Wenn man mit Gegnern des Irakkriegs über den sogenannten Widerstand und dessen glorreichen Heldentaten wie Bombenanschläge auf Menschenansammlungen, das gezielte Ermorden von Kindern oder den Einsatz von Giftgas gegen Zivilisten redet, versuchen sich jene unter ihnen, denen das wenigstens ein bißchen peinlich ist, meist damit rauszureden, daß das ja gar nicht der wahre Widerstand sei. Die echten Widerstandskämpfer würden nur für die nationale Unabhängigkeit und gegen die Besatzer sowie deren Kollaborateure kämpfen, und das sei ja schließlich ihr gutes Recht.
Nun besteht jener Teil des Widerstands, der sich tatsächlich auch mit Kriegführung statt nur mit Kriegsverbrechen beschäftigt, nicht ohne Grund zu wesentlichen Teilen aus militärisch erfahrenen Anhängern der früher regierenden Ba'ath-Partei, und die kämpfen offen für die Wiedererrichtung des alten Regimes. Entgegen dem weitverbreiteten Bild einer etwas harten, aber immerhin kulturell authentischen Herrschaftsform handelt es sich bei der Ba'ath-Diktatur aber nicht nur um eines der menschenverachtendsten Systeme, die die Welt nach dem II. Weltkrieg gesehen hat, sondern die Anklage ist noch schlimmer: Sie lautet "Faschismus", und zwar in einem besonders schweren Fall.
Angesichts der Schwere der Beschuldigung und weil den Irakkriegsgegnern bei einem Schuldspruch auch der letzte Rest ihrer ohnehin schon kläglichen Legitimation entzogen würde, findet sich natürlich sofort ein Anwalt, der keine Skrupel hat, einen Massenmörder wie Saddam Hussein und seine Ba'ath-Schergen vor diesem Vorwurf in Schutz zu nehmen. Natürlich nicht direkt, denn damit bliebe ihm nach der abzusehenden Widerlegung jede Möglichkeit eines Rückzugs von der eigenen Position genommen, sondern schön vorsichtig, indem einfach ganz harmlos gefragt wird, was denn an der Ba'ath-Partei faschistisch sei.
Also, rufen wir den ersten Zeugen auf, Herrn Thomas von der Osten-Sacken, der hierzu bereits vor mehr als dreieinhalb Jahren eigentlich alles wesentliche gesagt hat. In einem in "Der Jüdischen" am 25.06.2003 erschienenen Artikel äußerte er sich wie folgt:
Der Irak stellte neben Palästina das Zentrum der panarabischen Bewegung, die vor allem in Bagdad mit einem eliminatorisch antisemitischen Programm auftrat. Mit Sa'ti Husri fand sie einen glühenden Bewunderer der deutschen Romantik, des Antisemiten von Schoenerer, der in der deutsch-völkischen Bewegung ein Vorbild für die "Befreiung der arabischen Nation" von Imperialismus und Fremdherrschaft sah. Sein Zeitgenosse Michel Aflaq, Gründer der panarabischen Baathpartei besuchte Mussolinis Italien und Nazideutschland.
Die Nähe zahlte sich aus. Deutsche Agenten strömten in den 30er Jahren nach Bagdad um dortigen Panarabisten im Kampf gegen Briten und Juden zu helfen. Ihren Höhepunkt fand diese Kooperation 1941 in einem auch vom Großmufti aus Jerusalem unterstützten Putsch panarabischer Offiziere um Raschid Ali gegen die britische Mandatsherrschaft.
Neben der Liquidation von Kommunisten und "probritischen Elementen" sollte, hieß es damals in einem Kommuniqué, vor allem mit den Juden so verfahren werden, "wie es den nationalen und völkischen Interessen der Araber entspricht, und wie die Judenfrage in Deutschland gelöst worden ist".
Als britische Landetruppen dem Spuk im Juni desselben Jahres ein Ende setzten, führten Mitglieder der Jugendorganisation Futuwwa einen antisemitischen Pogrom, den Farhud, in Bagdad durch. Yunis al-Sabawi, der Führer dieser Milizen drängte damals auf eine sofortige Vernichtung der irakischen Juden, die ohne britische Intervention das Jahr 1941 unter Umständen nicht überlebt hätten.
[...] Für Saddam Hussein, der Hitlers "Mein Kampf" als wichtigstes Buch des 20. Jahrhunderts bezeichnete, stellten die Putschisten von 1941 direkte Vorgänger seiner Baathpartei dar. Rashid Ali floh nach Niederschlagung seines Putsches nach Berlin, von wo er, gemeinsam mit dem Mufti von Jerusalem, das antisemitische "Radio Freies Arabien" leitete.
