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Freitag, 02. Juni 2006

Von richtigen Kriegen und falschen Kriegern

Die Befreiung des Irak hat wie so vieles, was die USA anpacken, seit je her ein Imageproblem. Wenn es nach der Mehrheit der europäischen Politiker, Medien und deren Wählern/Zuschauern/Lesern gegangen wäre, würde Saddam Hussein noch heute ungestört seine bedauernswerten Untertanen in die Massengräber treiben und mit Hilfe seines nach Ende der Sanktionen längst wieder aufgenommenen WMD-Programms auch unter seinen Nachbarn wieder fröhlich Angst und Schrecken verbreiten. Seit einiger Zeit jedoch ist eine Veränderung in der Argumentation der Irakkriegsgegner zu beobachten. Wurde der Krieg gegen den Irak bisher meist prinzipiell abgelehnt, so tritt inzwischen eine neue Variante der Kritik an der US-Außenpolitik in den Vordergrund.

Wo früher die aus pazifistischen oder antiamerikanischen Quellen gespeisten Befürworter einer Kuschelpädagogik gegenüber Terrorregimen den Ton angaben, dominieren nach deren gegenseitiger argumentativer Selbstdemontage zunehmend Möchtegernhardliner, die den jetzt immer schneller immer größer werdenden Schatten iranischer Atomwaffen zum Anlaß nehmen, den Einmarsch im Irak nur als den "falschen" Krieg zu kritisieren, der statt dem "richtigen", also dem gegen den Iran, geführt worden sei und diesen damit - leider, leider! - unmöglich gemacht habe. Statt also wie früher George W. Bush anzukreiden, daß er zu sehr auf die nationale Sicherheit geschaut habe, so versucht man ihm jetzt umgekehrt vorzuwerfen, daß er im Gegenteil ein regelrechtes Sicherheitsrisiko sei.

Zwar ist das nicht wirklich ernstzunehmen, schließlich geht es wie üblich auch hier bloß um das traditionelle Bushbashing, nur halt in neuem Gewand. Denn es ist natürlich nicht davon auszugehen, daß dieselben Personen Bush im Falle eines Angriffs auf den Iran wirklich unterstützt hätten, zumal die Mullahs damals ja noch ein paar Jahre weiter von der Atombombe weg waren. Auch widersprechen sich diese Pseudokriegstreiber selbst, da sie gleichzeitig behaupten, daß der Iran ein viel gefährlicherer Gegner wäre als der Irak, so daß es dort kaum weniger Schwierigkeiten gegeben hätte. Und wie unsere Freunde auf Schwierigkeiten reagieren, wissen wir spätestens, seit Fukuyama Hals über Kopf getürmt ist, nur weil diese fiesen Terroristen sich doch tatsächlich gegen ihre Niederlage zu wehren wagen.

Noch fragwürdiger als die Motive und die Aufrichtigkeit derjenigen, die die These verbreiten, daß die Operation "Iraqi Freedom" den USA für "Irani Freedom" die Hände bindet, ist allerdings die These selbst. Die Behauptung, daß die Lage im Irak den Vereinigten Staaten sämtliche Optionen für ein härteres Vorgehen gegen den Iran nimmt, ist schlicht und einfach völliger Unsinn, der dadurch, daß seine Fangemeinde inzwischen neben gewissen Bloggerkollegen auch bekannte Nachrichtenmagazine und sogar einen leibhaftigen ex-Außenminister umfaßt, nicht richtiger wird. Aufgrund der zunehmenden Verbreitung dieser Idee wird es daher höchste Zeit, die Bedenken dieser Neobellizisten hinsichtlich einer US-Invasion im Iran mal ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen.

