbst wenn mich das Heft entäuschen sollte, das Blog hat jedenfalls schon mal einen Stammleser gewonnen.

Freitag, 27. April 2007

Bill Richardson's 7 Point New Realism Plan for Iraq

Einer der Hauptvorwürfe gegenüber Bushs Irakpolitik ist deren angebliche Konzeptionslosigkeit. Die demokratischen Präsidentschaftskandidaten wollen das alles besser machen. Ihre Pläne sind aber leider so geheim, daß niemand weiß, wie sie genau aussehen. Einer von ihnen, Bill Richardson, hat sich aber immerhin die Mühe gemacht und wenigstens seine heiße Luft in einzelne Punkte unterteilt. Der SPIEGEL räumt ihm jedoch nur geringe Außenseiterchancen ein. Jetzt wissen wir auch warum:

1. Troops Out in 2007: We should get our troops out of Iraq this year. Our continued presence there only enables the Iraqi factions to delay making the hard political choices they need to make to end the civil war.

Soll heißen: "Dann bringt's Euch halt um, wenn's Euch so viel Spaß macht!", auch wenn das "Euch" der Täter mit dem "Euch" der Opfer nicht zwingend identisch sein muß. Das wird die USA bei den Irakern sicherlich ganz doll beliebt machen. So wie 1991, als Kurden und Schiiten die harten politischen Entscheidungen der herrschenden sunnitischen Ba'ath-Fraktion zu spüren bekamen, wofür sie der amerikanischen Realpolitik bekanntlich noch heute unheimlich dankbar sind.

2. No Residual Forces Left Behind: We must remove ALL of our troops. There should be no residual US forces left in Iraq. Most Iraqis, and most others in the region, believe that we are there for their oil, and this perception is exploited by both Al Qaeda, other insurgents, and anti-American Shia groups. By announcing that we intend to remove all troops, we would deprive them of this propaganda tool.

Ach so, wenn die USA ihre Truppen abziehen, glauben die Araber nicht mehr, daß die bösen Amis ihnen das schöne Öl klauen wollen. Respekt, da wären sie ja sogar weiter als die meisten Europäer. Und dann hören automatisch auch die Terroranschläge auf, denn die Iraker werden ja nur deswegen auf ihren Marktplätzen in die Luft gesprengt, weil amerikanische Truppen im Land sind. Klingt logisch. Zumindest so logisch, wie man das von Richardson erwarten muß.

3. Congressional De-Authorization of War:  President Bush has demonstrated neither competence nor honesty nor a sense of reality in his conduct of this war.  I support the Feingold-Reid bill to force the President to end the war.

Congress must continue to use the power of the purse without cutting funds for troops on the ground, but we should also go one step further.  Congress should assert its constitutional authority and pass a resolution de-authorizing the war under the War Powers Act.  Congress can then set a military pull-out date and appropriate funds accordingly for the re-deployment of troops.

 

Und wenn das Abzugsdatum bekannt ist, beschließen die Terroristen angesichts dieser netten Geste sicherlich, nach diesem Tag ebenfalls keine weiteren Anschläge mehr durchzuführen. Mann, oh Mann, wenn man ernsthaft befürchten müßte, daß diese Pappnase jemals die Geschicke der größten Weltmacht bestimmen könnte, wird einem vor den nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA richtig angst und bange. Da müßte man für Hillary ja fast schon dankbar sein.

4. Promote Iraqi Reconciliation: We should promote an Iraqi Reconciliation Conference to bring the factions together to seek compromises and to begin confidence-building measures, including the end of militia violence. Our redeployment will give us more leverage than we have now, caught in the crossfire, to get the Iraqis to reconcile.

Nein, was für ein brilliantes Gehirn hinter diesen klugen Augen arbeitet! Eine Versöhnungskonferenz - das isses! Hätte man auch früher draufkommen können. Hat ja bisher noch keiner versucht, mit den diversen Widerstandsgruppen ins Gespräch zu kommen. Oder allen Seiten die Beteiligung an den Wahlen nahezulegen. Oder miteinander über die Verteilung der Macht und des Ölreichtums zu reden. Zum Glück gibt es Bill Richardson, der hat so innovative Ideen. Das klappt bestimmt!