[...] Im Zentrum der panarabischen Ideologie stand und steht ein eliminiatorischer Antisemitismus, ebenso aggressiv richtet sie sich gegen alle anderen nichtarabischen Gruppen, seien es Assyrer, Kurden oder Perser. Die lange Geschichte des Panarabismus im Irak ist zugleich eine Geschichte unendlichen Leids, das der irakischen Bevölkerung im Namen des Kampfes gegen den Zionismus angetan wurde. Ein Großteil jener, deren Überreste dieser Tage in den irakischen Massengräbern entdeckt wurden, seien es Kurden, Schiiten oder andere irakische Bürger starben als "zionistische Agenten". Schon in den 30er Jahren kritisierte ein ägyptischer Autor, der Panarabismus irakischer Prägung "drückt das Gefühl aus, daß die Arbeit für das Wohl der arabischen Nation die Annahme einer feindseligen Haltung gegenüber allen nicht arabischen Elementen verlangt, gleich ob diese innerhalb des arabischen Raumes leben oder außerhalb."
Die Verfolgung der irakischen Juden erreichte nach 1948 einen Höhepunkt, kulminierte allerdings erst 1967, als das damalige irakische Regime antijüdische Gesetze nach Vorbild der Nürnberger Rassegesetze erließ und dann ein Jahr später einen Großteil der wenigen verbliebenen Juden öffentlich hinrichten ließ in einer hysterischen Kampagne gegen Spione und zionistische Agenten, die sich zuallererst gegen die jüdische Gemeinde dann gegen andere Bevölkerungsgruppen richtete. Terror, Angst und Exekutionen bestimmten das Leben der Juden im Irak, nachdem der Panarabismus in Form der Baathpartei die Macht übernommen hatte.
"Die Jüdische? Na, dann ist ja alles klar. Die stecken doch alle mit ihren Glaubensgenossen in Israel unter einer Decke! Das sind doch die Hauptkriegstreiber. Der Likud hat doch erst mittels der NeoCons die ahnungslosen Amerikaner gegen den Irak aufgehetzt. Und das soll ein glaubwürdiger Zeuge sein? Geh'n Sie doch weg, Herr Staatsanwalt, das ist doch lächerlich!"
Kein Problem, Herr Verteidiger, wenn Sie ein Problem mit "Der Jüdischen" haben, werde ich Ihnen gerne einen anderen Zeugen präsentieren. Bernard Lewis, ein international anerkannter Fachmann für Fragen des Nahen Ostens, schrieb u.a. folgendes im Winter 2006 in "The American Scholar - Volume 75 No. 1":
In 1940 the French surrender gave the Nazis new opportunities for action in the Arab world. In Vichy-controlled Syria they were able for a while to establish an intelligence and propaganda base in the heart of the Arab East. From Syria they extended their activities to Iraq, where they helped to establish a pro-Nazi regime headed by Rashid Ali al-Gailani. This was overthrown by the British, and Rashid Ali went to join his friend the Grand Mufti of Jerusalem in Berlin, where he remained as Hitler’s guest until the end of the war. In the last days of Rashid Ali’s regime, on the first and second of June 1941, soldiers and civilians launched murderous attacks on the ancient Jewish community in Baghdad. This was followed by a series of such attacks in other Arab cities, both in the Middle East and in North Africa.
[..] The Nazi propaganda impact was immense. We see it in Arabic memoirs of the period, and of course in the foundation of the Ba’ath party. We use the word “party” in speaking of the Ba’ath in the same sense in which one speaks of the Fascist, Nazi, or Communist parties-not a party in the Western sense, an organization for seeking votes and winning elections, but a party as part of the apparatus of government, particularly concerned with indoctrination and repression. And anti-Semitism, European-style, became a very important part of that indoctrination.
"Lewis? Das ist doch bestimmt ein Amerikaner, oder? Was, ein Engländer? Egal, damit ist er immer noch ein Angloamerikaner. Das reicht doch wohl, um sich zu ersparen, sich mit den von ihm genannten "Fakten" ernsthaft auseinanderzusetzen. Wenn Juden und Amerikaner alles sind, was Sie zu bieten haben, dann ist das ja wohl ein bißchen wenig."