Warum es gar nicht nötig wäre

Zunächst einmal wären die im Irak stehenden US-Truppen für einen begrenzten Schlag gegen das iranische Atomprogramm überhaupt nicht unbedingt notwendig. Sogar eine Strafaktion gegen die Revolutionsgarden wäre ohne größere Probleme sozusagen "nebenher" durchführbar. Diese Operationen ließen sich nämlich im wesentlichen mit Luft- und Seestreitkräften erledigen, die anders als die Landstreitkräfte derzeit eher unterbeschäftigt sind, so daß für eine derartige Operation genügend Kapazitäten frei wären, ohne die Einsatzbereitschaft im Irak nennenswert zu beeinträchtigen. Die damit verbundenen Gefahren wären eher politischer Art, was die interne Bewertung einer derartigen Aktion durch US-Militärplaner als "low-risk" unterstreicht.

Aber auch wenn sich die USA entschließen sollten, das Problem an der Wurzel anzupacken, und das Regime in Teheran ein für allemal aus dem Verkehr ziehen wollten, wären die im Irak stehenden Truppen dafür nicht zwingend unabdingbar. Zwar wäre deren dauerhafte Verfügbarkeit für eine anschließende Stabilisierungsoperation sicherlich von Vorteil, aber da zumindest der jüngere Teil der iranischen Bevölkerung den USA und den westlichen Idealen von Freiheit weit aufgeschlossener gegenübersteht als das beispielsweise in der arabischen Welt der Fall ist, wäre eine Demokratisierung des Iran nach dem Sturz des derzeitigen Regimes auch ohne längere amerikanische Besatzung nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern möglicherweise sogar erfolgversprechender.

Warum es nicht zu verhindern wäre

Aber selbst wenn die USA zu dem Schluß kämen, daß es sinnvoll wäre, die im Irak stationierten Truppen für eine Invasion einzusetzen, so hätten die dort operierenden Terroristen keine Möglichkeit sie daran zu hindern. Auch wenn diese Erkenntnis für die Bewunderer des irakischen "Widerstands" bitter ist und angesichts deren Glaubens an die eigene Propaganda etwas überraschend kommen mag, aber die US-Truppen besitzen anders als ihre Gegner im Irak totale Bewegungsfreiheit. Wenn das US-Militär morgen aus Langeweile beschließen sollte, den ganzen Laden einmal komplett quer durch den Irak zu verlegen und wieder zurück, so bliebe unseren islamofaschistischen Helden nicht viel übrig, als dem Schauspiel staunend zuzuschauen.

Denn eine isolierte kleine Humvee-Patrouille in einer engen Seitenstraße einer abgelegenen Provinzstadt zu beschießen ist ein bißchen was anderes als eine kriegsbereite Invasionsstreitmacht in Armeestärke auf der Suche nach Ärger an ihrem Aufmarsch hindern zu wollen. Natürlich könnten unsere irakischen We(h)rwölfe den USA in Einzelfällen auch dabei Verluste zufügen, aber ein paar schnell improvisierte Schießereien wären angesichts eines bevorstehenden ausgewachsenen Krieges sicher nichts, was irgendeinen General dazu bewegen dürfte, seinen Vormarsch einzustellen, und zwar selbst dann, wenn es dem iranischen Geheimdienst wider Erwarten doch gelingen sollte, völlig unbemerkt einen größeren Aufstand im Südirak vorzubereiten.

Wovon dem für besagten Aufstand vorgesehenen Kanonenfutter im übrigen dringend abzuraten wäre. Denn wer die Tet-Offensive nachspielen möchte, sollte sich in Erinnerung rufen, wie selbige ausgegangen ist. Man kann sie getrost als das größte Selbstmordattentat der Geschichte bezeichnen, mit dem Unterschied, daß das Verhältnis zwischen getöteten Attentätern und erzielten Opferzahlen wohl nie so ungünstig war wie bei dieser Aktion. Der Vietcong hörte nach dieser Kamikaze-Aktion praktisch auf, als organisierte Kampfeinheit zu existieren. Und wer glaubt, daß die USA einen al-Sadr nach einer derartigen Aktion noch mal mit einem blauen Auge davonkommen lassen würden, hat ein sehr freundliches Bild von der Leidensfähigkeit der US-Streitkräfte.