5. Work With All Neighbors and Allies: We should convene a regional conference to secure the cooperation of all of Iraq's neighbors -- including Syria and Iran -- in promoting peace and stability. Among the key objectives of such a conference should be guarantees of non-interference, as well as the creation of a multilateral force of UN peacekeepers, should the Iraqis request one.  The US should support such a force, but it should be composed of non-US, primarily Muslim troops.

Logisch, Syrien und der Iran wünschen sich nichts so sehr wie eine funktionierende Demokratie an ihren Grenzen, die ihre eigene Herrschaft für jeden sichtbar delegitimiert. Da werden sie sich bestimmt freuen, daß sie die Terroristen nicht länger unterstützen müssen, alleine konnten sie sich zu diesem Schritt nur irgendwie nie durchringen. Und die internationalen Freiwilligen für die UN-Friedenstruppe stehen ja auch schon Schlange, nur hat sich der blöde Bush bisher geweigert sie ins Land zu lassen.

6. Global Cooperation in Reconstruction: We should convene a donor conference to fund Iraq's reconstruction. The United States needs to show the world that we intend to return to our tradition of being a trusted leader, not a unilateralist loner. The process of disengagement is an opportunity for us to show that we have turned the corner, and that we intend to rebuild our alliances, respect international law, and work with the international community.

Eine Geberkonferenz! Und wieder ein Geistesblitz, der die Geschichte des Irakkriegs definitiv komplett neu schreiben wird. Jetzt ist Schluß damit, hunderttausende von Entwicklungshelfern, THW-Mitarbeitern und NGO-Gutmenschen mit Gewalt daran zu hindern, ins Land zu strömen, um die Terroristen zu überreden, die Messer wegzulegen, mit denen sie ihren Geiseln die Köpfe abzuschneiden pflegen. Und endlich können die Europäer ihr Füllhorn ausschütten, ohne daß ihr Geld länger von diesen arroganten NeoCons zurückgewiesen wird.

7. Redeploy to Address Real Threats: We must redeploy some of our troops to stop the resurgence of the Taliban and to fight the real terrorists who attacked this country on 9-11.  While all American troops in Iraq must be removed, we need to maintain a military presence in the region, including in Kuwait and in the Persian Gulf.  We must have the regional capacity to use air power, special forces and other means to strike Al Queda anywhere.  We do not need American troops in Iraq to perform this essential task.

We also must bring our National Guard home where they are needed for homeland security, and we must focus our energy and resources on real threats, such as nuclear proliferation, Al Qaeda, public health, and global warming.

Genau! Und im Rahmen der PR-Kampagne zur Verbesserung des amerikanischen Images in der arabischen Welt werden unsere Hurensöhne, falls sie je aufzumucken wagen, mit den erwähnten Luftstreitkräften, Spezialeinheiten und anderen Mitteln auf bewährte Weise zur Räson gebracht, um zu zeigen, was auch demokratische Irakkriegsgegner in ihrem tiefsten Innern doch für harte Kerle sind. Aber gut, immerhin wissen wir jetzt, was Richardson und seine Fans so alles als Realismus bezeichnen...

Donnerstag, 26. April 2007

Bush unter Druck: US-Abgeordnete beschließen Truppenrückzug aus dem Irak

Das Veto des Präsidenten ist gewiss. Dennoch hat das US-Repräsentantenhaus mit der Mehrheit der Demokraten beschlossen, dass die US-Truppen ab 1. 0ktober aus dem Irak abgezogen werden sollen. Die Republikaner sprechen von einem "Kapitulationsdatum".

Bush unter Druck? Doch wohl eher die Iraker. Nur daß das die Kongreßmehrheit nicht wirklich zu kümmern scheint. Im Gegenteil, die Menschen im Irak werden aus wahltaktischen Gründen bedenkenlos geopfert, nur weil man die eigenen selbsterfüllenden Prophezeiungen um jeden Preis selbst erfüllen will:

The mullahs dream of that "last U.S. helicopter" taking off from a Baghdad rooftop, spelling the end of American hopes of bringing decent government to Iraq.

The Murtha Democrats may not want a humiliating American defeat in Iraq but would like something that looks like one. Only perceived defeat in Iraq would give their party something with which to unite its base and make a bid for the White House next year.

