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13 Artikel von Februar 2007

Montag, 26. Februar 2007

Nordkorea und Iran: Amerikas Alpträume

Mit ihren unberechenbaren Regimen sind Nordkorea und nun auch Iran zu Alpträumen Amerikas geworden.

Nun möchte man eigentlich annehmen, daß diese Regime in erster Linie die Albträume der von ihnen terrorisierten Menschen sind. Aber die zählen für ein Nachrichtenmagazin, das die Ansprüche deutscher Leser befriedigen muß, bestenfalls am Rande. Auch die Überlegung, daß es sich hier zunächst mal um die Albträume jener Staaten handeln sollte, die von iranischen Atomraketen erreichbar wären, bevor sich die USA Gedanken machen müssen, greift zu kurz, denn mit Ausnahme des offen mit physischer Auslöschung bedrohten Israels nehmen die potentiellen Atomkriegsopfer das ganze diesmal anders als in den 80ern nicht so ernst, wie es nötig wäre, um ihren Schlaf auch nur ein wenig unruhiger werden zu lassen.

Beim Streit mit Pjöngjang entschloss sich die US-Regierung zur Diplomatie.

Und der SPIEGEL wußte dies denn auch gleich mit dem Begriff Kotau und einem Artikel zu würdigen, in dem Bush die mangelnden Erfolge des diplomatischen Vorgehens vorgehalten wurden. Vielleicht sollten Gerhard Spörl und Andreas Lorenz erst mal miteinander reden, um zu klären, wie sie Sinn und Zweck von Soft Power denn nun bewerten wollen. Da scheint es ja noch gewisse Abstimmungsprobleme zu geben, die der gefühlten Kompetenz unseres Montagsmagazins nicht unbedingt zuträglich sind.

Aber im Konflikt mit den Mullahs ist sie noch lange nicht so weit.

Wieso sollte sie auch? Der Iran will doch keine Atomwaffen. Das sind doch alles nur die Lügen neokonservativer Kriegstreiber. Also muß man sich auch keine Sorgen machen. Oder etwa nicht?

[...] Nordkorea, dieses Hungerreich im Würgegriff der Familie Kim, ist der Alptraum Amerikas seit geraumer Zeit. In den Jahren 1993 und 1994, als der Präsident Bill Clinton hieß, schien der Krieg unmittelbar bevorzustehen. Es kam dann aber glücklicherweise zu Verhandlungen und zur Einigung.

An die sich Nordkorea dann dummerweise nur nicht wirklich hielt, so daß Clinton am Ende wie der letzte "Frieden in unserer Zeit!"-Depp da stand, was nicht unerheblich zur Einschätzung beigetragen haben dürfte, daß Verhandlungen mit Tyrannen wie Kim günstigstenfalls nutzlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv sind.

Der Tauschhandel damals lässt sich auf den Nenner bringen: Brot gegen Nuklearwaffen. Solche Abkommen haben immer einen schalen Beigeschmack: Diese Diktatoren in Nordkorea sind besonders trostlose Ausgeburten ihrer Spezies, die auf diese Weise ihr Überleben sichern, was umgekehrt heißt, dass ihr Volk ihnen ausgeliefert bleibt, freigegeben zur Unterdrückung und zum Verhungern, eingesperrt in einem der trostlosesten Länder auf Gottes Erdboden. Die Weltmacht, die Geschäfte mit solchen Tyrannen macht, schiebt Moral beiseite. So ist das nun einmal, leider, aber es ist richtig so, weil jede Alternative noch schlimmer ist.

Mal ganz davon abgesehen, daß das genau jene Moral ist, die das Blatt, für welches Herr Spörl schreibt, den Amerikanern bei jeder Gelegenheit als Beweis für ihre Verlogenheit unter die Nase reibt, fragt sich hier, für wen da was schlimmer ist. Zig Millionen Menschen, denen man ihr gesamtes Leben gestohlen hat, mehrere Millionen Hungertote, und hunderttausende, die im GuLAG dahinvegetieren, dürften jedenfalls nur schwer zu toppen sein, schon gar nicht von ein paar durchgeknallten Selbstmordattentätern. Andererseits wissen wir gerade durch die Erfahrung im Irak, daß die weit zahlreicheren Opfer einer Diktatur anders als diejenigen ihres Sturzes in den Mainstreammedien keine Lobby haben und im nachinein gerade auch von SPIEGEL-Autoren ganz gerne vergessen werden, damit die Berechnung von Erfolg und Mißerfolg zu dem von den Lesern gewünschten Ergebnis führt.