Doch selbst wenn es den Mullahs gelänge, eine größere und länger andauernde Terrorwelle gegen die US-Truppen im Irak anzuzetteln, so könnten sie sich dafür auch nichts mehr kaufen, denn länger andauernd ist kein guter Plan, wenn das eigene Ende binnen Wochen oder gar Tagen kommen kann. Auf jeden Fall würde schon ein aus freien Stücken beschlossener planmäßiger Truppenabzug um einiges länger dauern als der Sturz der im eigenen Land verhaßten Klerikalfaschisten. Wer diesen Abzug über Gebühr zu beschleunigen gedenkt, sollte daher nicht vergessen, daß eine "exit strategy" ohne weiteres auch über Teheran führen kann, wie bereits vor über einem Jahr zwar im Spaß, aber trotzdem nicht ganz zu unrecht festgestellt wurde. Und in wie weit auf "targeted killings"-Listen stehende Flüchtlinge dann noch große Terroroffensiven in anderen Ländern koordinieren können, lassen wir mal dahingestellt.

Warum es durchaus möglich wäre

Spätestens an dieser Stelle kommt jetzt normalerweise das so populäre wie falsche Gegenargument, die iranische Armee wäre ohnehin viel zu stark, als daß die USA mit ihr fertig werden könnten. Mal ganz davon abgesehen, daß dieselben "Experten" das auch schon zweimal über die irakische Armee gesagt haben und die iranische Armee vergleichsweise eher schlechter als besser ausgestattet ist, sollte es den Zweiflern zu denken geben, daß selbst nach den Erfahrungen im Irak, wo die Alliierten angeblich zu wenig Truppen hatten, für eine großangelegte Invasion des Iran nur Truppenverbände in ungefähr derselben Größenordnung eingeplant werden wie für den Einmarsch im Irak im Jahre 2003. Ansonsten sollte man nicht alles glauben, wenn eine Diktatur kurz vor dem Ende anfängt, von irgendwelchen Wunderwaffen zu fabulieren.

Nicht viel intelligenter ist das beliebte Hochrechnen der Größe eines Landes auf seine Verteidigungsfähigkeit. Quadratkilometer ersetzen keine Kampfverbände, im Gegenteil - längere Frontlinien sind für den Verteidiger ohnehin schon mindestens genauso sehr von Nachteil wie für den Angreifer, aber bei gegnerischer Luftherrschaft sind sie geradezu katastrophal. Und eine zahlenmäßig stärkere Bevölkerung, die wie im Iran dem herrschenden Regime überwiegend feindlich gesonnen ist, ist im Zweifelsfall für einen Verteidiger, der nur dafür kämpft, selbige weiterhin ungestört unterdrücken zu können, ein weit gefährlicheres Sicherheitsproblem als für einen potentiellen Befreier, zumindest solange die - in PR-Sachen allerdings zugegeben nicht sonderlich begabten - USA sich da keine allzu schweren Fehler zuschulden kommen lassen.

Doch es kommt noch besser (oder schlimmer, je nach Standpunkt). Auch die Hoffnung, daß die irakische Regierung ohne die Anwesenheit der US-Truppen sofort zusammenbrechen würde, ist vergebens. Natürlich würde dies zu einigen Problemen führen, aber zu glauben, daß am Tag nach dem Abzug der Amerikaner Sarkawi den Präsidentenpalast stürmt, das Kalifat ausruft und die Minister des amtierenden Kabinetts köpfen läßt, zeugt von realitätsfremdem Wunschdenken. Der Irak des Jahres 2006 ist nicht mehr der von 2003. Die irakischen Regierungstruppen sind bereits jetzt weit stärker, als es die "Rebellen" je sein werden. Die Lage würde sicherlich instabiler, aber zur einer Machtergreifung gehört dann doch noch ein bißchen mehr, als einfach nur zu beschließen, Politiker zu werden.