Dabei haben die Iraker nur das Pech, in einem fremden Land, weit weg vom Wahlkreis der demokratischen Kongreßmitglieder zu leben. Zuhause hingegen würde gerade in Amerika niemand auf die schwachsinnige Idee kommen, für die Tat die Polizei statt den Täter verantwortlich zu machen:

Last week a series of coordinated suicide bombings killed more than 170 people. The victims were not soldiers or government officials but civilians -- innocent men, women and children indiscriminately murdered on their way home from work and school.

If such an atrocity had been perpetrated in the United States, Europe or Israel, our response would surely have been anger at the fanatics responsible and resolve not to surrender to their barbarism.

Unfortunately, because this slaughter took place in Baghdad, the carnage was seized upon as the latest talking point by advocates of withdrawal here in Washington.

Man darf aber bezweifeln, daß diese Strategie aufgeht. Selbst wenn Pelosi & Co. die Wahl auf diese fragwürdige Weise gewinnen sollten, werden sie das Vertrauen auf die Standfestigkeit der USA irreparabel beschädigt haben. Und Freunde wie Feinde Amerikas werden ihre Schlüsse daraus ziehen.

Mittwoch, 25. April 2007

BLS statt BGE!

Bei den Kollegen von B.L.O.G gab es vor kurzem eine interessante Diskussion zum zwar nicht sonderlich publikumswirksamen, dafür aber umso wichtigeren Thema eines bedingungslosen Grundeinkommens. Nun wird selbiges genau wie das "jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen" der Marxisten oder auch das "habt Euch alle lieb" der Christen natürlich erbarmungslos scheitern, und zwar wie diese schlicht und einfach an der Tatsache, daß der real existierende Mensch nun mal nicht so gut ist, wie er zur Verwirklichung dieser hehren Ziele sein müßte.

Was hingegen durchaus funktionieren könnte, wäre das Koppeln besagten Grundeinkommens an eine einzige Bedingung, nämlich daran, daß man dafür arbeiten muß, also sozusagen eine Art von bedingungsloser Lohnsubvention. Diese wäre nicht nur finanzierbar, sie würde auch die Gruppe jener, die ausschließlich von ihr leben müssen, eher verkleinern statt vergrößern, weil sie jenes erprobte und der menschlichen Natur entgegenkommende Anreizsystem unangetastet läßt, welches den marktwirtschaftlich orientierten Kapitalismus im Gegensatz zu seiner Konkurrenz so schön brummen läßt.

Arbeit würde durch flächendeckende Lohnsubventionen gerade bei einfachen, lohnintensiven Tätigkeiten spottbillig werden und damit vor allem für jene wieder verfügbar, die unsere Gesellschaft inzwischen als bildungsfernes Prekariat mehr oder weniger offen abgeschrieben zu haben scheint. Und das sind eben nicht die gewerkschaftlich organisierten Arbeitsplatzbesitzer, sondern all die niedrigqualifizierten Arbeitslosen, die in der Mitte ihres Lebens plötzlich erfahren müssen, daß es aller Voraussicht nach bis an ihr Lebensende keine weitere Verwendung mehr für sie und ihre Arbeitskraft geben wird.

Das ist für sie zu Recht nicht ganz einsichtig, denn Arbeit, gerade im Dienstleistungsbereich, wäre ja durchaus in Hülle und Fülle vorhanden. Es kann sie halt nur niemand mehr bezahlen. Mit Hilfe eines steuerfinanzierten und zur Lohnsubventionierung genutzten Grundeinkommens ließe sich aber nicht nur ein alter Traum der Linken, das Recht auf Arbeit, umsetzen, und de facto sogar ein Mindestlohn einführen, sondern gleichzeitig liberalen Forderungen nach mehr staatlicher Effizienz entgegenkommen und den Kapitalismus von den unnötigen Hemmnissen einer ausufernden Bürokratie befreien.