Ok, dann rufen wir doch mal die proamerikanischer Irakberichterstattung ziemlich unverdächtige Deutsche Welle herein und hören uns an, was man von halboffizieller deutscher Stelle zum Faschismusvorwurf meint:
Die Baath-Partei wurde 1940 in Syrien gegründet. "Baath" bedeutet auf arabisch soviel wie Wiedergeburt oder Renaissance. Michel Aflaq, der Hauptgründer der Partei, hatte eine Vision: Nach der Ära des Kolonialismus sollten alle arabischen Länder sich als eine arabische Nation begreifen. Die drei Grundprinzipien der Baath-Partei lauteten Einheit, Freiheit und Sozialismus. Dagegen lehnten die Baath-Gründer Kommunismus sowjetischer Prägung und westliche Demokratie ab. Ihnen schwebte vielmehr ein "nationaler Sozialismus" arabischer Prägung vor. [...] Aflaq sah Hitler-Deutschland als eines seiner Vorbilder und empfahl seinen Parteigenossen sogar die Lektüre von NS-Ideologen wie Alfred Rosenberg.
"Äh, ja, also die Deutschen, die kuschen ja wegen ihres schlechten Gewissens immer noch vor den ehemaligen Besatzern, das hat jetzt nichts, aber auch gar nichts zu sagen! Und dann auch noch ein staatlicher Rundfunk, die dürfen ja gar nicht die Wahrheit sagen, damit der große Bruder von jenseits des Atlantik nicht verprellt wird. Das weiß doch jeder, der die proamerikanische Haltung der deutschen Medien nicht verdrängt! Nein, nein, Herr Staatsanwalt, da müssen Sie schon noch ein bißchen mehr bieten."
Sie sind aber auch wirklich sehr schwer zufriedenzustellen, Herr Verteidiger. Aber sei's drum, dann nehmen wir eben einen weiteren Artikel von Herrn von der Osten-Sacken, der im Jahre 2003 in der linksliberalen und im allgemeinen ziemlich irakkriegskritischen ZEIT erschienen ist. Der sollte ihnen eigentlich reichen:
Dieser Panarabismus, den der Theoretiker Saati Husri in den dreißiger und vierziger Jahren entwarf, bildet die Grundlage des gesamten Wahnsystems heutiger baathistischer Herrschaft unter Saddam Hussein. Husri, zu dessen Vorbildern neben Herder, Fichte und Ernst Moritz Arndt auch der radikale Antisemit und Pangermane van Schönerer zählte, definierte eine mystische arabische Kulturnation, die auf einer gemeinsamen glorreichen Vergangenheit fuße und nur äußerlich durch nationale Grenzen voneinander getrennt sei. Die Rückkehr zur arabischen Nation begriff er als eine historische Mission, die nur durch die Überwindung jener Feinde erfüllt werden könne, die von der Spaltung der Araber profitierten. Neben Frankreich und Großbritannien sollten dies nichtarabische Minderheiten sein.
Seit Mitte der dreißiger Jahre wurden zunehmend auch die Juden zu diesen Feinden gezählt. 1941 ergriffen irakische Faschisten unter der Führung von Raschid Ali al-Gajlani mit deutscher Hilfe die Macht und verübten den ersten antisemitischen Pogrom in der irakischen Geschichte. Sie wollten, erklärten sie damals, „die Judenfrage“ nach deutschem Vorbild lösen. Britischen Truppen gelang es, den Putsch niederzuschlagen, Gajlani floh nach Berlin, wo er gemeinsam mit dem berüchtigten Großmufti von Jerusalem für eine deutsch-panarabische Allianz gegen „Imperialisten und Juden“ warb. Saddam Husseins Baath-Partei, die sich auf Gajlani beruft, hat die Vorstellung einer arabischen Mission im Kampf gegen diese Feinde als innenpolitisches Prinzip durchgesetzt.
"Linksliberal? Ha, daß ich nicht lache! Das ist ein bürgerlich-kapitalistisches Liberallala-Blatt, das die herrschenden Verhältnisse in keinster Weise kritisch hinterfr... äh, also jedenfalls ist das alles blanke Antiislamhetze. Man kann doch nicht einfach unkommentiert über etwas berichten, was vor über 60 Jahren passiert wird. Das müssen die Leser doch falsch verstehen."
Sie machen es einem nicht leicht, verehrter Kollege, aber wegen mir, bitte schön. Nehmen wir also eine richtig schön linksradikale und jeglicher bürgerlicher Sympathien unverdächtige Seite. Damit hätten wir das gesamte Spektrum durch und selbst Sie sollten allmählich einsehen, daß Sie Ihrem Mandanten auf den Leim gegangen sind.