Aber selbst wenn die irakische Regierung infolge eines Abzugs der US-Streitkräfte stürzen und das Land auseinanderbrechen würde, so wäre auch dieses "worst-case scenario" aus amerikanischer Sicht immer noch weit besser als die Lage vor 2003. Denn schlimmstenfalls würde das Land dann halt dreigeteilt, die Kurden würden unabhängig und müßten eben alleine die Demokratiefähigkeit der arabisch-islamischen Welt demonstrieren, Saddam wäre immer noch gestürzt, sein Programm zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen zerstört, und auch wenn Sunniten und Schiiten tatsächlich noch in großem Stil übereinanderherfallen sollten, so könnte ein abgerüsteter Irak seine Nachbarn auf absehbare Zeit jedenfalls nicht mehr ernsthaft bedrohen.

Vor allem aber, und das ist dann im wahrsten Sinne des Wortes das Totschlagsargument, welches all das Gerede von der Handlungsunfähigkeit der USA in einem radioaktiven Logikwölkchen verpuffen läßt, wäre nichts, was sich selbst ein mit noch so viel kranker Phantasie gesegneter Bushhasser für die Entwicklung im Irak ausdenken könnte, auch nur halb so schlimm, wie eine iranische Mittelstreckenrakete mit einem schwarzen Turban auf dem bärtigen Nuklearsprengkopf. Denn eine nicht unerhebliche Motivationsquelle der NeoCons war es ja gerade, Atombomben in den Händen von Terroristen und Schurkenstaaten langfristig zu verhindern. Wenn sie diese dadurch aber sogar kurzfristig bekämen, würden die Demokratisierungspläne für den Nahen und Mittleren Osten notfalls sofort geopfert.

Warum es sogar einfacher wäre

Doch damit nicht genug, ist die Realität für die wiedergeborenen Friedenskrieger noch weit deprimierender. Die Tatsache, daß amerikanische Truppen im Irak stehen, ist nämlich nicht nur kein Hindernis für einen Schlag gegen den Iran, sie ist sogar diesbezüglich von nicht unerheblichem Vorteil. Denn auch wenn die Verschwörungstheoretiker, die zu Beginn des Irakkonflikts die Ansicht vertraten, daß der Angriff auf den Irak nur eine Ausgangsbasis für einen Krieg gegen den Iran schaffen sollte, mit ihrer monokausalen Betrachtungsweise weit über das Ziel hinausgeschossen sind, so lagen selbst diese anerkannten Spinner noch weit näher an der Wahrheit als die derzeit angesagte Kreuzung aus Irakkriegsgegnern und Irankriegsbefürwortern.

Denn falls sich die USA für die "große Lösung" - also die Befreiung des Iran inkl. einer Invasion durch Landstreitkräfte - entscheiden sollten, wären die im Irak bereits stationierten Einheiten von unschätzbarem Vorteil. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg eines "regime change" ist nämlich der Überraschungseffekt, und der ließe sich wesentlich leichter erzielen, wenn die für eine Invasion nötigen Truppenverstärkungen als Teil einer größeren Antiterroroffensive oder im Rahmen der üblichen Truppenrotation erfolgen könnten. Dies würde die Vorwarnzeit für den Iran drastisch reduzieren. Hinzu kommen die logistischen Vorteile für die USA, da die Masse der benötigten Truppen bereits im Nachbarland steht und nicht erst noch monatelang aus Übersee herangeschafft werden muß.

Doch auch für den Fall, daß die USA nur einen begrenzten Schlag gegen das Mullahregime durchführen wollten oder daß die derzeitige irakische Regierung einem Angriff von ihrem Territorium ablehnend gegenüberstünde, wäre die bloße Anwesenheit der US-Truppen im Nachbarland ein nicht zu unterschätzendes Problem für die iranischen Verteidigungsplaner. Denn getreu der im Schach wie ihm Krieg geltenden Regel, daß die Drohung mitunter stärker ist als die Ausführung, wäre der Iran trotzdem gezwungen, sich selbst dann auf eine Landinvasion vorzubereiten, wenn die im Irak stationierten US-Truppen keinen einzigen Schuß abfeuern.