Nichts desto weniger ist die Diskussion bei B.L.O.G. nicht nur rein akadamischer Natur, denn auch für Anhänger der bedingungslosen Lohnsubvention stellt sich die Frage: Wie würden eigentlich die Resourcen verteilt, wenn am Tag X das Schlaraffenland ausbricht? Und, fast noch wichtiger, wieviel davon würde derjenige hochqualifizierte Spezialist erhalten, der am Tag X - 1 als letzter den großen roten Knopf drückt, um das Schlaraffenland in Betrieb zu nehmen? Sind diese Fragen geklärt, ergeben sich die übrigen Antworten fast von selbst. Daß wir sie finden müssen, zeigen dabei solche Meldungen:

Die Zahl der in Armut lebenden Kinder ist erneut gestiegen. 2006 lebten knapp 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren in Hartz-IV-Familien - ein Zuwachs von zehn Prozent, hat das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung errechnet.

Montag, 23. April 2007

Taliban: Kind muss Gefangenen köpfen

Die Taliban haben ein Kind zum Henker gemacht. In einem Video zeigen die radikalislamischen Kämpfer, wie ein ungefähr zwölfjähriger Junge einem Mann den Kopf abtrennt. Der Hingerichtete war der US-Spionage beschuldigt worden.

Tja, waren das jetzt die moderaten Taliban, mit denen man nach Meinung nicht unwesentlicher Figuren in der deutschen Politik reden sollte? Falls ja, haben die uns einiges zu erklären, was die Verhandlungskommission (vielleicht Abgeordnete des Kinderparlaments?) und ihre Ziele (vielleicht wie man am besten in Kabul die Kinder an die Macht bringt?) angeht.

Falls nein, allerdings auch. Nämlich, warum immer darauf hingewiesen wird, daß unsere Tornados nur ganz harmlos auf Fotosafari sind, statt ausdrücklich zu betonen, daß man den Verbündeten ganz bewußt hilft, sadistische Barbaren, die selbst vor grauenvollen Verbrechen wie diesem nicht zurückschrecken, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen.

Donnerstag, 19. April 2007

Too much smoke to see a gun

Iran and North Korea have appointed high-level delegations to deepen co-operation between the two countries on nuclear weapons technology, according to diplomatic sources in Beijing.

The countries are keen to seal a deal before North Korea starts to close its controversial Yongbyon reactor under the terms of an agreement with the United States and regional powers in February.

Aber nicht, daß deswegen jetzt wieder irgendwelche Kriegstreiber behaupten, der Iran würde vielleicht doch heimlich nach Atomwaffen streben! Hier geht es ausschließlich um die Energieversorgung eines an fossilen Brennstoffen bekanntlich äußerst armen Entwicklungslandes.

[...] Iran has taken advantage of the delay to intensify attempts to negotiate a deal that would give Teheran access to the nuclear expertise North Korea acquired during last year's atom bomb test.

Iranian scientists have already been invited to Pyongyang to study data collected from the test. Beijing-based diplomats responsible for monitoring North Korea say that Iran is now keen to negotiate a deal that would deepen the level of nuclear co-operation.

Na und? Der Iran arbeitet eben an einer neuartigen Form unterirdischer Fernwärmekraftwerke, da ist das Interesse an den nordkoreanischen Testergebnissen doch völlig verständlich. Wenn man das was falsch dosiert, wäre das ja am Ende gefährlich für den Endverbraucher.

[...] "As the agreement currently stands, there are no restrictions on the proliferation of nuclear technology North Korea acquired last year," said a well-placed diplomat. "Iran is desperate to take advantage of this loophole to buy Pyongyang's expertise on building nuclear weapons."

Despite Teheran's insistence that its nuclear programme is aimed at meeting the country's future energy needs, Iran has already admitted to buying the blueprint for Pakistan's nuclear bomb from Dr A Q Khan, the "father" of that country's atom bomb. Nuclear experts believe that Iran is now seeking to acquire North Korea's expertise to assist its own clandestine programme to develop a nuclear weapons arsenal.

Was soll diese infame Unterstellung? Die von der Sorge um den Treibhauseffekt getriebenen iranischen Wissenschaftler haben sich Dr. Khans Atombombenpläne nur beschafft, um rechtzeitig eine Alternative zum Klimakiller Öl erforschen zu können. Was ist daran verwerflich?

The Iranian delegation handling the negotiations with North Korea report directly to Reza Aghazadeh, the country's vice president and the head of the Atomic Energy Organisation of Iran, who has overall responsibility for the controversial programme.