Die Gründungsfigur des modernen arabischen Nationalismus, Sati al-Husri (1882-1968), ist als der "arabische Fichte" in die Ideologiegeschichte eingegangen. Mit ihm setzte die nationale Identitätssuche im Zeichen einer aus Deutschland importierten völkischen Substanzideologie ein - in ausdrücklicher Abkehr vom politisch-rationalistischen Begriff der Nation, wie ihn die englische und französische Aufklärung entwickelt hatte. Nationen sind dieser Lehre zufolge biologisch und kulturalistisch vorgeprägte Kollektive, deren Auftrag darin liege, einen ihnen gemäßen "Volksstaat" zu gründen. Der al-Husri Schüler Michel Aflaq (1912-1989), Gründer und Chefideologe der Baath-Bewegung, wußte seinen Lehrer politisch zu aktualisieren, nicht zuletzt durch die Lektüre von Rosenbergs Mythus des 20. Jahrhunderts, ein Buch, das er 1937 studierte und zwar, wie die folgenden Ausführungen zeigen, offensichtlich mit Gewinn. 1943 hielt Aflaq in der Universität Damaskus einen Vortrag, dessen Hauptthesen nicht nur jedem deutschen Nazi-ldeologen aus dem Herzen sprechen müssen, sondern heute von fast allen islamischen Ländern und Bewegungen geteilt werden: "Seit eineinhalb Jahrhunderten sind die Araber mit dem Westen erneut verbunden infolge des Angriffs Napoleons auf Ägypten. Dieser gewiefte Mensch hat jene Verbindung in Gang gesetzt, indem er Flugblätter anbringen ließ, auf denen die Verse des Koran an der Seite der Erklärung der Menschenrechte niedergeschrieben waren. Seit jenem Augenblick haben die Araber nicht davon abgelassen, ... ihr neues Erwachen in eine verzerrte Richtung zu lenken"
"Niemals!!! Die Ba'ath-Partei hat mit dem Faschismus nichts, aber auch gar nichts zu tun! Dieser Vorwurf ist ungeheuerlich und entbehrt jeder Grundlage. Und Ihre gekauften pseudokommunistischen Schreiberlinge können Sie sich dahin schieben, wo Sie sich bei diesem Halbaffen im Weißen Haus am liebsten aufhalten, sie imperialistischer Lakai, Sie!"
Ja, dann bleibt mir leider nichts übrig, als Ihren Mandanten höchstpersönlich in den Zeugenstand zu rufen und ihn zu fragen, wie er denn selber zu Faschismus und Nationalsozialismus steht. Hören wir also, was der Ba'ath-Mitgründer Sami al Jundi dazu zu sagen hat:
"Wir waren Rassisten, wir bewunderten den Nationalsozialismus, lasen seine Bücher und die Quellen seiner Ideen, insbesondere Nietzsche [...] [Also sprach Zarathustra, Anm. des Verf.] Fichtes [Reden an die deutsche Nation, Anm. des Verf.] und H.S. Chamberlains Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts, das sich ganz um das Thema Rasse dreht. Wir dachten als erste daran, Mein Kampf zu übersetzen. Wer in dieser Zeit in Damaskus lebte, kann die Neigung des arabischen Volkes zum Nazismus verstehen, denn er war die Macht, die Vorkämpfer der arabischen Sache sein konnte, und wer besiegt ist, liebt von Natur aus den Siegreichen."
Nun möchte man meinen, daß der Verteidiger, nachdem sein Mandant die Tat gestanden und sich im Sinne der Anklage für schuldig bekannt hat, seinen Aktenordner zuklappt, wortlos aufsteht und wie ein geprügelter Hund davonschleicht, mit dem festen Vorsatz, sich in Zukunft das Gesindel etwas genauer anzuschauen, für das er sich so leichtfertig in die Bresche wirft. Nicht nur, weil von vorneherein aussichtslose Fälle einem Anwalt schnell die Erfolgsbilanz verhunzen, sondern auch, weil man normalerweise mit gewissen Leuten wie beispielsweise Robbenschlächtern, Kinderschändern oder faschistischen Massenmördern nicht unbedingt zusammen gesehen werden möchte.