Iran ist der andere Alptraum Amerikas, seit dort der Schah davongejagt wurde und ein paar Ajatollahs an seine Stelle traten. Das ist noch so ein befremdliches Regime, eine Theokratie, und das auch noch mit Öl. Dazu dieser Mahmud Ahmadinedschad, ein Provokateur mit hochfahrenden Wünschen über die Rolle seines Landes in der Region und verrückten Vorstellungen über den Holocaust und den weiteren Verbleib Israels. Iran ist das Nordkorea im weiteren Nahen Osten, nur mächtiger.

Und, was ist jetzt mit den "verrückten Vorstellungen über den Holocaust" und "den weiteren Verbleib Israels"? Macht das nicht einen klitzekleinen Unterschied in der Bewertung aus? Denn wenn die Bombe nur dem Erhalt eines Terrorregimes dient, wäre der Westen zwar umso mehr verpflichtet, besagtem Regime die Bombe zu verweigern, gerade um den dort lebenden Menschen noch helfen zu können, doch könnte man als entspannungsgestählter Realpolitiker den Unterdrückten immer noch ein nationalegoistisch begründetes "Pech gehabt!" zurufen. Aber wenn die Bombe verwendet wird, "verrückte Vorstellungen über den Holocaust" praktisch umzusetzen und "den weiteren Verbleib Israels" mit dessen Deportation ins nukleare Nirvana zu regeln, ist das keine innere Angelegenheit mehr, sondern betrifft uns alle.

Wenn man das Beispiel Nordkoreas ernst nimmt, dann liegt es nahe, dass Amerika sich für Iran ähnlich verhalten muss. Es gibt die Vierer-Gespräche unter Ausschluss Amerikas, was schlecht ist und sich ändern müsste, wenn Aussicht auf Erfolg gewünscht wird. Die Rolle Chinas könnte Russland übernehmen. Russland liefert Iran Waffen und nukleare Technologie. Wenn irgendein Land Vertrauen in Teheran genießt, dann ist das Russland. Doch Russland genießt nicht das Vertrauen der Regierung Bush. Auch das kann sich ändern.

Sicher. Putin findet über Nacht seine Lupe wieder und kehrt reumütig zurück in den Schoß der liberalen Demokratie. Im Ernst, selbst wenn es soweit käme, stellt sich doch die Frage, was machen wir bis dahin? Die Bombe der Mullahs muß jetzt verhindert werden. Auf das Heilen der verletzten russischen Seele des heiligen Vladimir können wir dabei leider schlecht warten. Also, lieber Gerhard Spörl, ganz konkret: Wie stoppen wir Achmadinedschad & Co., falls Putin überraschenderweise doch nicht den Pfadfindern beitreten sollte?

[...] Die Alternative hieß im Fall Nordkorea und heißt jetzt im Fall Iran: entweder das Regime oder die Haltung wechseln. Mit dem Regimewechsel dürfte es in absehbarer Zeit auch in Teheran nichts werden. Bleibt, die Haltung zu wechseln.

Mit anderen Worten: Sorry, liebe Iraner, daß sie Euch töten und foltern und Euer Leben zerstören, betrübt uns natürlich zutiefst, aber shit happens, hatten wir auch schon, und wir haben's auch überlebt (naja, zumindest die meisten von uns), also Kopf hoch. Und Ihr Juden, haut einfach ab da unten und kommt zurück nach Europa, als wehrlose Flüchtlinge haben wir euch dann auch wieder lieb, und das ist doch schon mal ein gutes Gefühl. Womit immerhin raus wäre, was einige Zeitgenossen als "Haltung" zu bezeichnen bereit sind.

Montag, 19. Februar 2007

Vorsicht, Virenbefall!!!

Nein, nicht die für unseren binär rechnenden Freunde, sondern von jener Sorte, die man auch als organisches Wesen besser meiden sollte. Daher sollte dieses Blog die nächsten zwei, drei Tage wegen akuter Ansteckungsgefahr besser weiträumig umfahren werden, derweil der Admin die Freuden von Fieberhalluzinationen, Schüttelfrost und Gliederschmerzen goutiert. Allen von der aktuellen Grippewelle ebenfalls in Mitleidenschaft gezogenen bei dieser Gelegenheit solidarische Genesungswünsche!