Senior officials from Aerospace Industries Organisation of Iran, which is responsible for the development of a ballistic missile programme, have also attended the talks.

Auch für die Entwicklung ballistischer Raketen gibt es eine ganz harmlose Erklärung: Nur so kann die Energie schnell genug überall hin geliefert werden, ohne erst ein altmodisches und kostspieliges Stromleitungsnetz auszubauen, welches ein armes Land wie den Iran finanziell überfordern würde.

Halten wir uns statt an lächerliche Spekulationen aufgrund von fragwürdigen Quellen wie dem "Telegraph" also lieber an die harten Fakten, um die unverschämten Zweifel an den friedlichen Absichten der iranischen Führung zu zerstreuen:

Es gibt bisher keine BEWEISE dafür, dass der Iran über WMD verfügt, bzw. versucht, welche zu bauen.

Das muß reichen.

Mittwoch, 18. April 2007

Alte Karawane, neuer Sultan

Irgendwie scheint die Deutsch-Arabische Gesellschaft Fallschirmjäger magisch anzuziehen. Nachdem einst Jürgen W. Möllemann (wie man heute weiß, erfolglos) mit der hakeligen Reißleine des liberalen Reservefallschirms kämpfte, der ihn vor dem Sturz in den Sumpf des Antisemitismus bewahren sollte, tritt jetzt ein ehemaliger Waffenbruder von der anderen Feldpostnummer die schwere Aufgabe an, unter den gerunzelten Augenbrauen nahöstlicher Despoten die richtige Balance zwischen dem Einknicken vor Wirtschaftsinteressen und dem Ausverkauf der Menschenrechte zu treffen.

Der Fensehpublizist, Buchautor und Arabien-Experte Prof. Dr. Peter Scholl-Latour ist neuer Präsident der Deutsch-Arabischen-Gesellschaft. Er wurde gestern einstimmig von der Versammlung im Berliner Adlon per Akklamation gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen.

Damit hat die Deutsch-Arabische Gesellschaft endlich den Vorsitzenden, den sie verdient. Man fragt sich, wieso da noch keiner vorher drauf gekommen ist. Der Mann ist zweifellos die ultimative Idealbesetzung für eine Truppe, deren internationale Zusammensetzung, auch wenn das kaum möglich scheint, einen größeren Anteil an Vertretern diktatorischer Regime aufweist als selbst die meisten UNO-Gremien. Denn wer, wenn nicht der Wüstensohn h.c. Scholl-Latour, wäre besser geeignet, mit autokratischen Scheichs, islamistischen Fanatikern und faschistoiden Tyrannen gleichermaßen vertraut zu parlieren?

Er folgt damit interimistisch dem Deutsche-Bahn-Vorstand Dr. Otto Wiesheu, der die DAG drei Jahre lang als Präsident geführt hatte. Wiesheu trat auf der gestrigen Jahresmitgliederversammlung der DAG von seinem Amt zurück.

Das haben sie schön gesagt. Wer wissen will, wie es wirklich war, sollte mal im aktuellen SPIEGEL auf Seite 42 nachschlagen. Da muß es wohl kleinere Differenzen gegeben haben. Aber die kann der Deutschen liebster "Welterklärer" (SPIEGEL) jetzt ja bei einer Wasserpfeife und einem Fäßchen Öl ausräumen. Und wer weiß, vielleicht kann PSL sogar erreichen, daß Deutschland die Entwicklung von Nuklearwaffen in der arabischen Welt nicht nur fördert, sondern auch gleich selbst von deren Ergebnissen profitiert. Dann wird sein Traum von der deutschen Atombombe vielleicht doch noch wahr.

Dienstag, 17. April 2007

Fighting to Win

Ok, die Demokraten wollen den Republikanern und vor allem Bush eins auswischen. Muß man respektieren, sind ja schließlich Politiker. Aber sie sollten dabei nicht vergessen, daß sie mit ihrer Cut&Run-Strategie nicht nur das Ansehen eines verhaßten Präsidenten beschädigen würden, sondern auch die Zukunft jener Menschen, um die es in Sachen Irakkrieg eigentlich gehen sollte und deren Wohlergehen gerade bei den Kriegsgegnern angeblich doch ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Nämlich der Iraker.