Wenn aber der Schwerpunkt der Verteidigung auf die Abwehr einer Invasion vom Irak aus gelegt werden muß, dann wertet das sämtliche den USA sonst noch zur Verfügung stehenden schwächeren Alternativen von einer Zerstörung der Atomanlagen über einen Enthauptungsschlag gegen das Regime oder die gezielte Zerstörung der Revolutionsgarden bis hin zu einer amphibischen Operation massiv auf. Das kann dann allerdings zweierlei bedeuten: Entweder wird die Aufgabe der USA, das Mullahregime am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, gerade durch den Erfolg im Irak und die daraus resultierende, möglicherweise noch in diesem Jahr beginnende Truppenreduzierung schwieriger. Oder aber die Zeit für Chameini und seine Schergen läuft schneller ab als gedacht. Hoffen wir auf letzteres.

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Folgende Weblogs beziehen sich auf Von richtigen Kriegen und falschen Kriegern:

Kommentare

Und wenn dann CNN etc. wieder diese Gruenlichen Schattenbilder aus Teheran uebertragen dann wird auch das wieder falsch gewesen sein.

Das ist ein schwerer Irrtum:

"aber da zumindest der jüngere Teil der iranischen Bevölkerung den USA und den westlichen Idealen von Freiheit weit aufgeschlossener gegenübersteht als das beispielsweise in der arabischen Welt der Fall ist"

Soll man diesen Fehler etwa noch mal begehen?

Bzw.: es ist schon richtig, aber nur solange keine US-Truppen im Land stehen. Ich denke, es gibt eine Menge Iraner, die am 11.9.2001 mit den USA getrauert haben, die die Fernsehsender der US-Exiliraner schauen, die den Sturz der Taliban und Saddam Husseins begrüßten, die aber trotzdem erbitterten Widerstand leisten werden, wenn amerikanische Truppen in ihrem Land stehen. Es gibt einen iranischen Nationalismus, der unabhängig von der Zustimmung zur islamischen Republik ist.

@ Externspeicher

Der größte Feind des iranischen Nationalismus ist bekanntlich der islamische Fundamentalismus, weil dieser die nationalen Interessen Irans für völlig wahnwitzige Endzeitziele opfert und das Land in einen Krieg treibt. D.h. wenn die Amerikaner die Mullahs zum Teufel jagen und sich ansonsten raushalten würden, wüßte ich nicht, warum die Iraner sich darüber beklagen sollten.

Etwas anderes wäre es, wenn die USA nur die Atomanlagen bombardieren, aber das Regime gleichzeitig an der Macht lassen. Das könnte ein Teil der Bevölkerung durchaus als Anschlag auf die nationale Ehre verstehen, wobei die Amis dann keine Truppen im Iran stehen hätten, die das auszubaden hätten. Deswegen plädiere ich für keine halben Sachen, sondern Nägel mit Köpfen.

Denn das Land zu befreien und einem demokratischen und friedlichen Iran, der keine anderen Staaten mehr mit Vernichtung bedroht, dann das Recht auf das volle Atomprogramm sowie Einbindung in die westliche Welt inkl. wirtschaftlicher Integration anzubieten, sollte auch und gerade im Iran konsensfähig sein.

Ich liebe sie, die Amateurstrategen, die immer ganz genau wissen, wie einfach und billig sich doch so ein Kriegchen mal eben durchziehen laesst. Wenn das dann schief geht, kann man sich ja immer noch der Dolchstosslegende bedienen, um die Schuld denen zu geben, die von Anfang an davor gewarnt haben.

Lesetip fuer Leute, die englisch koennen:
Stabbed in the Back, Harper's Magazine June 2006 (http://www.harpers.org/MostRecentCover.html)
Kauft euch mal was Gscheites, ihr Spiegel-Bahamas-Bild-verbloedeten Deutschen Analphabeten!

@ piglet

Ich liebe sie, die Amateurstrategen, die immer ganz genau wissen, wie einfach und billig sich doch so ein Kriegchen mal eben verhindern laesst. Wenn das dann schief geht, kann man sich ja immer noch der Dolchstosslegende bedienen, um die Schuld denen zu geben, die von Anfang an davor gewarnt haben.

P.S.: Die Mullahs werden die Bombe nicht kriegen, auch wenn Du das noch so sehr wünschst. Finde Dich gefälligst damit ab!