Freitag, 16. Februar 2007

Ein schöner Tag...

Masri versucht bereits nach weniger als einem Jahr den Rantisi zu machen, al-Sadr erbringt den ultimativen Beweis dafür, daß Terroristen für die richtige Ansprache durchaus empfänglich sind, und draußen scheint endlich mal wieder die Sonne. So darf's weitergehen!

Donnerstag, 15. Februar 2007

Irans Irakpolitik: Smoking Gun aus der Alpenrepublik

Mehr als 800 schwere Gewehre sind 2004 aus Österreich nach Iran geliefert worden - trotz scharfer Proteste der USA erteilte die Regierung Schüssel damals ausdrücklich die Genehmigung. Nun tauchten Waffen dieses Typs im Irak auf.

[...] Aus Angst, die gefährlichen Waffen könnten in die Hände von Terroristen gelangen, versuchten die Regierungen in London und Washington gleichermaßen den umstrittenen Deal zu verhindern - vergeblich. Steyr-Mannlicher bestand auf dem Geschäft mit den Mullahs und verkaufte.

[...] Die Konzernspitze gab sich hingegen stur: Der damalige Steyr-Chef Wolfgang Fürlinger versuchte öffentlich, die Gefährlichkeit des Gewehrs herunterzuspielen. Das HS .50 sei harmloser als eine Pistole, so Fürlinger. Zudem habe die Regierung in Iran ein sogenanntes Endverbraucherzertifikat unterzeichnet, das einen Re-Export der Gewehre ausschließe.

Gemeinhin hält sich ja das Vorurteil, daß in westlichen Demokratien die fähigsten Köpfe in die Wirtschaft gehen und die Politik sich eher mit der zweiten Reihe des zur Verfügung stehenden Personals begnügen muß. Daß dem nicht zwingend so ist, wird im Falle der an den Iran gelieferten österreichischen Scharfschützengewehre und der damit verbundenen Rechtfertigungsversuche des Waffendeals allerdings mal wieder mehr als deutlich.

Denn ganz abgesehen von der Frage, ob die Zahl der Drogendealer, die in schwer gepanzerten und weiträumig durch Leibwächter vor der Polizei gesicherten dunklen Limousinen durch den Iran kurven, den Einsatz von 800 auf über einen Kilometer panzerbrechenden Waffen erfordert, zeigt der Verweis auf die Endverbraucherzertifikate, daß auch Unternehmenslenker der Realität mitunter nicht mehr verhaftet sind als der traditionelle konservative Appeasement- oder sozialdemokratische Entspannungspolitiker.

So lange ein Regime im Bereich der Menschenrechte und der Atomrüstung jeden Tag aufs neue gegen so ziemlich alle Verträge verstößt, die es je unterzeichnet hat, so lange sollten sich erwachsene Männer jedenfalls keine Illusionen machen, daß die Unterschrift gleich welcher Dokumente im Falle von Schurkenstaaten nur durch den dortigen Mangel an geeigneten Boulevardzeitungen als Toilettenpapierersatz zu erklären ist.

Mittwoch, 14. Februar 2007

Irak: Schiitenführer Sadr soll nach Iran geflüchtet sein

Der irakische Schiitenführer Muktada al-Sadr soll sich nach Teheran abgesetzt haben. Grund für das Exil könnte die bevorstehende Offensive amerikanischer Truppen sein. Durch die Bekanntgabe von Sadrs Flucht ziehen US-Offizielle eine weitere Verbindung zwischen Extremisten im Irak und Iran.

Wie, getürmt? Al-Sadr war doch von den westlichen Anhängern der Theorie, daß der Iran unbesiegbar ist, weil er jederzeit einen gigantischen Aufstand der irakischen Schiiten anzetteln könnte, eigentlich die Rolle des neuen Che Guevara zugedacht! Er war schließlich ausersehen, den US-Imperialisten den letzten, entscheidenden Schlag zu versetzen, sollten es die Yankees je wagen, sich an der glorreichen islamischen Revolution zu vergreifen.