Iraq, lest we forget, is an ally in the war on terror--more Iraqis have died fighting al Qaeda than the soldiers and civilians of almost any other country. The Iraqi determination to continue that fight is strengthening. Now is hardly the time to end our support and abandon our Iraqi allies.

Montag, 16. April 2007

Aufstand gegen Iraks Qaida: Wenn Terroristen Terroristen bekämpfen

Sie sind zwar kaum weniger blutrünstig - aber mit al-Qaida mögen sie nichts mehr zu tun haben. Neun militante irakische Gruppen wollen die dortige Filiale des Terrornetzwerks isolieren. Denn al-Qaida töte zu viele Muslime. Und habe Interessen außerhalb Iraks.

Oha, bei Terroristens herrscht offenbar dicke Luft. Da scheinen es Bin Ladens Zöglinge wohl doch etwas übertrieben zu haben. Nachdem vorher bereits die meisten sunnitischen Stämme zur Regierung übergelaufen waren, beginnen jetzt sogar die Widerständler höchstselbst dem Widerstand Widerstand zu leisten. Selbst den eigenen Helfershelfern scheint nämlich langsam zu dämmern, daß wenn man vorher alle Landsleute umbringt, am Ende niemand mehr übrig bleibt, den man unterdrücken könnte. Und ohne Untertanen macht das Herrschen auch einem eingefleischten Ba'ath-Faschisten nicht so recht Spaß.

Wenn aber selbst brutale Kopfabschneider in der Lage sind, solch schlichte Tatsachen zu erfassen und sogar der SPIEGEL das T-Wort gleich mehrmals in den Mund nimmt, besteht eine wenigstens rudimentäre Hoffnung, daß sich eines fernen Tages auch die übrigen Bushhasser im Westen zu einer Distanzierung von den Pseudorebellen ihrer feuchten antiimperialistischen Träume durchringen können. Und wer weiß, vielleicht begreifen sie dann sogar, daß der gute George W. bei allem, was man sonst an ihm kritisieren mag, verglichen mit solch einem Mörderpack immer noch das weitaus kleinere Übel ist.

Freitag, 13. April 2007

Showing 'goodwill' towards Iran

Während der letzten Geiselnahme des iranischen Regimes gab es auf Samizdata einen erfrischend unkonventionellen Vorschlag, wie man mit Frechheiten diesen Kalibers umgehen sollte. Ist zwar schon eine Woche her, hat aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt (die nebensächliche Fehleinschätzung der Rolle der SA, die eher das Gegenstück zur Bassidsch-Miliz als zu den Pasdaran-Gardisten wäre, sehen wir angesichts der historisch nicht immer akkuraten Nazi-Darstellung in angelsächsischen Weltkrieg-II-Spielfilmen mal als verzeihlich an ;-) und beweist mal wieder, daß die Briten auch in ernster Lage ihren sprichwörtlichen Humor nicht so schnell verlieren:

Iran can called for the UK government to make a 'goodwill gesture' towards Iran in return for them freeing the fifteen naval personnel they abducted in Iraqi waters. This is entirely reasonable and the UK should respond by promising that if the Iranian government will keep control of the Pasdaran (a military organisation that relates to the regular Iranian military in a similar way to which the SA or SS related to the Wehrmacht), the UKGov will make sure that 'rogue elements' of the Royal Navy do not mine Iranian harbours or start torpedoing Iranian shipping.

Of course as Iranian weapons keep finding their way into Basra and killing British soldiers, perhaps a different sort of exchange is really needed. After all, as there are no shortage of internal opponents to the Iranian regime, surely it is well past time that UK weapons started turning up in the hands of Iranian anti-government elements as well... think of it as another way of furthering globalisation and international trade.

Doch auch die Leserkommentare zeigen, daß jenseits des Kanals eine liberal/libertäre Grundhaltung nicht zwingend mit peinlichen Appeasementanwandlungen Hand in Hand gehen muß:

Yeah, here's a 'goodwill gesture'. Our rogue element Trafalgar-class SSNs stationed off your coast won't each fire a broadside of 4 Tomahawks at your nation's leading petrochemical export facilities. Happy Easter you kidnapping bastards and enjoy the chocolate while you can. (Julian Taylor)

Und jetzt die Werbung...

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