"Denn das Land zu befreien und einem demokratischen und friedlichen Iran, der keine anderen Staaten mehr mit Vernichtung bedroht, dann das Recht auf das volle Atomprogramm sowie Einbindung in die westliche Welt inkl. wirtschaftlicher Integration anzubieten, sollte auch und gerade im Iran konsensfähig sein."

Das Mißtrauen gegenüber den USA wächst aber schlagartig an, sobald diese sich mit Gewalt in die inneren Angelegenheiten des Iran einmischen. Das ist auf die Erfahrungen der Vergangenheit zurückzuführen (Mossadeq-Entmachtung, Iran-Air-Abschuss 1988, Unterstützung Saddam Husseins, Unterstützung des Unterdrückungsapparates zu Zeiten des Schahs). Ich sage ja nicht, dass es nicht überzogen und irrational ist, aber man muss es berücksichtigen.

"Ich liebe sie, die Amateurstrategen, die immer ganz genau wissen, wie einfach und billig sich doch so ein Kriegchen mal eben verhindern laesst. Wenn das dann schief geht, kann man sich ja immer noch der Dolchstosslegende bedienen, um die Schuld denen zu geben, die von Anfang an davor gewarnt haben."

Wir wissen ja alle, wie es damals war, als Liebknecht und Luxemburg die Dolchstosslegende erfanden, um den Militaristen, die von Anfang gewarnt hatten, unfairerweise die Schuld am schief gegangenen Frieden zu geben. Hach Paulchen, Deine Ausfuehrungen sind wirklich Perlen. Nur wenige sind so hemmungslos erpicht darauf, sich als verbloedete Ignoranten zu outen.

@ piglet

Brauchst Dich gar nicht präventiv rauszureden zu versuchen. Wenn der Iran wider Erwarten je Atomwaffen kriegen sollte, dann haben Leute wie Du ein gehöriges Maß Mitschuld daran, weil Ihr das nicht verhindern wolltet.

Harper's Dolchstosszeugs war auch hier Thematik:

http://dialoginternational.typepad.com/dialog_international/2006/05/dolchstosslegen.html

Ich reagierte dort mit einer Kritik an Harpers im Kommentarbereich. Vergleiche mit den Nazis taugen sehr selten.

@ paul

so lang und doch nur pfeifen im wald.

1. da ich mich zu den chancen / kosten eines luftangriffs auf die standorte des iranischen nuklearprogramms - bzw. einer konventionellen invasion und besetzung des Irans zum zwecke des regime change - bereits mehrfach geäußert habe, hier nur die zusammenfassung:

ein amerikanischer militärschlag gegen den Irak wird während der restlaufzeit der bush-adminstration NICHT stattfinden. warum? weil:

- politisch zu teuer
- ökonmisch zu teuer
- militärisch zu teuer
- sollte bush ohne entsprechendes mandat des kongresses einen angriff auf den Iran befehlen, so erfolgt die eröffnung des impeachment-verfahrens innerhalb einer woche.


2. spannend finde ich aber die ergebnisse der paulschen horoskopie:

"aber da zumindest der jüngere Teil der iranischen Bevölkerung den USA und den westlichen Idealen von Freiheit weit aufgeschlossener gegenübersteht als das beispielsweise in der arabischen Welt der Fall ist, wäre eine Demokratisierung des Iran nach dem Sturz des derzeitigen Regimes auch ohne längere amerikanische Besatzung nicht nur nicht ausgeschlossen, sondern möglicherweise sogar erfolgversprechender."

ganz bescheidene frage: woher willst Du das wissen?


3. richtig größenwahnsinnig wird es jedoch, wenn es um die militärischen folgekosten einer invasion des Iran geht:

"Doch selbst wenn es den Mullahs gelänge, eine größere und länger andauernde Terrorwelle gegen die US-Truppen im Irak anzuzetteln, so könnten sie sich dafür auch nichts mehr kaufen, denn länger andauernd ist kein guter Plan, wenn das eigene Ende binnen Wochen oder gar Tagen kommen kann."

wer nach dem verlauf des Iran-Irak-krieges und der bisherigen besetzung Iraks so etwas allen ernstes behauptet - dem kann man auch erzählen, saddam würde über atomwaffen verfügen und mit al quaida zusammen anschläge in den USA vorbereiten ...

ivan grosny

P.S. und wovon träumst Du nachts?