Und jetzt müssen wir hören, daß er, der angeblich problemlos die gesamte irakische Politik mit seinen Parlamentsfraktion blockieren kann, sich einfach still und heimlich davon gemacht hat? Das klingt jetzt aber nicht nach jenem gesunden Selbstvertrauen, daß nötig wäre, um die Bush-Hasser aller Couleur in ihrem Glauben an den Endsieg zu bestärken. So wird das jedenfalls nix mit dem eigenen Konterfei auf T-Shirts unter Rasta-Locken und Postern in verrauchten Teeniebuden.

Irak: US-Soldaten finden österreichische Waffen

Die EU warnt inzwischen laut einem Zeitungsbericht davor, dass Iran über kurz oder lang atomwaffenfähiges Material herstellen wird. "Wir müssen damit rechnen, dass Iran irgendwann in der Lage sein wird, Uran bis zu dem für ein Waffenprogramm notwendigen Grad anzureichern", zitierte die "Financial Times" heute aus dem EU-Bericht, der den 27 Außenministern der Staatengemeinschaft vor ihrem aktuellen Treffen zugegangen sei. "Das Problem mit Iran wird nicht allein durch Wirtschaftssanktionen gelöst werden", heißt es demnach darin auch.

Der Verhandlungsprozess sei bislang nicht erfolgreich gewesen, zitierte die Zeitung weiter aus dem EU-Dokument. Einzig technische Schwierigkeiten hätten bislang den Fortgang des iranischen Atomprogramms behindert - und nicht etwa Resolutionen der Vereinten Nationen oder der Internationalen Energiebehörde.

Na, das ist doch endlich mal 'ne klare Ansage. Besser hätten das auch Paul Wolfowitz, Michael Ledeen und John Bolton zusammen nicht formulieren können. Der Fachbegriff für diesen EU-Bericht ist wohl "Offenbarungseid". Da sollten sich die Freunde gepflegter Diskussionsrunden jetzt aber ganz schnell was verdammt innovatives einfallen lassen, wenn sie den Glauben an die segensreiche Wirkung von wohltemperiertem Appeasement kombiniert mit bis zur Unkenntlichkeit verwässerten Sanktionen bis zum ersten iranischen Atomangriff retten wollen.

Montag, 12. Februar 2007

Sechs Fragen, viele Antworten - Teil IV: Realdenker

An dieser Stelle wären jetzt eigentlich die Antworten von Blog-Kienzle Ivan Grosny gewürdigt worden, aber nachdem er kurz vorher beschlossen hat nicht mehr mitzuspielen, müssen wir uns jetzt mit der zweiten Reihe begnügen und uns stattdessen seinen Klon Realdenker vornehmen. Nun hat dieser sich in besagter Diskussion bisher vor allem dadurch hervorgetan, daß er erstaunlich viele Worte darauf verwendet hat der Welt mitzuteilen, daß er ja gar nicht mitdiskutieren will und sowieso immer falsch verstanden wird:

Bloss mal so zum Hinweis: Dein willkürliches Zusammenfügen von Zitaten macht nur dann Sinn, wenn Du versuchst, wieder einmal bewusst etwas zu entstellen und falsch darzustellen.

Wenn man aber von ihm klare Aussagen ohne Wischiwaschi kriegen will, und sich aufgrund seiner Verweigerung selbiger die Antworten aus seinen bisherigen Wortmeldungen zusammenzureimen versucht, dann ist es auch nicht recht, ganz unabhängig davon, ob man extra noch mal ausdrücklich nachfragt, ob das denn jetzt so richtig war. Rauszukriegen, was er letztlich meint, ist bei jemandem wie ihm nämlich nicht immer ganz einfach, wie die wundersame Wandlung seiner Ansichten binnen eines Tages wunderschön illustriert.

Heißt es morgens um 9 auf die Frage, nach welchen Kriterien die Lage im Irak vor der US-Invasion unterm Strich besser war, noch empört "Ich habe dies zu keinem einzigen Zeitpunkt behauptet, sondern es ist Deine schlicht fehlerhafte (vielleicht auch bewusst fehlerhafte) Interpretation meiner Worte", so gilt abends um halb 11 frei nach dem Motto "Was gehen mich meine dummen Reden von heute an?" bereits: "Der Mehrheit der Bevölkerung geht es schlechter. Die Versorgungslage ist nicht besser geworden und hinzu gekommen ist noch die tägliche Angst vor Bombendrohungen."