Nicht so unser Verteidiger. Nachdem alles verloren scheint, raunzt er den Staatsanwalt an, der solle doch erst mal die einschlägigen Gesetzesbücher wälzen und dann mit ihm die Definitionen der seinem Mandanten zur Last gelegten Untaten grundsätzlich ausdiskutieren. Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, wo man beantragen müßte, den Rechtsanwalt wegen Verhöhnung des Gerichts hochkant aus dem Gerichtssaal werfen zu lassen. Aber der Staatsanwalt ist kein Unmensch und legt dem Verteidiger kopfschüttelnd das geforderte Regelwerk auf den Tisch:
MERKMALE DES FASCHISMUS
[Anmerkung: Bei diesen 25 Punkten handelt es sich um eine relativ spontane und ohne größere Recherchen aus dem Bauch heraus vorgenommene Zusammenstellung. Sie erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und sinnvolle Ergänzungen sind selbstverständlich willkommen.]
POLITISCHES SYSTEM
Führerprinzip: ist die Grundlage der Herrschaft, dem sich alles andere unterordnen muß
Einparteiensystem: keine Partei im üblichen Sinne, sondern eine alle Lebensbereiche kontrollierende Bewegung
Scheinparlament: dient trotz der Ablehnung des Parlamentarismus zu Legitimationszwecken
AUSSENPOLITIK
Diplomatie: alles vom Vertragsbruch über aggressive Drohungen bis hin zum unprovozierten Eroberungskrieg
Streitkräfte: Unterteilung in reguläre Armee und verschiedene regimetreue Truppen zur gegenseitigen Kontrolle
Militarisierung: beginnt von Kindesbeinen an und umfaßt die gesamte Gesellschaft
INNENPOLITIK
Medien: staatlich gelenkte Propaganda bei gleichzeitiger Unterdrückung jeglicher Meinungsfreiheit
Überwachung: umfassendes Spitzelsystem zur möglichst umfallenden Kontrolle der Bürger
Repression: schwere Menschenrechtsverletzungen bis hin zum umfassenden Völkermord
WIRTSCHAFTSSYSTEM
Unternehmertum: Privatwirtschaft wird unter dem Vorbehalt staatlicher Eingriffe geduldet
Interventionismus: alles von Fünfjahresplänen über Rationierungen bis hin zu Produktionsvorgaben
Protektionismus: Abschottung vom Weltmarkt führt zwangsläufig zu Autarkiestreben
SOZIALSYSTEM
Sozialstaat: Ruhigstellung der Bevölkerung durch soziale Wohltaten, aber nur für Angehörige der "Volksgemeinschaft"
Arbeitsmarkt: künstliche Schaffung von Arbeitsplätzen durch Beschäftigungsprogramme und Großprojekte
Gewerkschaften: nicht unabhängig, sondern Teil der "Bewegung" zur Kontrolle der Arbeiter
KULTUR
Kunst: Antiintellektualismus und Unterwerfung der Kunst unter ideologische Erfordernisse
Wissenschaft: Nutzung für Machterhalt, aber Zugangsbeschränkung für die Allgemeinheit
Religion: wird geduldet oder gar mißbraucht, sofern sie sich dem System nicht entgegenstellt
NATION
Volk: biologistische Abgrenzung der gewachsenen Volksgemeinschaft gegenüber der Umwelt
Ausland: wird mit nationalistischen Chauvinismus bis hin zum offenen Rassismus betrachtet
Geschichte: Verklärung der nationalen Vergangenheit und Verfälschung zur Legitimation des Regimes
FEINDBILDER
Antiliberalismus: Ablehnung "westlicher" Ideen wie Individuum, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Kapitalismus oder Globalisierung
Antikommunismus: radikale Bekämpfung als Konkurrenz, aber trotzdem temporäre Zweckbündnisse
Antisemitismus: ensteht zwangsläufig durch Neigung zu Sündenböcken und Verschwörungstheorien
Antimodernismus: rückwärtsgewandte Grundhaltung, die den Fortschritt als bedrohlich empfindet
Daraus geht unschwer und auch für weniger stark belichtete Zeitgenossen leicht erkennbar hervor, daß das Ba'ath-Regime geradezu ein perfektes, wie aus dem Baukasten zusammengesetztes Lehrbuchbeispiel für ein faschistisches Regime ist, da es nahezu alle Punkte vollständig in sich vereint. Doch aufgrund der dem Einfluß ihres Hauptverbündeten, der brüderlichen Sowjetunion, geschuldeten antikapitalistischeren Grundtendenz baut der Verteidiger sich in dem jetzt inzwischen leeren Gerichtssaal auf und ruft vor den verwaisten Zuschauersitzen aus: "Pustekuchen Faschismus! Die Menschenrechtsverletzungen, Völkermorde und Kriege des Ba'ath-Regimes geschahen eindeutig im Namen des Sozialismus!" Na schön, Herr Anwalt, ich gebe mich geschlagen, da haben Sie wohl gewonnen.
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