Der Irak-Krieg war richtig, ansonsten hätten wir jetzt mit Saddam das gleiche Problem wie mit den Mullahs. Problem Nummer eins (von zwei) ist damit ein für alle mal gelöst - volle Zustimmung an Paul!

Ob ein Schlag gegen den Iran aber richtig wäre, da habe ich momentan durchaus meine Zweifel, jetzt gilt es erstmal abzuwarten und die nicht-militärischen Sanktionen/Optionen (bis hin zum Embargo) auszureizen. Wenn das keine Wirkung zeigt bzw. weiter von den Chinesen blockiert wird, dann bleibt leider nicht viel mehr als ein Luftschlag auf die Atomanlagen übrig.

Denn Israel kann unmöglich zuschauen, wie ein Nachbar, dessen Repräsentanten die baldmöglichste Auslöschung von Israel ankündigen, eben das Werkzeug bekommt, das es zur Zerstörung Israels braucht. Das Risiko, dass der Iran es einsetzt ist nicht hinnehmbar - Punkt!

Was die USA betrifft, so bin ich momentan leider geneigt dem Herrn Grosny zuzustimmen, momentan ist eine Invasion (und vielleicht selbst ein Luftschlag) politisch + ökonomisch zu teuer.

"wer nach dem verlauf des Iran-Irak-krieges und der bisherigen besetzung Iraks so etwas allen ernstes behauptet - dem kann man auch erzählen, saddam würde über atomwaffen verfügen und mit al quaida zusammen anschläge in den USA vorbereiten ..."

Zu Ihrer Erinnerung:
Die Verbindung zwischen Saddam und Al-Quaida hat definitiv existiert, Sarquawi ist ja nicht über Nacht aus der Wunderlampe geschwebt. Und dass Saddam durchaus Interesse an WMDs und das Potential sie herzustellen hatte, ist wohl auch unumstritten.

Also was soll das! Hätten die USA die andere Sau (Iran) geschlachtet, wäre es gar nicht so unwahrscheinlich, dass saddam mit al-quaida Anschläge plant.

(Gut, mal nen politischen Blog gefunden zu haben. Ich hab dir, Panzer General paul13, ein kleines ironisches Textchen bei www.killerkitty.ch hinterlegt. ;-) )

Zum Text selbst: Obwohl ich damals Schröders Aussage zur Nichtbeteiligung am Krieg daneben fand und das Ding, das er da gerissen hat, sogar als kriegsförderlich ansah, war ich vor dem Irakfeldzug eher gegen den Krieg. Jetzt sieht das zugegebenermaßen ein wenig anders aus.

Recht hast du damit: Der Iran darf keine Atombombe in die Hände kriegen, und infolge dessen kann man auch eine "Irananreicherung" (auch die "friedliche") nicht zulassen. Zudem darf es nicht soweit kommen, dass man hier Israel im Stich lässt, um seine deutsche/europäische Hochmoral unbefleckt zu halten (wie das Schröder ja gemacht hat, um Wählerstimmen zu kriegen).

Ob man den Iran aber tatsächlich angreifen sollte? Ohne arabische Partner, wie das die USA beim Irak gemacht haben?

Dein Referat in Ehren, ich glaube schon, dass man sich damit überheben würde.

Gruß ... jesse

@ Cologne/jessiter

Wenn die politischen Kosten jetzt schon zu hoch sind, wie hoch wären sie dann erst, wenn zu der ohnehin schwierigen Lage noch eine iranische Atombombe hinzukäme? Und wenn man darauf baut, daß Israel sie spätestens stoppen würde, wie hoch wären die politischen Kosten erst, wenn man der arabisch-islamischen Welt einen israelischen Angriff verkaufen müßte?

