Mit den (grauen) Wölfen geheult
Als das reaktionäre Propagandamachwerk "Tal der Wölfe" von der ebenso reaktionären "Jungen Welt", die sich aber selber fälschlicherweise für links hält, über den grünen Klee gelobt wurde, kam man aus dem Staunen kaum heraus - war es doch unter den anderen reaktionären Dummköpfen, die sich fälschlicherweise für links halten, bisher im allgemeinen üblich, Actionfilme prinzipiell erst mal als reaktionäre Propagandamachwerke abzulehnen und sie höchstens mal heimlich außerhalb der WG zu schauen (natürlich nur zu Recherchezwecken).
Auch die Auseinandersetzung mit dem türkischen Nationalismus beschränkte sich auf der linken Seite der Barrikade in jenen längst vergangenen Zeiten, als man in Kurdistan noch leichter an Bilder von Josef Stalin als von George W. Bush kommen konnte, traditionell im wesentlichen auf das Kleben von Plakaten mit dem Konterfei irgendwelcher schnurrbärtigen Helden des heroischen Kampfes gegen die Militärdiktatur. Türkische Wölfe waren damals noch grau, lebten auch außerhalb von Tälern und galten dem aufrechten Linken als rechtsextrem.
Doch wenigstens im Film hat die türkische Armee jetzt offenbar die Seiten gewechselt und kämpft seit neuestem Seite an Seite mit dem Zeitgeist gegen den US-Imperialismus, womit sie plötzlich von der mordenden Soldateska zur Volksbefreiungsarmee mutiert und der graue Wolf zum gutmütigen Bernhardiner. Denn wenn es dem Fortschritt dient (bzw. dem, was man dafür hält), ist alles erlaubt. Vor allem wenn man dabei die brutale Blödheit anprangern kann, mit der diese elenden Drecksyankees in ihrer tumben Arroganz selbst die eigenen Verbündeten noch demütigen:
"Der Film beginnt mit der Verhaftung einer türkischen Eliteeinheit im Nordirak kurz nach dem Sturz von Saddam Hussein. Die Soldaten werden von ihren eigenen Vebündeten, den US-Amerikanern, umzingelt und mit Säcken über den Kopf abgeführt. [...] Alle diese Rahmenelemente der Handlung sind tatsächlich passiert und hundertprozentig verbürgt."
Sind sie tatsächlich. Allerdings etwas anders, als der Autor dieses peinlichen JW-Geschreibsels das gerne hätte. Wie es scheint, hat er sich nämlich einen Wolf gesponnen:
Die Ausgangssituation für den Film ist ein Ereignis, das sich am 04. Juli 2003 in der Stadt Sulaymaniya/Irakisch-Kurdistan zutrug. Damals wurden 11 Offiziere und Angehörige der türkischen Spezialeinheiten von amerikanischen Militärs gefangen genommen und mit über ihren Köpfen gestülpten Säcken zur Vernehmung abgeführt.
Diesen Vorgang haben der türkische Generalstab, die Regierung und Medien sowie die türkische Öffentlichkeit als Beleidigung und Schmach empfunden. Man behauptete, dass die US-Amerikaner dies bewusst inszeniert hätten, um sich an den Türken zu rächen, da diese sich kurz vorher geweigert hatten, die Amerikaner im Irak-Krieg zu unterstützen. Man verlangte von der Bush-Administration für die Beleidigung sogar eine Entschuldigung.
Als die amerikanische Administration erklärte, dass sie Pläne und Material über einen Anschlag dieser Sonder-Einheit in der Hand habe, hörte die Diskussion über dieses Thema schlagartig auf.
Denn tatsächlich hatte die gefangen genommene Sondereinheit ein Attentat auf den Gouverneur der Provinz Kirkuk vorbereitet. Der kurdische Geheimdienst, der die Aktivitäten und den Plan dieser Einheit erfahren und beobachtet hatte, benachrichtigte kurz vor dem Attentat die amerikanischen Sicherheitskräfte, die durch die Gefangennahme die Tat vereitelten .
Sowohl für die Amerikaner als auch für die Kurden war damals klar, dass diese türkische Sondereinheit nicht selbstständig, sondern im Auftrag des türkischen Staates gehandelt hatte. Diese Tatsache wurde der türkischen Öffentlichkeit allerdings bis heute verschwiegen.
UPDATE: Zur Rettung der längst verlorenen Ehre der Jungen Welt muß erwähnt werden, daß sie zwischenzeitlich immerhin selbst gemerkt hat, was für ein Kuckucksei sie sich mit Jürgen Elässers blamabler Eloge auf den Werbefilm für die Grauen Wölfe ins Nest gelegt hat. Ein paar Tage später brachte sie immerhin einen halbwegs kritischen Artikel von Nick Brauns, der einen Teil der Wegstrecke wieder zurückzurudern versuchte. Da wollen wir den guten Willen mal ausnahmsweise zählen lassen. Sogar bei der Jungen Welt.
@ paulchen & friends
KEINE FREIHEIT FÜR DIE FEINDE DER FREIHEIT !!!
vorab: ich habe den Film nicht gesehen, kenne also Inhalt und Darstellung nur aus der Berichterstattung.