Zugegeben, da kann man dann natürlich nur verlieren, wenn man so etwas ernst nimmt und versucht auf einer derartigen Basis zu diskutieren (jaja, meine verdammte Gutmütigkeit!). Denn egal welches dieser beiden Statements man sich greift, kann ihr Urheber natürlich immer mit Fug und Recht behaupten, daß es das exakte Gegenteil von dem ist, was er in dem jeweils anderen Zitat zum Ausdruck bringen wollte. Und zwar einfach deshalb, WEIL es das exakte Gegenteil ist.

Auch wenn jetzt immer noch nicht klar ist, was an der Frage nach den Kriterien denn jetzt so schrecklich sittenwidrig gewesen sein soll, so lassen aus seinen Unmutsäußerungen nichtsdestoweniger ein paar Tröpfchen konkrete Aussagen herausdestillieren, die unserem Freund versehentlich durch die Selbstzensur gerutscht sind. Denn immerhin wissen wir jetzt, daß es letztlich zwei Kriterien sind, an denen er Sinn und Unsinn des Sturzes Saddam Husseins festmacht: Die Versorgungslage und die Terrorangst.

Nun könnte man zu Recht darüber räsonieren, inwieweit bei einem auch für Staaten ohne ernste Sicherheitsprobleme beeindruckenden Wirtschaftswachstum die Versorgungslage des Irak Zeichen eines Mißerfolgs sein soll (zumindest bisher galt die Faustregel, daß bei boomenden Mobilfunknetzen die Hungerkatastrophe noch nicht ganz so schlimm sein kann), aber dann würde man diese perverse Weltsicht, nach der die Verfügbarkeit von KdF-Reisen und der Bau von Autobahnen eine Diktatur rechtfertigen, auch noch aufwerten.

Aber auch das zweite Kriterium, die Terrorangst, greift daneben. Mal ganz davon abgesehen, daß mehr als 20 Jahre nach dem Militärputsch in der Türkei dessen Rehabilitierung ein wenig spät kommt, kann es sich hier sowieso nur um die gefühlte Angst handeln. Denn wenn man sie an den harten Fakten festmacht, dann fällt auf, daß die Opferzahlen zu Saddams Zeiten weit höher waren, was angesichts der Tatsache, daß die Terroristen damals nicht alle aus dem Untergrund heraus operieren mußten, sondern teilweise sogar die Regierung stellten und somit über weit größere Massenmordresourcen verfügten, aber auch nicht wirklich überraschend ist.

Zu Deiner mit den Zitaten rein gar nicht in Zusammenhang bringbaren Frage: Ich vertrete die Ansicht, dass die Lage sich derzeit nicht verändert hat für den Otto-Normal-Iraki. Die Mörder haben gewechselt, die Gewalt ist eher unberechenbarer geworden.

Da wird für jemanden, der sich Realdenker nennt, die Realität erstaunlich konsequent ausgeblendet. Anders ist nicht zu erklären, daß Otto-Normal-Iraki nach allen bisher bekannten Umfragen (selbst jenen, in denen die Amerikaner mehrheitlich als Besatzer kritisiert wurden) den Sturz Saddam Husseins bis heute nicht bereut hat. Was die Vorteile einer berechenbaren Gewalt angeht, wäre aus dem Mund des Bürgers eines Landes, das seine Opfer einst sehr zuverlässig und berechenbar in die Gaskammern trieb, hingegen etwas mehr Zurückhaltung angebracht. Daher: Ungenügend, setzen!

Freitag, 09. Februar 2007

Iraq: A religious war - not

Allen Rassisten von links wie von rechts, die glauben, daß nur weil im Irak eine kleine fanatische Minderheit Mitglieder der ungleich größeren gemäßigten Mehrheit massakriert, die Iraker in ihrer Gesamtheit deswegen auch gleich unzivilisierte Kameltreiber sind, die anders als die Europäer die Segnungen der demokratischen Auseinandersetzung nun mal nicht zu würdigen wissen, erklärt Amir Taheri ziemlich eindrucksvoll, wo die wahren Barbaren sitzen. Die These, daß es sich im Irak um einen "civil war" oder auch nur einen "sectarian war" handelt, ist jedenfalls ungefähr so sinnvoll wie aufgrund der Existenz von schwarzen Schafen anzunehmen, daß alle Schafe grundsätzlich dunkelgrau sein müssen.