Man sollte mit einem Militärschlag auf jeden Fall so lange wie möglich warten, aber wenn man aufgrund der mangelnden Kooperation Europas, Rußlands und Chinas irgendwann dazu gezwungen ist, ist es besser, es richtig zu machen, als durch einen begrenzten Schlag nur ein bißchen Zeit zu gewinnen, aber dafür erst recht politischen Kredit zu verspielen.

Die Frage ist nicht ob ein moeglicher Krieg ein uebel waere, denn dass ist ein Krieg immer. Die Frage ist: Was ist das geringere Uebel von zweien.

@ cologne

"Der Irak-Krieg war richtig, ansonsten hätten wir jetzt mit Saddam das gleiche Problem wie mit den Mullahs. Problem Nummer eins (von zwei) ist damit ein für alle mal gelöst ..."

Lest ihr eigentlich keine zeitungen und hört keine nachrichten mehr?

kostprobe von heute:
http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/5053134.stm

zum thema warum der bürgerkrieg im Irak keinen bürgerkrieg ist bzw. keiner sein darf und NIE einer werden wird.

und deshalb ist held Dybya mittlerweile froh über jedes freundliche wort aus Teheran. liest Du hier:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/5054174.stm

ziemlich kleine brötchen für den befreier der welt vom terror, den demokratisierer des Mittleren Ostens und kämpfer gegen tyrannei und ölverweigerung. deshalb erneuere ich meinen vorschlag für die zukünftige amerikanische außenpolitik nach dubya:

erst nachdenken, folgen abschätzen, (vielleicht sogar mit den verbündeten reden) und dann handeln!

ivan grosny

@ ivan grosny

"erst nachdenken, folgen abschätzen, (vielleicht sogar mit den verbündeten reden) und dann handeln!"

Das heißt, Du hättest nicht nur wie Bush mit den Verbündeten geredet, sondern auch auf sie gehört, und wärest somit bereit, die Verantwortung für die Folgen zu tragen, wenn Saddam noch an der Macht wäre?

@ paul

Du trägst keine "Verantwortung", ich auch nicht und keine/r, der hier bloggt. also ist die frage unsinnig. Die einzig sinnvolle frage an uns ist:

wäre die situation im Irak unter dem regime Saddam Husseins im Sommer 2006 besser als die jetzige lage unter der besetzung?

dazu gibt es keine exakte antwort, weil nict genau kalkuliert werden kann, wie sich der Irak uter der herrschaft Saddam Husseins & der Baath-partei entwickelt hätte. Meine vermutung ist:

- die innere lage wärte erheblich stabiler, weil ich in diesem zeitraum nicht mit einem aufstand gegen das regime rechne

- es würden weiterhin massive menschenrechtsverletzungen stattfinden

- der kurdische norden würde unter einer faktischen autonomie stehen, was mit einer stagnierenden wirtschaftsentwicklung zu erkaufen wäre

- die schiitische bevölkerungsmehrheit würde weiterhin religiös unterdrückt, in allen wichtigen politischen entscheidungen diskriminiert, was sich in schlechteren aufstiegschancen und in einem niedrigeren lebensstandard zeigte

- saddam würde nach dem ende der sanktionen versuchen, seine (konventionellen) streitkräfte wieder aufzurüsten, was allerdings angesichts begrenzter finanzmittel nur sehr eingeschränkt gelungen wäre.

- die versorgungslage der bevölkerung wäre etwas besser als 2003, aber immer noch erheblich schlechter als die standards vor dem golfkrieg nach der besetzung kuwaits.

- die mittelfristigen außenbeziehungen des regimes gegenüber den nachbarstaaten sind schwer abschätzbar, wären aber sicher von mißtrauen geprägt und würden die westlichen schutzmächte berücksichtigen.

was es nicht gegeben hätte, wären die unmittelbaren kriegsfolgen: tote, verwundete, zerstörte infrastruktur und ölproduktion, völlige auflösung großer teile der öffentlichen verwaltung, offene gewalt zwischen den volksgruppen usw.

entscheide selbst.

ivan grosny

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