Mein Eindruck: der Film ist dezidiert anti-amerikanisch, türkisch-nationalistisch und ein klassischer Action-Streifen, der als ultima ratio den Einsatz von militärischer Gewalt propagiert. Inwieweit er anti-semitisch ist kann ich nicht beurteilen, da sich die Einschätzungen widersprechen. Zumindest ein oder zwei Szenen scheinen sch anti-jüdischer Klischees zu bedienen.
Was ich aber viel interessanter finde ist die innenpolitische Reaktion der betroffenen bundesdeutschen Abendländer
Großer Aufschrei mit: Untergang desselben, Förderung des islamischen, großtürkischen, orientalischen, schwarzhaarigen Terrors, Gewaltaten fanatisierter türkischer Jugendlichen nach Verlassen der Kinos usw.
Lösung: Verbot. des Films, der Kinos, des Verleihs, der Zuschauer und Abschiebung aller Beteiligten.
Und da stelle ich mir die bescheidene Frage:
seit ca. dreißig Jahren wird in bundesdeutschen Kinos, Videotheken und DVD-Verleihshops der Vietnamkrieg geführt - und nachträglich gewonnen. ES gibt hervorragende Filme über Vietnam: "The Deer Hunter", "Apocalypse Now", "Platoon", "Rambo I", "Good Morning, Vietnam", die diesen Krieg mit unterschiedlichen Mitteln und mit sehr divergierenden Aussagenb behandeln. Und es gibt eine unübersehbare Flut minderwertiger Actionfilme, die - fast - alle dem gleichen Schema folgen: heldenhafte US- Soldaen / Elitetruppen / POW (nur die CIA kommt regelmäßig schlecht weg) kämpfen gegen unfähige, brutale, kommunistische Finsterlinge, die die eigene Zivilbevölkerung hinschlachten und edle Freiheitskämpfer regelwidrig foltern und ermorden. Im Hintergrund meistens irgendwelche "Russen" (Angehörige der Roten Armee, KGB, oder privatisierende Waffen- und Drogenhändler).
In den späteren Jahren wurde die Handlung zunehmend nach Nordkorea, Afghanistan, Lybien, Irak, Iran usw ausgedehnt bzw. verlagert, weil sich Abnutzungserscheinungen bei der zehnten Wiederholung der story ergaben. Diese und ähnliche Filme strotzen vor anti-vietnamesischen, antirussischen, antiarabischen, antikommunistischen, antiislamischen Stereotypen und Propagandabotschaften.
Dies ist alles normal, Bestandteil unserer Alltagskultur und bisher habe ich noch keine Beschwerden der amerikanischen Botschaft über ein verzerrtes Amerikabild gehört.
Jetzt gibt es einen Film, der die genau diese Erzählweise des Hollywoodkinos nutzt, um eine gegenteilige Botschaft zu verkünden. Warum also die Aufregung?
wie immer
not convinced
jaeger
P.S. von Art. 5 Abs. 1 GG mal ganz abgesehen ...
Kommentiert von: jaeger | Montag, 27. Februar 2006 at 10:48 Uhr
@ jaeger
Keine Sorge, ich bin der letzte, der diesen Film verbieten möchte. Ich wundere mich nur ein wenig darüber, wie weit die Linke inzwischen nach rechts gerückt ist. Scheint Dich aber nicht besonders zu irritieren. Naja, jedem das seine.
Kommentiert von: Paul13 | Montag, 27. Februar 2006 at 16:43 Uhr
Die Freunde des "interkulturellen Dialogs" verhalten sich paradox; generell beantworten sie Fragen, die nur sie selber sich gestellt haben, d.h., sie monologisieren nach Regeln die nur für sie selber gelten und sagen so mehr über sich selber aus, als über irgendein Thema.
Die Frage lautete, weshalb Postkommunisten soviel Sympathien für die türkisch -nationalistischen und rassistischen "Grauen Wölfe" und im Gegenzug die früher heftig geliebten Kurden zum neuen Feindbild erkoren haben.
Kommentiert von: alibaba | Montag, 27. Februar 2006 at 17:04 Uhr
@alibaba
Die Zusammenarbeit der Linken und Kommunisten mit Faschisten und Terroristen hat doch schon eine lange Tradition: Fängt beim Wahlkampf in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts an, geht bei Hitler/Stalin weiter. Die Stasi griff gern auf die Erfahrungen der Gestapo-Leute zurück und unterstützt Terroristen aus Pal., Arabien oder der BRD. Alles nur im Kampf gegen den stinkenden faulenden Kapitalismus. In der Moderne geht man gern gemeinsam gegen H4 auf die Straße und Lafo&Co. sind sich für gewisse Parolen nicht zu schade.
Die Kurden passten einfach ins Konzept - die kämpften doch gegen den "imperialistischen Kettenhund Türkei". Mittlerweile sind die Kurden nicht mehr so aktiv und uninteressant. Außerdem haben sich einige Kurden in den Augen dieser Leute zu Verbündeten der USA entwickelt. Außerdem haben die Kurden den Sturz eines ehemaligen Lieblings der Linken/Kommunisten unterstützt.
Kommentiert von: S1IG | Mittwoch, 01. März 2006 at 00:51 Uhr