In a sectarian war, the overwhelming majorities of rival religious sects subscribe to the aims of their own side and actively participate in their pursuit. I saw this in the '90s, when I covered the various wars in the former Yugoslavia.

You could be sure that almost all Serbs, from the taxi driver that took you from the airport to the hotel to the nation's leading poet, would be a sectarian - hating the Croats and the Muslims with passion.

And most Croats and Muslims (while also hating each other) dreamed of crushing the Serbs as a nation. Peasants, factory workers, the urban poor, bishops and muftis, artists and filmmakers, ballet dancers and chefs - all were sectarian.

Nothing of the sort exists in Iraq today. The deadly disease of sectarianism has not contaminated the majority of Iraqis. Shiites and Sunnis both organize on the basis of political affiliations and interests, rather than sectarian loyalties.

Taheri weist auch noch einmal daraufhin, um was für einen Krieg es sich hier wirklich handelt und um was es dabei letzten Endes geht:

What is happening in Iraq, however, is neither a civil nor a sectarian war (although elements of both exist within the broader context). This war is a political one - between those who wish Iraq to succeed as a new democracy and those who want it to fail.

Those who want the new Iraq to succeed represent the overwhelming majority of Iraqis of all ethnic and religious backgrounds. Those who want it to fail are made up of Saddamite bitter-enders, some misguided pan-Arab nationalists, death squads financed by Tehran - and a variety of non-Iraqi terrorist outfits who have come to Iraq to kill and die in the name of their perverted vision of Islam.

Hier ist vielleicht der einzige Punkt, wo man Taheri's Artikel noch ergänzen könnte. Denn er hat eine ganz wichtige Gruppe von Leuten vergessen, die das Scheitern der Demokratisierung des Irak wünschen: Die bushhassenden, antiamerikanischen, terroristenverstehenden "Kriegsgegner" hier im Westen, die in Form von opportunistischen Politikern, selektiv berichtenden Massenmedien und ressentimentgeladenen Stammtischbrüdern den Mördern erst jene psychologische Unterstützung verschaffen, ohne die die meisten von diesen wohl schon längst das Interesse am sinnlosen Blutvergießen verloren hätten.

Donnerstag, 08. Februar 2007

Neue Waffen aus Russland: Iran droht mit Raketenbeschuss von US-Kriegsschiffen

Muskelspiele in Teheran: Iran stößt wüste Drohungen gegen die USA aus. Alle Kriegsschiffe im Persischen Golf lägen in Reichweite neuer Raketen - die das Mullah-Regime gerade in Russland gekauft hat.

Teheran - Die neuen Boden-Luft-Raketen vom Typ Tor-M1 aus Russland seien erfolgreich getestet worden, gab General Hossein Salami heute bekannt. Damit könnten nun alle Kriegsschiffe im Golf unter Beschuss genommen werden, weil sie in Reichweite der neuen Waffen lägen. Das iranische Staatsfernsehen zeigte Bilder von mehreren Raketen, die in der Wüste von mobilen Abschussrampen aus in den Himmel geschossen wurden.

Also entweder hat die US Navy heimlich ein neues Luftschiff entwickelt, oder jemand sollte den Iranern mal ganz dringend erklären, wozu ihre schicken neuen Flugabwehrraketen überhaupt da sind. Obwohl - warum eigentlich? So wird's für den werten Herrn General im Ernstfall eine überaus lustige Überraschung geben...

Afghanistan-Debatte: Wer Krieg führt, soll auch Krieg sagen

Auch wenn der SPIEGEL sich in seiner Behandlung internationaler Konflikte, an denen in irgendeiner Form auch die USA beteiligt sind, bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, so ist doch in ganz seltenen Fällen auch eine Perle dabei, die einen kurzzeitig den ganzen Groll vergessen läßt. Der neueste Artikel zum Thema Afghanistan ist so ein Beispiel. Dort liest Claus Christian Malzahn der Cut&Run-Fraktion dermaßen schön die Leviten, daß man den SPIEGEL für einen Moment wieder ganz doll lieb hat. Unbedingt reinschauen!

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